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Full text of "Zeitschrift fur Vergleichende Sprachforschung auf dem gebiete der ..."

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ZEITSCHKIFT 

FÜR 

VERGLEICHENDE 

SPRACHFORSCHUNG 

AUF DEM GEBIETE DER 

INDOGERMANISCHEN SPRACHEN. 



HERAUSGEGEBEN 

VON 

A. KUHN, £. KUHN und J. SCHMIDT. 



BAND XXV. 
NEUE FOLGE BAND V. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 

HARRWITZ UND fiOSSHANN 
1881. 



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T^biDmr. -^ Hof- Büchdfüokerai. 



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Inhalt. 



Seite 
Zwei arische a-laute und die palatalen. Von J. Schmidt 1 

Uebersetzungen aus dem Avesta. IL Vendidäd 2. 15. 5. Von Karl 

Geldner 179 

Der Ursprung des griechischen schwachen perfects. Von Karl 

Brugman 212 

Formenassociation bei den indogermanischen nuraeralien mit beson- 
derer berücksichtigung der griechischen. Von Job. Baunack . 225 
Zum Zahlwort. 1) iyßtyaxoyra, octtiaginta, octavua, 2) catur. Von 

Jakob Wackernagel 260 

Das quantitätsgesetz in den Präkritsprachen. Von H. Jacob i . . . . 292 
Griechische etymologien. 1) ^tvrtQos ^evratog. 2) <t4ßo/nat, ifoßim. 

2)ldiof4M, 4) irintat. Von Karl Brugman 298 

Altpersisch akunaus und adarSnauS, Von Karl Brugman . . . . 307 
Kleinere bemerkunge^^ Rik I, 6, 3. Wurzel trp rauben, äprd = stark. 

Indogermanisches zd und verwandtes. Von F. Kluge 309 

Bemerkungen zur Päli-grammatik. Declination. Gomparation. Pro- 
nomina. Verbalflexion. Einzelheiten. Von H. Oldenberg . . 314 

Misodlen. Von E. Kuhn 327 

Ueber dialektspuren im vedischen gebrauche der infinitivformen. I. Ein- 
leitung. II. Die Standorte der infinitive des Rigveda. III. Sta- 
tistische tafel. IV. Statistisch vergleichende Übersicht. Nachträge. 

Von Herm. Brunnhof er 329 

Uebersetzungen aus dem Avesta. III. Jasht 5. 6. Vend. 13. Von 

Karl Geldner 378 

Tenuis und media. Von Julius Hoffory 419 

lieber ni tundate. Von T. Aufrecht 435 

Pr&kritische miscellen. 1. duruttara. 2. ddvat, 3. pamussoH. 4. Der 
acc.pl. auf e. Von Siegfr. Goldschmidt 436 



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IV Inhalt. 

Seite 

Ueber sükha und duhkha. Von Hermann Jacobi 438 

Erklärung der redaction 440 

Lykische Studien. 1. König Perikles. 2. Verwendung des lautes I. 

Von Moritz Schmidt 441 

Uebersetzungen aus dem Avesta. IV. Jasht 8. 10. 13. Vendidäd 14. 

8. 16. Von Karl Geldner 465 

Die herakleischen pluraldative auf -airtfi. Von J. Schmidt . . . . 590 
Die germanische flexion des verbum substantivum und das hiatus- 
füllende r im hochdeutschen. Von J. Schmidt 592 

Ueber rdpaa. Von T. Aufrecht 601 

Bemerkungen zu band XXV. der Zeitschrift. Von R. Roth 602 

Zur geuesis der Präkritsprachen. Von Hermann Jacobi 603 

Präkritische miscellen. 5. Meru, 6. sumirämi. 7. purusha pün*8ha. 

Von Siegfr. Goldschmidt 610 

Sach- und Wortregister. Von Alois Vaniöek 618 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 



L 

In neuerer zeit ist zweimal, zuerst von Amelung dann von 
Brugman versucht worden, die herkömmliche annähme, dass 
die in den europäischen sprachen erscheinenden e, o, a aus dem 
allen dreien entsprechenden monotonen skr. a entstanden seien, 
durch die umgekehrte, dass die europäische manigfaltigkeit aus 
der Ursprache stamme, in den arischen sprachen aber verloren 
sei, zu ersetzen. Die alte annähme ist, wie man sich nicht 
verhehlen darf, durch nichts bewiesen. Prüfen wir die begrün- 
dung der neuen. 

Amelung (ztschr. XXI 369) erwähnt als einzigen >für die 
annähme, dass in dem arischen a zwei ursprünglich verschiedene 
laute zusammengeflossen sind, sprechenden umstand, dass nur 
dasjenige arische a, welches europäischem e entspricht, sich öfter 
zu i schwächt, nicht aber das andere a, welches europäischem 
a gleichsteht €. Die behauptung erweist sich aber als unrichtig 
durch skr. püd = nai^Q, sthitd-s =s ^tarog^ «iiwrf- jeder 
neben enklitischem sama- = d/jid-, got. sums; giri-s: abulg. gara, 
hira, darm: haru-spex u. a, (Aufrecht ztschr. III, 194; V, 139), 
wwd'S = lat. armus, cirartn streifen baumrinde = abulg, kora, 
wirors meer (unbelegt) : mare, abulg, morje, kUa-s pfähl, keil = 
abulg. kdU, jihmärS = doxfwg (Bugge ztschr. XIX, 422), nigäs 
noctis gen. zu nom. ndk RV. VII. 71, 1 (Brugman stud. IX, 
395) : vt»x-*o-5, noc-ti-s; pUdr-s = lat. pötus. Auf die Ursachen, 
welche im sanskrit i oder T in a-wurzeln hervorgerufen haben, 
kann hier nicht weiter eingegangen werden. Nur das ist zu be- 
merken, dass diese Schwächung in historischer zeit fast nur indisch, 
nicht auch iranisch ist. Das altbaktrische kennt sie ausser in 

ZdtMhrin für Tergl. Sprachf. N. F. V. 1. 1 



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2 Joh. Schmidt, 

pUa^ apers. pita vater nicht *), vgl. tarö = Urds, gairi- = gm-, 
ftäta- = sthitd-, data- = hüd-, päiti- = ved. nr-pitir männer- 
schutz, (tonhana- = dstna-, frtnamahi = prlnTmäsi. Dabei ist 
allerdings zu berücksichtigen, dass die a- von gtata-, data-, päiti-, 
frinatnahi an stelle alter kürzen übertragen sind. Mithin ist 
nicht ausgeschlossen, dass die ursprünglichen kürzen wie in pita 
früher zu i geworden waren. 

Brugman hat in seiner anregenden abhandlung »zur ge- 
schichte der starnmabstufenden declination« slud. IX, 361 fif. 
die behauptung aufgestellt, dass den griechischen «, o, a schon 
in der Ursprache drei verschiedene a-laute entsprochen haben, 
welche er als ai, aa, az bezeichnet. Füras, welches dem griech. 
a entspricht, bringt Brugman gar keinen beweis (s. 381), nur 
den unterschied von ai = e und aa = o sucht er auch im 
arischen nachzuweisen. Dieser habe sich nur vor einfachen in- 
lautenden consonanten erhalten. Es entspreche nämlich in dieser 
läge arisches a dem europäischen e, dagegen arisches a dem 
griech. ital. kelt. slaw. o, germ. lit. a, und dieser laut sei ur- 
sprünglich »halblang« gewesen, (s. 380 f. ztschr. XXIV, 2). 
Letzteres stützt Brugman durch die sechs beispiele pddam noda^ 
jdnu YÖPV, ddru S6qvj jajdna yfyova, bhdromas (fiQOfUv, dotdratn 
daitoQa, wozu als siebentes ushdsam *^6a (ztschr. XXIV, 22) 
kommt. Als ergänzung dazu wird stud. IX, 386, ohne auch 
nur den versuch eines beweises zu unternehmen, behauptet, die 
ausbildung der in den europäischen sprachen erscheinenden 
langen vocale der o-reihe sei »verhältnissmässig jung«. Ich 
habe schon in meiner anzeige der Brugmanschen abhandlung 
(Jen. lit. zig. 1877 art. 691), soweit ich es an einem orte, der 
eine begründung des urtheils ausschloss, thun konnte, ange- 
deutet, dass ich den nachweis für misslungen halte. Die be- 
gründung meines urtheils schrieb ich für diese Zeitschrift nieder, 
liess sie jedoch meiner altmodischen gewohnheit gemäss über 
ein jähr im pulte liegen. Mittlerweile erschien eine abhandlung 
von Collitz (Bezzenberger beitr. 11, 291 ff.), welche mir nach 
der negativen seite die sache richtig zu erledigen und mich der 



>) Eine zweite ausnähme wäre t in reduplicationssilben des präsens, 
z. b. histeiUi, apers. aUtatät doch hatte hier schon die Ursprache i, wie die 
Übereinstimmung von tiahthanU, ftfrdfcr», sisttmt wahrscheinlich macht und 
später ausführlich nachgewiesen werden wird. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 3 

nothwendigkeit meinen artikel drucken zu lassen einstweilen 
zu überheben schien. Die hoflfnung erwies sich als trügerisch. 
Denn Oslhoflf erklärt neuerdings in den morphologischen Unter- 
suchungen I, S07 ff., er halte »Qugmans gesetz, dass im arischen 
a% erkennbar sei an seiner gestaltung zu a in offener silbe, auch 
bx>tz der bemühungen von Collitz dagegen für völlig uner- 
schüttert €. So sehe ich mich veranlasst auf meine ursprüng- 
liche absieht zurückzukommen. 

Zunächst muss bemerkt werden, dass das ganze sogenannte 
gesetz nicht neu ist, sondern dem von den Verfassern der »morpho- 
logischen untersuchungenc s. IX so sehr verabscheuten »hypo- 
thesentrüben dunstkreise der werkstätte, in der man die indo- 
germanischen grundformen schmiedet, c entstammt Ist es doch 
nichts anderes als was Schleicher in allen auflagen seines com- 
pendiums, z. b. § 34, lehrte: germ. lit. a, griech. lat. altir. abulg, 
•0 sei erste Steigerung des e und entspreche dem skr. a. Nur 
dass Schleicher nicht die langen a-vokale der europäischen 
sprachen für »verhältnissmässig jung« erklärte. 

Ehe ich Brugmans sieben beispiele prüfe, wird es zweck- 
mässig sein, eine reihe allbekannter falle zusammenzustellen, 
welche germ. lit. a, griech. lat. slaw. o vor einfachen consonanten 
in den arischen sprachen durch a, nicht durch a wie Brugmans 
»gesetz« will, vertreten zeigen. 

1. skr. bhdramOna^s, ^sQO^voq; 

2. skr. atui', lit. ans, abulg. onü, lat. öllus aus ^on-los; 

3. skr. djms, lat. opus; 

4. skr. araini^, dUvfi^ lat. iüna, got. alema; 

5. skr. drus wunde, anord. örr; 

6. skr. avd' pron. (nur gen. du. avis ved.), abaktr. apers. 
atwf-, abulg. ovü; 

7- skr. dvi-s, o%q^ ovis, lit. ams, abulg. ovtca, ahd. aui 

8. skr. ddmchs, öofAcg^ domus, abulg. damü; 

9. skr. dvayd'8, dotogj abulg. dvoj; 

10. skr. pdti-s, n6<siq^ lit. paus, got. faps; 

11. skr. prdiiy TtQori; 

12. skr. mani'S, as. meni, lat. monüe; 

13. skr. rdfhorSy rota^ HL rdtas, ahd. rad; 

14. skr. rdsa-Sy rasd, lit. rasa, abulg. rosa; 

15. skr. sdkha dat. sdkhy^, ab. Iwkha dat. hash^, lat. sodws; 

1* 

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4 Joh. Schmidt, 

16. skr. samd-s, ofiog, got. sama; 

17. abaktr. ^maiv- m.^ gr. cro^a. 

. Ferner folgende mittels suflf. a aus nebenliegenden in der 
spräche noch triebkräftigen »wurzelnc gebildete noniina: 

18. skr. gards, ßoQog, lat. -voriis; 

19. skr. jdnc^s, yopog; * 

20. abaktr. taka-, abulg. tokü; 

21. skr. hhdga-s, abaktr. bagha-, apers. haga, abulg. bogü; 

22. skr. hhdra-s, ipoqoc; 

• 23. skr. äbhi-shtand-s, (S%ovoq; 

24. skr. spoQa-s, <fxon6g; 

25. skr. srava-s, ^oog. 

Also das auf sieben falle gebaute »gesctzc hat fünfund- 
zwanzig ausnahmen. Zählen wir no. 18 — 25 als beispiele der- 
selben kategorie nur einmal, in welchem falle auch Brugmans 
pädam, datdram, ushdsam nur als ein beispiel zählen dürfen, 
so bleibt das verhältniss fast unverändert 18 zu 5. Will man 
Osthoflfs einwand (morphol. unters, s. 209 anra.) gelten lassen, 
dass dvir, pdti- und gtaman- »den vocal der schwachen Stamm- 
form« verallgemeinert haben, der nach Brugman vor der hier 
erscheinenden doppelconsonanz (z. b. gen. dvy-as, pdtp-us, 
*gtafnno) auch als a% kurz bleiben musste, und demgemäss 
auch mai^ und sdkha unseres Verzeichnisses nicht rechnen, so 
bleiben immer noch 13 ausnahmen gegenüber fünf fallen des 
»gesetzes«. Ich habe dabei nur beispiele aufgenommen, deren 
formen in den verschiedenen sprachen sich ganz genau decken 
oder unbestritten von einer gemeinsamen grundform ausgehen. 
Die mehrzahl derselben hat auch Gollitz, weitere werden sich 
alsbald ergeben. 

Absichtlich ausgelassen sind falle wie Jcatard-, noxsqog; kdii, 
quot, noffffog; pratardm, nqoxsQOv u. a., weil eine erörterung 
der OsthoiFschen behauptung, dass sie »unter dem banne von 
ia- *und prd stehen«, der den eintritt des angeblich gesetz- 
massigen a verhindert habe, den vertheidigern des »gesetzes« 
gegenüber um so weniger zu einem resultate führen würde, 
als diese selbst über den geltungsbezirk ihres bannes uneins 
sind. Während Osthofif ihn über die ableitungen ausdehnt, 
lässt ihn Brugman nicht einmal für die casus des primitivum 
gelten. Ihm zufolge hat dgvam trotz tnnov nicht a, weil sein 
gesetz in schlusssilben nicht gelte; die regelmässige entsprechung 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 5 

zeige sich in dgvabhyam: abulg. vUkoma, lit vilkdm (stud. IX, 
380 anin.). Es liegt aber auf der band, dass die vorletzten 
vocale von vUhama und dgvabhyam einander ebensowenig ent- 
sprechen wie die von vUkomU und dgvebhyas. Schon toju = 
skr. tätfös hätte dies lehren können. Das skr. a von dgvO' 
VhyOm ist ebenso unursprünglich wie das er von dgvS^bhyas und 
beide in gleicher weise entstanden. & vor den consonantisch 
anlautenden casusendungen des plurals findet sich nur bei den 
masculinen und neutren, nicht bei den femininen, ebenso in der 
pronominaldeclination. Niemand bezweifelt, dass der nom. pl. 
der masculinen nominalen a-stämme im griechischen, lateinischen, 
altiriscben, slawischen und litauischen nach dem muster der 
pronominaldeclination, urspr. tat, gebildet und dass die endung 
des gen. pl. -sam der substantiva im griechisciien und lateinischen 
ebenfalls aus der pronominaldeclination eingedrungen ist ^). 
Gerade so sind dgvE-bhis -bhyas -shu nach tS-bhis -bhyas -shu 
gebildet. In den locativ hielt die pronominalanalogie schon 
früh ihren einzug, wie die Übereinstimmung von dgvushu, tnnonr$j 
equis, vttcSchU lehrt, in die übrigen casus erst während der 
arischen sonderentvdckelung. Dass die pronominaldeclination 
das ai schon in der Ursprache hatte, folgt aus der Überein- 
stimmung der arischen und nordeuropäischen sprachen: 

skr. afoulg. 
iibhis Umi got. paim 

W>kyas UmÜ \\i,thmSy^Y^\Jis&,stdmans 

thham tichü preuss. steism an.peira, got bUndcMB 

tisku Uchü. 



^) Ich bemerke hei dieser gelegeDheit, dass, um mich kurz auszu- 
drücken, im dorischen die endung -säm auch hei den masculinen pronomina 
erhalten, nicht wie in den anderen dialekten durch das nominale -am ver- 
drängt ist Die Dorier betonten masc. rovrcSy, jtivSivj dXXtSy, dagegen die 
substantiva auf der vorletzten UQWfAiav. Ahrens dor. 31, der die Zeugnisse 
dafür giebt, erklärt das durch dXX^y erwiesene ältere *dlX6oiv als stäQun 
£LU- + suff. a»v, irrig, wie schon n^M/nmy zeigt. Zu der zeit, als die 
qaantität der auslautenden silben negativ bestimmend in das accentuations- 
system eingriff, bestand — was auch heute noch manche nicht wissen — 
Üatus zwischen zwei vocalen nur, wenn ein spirant zwischen ihnen ge- 
sehwunden war. '^äiXotitff kann nur aus *dJUo<t9oy entstanden sein, und 
dies entspricht, abgesehen von der durch aliärum veranlassten debnung 
des o, genau dem lat cUtörum* 



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Q Job. Schmidt, 

Wie das ai zu erklären sei, lehrt das femininum, welchem 
es in der Ursprache fehlte: skr. td-bhis u. s. w. in Überein- 
stimmung mit lit. iomttö, töms. Die differenz von msc. tibhyas 
und fem. Utbhyas beruht auf der differenz der nominative ie 
und tds^ d. h. das te in te-hhyas u. s. w. ist die form, welche 
als nominativ des masculinum fungirt, aber urspränglich nur 
pluralstamm, kein casus ist. toA ist eine copulative Zusammen- 
setzung der beiden pronominalstämme ta und i wie -ma-si 
(ich 4^ du), dvärda^i dta^dexa, dtuhdecim u. a., bedeutet also 
dieser -f- jener = die. Die richtigkeit dieser darstellung wird 
durch zwei thatsachen bestätigt. Erstens durch amt-bhis -ilhyas 
"Sham 'Sku^ welche ebenfalls das als nom. fungirende omt vor 
den casussuffixen haben. Das femininum flectirt amA-bhis u. s. w., 
weil sein nom. amüs lautet. Also das verhältniss von amt : 
anUfbhis : amäs : amäbhis ist genau dasselbe wie von te : tSbhis : 
täs : üUhis. Ist unsere auffassung des i^ in tSbhis u. s. w. 
richtig, dann werden nur solche pronomina € vor den casus- 
sufiBzen haben können, welche eine auf e auslautende form als 
Dommativ fungu*en lassen, und so ist es wirklich: ctörnd-bhis, 
a9mdrbhyam, asmd-su, ynshmä-bhis, yiAshmd-bhyam, yushmdrsu 
haben kein ^, weil ihnen kein nominativ auf E zur seite steht % 
und geben uns so die zweite bestätigung dafür, dass Ubhis 
richtig erklärt ist. Nun hoffe ich nicht mehr auf Widerspruch 
zu stossen, wenn ich weiter die proportion aufstelle tt-hhis : 
tS s= du. td'bhyOm : td. Das a konnte um so leichter in den 
dät. abl. instr. dringen, als das fem. schon von haus aus 
tdbhyam lautete und im gen. loc. eine und dieselbe form tdyös 
für alle geschlechter im gebrauche ist. Im slawischen drang 
bei den pronomina das ^ aus dem plural ein, tima nach^^inti^ 



^) Das lange a in omn^-öM« -su, yushm(U>his -au ist aus dem instru- 
mental in den loe. übertragen. Wie asmdi^ asmabhyam, ved. asmi^ ytuhmäi^ 
yu$kmibhyam, ved. yushmi zeigen, flectirten asma- und yushma-, welche wie 
fi schon im stamme die pluralbezeichnung enthalten, ursprtknglich singu* 
toisdi. Dem entsprechend lautete der instr. ursprünglich *atmä, yuMhmd^ 
letxterer erhalten in ved. ynshmä-ff^ta- von euch geleitet und yuahtnä-daita' 
von euch gegeben (so an den beiden stellen seines Vorkommens RV. V, 
54^ 13. ViU, 47, 6 mit Grassmann zu übersetzen). Indem die plurale be- 
deutung der formen alimäblich auch plurale casussufftxe herbeirief, ward 
aus dem alten instrumental yushmä durch anfügung von -bfUa yushmäöMs 
gebUdet, und von hier aus pflanzte sich das a in die ebenfalls mit plu* 
ralischen suffixen neugebildeten locative fort. 



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Zwei arische a-laute und die palataleii. 7 

(im abaktr. auch bei den nomina gagta^bya nach ea^Hhyö\ 
bei den nomina erhielt sich aber die alte aus dem reinen stamme 
mit suff. -ma bestehende bildung. vUkoma und skr. vfkabhyam 
decken sich also gar nicht. 

Ich gehe nun an die prufung der sieben beispiele, auf 
welche Brugman im einklange mit Osthoff sein »gesetz« gründet, 
indem ich die beiden der conjugation entnommenen voran stelle, 
dann die nominalstämme im zusammenhange behandele. Bei 
dieser anordnung wird sich ein rein negativer verlauf der kritik 
am ehesten vermeiden lassen. 

1. Plur. verb. skr. -a-mas. 
Zunächst ist zu streichen bhdrämas = (pigofisv. Im 
griechischen hat die zweite silbe von ^iQOfi^v genau dieselbe 
vocalisation wie die von (peQOfisvog^ ebenso lat. quoiesumus wie 
aksmnuSy auch das altbaktrische hat in der 1. pers. pl. mehr- 
fach kurzes a: yazamaid^, zbayamdhi u. a. (Justi s. 395 f., Spiegel 
gr. s. 211 f.). Im Sanskrit aber haben hhd^amas und hhdror 
fMnas verschiedene quantität, eine von beiden formen ist also 
vom urq)rünglichen abgewichen, und das kann ersichtlich nur 
die 1. pl. sein, für welche die abweichung leicht erklärlich ist. 
Brugman (morphoL unters. I, 13 anm. 146 f.) schliesst sidi 
mit recht Scherers ansieht an, dass die 1. sg. act. der verba 
imit thematischem vocale« urspninglich auf -a, nicht auf -Omi, 
ausgieng, und dass urspr. Ihdra =■ ^igco, fero, baira im skr. 
erst durch die analogie von dsmi, dddami u. s. w. zu hhärOmi 
geworden ist. Folgen wir weiter der leitung der europäischen 
sprachen, welche das altbaktrische unterstätzt, so müssen wir 
für die Ursprache den »thematischen vocal« aller ersten personen 
des plurals als kurz ansetzen, z. b. *bharamasi. Als dann 
urspr. bhara zu skr. bhdrami erweitert war, wurde von hier 
aus das a an stelle des urspr. a in alle ersten personen pl. 
du. act med. übertragen, bhdrami, hhärmutsi traten an stelle von 
ißteren "^bhdra, *hhäramas%^). 



>) Gollitz s. 900 f. geht ebenso von der abereinstimmenden qusntit&t 
von ^l^tf und hharä-mi aus, ohne das plus des -mi zu erörtern, und fasst 
das d der 1. pl. und du. ind. der arischen sprachen als Übertragung aus 
der 1. 8g. OsthofT weiss saclilich nichts zu entgegnen und macht seinem 
uomuthe folgendermassen luft: »Die »formübertragungenc sind freilich 
eine treffliche erflndung der neuzeit, aber sie sind nicht jedermanns sache, 



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8 Job. Schmidt, 

Perfect-ablaut der wurzeln mit innerem a. 
Zweitens ist zu streichen jajäna = ysyova^). Für die 
beurtheilung der europäischen perfectvocalisation giebt bekannt- 
lich das germanische, welches sich der von den südeuropäischen 
sprachen mehr oder weniger vollzogenen ausgleichungen zwischen 
dem singularischen und pluralischen stamme in seinen ältesten 
phasen noch fast ganz enthalten hat, im allgemeinen den mass- 
stab. Hiernach haben wir präsentischem e gegenüber im 
ganzen singular des perfects germ. a, also ist auch das 
griech. o in demselben umfange als ursprünglich anzuerkennen. 
Dagegen hat im RV. bekanntlich nur die 3. sg. perf. langes ä, 
die 1. sg. durchweg kurzes a (Delbrück altind. verb. 26. 116) 
und im altbaktrischen auch die 3. sg. überwiegend kurzen 
vocal (Justi handb. s. 400 f.). Das europäische a (o) der drei 
singularformen und das skr. a, welches auf die 3. sg. beschränkt 
ist, decken sich also ihrer räumlichen Verbreitung nach keines- 
wegs, und es ist reine Willkür, wenn man das a der 3. pers. 
und nicht vielmehr das a der 1. pers. dem europäischen a (q) 
gleich setzt. Keine europäische spräche weiss etwas von einer 
Unterscheidung der 1. und 3. person durch Verschiedenheit 
des stamm vocals, ebensowenig das sankrit bei consonantisch 
schliessenden i- und w-wurzeln oder in irgend einem anderen 
tempus^). Die Unterscheidung z. b. von 1. jagdma und 3. ja- 
gdtna gegenüber got. 1. 3. qam ist also zweifellos erst im 
sonderleben des indischen aus den trümmern eines älteren 
Sprachbestandes, den uns die europäischen sprachen ermitteln 
helfen, aufgebaut. In letzteren haben wurzeln, welche nicht in 
der ir- oder «-reihe ablauten, bekanntlich verschiedene perfect- 



und manchem >vürde wohl betreffs ihrer ein rath gut thun von der art, 
wie man ihn kindem und unerfahrenen leuten betreffs des schiessgewehres 
giebtc (morphol. unters. 211). Zur regelung der wissenschaftlidien ver- 
kebrsformen wäre es wohl gut, wenn Osthoff sich die frage beantwortete, 
wem dieser rath nöthiger thut, dem blinden anhänger eines >gesetzesc, 
welches, wie sich zeigen wird, durch kein einziges haltbares beispiel ge- 
stützt ist, oder dem in der that ganz jungen manne, welcher die unhalt- 
barkeit der dafür vorgebrachten beispiele im wesentlichen erfolgreich 
nachweist. 

^) Brugmans beispiel ist bdbhdra: it/^oga (s. 361), ich habe mir er- 
laubt, es durch ein in beiden sprachen gleichmässig vorhandenes zu ersetzen. 

*) Der aor. pass., dessen 3. sg. weder denselben tempusstamm noch 
dieselbe betonung wie die übrigen personen hat, begründet keinen einwand. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 9 

vocalisation, je nachdem das praesens e oder a hat. Die erste 
biidung repräsentiren qima qam q&n%um, man munum =^ fAifAOva 
ftifucfjtsp^ ihr princip ist bekanntlich, dass die ursprünglich den 
wurzelvocal betonenden formen des sg. act. kurzes a (o) haben, 
welches in allen übrigen auf der personalendung betonten 
formen schwindet. Dieser ersten biidung entspricht also skr. 
l.sg.jagäfna,jagmüs. Die zweite biidung repräsentirt got fara 
fifr fiHrum. Germanischem a entspricht in den südeuropäischen 
sprachen theils a, theils o, es gehören also hierher aus dem 
lateinischen bildungen sowohl des typus ßdio födi als scäbo 
scäbi, aus dem griechischen sowohl oCo» odmöa als q>aiv0} nitp^va^). 
Letztere sind uns besonders werthvoll, da sie die im germanischen 
und lateinischen verwischte Verschiedenheit des starken ursprüng- 
lich auf den sing. act. beschränkten Stammes von dem schwachen 
ursprünglich allen übrigen personen des act. und med. zu- 
kommenden in genügenden spuren erhalten haben. 

Solche sind niq>avxai : niq>fjva\ XiXaütm IL jB834, XtXdü- 
(A€^a A 313, XsXaCfiivov N 269 u. ö.: XiX'^&a; ÖMXsXafifAivog 
Hdt. III, 117, änoXsXocfAfiivot IX, 51 : sXXi^(fa\ dsöavfA^voiv Simon. 
Amorg. fr. 30 B., dsiav^ivov Hesych, dsdavXa Nonn. VI, 305: 
didfi€ II. P 253 u. ö. ; hom. /As/uxxvta : /ASfAi^xdi^, ts&aXvTa : 
tB^Xüig^ XeXaxvta : XsXi^xioCy aqaqvZa : dgi^gcogy iSstSaQvta Hes. 
scut. S68: ifsQ^Qiig Aristoph. pax 620. Aus ihnen ergiebt sich 
eine alte flexion XiXäd^a : HeXä^^fssv, XiXäata$, welche lehrt, 
dass die entsprechende germanische biidung urspmnglich wie 
alle übrigen nicht mehr reduplicirten perfecta im plur. du. und 
opt. eine leichtere vocalisation als im sg. indic. hatte, dass för 
f9mm aus altem för : *farum uniformirt ist. Man wird ent- 
gegnen, dass dergleichen in keiner anderen nicht mehr redupli- 
cirten perfectbildung geschehen ist. Allerdings, aber auch keine 
andere provocirte diese uniforminmg in gleichem masse. Keine 
andere hatte im plural dieselbe vocalisation der Wurzelsilbe, 
wie das zugehörige präsens. Der pedantische Ordnungssinn, 
welcher so vielfach in der fixirung des ablauts bemerkbar ist 
(voc I, 50 f. n, 459 f.), empfand dies als eine Störung. Er be- 
seitigte sie durch aufhebung der ihm, nach ausweis der redupli- 



*) Perfeclisches w gegenüber präsen tischein o findet sich bei consonan- 
iisch schliessenden wurzeln nur in Verbindung mit der sogenannten attischen 
reduplication : Unwna, oltoXay o^cu^a. 



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10 Joh. Schmidt, 

cirten perfecta, weniger wesentlich scheinenden differenz zwischen 
sing, und plur. perf. Das princip der ersten bildung (qam : 
qSmtm) war: hochtoniges kurzes a (o) fallt aus, wenn die per- 
sonalendung betont ist ^). Das der zweiten ßilä^a : Xilaatat) 
ist: hochtoniges langes a (ö) wird verkürzt, wenn die personal- 
endung betont ist. Beide principien sind also im gründe das 
selbe: der auf die personalendung fallende hochton verkürzt 
die vorhergehende Wurzelsilbe um je eine more, kurzer vocal 
schwindet, langer wird verkürzt. 

Im Sanskrit sind nun beide bildungen ebenfalls vorhanden, 
nur nicht überall streng von einander geschieden. Klar er- 
kennbar zeigen sie sich in den schwachen formen. Warum 
heisst es jagme (gam gehen) aber gagame {gam arbeiten), warum 
gäcüs {gak vermögen), ssdtis (sad sich setzen) aber gOgadus {gad 
sich auszeichnen), warum jagrbhüs (grahk ergreifen) aber jagra- 
sand- (gras verschlingen)? Die antwort geben die europäischen 
sprachen: alle schwachen formen, in welchen a geschwunden ist, 
folgen der ersten bildung (jagmüs, ssdüs = got. qemun, sBiun)^ 
alle in denen es erhalten ist, der zweiten : gdgadana-- entspricht, 
so weit es die Verschiedenheit der suffixe gestattet, dem griecb. 
Ksxudf/bivo^ Pind. Ol. I, 27, hom. xsxatf/Aitfog (Roth erl. z. Nir. 83 
und Petersb. wtb.); gaganul, gagatnand- würden, falls das perf. 
med. von xd/Avm vorkäme, griechisch xixfjujtat^ xsn^fAivoq 
lauten, deren x^kfi aus aeä/u entstanden ist, ztschr. XXIII, 277 ff. ^); 
die WZ. gras hat Lottner ztschr. XI, 197 in Yd^^ ^us *Y^a<r4a, 
wie Yfätrug zeigt , erkannt , dem skr. jagrasand- würde also 
*Y6YQaifgA€vog entsprechen. Noch für einige andere schwache 
formen mit erhaltenem a wird dadurch, dass die europäischen 
sprachen in wurzelverwandten worten nur o-laute, keine e-laute 
zeigen, die ursprüngliche Zugehörigkeit zur zweiten bildung des 
perfects wahrscheinlich: ved. rarc^htnd (rdbh packra), falls es 



^) Gegen Brugmans behauptung, dass »zusammenziehongen, wie sie 
das altindische in formen wie paptmä zeigt, natfirlich jüngeren Ursprung», 
noch später als diese dann solche formen wie aedüs seienc (stod. IX, 386), 
erheben bekanntlich das sanskrit, altbaktrische, altpersische, lateinische, 
keltische und germanische, d. h. alle sprachen, welche das perfectuni er- 
halten haben, ausser dem griechischen, welches die betreffenden formen 
eliminirte, vereint protest. 

*) Brugmans abweichende deutung derartiger formen morphol. unters» 
1 ff. überzeugt mich nicht. 



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Zwei ansehe o-laate und die palatalen. ü 

mit Pott e. f. V, 356 zu lat. rdbere, dessen perf. allerdings nicht 
vorkommt, zu stellen ist (vgl. rdbhas ungestüm : rdbies); ved. 
vaüa(r€, vavoQänA-, ävavoQanta (vag brüllen^, vgl. lat. vagire 
(Polt e. f. II, 4, 581) ; r/igastis (gas schneiden; Pän. VI, 4, 126, 
lat. cas-trare (Pott. e. f. II, 4, 364), vielleicht auch abulg. kosa 
Sichel, lil. käsii graben*); paprcUM (praih med. sich ausbreiten) 
lässt sich vielleicht durch das a von lit. plantü plästi breiter 
werden, neben welchem allerdings auch plec0u pUsü mit e 
liegt, rechtfertigen. 

Für andere fehlt bis jetzt die hilfe aus den verwandten 
sprachen : cakramüs, cakame, gagramtis, vavasand- (vas los stürmen 
auf). Erwägt man, wie consequent durch die ganze conjugation 
hindurch die auf dem verbalstamme betonten formen von den 
auf der personalendung betonten ursprünglich geschieden waren, 
so wird man zu dem Schlüsse gedrängt, dass die zweite bildung 
ursprünglich in allen personen des sing. act. den wurzelvocal 
als a hatte wie in den europäischen sprachen {XiXäx^a : UXätstai) 
und bei vocalisch auslautenden wurzeln auch im sanskrit, ta-sthd 
torsfhd-tha. Das verhältniss von gagdda zu Qacadus ist dann 
quantitativ dasselbe wie von pddam zu padds, gdvas zu gdvi 
(urspr. "^gavi = ßot) oder, von der später eingetretenen Schwä- 
chung des tieftonigen a zu i abgesehen, dass von tasthd : tasfhi^ 
-md (= iffrij^xa : Sifta^/Asp), papd '.papi-md (nirK^^xa : nino-tm), 
gd&m zu gishmds, dhdt : dhishvd und vielen anderen (vgl. ztschr. 
XXIV, 306 flf.). Da andererseits europäischem kurzem a (o), 
wenn keine Verschiebung durch unursprüngliche analogien statt- 
gefunden hat, auch im indischen stäts ein kurzer vocal ent* 
spricht, werden wir zu der annähme gezwungen, dass die erste 
bildong, welche in den auf der endung betonten formen den 
wurzelvocal ganz eingebüsst hat, in den auf dem stamme be- 
tonten ursprünglich im ganzen singular wie in den europäischen 
sprachen nur kurzen wurzelvocal gehabt hat. Das Verhältnis 
von jagdma : jagmüs ist dann dasselbe wie von dsmi : sdnti 
hdnmi : ghndnti und zahllosen anderen. Den parallelismus der 
90 für die indischen perfectformen gewonnenen Ordnung mit der 
europäischen m5ge folgende Zusammenstellung veranschaulichen. 



*) Slaw. lit. k = skr. g vor dunkeleni vocale wie in krava^ Wi, kärve: 
abaktr. Qrva-; preuss. pecku = skr. pdgu. 



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1^ Job. Schmidt, 



L IL 



1. jagdma = qam: fiifiova 

2. jagdntha = qanit 

3. * jagdma = qam : fiifAOPe 
p].jagmüs= qSmun : fjbSfAafASP 



(agdda : XiXi^^a, fSr 
QOQdditha : fort 
gagädu : UXij^e, för 
gdgadana- = xsxaSfjtivog. 



Über den stand der Überlieferung hinaus erschlossen ist 
hier nur 3. *jagdma und für die vedische spräche 1. Qagdäa, 
das nachvedische sanskrit hat aber bekanntlich auch in der 
1. sg. facultativ a. Beide bildungen flössen dann in einander. 
Im Singular des activs geschah dies so vollständig, dass keine 
spur der alten regel blieb. Dadurch wird wahrscheinlich, dass 
die ausgleichung im singular begonnen hat. Unter dieser Voraus- 
setzung ergiebt sich auch ein annehmbarer grund für ihren 
eintritt. In den europäischen sprachen werden beide perfect- 
vocalisationen dadurch aus einander gehalten, dass auch alle 
übrigen verbalformen, namentlich das präsens, verschiedene 
vocalisation haben, je nach der perfectbildung: qima qam gegen 
fara för, TQigxa titQo^a gegen i^äXl(o vi^i^Xa. Die arischen 
sprachen haben, wie unten bewiesen werden wird, den unter- 
schied von europ. e und a (o) ursprünglich ebenfalls gehabt, 
später aber d und a in a zusammenfallen lassen. Ui*sprünglich 
bestand zwischen den wurzelvocalen von skr. gdmaü (abaktr. 
jimaiti) und grdsati ein entsprechender unterschied wie zwischen 
got. qimip und farip, griech. zgitpsi und YQd€$. Nachdem er 
aufgegeben war, verlor die perfectbildung ihren alten anhält. 
Warum sollte man nur jagdma aber nur jagrdsa sagen, da 
doch in gdmati und grdsati die wurzelvocale gleich geworden 
waren? Nachdem so doppelbildungen für jede wurzel möglich 
geworden waren, benutzte die vedische spräche den hier über- 
flüssigen reichthum um einem anderen inzwischen fühlbar ge- 
wordenen bedürfnisse abzuhelfen. Die ursprünglich verschie- 
denen endungen der 1. und 3. person waren durch ausgleichung 
des Unterschiedes zwischen ä und a gleich geworden. Beide 
Personen wieder von einander zu scheiden, vertheilte die spräche 
die für jede von beiden verfügbar gewordenen doppelformen 
so, dass die 1. sg. ausschliesslich a, die 3. ausschliesslich a für 
alle wurzeln erhielt, eine regel, die noch dem altbaktrischen 
unbekannt ist^). 

') Bnigman s. 371 anm. 6 giebt folgende erkläruug der quantitftts- 
differenz: >Mögiicherweise ist dieses vocal verbal tniss darin begründet, 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 13 

Im plural, dual und medium haftete der unterschied der 
beiden perfectbildungen fester, da namentlich formen vfie sedüs 
und gogadüs sich weiter von einander entfernt hatten als sasdda 
und {ocädcu Doch giengen auch an ihnen die ereignisse des Singu- 
lars nicht ganz wirkungslos vorüber, rehhire folgt der ersten 
bildung statt der zweiten (rarabhmd, lat rabo). Häufiger finden 
wir umgekehrt die zweite an stelle der ersten in vedischen 
formen: vavuQus (vag wollen, vgl. exciv)^ vavctsand- (vctö an- 
ziehen, vgl. Svvvfjkt^ vestis u. s. w.J, sasahand- neben sShand- (sah 
bewältigen, vgl. 6x<a, sigis), vavanmd neben vavne (van gern 
haben, vgl. Venus), tatane neben iatne, jajanüs neben jqjtiüs. 
Soviel hoffe ich erwiesen zu haben, dass das o von yiyova und 
das a von jajdna einander nicht direct entsprechen, wie Brug- 
man behauptet. 

Wir wenden uns nun zu den von Brugman aus der decli- 
nation angeführten belegen für die entsprechung von griech. 
und skr. d: pddam noda, ushdsam *i}6a, datdram dwtOQa, 
jdnu Y^yvj ddru doQv. Alle beruhen auf demselben fehler, 
dass der stamm der »starken« casus des sanskrit mit dem der 
»schwachen« des griechischen identificirt ist. 

Ablaut einsilbiger nominalstämme. 
Nach Brugman (stud. IX, 368 f.) ist nod- = skr. päd- der 
stamm der starken, laL ped- = skr. päd- der stamm der 
schwachen casus, das griechische habe die starke, das lateinische 
die schwache Stammform durchdeclinirt. »Gr. nöda verdrängte 
älteres ^nedogy lat. pedis älteres *pödem u. s. w.« Dabei ist zu- 
nächst anord. fostr, ags. ßt aus *ßtie (Sievers beitr. V, 117) über- 
sehen, welches lehrt, dass der stamm der starken casus auch in 
Europa langen vocal hatte. Durch fcstr erhält auch dor. neig 
neues licht, welches Hesych überliefert {n&g • nog . vnd JcoQticov). 

dass die 1 sg. einmal ar. ka-kdgr'in lautete. Dann hätte hier, wie in der 
± 8g. {ca-^kdrthä) die folgende doppelconsonanz die entfaltung des at zu ä 
verhindert« u. s. w. Höchst scharfsinnig, nur yermisst man eine erklärung, 
wesshalh dann in pädam, dätäram, uahdsatn, welche Brugman ja auch aus 
potd-m, dätatr-m, ushots-m herleitet, »die folgende doppelconsonanz die 
entfaltung des at 2u a nicht verhindert hat«, und v^eshalb es vedisch 
««Aaift lautet, nicht *u«Aöm, was doch aus *u9Aa«-m geworden wSre. Osthoff, 
welcher morphol. unters. 107 anm. Brugmans ansieht för richtig erklärt 
hatte, hält sie s. 228 anm. nur noch für »die erste ahnung des richtigen« 
and häuft vermuthungen über vermuthungen, auch diese gehen sämmtlich 
an der thatsache von datäraim zu gründe. 



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14 Joh. Schmidt, 

Die alphabetische reihenfolge schützt es gegen Ahrens* emen- 
dation nog • novg vnd JtaqUfav (dial. dor. 166. 175 not.). Nur der 
accent ist schwerlich richtig überliefert, da die Dorier ylaitt <f^^Q 
gegen att. yAavJ, crxwp betonten (Ahrens 27). neig deckt sich laut 
für laut mit an. ßtr, skr. pdt, während das ebenfalls dorische 
nog, lakon. noQ durch unursprüngliches eindringen des schwachen 
Stammes in den nom. entstanden ist. Att. novg ist entweder 
aus nesg durch elnwirkung der stamme auf -ow- {odovg) um- 
gestaltet oder aus dor. nog, hom. xqi-nog u. a. in folge der 
einsilbigkeit gedehnt (wie näv gegen änäv). Auch der ent- 
sprechende umbrische stamm hat wahrscheinlich langen vocal 
gehabt. Dafür spricht, dass du-pu/rsus und petur^pwrsus auf der 
tafel VP in lateinischer schrift u, nicht o zeigen. Ein solches 
K ist, wenn es der o-reihe angehört, meist erweislich lang: abl. 
Sg. pihadu, nom. pl. lovinur, 3. sg. imperat. pihatu, arsferturo 
= lat. -töretn; für pur- = lat. por- und cumaco = comicem 
wissen wir die Quantität des lateinischen nicht. Sicher kurz ist 
u auf lateinisch geschriebenen tafeln wohl nur in pufe ubi. 
Lassen wir aber auch umbr. purs- als zweifelhaft aus dem spiele, 
so genügt die Übereinstimmung von pdt, foßtr, nag, um päd- mit 
langem vocale als starken stamm der Ursprache zu sichern. 

Um zu zeigen, dass die ausbildung der langen vocale in 
der ablautenden declination nicht jung ist, nenne ich noch einige 
starke stamme mit ursprünglich langen vocalen, bei denen nicht 
an ersatzdehnung zu denken ist: got. fidvör = skr. catvdras 
(schwach fidur-, catur-); nepötem «^ skr. ndpatam, auch lit. 
nepoHs, Fortunatov beitr. VIII, 111, Bezzenberger beitr. z. gesch. 
d. lit. spr. 303 f. (schwach skr. naptt, lat. neptis, ahd. niß, lit. 
neptis, abulg. neiij, dvstptog); sororem = svdsaram; vöcem = 
skr. väcam. Letzteres zeigt zwar im sanskrit wie im lateinischen 
durch alle casus unveränderte länge, das altbaktrische erweist 
dies aber als unursprungliche uniformirung: ab. nom. v(Mis, 
acc. vacem, instr. vaca, pl. nom. vOcö, acc. v(kö, dat. vaghehebyagca, 
gen. vacam (Justi wlb.). Wenn wir nun trotz der überein- 
stimmenden länge von skr. vdcam, ab. vacem ^ lat. vücem im 
griechischen kurzes ona finden, so kann gar kein zweifei sein, 
dass joTi- seiner quantität nach der schwache stamm = ab. vao- 
ist, der den starken ^fion- verdrängt hat, während im lateinischen 
das schwache voo- (erhalten in vocare) dem starken vöo- überall 
gewichen ist. Ob ona auch in der vocalqualität den alten 



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2wei arische a-laiite und die palatalen. 15 

schwachen stamm bewahrt hat oder ob ein altes */w7r-g '/«tt-^C 
zu *j:(ing ßonög uniformirt ist wie äxftmv *d»fifvog = lit. akmti 
akmens zu äxfiav äxfAOvog^ *y<Svv ^ysvpog zu yow yovvog (s. u.), 
*^m¥ ^Qsvoq einerseits zu ad^ipQmv ad^^pQoyog andererseits zn 
tp^y ip^svog oder "^noifAciv notfiivog = lit. pemü p'emens zu 
noifk^v no^iivog, lässt sich, da lat. vo sowohl altes vo als ve 
vertritt, aus diesem worte selbst nicht entscheiden. Sicher ist 
die flexion mig nodog aus nnog *n€d6g = lat. pedis uniformirt. 
Das fem. nii^a {rtjans^a = skr. cdtushpadl) hat den schwachen 
stamm bewahrt. Auf eine entsprechende alte flexion ßiMtp 
ßXsnog fuhrt naQaßXwnsg II. /, 503 und xatulßleip Archelaos 
der Chersonesit bei Ath^. IX p. 409 G; auf xXoiif; xXsnog 
fuhren xianeg Hdt. I, 41. II, 150, Eur. Helena 553. Rhes. 645, 
tdmn6g^ Rhes. 709, nXmnwv Xenoph. Anab. IV, 6, 17 und 
ßoixXsiff Sophocles bei Athen. IX p. 409 C, tvgoxXsipy vaxoxXsil;, 
dlsvQoxletp (von Lobeck paral. 292 not. statt des überlieferten 
iqisvfoxliif; vermuthet) Herodlan ed. L. I, 246, 24. 

In diesem zusammenhange erhalten endlich auch die von 
Benfey ztschr. IX 109 f. zusammengestellten, aber bisher nicht 
erklärten deanox^g^ skr. jäspaü-, abulg. gospodt das rechte licht. 
BR. haben den ersten theil von jäs-pati- hausvater richtig zu 
dem als jd nachkomme, nachkommenschaft angesetzten stamme 
gezogen, nur ist es nicht dessen genetiv. Der ansatz dieses 
Stammes ist auf grund folgender im RV. erscheinenden formen 
gemacht, n. jdsy a. jdm, a. pl. jds, loc. jdsu. Berücksichtigt 
man, was Brugman (ztschr. XXIV, 25 f.) über die entstehung 
von ushdm, a. pl. ushds aus *u8hdS'fn, *i48ha$-ns und den vom 
Sprachgefühl aus ihnen später gefolgerten stamm ushd u. a. 
ermittelt hat, so kann nicht füglich bezweifelt werden, dass der 
stamm ursprünglich jas lautete, sein 8 in dem aus der Ursprache 
stammenden compositum durch p geschützt bewahrte, vor m 
und ns aber regelrecht verlor und dadurch in die analogie der 
OHstämme gerieth, welche ihm durch sein geschlecht besonders 
nahe lagen. Nach letzterer ist der loc. jdm und nom. jd 
AV. V, 11, 10 gebildet. In den compositen vollzieht sich all- 
mählich der Übergang in die a-declination und, durch die drei- 
geschlechtigkeit bedingt, weiter in die o-declination vollständig. 
Die 30 im RV. vorkommenden composita mit ja (verzeichnet bei 
Grassmann wtb. 1687) zeigen ausser dem nom. m. f. -jds, acc. m. f. 
-jdm noch folgende casus: nom. f. sana-jd (m. sana^ds), n. pK 



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16 Job. Schmidt, 

-jds (a-pra-, giri-, deva-, pura-^ prathama-, su-pra-y svayam-), 
a. pl. tapö-jän, dat. püf^Orjebkyas (n, s.pürva'jds)^ du. n. pura-jd 
f. pürva-je (n. sg. purOrJds, pürva-jds). Andere, wie ekchjd- sind 
schon ganz zu et-stämmen geworden. So entstand das häufige 
dem altbaktrischen ganz unbekannte -ja- am Schlüsse von com- 
positen. Für die richtigkeit der hier angenommenen entwicke- 
lung bürgt eine anzahl von coniposita Bxxi prchjas, z. b. su- 
-pratjäs, welches im AV. noch durchweg als s-stamm flectirt: 
n. s. f. suprajds XIV, 2, 23. 74, acc. suprajdsam XIV, 1, 49, 
nom. pl. suprajdsas III, 10, 5. XVIII, 4, 63, im RV. sich durch 
suprajastvdm X, 62, 3 als alter s-stamm documentirt, aber den 
nom. pL suprajds IV, 50, 6 nach analogie der o-stämme bildet. 
Auch nachvedisch finden sich suprajds- und suprajd- neben 
einander flectirt, s. BR. Andere composita auf -prajas- s. ER, 
s. V. Ursprünglich hatte der alte s-stamm wie alle einsilbigen 
verschiedene gestalten je nach der betonung: nom. *flrrfs, gen. 
*gäsds (erhalten in prajasas etc.). Determinative composita haben 
der regel nach den hochton auf dem zweiten gliede. Die auf 
"pati haben ihn zwar meist auf das erste zurückgezogen, die ältere 
betonung ist aber vedisch in einer ganzen anzahl bewahrt n^-^pa^i-, 
vig-pdti- U.S.W. (Aufrecht de accentu comp. §58; Garbe ztschr. 
XXIII, 487), und auch von denen, welche ihn zurückgezogen 
haben, verrathen einige wie sat-pati-, gravapat-poH- durch die 
lautfomi des ersten elementes, dass sie ursprünglich das zweite 
betonten. Hiernach hat das compositum aus *gäSs schwach *gäs, 
und pdti- ursprünglich *gäs-pdti- gelautet. Die betonung ist er- 
halten in russ. gospödt, sloven. gospöd; skr. jdspdH-s RV. VII, 
38, 6 hat accentzeichen auf beiden gliedern (wie qdci'pdH', 
sddas-pdti' u. a. Garbe ztschr. XXIII, 490), dagegen jdspatim 
RV. I, 185, 8 nur auf dem ersten. Die regelrechte fortsetzung 
des *gäS' im ersten gliede ist d€<f' in detsnotijq (s, d. zweite ab- 
handlung). Im indischen aber gieng der schwache stamm wie 
bei vOc- als simplex verloren. In folge dessen drang der starke 
auch in das compositum jds-pdti- genau wie in ved. suprajOs-^ 
tvdm, wofür im Bhäg. P. das alterthünilichere suprajastvam 
mehrfach erscheint Im slawischen endlich wurden *gas- und 
*gAs' zu *öfas- ausgeglichen, wie im griechischen nind- und nei^ 
zu nod'y so entstand gos-pödt (die erweichung von < zu d hat 
auch das griechische in dsan6Zm). Aehnliche nur anders vertheilte 
Verschiebungen zeigt das andere indogermanische compositum mit 



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Zwei arische a-laate und die palatalen. 17 

paU-: skr. vig-pdti- hausherr, abaktr. vtg-^üir-, lit. vlkz-pats 
herr, preuss. wais-pattin acc. hausfrau von dem indog. stamme 
nom. vdik'S, gen. vik-ds, dessen ablaut Möller (ztschr. XXIV, 519) 
richtig erkannt hat. 

Dem skr. gav-, schwach gav- (gäus, gdm, gdvi) steht griech. 
ßof-, lat. böv- gegenüber. Zufolge Osthofif morph. unters, s. 209 
»gestattet Brugman selbstverständlich nicht das schwache gav-^ 
sondern nur das gäv- in den starken casus gdvam [sie!], gdvas, 
gävau mit griech. ßoj:- gleichzustellen«. Ich bedauere sehr, 
trotzdem gav- und ßop^ identificiren zu müssen, da thatsachen, 
welche etwa in gleicher tiefe liegen wie die bildung des acc. 
sg. von gäus, »selbstverständlich« dazu zwingen. Im lettischen 
heisst die kuh gutes, welches als i-stamm, in einigen casus auch 
als j'o-stamm flectirt (Bielenstein lett. spr. II, s. 48). Sein ü 
ist ein langer ei-vocal, auf dessen geschichte ich hier nicht 
näher einzugehen brauche, da niemand bezweifeln wird, dass 
letL guW" dem skr. gav- entspricht. Dem lett güws entspricht 
genau die bezeichnung der kuh in den germanischen sprachen, 
deren form, wie zahllos oft auch ahd. chtw mit skr. gdus zu- 
sanamengestellt ist, so viel ich sehe, noch von niemand erklärt 
ist. Die vocaldifferenz von as. kö, ahd, cäwo und anord. kyr, 
ags. cü begreift sich nur, wenn wir als gotische form *kaui, 
gen.*köjös reconstruiren (vgl. taut töjis, stauida stöjan). Gotischem 
au vor vocalen entspricht in den übrigen germanischen sprachen 
ü: hcMon = an. hüa, ags. as. ahd. hüan; trauan = an. trüa, 
as. trüön, ahd. trüwen; sauil = ags. sügü, sygü (A. Eircbhoff 
d. got. runenalphabet ^ 36). So entspricht dem got. *kaui ein 
nordisches *Aai. Wie got. mavi zu an. *mai und mit unursprüng- 
licher anfügung des nominativ-r *mair == maßr, skr. vrkt zu 
an. ylgr (Verner ztschr. XXIII, 121), so ward *küi zu "^küir = hyr. 
Aus diesem nom. bildete sich nun eine declination nach der 
analogie von sgr sau: gen. kyr, dat. acc. kü, pl. n. a. Äyr, 
g. hOa, dat. küm (Wimmer § 55), und der stamm *köja- der 
casus obliqui ward ganz verdrängt. Ebenso ist ags. cü, gen. 
CÜ8, dat. (j(, pl. nom. acc. cy, eye, gen. cüna, dat. cum (s. Ett- 
müller. Grein sprachsch., Koch bist. gr. I, 403) von der alten 
nominativform ausgegangen. Im hochdeutschen und sächsischen 
dagegen ist umgekehrt die alte nominativform vom stamme der 
casus obliqui verdrängt. Got. pivi ward lautgesetzlich zu ahd. 
fkiu, diu, diese form konnte dem Sprachgefühl, wenn es sie an 

Z«l«MlurtA für Teryl. Spracbf. N. F. V. 1. 2 



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18 Joh. Schmidt, 

eine der grossen stammclassen anlehnen wollte, nur als nom. 
eines i-stammes erscheinen, daher ward neben dem gen. diuutui 
= piujös ein gen. dat. thiuui Tat. Otfr. nach der i-declination 
neu gebildet (s. Graflf V, 88 f.). Ganz ebenso entstand zu chuo, 
alem. chua der nom. acc. pl. choi, chuai, cuauui nach der 
i-declination (Graflf IV, 354 f.), as. kö, pl.kogü, Jcöii Fveck.^ d.i. 
köji. Diese filexion kö chua, pl. köii chtmi entstand aber erst, 
nachdem die alte vocaldiflferenz zwischen dem nom. und den 
casus obliqui ausgeglichen war, denn die lautliche fortsetzung 
von got. *kaui = an. *yr würde as. *kü, ahd. *chü lauten. 
Got. *kaui^ pl. *köjös ist also zunächst zu ahd. as. kö(i), pl. 
kö(j)a^), dann zu kö chua, pl. köii chuai geworden. Im ahd. 
nom. sg. (^uo, chua steht also uo, ua durch unursprüngliche aus- 
gleichung gotischem au gegenüber wie in arstucfta expendit 
(Graflf VI, 726): got. stauida und in ir-muait fatigatus Otfr. II, 
14, 3: got. af-mauidai Gal. 6, 9, dessen Infinitiv L. Meyer got. 
spr. s. 388 mit recht als ^af-möjan ansetzt. A. Kirchhoflf got, 
runenalph.2 36 und L. Meyer a. a. o. haben bereits richtig 
gesehen, dass wo got. au vor vocalen und ö vor j mit einander 
wechseln, dem au und ö ein altes öv zu gründe liegt. Direct 
nachgewiesen haben sie dies öv allerdings für keinen einzigen 
fall. Auch ich kann es nur für einen: af-dauips erschöpft. 
Dies gehört zu abulg. daviti erwürgen, ersticken, dessen a be- 
kanntlich einst lang war; in serb. cech. ddviti, sowie in lit. 
ASvyti quälen ist die alte quantität bewahrt. Das sms afdauijys 
zu erschliessende got. "^döjan, *dauida tot machen verhält sich 
zu an. deyja, dd sterben, genau so wie got. ufhlöhjan zum lachen 
bringen, zu hlahjan, Möh lachen. Got. *kaui, *köjös ist hiernach 
«= skr. gavl kuh, welches H. Kern ztschr. XXI, 237 f. nach- 
weist und mit den germanischen benennungen der kuh, deren 
Verhältnisse er freilich nicht erkannt hat, verbindet. Es liegt 
auf der band, dass das lett. g&ws ebenfalls diesem gävi ent- 
q)richt, gerade so wie der i-stamm lat nepUs^ ahd. nift, lit. 
nqpHs (oder nepfe? Bezzenberger beitr. z. gesch. d. lit. spr. 304) 
dem skr. naptt (woneben nom. napU-s AV. IX, 1, 3) oder lit. 



>) In niderfränk. dat. pl. euxm ps. 67, 31 ist der jd-stamm bewahrt, 
der nom. sg. chuoa Wn. 863 (GrafT) hat durch rück Wirkung der casus 
obliqui, vielleicht mit Übergang in die schwache declination, a angefügt 
erhalten. Dies chuoa verhält sich zu chuo und an. kyr wie nom. sg. thiuua 
Hei. 285 G. zu thiu Hei. 385. 4956 M. und thiui Hei. 4956 G. 



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2wei arische a-laute und die palatalea. 19 

iqm, abulg. gc^, germ. gansi- dem skr. haajm. gdtü mit langem 
a ist demnach für die Ursprache gesichert. Ferner kommt hier 
in betracht der acc. ßdÄv, in der bedeutung »schild« IL H 238 
von Aristarch gebilligt, ßdiv^ äffniöa ' l4QYslot' Suid. ^), welcher 
genau zu skr. gdm, abaktr. gäm stimmt und die accusativform 
gäm für sehr frühe zeit sichert. Dass die Dorer ß^Sg statt ßo€g 
gesagt haben, ist von grammatikern vielfach bezeugt, s. Ährens 
II, 165. Ahrens bezweifelt es und hat dazu entschieden recht 
für den nom. sg.^). Nehmen wir aber an, das ßovg^ für welches 
dor. ß(Sg galt, sei der acc. pl. gewesen, wie ßcSg bei Theokrit 
VIII, 48 nach Zieglers ausgäbe variantenlos als acc. pl. erscheint, 
so stimmt dies ßwg zu skr. gas, abaktr. goo. Da somit auch 
in den europäischen sprachen ein langer vocal erscheint, wo 
die arischen ihn haben, so wird wohl nicht mehr zweifelhaft 
sein, dass ßof- trotz Osthofifs verbot mit skr. gav- {ßot = g(Sm\ 
nicht mit gdv- identificirt werden muss. 

Noch ein einsilbiger stamm, dem allerdings keine aus- 
wärtigen verwandten zu hilfe kommen, spricht gegen Brugman, 
indem er o als vocal der schwachen casus gegenüber m der 
starken zeigt Als vorhistorisch ergiebt sich eine flexion Stp^ 
acc. lana, gen. *dn:6g u. s. w. Bei Homer ist nur der accusativ 
in den alten formein eig fhna tdsffx^a^ und sig Ana lotns er- 
halten, später wird das wort mit unverändertem w durch alle 
casus durchflectirt (s. Lobeck paralip. 117 und die lexica). Dass 
dies unursprüngliche uniformirung ist, lehren die composita, von 
denen bei Homer folgende formen vorkommen: aX9ont -nti^ 
vmQon$ -na^ oXvonog -nt -na -ns^ ijvont, in/^Xona. Durchstehendes 
m haben bei Homer KvxXioyj^ in allen casus ausser dem dat. sg. 
belegt, und Uix^Treg -nag^ später, namentlich bei Sophocles sind 
dergleichen zahlreicher : yXavxwtp^ fiovcii/j, yoQYcitf/j dsivaitp^ 
arXacitp, BvcSip, olvwxp (ptvfSna Soph. OR. 211 OC.674), nolvmtp, 
ffioywtp u. a. Göttling allg. lehre v. accent 332 f. Das schwan- 



') Bei Herodot II, 40. VI, 67 hat die Aldina ßtSy^ welches sich an 
erster stelle auch in Steins Codices R (Vatican.) und d (Florentin.) findet, 
dagegen II, 29. IV, 192 steht fiovy, und Stein giebt keine Varianten. 

■) S. 665 nimmt er seinen zweifei zurück , indem er meint, die Argiver 
bitten, vielleicht noch mit anderen Dorern, ßcS^ gebraucht wie TvdfiSi yäg, 
indem sie das aus ß entstandene v unterdrückten. Doch die von gram- 
matikern bezeugten nominative Tvdtig, räc sind wohl nur aus den casus 
obliqui Tvdtog, roüf u. s. w. nach falscher analogie neu gebildet. 

2* 



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So Joh. Schmidt, 

ken der quantität erstreckt sich auch auf die coraposita erster 
declination: svgvonay aber xvvama II. A 159. Die feininina 
dagegen haben, wie skr. gavl, letL guws^ ahd. chtw, schon bei 
Homer alle co: aÜMni^, ßXoifVQconic, ßodSmc, YlavxdSmg^ sdeSn^g^ 
iJUxmnig, xvavdSnig^ xvpwntq. Dieser thatbestand weist mit 
Sicherheit auf eine alte ablautende declination i»^, <»/ra, 
inog u. s. w. 

Wie in den bisher behandelten to : e oder to : o als betonte 
und unbetonte vocale neben einander liegen, so zeigen die drei 
folgenden ä : a. 

Stark hom. vtivg, v^eg, daraus verkürzt vhg, vijvai u. s. w., 
schwach vav(pt, vaitp^v und der alte in conipositen erhaltene 
locativ vavifi'xXvtog^ vavtft^xXsnög^ Navai-i^oog, Navif&-xäa^). 
Composita und ableitungen, welchen ursprünglich überall der 
schwache stamm zu gründe liegt, haben ihn auch bei Homer 
durchweg: vav-loxog, vav-fMxxogy Naif-ßoXldfjg ^ vatFrcr», vavxiX- 
3Lsta$9 JNavze^g. Dass das av nicht mit Hinrichs de hom. eloc. 
vestig. aeol. 73 als äv aufgefasst werden darf, lehrt der gegen- 
satz von vffig :vav<pi. Im attischen hat vavai^ vielleicht auch 
der acc. pl. vaSg, den schwachen stamm erhalten, der von 
letzterem aus in den sg. acc. vavv (hom. vi^a) und endlich so- 
gar in den nom. sg. vaSg gedrungen ist, während viJBg, ve£v, 
vedg, vijt vom starken stamme vfjß gebildet sind. Auch aus 
dem germanischen ergiebt sich, dass die in allen casus unver- 
änderte länge des sanskrit wie bei vdc unursprunglich ist. An. 
nö-r, gen. nd-s, Nöa-tün wohnung des meergottes Njörär, in 
urgermanischer form nih?(a)-s, zeigt das starke näv- in die 
o-declination hinüber geleitet, das schwache nath erscheint in 
nau-st^) gebäude, in welchem die schiffe unter dach gebracht 
werden, und in nökkvi, ags. naca, ahd. fMcho aus "^natMin- 
(voc. II, 287). 

Trümmer einer ursprünglich ablautenden declination liegen 
vor in tp^gag n 583, tpaQwv P 755, allerdings als spondeus 



') Anders, aber nicht besser wird yotiNr»- erkUlrt von R. Rödiger de 
priorum membror. in nominib. graec. comp, conformatioue final! p. 95, 
G. Meyer stud. V, 91. VI, 385. 

*) Ostboffs herleitung aus *n6<i-vi8t (ztschr. XXIII, 318) ist lautgesetzlich 
unmöglich. Mhd. näwe, ahd. ver-natoun calones, naves quae ligna portant 
(Graff II, 1109) erweist sich durch das lange a als lateinisches lebnwort. 



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Zwei arische a-laute und die palalalen. 21 

gemessen. Da das ip jede vorhergehende kürze positione lang 
machte, war ifßÜQiav nur mit dehnung des a im hexameter ver- 
wendbar. Dass diese hier wirklich nur metri causa geschehen 
ist, und das a an sich kurz war, lehrt der gegensatz g^en 
r^^Qag. In att. tpäq^ gen. xfjäQoq hat ausgleichung des starken 
und schwachen Stammes statt gefunden imd zwar, wie das ä 
zeigt, erst nach eintritt der Wandlung von urgriech. ä in ^. Das 
mit tfßOQ synonyme o tpägog ist mit dieser betonung, also kurzem 
a überliefert Aristot. h. a. VIII, 16. IX, 26, Herodian ed. L. 11. 
790, 31 (Choerob.), Et. m. 514, 44, ot tpdQ0$ Nonni Theophan. 
epitome de curatione morbor. c. 37, 174 (Lobeck paral. 137). 

Stark TTToJ Herodian ed. L. II, 9, 1, schwach gen. ntäxog 
ebenda II, 739, 16, acc. nräxa Aesch. Ag. 137. 

Ein alter Ablaut ü:u liegt vor in ved. nom. pl. mäsh-äs 
mause : tnush^kd-s hode (eigentlich manschen) und fAvg^ y^vv : 
ymogy i»/vi (aber dat. pl. fwfsi Herodian II, 642, 3 Lentz). Bei den 
auf U auslautenden stammen ist entweder im griechischen oder 
im sanskrit Störung des alten Verhältnisses eingetreten. Beruht 
die Verkürzung lediglich auf der betonung, dann hat das grie- 
chische in iq>i^vq (so accentuirt Herodian 11^ 936, 25 L.), dipQvog, 
iq>^{r$ das ursprüngliche bewahrt, das sanskrit aber in bhrüvau, 
Ihrüshä Verschiebung erlitten. Ist die Verkürzung aber durch 
die Spaltungen von ü vor vocalen in uv herbeigeführt, dann 
hat das sanskrit das ursprüngliche verhältniss bewahrt, und 
das V in ifpQif<ft ist aus dq>(tvi»v eingedrungen. Das gleiche gilt 
von »tg, xi6g, bMs, bhiyds. 

Die hier angeführten worte werden wohl genügen, Brug- 
mans behauptung, die ausbildung der in den europäischen 
sprachen erscheinenden langen vocale der a-reihe sei »verhält- 
nissmässig junge (stud. IX, 386), für die einsilbigen stamme zu 
widerl^en. 

Zweisilbiger ablaut zweisilbiger nominalstämme. 
Indem wir uns zu den zweisilbigen skr. ashdsam, datdram 
wenden, haben wir zunächst das verhältniss der Wurzelsilben 
von arisch ushä^- und europ. ^ausas- (avwg, aurara, lit. au80rä)j 
welches Brugman ztschr. XXIV, 23 nicht erklären zu können 
bekennt, aufs reine zu bringen. Die erklärung ergiebt sich aus 
der thatsache, dass zweisilb^e stamme, wenn ein folgendes 



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22 Joh. Schmidt, 

casus- oder stammbildungssuflix den hochton trägt, ursprünglich 
beide vorhergehende silben verkürzen. Ist schon der auf eine 
Silbe beschränkte declinationsablaut in den überlieferten sprachen 
zum grössten theile wieder ausgeglichen, so ist dies in noch 
höherem masse dem über zwei silben greifenden geschehen, 
dessen Vorhandensein hier durch einige beispiele constatirt 
werden möge. 

Arisch catvdr-as : *htur-iar = skr. tw^yar, abaktr, a-khtüir- 
-f-^ »viermal zu sprechen«, genau dasselbe verhältniss findet 
sich im griechischen wieder, kann aber erst später zur spräche 
kommen. 

Die benennungen des wassers erklären sich nur unter Vor- 
aussetzung einer indog. form vqddr (so zu betonen w^en 
russ. vodd, lit. vanM\ gen. vdän-ds = skr. udnds. Der starke 
stamm ist am besten erhalten in ahd. loazza/r und abulg. voda, 
russ. vodd (aus *vod(3/r wie mati aus *m(Uer), welches nach dem 
lautgesetzlichen Schwunde des r in die analogie der ^stamme 
gerathen musste. Die erste silbe des schwachen ist am besten 
erhalten in skr. tidn-äs = vdarog (wie nämnas = dv6fiaTog^ 
das sanskrit hat, wohl zu beachten, keinen nom. acc. vom 
stamme uddn-)^ lat. tmda aus *udn-a, welches vielleicht in 'AXotf- 
-ffdviy erhalten ist (vgl. fundus = budhnd-s)^ lett nom. üdetis 
aus *undens (nicht aus "^wandensj welches *icudens ergeben hätte), 
preuss. katech. unds, acc. undan, auch das wundan des vocab« 
ist wohl aus undan durch den vor o und u auftretenden Vor- 
schlag von w (Pauli beitr. VI, 446) entstanden und nicht mit 
Pauli (a. a. o. 423) direct == lit. vandu zu setzen. Die alte 
vertheilung des r- und n-stammes hat das griechische bewahrt, 
doch mit uniformirung der ersten silbe, vdwQy vdatog^), Got. 
Vßtö, vaüns und lit. vandü, vandens, preuss. i4hundain vocab,, 
unds, acc. undan katech. sind durch ausgleichung der beiden 
stamme in der ersten silbe entstanden, haben aber in der zweiten 
silbe die alte vocaUsation am besten von allen sprachen be- 
wahrt, wie der verfolg zeigen wird. Die mittels des secundär- 
suffixes a von dem stamme gebildete benennung eines wasser- 
thieres lautete bekanntlich indog. udr-d (skr. udrdr, abaktr. 
udra--, vÖQog^ vÖQa^ anord. otr gen« otrs, lit. üdra, russ. f>^ra). 



*) Aas einem stamme *il<f«^r-, welchen Curtius stud. II, 173, gr. et.* 
no. 300 ansetzt, lässt sich weder vdtog noch vdcerog lautgesetzlich herleiten. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 23 

Der dreifache ablaut der zweiten silbe a : d: null wird unten 
seine erklärung finden. 

Die benennungen der leber führen auf indog. jd'kart, gen. 
jdkands* Den langen vocal der ersten silbe haben nur ^naQ 
und abaktr. yäkare (zendpehlevi gl. Fick P, 400), den kurzen 
skr. yaknds, lat. *jecinis, woraus durch contamination mit jecori^ 
dem aus jecuar = ydkrt neu gebildeten genetiv, jecinaris ent- 
stand, lit jeknos (Szyrvid bei Ness.)i jekanas (Bezzenberger z. 
gesch. d. lit. spr. 291). In skr. yakrt, lat. jecwr einerseits und 
^naxoq andererseits hat quantitätsübertragung statt gefunden. 

Eine alte flexion *lQ(f(ov, *äQ(f€v6g = abaktr. arsha, arshnö 
ist in verschiedener weise ausgeglichen in ion. tgifffv^ lQ<f9vog, 
lesb. Iqösv (Gonze reise auf Lesbos taf. IV, 3, 6) und hom. 
£qöiIV, aQifBVogj att ä^^v, aQQsvog. 

Zweisilbigen ablaut zeigt auch honi. ^i^og : av^ € 469. 

Ein alter stamm siaik^ädj-an-, gen. '^din-ds tag, dessen genus 
nicht zu bestimmen ist, ergiebt sich aus folgendem. Der schwache 
stanun liegt vor in abulg. gen. cKn^ = *din'ds (die übrigen 
consonantisch flectirten formen des überall schwachen mascu«- 
linen stammes s. bei Miklosich vgl. gr. ÜI^ 41, Scholwin archiv 
für slav. phii. II, 519 f.), skr. dtfH^m, lat. nun^inae regelrecht 
vom schwachen stamme mit sufF. -a gebildet. Den starken 
stamm als indog. ddj-an- anzusetzen bestimmen mich lit. denä, 
preuss. acc deincHfh. Leskien archiv m, 108 will abulg. dine 
von einem stamme "^divan- oder "^dtan- herleiten, er hat dabei 
die ausserslawischen formen nicht berücksichtigt, welche gegen 
beide formen protestiren. 

Aus t^qctq : Y^QOL'^^i skr. jards-as ergiebt sich vielleicht ein 
altes gXraSy gen. gdrasds, es ist aber auch möglich, dass neb^i 
dem abstractum gä^ras alter ein ^gärds- alt gelegen hat und 
im indischen die kürze von letzterem auf ersteres übertragen ist 

Dasselbe gilt von skr. dgas vergehen : ayogy iväy^g^ äy^g 
(Gurt. no. 116). 

Es liesse sich noch eine ganze reihe zweisilbig ablautender 
stamme anführen. Die genannten, zu denen im verlaufe dieser 
Untersuchung noch einige hinzukommen, werden hoffentlich ge- 
nügen um die annähme einer flexion urspr. acc. *af4sä$''m »= 170a ^), 



') So, dreisilbig ist überall zu lesen, wo ^10 dtcei^ bei Homer den beza* 
meter schliesst (Nauck m^langes gr.-rom. III, 240). 



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24 Joh. Schmidt, 

gen. *iisäsd8 ^= skr. ushdms zu stützen und so die vocaldi£ferenz 
zwischen europ. "^atASCtö- und arisch ushas-, lit. ausgrä und skr. 
M8rä durch uniformirung in entgegengesetzter richtung zu er- 
klären. Das sanskrit hat den ton überall auf derselben silbe: 
itöhdmm, ushdsas. Eine alte betonung ^ushasds ei^iebt sich aus 
den vedischen gen. sg. acc. pl. ushds. Für diese setzt man 
einen eigenen stamm ush- an. Er hat ebensowenig existirt wie 
ushOr. Wie ushdm aus "^ushäs-m (Brugman) so ist ushds aus 
*ushasds entstanden und liegt neben dem unursprünglich be- 
tonten ushdsas, wie ved. hhlshd aus furcht neben hhiydsa instr. 
von bhiyäs. Schwund des a von as in tieftonigster silbe zeigen 
auch die Infinitive jishe stushe, welche ich aus ^ji-^isi *8tu~€i8S 
herleite. Brugman (ztschr. XXIV, 23) betrachtet, gestützt auf 
aidoig : aidi-ofiat als unzweifelhaftes resultat, dass die schwachen 
casus von ^cig ursprünglich ais [= gr. ea] als stammauslaut 
gehabt haben. Ich halte diese hypothese wegen des gleich zu 
erörternden Verhältnisses von aicS zu aU£ und wegen i^^joc 
= skr. usr^iyor für richtig. Daraus folgt aber keineswegs, 
dass das o von f^oa, wie Brugman will, dem a von ushdsam 
entspricht. Vielmehr besteht zwischen den zweiten silben von 
170a, atMrUram, ushdsam dasselbe verhältniss, wie zwischen ona^ 
vöcem^ väcam, d. h. *^i»a und *^€og sind zu ^6a, ^oog {iMSog 
Pind.Nem. VI,52) ausgeglichen wie *7t{3da, "^nsöog zu noda, nod6g. 
Ziemlich analogen ablaut zeigt die indogermanische be- 
nennung des lebensalters. Der s-stamm, welcher in lakon. kret. 
atig, herakl. dig^ krisaisch aißsi (Ahrens II, 378 f.) aus *aißs<S'i 
erscheint, hat, wie ion. aisi^ att. dsi zeigen, kurzes a als erstes 
element des diphthongen. Dagegen skr. dyus aus *aios hat ai, 
ebenso lässt sich das 9« von infi^xavog^ welches Curtius (ztschr. 
I, 34, g. e. no. 585) zu äsi gezogen, in seiner lautform aber 
nicht erklärt hat, nur auf 17*/« zurückführen*). Wir haben 
hier also ein verhältniss von ai : ai, welches dem von v^g : 



Der tf-stamm kann darin nicht enthalten sein, da <r vor t nicht 
schwindet; 17^- deckt sich, abgesehen von der quantität der ersten silbe 
mit dem nach Ahrens' annähme lakonischen ali Herodian ed. L. I, 407, 
8. 15) welches wohl zu dem in lat. cievamy got aivs vorliegenden a-stamme 
gehört, €cti : aivo- = r^U : rfiio-. Innttavov Pind. N. VI, 10 kann, falls über- 
haupt irgend welcher Zusammenhang mit aUi u. s. w. besteht, nur aus 
dem ion. epos entnommen sein wie andere n bei Ahrens n, 132 f. Otto 
Schraders herleitung des n aus »> (stud. X, 321) ist unmöglich. 



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Zwei arische a-Iaute und die palaialen. 25 

mxvffi, ^igog : avgi^ entspricht. Die zweite silbe hatte in den 
sehwachen casus «, das zeigt aij:€{c)i und, falls der accent 
richtig überliefert ist, tarentin. ai^^). Letzteres kann nur aus 
*aipBffd, welches sich durch den accent als ein temporaler 
instrumentalis (wie skr. diva bei tage u. a. Delbrück abl. loc. 
instr. 54 f.) erweist, entstanden sein. Der starke stamm lautete 
aipw^, erhalten im acc. ^aiffSa-a, contrahirt «*«*) Aeschyl. 
Bekk. anecd. I, 363, 17 und darnach von Ahrens Choeph. 350 
Dind. hergestellt. Übrigens schlug er in die analogie der 
M-siamme über wie syracus. ^gtipsaa^ u. a. bei Ahrens II, 241 
(vei^L auch Brugman ztschr. XXIV, 65), aiciv, aiävoq u. s. w. 
und gewann dadurch männliches geschlecht. Das alte "^atwq 
war wie ^üq weiblich; so erklärt sich ipikfig aitSvog IL X 58. 
Lakon. kret. aiig^ herakl. dig ist entweder ein loc, welcher 
vor der Verflüchtigung des inlautenden a sein suffix eingebüsst 
hat (vgl. vn^Q = wpdri, skr. uddn loc), dann steht es auf 
gleicher linie mit der in denselben dialekten erscheinenden 
personalendung -iusg aus -fiiasi, den ebenfalls kretischen und 
berakleischen Infinitiven auf -sv, g>iQsv (Ahrens II , 176) aus 
*q^qwiy und mit den 2. sg. auf -sg^ aus -ccr«, welche auf Thera 
üblich waren und sich auch bei anderen Dorern finden: atfQiadeg 
Theoer. I, 3 (Ahr. II, 175), paphisch Sano^'' igneg Hesych. 
Oder ein wie skr. dyus neutraler accusativ ist unter einwirkung 
der adjectivischen zeiladverbia wie a^vsg, dor. tfätsg^ att. t^ t6c, 
tQi$Tig, iSvv%%ig und %&ig = hyds zu aiig statt, wie man er- 
warten sollte, zu "^aiog geworden. Wir gewinnen also eine alte 
flexion ^aivds-m, loc *aiväs4 analog der von *ausdsrm, *usas-i. 
Ski. äyu8 ist neutrum. Den geschlechtswechsel zu erklären 
wird vielleicht an anderem orte möglich sein, hier handelt es 
sich nur um die durch ihn bedingten Verhältnisse der betonung 
und vocalisation. Durch die dem neutrum zukommende fixirung 
des tons auf der ersten silbe ward diese in ihrer starken form 
bewahrt, von der zweiten silbe aber ein langer vocal aus- 
geschlossen, also würde regelrecht "^divas gegen fem. *äivds''m ^= 



') Die grammatiker, denen wir die Überlieferung von aiii verdanken 
(Ahrens 11, 379), leiten es aus cthi her r^onjf r^; h ^Hf&oyyov th ^. Nicht 
undenkbar ist daher, dass sie ihm nur dieser erklärung wegen auch die 
betonung von aUi gegeben haben. 

*) täti hat bereits Brugman ztschr. XXIV, 28 als acc. eines s-stammes 
erkannt, die für die flexion so wichtigen ai%i und a^^ aber nicht berücksichtigt. 



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26 Job. Schmidt, 

aiiS zu erwarten sein. . Statt *aiva8 erscheint aber "^äivs, nach 
sanskritischen lautgesetzen zu äyus umgestaltet. Neutrale nicht 
oxytonirte o^-stämme behalten den accent auf der Wurzelsilbe 
und das a des Suffixes in der declination überall, verlieren aber 
beide, wenn ein betontes stammbildungssuffix antritt: fircts : 
firsh^i-m, firsh-rnis, als indogermanisch bestätigen den vocal- 
Schwund xoQiS^^ anord. hiarsi wirbel auf dem köpfe (Fick I ' 58); 
j:{tog, vetiis: skcvcUs-d-; tdnuis: lit. tams-a finsterniss; lat. ocus 
spreu: got. ahs ähre, st. ahs-^t-; skr. dnihas: lat. anx^u-s u. a. 
Hiernach ist affush-^i-fn, welches am ende von compositen schon 
vedisch erscheint, z. b. try-äyushdm VS. III, 62, die regelrechte 
ableitung von st. *dwas + d-, desgleichen ayushyor leben gebend, 
(Xyushyäm lebenskraft aus "^divas 4- i^-, Ebenso entstand Oyw 
regelrecht, wenn es in compositen dem hochtonigen gliede 
vorauf gieng, z. b. ayur-dä-, ayushrkrt (zu ayu/r-dd : *divas vergl. 
unten jüthbddh : jdnth). Die differenz von *divas und OyiAshd-, 
Offus- in comp, ward dann zu Ungunsten des ersteren aus- 
geglichen, wie hravis, welches nur in gleicher läge wie ayi$s 
aus ^kravyas hervorgehen konnte (z. b. in hravish-nu^ nach 
rohem fleische gierig), griechischem xgiag =3 xQspjac g^en- 
übersteht. In skr. tanuisd^ gegenüber lit. tamsä und divasd' 
von indog. *divas (Grassmann ztschr. XI, 6 f.; Fick P,109) u. a. 
ist durch umgekehrte ausgleichung das a in der ableitung wieder 
hergestellt. 

Stämme auf skr. -tar-. 

Um das verhältniss von dtivoga zu dotdram, in welchen 
Brugman (stud. EK, 367. 399) wieder o und a unmittelbar 
gleich setzt, zu würdigen, hat man vom slawisch -litauischen 
auszugehen. Bekanntlich entsprechen diesen nomina agentis im 
litauischen worte auf nom. -tqjis, im altbulgarischen solche auf 
'teiX (Schleicher comp. § 225): lit. d&kjis (Ness. wtb. 145), ab. 
daidt Das dem lit. -tcjis gleiche "taj, d. i. -to;X ist im sla- 
wischen selten (Miklosich vergl. gr. II, 171). -teK flectirte ur» 
sprünglich consonantisch, das lehren die gen. pl. wie dSkUdU, 
instr. deiately (vgl. sloves-y), nom. däaiele. Belege geben Miklo- 
sich vgl. gr. IIP, 18 f. und Scholwin archiv II, 497 f. 500, der 
die erscheinungen nicht im zusammenhange fasst und daher 
ihren grund nicht erkennt; die nom. pl. auf -tele können nicht, 
wie Scholwin s. 533 will, aus -teliie entstanden sein. Den 



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Zwei arische a-laute und die palataleiL S7 

stamm lit. -töjor so ohne weiteres mit Brugman (stud. IX, 401) 
aas 'iar-ior herzuleiten verbieten die lautgesetze, da r vor j 
oder i nicht schwindet (vgl. pastyrt). Wie europ. mater durch 
die slawisch-litauischen auslautsgesetze zu ab. mati, lit. moU um- 
gewandelt wurde, so musste der dem griech.-lat. -tör entsprechende 
nom. eines nomen agentis zu slaw.-lit. 4a werden. Indem dieses 
ebenso wie ab. -tel- in die ^a-declination hinübergeführt wurde, 
entstanden die vorliegenden formen lit. artöjis^ abulg. raiaö, d. i. 
rataji ^). Da lit. ^ajis und ab. -teU einander vollständig decken 
und im slawischen noch süglqdataj, isvataj neben sUglqdateR 
explorator, jsvateti vocator liegen, werden wir zu der annähme 
geführt, dass vor einwirkung der ja-declination ablautend flectirt 
wurde nom. data, cas. obl. daieU, woraus durch uniformirung 
in entgegengesetzter richtung lit. dükjis und ab. dateU erwuchsen. 
Der nom. *data ward durch daid^ ersetzt genau so wie später 
kamy durch kernend, daielr aber ist an stelle von *dater- ge- 
treten, vermuthlich im zusammenhange mit dem processe, welcher 
von den in den übrigen europäischen sprachen zur bildung der 
Werkzeugbenennungen neben einander hergehenden Suffixen -^a- 
und -dar das letzlere zur alleinherrschaft brachte (ab. rah, poln. 
radto^ lit. ärUas = an. ar^y gen. arärs pflüg). Übrigens ist 
das l nicht allzu jung, wie die Übereinstimmung von ab. ^prya- 
UiR und ahd. friudü zeigt. Abgesehen vom l entspricht das 
verhält von dMa zu datd- dem vom lit. se$ü zu seshr-s. Nur 
pasiyri, gdf. "^pastürja-s , hat das r erhalten. Der lange vocal 
zeigt, dass der starke stamm zu gründe liegt und der übertritt 
in die ja-declination statt fand, als auslautendes r im nom« 
noch nicht verloren oder der starke stamm noch nicht auf den 
nom. sg. beschränkt war. Hiemach haben wir für das 
griechische als ursprüngliche flexion stark -to)^-^ schwach -tsq^ 
anzusetzen, wie sie sich erhalten hat in dem einzigen hom» 
fiftfTcafa^) und wocaeSteg, xvßsQväzsQ Herodian I, 419, IS L., 
aol. %e$ß6lstsQ Herod. II, 358 f. L. (Ahrens I, 114 f.), sowie 
in den femininen öfi^xHqa, dg^azs^a, novXvßoxB&Qa^ welche 



') Ebenso sind lit. mötyna, motüsze, moPjite, mocsütif abulg. nuUica 
maiUeha von lit. moti, ab. mati, nicht von dem in den cas. obl. erschei- 
nenden r-stamme ausgegangen. 

*) Es sind nur ursprünglich starke casus belegt, falls der acc. pl. 
— was noch zweifelhaft ist — zu diesen gehört: fiiiattoQ, fA^xtüQ«, ^^crroi^f, 
fiinm^ig, fAffiX9»qag, aber M^<froQa Sl S57. 



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28 Joh. Schmidt, 

von der uniformirung der masculin-declination nicht erreicht 
wurden. Im übrigen traten ausgleichungen ein und zwar nicht 
nur in den suffixalen, sondern auch, was bisher nicht beachtet 
ist, in den Wurzelsilben, deren erörterung Brugman stud. IX, 363 
geflissentlich aus dem wege geht. Berücksichtigt man nämlich 
die constante di£ferenz der wurzelvocale und accente von hom. 
dwTOQ ^ 335 und dot^Qeg T 44 {dwt^Qsg & 325), von ßdirogag 
M 302, ßmoQBq $102, « 200, intß<StoQ$ v 222 und ßav^Qag 
o 504, fifiloßoxfJQag 2 529, von äfp-^xoQog I 404 und oivo- 
nor^Qag ^ 456 u. a., sowie die diüerenz zwischen ddtoqa und 
lat dätörem, so wird man auf eine alte flexion dtiitw^, *d<»T«^a, 
*dot€Q6g geführt ^), welche einerseits zu dwitog, daitoga, deirogog 
andererseits zu Sox^q, öotyQa, dovfjqog ausgeglichen ist wie tpqmvj 
*q)Qwva,ipQ€v6g einerseits zu if€i'q>Qf»v,'(pQova,'(pgovog, andererseits 
zu (pQ^v, <pq6va, ipgsvog. Das f und seine betonung sind von dem 
neu erwachsenen nom. öot^q ausgegangen, zu der zeit als alle 
mehrsilbigen stamme in den casus obliqui den ton auf die silbe 
rückten, welche ihn im nom. hat. Das sanskrit hat den accent- 
wechsel ebenfalls noch, aber der ursprünglich mit ihm wech- 
selnde wurzelvocal ist wie in den ztschr. XXIV, 306. 310. 314. 
316 behandelten verbalformen in der gestalt, welche ihm nur 
unter dem hochtone zukommt, erstarrt: cbUa und data. Nach 
Fm. III, 2, 135 hat die Wurzelsilbe den ton, wenn das nomen 
einen bezeichnet, der etwas aus gewohnheit oder als pflicht 
thut oder gut vollzieht; das object steht in diesem falle nicht 
im gen., sondern in demselben casus, welchen das zugehörige 
verbum finitum verlangt (P. II, 3, 69). Vedisch ist diese regel 
nicht immer beobachtet, z. b. jäa jdnanam RV. I, 66, 3 gegen 
j^ Qdtrün U, 41, 12. Lindner (altind. nominalbildung 72), der 
die vedischen nomina auf -tar- gesammelt hat, meint, die 
betonimg der Wurzelsilbe beruhe darauf, dass eine anzahl 
dieser bildungen sich der betonung des verbums angeschlossen 
haben. Aus dem griechischen ersehen wir, dass jedes dieser 
Worte in der Ursprache seinen ton in den verschiedenen casus 
wechselte. Von der mit dem accentwechsel ursprünglich ver- 
bundenen Verkürzung des wurzelvocals haben sich nur ver- 
einzelte beispiele erhalten savyorshthdr'^ savyS^shfhar- der zur 



^) Der accent fiberspringt eine silbe wie in skr. j/dkft yakuds, gdkft 
(fdhndsj däru drunds, ^6qv ^9v^6g, 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. 29 

linken des wagenlenkers stehende kämpfer, abaktr. nom. rathoE" 
"Stao, aec. -siarem und -stäm u. s. w. Das schlussglied dieser Zu- 
sammensetzungen -sthar ist, wie einer meiner zuhörer, herr 
Hahlow, gesehen hat, aus *sth€hUir entstanden und verhält sich 
lautlich zu dväviJQ^ Stator wie d-tta- aus *(irdatar zu do'€6q, 
dätus (s. u.). sthär- neben sthdtar- zeigt also dasselbe verhält- 
niss der wurzelvocale wie öot^q- neben dwtoQ-. So wird auch 
iM, dessen übliche herleitung aus *sütri gegen die lautgesetze 
verstösst, aus *sa-tr{ entstanden und fem. zu *sd-tar- sein. Auf 
diese vermuthung fuhrt das an. Xsy. sd-tu- RV. IV, 6, 7: fu{ 
ydsya sdtur jdnitör dvOri dessen mutterleib nicht verhindert 
wurde (ihn, den Agni) zu gebären — sl/ri : sdtvrS = ^sthdr : inf. 
sthdhhm (vgL got. mana-seps menschensaat, weit). Auch das 
altbaktrische zeigt noch spuren wechselnder betonung. Die 
meisten mittelst 4ar gebildeten worte (Justi § 215) haben aller- 
dings wie im skr. die hochtonige wurzelform durch alle casus 
geführt, doch nom. kereta thäter, dereta halter weisen auf be- 
tonung des Suffixes. Neben einander liegen nom« hereta-ca träger 
und haretkri mniieTy fra^bcbretaremyfra-barethrB titel eines priesters, 
käm^iaretJirö des zusammenbringers. 

Endlich haben wir ausser 'Tsq- == abulg. -td^ noch eine 
schwache Stammform, über deren ursprünglichen sitz uns wieder 
das slawische belehrt. Die Übereinstimmung sämmtlicher sprachen 
erweist, dass in der erweiterung mittels a schon die Ursprache 
den zwischen t und r stehenden vocal verloren hatte, -fr--a- 
(s. Schleicher comp. § 225). Ebenso haben die feminina mit 
ausnähme griechischer bildungen wie öfb^tat^a, novXvßoTsi^a 
diesen vocal in sämmtlichen sprachen verloren, vgl. skr. -tr^f, lat 
-<r-ld-, osk. f uu- tr -ei, griech. tpdX-TQ^iaj äXe-vQ-i-g. Wie dem skr. 
4ra westslaw. -dlo, südslaw. ^h entspricht, so deckt sich das 
soffiz von £ech. prordli, nslov. prc^lja Wäscherin, svordli^ nslov. 
fc0-^a näherin mit dem skr. 4n (Miklosich verzeichnet die her- 
gehOrigen worte unter suff. 4jiK, vgl. gr. II s. 105). Im litauischen 
ist -fla = slaw. -dlo zu -klar geworden : ar-klorS pflüg = poln. 
ro-ätOy ab. rälo (vgl. Burda beitr. VI, 243). Ebenso entspricht 
dem £ech. -dli lit -kUy z. b. dukU kinderwärterin (aug-kle), 
peri'hle brütende henne^). Auf germanischem gebiete haben 

') Zu diesem Jä^ bildete sich ein msc. -Uy^s, welches an die stelle des 
daw. -tei-f -leA trat, ar-ld^'S das ackerpferd und ar^tö-ji-s der ackersmann 
Terhalten sich zu einander ähnlich wie abulg. sügl^-tePi und sügl^da-taj. 



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30 Joh. Schmidt, 

Wir das verhältniss von slaw, -dli : -telr in got. hv5f4uli f. prah- 
lerei : ahd. frithdil = ab. prija-teK, denn '4idi verhält sich zu 
skr. -^ wie vitum zu vidmä. 

Dieser dreifache ablaut der nomina agenlis fi^ff-rwQ-a : 
^S-TSQ : tpdX'^Q'$(x, aqo'XQ'Ov = abulg. -ta-j : -td- : poln. cech. 
-(W-o, fiech. -eK-i steht keineswegs isolirt, denn mehrfach haben 
ableilungen mittels -a (a) und -l einen schwächeren stamm als 
die schwachen casus des zugehörigen nomen, z. b. 

stark schwach ableitung. 

*noifitav (lit pemu) notfjiiv-og (pemen-s) noiiAV-fi 

lit. vandSi vanden-s indog. udr-d-j 'AXoff^ 

'vdv'fi (s. 22). 
skr. ndp(Xt^m vinod-eg napt4 (s. 14). 

aim aUi ayushd-m (u. a. s. 26). 

skr. kän^yö^s-am kdn^yas-as kan4sh-thd'S^). 

Die erklärung giebt ein gesetz indogermanischer betonung, 
welches sich vorläufig dahin formuliren lässt, dass eine silbe 
stärkere Verkürzung erleidet, wenn der hochton auf die zweit- 
folgende silbe fallt, als wenn ihn die unmittelbar folgende trägt. 
Je nach der beschaffenheit des vocals sind drei arten dieser 
Verkürzung zu beobachten. 

1) Ein kurzer a-vocal, welcher unmittelbar vor der ton- 
albe bewahrt wird, schwindet, wenn der hochton eine silbe 
weiter rückt: 

a. arisch catvdras, aber *kkir{ar == skr. ^Mr^ya-, abaktr. 
SrklMuiri^m; der vocal ist schon in der Ursprache geschwunden, 
wie sich bald zeigen wird, auch die betonung der starken form 
war in der Ursprache dieselbe wie im skr,, beweis das d von 
got. fidvör nach Verners gesetz. 

b. indog. nom. vadär wasser, aber gen. uddnds (s. 22). 

c. Hier erklärt sich auch die Delbrück noch räthselhafte 
erscheinung, dass perfectformen mit betonter endung im veda 



*) Die betonung des -tha, weiche schon in der Ursprache das vorher- 
gehende comparativsuffix zu -is- reducirte, hat sich nur bei wenigen von 
Benfey vollst gramm. § 599, III verzeichneten Superlativen erhalten, in 
der regel ward die betonung des comparativs eingeführt. Die ordinalia 
haben die betonung fester gehalten catur-thd-, pa/fica-thä-f ahash-ßA-, kati- 
-thä' (doch 8aptd-tha-)j in Übereinstimmung mit germ. -da : got. aibunda, 
afUU'day russ. Seatqjt gr. iUocios, TQuanocxog u. s. w. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 31 

bisweilen keine reduplication haben (verbum s. 120. 236). 
Zwischen tatdksha und takshdthtis, takshüs oder dadd^a und 
dogvdny dagüshas besteht genau dasselbe verhältniss wie zwischen 
ecifvAras und turiya-. Die nach schwund des reduplications- 
▼ocals im anlaute entstehenden schwer sprechbaren consonanten- 
gruppen wurden so vereinfacht, dass der wurzelanlaut wieder 
r«n hervortrat. Ich halte diesen abfall nicht mit Delbräck 
für »nachträgliche, sondern glaube vielmehr, dass formen wie 
iakshus aus der Ursprache stammen und in tcUakshüs die redupli* 
eation erst aus dem sg. wieder eingeführt ist, wie in caturthd' 
das ca aus catvdras wiederhergestellt ist, nachdem es wie in 
tmtyor verloren gegangen war. In den schwachen formen der 
perfecta schwand ein unter dem hochtone kurzer wurzelvocal 
vor einfachem consonanten im wurzelauslaute, jagdma (s. 8 f.) : 
jagmüs; vor doppelconsonanz ward er nach möglichkeit reducirt, 
daddrfa : dadrkshS, tatdksha: todakshüs; ein unter dem hochtone 
langer vocal oder ein diphthong ward verkürzt, dadhd : dadhishi. 
Nachdem diese Veränderungen der Wurzelsilbe durchgeführt 
waren , stand die reduplicationssilbe in jagmüs unmittelbar vor 
der tonsilbe wie in jagdma, ihr vocal war überdies durch fol- 
g^ide doppelconsonanz geschützt, blieb daher in allen sprachen, 
welche diese perfectbildung erhalten haben, bewahrt (fSeimus, 
qimumy air. do-mSnar putavi). In allen übrigen schwachen 
perfectformen aber, welche die Wurzelsilbe zwar verkürzten doch 
als silbe bestehen liessen, war die reduplicationssilbe um eine 
stelle weiter von der accentsilbe entfernt als in den starken, 
sie verlor also ihren vocal wie *kturia-, und es entstanden 
(ta)tak8hu8, (da)dhishe. Diesen stand hat, ersichtlich aus der 
Ursprache, bewahrt fridmd, tdfisv^ vitum^). Sonst haben die 
überlieferten sprachen ausser den wenigen trümmern des alten 
regelmässigen zustandes, welche das sanskrit bewahrt hat, die 
differenz zwischen den starken und schwachen formen wieder 
ausgeglichen. Es walten hier ganz ähnliche Verhältnisse wie 
beim augment. J. Wackernagel (ztschr. XXIII, 470) hat nach- 



*) Ganz »organisch« wäre *uvidmd aus *v{a)vidm&m. In weitaus 
den mei^len formen schuf der ausfall des reduplicationsvocals im anlaute 
miqirechhare doppeleonsonanten wie U, pp, mm u. s. w., welche vereinfacht 
werden mussten und dann den unveränderten wurzelanlaut ergahen. Nach 
deren muster entstand auch vidmd^ nicht *uvidmd. 



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32 Joh. Schmidt, 

gewiesen, dass in der periode der Ursprache, welche vor der 
Umgestaltung des vocalisraus durch den accent liegt, augmen- 
tirte formen in hauplsätzen den accent auf dem augmente hatten: 
drhha-t, in nebensätzen auf einer der folgenden silben: a-hMrt^ 
und dass das unbetonte augment dann wie in (a)smd8i ge- 
schwunden ist Jede spräche hatte also beim beginne ihrer 
sonderentwickelung neben einander zwei formen örbhüt bhüi, 
ifpv (pv, abulg. *jebtf by, keine hat (abgesehen von den inipera- 
tivischen wie skr. ma bhais) sie beide bewahrt, skr. apers. griech. 
Hessen die augmentlosen fallen, alle übrigen sprachen die aug- 
mentirten. Ganz ähnliches geschah mit der reduplication. 
Die arischen sprachen und das griechische stellten sie in den 
schwachen perfectformen wieder her, genau wie das altpersische 
in amahy (ab. mahi)y das ginechische in iiSfAsv, tlfjv u. s. w. das 
a, § aus dem sg. ind. hergestellt haben. Die übrigen sprachen, 
ital. kelt. german., thaten bei einem theile ihrer perfecta dasselbe, 
bei einem anderen, im ital. und german. dem bei weitem 
grösseren, übertrugen sie dagegen den Verlust der reduplication 
aus den schwachen in die starken formen. Dasselbe geschah 
schon in der Ursprache bei vSda, olda, vait, abulg. vid^ Nur 
unter Voraussetzung des hier dai^elegten entwickelungsganges 
ist der thatsächlich vorliegende formenbestand der sprachen er- 
klärlich. Got. band, bundum aus skr. babdndha, babandhimd auf 
rein lautgesetzlichem wege herzuleiten und dabei den gegen- 
satz von haihald, haihcUdum u. s. w. zu erklären ist unmöglich. 
Dasselbe gilt für das lateinische und wohl auch für das keltische. 
Von hier aus gelangen wir nun auch zu einer positiven be- 
stimmung des ursprünglichen reduplicationsvocals der i- und 
u-wurzeln. Für den schwund von i und u unbetonter silben 
haben wir kein einziges beispiel, got bikim, budum = urspr. 
*bhidhmätn, *bhudhinäm können also nicht aus *bhibhidmäfn, 
*bhubhudmäfn sondern nur aus *bhäbhidfndm, *bhäbhudhinäin 
entstanden sein. So wird bewiesen, was mehrfach schon ohne 
beweis behauptet ist ^), dass die europäische reduplication mit e 
bei allen wurzeln die ursprüngliche ist und die arischen i, u 



^) Von Nölting über den genetischen Zusammenhang des aoristus 11 
mit dem perfectum 11 (mir nur durch die erwähnung von Gurtius verbum II, 
109 f. bekannt) und von Bezzenberger in der anzeige meines voc II, GOtting. 
gel. anz. 1875 s. 1338 anm. 



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Zwei arische a-laute und die palataleri. 33 

erst durch assimilation an die Wurzelsilben der schwachen perfect- 
forraen zu stände gekommen sind. Die im griechischen und 
germanischen auch bei i- und w-wuraeln herrschende redupli- 
cation mit e galt bekanntlich ebenso im, alten latein: peptigi 
(Neue IP, 465), umbr. dersicust. Im indischen sind babMva 
und sasüva von Lassen ind. bibl. III,- 83 als »erste (wir müssen 
jetzt sagen letzte) regungen eines princips, welches im griechi- 
schen allgemein herrschend geworden ist«, erkannt. Abaktr. 
baväva (wohl zu lesen hawava, jedesfalls an die stelle eines 
urspr. *bhdbhava getreten), pl. babvare lehren, dass babhüva, 
Ißabhüvüs zunächst aus *babhäva, babhüvtis, diese aber wie ge- 
sagt aus *babhdva, *bhüvüs uniformirt sind. Es giebt noch eine 
indische doppelform, welche nothwendig auf a als reduplications- 
vocal fuhrt. Vedisch liegen neben einander cicymhe und cucyuve. 
Da weder i sich folgendem u, noch u sich folgendem y, i assi- 
milirt, können cicyur und cucyvr nur verschiedene assimilationen 
von ^aAcyfifr sein. Skr. bibhidimd, btibnähimä sind also aus 
*babhidimd, *bäbudhimä assimilirt; vergl. noch tatära : titirus, 
tÜirvdmscLS; tastara : tistire, tistiränä du. 

d) Die benennung des vaters war in den starken casus ur- 
sprunglich auf der zweiten silbe betont, wie die Übereinstim- 
mung von skr. päd, nariJQ^ got. fadar, acc. püdram, nariga, 
fadar lehrt. Mit dem vorrücken des accents auf die dritte silbe 
(skr. pure, navQi) schwand ursprünglich der vocal auch der 
ersten. Das altbaktrische hat dies verhältniss bewahrt zwischen 
dem nom. püa, acc. pitarem und dem acc. pl. fedhrö = "Optras 
(wie gen. nafedhrö = *naptrds) sowie den femininen bahuvrihis 
hu-fedhris acc. pl. von guten eitern stammend, eredat-fedhryö, 
vanhu-fedhryo, ^ütaUfedhryo g. sg. nom. pr. Allerdings ist die 
Scheidung der starken und schwachen casus schon ins schwanken 
gerathen, indem einerseits auch pta, ptarSm im gathädialektc 
wie in den jüngeren texten metrisch gesichert (Hübschmann 
bei Fick vgl. wtb. IP, 779, Geldner metrik § 65) statt pita 
piiarem und andererseits inthre statt des zu erwartenden *fedhrc 
vorliegt. Darum sind aber nicht, was Hübschmann ztschr. 
XXIV, 388 zu wollen scheint, pta und pita u. s. w. gleichmässig 
als »organische« Vertretungen von indog. patdr zu betrachten, 
denn ein zwischen momentanen consonanten stehender tieftoniger 
vocal der Ursprache ist im altbaktrischen sonst bewahrt. Auch 
das altpersische hat ihn in pitä und durch Übertragung im 

Zoltwlirin fnr Torpl. Sprachf. N. F. V. 1. 3 



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34 Job. Schmidt, 

gen. pithra. Es haben hier vielmehr unursprüngliehe aus- 
gleichungen stattgefunden analog denjenigen, welche das grie- 
chische in der suffixalen silbe vollzog, indem es einerseits ^vyccwQu^ 
MyuTQsg neben die älteren x^vyaxiqa, O^vyazSQsg, andererseits 
nariQog, na%$Qi neben die älteren natgog^ natqi setzte. Fehlt 
den übrigen sprachen der mit pt anlautende stamm ? Vielleicht 
nicht. Das kose wort zu matdr- ist fMXfifiii^ lat. mamma, ahd. 
nmofna^ lit. monm, russ. serb. mdma, ein entsprechendes zu 
püdr- findet sich nur im griech. ndnna voc., ndnnog, lat. päpa, 
dagegen ist weit verbreitet ein mit t anlautendes skr. te^-, 
tatd-, T^Ta, lat. tätay ahd. toto pathe, tata pathin, bei Wala- 
frid Strabo todo genitor, toda genitrix, (Grimm wtb, II, 1312), 
lit. Uta, tetis, serb. taUi, ja im litauischen tevas, preuss. tOws, 
lett. t^ws lautet sogar das nicht-kosewort mit t an. Von vorn 
berein ist wahrscheinlich, dass diese worte zu indog. patdr- in 
ähnlichem Verhältnisse stehen wie fkd^iMj u. s. w. zu matär-, 
Dass sie lediglich aus dem suffixe, welches pcMr- mit so und 
so vielen anderen verwandtschaftsworten gemein hat, gebildet 
seien, ist kaum glaublich. Wie aber, wenn tatär u. s. w. aus 
*pt€Mh entstanden, d. h. von der schwachen form ausgegangen 
wären? Skr. taidr aus *ptatdr wie twrtya- aus*A;^tya-5 griech. 
%H%a aus "^mstta wie t^diEe^a aus *ni;Qan€^a s. 47, in ahd. 
toto, todo wäre dann auch die mangehide Verschiebung des an- 
lautes begründet. 

e) Ebenso erklärt sich das verhältniss von dvMtdr-, d-v^d^i^Q, 
i^vyaviQa zu got. dauktar, lit. dtücte, abulg. düMi aus einem 
alten ablaute "^dhughatar-cm : dat. "^dhughtr-ai. Reconstruiren 
wir beide Stammformen für das altbaktrische , indem wir die 
litauische form als Wegweiser für den guttural nehmen, so ge- 
winnen wir stark *dvghatar-, schwach ^^dukhdhv' (über die 
einschlägigen consonantischen lautgesetze s. Hübschmann ztschr. 
XXIV, 346). Die überlieferten formen lassen sich nur als 
contaminationen beider erklären, dugeda nom., dttgedräm g. 
pl. der gäthäs würden im jüngeren dialekte *duktUa, *dtikMräm 
lautlich entsprechen (vgl. aogeda gäthä = aokhta sprach, a. a. o. 
und npers. duJcht, armen, duxt, dttstr, Hübschmann ztschr. XXm, 
17). Die formen des jüngeren dialekts dughdJia, dugdharem, 
dughdhairi können ihr gh nur als nachwirkung eines einst fol- 
genden vocals, ihr dh aber nur aus den schwachen casus haben, 
in welchen es zwischen kh und r entstanden ist. 

f 

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Zwei arische a-laute und die palatalen. 35 

2) Ein langer vocal, welcher unmittelbar vor der tonsilbe 
verkürzt wird, schwindet, wenn der hochton eine silbe weiter 
rückt : ta-sthä (^CTti-Mo) : ta-sthirvä/a aus ^ta-stha-vdn (vgl. «-cTTa- 
-or-a), aber torsth-ush-as aus "^tasthushds; so ved. papwdmsam 
papAshaSj drarivän drarmhe; in dadvdn ist wie in dddmas 
(ztschr. XXIV, 311) Störung eingetreten, schwach dadüshas^). 
Das griechische hat zwar keine spur mehr von dieser doppelten 
wandelbarkeit eines wurzelauslautenden vocals innerhalb der 
perfeetparticipia. Wenn wir aber in den fem. fiefjtaxvta^ rs^aXvta^ 
Islaxtßiaj aQaQvXa^ asaoQvla den schwachen vocal länger haften 
sehen als in den msc. fiSfiiixwg u. s. w. (s. 9) oder irgend 
einer anderen perfectform der betreffenden verba, so dürfen 
wir vielleicht annehmen, dass auch im griechischen einmal das 
fem. zu iaTacig einen noch schwächeren stamm gehabt habe, 
*i(rtvia == tasfhüsht. Auf diese weise ist es auch möglich die 
schwachen optativformen der wurzeln da geben und dha setzen 
ohne die von mir ztschr. XXIV, 312 angenommene formüber- 
tragung zu erklären, denn das verhältniss von dddho-mi (aus 
*dadhd-mi a. a. o. 308) : ved. dadhirshvd (ri^s-o) : daM^td 
3. s%. opt. med. RV, 66, 1 aus dadM- + ^'td entspricht genau 
dem von taslhd : tasthirvdn : *tasthrushrii$. Dann bilden diese 
optativformen nebst der 1. sg. ind. dädcj^ part. dddhana- den 
ausgangspunkt für die präsensstämme dad, dadh in dadh- 
mäsi u. s. w. 

Hier erklärt sich auch das verhältniss von aitS : aiel : 
Oyushdr^n, d. i. ^alifSa-a : ^ai^ea-i : aive^-m (s. 24 f.). 

Endlich gehören hierher die weiter unten ausführlich be- 
handelten worle, in welchöa jdnu, däru, sdnu vor der tonsilbe 
zu jww-, dm-, mu' verkürzt sind. 

3) Ein diphthong, welcher unmittelbar vor der tonsilbe un- 
verändert bleibt, wird auf sein zweites element reducirt, wenn 
der hochton eine silbe weiter rückt: indog. aasdS'in = ^oce, 
aber gen. usctsds = skr. t^Ms aus *u8ha8ds (s. 23 f.). VS^ie schon 
oben (s. 22) bemerkt, wurden die vocal Veränderungen, welche 



>) Ursprüngliches i schwindet in den schwachen formen nicht: pipi' 
vdmtampipyuM, didivdn didiyushaa, bibhUvän bibhyüshas, jifivän jigyüshaa 
(s. die Sammlung von Delbrück verb. s. 234 f.). Der vocal, welcher in 
tattkushas geschwunden ist, lautete zur zeit des Schwundes diesem i also 
nicht gleicli. tasthiviin tasthusfias gab dann das muster für tenivän tentishas. 

.3* 



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36 Joh- Schmidt, 

durch diese betonungsverhältnisse herbeigeführt sind, später 
meist wieder ausgeglichen, so dass leichter ist, beispiele bei- 
zubringen, welche, da in ihnen die ausgleichung vollzogen ist, 
dem oben formulirten satze widersprechen, als beispiele, welche 
die alten vocalverischiedenheiten in ihren ursprunglichen grenzen 
bewahrt haben. Die thatsache glaube ich durch die angeführten 
genügend festgestellt zu haben. 

Aus ihr erklärt sich nun sehr einfach, wie ableitungen zu 
einem schwächeren stamme kommen als die mehrzahl der auf 
dem sufflxe betonten casus. Die oxytonirten feminina auf t *) 
betonen im skr. die sufßxe der schwächsten casus. Dass diese 
betonung aus der Ursprache stammt, lehren fiia (aus ^afi-ta) 
fiiägj fMiq, fiiav, hom. *a (= got. si, begrifflich wie got. ains : 
skr. ßwo-), i^g und oqyvmXj äyv^a^ äquina^ üXataiay Qian^a^ 
welche nach Ghoerob. Bekk. anecd. p. 1217 = 405, 27 Gaisf. 
in allen casus mit langer letzter silbe den ton auf dieser hatten 
dQYv$dg, oQyviq, ogyvMv u. s. w. Hiemach werden wir an- 
nehmen müssen, dass an ursprünglich oxytonirten feminina 
auf skr. t = griech. -*«, ja wenigstens die vocalisch anlautenden 
suflßxe schwacher casus, wahrscheinlich auch die consonantisch 
anlautenden den hochton trugen, in diesen also der ton um 
eine silbe weiter v^ stamme der masculina fortgerückt war 
als in den schwachen casus der masculina, und daher der 
in diesen verkürzte vocal ganz schwand. Dann verhalten 
sich dd-tar-am : *da4dr'i (skr. datdri) : gen. fem. do-tr^ds = 
tasthd : tasthi^dn : *tasth'tishds^. Durch uniformirung drang 
dann skr. -tri, cech. -dK, lit. -Ue auch in die starken casus des 
femininums, welche ihrer betonung nach von den schwachen 
des masculinums nicht verschieden waren, ursprünglich also 



') Ein germanisches zeugniss für indog. oxytona auf t giebt anord. 
ylgr = skr. vrld (Verner ztschr. XXIII, 121). Im griechischen haben nur 
die auf -iV, -«cTo^ die alle accentuation bewahrt, die auf -m aber den accent 
durchweg zurückgezogen ausser homer. tck^^kcc, &a/LKuti nach Aristarchs 
betonung. Diese sind nicht, wie GOttling accentl. 299 meint, feminina zu 
den bei Homer gar nicht vorkommenden, überhaupt wohl nur künstlich 
gebildeten rctQtffMs^ d-afinosi sondern zu den u-stämmen hom. TaQff4(s, 0•€t^uifg. 

*) Die wurzelvocale habe ich hier ausser betracht gelassen. Ist stri 
oben s. 29 richtig gedeutet, dann schwand ursprünglich mit dem suffixalen 
vooale zugleich der Wurzel vocal, also msc. acc. *sdtär'am (vprl. *^(6rwQft), 
lor. *mtttri (^cfoT^pi), fem. gen. Stria s. 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. 37 

auch keine aiidei'e gestalt des masculinstamnies als diese vor 
dem femininelement gehabt haben können. In griechischen 
bildungen wie äfi^TssQa, novXvßotstQa hat sich dieser dem nom. 
acc. von rechtswegen zukommende stamm erhalten und auf 
die übrigen casus erstreckt, während die typen ipdktQia und 
dXszqiq den ursprünglich nur den schwachen casus zukommenden 
verlast des b auch auf die starken ausgedehnt haben wie skr. 
-tri, cech.-dli, lit. -kU. Ais ursprüngliche flexion der feminina 
ergiebt sich also nom. -tdrt = -^siQa, gen. -trids = tgtäg. 

In gleicher weise erklärt sich der vocalschwund des schon 
indogermanischen -tr-or. Nach analogie der oxytonirten stamme 
auf i, i, ü, u, welche im skr. diejenigen vocalisch anlautenden 
schwachen casussuffixe, vor denen ihr st^mauslaut ungesteigert 
ist, betonen, wird man das gleiche von den oxytonirten abstam- 
men annehmen dürfen. Nachzuweisen ist es nicht, denn da 
ihr Stammauslaut a schon in der Ursprache mit jedem folgenden 
vocaie ZU einer silbe verschmolz, bleibt nicht mehr zu ersehen, 
welcher der beiden vocaie vor, der Verschmelzung den hochton 
getragen hat. Im skr. können oxytona den gen. pl. auf der 
endung oder auf dem stamm betonen, z. b. gastrCM^m oder 
^astränam, m ersterer betonung darf man jedoch kein directes 
zeugniss für die alte betonung der a-stämme suchen, da die 
genetive auf -^läm, von den n-stämmen übertragen, deren be- 
tonung (tikshnäm) mitbrachten. Wir werden aber weiter gehen 
und annehmen dürfen, dass ursprünglich überhaupt alle schwa- 
chen casussufßxe, auch die consonantisch anlautenden von 
mehrsilbigen oxytonirten stammen den hochton auf sich zogen 
oder doch einen für die wortgestalt in betracht kommenden neben- 
lon trugen. Sehen wir doch auch bei mehrsilbigen conaonan- 
lischen, welche — von zahlworten abgesehen — die endungen 
'bhis, -hhyas, -hhijäm, -su im skr. nirgends mehr betonen,^) diese 
endungen als betont wirken, indem sie an zu a reduciren, 
ukshdbhis, rdjasu (zlschr. XXIII, 269 anm. 271 anm.). Vor den 
ursprünglich betonten suffixen wurde *-torrf- zu -trct-, diese 
süffixgestalt verallgemeinerte sich dann wie -trt. Dass es aber 



^) Osthoff in Puul und Braunes beitragen 111, 3^. 49. 51 f. giebt 
praiyag'bhis, -bhyäs, prcUyak'Shü als überlieferte betonung an und 
erschliesst auf grund des sanskritaccentes eine betonung indog. 
nkiobluydms. 



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38 Joh. Schmidt, 

in der Ursprache oxytona auf -tra- gegeben hat, folgt aus 
deren Vorhandensein im sanskrit, griechischen (SanQov, XostQor, 
dan^og, iatqog), germanischen (got. ßdr scheide = ^pOträm, 
skr. pdtra-4n behältniss, ahd. rltra = cribrumy air. criaihar)^ 
slawischen (russ. hryU = cech. hfidlo, poln. skreydlo; russ. 
teslö, pomdö). Von den oxytonirten ableitungen konnte dann 
der schwächste stamm auch in die nichtoxytonirten ^ertragen 
werden, indem man ihn später als zum wesen der ableitung 
gehörig ansah ohne rücksicht auf deren betonung. 

Haben wir den grund für den eintritt von -tr- statt -tar- 
(europ. -ter-) in der betonung der zweitfolgenden silbe nach 
früherer betonung der unmittelbar folgenden richtig erkannt, 
dann wird auch vor c^issuffixen, welche aus zwei elementen 
bestehen und auf dem zweiten den hochton tragen, der mas- 
culinstamm die entsprechende reduction erlitten haben, d. h. 
sicher vor den sufBxen -bhidms und -bhidm ^) zu -^- = (skr. -^-, 
griech. -vag-) geworden sein *), z. b. urspr. *d€aarbhidms = skr. 
datßhyas^). 



') Abaktr. -byö und bya zweisilbig gemessen s. Geldner meirik der 
jüngeren Avesta s. S5e. 

*) Die gründe, welche vocalisches r für die Ursprache anzunehmen 
verbieten, werden s. 44 bei besprechung der vierzahl zur spräche kommen. 

') Zu dem resuliate, dass diejenigen casus, deren suffixe aus zwei je 
einsilbigen elementen bestehen, ursprünglich die schwächsten waren, stimmt 
auch das verhältniss von {<fto)(fQ(üy : iffQiyos : (pQuci, letzteres wie ngoip^Mf^a 
den schwächsten stamm enthaltend. Suff, -tf» aus -tf/» entspricht nicht 
direct dem abaktr. -shva, wie schon Aufrecht ztschr. 1, 117 gesehen hat, sein 
» ist vielmehr durch einwirkung des loc. sg. auf -» herbeigeführt (Gerland 
ztschr. IX, 64). Jedesfalls setzt -et ein älteres -«f», 'Sui voraus. Auch 
abaktr. -Bhva, -hva wird zweisilbig gemessen (Geldner metrik s. 37 d). 
^a<rl, welches bisher nur aus Pindar bekannt war (Ol. VII, 24. Pyth. III, 
108), lässt sich jetzt auch als attisch nachweisen. Herr College Kirchhoff 
hat die ausserordentliche gute gehabt, mir das facsimile einer kürzlich in 
Athen gefundenen Inschrift, welche er dem schriftcharakter nach in den 
anfang des 6. jh. setzt, zur Verfügung zu stellen. Sie ist in mehrfacher 
beziehung wichtig und möge daher hier platz finden: 

tfT^^f xal otxttQoy if^/na Bq&<smvo£ Idciy. 

Doppelconsonanten sind einfach geschrieben: o<rr£i/c»c, ala; c und t?, 

o und Ol smd graphisch natürlich nicht geschieden« der spiritus in og ist 

durch H gegeben. Sprachlich wichtig sind ofxri^ov als neuer beleg dafür 

dass olmiqm nie den diphthong h enthalten hat, und auix^K, in dessen 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 39 

Das Sanskrit hat diesen sehwächslen stamm durch alle 
schwachen casus der masculina ausser dem loc. sg. datdri hin- 
durch geführt, gerade wie es mit dem schwächsten stamm dyits 
verfuhr (s. 26). Das verhältniss von skr. datr- zu griech. 
*dot6Qoc^ *6wtfaqa entspricht dem von äyus- zu aij:€{a)i, 
*aij:m<f'a = aiw. Brugnian hat sich durch das sanskrit ver- 
leiten lassen -^- als schon indogermanischen stamm aller 
schwachen casus anzusetzen. Unter ^dieser Voraussetzung sind 
aber dor^Qoc, abulg. datele, skr. datdri unbegreiflich. Brugman 
erklärt dotfjg durch anlehnung an nartJQ, Aber warum wird 
dann nicht weiter flectirt *dotQ6g wie natQog^ oder umgekehrt 
*nar^Qoq wie dot^Qog? Woher hat ferner das slawische -td- 
sein e? Aus den Verwandtschaftsworten sicher nicht, da von 
diesen nur feminina erhalten sind, welche ausserdem durch die 
bewahrung des r von den durchweg masculinen nomina agentis 
auf 'tel- getrennt sind., Endlich das a von datdri? Aus dem 
starken dätär- kann es nicht übertragen sein; pUdri könnte (ür 

zweiter silbe die deutlich erkennbaren unteren fragmente von ß und 1 
Bergks zweifei an der diphthongischen uatu;* des c» der 2. sg. widerlegen 
(Bergk in Fleckeisens jahrb. 1878 s. 189 f«: dagegen Brugman morph. 
unters. 176). Es sei gestattet hier noch eineA (fQairi ganz analogen dativ 
beizubringen, nämlich äyxtfs. Bereits Ebel ztschr. IV, 207 und Pott e. f. 
III, 129 haben in dyxds einen verkürzten dativ gesucht, ersterer ohne sich 
über den stamm des zu gründe liegenden nomens auszusprechen, letzterer 
unter ansatz eines nicht nachweisbaren dyxM'; ebenso Härder de alpha 
vocali apad homerum producta, Halis Saxonum 1876 (Berliner doctor- 
dts«ertation) p. 19 sq. Es steht bei Homer überall vor folgendem vocale 
und bedeutet überall » mit « oder » in den armen « , lässt sich also überall 
dyxfic* schreiben: ij d'dyxds ildCfro dvyariQtc fjyy ß 371; ^ ^a, xal dyxdg 
iutt^Tiit Kqovov naXq %V na^dxoniy, H346; l/e ^ dyxdg axo»T*y, 353; dyxdg 
'MmT i/Ltoy vlov, Sl 227; xqomy dyxäg Iktov, ti 252. Nichts hindert dem- 
nach dy*dis(h) als alten dativ von rfyxoJv zu erklären, welches, wie dyxoivn 
zum Oberflusse zeigt, in den schwachen casus ursprünglich kurzen vocal 
hatte. Dem von Fix in Steph. thesaur. u. d. w. dyxaq aus Opp. Hai. H, 
315 und Strato Epigr. 42 angeführten dat. dyxdch wird nicht viel werth 
beizumessen sein. Zu demselben stamme gehört das Aeschyleische uyxa9-iv 
Eum. 30, Ag. 3, welches nicht aus *dvixa9-iv entstanden sein kann. Davon 
zu trennen ist aber dyxdg ff^dJiXtiXtoy Xaßirfiy jifc^tf« axißaQ^iShy, H* 711; 
dyxag und x^^ci würden einander ausschliessen , denn der dyxeiy liegt 
oberhalb der band {yvU di fity xard /<7^o fU<rtiy, dyxcSyog iyt^&fy, J 252). 
Nur als acc. dyxdg gefasst giebt es hier sinn; auf diese stelle allein passt 
also die erklärung des Schol. L. zu K 571 und dyxdg * dyxdXag Hesych, 
Et m. 10, 43. 



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40 *^oh. Schmidt, 

sich allein betrachtet allerdings nach pitdram gebildet sein, 
glaublich wäre dies aber nur, wenn weiter auch *pitare u. s. w. 
geschaffen wären. 

Ausserdem hat sich Brugman durch sein vorurtheil, dass 
die ausbildung der langen vocale der o-reihe »verhältnissmässig 
junge sei, die allein richtige erkenntniss verbaut, dass schon 
in der Ursprache langer betonter vocal zu kurzem unbetontem 
in genau demselben verhffltnisse steht wie ein kurzer betonter 
zum vocalschwund in tieftonigster silbe, z. b. in einer und der- 
selben Wurzel skr. väcam, abaktr. vacem: abaktr. acc. pl. vacö 
= skr. vdkttmi : uktds oder aijns$v : aan^va$ = instsd'ai : 
an^a&at, skr. gcLgäda : gägadüs = jcigdfna : jagmüs und un- 
zählige andere. Hieraus folgt, dass die im skr. in den starken 
casus consequent von einander geschiedenen nomina agentis 
und Verwandtschaftsworte, dätäram : pitdram^), auch in den 
schwachen casus ursprünglich nicht identisch waren, wie sie es 
in den europäischen sprachen thatsächlich nicht sind. Nach 
allem ermittelten halte ich mich für berechtigt folgendes schema 
beider stammclassen als ursprünglich aufzustellen. 

nomina agentis verwandtschaftsworte 

skr. griech. / lat. ' skr. griech. lat. got. 
acc. 'tär-am, -ruiQ-c/f-tlhrem ' -far-aw,-T€^-a, -terem,'pa/r 

loc. (dat.) 'tar-i, *-ir«ß-*, *-fer-i 1 *-^r-t, -r^-*, -tr-i, -pr. 
fem. gen. -tr-iOs, -tQ-tag^ -tr-tc-. 

Die arischen sprachen haben den dem griech. r%€Q'^ slaw. 
-tel- entsprechenden schwachen stamm der nomina agentis nur 
im vocat. dhdtar = abaktr. datare (vgl. (TcSvc^), wo die Zurück- 
ziehung des accentes die letzte silbe verkürzte wie in dmba 
(vgl. vvfAfd, abulg. ieno), nddi, vddhu, und im loc. skr. datdri 
erhalten^), in alle übrigen schwachen casus aber den ursprünglich 
nur vor zweisilbigen casussuffixen stehenden {datf-bkias) und 
den ableitungen zu gründe liegenden {datr-t) schwächsten stamm 
verschleppt. Dadurch fielen die nom. agent. und verwandtschafts- 
worte in allen schwachen casus ausser dem loc. sg. zusammen. 
Was wunder, dass in weiterer folge auch der locativ beider 

*) Brugman s. 390 führt die von Benfey vollst, gr. s. 315 anm. 1 aus 
MBh. III, 10304 citirte form duhitäram an. »Das citat ist aber falsch, 
10340 findet sich das regelmässige duhitaram* BR. s. v. 

*) dätdram : datdri = gdv-as : gdv-i, pdd-am : padH, du. näs-ä : nas-os, 
rti-shäh-am : fii-sAa/koa, du. kshdmä : instr. kshamd u. a. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 41 

gleich wai'd, indem pitdri, abaktr. dugdhairi sich nach datdri 
an stelle von natgi bildeten '). So blieben nur noch die starken 
casus beider ctassen von einander geschieden (datäram, pitdram). 
Ganz In die analogie der verwandtschaflsworte ist gdrnstar- ge- 
treten. 

Das lateinische hat bei den nom. ag. den starken stamm 
durch alle casus hindurch gefuhrt (vgl. vöc-is s. 14), nur in den 
desiderativen me mictUr-^re (Corssen P, 570) ist die quantität des 
schwachen Stammes bewahrt aber mit derselben ausgleichung 
der qualität wie in ddtoq^. Die ableitungen {victrAx, doctr4na, 
arair-um) behielten ihren alten stamm. Bei den verwandschafts- 
worlen wurde umgekehrt der schwache stamm patr- durch alle 
casus geführt. >Der umbrische nom. pl. frateer steht noch dem 
gr. na%iQsc gleich«, meint Brugman s. 399. Zunächst ist durch 
die einmalige Schreibung mit ee die auslautende silbe trotz 
Zeyss ztschr. XVII, 425 nicht als länge gesichert, da sonst 
überall frater geschrieben ist (s. Aufrecht - Kirchhoff II, 309 f.) 
und die länge überdies ganz unerklärlich wäre; an »ersatz- 
dehnung« ist selbstverständlich nicht zu denken, da rs erst nach 
aulfall eines vocals zusammenstiessen. Es wird aber schwer 
fallen zu beweisen, dass frcä^ nicht aus *fratr^s entstanden 
sein kann wie ager aus *agros. Ändere »möglicherweise auf 
der starken Stammform "Spater- beruhende« lateinische formen, 
denen osk. dat. paterei zuzufügen ist, erwähnt Brugman a. a. o. 

Das griechische hielt — abgesehen von (pQatwQ^ welches 
auch begrifflich aus der reihe der verwandtschaflsnamen aus- 
schied — beide stammclassen in nicht componirten Worten 
durchweg getrennt, nur im zweiten gliede von compositen sind 
die Verwandtschaftsworte von den weit zahlreicheren nomina 
agentis beeinflusst worden, nQOfA^twQ^ iitivQonaxwQ u. a. Lobeck 
paralip. 213 nach Sho^wQ (Brugman s. 398) und ebenso ttma- 
tB^qa^ KaUunavBhQa , Tfaftfj^^retQa nach dfAfjveiQa. Brugman 
s. 397 will umgekehrt öfiijvttQa nach svndtsiQa gebildet sein 
lassen, dagegen spricht erstens der umstand, dass in Uias und 
Odyssee noch keine form auf -naTe&Qa^ -fjbiJTsiQa vorkommt, 
wohl aber dfitjistQa, ÖQ^arttga, Trovlo-ßorti^a, Xfjt-ßorsiQa. 



*) Aehniieh haben sich hi den perfeclen zwei ursprünglich verschiedene 
btldungen durchkreuzl, s. o. s. 1^. 



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42 Job. Schmidt, 

Zweitens, dass letztere oben s. 37 als die ursprünglichsten 
typen des noni. sg. fem. der noinina agentis nachgewiesen sind, 
drittens die altbaktrischen fem. wie Jm-fedkri- (s. 33). Die starken 
casus eines von indog. pat&r- mittels l abgeleiteten fem. hatten 
dieselbe belonung wie die schwachen casus von j)cUdr', ver- 
loren also den suffixalen vocal wie diese: ^ptr-i = ab. -fedhri, 
wie acc. pl. fedhrö. Mit restaurirtem a der ersten silbe hat 
die regelrechte femininbildung also *nd%Qiä oder naTQiq zu 
lauten. Letztere liegt thatsächlich vor. 

Noch ein wort über die benennung der Schwester. Die 
Übereinstimmung von skr. svdsaram und lat. sorörem sowie von 
sorar und air. siur, lit. sesu gegen pater, air. aihir, lit. nwte 
und die er wägung, dass ein von den übrigen verwandtschafls- 
woilen abweichendes verwandtschaftswort leichter in deren 
analogic als ein ursprünglich mit ihnen übereinstimmendes bei 
unveränderter bedeutung in die analogie der nomina agentis 
übertreten konnte, führen zu dem Schlüsse, dass die starke 
Stammform urspr. sväsär- war. Nach unserer ermittelung hat 
der zugehörige schwache stamm also europ. ^sveser- zu lauten, 
und s(^ lautet er im lit. sesers u. s. w., der in ableitungen*zu 
gründe liegende ^svesr-, und so lautet er in skr. smsr4ya- 
schwestersohn, russ. sestr-d^ lat. con-scbr-lnus bekanntlich aus 
*sostr4nu8^). Bei diesen formen ist gar nicht nöthig einwirkung 
von lit. moters, abulg. hratru, lat. mo^- anzunehmen; als un- 
möglich lässt sich deren annähme natürlich niclil erweisen. 
Klar liegt die einwirkung der vervvandtschaftsnamen vor in den 
irischen casus obliqui von siur : acc. siair, nach analogie von 
atliavr patrem, gen. sethar nach aihar^ pl. nom. sethir nach 
aihvr (Ebel gr. celt. 262). Da athmr, attiar erst durch vor- 
wärtswirkende assimilation aus athiry aOwr entstanden sind 
(Ebel a. a. o. p. 8. 1082 ad p. 10 lin. 5)^ so zeigen die vocale 
der zweiten silbe von siair, seihar, welche in diesen nicht laut- 
lich entstanden sein können, dass siair, sethar erst spät nach 
dem muster von aOiair, athar gebildet sind. Unursprünglich 
ist ferner die kürze des a in abaktr. qanharem und die ganze 
germanische flexioi]. In skr. svdsrbhyas entstand der stamm 
svasT' von rechtswegen, ihm entspricht got. svistru- (Oslhofif in 

») Brugmaiis annähme eines Überganges von «r durch fr in br für 
das lateinische (sind. IX, 393) überzeugt mich nicht. 



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Zwei arische a-laute iind die palatalen. 43 

Paulu. Braunes beitr. III, 61 f. ; belegt sind svistruns, sv^isirjus), 
es ist also wahrscheinlich, dass der alte pluraldativ die brücke 
bildete, auf welcher dieser stamm in die analogie der ver- 
wandtschaftsworte über trat. Dass es ein schwacher casus war, 
lehrt das t^ welches nur da entstehen konnte, wo s und r ein- 
ander berührten. Dass svistrs und svistr keine »organischen« 
formen sind, ergiebt unsere erörterung. So bleibt also nur der 
pluraldativ als keimpunkt der flexion got. svistar, gen. svistrs u. s. w. 
Passend wäre hier eine darstellung der vocalisation der 
i»-stänime anzuschliessen, da jedoch Brugman seit zwei jähren 
schon eine darauf bezügliche abhandlung angekündigt hat, will 
ich ihm nicht vorgreifen. Das wesentliche für ihre auffassung 
ist ohnedies im vorhergehenden schon gegeben. Statt dessen 
will ich hier noch die bezeichnung der vierzahl erörtern, da ich 
sie im verfolg dieser Untersuchung noch einmal brauchen werde. 

Der stamm der zahl vier. 
Die Übereinstimmung von skr. ccUvänzs und got. fidvör in 
quantitat und betonung sichert den ansatz eines indog. kätvdrds. 
Auch das slawische in der declination unveränderliche cdyr- 
weist auf einen stamm mit langem vocale, denn i*r, caiur- 
würde abulg. ^cetiür' entsprechen. Entweder sind das starke 
*iek^ar'' und das schwache *öeiUr- in *Je^wr-, d. i. öetyr-, aus- 
g^tichen oder cetyre ist aus ^cetvare entstanden (vgl. cliytüi 
= chvatiü, kysdU : hvasü) und hat das schwache *cetUr' ver- 
drängt. Wie zu datär- der nächst schwächere stamm europ. 
daier- lautet, so erscheint hier ietver- in ion. viöasQsg^ lit. ketveri 
je vier, abulg. öetvero distrib., cetvrS- in compositionen. Endlich 
der dritte dem skr. datr-, vor consonanten datr-, analoge stamm 
lautet skr. eah^-. Er hat das dem europ. keh^er- entsprechende 
*ecUvar- ebenso verdrängt wie datr-, datr- das mittlere datar", 
äffus das mittlere *aiv€t8 = gr. *ai߀<f' (aisl, s. 26). Ausser- 
dem sind in ihm zwei stamme, ccUtir- und ccUvr-, zusammen- 
geÜBillen, wie eine vergleichung der flexion catvdrctö^ acc. ccMroßy 
instr. eaturbhis, nachved. catwhMs einerseits mit datdram, datre, 
äalflkis, andererseits mit Qvdnam, gunas, f^äbhis ergiebt. Stamm- 
auslautende 'cn- und -an verloren ihren unbetonten vocal, wenn 
ein vocal folgte, vor consonanten reducirten sie ihn nur ; reducirte 
ar und an erscheinen im skr. als r und a. Die vorliegende 
flexion ist also aus einer älteren aUvdras, *caturds, '^eatvrbhis 



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44 Job. Schmidt, 

entstanden. Im litauischen und slawischen sind die beiden 
stamme catur- und caivr- von einander getrennt geblieben: HL 
keturis vielleicht laut für laut == catürcLS, aber ketmrtas, urslaw. 
ceMrtü (voc. II, 33) gegenüber skr. caimihd-4i halten die alte 
regel streng inne. Auch im griechischen sind beide stamme 
erhalten: *T€Tfa^-, rettccQ'^ TScaaQ- = lit. ketvir-, titag-tog 
= ketvir-tas und mavQ-ag = lit, k&ur-is. Der in drei sprach- 
familien, zu denen sich als vierte das lateinische gesellen wird, 
von ketur- verschieden bewahrte stamm ketvar- widerlegt die 
annähme, dass in der Ursprache tieftoniges ar vor consonanten 
ebenso wie vor vocalen behandelt sei, und den allein auf dieser 
annähme beruhenden ansatz eines indog. vocals r, geradaso 
wie die diflferenz von Q^odbhis und günas die annähme 'einer 
nasalis sonans unmöglich macht ^). 

Das altbaktrische hat drei stamme, 1. cathwar-ö, 2. cathtvar- 
-agpa- n. pr., cathware-gatem vierzig, 3. catur-ch viermalig, caUwvr 
-daga- der vierzehnte. Ob der nur in composition erscheinende 
zweite dem ebenfalls in comp, erscheinenden abulg. Setvr^- aus 
^cetver- oder dem griech. rstga- aus *%s%ßaQ' entspricht, wird 
schwer zu entscheiden sein. Die grössere Wahrscheinlichkeit ist 
für ersteres, doch findet sich auch abaktr. ar an stelle von 
ski\ r (Spiegel, gramm. s. 19 f., Hübschmann ztschr. XXIV, 358). 

Der schwächste stamm liegt endlich noch vor in lat. quachru- 
'pes, neuumbr, petur-pursus quadrupedibus, gall. Petrurcorius 
(Siegfried beitr. VI, 12), got. fidvr-dögs (u wegen unbetontheit 
nicht gebrochen, ztschr. XIX, 276). 

Für das griechische, welches allein von allen sprachen 
sämmtliche vier stamme erhalten hat, ergiebt sich hiernach 
eine den nomina agentis analoge alte flexion *€STj;wQ6g (= cai- 
vdrctöy fidvörj, *t6vj;6Qaiv^ *€€fj:aQO& (= skr. ccUurshu, nachved. 
caturshü aus *catvrshu)^ ordinale *T6TßaQvog (== lit. ketmrtas, 
urslaw. cetv7rtü, skr. ccUurthä-s aus *ccUvrthd-s), aus welcher 
durch verschiedenartige uniforrairungen die formen sammtlicher 
dialekte mit ausnähme des lesbischen entstanden sind. Das 



') Letzteres habe ich bereits in meiner anzeige von Brugmaus die 
nasalis sonans und den vocal r für die Ursprache aufstellender abhandlung 
hervorgehoben (Jen. lit. ztg. 1877 art. 691). Die anhänger der indoger- 
manischen nasalis sonans haben bisher davon noch nicht notiz genommen. 
Wirkliche nasalis sonans ist bisher nur in casus- und personalendungen 
nachgewiesen (ztschr. XXIV, 321 f.). 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 45 

neuionisehe führte Tcr/:^^- durch alle casus: ziaasgsg^ tscaigiav^ 
ziCiSBQCt Hdt. VI, 41 (aber zsxdqx^v VI, 57 und istga- in 
eompos.), das attische T€Tj;aQ':TiTTaQeg' (voreuklidische inschriftl. 
belege bei Cauer stud. VIII, 286). Die herakleischen tafeln 
haben, abgesehen von den aus der xo$y^ eingedrungenen je 
einmal erscheinenden tsaadqtüv und teaaaQcixovza, folgende 
formen: tizogsg, Tiroga, tstoqwv, titogag, TsvQdxovra (aus 
*T€toQ^xoPTa Ahrens II, 280, voc. II, 316), aber tSvagrogy 
TSTQa-xavUov; s. Meisters index, stud. IV, 468^). Nach den 
beiden letztgenannten ist zu vermuthen, dass der dativ titagai 
oder fhgait^ gelautet hat, nicht *T€TOQa&. Hat doch auch bei 
Pindar der dativ wie das ordinale und die compositalform die 
alte gestalt bewahrt, während übrigens die formen der xotv^ 
eindrangen. Pindar flectirt tiaaaqsg fr. 58, 5 antistr. Böckh, 
Tsaaägwp Isthm. III, 35, xiaaugag Nem. II, 19. III, 71 B. 
(74 Momms.), aber ritgaai. Ol. VIII, 68. XI, 72 (69 Momms.), 
Pyth. VIII, 85 (82 Momms.), v$tgazo) fr. 100 B., TSTgdtwv Pyth. 
IV, 47, rergdtoig Ol. VIII, 46, tixagtov Ol. I, 60, retgdxig, 
%e%gdogog , xBtgaxvaihov, Der in allen casus der cardinalzahl 
ausser dem dativ erscheinende stamm texog- kann auf zwei 
verschiedenen wegen entstanden sein. Entweder schwand aus 
den alten formen *T€xj:iAgsg(^= ccUvdras, fidvör, cdyre), *x€Tßcgaiv, 
*XB%j:sgag das / spurlos, dann gerieth "^Tsxiagsg, *%eT€g(op durch 



*) Meisters behandlung dieser formen s. 374 ist verfehlt. Er glaubt, 
derselbe dialekt, welcher als erstes glied von compositen ittga- 
(xatUttv) verwendet, daneben auch Tiigo- gehabt habe in riiqtagos ex 
*r9%go'^og »vierstein« unus ex quattuor certis terminis locum agri quadra- 
tum concludentibus. Dass cd in tiigagog nicht durch contraction aus oo 
entstanden ist, lehrt hv^taqiia der ersten tafel, dessen <a Meister s. 438 
richtig ab dehnung in der compositionsfuge erklärt. Vielmehr ist titg- 
'^•s zu beurtheilen wie r^^-mnof, d. h. sein erstes glied hat den aus- 
lantenden vocal vor dem folgenden regelrecht verloren. Ferner verwirrt 
Meister das an sich klare verhältniss durch hereinziehung des einem anderen 
dialekte angehörigen aller Wahrscheinlichkeit nach lesbischen ttJOQTäiog 
Theokr. 30, 2. Dass dessen o anders zu beurtheilen ist als das von riroges, 
zeigt die constante difPerenz von^r^ro^c; und rnagiog auf den herakleischen 
tafeln. In ujogralos ist o^ vertreten von att. und auch dor. ag = skr. f 
wie in lesb. kf^d-og^m = itf^ag^^M u. a. Ahrens I, 76 f. II, 305; ausser 
dem lesbischen findet sich solches og im thessalischen (Ahr. I, 220. II, 532 f.) 
und bOotischen (Beermann stud. IX, 17). Meister setzt das verhältniss 
von TtTrag-, tnag^ zu urog- dem von skr. catvar- zu catur- gleich. Umge- 
kehrt wäre es richtiger, was M. freilich noch nicht wiesen konnte. 



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46 Joh. Schmidt. 

die gleichheit der auslautenden silben in die analogie der 
nomina agentis ^dtatmQeg, *doTSQ(av und ward mit diesen in 
gleicher weise uniformirt zu riTOQsc, tbvoqwv wie dairoQsg, dmti- 
Qwp. Oder fifßs^mv ward zu xstoqtav wie ßiqyavov (fiofava • 
ig/aXaTa Hesych) zu OQ^apov und *j:€avO'g = skr. vasnd-, lat. 
venum, abulg. v^no zu wvog, welches schon bei Homer vocalisch, 
nicht mehr mit / anlautet (Knös de digammo Homerico 146, 
L. Meyer ztschr. XXIII, 53). Dann hat schon vor einwirkung der 
nomina agentis *TitwQ€g, letoqmv bestanden. Hervorzuheben 
ist, dass das ordinale in allen dialekten, aus denen es bisher 
belegt werden konnte, vStaQtoc oder Tizgatog mit überall ein- 
fachem T, dessen erklärung sich alsbald ergeben wird, und 
überall bewahrtem a lautete, sich noch genau deckend mit lit. 
ketvwtas, urslaw. cetv^rtU. 

Das lesbische nur auf Hesych beruhende niaavqig kann 
aus *n64faoQ€gy ^nBtjioqsg entstanden sein (lesb. v = gemein- 
griech. o Ahrens I, 81 f.), aber auch aus *neaaaQ€g (vgl. avQxsg 
= a&qxsg Ahrens I, 78), welches sich an böot. niviaQa^ 
nsTtagäxowa (Ahrens I, 172, Beermann stud. IX, 63) an- 
schliessen würde. Dagegen hom. niavqsg, niöVQag und das 
metrisch gesicherte niavqa der Balbilla (Ahrens II, 579 no. 
XXII, 6) gehen von dem schwächsten stamme *niTVQ' = skr. 
eatur aus, welcher wie in lit. kdun und pSli nom. catnro neben 
caUOro (E. Kuhn beitr. z. päli-gr. 91) durch alle casus ver- 
schleppt ist. 

Weiteren aufschluss über die vocalisation geben die con- 
sonanten. Es ist bereits oben (s. 30) darauf verwiesen worden, 
dass im arischen der vocal der ersten silbe ursprünglich nur 
bei betonung der zweiten erhalten blieb, aber schwand, wenn 
der hochton weiter von ihr wegrückte: ccUvdras aber tu/r-tyor 
quartus aus ^^Mu/r-iyar, wie abaktr. a-hhiairim »viermal zu 
sprechen« lehrt, in welchem das vortretende a die im anlaute 
unsprechbare lautgruppe M gegen Verstümmelung schützte. 
Hieraus folgt, dass der schwache stamm ccUwr-, abaktr. cathru-, 
tetQu-, umbr. petur-, lat. quadru-, gall. petru^, got. fidur-, lit. 
hetur- seinen ersten vocal aus dem starken catvdras u. s. w. 
dm-ch spätere ausgleichung wieder erhalten hat. Dem verhält- 
niss von arisch c : k entspricht, wie unten ausführlich bewiesen 
werden wird , im griechischen das von r : n. Einige beispiele 
mögen hier genügen, tig : noTsgog = abaktr. eis : Icatara-, niyrs : 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 47 

^i^i9¥T«K "^ abaktr. panca : pukhdhö, veim : notv^ =■ skr. cdyate : 
abaktr. ia&na. In arisch ktwr-- und catiMr- sind, wie oben ge- 
zeigt, die in den europäischen sprachen geschiedenen stamme 
ktm- und ktvr- zusammengefallen, ersterer musste zu griech. 
n%v^ oder mit methathesis (vgl. abakt. caihrvr, lat. quadrur, 
gall. jpejrt«-) nxQV'^ letzterer zu ntßuQ' oder mit der bei ag == 
skr. r gleichfalls häufigen metathesis (vgl. naTga-ai) jtzfga-, 
Jirga- werden. n%vQ- liegt mit wandel von r vor v m a (vgl. av) 
und entwickelung eines hilfsvocals zwischen den anlautenden 
coDSonanten in hom. niavQsg thatsächlich vor. rngv- und mga- 
aber hatten einen im griechischen sonst unerhörten dreiconso- 
nantigen anlaut. Wie arisches *täuri€i'y das einen im arischen 
sonst nicht vorkommenden anlaut gewonnen hatte, durch ein- 
busse des k zu skr. tunyor, abaktr. Uüryor erleichtert ist, so 
wurden mga- und rngv- durch Unterdrückung des n grie- 
chischem Organe gerecht und liegen in dieser gestalt vor in 
rga-ns^a und TQvq/äXe&a, Ersteres wurde schon im alter- 
thume aus ♦wir^a-TTfiC« erklärt (Et. magn. p. 763, 38, Lobeck 
path. el. I, 150), letzleres von Fick (Bezz. beitr. 1, 64) aus 
^^ez^th-^äle&a = TsvQa-ipaAog hergeleitet. Betrachtet man aber 
die zahlreichen von Homer an mit unverstümmeltem tstqu^ 
erscheinenden composita, so ist schlechterdings nicht zu begreifen, 
weshalb nur diese beiden die erste silbe verloren haben. Voll- 
kommen begreiflich dagegen wird ihre ausnahmestellung, wenn 
sie vielmehr die älteste in Zusammensetzungen lautlich allein 
berechtigte form der vierzahl enthalten, während die mit zstqu- 
beginnenden ihre erste gilbe erst durch einwirkung von tixogeg 
wieder hergestellt haben wie catvr- durch catvdras. Auch der 
grond, weshalb sie allein nicht zu rerga-nsCa^ xBvqv-ipaUm 
ei^änzt wurden, ist ersichtlich. Beide sind bei Homer die einzigen 
mit der vierzahl beginnenden substantiva. Durch ihreappel- 
iativische Verwendung zur ausschliesslichen bezeichnung des 
tisches und des helmes wurde der Ursprung ihres ersten gliedes 
verdunkelt und dies der einwirkung von zixoQsq weiter entrückt 
als in allen übrigen, welche, da sie adjectivisch blieben, den 
Zusammenhang mit tiToqsg fühlbar bewahrten und daher unter 
dessen einwirkung sämmtlich ihr erstes glied zu tct^ct- her- 
stellten: xsTfa^Yvog, vat^^t^elvf/ivog, Tcr^a-xvxAoc, wr^d-o^o^, 



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48 Job. Schmidt, 

Unsere erklärung allein rechtfertigt ferner das » in nicvqeq 
gegenüber niavqa der Balbilla, nicavQsg Hesych, böot. nittaga, 
zitoQeg^ titta^sg u. s. w. Vor einfachem inlautendem conso- 
nanten ist, soviel ich weiss, in der homerischen spräche wandel 
von 6 zu t nirgends eingetreten, ausser wenn #, j folgte: ap&ai 
(C(fi)'i »3*oc ß), (fxia aus *ax€Jd, Gurtius g. e.* s. 702 hat 
zwar zwei beispiele, diese sind indes anders zu erklären^). In 
ijaXog^ vittdus, sind die mittleren vocale aus dem stimmtono 
des l erst nach eintritt des « vor doppelconsonanz erwachsen 
(yg\. xdXa^a : grando, xakvniia : dwp€us\ und das umbr. vitluf 
steht dem lat. vikdos ebenso an alterthümlichkeit voran wie 
pihado dem lat. piaculum (über letzteres s. Bugge ztschr. XX, 
142). nivvXog ruderschlag aber leite ich nicht aus *n€xvlog 
sondern aus "^nxvXog; nitvXog : im6fi^v= n&wtog : ncnwfuvogj 
aivanvi vänv , beide aus *avanv (Walter ztschr. XII, 412). 
Ebenso ist7r#<Tt;^- aus ^mvq' entstanden. Christ (lautlehre 19) 
hat bemerkt, dass die farbung der sogenannten vorgeschlagenen 
vocale mehrfach derjenigen der folgenden vocale entspricht. 
Das gleiche ist auch bei den inlautend entwickelten öfter zu 
beobachten, vergl. iqißivx^-og : OQofiog, ipsgeva gegen roQovog. 
So wird *ntvQ' zunächst *nvTVQ' geworden, später zu nivvg- 
dissimiiirt sein wie fplzvw : ßUuo, tpi&vgog : tpvx^og, fiiwSLog : 
mutilus (Gurtius g. e.* 708), alxvg aus *tvxvg = abulg. tyky 
(Hehn culturpflanzen ^ 501). Ebenso erklärt sich das * in 
mtwTog und nitvXog, Für niavqeg ist ausserdem an die Wahl- 
verwandtschaft von * und <y (voc. I, 112; II, 310 anm. 319 anm.) 
und an i'or;>* aus *(;^f ; ^Vt« (Osthoff ztschr. XXIII, 583) zu 
erinnern. 

Unsere erklärung allein rechtfertigt, wie der schluss dieser 
abhandlung zeigen wird, das n in n^fStSvQeg^ böot. n^Taga, 
welches vor s nur durch unursprüngliche ausgleichung ver- 
schleppt sein kann wie das von lesb. nifjkns aus nifämoc. Dass 
auch das lesbische vor s ursprünglich nur t, nicht n hatte, 

*) Zwei weitere beispiele, in welchen » aus anderen a-vocalen entstanden 
sein soll, überzeugen mich auch nicht. Die Zusammenstellung von amd-a/Liti 
mit cTTTrco), <ma<s<s&fxtvo£ erklärt weder das * noch das * noch das tftf. 
oyiyti/m. ist nicht, wie Gurtius verb. 1*, 160 meint, reduplicirt, sondern ent- 
halt nach ausweis des fut. oytiaa, dor. ovacra» vielmehr -*yj?- als präsens- 
bildendes sufßx, dessen » ebenso parasitisch entwickelt ist wie in äyXviia, 
kret. ayyito Hesych und in Sgiyto, lesb. SQiyyto aus •Jp*K/:w : Soyv^t'» rnowi 
(C'urtius verb. I«, 257). 



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Zwei arische a-laui6 und die palatalen. 49 

lehrt TBTQaßag^iap Alcaeus bei Hesych (Ahrens I, 41). Einzig 
von *nrvQ'n *7tTQv-j *nTQa- konnte das n ausgehen, und damit 
ist die existenz dieser formen sieher erwiesen. 

Unsere erklärung allein rechtfertigt endlich das in allen 
dialekten einfache t von rivagvog^ TiTgatog gegenüber dem tt, 
tsif in tirzaQBgn %i(S(SaQ$Q. Das ordinale lautete ursprünglich 
ntßa^og^ ntßQarog = lit, ketmrtcts, urslaw, ceMrtü, skr. 
etUurthä'S; in der consonantenhäufung wurde das / erdrückt, 
daher blieb auch, nachdem der anlaut t€ aus *r€zß(OQ€g restau- 
rirt war, das v einfach. Als urgriechische flexion vor beginn 
der formübertragungen ergiebt sich also *TSTßmQsg, ^nvpsQiSv^ 
^ntfa^ai (^mßqaai), ordinale ^ntßaqtog (nißQatog), composita 
n%vQ', ntQv-^ ntfag-, nxQa-, Den accusativ erschliesse ich 
nicht, weil zuvor festgestellt sein muss, ob er ursprünglich zu 
den starken oder zu den schwachen casus gehört. 

Endlich fallt nun auch licht auf das so befremdliche a des 
lat. quaUuor gegenüber dem e aller europäischen und, wie sich 
heraus stellen wird, der indogermanischen grundsprache, welches 
mich ztschr. XXIII, 336 in die irre geführt hat. Das durch 
tieftonigkeit herbeigeführte indog. ^r = germ. or, griech. ag, qa 
erscheint auch im lateinischen mehrfach als ar oder mit meta- 
thesis ra, ra : gravis = ßaQvg, gurus, got. in den cas. obl. 
Jcaurja- (nom. iawrws?); granum = got. kawrn, urslaw. e(mo; \ 
crotes = haurdSy skr. kuti-; rodix = vawrts; trägula = ahd. 
durchü; lana = skr. üri^, ürna, got. vuüa, lit. mlna; graius = 
skr.gürtd^, ferner die participia stratus, latus (s. voc. II, 350 f.). 
Das ordinale urspr. ktvartd-s = urgriech. *nTßaQTog konnte 
sonach zu lat. "^dvartos werden. Auch hier war eine ungefüge 
anlautgruppe, sie ward durch ausdrängung des t vereinfacht. 
Genau wie das entsprechende polnische *c£ttoarty = urslaw. 
*ieMrtiiß zu cßwarty, so ward ^dvartos zu qvartus. Die starke 
form wird auch im lateinischen einst "^quetuöres gelautet haben, wie 
osk. petora Fest. p. 206 M., der dativ aber — denn früher ward 
natürlich auch die lateinische vierzahl declinirt — *quarbos. Das a 
der Ordinalzahl und der schwachen casus wurde dann in alle formen 
der vierzahl übertragen: quattuor statt ^qiJtetuor, qmdru- statt 
♦cfrii- =s (njTQV-, ja sogar quater = skr. catür, abaktr. cafhrus (der 
auslaut wohl an ter angelehnt). Im umbrischen dag^en ward, 
wie petur-^rsus lehrt, umgekehrt das e der starken form dem 
schwachen ^ptur- wieder mitgethellt wie in griech. tBxqa- u. s. w. 

Mtaebrift fttr Tergl. Spniehf. K. F. V. 1. 4 



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50 Job. Schmidt, 

Skr. jdnu, jfiU' und däru, dru-. 
So bleiben von Brugmans belegen für o = skr. a nur 
noch Yovv = skr. jdnu und dogv = (?(Jrw. Sie leiden, obwohl 
sie Osthoff (morph. unters. 211) als »absolut sicher« proclamirt, 
an demselben fehler, wie die bisher untersuchten. Dem a von 
jdnu, npers. eanü entspricht das « von ywvia^ lakon. yufvoQ' 
Ytavla Hesych, T^l-yndpov u. s. w., welches nicht etwa als ersatz- 
dehnung aus ^yovßta erklärbar ist (attisch würde es sonst 
*yovia lauten wie yoi'ai:«, 5^o$). Die dem d von dAru ent- 
sprechende länge kann ich zwar in Europa nicht nachweisen^), 
dennoch halte ich, gestützt auf ywvia und die ergebnisse der 
vorliegenden Untersuchung, für allein richtig den nom. acc. schon 
für die Ursprache mit langem vocale anzusetzen. Für alles 
weitere giebt eine feste grundlage die homerische flexion yorv, 
!yovv6gy yovvif dogv, dovQÖg, dovQi, att. dogog, doqL Sie lehrt 
zweierlei, erstens dass die schwachen casus den hochton vom 
stamme auf sich zogen, zweitens, dass der stammauslaut ti vor 
vocalisch anlautenden suffixen zu consonantischem t?, der stamm 
mithin einsilbig wurde. Das in diesen casus unmittelbar vor 
den hochton rückende ä des nom. acc. erlitt dieselbe Verände- 
rung wie in allen bisher behandelten stammen. Wie ndg, gen. 
*7r«do$ ward flectirt *ya?w, "^ysvßoq. Von diesem schwachen 
stamme hat sich auf arischem boden nur in abaktr. acc. pl. m. 
ganva eine spur erhalten, auf europäischem in genu, got. hniu 
(aus *genv-dr-m) und dem von Fick (Bezz. beftr. I, 59) ans licht 
gezogenen ^evt^tSv * Yovätiav Hesych ^). Der schwache stamm 
zu ddru, abaktr. dauru, zeigt sich in llt. derv^, abulg. dröv-o, 
slov. drevö, got. triu und an. tt/rr, ijörr, ags. teor theer, air. 
derucc glans (aus *derv4nca Zeuss* 68 f. 7), gr. dgia aus *J»efee, 
*d€Qj:-a (voc. II, 331), skr. darv-i- löfifel. Die durch alle casus 
gehenden o von yovv, dogv lassen sich nun einfach als aus- 
gleichungen zwischen dem « von ^ydSvv (= Jdnu) und dem s 
von *yevß<Sv = ysvvcSv deuten, wie die o Yon nodöcj ^oog^ 

^) Jatgis, falls es von Curtius no. 275 mit recht zu dogv und dgS^ 
gezogen ist, ist aller Wahrscheinlichkeit nach dorisches Ursprungs, kann 
also — die richtigkeit der erklärung vorausgesetzt — aus *JoQfig ent- 
standen sein wie Jt^gl-fiaxos aus *dogß$' (Brugman stud. IV, 117). 

*) Fick giebt nach M. Schmidt ytvymy, die handschriftliche Aber- 
lieferung ist aber yivymy, und da diese betonung ursprünglicher ist als 
hom. yovyioyy so liegt kein grund vor, mit L. Dindorf und Schmidt den 
überlieferten accent zu verändern. 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 51 

Smvo(fogy tBTOQmv ausgleicbungen zwischen «n und e sind. Sie 
können aber auch in den casus obliqui durch assiniilation des 
c an die klangfarbe des folgenden / auf mechanischem wege 
entstanden sein, so dass *ycapv, *y€vj:(Sv zu "^ytüw, *yopj:€ov ward 
und erst dann ausgleichung eintrat. Mehrfach haben nämlich 
o und V ein vorhergehendes € zu o assimilirt: alt. l^>la97roxov- 
3^ifiO$ aus l4Xwnsxovwiaio$ (inschriftl. belege für beide bei Gauer 
slud. VIII, 276); odovrecj odivTj aus lesb. Uevteq^ idvva; 

aus dor. Idn^iXmv^ yoQyvQa aus lakon. yBQyvQce, KogxvQa aus 
KiQxvQa, ßovffOQag Hesych aus ysipi^iaq^ noXv = got. filu, air. ü, 
oxvQog^us iyjvQoci'i); aaeo^D^^o^im verhältniss zu xiXevx^OQ begreift 
sich am ehesten als durch assimilation aus '^'axfi^i^^og entstanden. 
Consonantisch anlautende betonte suffixe schaffen andere 
bedingungen für die stamme janu, daru als vocalisch anlautende, 
indem sie deren zweite silbe voll erhalten. Dadurch rückt die 
erste, um eine stelle weiter von der tonsilbe weg, muss also 
nach dem s. 30 festgestellten betonungsgesetze ihren vocal ver- 
lieren. Das gleiche gilt vor folgenden betonten stammbildungs- 
Suffixen und compo^tionsgliedem. In diesen lagen haben die 
stamme von rechtswegen die gestalt Jäw-, drw- erhalten. Dem 
verhältniss von jänu.'jftu- entspricht bekanntlich das von sänu: 
«M*-. jfki' ist im indischen aus der declination vollständig ge- 
schwunden, erscheint nur in jf^hddhäs RV. VI, 1, 6 nom. pl. 
kniend, «»w- erscheint regelrecht in den ursprünglich oxytonirten 
mina^ snubhis, snüshu. Die Ordnung des alten ablauts ist 
aber schon gestört, indem einerseits snu- auch in den gen. 
gedrungen ist: snoSy andererseits der nom. sdam Auch in die 
schwachen casus verschleppt wird: sinuna, sArmshu nebenden 
alten snüna, mü^u. Besser hat der RV. das ursprüngliche 
verhältniss bewahrt in däru, darum : instr. drüna, gen. drmas, 
€brSs, den ableitungen drumd-, druvdya- holzkasten der trommel 
und den compositen dru-ghanä", drurnasA-, drurpadd-^ drthshdd-, 
, dru-shddvan^). Der gen. drSs und droria'm hölzernes gefass 
sind die einzigen formen, welche die stammgestalt dru an stellen 
verschleppt haben, wo sie nicht durch die ursprüngliche be- 
tonung entstanden sein kann. Das gar nicht nach art der 
neutra — und ddru ist zweifellos ursprünglich neutrum — ge- 



*) Gomposita mit unverändertem jänu-y däru- sind erst naeliTedisch. 

4» 



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52 Joh. Schmidt, 

bildete drös ist aber entschieden jünger als drwi^, da letzteres 
(vom vocale der ersten silbe abgesehen, der im griechischen 
uniformirt ist) dem griech. dovgazog Find, Pyth. IV, 38 genau 
entspricht (vgl. dvofj^azoq = ndmims). Das verhältniss von 
jdnu : *janv-dm (ysvvwv) : jüU'bddhas entspricht in quantitativer 
hinsieht dem von tasthd : tasthi-vdn : *tas(hrush-äs, noch genauer 
dem von ai(S : atsi : ayur-dd (s. 24 f.), oder dem von -tar-am 
(-TüHQ-a) : "tar^ (skr. -tdr-i, *-t€q-£) : ^r-i-^s gen. fem. (s. 36). 

Das altbaktrische hat regelrecht a-zhnvbyaQ-cit bis an die 
knie und d/rv-aSni-s lignea f. (wegen der betonung vgl. skr. 
samidh-&fid', fem. -^nif), gegen die regel zhnüm, a-shnüs-ca bis 
an die knie und gen. draos-ca = skr. df'os. 

Griechisch regelrecht dQiHü6fAoc,dQV'nsn^g,dQv-^x%ovu.s.w,^ 
td ÖQVfjbä (= skr. drumd-s). dqvg ist, wie der lange vocal und 
das feminine geschlecht gegenüber dem neutrum aller anderen 
sprachen zeigt, speciell griechische neubildung *). Regelrecht 
sind auch yw^nstoh und Y'^v-nsxBtv Hesych. Der accent von 
Yvvns%oi ist nicht alt, da griechisch und sanskrit in der be- 
tonung des zweiten gliedes derartiger composita übereinstimmen : 
ßotj'&oog, dfjfiiO'BQYog, skr. vajam-bhard' (s. L. Schröder ztschr. 
XXIV, 122 f.). Die vorhergehende glosse yvirnsaiv statt yvvnsxov 
Et. magn. 336, 39 hat den regelrecht zu erwartenden accent, 
welcher yw- rechtfertigt yvv^ endlich; welches bei Homer 
nur in formelhafter Verbindung mit igmetv erscheint^), wird 
aus *yvi;-aj entstanden sein (vgl. xviivdia) aus *icjicd&vdBta == 
xaXivdim, Y^^V ^^^ *Y^avd = ßavd, das suffix wie in fAOvvä^ 
änalXä^^ dlXali Hesych) und zu einem stamme, dessen gen. 
im skr. *jflac-ds lauten würde (wie anücds : anvdno-)^ in dem- 
selben Verhältnisse stehen wie nSgt^ zu paryak ringsherum (vgl. 
Ebel ztschr. IV, 207, Grassmann XI, 29). In den schwachen 
casus dieses Stammes musste der erste vocal von gänu regel- 
recht schwinden. Auch got. hnussjan birgt in seinem ss ein 
ableitungs- oder compositionselement; dessen einstiger vocal und 
das betonte ja erklären den verlust des ersten vocals. 

Abulg. d/rüva, russ. d/rovd^ slov. dervo holz hat wie skr. 
druthdyor das u vor folgendem vocale vocalisch bewahrt und 

*) ^ivdgoyy welches Gurtius no. 275 für verwandt hält» steht mindestens 
sehr fern, da ihm laut für laut skr. dandä- stab entspricht. 

*) yyvS ^ iQ^n^ ol/uto^ag Ä 68, T 417; ij <f^ yyv^ i^tnoSaa K357; ?<rTiy 
(<rrif <f«) yyvS i^mwv B 309, B 329, A 355. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 63 

daher den vocal der ersten silbe verloren, während abulg. drövo 
bäum, sloven. drevö das u zu v wandelte und in folge dessen 
den unmittelbar vor die tonsilbe gerückten vocal nur verkürzte. 
Miklosich lex. palaeosl. verzeichnet als vox obscura ohne be- 
deutung drümü, als beleg giebt er oim^ login^ uerS nSkogo 
greduSta vt dr^m^ podi garoju men. Mih. 1 15 in vita S. Pelagiae. 
Hier scheint die bedeutung >wald« zu passen. Sollte also 
ärUmü = %ä dgvfiä, skr. drumd-s sein? Vgl. cech. drmek vitex. 
Ferner haben unsere stamme im zweiten gliede von compo- 
siten ursprünglich den ersten vocal eingebüsst. Ved. mitdrji^ 
der feste knie hat, nachved. ürdhva-jf^u, die knie in die höhe 
haltend, pra-jüu, dessen knie aus einander stehen, san-jüa- dessen 
knie beim gehen an einander schlagen, sammtlich bahuvrihi 
(Pän. V, 4, 129. 130), also aller Wahrscheinlichkeit nach auf 
dem ersten gliede betont. Auf dem zweiten gliede betont sind 
abhi^flu adv. 1) kniend, 2) bis ans knie und (mtchjaü-s n. 
sg. f. mit dunkelen knien AV. XII, 1, 21. Auch sie werden 
ursprünglich auf dem ersten gliede betont gewesen sein. Denn 
ersteres ist der adverbial erstarrte acc. ntr. eines bahuvrihi 
und verdankt seine oxytonirung erst der für die avyayibhäva 
zur regel gewordenen betonung, das zu gründe liegende bahuvrihi 
aber wird paroxytonon gewesen sein wie mitdjnu und wie das 
gleichfalls adverbiale nQoxw (vgl. unten s. 58 über adharS- 
-dlyite u. s. w.) In asUar-jM-s aber ist die oxytonirung durch 
die femininbildung bedingt wie in vamörü, sthulahahä u. s. w. 
Pän. IV, 1, 66 — 72, und das nicht belegte masculinum wird 
nach der überwiegenden regel der bahuvrihi ^äsüc^jnu- betont 
gewesen sein (vgl. gvafrii' : (vdoura-, kadrü^ : Mdru- rothbraun). 
dru erscheint in ha/ri^ru-s curcuma, indra-dru-s name eines 
baumes und auf dem zweiten gliede betont surdni-s starkes 
holz^). mvr zu sdnu zeigt ghrtd-mur mit fettigem rücken. 
Ausserhalb des sanskrit begegnen abaktr. Tchrvl-drifr mit furcht- 
barem Speere, darshi^i-u- mit starkem Speere, beide bahuvrihi, 
also ursprünglich auf dem ersten elemente betont, frorshnaos 
gen. vorgebeugtes knies, determinativel compositum , also wohl 
auf dem zweiten elemente betont Griech. nQo-x^Vy iyvvQ, iyvva 
aus ^iv-Y^^" (Gurtius no. 137). 



>) Gomposita auf -jübnUy -däru wie ürähva-jänu-, d^a-däru, püa-däru- 
önd jünger, der RV. kennt sie nicht. 



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54 Job. Schmidt, 

Das erscheinen der kürzesten stamme in dieser läge beruht 
auf einem betonungsgesetze der Ursprache, dessen Wirkungen 
später meist wieder ausgeglichen aber trotzdem noch in ge- 
nügender anzahl erhalten sind, um das gesetz erkennen zu lassen. 
Oxytonirte zweisilbige nominalformen mit einem kurzen a-vocal 
in der ersten silbe verloren diesen, wenn ein compositionsglied 
davor trat. War der a-vocal durch die betonung des simpIex 
aus einer alten länge verkürzt, so steht d^nn im compositum 
gar kein vocal mehr an stelle der alten länge. Einige beispiele 
mögen die thatsache feststellen, am ersten derselben lässt sich' 
der hergang gut verfolgen und erklären, 

1) Stark gdti-s, gdv-as, schwach gdv-i, g6-bhis, ursprünglich 
oxytonirt, in bahuvrlhi-compositen -gth als w-stamm flectirt 
(Pän. I, 2, 48. BR. 5 gu): ärishtorgurS dessen herden unver- 
letzt sind, hrgd-gu^-s der mageres vieh hat, bMri-gu" rinder- 
reich, rügadifu- der weisse rinder hat, saptd-ga-, sdrvchgu-, 
Pushpirgu^, Qrü8htirgu^ u. s, w. Hier ist das a von gdus durch 
die aufeinander folgenden Wirkungen zweier accente vernichtet 
Der erste hinter es fallende verkürzte a zu a: gdu-s : *g(y-hhis, 
d. i. gWurhhis^ der zweite vor das geschwächte a tretende, ver- 
nichtete dieses : ^gäu-lihis aber krgd-gurbhis. Der in allen 
schwachen casus auf diese weise entstehende stamm gu pflanzte 
sich dann auch in die wenigen starken fort, pfgni-gavas RV. 
VII, 18, 10 bunte kühe als gespanne habend, neben Ffgni-gum 
nom. pr. I, 112, 7 zeigt in seinem schwanken das allmähliche 
vorrücken des gu in die starken casus. Belehrend ist der 
gegensatz dieser auf dem ersten elemente betonten bahuvrihi 
gegen die oxytonirten tatpurusha, in welchen der stamm als 
-gavär erscheint, PSn. V, 4, 92: adhi-gavdr von der kuh kom- 
mend, parama^avd- vorzüglicher stier, dvodagagcwdm stram von 
zwölf stieren gezogener pflüg, shad-gavdm sechsgespann von 
rindern, pa/fiea^avdm fünf kühe u. s. w. Hier ruhte der hoch- 
ton des compositums auf dem zweiten gliede, infolge dessen 
blieb das a von gav, welches in Jcrgd-gu dem auf dem ersten 
gliede ruhenden accent^ erlagt). Die meisten der folgenden 
belege für das oben aufgestellte indogermanische betonungs- 



*) Es schwanken su-gdvas n. sg. schöne rinder besitzend RV. I, 116,25 
gegen sihgus 125, 2, su-gü nom. du. AV. XIV, 2, 43 — sugava- kräftiger 
stier M. Bh. war oxytonon; ga1^'gdvi f. dem viehstande wohlthätig (^bX, 
Br. I, 9, 1, 8, aber dat. gangdvl VS. XVI, 40. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 55 

gesetz haben wie hrgd-gu- den hochlon auf dem ersten elemente, 
doch nicht alle, s. no. 4. 7. 9. 

2) Das ursprünglich gleichfalls ablautend flectirte nau- 
(vtfvg : vavq>* s. 20) hat nach den angaben der grammatiker 
(Pan. I, 2, 47 schol. Benfey vollst, gr. § 625) nur im neutrum der 
composita die entsprechende verkärzung ati-nu, doch belegen 
BR. s. V. nau auch den nom. pl. m. vanikpatha bhinnanavö 
schiffbrüchige kaufleute Bhäg. P. Vffl, 11, 25. 

3) Ebenso (M-ri ntr. zu rai-. 

4) pdd-am : pad^, pad-d-m schritt, fussstapfe, fuss : abaktr. 
fraA)dar der obere füss (skr. jpra-poäa-m), a-hda- so beschaffen, 
dass man den fuss nicht sieht, hoch, tief (skr. d-pada-n^ kein 
Aufenthaltsort), upa-hda- fuss, bibdaisca thribdaisca avanenmaisca 
viQpabdäisca Yt. VIII, 55 mit doppelten, dreifachen, unbezwing- 
lichen, mit allen fesseln (nidii); griech. ini-^ßda^ tag nach dem 
feste. Auch dem sanskrit fehlen entsprechende formen mit 
verlorenem wurzelvocale nicht, wenn ich recht habe upa-Md- 
und upc^hdi- hierher zu ziehen. Ihr hd kann aus pd assimilirt 
sein, wie in pibdamanar fest, compact werdend, welches BR. als 
redupiici^e form von päd erkannt haben. Mit upcMd-, upabd(-^ 
welchen BR. die bedeutung »geräusch, geklapper, gerassei u. s. w.c 
geben, wird meist das durch aufschlagen der füsse auf den 
erdboden entstehende geräusch bezeichnet: upaibdir dgvyäh RV. 
I, 74, 7 rossgetrappel ; upabdi-mdn als epitheton des agoaraihd- 
Alt. Br. IV, 9 ; prdti ghordztam etanam ayäsam martUam grnva 
Oj/aidm upabdih RV. I, 169, 7 man hört das stampfen der 
hehren schnellen scheck^i (welche im vorhergehenden verse 
prthubudhndsas >breitfüssig€ genannt sind) der herbeikommen- 
den Maruts; sanwdbhya dhtrüh svdsfhhir anartishur aghoshdyantah 
pfihivtm upabdibhi^ X, 94, 4 von den Schwestern (fingern) an- 
gefasst tanzten die geschickten (presssteine) die erde mit ihrem 
getrampel dröhnen machend; tdd id vadanty ddrayo vimöcane 
ydmann aHjaspä iva ghSd uptAdibhik X, 94, 13 dies tönen die 
steine l^^iin ausspannen und auf der fahrt wie somatrinker 
mit getöse; upabdä- bezeichnet VII, 104, 17 das geräusch der 
niederfallenden somasteine; jäno nd yüdhvä mahatd upabdir IX, 

*) Welche in v. 4 tanzen, in v. 6 und 8 mit wagenrossen und zug- 
stieren verglichen werden; Übrigens muss vor v. 13 eine Ificke sein, da 
T. 12 nichts enthält, worauf sich tdd vadanti beziehen kann, die steine in 
ihm vielmehr angeredet werden (va^t pMrq). 



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56 Job. Schmidt, 

88, 5 wie ein streitbarer mann (= wie der eines streitbaren mannes) 
ist der upäbdi des grossen (Soma). Ausserdem kommt upabdi- nur 
noch in dem dunkelen verse X, 61, 9 vor und dürdüpaMas VII, 
21, 2: prd yanti yajüdfn vipdyanti barhih somamddo viddthe 
dudhrdvacah \ ny ü IhriyatUe yagdso grbhdd d dürdüpäbdo vrshano 
nrsJidcah \\ sie (die presssteine) kommen zum opfer, sie rütteln 
die opferstreu auf, somatrunken, beim feste wirr redend; die 
herrlichen werden vom griffe aus niedergestossen , die weithin 
klappernden, männern zugethanen stiere. BR. s. v. meinen, 
dürdüpabdas sei möglicherweise adverb, Grassmann, es sei wahr- 
scheinlich '08 zu lesen. Einen nom. pl. fordern allerdings die 
übrigen nominative, und das kann dürdüpabdas wohl ohne 
Grassmanns äuderung sein, denn -bdas verhält sich za pddas 
wie -gu-s zu gdu-s. Auch hier liegt die ursprüngliche bedeu- 
tung noch zu tage, da die aufschlagenden steine mit dröhnend 
trampelnden stieren verglichen werden. 

5) dd-tum : di-ti- reichthum (= döts^g beide aus *da-^), aber 
tnagM-tti- das geben und empfangen von geschenken, Ihaga-Ui- 
glücksgabe, vdsu-Ui- bereicherung. Das dem griech. dorog ent- 
sprechende part. skr. *ditd' ist durch das aus dem präsens- 
stamme gebildete dattd- verdrängt, aber hinter betonten compo- 
sitionsgliedem mit der regelrechten Verkürzung zu -tta erhalten: 
devä-Uor- von den göttern gegeben, und hinter vocalisch aus- 
lautenden Präpositionen, welche vor den participien auf -ta- 
regelmässig den hochton tragen (Aufrecht de accentu compositor. 
§ 118, ßenfey vollst, gr. § 647): d-Ua-, prd-tta-, nt-Uor u. s. w. 

6) dd-ti schneidet ab : part. di-wa-, dirtd-^ aber dva-tta- ab- 
getheilt, pdrl-Ua- beschnitten, unvollständig, begrenzt. 

7) sthdtar- lenker: lat. stätor, axät^q, aber skr. savya-shthdr-, 
savyS'SMhar- (s. 29); dies unterscheidet sich — wie upc^bdd-, 
upa-bdi-, falls sie richtig gedeutet sind — von den übrigen 
bisher genannten durch die betonung des zweiten elementes, 
deren ursprünglichkeit anzuzweifeln kein grund vorliegt, da das 
wort tatpurusha ist. Hier scheint der vocalschwund durch den 
nebenton bewirkt zu sein, den wir für jedes glied der compo- 
sition an stelle seines ursprünglichen hochtones annehmen müssen, 
da vedisch noch einige composita diesen wie den hauptaccent 
mit dem udätta bezeichnet haben, z. b. sddaspdti-, gädtpati- u. a. 
bei Aufrecht de accentu comp. § 53, Garbe ztschr. XXIII, 490. 
Das zweite a von savyd- behielt, auch wenn der hauptton des 



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Zwei ansehe a-laute und die palataleo. 57 

compositums auf das folgende glied fiel, noch einen höheren 
ton als das erste und als die tieftonigen silben des folgenden 
gliedes, das zwischen zwei höher betonte silben gestellte a von 
*'-sihariarafn schwand also. 

8) Wz. ghas verzehren verliert ihr a nur vor vocalisch an- 
lautenden betonten suffixen: 3. pl. imperf. dkshan, kshdn, aber 

2. pl. dghasta, ghasmard- gefrässig, in compositen jedoch auch 
vor consonantisch anlautenden betonten suffixen : dpi gdha RV. 
I, 158, 5 imperf. 3. sg. med. (BR. s. v. ghas), agdhdd TS. III, 

3, 8, 2 nicht gegessenes essend, sd-gdhi- gemeinschaftliches mahl. 
Das in den scholien zu Pän. I, 1, 58; VI, 4, 100 vorkommende 
Simplex gdhi- wird eben nur aus sagdhir zu dessen erklärung 
(sagdhis = samana gdhis) erschlossen sein. Entsprechend abaktr. 
kshuis milch (skr. kshü speise), ha-ghähanhu- Sättigung. 

9) Abaktr. pagth vieh ist masculinum, wird also wie skr. 
pagu-8 oxytonirt gewesen sein. Der hinter das a fallende accent 
genügte nicht um dasselbe zu vernichten, sobald es aber in 
compositen zwischen den haupt- und den nebenaccent gerieth, 
schwand es, selbst wenn das voraufgehende compositionsglied 
consonantisch auslautete und so eine dreifache consonantengruppe 
entstand. Relative und determinative composita bedingen keinen 
unterschied: mat-fsht^ vieh enthaltend, fradadha-fshi4r, vldadha- 
-fskur namen zweier karshvare, frodat-fshu- das vieh fordernd, 
n. pr. eines genius, frchfshvr ntr. fülle von vieh, dtva-fshu- m. 
gesundes vieh, haurva-fshavö acc. pl. das ganze vieh. Das 
sanskrit hat die form des simplex auch in die composita wieder 
eingeführt: rücat-pagu-s strahlendes vieh habend, dnashta-pagths 
der von seiner herde nichts verliert. 

10) Endlich haben wir auch ein beispiel dafür, dass die • 
accente der beiden compositionsglieder zusammen einen hinter 
ihnen stehenden kurzen a-vocal, der im simplex nicht schwindet, 
vernichtet haben, nämlich indog. -cfjus atis *d{vas tag. Das sanskrit 
hat dfftis in den avyayibh&va adhare-dyüs vorgestern, anycUarB- 
-dyüs an dem einen oder anderen tage, anye-dyüs, apare-difüs, 
uUarB-^t^Qm folgenden, üarS-^lyus am anderen tage, ubhaya-dyüs, 
yJbhay^'dyüs an zwei auf einander folgenden tagen, pürvE-dyus 
tags zuvor. Das Petersburger Wörterbuch und Pott wzwtb. I, 
1034 deuten dyus als gen. des Stammes dyu-, div-, was die loca- 
tivc im ersten gliede verbieten. Die richtige erklärung, dass es 
>ein durch ausstoss des a entstellter acc. ntr. statt *divas€ sei, 



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58 Joh. Schmidt, 

hat Pott e. f. I \ 96 gegeben. Wie die locative im ersten gliede 
beweisen, ist der sinn dieser coniposita ursprunglich >an dem 
und dem tage geschehende Zu temporaladverbien werden sie 
erst durch den acc. ntr. gerade wie avd^^sQOv an demselben 
tage von avx^ijfASQog an demselben tage geschehend (die be- 
tonung nach Herodian ed. L. I, 491, 1), d. h, sie sind auf 
bahuvrihi beruhende avyayibhava. Zu demselben Schlüsse führt 
ihre betonung, deren unursprüuglichkeit in die äugen fallt. Der 
stamm divos- steht durch skr. divcts-ä^, ev-dtstyog (= *d#/6ö'-vo-^), 
lat. Dies-^iter und dies, welches bekanntlich auch ein ursprüng- 
licher s-slamm ist, als indogermanisch längst fest (s. z. b. Grass- 
mann ztschr. XI, 6 f., Fick P, 109). Mag er auf der ersten 
oder zweiten silbe betont sein, in keinem falle konnte er zu 
oxytonirtem dyüs werden, denn bei einer betonung *dwäs 
wäre das a nicht geschwunden, aus divas aber nach schwund 
des a nur *diu8, d. i. skr. *dyüs geworden* Es ist also hand- 
greiflich, dass -dyttö nur in compositen, welche den hochton auf 
dem ersten elemente hatten, d. h. in bahuvrihi, entstehen konnte. 
Die oben genannten composita auf -dyüs sind also wie avi^ij- 
IkBQov und abhi'jM oxylona erst durch ihre adverbiale Ver- 
wendung geworden, die zu gründe liegenden adjectivischen 
bahuvrihi aber haben nach der weit überwiegenden betonung 
dieser compositionsclasse den accent auf dem ersten gliede ge- 
habt, also z. b. pürve-dytis adv., aber *p(irve-dyus adj. wie 
avy^fjiiBQov : avd^ijfjtsQog. Indog. divas war aller Wahrscheinlich- 
keit nach wie, von ganz vereinzelten ausnahmen im skr. abge- 
sehen, die neutralen ^-stamme überhaupt auf der ersten silbe 
betont und verlor den vocal vor s nach dem s. 26 bemerkten 
in keinem casus ^). Trat es aber als zweites glied in eine 
bahuvnhicomposition, deren erstes element den hauptton an 
sich riss, dann drückten zwei accente auf das auslautende o«, 
der hochton z. b. von 'pärve und der von diesem üb€frtönte 
aber nicht gänzlich vernichtete alte accent von cKvos, den ich 
als nebenaccent mit ' bezeichnen will. Das a, welches dem 
einen accente in divas stand hielt, erlag der Verbindung zweier 
in *pärv€dlv(a)s = *purvedyus. Dass es bereits in der ur- 

*) Lat. diu8 adv. beweist nichts, da neutra mit vocalen oder diphthongeo 
vor dem sufT. skr. -as die wo auch immer entstandenen zusammengezogenen 
formen durch die ganze declination des Stammwortes hindurch führen, 
vgl. aeSf juSf pus. Ausserdem kann dius durch ifUerdim beeinflusst sein. 



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Zwei arische o-laute und die palatalen. 59 

spräche geschwunden ist, folgt aus der Übereinstimmung des 
skr. -difus mit lat. inter-^ius, per-dius^ deren länge Corssen 
(ausspr. n», 458) gegen Schweizer (ztschr. XVIII, 300) nicht 
erwiesen hat. diu, welches nicht aus dms entstanden ist, son- 
dern dem skr. diva »bei tage« entspricht {diutinus = divätana-s 
täglich), hat natürlich aus dem spiele zu bleiben. 

In den meisten fallen aber sind wie in skr. prä-pador, 
d-pada- gegenüber abaktr. fra-bda-, a-hda- und rügat-paQu- 
gegenüber frädaf-fshti- durch einwirkung der simplicia die in 
den compositen geschwundenen vocale wieder hergestellt. Die 
Übereinstimmung von abaktr. -hdor mit griech. (inO-ß^ai und 
von skr. -dyus mit lat. ^ius weist den vocalschwund der Ur- 
sprache zu. 

Die kürzesten stamme jnu-^ snt*-, dru- im zweiten gliede 
von compositen, welche sich vornehmlich bei betonung des 
ersten glledes zeigen, erklären sich nun nach dem eben fest- 
gestellten gesetze. Die schwachen formen mit vocalisch an- 
lautenden betonten casussuffixen , welche in den simplicia das 
a des nom. zu a schwächten, verloren dies a in den compositen, 
*ginu : *gdnv'dm (ysvvfSv) : *±gniya7n. Dadurch ward der in 
den simplicia zwischen *gdnv'dm und *gnU'bhidm$ (abaktr. 
c^eknubytiQ-cit) u. s, w. bestehende unterschied aufgehoben. 
In den compositen erhielten alle schwachen casus gnu-, vor 
vocalen gnth^ und dies ward endlich durch ausgleichung auch 
in die starken casus verschleppt wie das in den schwachen 
casus entstandene -gu- auch in die starken eindringt (s. 54). 

Hiernach glaube ich dreifach ablautende stamme für die 
Ursprache ansetzen zu dürfen 1) nom. gdnu, ddru, 2) gen. gänv- 
-ds, ddrv-ds (daneben gnu-n-äs, dru-n-ds s. 52), 3) instr. pl. gnur 
'hhis, drti^hhis, in composition für 2. und 3. -gnu-, -dru-. 

Es hat sich also ergeben, dass in keinem emzigen der von 
Brugman zur stütze seines »gesetzes« angeführten beispiele o 
einem skr. a entspricht , vielmehr überall , wo nicht später auf 
einer von beiden selten Störungen eingetreten sind, o einem kurzen 
a des" sanskrit gegenübersteht, dagegen dem skr. d auch in den*' 
europäischen sprachen lange vocale entsprechen. Sind aber s 
und im sanskrit gleichmässig durch a vertreten, so fehlt Brug- 
roans ansatz zweier oder dreier verschiedener a-laute für die 
arischen sprachen jeder anhält. 



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60 Joh. Schmidt, 

Dennoch haben Amelang und Brugman richtiges geahnt 
Ob die in den südeuropäischen sprachen als a und o von ein- 
ander geschiedenen laute schon in der Ursprache von einander 
verschieden waren, wird später zu untersuchen sein. Ich setze 
vor der band, wie bisher üblich war, für beide nur indog. a 
an, um dieser Untersuchung nicht von vornherein durch will- 
kürlichkeit den boden der thatsachen zu entziehen. Eine ent- 
scheidung der frage in dem einen oder anderen sinne soll durch 
diese bezeichnung nicht gegeben werden. Für jetzt will ich 
nur nachweisen, dass die Ursprache an stelle des urspr. e einen 
laut hatte, der nicht reines a war, sondern auf der linie zwischen 
a und i lag. Ich bezeichne ihn mit ä. Dass auch die arischen 
sprachen ihn von a (= südeurop. a, o) ursprünglich geschieden 
haben, ergiebt sich aus zwei thatsachen. 



n. 

Sanskrit e. 

Im sanskrit wird a durch ersatzdehnung zu ö, wenn ein 
tonender Zischlaut (js, i) dahinter geschwunden ist, sonst zu a 
oder g. Letzteres findet sich selten, ich habe im ganzen nur 
dreizehn falle notirt, sieben von ihnen erscheinen in Worten 
oder bildungen, welche auch in Europa vorkommen, und in 
allen sieben entspricht in Europa e oder e, i -{- cons. Ich kann 
mich daher der vermuthung nicht erwehren, dass die indischen 
E mit den entsprechenden europäischen vocalen nicht zufallig 
übereinstimmen, sondern beide aus einem schon in der Ursprache 
zwischen a und i liegenden vocale hervorgegangen sind, und 
dass die aus ihm entstandene länge im indischen ihre ursprüng- 
liche klangfarbe treuer bewahrt hat als die entsprechende kürze, 
welche zu a ward. Die fälle sind folgende. 

1) Das e der schwachen perfectformen wie sedys deckt 
sich mit dem e von lat. sEdimus, cepimvs, got. setun, das von 
mene mit dem von air. menar putavi (s. Delbrück aind. verb. 
118, Scherer z. gesch. d, d. spr.^ 232 f.). Ich bin daher mit 
Delbrück und Scherer der ansieht, dass die anfange des ö 
in die indogermanische Ursprache hinaufreichen. Unten wird 
sich zeigen, dass der reduplicationsvocal der starken formen 
des perfects in der Ursprache wie in den europäischen ä war, 
aus ihm ist also durch die ztschr. XXIV, 319 erörterte ersatz- 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 61 

defannng indog. S geworden, welches im skr. erhalten ist. Das 
a des ahd. sa^msm darf uns ebensowenig stören wie bei $amo 
= ]it semu, abulg. sSm^, lat. sgmen; mano = lit. minü, ab. 
Mis^, lat. mSnsis, fMJv (gemeingriechisch 9); war == verus, ab, 
Vera; icGJo = ab. v^q, lit. vi^as, caifit (vgl. voc. I, 14, Fick 
Bezz. beitr. II, 2Ö5); an. hann aus *hann (vgl. dat. hanum, 
fem. Aö»> = xslvog, dor. xr/vo? (voc. II, 422). 

2) änegam aus ^a^d-ng-am, aor. von nof verloren gehen. 
Delbrück verb. 111 hält es entgegen der aufifassung der indischen 
und neueren grammatiker für ein plusquamperfectum , doch 
mit unrecht, da stammbildendes a nur im aorist erscheint 
(s. Grassmann anz. v. Delbr. Jenaer lit. ztg. 1874 art. 282). 
Im griechischen haben alle reduplicirten aoriste consonantisch 
anlautender wurzeln s als reduplicationsvocal (s. Curtius verb. II, 
25 1), t$$nov = dvöcam, 

3) dhihi aus ^dhddhrdhi, vgl. ri^fu, abulg. deecUi, lit. dedü, 
3. sg. dest 

4) dehi aus *ddd^hi, vgl. didmfit, osk. didest, umbr. tera, 
ürsans (der vocal von abulg. dasü, preuss. dast, lit. dÜst ist, 
wie schon seine länge zeigt, aus den nicht reduplicirten ausser- 
präsentischen formen ab. dcUi, preuss. dat, dahoei, lit. äli^iu.s.w. 
eingedrungen; ebenso das e von lit. dhn aus diti gegen 3. praes. 
dest). Die vocale der präsensreduplication werden s. 74 ein- 
gehender erörtert werden. 

5) edhi aus *äe*dhi; in der Ursprache war der wurzel- 
vocal vor der betonten personalendung geschwunden (Osthoff 
ztschr. XXIII, 583), erst im sanskrit ist er aus den formen mit 
betonter Wurzelsilbe wie ds4u restaurirt, dem a derselben ent- 
spricht aber europ. e. 

6) jehamana^ den mund aufsperrend, schnaubend, lechzend, 
klaffend: ahd. gingo das verlangen, gingen c. gen. nach etwas 
verlangen, got. faihu-geigo habsucht, faihurgeigan geldgierig sein, 
gorgeigan gewinnen ^), lit. g'eH&s heftig wonach verlangen, nach 
etwas trachten, porgeüi nach räche verlangen, pageiä rachgier, 
gisAa es juckt, kitzelt (s. Nesselm. wtb. 253, Kurschat wtb. II, 

') Die germanischen worte hat Bezzenberger beitr. n, 19t mit einander 
aisammengestellt und das got. ei in bekannter weise aus m erklärt; er 
will sie zu gaggan und xtxuyto ziehen. Andererseits will Benfey jeh mit 
M verbinden (ztschr. VIII, 190 f.), A. Kuhn mit /Siil und mhd. kicfien 
(lUchr. X, »If.) 



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62 Joh. Schmidt, 

119; lit e aus in oder en voc. I, 70. II, 499). Im germanischen 
und litauischen ist die bedeutung weiter entwickelt, welche 
jihcmanor RV. X, 15, 9 hat: yt tcUfshur dSvatrd jihamanah 
welche bei den göttern lechzend dürsten. Weiter gehört wohl 
dazu skr. gdkanam der gähnende abgrund, gahmdn die tiefe. 

7) kiySdhä vielumfassend aus *kiyat-4hd. Das secundär- 
suffix ant erscheint in Europa als ent (vgl. vant = ßsw) : lat. 
iri-^ns, quoti-ens, toH-ens, Vej-ens, gretcü-ens, sufif. -ensi-, dliy- 
-*v^a, iQiß'tvt^og^ vdx-tpd^og und viele andere, deren erörterung 
hier zu weit führen würde. Welche qualität das aus an in tief- 
toniger silbe reducirte arische a gehabt hat, wird in abschnitt III 
bestimmt werden. Brugman (stud. IX, 302 f. 305) behauptet, 
die >nasalis sonans« habe in der »europäischen grundsprachec 
«m, '^n gelautet. Nehmen wir hier den für uns ungünstigsten 
fall an, dass in den arischen sprachen wie im griechischen 
reines a, nicht ä an entsprechender stelle gestanden habe, so 
bleibt immer noch möglich, dass wie im griechischen xaQ$'j:sv%' 
und *;ca^i-j:ar- zu x«^*f^*^" und x«^'"/«^" (%otQUaiSa^ -«(yö**, 
'iateQog^ 'ictatogj ausgeglichen sind, auch im sanskrit kiyai^ 
durch einwirkung von kiyänt zu Jdydt- geworden sei, und dann 
erklärt sich das e in kiyBähä- aus *hiydt-cßiä'. • 

Für die übrigen worte, in welchen e als ersatzdehnung 
von a erscheint, sind bisher entsprechende europäische formen 
noch nicht gefunden : trnedhi zermalmt aus *trna£dhi, *trmih4i 
(tarh); mh/tähor- = abaktr. tnyazda opferfleisch ; mSdhd Weisheit = 
ab. maeda; neälyants-, n^shßa- = abaktr. nazdyö, nazdista- 
näher, nächster (s. Benfey über jvibeOy abh. d. (Jötting. ges. d. w. 
XVI, 29flr). Von likr^h wanken = hhramg (voc. I, 37) belegen BR. 
nur die beiden präsensformen bhreshate RV., bhreshan part. 
Ait. Br. (bibhrSsha Bhatt. kommt natürlich nicht in betracht); 
der präsensvocal von a-wurzeln ist in den europäischen sprachen 
vorwiegend e, bhreshorS das schwanken, fehltritt, hat dann den 
vocal aus dem präsens beibehalten. Wenn kepi- RV. X, 44, 6 
(nach Nir. »unrein«) von BR, richtig als »zitternd, zappelnd« 
gedeutet und zu MmpatE zittert gezogen isl, dann ist sein guttural 
ebenso unursprünglich wie der von ved. gamyas gegenüber 
abaktr. jamyao (s. u.). 

Die indischen ^ geben also nur noch einen schwachen 
Schimmer von dem d der Ursprache. Tief eingreifende Wir- 
kungen hat dies aber in den arischen palatalen hinterlassen. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 63 

Dass die a, vor welchen skr. c, j, h statt k, g, gh stehen , den 
europäischen e entsprechen und durch ihre ursprünglich zwischen 
a and i liegende klangfarbe den Übergang der gutturalen in 
palatale bewirkt haben, lehre ich seit dem mai 1877 in meinen 
Vorlesungen. Auf denselben gedanken sind auch andere ge- 
kommen und haben ihn bereits veröffentlicht : Gollitz in Bezzen- 
bergers beitragen II, 305, ausführlicher III, 177 ff., Hübschmann 
ztschr. XXIV, 409 anm., Osthoff morpbol. unters. 116 anm. 
Die beiden letztgenannten haben ihn von Verner mitgetheilt er- 
halten. Endlich F. de Saussure, mem. de la soc. de linguistique 
de Paris III, 369 (1878). Hätte mir daran gelegen, durch bei- 
bringen einer anzahl von beispielen die thatsache im allgemeinen 
festzustellen und formell ein Prioritätsrecht zu registriren, so wäre 
dies nicht schwer gewesen. Es schien mir aber geboten, nicht 
nur die erscheinung für Rigveda und Avesta im wesentlichen voll- 
ständig darzustellen, sondern auch, was viel schwieriger ist, die 
dem gesetze widersprechenden fälle zu erklären, die mehrfach 
erscheinenden mischungen der beiden gutturalreihen auf ihren 
grund zurückzuführen, endlich das verhältniss der arischen pala- 
talen zu den griechischen eingehender zu untersuchen als bis- 
her geschehen. Der folgende abschnitt III über die arischen 
palatalen war im manuscripte fertig abgeschlossen, ehe eine 
der vier genannten publicationen erfolgte ^). Das erscheinen der- 
selben hat nichts an ihm geändert. Dies bem^ke ich nicht 
etwa in der absieht, rechte anderer anzutasten oder einen un- 
fruchtbaren prioritätsstreit zu erregen. Ein solcher wäre übel 
angebracht. Denn, wie ich nachträglich aus sicherer quelle 
erfahre, ist früher als wir alle dr. Vilh. Thomsen in Kopen- 
hagen auf den gedanken gekommen, die differenz zwischen 
arischem ea und Tca aus europäischem he und ka zu erklären. 
Ich hoffe, dass auch nach abzug dessen, was mittlerweile von 
anderen ausgesprochen ist, das folgende manches der Veröffent- 
lichung nicht unwerthe bieten wird. Da dies nur im ganzen 
zusammenhange der darstellung zur richtigen geltung kommt, 
gebe ich meine abhandlung unverkürzt, wie ich sie im früh- 
jähr 1878 niedergeschrieben habe. 



*) Er enthalt die ztschr. XXIV, 319 anm. angekündigte abhandlung. 
Während seiner ausarbeitung erhielt ich als mitredacteur dieser Zeitschrift 
Habsehmanns aufsatz zur durchsieht, was ich zu erwähnen nicht unter* 
lassen will. 



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64 , Job. Schmidt, 

III. 
Die Palatalen. 

Äscoli hat festgestellt, dass den gutturalen der europäischen 
sprachen im arischen drei reihen von lauten entsprechen, welche, 
wenn wir die nur in zwei reihen auftretenden indischen tenues 
aspiratae (khy ch) bei seite lassen, sich folgendermassen ordnen, 
im sanskrit dreigliedrig, im altbaktrischen , welches media und 
media aspirata zusammenfallen lässt, zweigliedrig: 

sanskrit altbaktrisch arisch 

1. k g gh h (kh) g (gh) k g gh 

2. c J h c (sh) j (zh) « ^ ^Ä 
Z. ( i ih^) g g g i ih. 

Hübschmann ztschr. XXIII, 384 hat dies dann weiter ausgeführt. 
Die beiden ersten reihen sind in stätem Wechsel unter einander 
(z. b. vdcatn, uktdr\ so dass Fick (d. ehemalige Spracheinheit 
der Indog. Europas s. IflF.) sie als ursprünglich eine reihe be- 
trachtet, ohne zu untersuchen, wodurch die Spaltung herbei- 
geführt ist. Ascoli war auf dem wege, den grund zu finden, 
hat ihn aber nicht verfolgt. Er bemerkt, dass in abaktr. adsta-, 
ashyö, ashö, superl. und comparat. zu aka- schlecht, der palatal 
durch einwirkung des i entstanden ist (corsi p. 42 not.), dass 
im sanskrit und altbaktrischen kein wurzelhaftes gi mit ur- 
sprünglichem i vorkommt, abgesehen von reduplicirten bil- 
dungen wie ji-gi-, deren guttural durch dissimilation entstanden 
sei (p. 111. 103. 37). Hübschmann a.a.O. 386 stellt, ohne weiter 
auf die sache einzugehen, die in ihrem ersten theile thatsäcblich 



>) Statt d, £h, welche später mit j, h zusammengefallen sind , z. b. yal 
(yaj), va£h (vah) schreibt Ascoli z, iÄ (corsi 105, 117 f., krit sludien XVIII f. 
280 f.)« Als mediae zu g^ welchls den lautwerth des poln. i hat, können sie nur 
i, £h gelautet haben. Sie werden nur da zu i, zh, wo ^ zu S (ah) wird: ishtd- 
aus *iz-ta'f *iz-ta-f wie ^äfshtd- aus *drg'ia'. Ich ergreife diese gelegenheit 
um einen irrthum vonCollitz zu berichtigen. Er sagt: »Die theorie Ascolis 
hat, so viel ich weiss, vor dem buche Ficks [die ehemalige Spracheinheit] 
nirgends anklang und Zustimmung gefunden. Erst nachdem Fick das ei 
auf die spitze gestellt hat, sieht man, dass schon Ascoli zum theil auf dem 
richtigen wege war, und nun ist man allzusehr bereit zu vergessen, dass 
Ascoli in manchen punkten gänzlich fehlgegriffen hat, und es ist, als suche 
man sich einzureden, Ascoli sei schon zum ziele gekommen« u. s. w. (Bezz. 
III, 187). Ich fQr meine person habe in der schrift, durch welche Ficks 
buch veranlasst ist, s. 11 Ascoli die gebührende anerkennung ausgesprochen 
und weiss niemand, der anders gethan hätte. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 65 

richtige behauptung auf: »indog. gi sowohl wie ki mussten im 
arischen zu ji und ci werden. Wo immer jetzt im sanskrit 
ki und gi auftreten, ist das i erst aus a geschwächt worden zu 
einer zeit, als der gemeinsam arische process der palatalislrung 
Jängst vollzogen war.« Und Lindner (altind. nominalbildung 
s. 13) ergreift diese these mit solcher energie, dass ihm ledig- 
lich durch sie die Zusammengehörigkeit von säkhi- und wz. sac 
>\vohl mehr als zweifelhaft wirdc. 

Im folgenden werde ich zu erweisen suchen, dass die laute 
der zweiten reihe überall nur durch folgendes i, y oder einen 
zwischen % und a liegenden laut aus gutturalen entstanden sind, 
und dass überall, wo skr. c jh unserer zweiten reihe vor anderen 
lauten oder kg gh vor % stehen, formübertragung anzunehmen ist. 

Die einwirkung von i zeigt sich klar in der gradation, 
übereinstimmend in skr. ug-rd- stark: 6j-Tyams-, öj-ishtha-, ab. 
ugh-ro' : aoj-yoo, acj-istch, ausserdem skr. ouk-rd- hell : (Sc-ishtha-, 
magka-van- freigiebig : mdmhr^yamS', mdijih^hiha; gcJc-rd- hilf- 
reich : gdc^shtha-, tvag-vant- mit einer haut versehen : ivdo-iyarns-, 
tvdc-iskthch, srag-vin- bekränzt : srdj-^yams-, srdj'ishtha- (schol. 
z. Pän. V, 3, 65. VI, 4, 163); zu tej-zyams-, tej-ishtha- ist der 
positiv entweder tig-md- scharf^) oder Hig-rd- = abaktr. 
tigh-ra-. Aus dem altbaktrischen sind zu nennen ausser den 
schon berührten ak-or : (ish-yö, ashö, ao-istor, tdkhrmor schnell, stark 
oder *taJcur (= skr. tdku-, 'sa^vq) : täsh^OQ (= d^aadiov), tafic-ista-^) 
noch drcLogh^Xr lügnerisch : dracj-ista- und zwei für die indische 
lautgeschichte sehr instructive, daregh-ü" lang : draj-istor, *ragh-u^ 
leicht : reüj-yö, renj-ista- '). Im sanskrit hätten den letzten laut- 



Vgl. yudh-mä' streitbar : yS^-iyams-, abaktr. tcM-ma' stark : täak- 
'yäo, ta9ic-i8ta', 

•) a8hyö, täahyö aus *acyö, *taHcyö in folge der Wirkung des y, vgl. 
apa$har rückwärts = skr. apäeyä- und JiashB = skr. säkhye im verfolg. 
Siehe jetzt Hübschmann ztschr. XXIV, 353. 

») Justi 257 setzt einen positiv retijya- leicht an, gestützt einzig auf 
y?. 10, GOtemadhö renjyö vazaia »deine Wissenschaft fliegt schnell« (schnell 
mfigen deine somatropfen fliessen Hübschmann beitr. VH, 463 f.), hier 
kann aber reüjyö ntr. comparat. adv. sein, und dass dies die einzig mög- 
liche auffassung ist, lehrt der superl. re^M^ö und das sanskrit. Als indo- 
germanische form des positivs ist r^nghü- anzusetzen, woraus lautgesetzlich 
skr. raghü'f laghu-, ilaxv^ wurden, vgl. auch mhd. lung-er, ags. lung-re 
hurtig und got. leihts aus *lenht8. Das e von lit üngvas stammt aus dem 
alten comparativ und Superlativ. 

ZeJUchrift für Tergl. Spracbf. N. F. V. 1. 5 



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66 Joh. Schmidt, 

gesetzlich zu entsprechen '^dräk-lyams-, *drdh4sMhar und ^rdwh^ 
'lyams-, ^rdmhrishthch (vgl. ramhi- das rennen), statt dessen er- 
scheinen schon vedisch ärdgli-lyams", drdghrishthch, rdghr^yams- 
TS., später lägh-iyams-, Ugh-iskthor. Deren gh kann nur aus 
dem positiv eingedrungen sein, auf dessen rechnung allein auch 
der mangel des nasals in IdghisMha (ab. refijistar) kommt; 
vgl. mdmh^shfßtor, bdmh-dshthc^ : maghä-van-, hah-^. Dabei ist 
nicht zu übersehen, dass dirghä-, laghü- nur einen einfachen 
vücal als stammsufflx haben, also bei ihnen die dififerenz zvrischen 
positiv und comparativ viel geringer ist als bei ug-rd-, ißyams^. 
Der alte Wechsel von guttural und palatal hat sich nur da 
erhalten, wo der positiv vermöge stärkerer suffixe (-ra, ^van, 
^■vant, -vin, -ma) dem comparativ ferner stand. 

sdkhir^ an dem Lindner stutzig wird, findet auf gleiche 
weise erklärung. Justi verzeichnet den stamm als ab. haJchi, 
So lautet er aber in keiner einzigen form, vielmehr Jictshi- {ha^i^ 
-fbishr den freund peinigend, hashirdava- n. pr. den freund be^ 
trügend), Ich findet sich nur im nom. sg. ÄaiÄa, pl. hakhaya 
= skr. sdkhcc, säkhOf/as, alle übrigen casus haben sh: dat hasM, 
g. pl. hashäm, acc. hasha, welches sich aus cky erklärt wie in 
asJiö comparat. zu akch. Also das im sanskrit durchstehende 
kh ist aus den starken casus sqJcM, sdkhayam, sdkhdyau, sdkhayas 
in die anderen übertragen, dat. sdkhye verhält sich zu ab. 
hashe genau wie drdghishthor zu ab. drc^ista-. 

Ebenso haben die formen des interrogativstammes mit i 
ki-fn, ki'S, nd-ki-$, md-ki-s, My-ant-, kt-vanU^ kträfg-' ihr k aus 
dem stamme ia- übertragen wie die regelrecht palataHsirten 
abaktr. d-s, ci-m, d-t, mä-ci-s, cvant-^) beweisen. Nur d-d, welches 
sich b^rifflich von den interrogativformen geschieden hatte, 
ward durch seine isolirung der einwirkung von ka- entzogen. 

Justi setzt für cva^- quantus, qualis und für cü wie Vend. 5, 68 
einen pronominalstamm eu an wie für jva- vivus, jvaitt vivit eine wurzel 
ju. Der palatal wäre in beiden fällen nicht zu rechtfertigen, daunmittel- 
bar vor « und v nur gutturale stehen. Dass der interrogativstamm hiervon 
keine ausnähme macht, zeigen kv(^ kuthra^ kiUha, kudä, kudö, hudat, hü. 
In cva^t- muss also zwischen c und v einst ein vocal gestanden haben, 
der das c veranlasst hat. Haugs zend-pehlevi glossar bietet eaoaiti, und 
dabei könnten wir uns zur noth beruhigen, da ein später zu erörternder 
pronominalstamm ca* irgend einer auch in ca-iH quot erscheint In jfva-, 
jvaitt fordert das metrum die existenz eines vocals zwischen j und 'i^. 
Geldner metrlk des jüngeren Avesta § 46 setzt ihn als a an, welches atich 



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Zwei arische a4aute und die palatalen. 67 

In gleicher weise sind alle vor urspr. i oder y erschei- 
nenden gutturale an dieser stelle nicht ursprünglich , son- 
dern von anderswoher verschleppt. Lindner, der s. 16 eine 
zosamnienstellung von palatalen vor suffixalem i giebt, führt 
s. 13 als einzige primärbildung mit wurzelauslautendem guttural 
vor i abhögi- zehrung an. Es kommt nur der dat. äbhögdye vor 
RV. I, 113, 5, und dieser steht olBfenbar unter der einwirkung 
des gleichbedeutenden (fiMgäyorm I, HO, 2. Die redupiicirten 
formen mit gutturalen vor i wie cUdtO/nd- kommen später zur 
spräche. Namentlich haben secundärbildungen mit i- oder y- 
anlautenden suffixen den guttural des zu gründe liegenden 
Stammes bewahrt, z. b. ühiväms- behagen findend RV., ükyä- be- 
hag^i, heimat (von öirf-, vgl. dur-oka- ungewöhnlich), vrki 
Wölfin (vfkor), gakin- hilfreich (gäka-; dagegen ^^), grngin- ge- 
hörnt (grngor)^ ankin- mit haken versehen (ankd-), arhm- singend 
{arko' lied), hkagin- glücklich (bhdgch Wohlstand), bhögyä" zu 
geniessen {bhSgct- genuss), yogya^ passend, yögyd Veranstaltung 
(y6ga^) u. s. w. tigüd- scharf hat, wie abaktr. tisshi- zeigt, 
erstarrtes g oder i aus a, vermuthlich ist es von *Ugä- (gebildet 
wie yugör, aghd-) abgeleitet. Dunkel ist der Ursprung von 
Jkh^a. Ficks herleitung aus urspr. ski -f ä (wtb. I \ 242) scheitert 
an dem guttural. Die vedische flexion khydm, khyds, khydt u. s. w., 
mit welcher lat irhqmunt übereinstimmt, führt auf die ver- 
muthung, dass das ya ursprünglich nur präsensbildendes suffix 
und khyfl aus ^kharyd- entstanden sei, vgl. g(a)ydti, d(a)yäti, 
s(a)ydUy ch(a)ydti. Die erhaltung des gutturals erklärt sich 
dann dadurch, dass wie in den eben genannten ursprünglich 
ausserhalb des präsens der vor y geschwundene wurzelvocal 
als a resp. a bewahrt blieb, z. b. perf. ^corkha (ved. cakhyafhus), 
und der hier erhaltene guttural ins präsens verschleppt wurde. 



mitanter in den handschriften erscheint: Yt 15, 40 jväva, var. javäva; 
Yq, 45, 5 jväQi javäQf jvö; Yq. 47, 8 javarö. Da sich aber ein stamm ^ara- 
spracbgeschichtlich nicht rechtfertigen lässt (mit Kossowicz gätha ustavaiti 
p. 77 ihn von skr. jü herzuleiten verbieten abaktr. zu, eävare) , anderer- 
seits höchst auffällig wäre, wenn dem altbaktrischen das im skr. wie im 
apers. als nominal- und verbalstamm erscheinende ^va- fehlte, so vermuthe 
idi, dass jvo- aus skr. jivd-, jvaiti aus skr. jtvati (apers. jivahyä des 
lebens, jivahy du lebst) und javara- aus skr. jlvald', sei es graphisch sei 
es lautlich, entstanden sind. In derselben weise wijrde dann cvaüt- dem 
skr. ktvcaU' entsprechen. Auch das einmalige cü Vend. 5, 68 (eü agti, 
m, evoQtif cu a^) wird dann von dem stamme d- herzuleiten sein. 

5* 



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68 Job. Schmidt, 

Vor einem erst im sonderleben des sanskrit aus einem 
laute der a-reihe entstandenen i, % bleiben gutturale regelrecht 
intact: girir (ab. gairi-), girdti, kirdti,g{r'j ifr-i- lobsänger {Mri- 
jubelnd), Jclrnd- verletzt, ktrti- erwähnung, gltd^ u. a.; auch khi^ 
doH drückt nieder gehört in diese reihe, wie das perf. ccMada 
Pan. beweist {hhBtsyati, Jchsda- abspannung nach falscher ana- 
logie). Eine ausnähme wäre jihmdr schief = doxfAOC (Bugge 
ztscbr. XIX, 422), falls es aus *gaghma entstanden wäre, doch 
kann sein j auch arisches i oder späte Wandlung von d sein 
wie in jihvä, jyiUs (s. Fick I *, 104). duhitdr- {&vYdtijQ, abaktr. 
dughdhar- s. 34) wird der vierte abschnitt erklären. 

Das altbaklrische hat vor i, y nirgends gutturale. Eine 
ausnähme würde nach Justis wörterbuche s. 310, gramm. § 101 
die Verbindung sk machen, welche auch vor i und y angeblich 
mit intactem h erscheint, selbst wo das skr. c, ch hat, z. b. 
sky(wthnem handlung = skr. cyautnd-m, vt-shyatä zu skr. chydti. 
Statt des letzteren hat Westergaard vlshyata, und dies ist das 
allein richtige. Erwägt man nämlich 1) dass das schriftzeichen 
für sh und die ligatur sk einander ähnlich sind und von ab- 
schreibem leicht verwechselt werden konnten, 2) dass dieselben 
Worte mit sk und $h geschrieben erscheinen: hüshya^ büskyägta, 
shüayü sküün/agca^ siuietl wohnt, pl. skyafüi, tishi tiski, gaoshyäg 
fooskyäg, 3) dass sk auch an stellen erscheint, wo kein ge- 
danke seiner berechtigung aufkommen kann, z. b. varskyamnaca 
Yq. 56, 1, 12 u. a. {vareshyamnaca Westerg.) acc. pl. Qtr. part. 
pass. fut. von varee, fut. vareshaiti, 4) dass k vor i, y sonst 
nirgends intact bleibt — so kann gar nicht mehr bezweifelt 
werden, dass alle ski, sky, welche in der vergleichenden gram- 
matik schon viel unheil gestiftet haben , lediglich versehen der 
absclireiber statt shi, shy sind und shyaothna- u. s. w. die allein 
berechtigten formen, shyaothna- aber ist aus *cya^thna = skr. 
cyautnd- wie ashyö aus *acyö entstanden (s. 65 anm. 2). 

Dass die palatalen vor i, y eben durch diese folgenden 
laute hervorgerufen sind, wird über jeden zweifei erhoben da- 
durch, dass vor suffixalem u und v die gutturalen im RV. 
durchaus intact bleiben. Lindner s. 13 nimmt an, die palatalen 
seien hier in gutturale »zurückverwandelt c, da jedoch eine laut- 
physiologische Schwierigkeit der articulation palataler vor u so 
wenig wie vor anderen vocalen besteht, sind viehnehr hier wie 
überall die gutturalen Tür ursprünglich bewahrt zu halten. Ich 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 69 

venEeichne hier nur solche worie, deren wurzeln in anderen bil- 
diingen auf palatale auslauten, raghü- schnell (gegen rdnihi- 
das rennen), reku- öde (ric), vankti- sich tummelnd (vcmc)^ 
anka-yänt- Seitenwege suchend (anc), bhfgt/t- {bhroo, hhdrgas s. u.), 
pdkv€h, vdkvor vdkvan- sich tummelnd, pra-rikvan- hinaus 
reichend über, ririkvämS", rumkväfi^s-, vwiJtvdms-, cuQukvdms-, su- 
Qukwm-y (UQukvdni-, gugukvandr leuchtend, rhvdry fhoan-y fkvant- 
singend, vagvanü- ton, vagvand- schwatzhaft, vivakvdnU beredt, 
viprktxint- »etwa: unvermischt« BR., tugvaiP' fürt (tty), abhir 
-dfugvan- angreifend, scHfugvan-, sva-yügvan- verbündeter. In 
den Wörterbüchern setzt man mehrfach doppelwiyrzeln an, vdk, 
oofü und vae, vafic u. s. w., um vankri-, vdkvor neben vdücati 
zu erklären. Da wurzeln lediglich wissenschaftliche präparate 
sind, gehe ich auf solche ausätze nicht weiter ein, sondern be- 
rücksichtige nur die wirklich vorkommenden worte. Dasselbe 
verhältniss wie im indischen besteht im altbaktrischen: Mkt^, 
häßvao trocken {Jiaecaych trocknen), afikth haken, v<wkhusM dat. 
part. perf. (1. sg. vavaca\ gagakus-tema o gelehrtester (gcX); nur 
Ofcu Schienbein, wade {agcüm Vd. 8, SOI, hv-agcvö Yt. 17, 22) 
hat einen palatalen vor u; über cu-, ju- s. s. 66 anm. 

Diese consequente erhaltung der wurzelauslautenden guttu- 
ralen vor if lehrt, dass wo im wurzelanlaute die laute unserer 
zweiten reihe c, j, h^) vor u erscheinen, formübertragung vor- 
liegt. Das abaktr. kennt die lautfolge cuy ju in Wurzelsilben 
gar nicht ausser in den beiden von Justi unberechtigt ange- 
nommenen so lautenden wurzehi (s. 66 anm.), der Rigveda 
nur in ghrkhgctU, madhiUrgcM^ ciimurir n. pr. eines Dämon, nicwn^ 
rw$är dunkele bezeichnung des Soma VIII, 82, 22. Die beiden 
ersten haben ihren palatal aus dem präs. gdi-cHfUi (sie träu- 
feln), der einzigen im RV. von dieser wurzel vorkommenden 
verbalfonn übertragen. Die entstehung des c vor präsentischem 
ö wird später begründet werden. Ihre annähme ist von vorn- 
herein zulässig, da vor skr. a, welches ja einst den ersten be- 
standtheil von ü bildete, palatale stehen können. Die »wurzel 
cud« ist für den RV. lediglich ein grammatisches präparat, 
keine einzige im RV. wirklich vorkommende verbal- oder nommal- 
bildung erhält einen anderen vocal als o; cSdami treibe an, 



>) FSlle wie jush^ hu = abaktr. zuahf eu gehören eben der dritten 
reihe an. 



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70 Job. Sdimidt, 

beeile, schaffe schnell herbei, spute mich ist === ahd. sdtufu. 
Die einzigen formen mit u, welche sich bei Westergaard und 
BR. verzeichnet finden, sind acücudam, acucudcU MBh. 1, 1916. 
13, 35. Auch sie haben ihr c aus dem präsens verschleppt. 
Die in reduplicationssilben vor u erscheinenden palatalen der 
zweiten reihe ^) sind zu der zeit entstanden, als der vocal der 
reduplicationssilbe noch d war (s. 33). Im RV. finden sich 
laut Delbrücks Sammlungen nur aor. dcucyavus, dcuhrudhat und 
perf. cucyuvt (2. sg. ckyushe, beide aus *cdc^th). Wie diese 
aus *cd-krudh-, *cä-cyih assimilirt sind, so können auch cümuri' 
und nieumpun4' aus ^cämuri-, ^nicämpuna- assimilirt sein. Die 
übliche herleitung des letzteren aus wz. cup, dpati sich bewegen, 
welche vedisch noch nicht nachgewiesen ist, erklärt das linguale 
n nicht. Das wort ist bei Benfey vollst, gr. s. 157 das einzige 
beispiel für suff. -ma. Vielleicht ist es reduplicirt, cum-jx^tH^ 
aus ♦(Ww-pMW-a-, vgl. jar-bhur-ana-, jorbhdra, 

Iig wortauslaute und vor den meisten consonanten stehen 
bekanntlich nie die palatalen unserer zweiten reihe. Ausser vor 
y und V sind sie überhaupt nur vor nasalen und r möglich. 
Sehr selten vor w^), im RV. nie, ebensowenig im altbaktrischen. 
Beide sprachen zeigen gutturale vor n in formen, deren Zu- 
gehörigkeit zu wurzeln mit palatalen dem sprachbewusstsein nie 
verdunkelt werden konnte, wir müssen daher schliessen, dass in 
der arischen grundsprache vor n nur gutturale standen. Vergl. 
hänti : ghndnU, jighfuOg, ghndnt-, -^Jmdr = abaktr. jaiMi : ovo- 
-gJinäf, nirjaghneiUi, avchghnanö, -ghna-, skr. r^bnas reichthum = 
ab. raekhnanh-, die participia rugnä- (ny), vignd- (v^), bhugnd^ 
(bhuj), vrh^ ("vragc), vagnü- ton (vac?), abaktr. vifokkna- ver- 
sammelt (skr. vyac), vöighna übel (vijj, highnth trocken (Mc), 
äXhna zügel (afic), sogar skr. gnä, abaktr. ghena {e unursprüng- 
lich aus dem stimmtone des n entwickelt) zu vfz.jan, abaktr. x%m. 

Vor m hat das altbaktrische nur gutturale, das vedische 
sanskrit vor stammbildendem m überall ausser in bhujmdn- 
fruchtbar, öjmdn^ kraft. Die beiden dem skr. und abaktr. 
gemeinsamen worte haben übereinstimmend gutturale: töhman- 



^) Die der dritten sind davon sorglich zu scheiden, wie abaktr. ga<h 
"Zao-m ich erflehe = skr. juhömi ich rufe an lehrt. 

*) Nach Lindner s. 13 in den vedischen samhitäs nie, er hat aber 
yäcfid bitte TS., yäc^iyä- AV., welche in seinem buche fehlen , übersehen. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 71 

juoger balm, sdkman- verkehr = ab. taokhman-, hakknum-, 
ebenso skr. vdkman- anrufung, väkmyor preiswürdig, rukmA-, 
mruknumt- glänzend, Qagmd- hilfreich, gdkman- hilfe, rgmitk- 
preisend, rgmiya- preiswürdig, tigmdr scharf, yugmdnU parig, 
abaktr. vyOJdmum- Versammlung, hakhmch freund, lereghmyor 
erwünscht {bereja^ verlangen). In der conjugation dagegen, 
welche unursprünglichen nivellirungen viel mehr Spielraum bietet 
als die stammbildung, hat der RV. vor dem m von personal- 
endungen fast nur, die spätere spräche nur palatale; RV.; 
aüjmas, ytj^mdhe, ayujmahiy yuyujtna^ ImbhuJmdhSy mumucmdh^. 
Beachten wir jedoch, dass dem späteren vacmi im RV. noch 
vwakmi gegenübersteht, welches ganz der altbaklrischen regel 
von 1. pl. mokhema Yq. 34, 5 zu 1. sg. vavaca, yaökhmaide Yt 
4, 1 {für yaoghmaide, Justi yuj 4- fra) zu 1. sg. yaoja entspricht, 
dass SV. I, 5, 1, 2, 8 sogar sasrgmdM statt sasrjmdhedes gleichen 
Verses RV. Vni, 87, 7 erscheint, und dass im abaktr. die wurzel 
jam gehen, sobald durch vocalschwund der wurzelanlaut und 
-auslaut zusammentreten, stäts gh hat, jamyat : jaghmyäm, frOr 
-ghtnaf^), so drängt sich der schluss auf; dass auch hier wie 
überall in den palatal-verhältnissen das altbaktrische den ur- 
sprünglichen zustand bewahrt hat, dass die arische grundsprache 
keine palatalen vor m kannte. 

Das selbe gUt vor r. Stanmubildendes r hat in den veden 
wie im abaktr. ausnahmslos gutturale vor sich^): (ukrdr- hell, 
ab. oukkra-j ugrä- gewaltig, ab. ughror, dsakror nicht versiegend 
(vgl. d-sagcant')^ däcrc^ ') zusammenhaltend, vereinigt (sac, saca), 
vänkri-vippe, twAra- krumm, dnghri- fuss^), vigrä-(?J, akrd'(?J, 
ni-mtgror sich anschmiegend, abaktr. hikhra- flüssigkeit ßicjy 
tighrci- spitz, U-sfangra- zweifüssig. Vor r von personalendHngen 
stehen dagegen meist palatale: mumucr^^ anajrS, vivyrB, yt^r^f 



') Justi setzt im wörterbuche zwei wurzeln an jam und gam, ausser 
formen mit geschwundenem wurzelvocale erscheint g nur im part gata- 
und in gämc^ fuss, schritt, welche unten ihre erklärung finden werden. 

*) Lindner s. 15 führt pajrd- als ausnähme an, yon dessen j wissen 
wir aber nicht, ob es zu unserer zweiten oder dritten reihe gehört. Ge- 
bort es zur dritten, dann ist sein j ganz in der Ordnung, ygl. vc^jra- &= 
abaktr. vaxra-. 

*) BR. und Grassmann erklären es als ee -|- shar = kar + suff. o, 
aber kar mit ä hat weder im verbum noch in nominalbildungen ein 8, 

') Grammatiker führen auch ämkri- an, belegt ist nur dnghri'9 s. BR* 



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72 Joh. Schmidt, 

äyufßran, bubhujrire, duhre, duhrate, duduhrE, Hier haben wir 
die selbe Übertragung der palatalen wie vor m der personal- 
endungen. Der alte guttural ist erhalten in vavahre RV. VII, 
21, 3 sie tummelten sich^), auch dsrgram, dsrgran, dsasrgram 
(neben sasrjrirB); auf welche ich später zurück komme, zeugen 
dafür, dass vor r einst gutturale zu stehen hatten. 

Ebenso vor l : Quiddr. 

Vor vocalischem r, abaktr. ere, standen die palatalen der 
zweiten reihe ursprünglich ebenso wenig wie vor r, das lehrt 
der Wechsel von ved. ghfshur, ghfshvi- lustig und JidrshatS freut 
sich, (/Är-wrf- gluth und hdr-as gluth, grnäti und jdrcUe preist, 
abaktr. gerefUe sie preisen (aus ^^gerenefUe) und aibi-jaretar- lob- 
preiser, geremiti klagt und jareeya^ klagend, apers. ka/rtam, 
akunavam (= skr. krtdm, dkrnavam) und inf. cartanaiy machen, 
ved. krshti" und ca/rsharii-, welche unten noch ausführlicher 
behandelt werden. Das altbaktrische hat nirgends palatale 
zweiter reihe (c,j) vor erCy der RV. nur in zwei wurzeln: 1) im 
intensivstamme jarhrsh-, part. hrshitd- und hfshlvanir freuden- 
voll, deren h nach ausweis von ghrshu-, ghfshvi-, erst aus dem 
präsens hd/rshatE übertragen ist, 2) in ort knüpfen, von dem 
in der älteren spräche belegt sind präs. crtdti, part. vi-cftta-^ ger. 
crtya (ni^^pari-^pra-), a-vircrtydr "unauflöslich, vi-cr^ auflösung, 
sa/rn-cH Verbindung. Wie kdtor geflecht = xtigrog binsengeflecht, 
reuse, preuss. corto gehäge zeigt, hatte die wurzel auch im 
indischen ursprünglich nicht durchweg palatalen anlaut Vor 
r kann der palatal aber nur durch Übertragung von anders- 
woher gekommen sein. Unten wird sich mit rücksicht auf die 
vocalisation von sdavog, (Sfpsdavog^ axenavog, dtsyctvog^ axinavov, 
dQinbvoVj dgendv^, (Ste^dvfi^ nsQÖvfj u. a. ergeben, dass c in 
cartoMa- heftend oder subst. ntr. heftel, der einzigen belegten 
bildung, welche cart enthält, entstanden und von da aus in 
die formen mit r gedrungen sein kann, kfnidtti den faden 
drehen, spinnen, sich winden (2 kart BR.), welches nur eine 
andere präsensbildung derselben wurzel ist — ausser dem präs. 
finden sich noch die passivformen ut-krtyEta, ut-krtyEran, pari- 
krtydmanors; nur aus lexicographen belegt ist kartanor das 



^) BR. und Grassmann stellen hierfür eine eigene mit va^ic- gleich- 
bedeutende WZ. iak auf, von welcher sie auch vakra- krumm, vdkva-^ vakoan' 
rollend, sich tummelnd herleiten. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 73 

^ioneo — hat regelrecht Tc vor r. Im übrigen hat das sanskrit 
vor r keine palatalen zweiter reihe, sondern gutturale, auch 
wenn in den europäischen sprachen er, ir entspricht, z. b. 
brsknd' schwarz = preuss. hirsnan^ abulg. Srinü; kfmir wurm, 
abaktr. kerema = \\i^1c%rmis, abulg. crimX-nü roth, lat. vermis; 
grdhjfoii begehrt: abulg. ztidiK Das j von nachved. jfmbhats 
gähnt gehört also wahrscheinlich der dritten reihe an (i), nicht 
der zweiten, und verhält sich zu dem g von abulg. glq^oM u. s. w. 
(voc. n, 293), wie die f, ä (ih) von frw, gvdgurO', gmdgrvr hart, 
WZ. mih zu den h, g von lit. klaus^ti, abulg. svekrit, lit. amakrä 
kinn (Pott wzwrtb. I, 393 anm.), abulg. mitgla, lit. miglä. Dies 
ferhältniss wird später erörtert werden. 

Das ergebniss ist, dass die palatalen unserer zweiten reihe, ab- 
gesehen von ihrer Stellung vor a, nur vor i und y entstanden sind 
und in der arischen grundsprache, aus welcher sie datiren, vor 
keinem anderen laute stehen konnten. Sollte sich nun zeigen 
lassen, 1) dass gewisse a, denen in den europäischen sprachen 
e ent^richt, consequent palatale vor sich haben, d. h. wie i 
wirken, 2) dass andere a, denen in den europäischen sprachen 
a oder o entspricht, ebenso consequent intacte gutturale vor sich 
haben, d. h. wie u wirken, so wäre der beweis erbracht, dass 
die arische grundsprache, in welcher die palatalen der zweiten 
reihe entstanden, zwei verschiedene o-laute gehabt hat, welche 
als d und a von einander zu scheiden wären. Mit letzterer 
bezdchnnng soll keinesw^s gesagt sein, dass alle diese a gleich- 
ge&bt seien, a soll nur den gegensatz zu d ausdrücken, seine 
färbe im einzelnen genauer zu bestimmen bleibt weiterer forschung 
vorbehalten. Was von a gilt, wird dann auch von ai und au 
gelten, d. h. es werden auch di, ai und du, au bestanden haben. 
Und dieser nachweis, glaube ich, lässt sich führen. 

Guttural anlautende wurzeln redupliciren im sanskrit und 
altbaktrischen durch palatale, abgesehen von einigen gleich 
zu besprechenden intensivbildungen. Für das perfectum hat 
sich oben (s. 32) ergeben, dass in den arischen sprachen 
früher alle wurzeln a als reduplicationsvocal hatten, diesem a 
oitspricht griech. «, altlatein. e : memordi, peposci (umbr. pe- 
purkurent), pepugero, occecurrerU, spe^onderant Gell. VI, 9 ed. 
Hertz, Non. p. 140, umbr. dersicust, altir. e (Zeuss-Ebel gr. 448f., 
Slokes beitr. VII, 8 f.. Windisch ztschr. XXffl, 222), got. ai. 
Dass die Ursprache ebenfalls d hatte, folgt aus dem B von skr. 



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74 Joh. Schmidt, 

sedtis u. dergl. (s. 60). Der palatal z. b. von jagdra verschlang, 
erklärt sich also aus dem vocal von ßeßQcig, ßißQwtai, ßißgana, 
der von jagcmvdn aus ßsßawg. Die «^wurzeln erhielten ihren 
palatal, als der reduplicationsvocal ä sich ;ioch nicht dem u der 
Wurzelsilbe assimilirt hatte: *cäc^itvs, yoraus spater cucifuviS 
(neben cioyushe s. 33) ward. 

Reduplicirte praesentia finden sich in Europa nur von o- 
wurzeln. Im griechischen haben sie ausser iysiqm (jdgarmi) 
sämmtlich i als reduplicationsvocal (Gurtius verbum P, 156 f.; 
ovivfiiM ist nicht reduplicirt, s. o. s. 48 anm.)^ in den italischen 
sprachen ebenfalls ausser serTO, umbr. sestu sistito, tera deL 
Altir. sesaim ich stelle, leitet Schleicher comp.^ 776 aus *kisUmm 
her. Im germanischen ist keine präsensreduplication erhalten, 
im slawischen und litauischen nur je eine zu berücksichtigende, 
ab. dezdq, lit. dedU (die vocale von ab. dasM, lit. dUst kommen 
hier nicht in betracht s. s. 61). In den arischen sprachen er- 
scheint theils a, theils iy und zwar letzteres häufiger. Delbrück 
verb. 105 sagt: »Man wurde sich vergeblich bemühen zu ermitteln, 
warum in den asiatischen sprachen das eine mal % das andere 
mal a steht. Wir sehen in ihnen eine bewegung im b^finn, 
die im griechischen vollendet ist.« Erwägen wir aber/dass im 
griechischen vor einfachem inlautendem consonanten, wenn nicht 
j oder » folgt, kein vocal der fl^reihe zu » wird (s. 48), und 
dass in den iranischen sprachen dieser Übergang nur in ab. 
pUa, apers. pita vater vorliegt, sonst aber a bewahrt ist, 
wo das skr. es zu i wandelte (s. 2), dann werden wir zu dem 
Schlüsse gedrängt, dass die Ursprache bei allen o-wurzeba i als 
reduplicationsvocal hatte, die abweichungen aber durch ein- 
Wirkung der perfectreduplication entstanden smd. So begreift 
sich ihre regellosigkeit in den arischen sprachen und das ebenso 
regellose auftreten des e in Europa. Es giebt nur eine einzige 
Wurzel, welche in mehr als einer spräche bloss e (a) hat: 
iysiQmj jägarmi, noch dazu nicht genau übereinstimmend, ausser- 
dem noch skr. jdhami lasse {ha 2 BR.), abaktr. maami unter 
der unwahrscheinlichen Voraussetzung, dass skr. jihits springt 
auf {ha 1 BR.) nicht ursprünglich das zugehörige medium ist; 
in Europa fehlt die entsprechende präsensbildung. Dagegen 
haben mehrere übereinstimmend i: skr. sishaUi ($ae), abaktr. 
a hishakhti; piparti, nifAnXiia$; jigOti, ßißag; s^daii, lat. ^dU, 
Kb$; pibati^ bibit. Bei anderen zieht sich das i ebenfalls über- 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 75 

einstimmend durch mehrere sprachen, es schneit aber bald hier 
bald da ein e (a) dazwischen: tishthati, ab. histaiti, apers. 
mstaia, lts%iiai, sistit, aber umbr. sestu; didcofAi, osk. dided, 
umbr. dirsa, aber altumbr. tera, skr. dddati, abaktr. dadhaiti, 
apers. dctdatuv; abaktr. stzanafUi, gignunt, yl/poptat^ aber skr. 
jajdnH; %£&fffii, aber abulg. deidq, lit. dedü, skr. dddhati, abaktr. 
dadhaUi, apers. adada; skr. jighnatB, aber abaktr. ni-jaghnenti. 
Da keine einzige wurzel, welche zugleich in mehr als zwei 
europäischen und arischen sprachen reduplicirt vorkommt, aus- 
schliesslich e (a) und keine spräche, welche mehrere reduplicirte 
praesentia besitzt, in diesen consequent e (a) hat, die annähme eines 
wandeis von e (a) zu i im sonderleben des griechischen und 
der iranischen sprachen überdies nicht möglich, die einer über* 
tragung des i aus der reduplicationssilbe von i-wurzeln bei dem 
mangel reduplicirter i-wurzeln im griechischen äusserst unwahr^ 
scheinlich ist, so bleibt nur der oben gewiesene ausweg. Uebrigens 
war der aus der perfectreduplication an die stelle von % tretende 
vocal e, auch in den arischen sprachen ä, wie dehi und dihBhi 
(s. 61) lehren. Durch i und ä sind also die palatalen der 
a-wurzeln gerechtfertigt: jig(Üi (ß^ßäg)^ jdgarti (i/£»^co), jighnaU, 
jigkratE. Auf jdrguräna-, jcdgulas (intens, von gar verschlingen): 
ß^ßQÜaxm sei hier noch verwiesen; sie decken sich natürlich 
nicht Bei i-wurzeln war der palatal ebenso gerechtfertigt: 
cOcedU {d wahrnehmen), abaktr. dkayat er büsse. RedupUcirte 
praesentia von u-wurzeln mit palatalen unserer zweiten reihe 
kommod weder im sanskrit noch im Avesta vor, 

RedupUcirte aoriste finden sich ausser den arischen sprachen 
nur im griechischen, und hier haben alle consonantisch anlau^ 
tenden wurzeln gleichmässig s als reduplicationsvocal (s. Gurtius 
verb. n, 25 f.). Eine form wie dcukrudhai (der einzige redupli- 
cirte tf-aorist im RV.) erklärt sich demnach als assimilation von 
*cShruäh vne eiAcyuvi, cicyusM aus "^cäcyair (s. 33); *dcäkmdhdt 
war gebildet wie xsxvd'wa&, nanvx^mvzai ^ tstvxovro. Die 
o^wurzebi haben theils a, theils i oder vor einfachem consonanten 
l (s. Delbrück verb. 109 f.). Das einzige im griechischen und 
sanskrit übereinstimmende dvöcam aus "^a-va^oa-m c= iemw 
aus ^i'ßS'fn^o^ spricht für die Priorität des a. Dass dies a 
ans ä entstanden ist, lehrt dnegam aus *dnnd''nQ^'^ (s. 61). 
Formen wie cakramanta, acakrat {kar machen), welche mit BR. 
und Grassmann als aoriste zu betrachten sind (s. o. s. 61 unter 



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76 Job. Schmidt, 

dnSgam), haben demnach den älteren typus bewahrt. Dagegen 
solche wie ddkradat, aclkrsham, ajtgar (weckte) haben ihr i 
unter einwirkung der mit i reduplicirten praesentia erhalten. 
In beiden typen sind die palatalen durch die qualität des fol- 
genden vocals gerechtfertigt. 

Von sonstigen reduplicirten bildungen nenne ich cahrd- rad, 
dessen palatal durch urgerm. ^hvehvlar-, ags. hvecM, hveogui, 
hveovol^ hveöl, an. hvel, hi6l^ afris. /JoZ (Fick III, 94) erklärt wird. 

Wo in reduplicationssilben gutturale vor a erscheinen, haben 
die europäischen sprachen a oder o, nicht e, und deren klang- 
färbe begründet die erhaltung der gutturalen in folgenden aus 
Ficks Sprachschatz der Ursprache entnommenen fallen: skr. 
Tcökshor achselgrube, ab. hasha- achsel, lat. coacay mhd. hahse knie- 
bug an den hinterbeinen der pferde; kakuä, gipfel, cacümen; 
hdkhoM lacht (unbelegt), xa^xa^co, cachinnarij ahd. %ua& irrisio, 
cachinnus, cavillatio; harkari-, &arÄ:ar^ musikalisches Instrument, 
laute, russ. köloJcölü, lit. känJeälas glocke (wegen n = l s. voc II, 
228). Unter den verbalformen weichen einige vedische intensiva 
vom sonstigen reduplicationsgesetz ab: Mn-krHit (part, kar 
machen), kdnihranti (krand), ganigantif gdnigmat (gam), nv-^cU^ 
galiti verschluckt (gar) neben jalgulas, jdrguratich, kdniskkan 
neben canishkadat (skand)^ ghdnighnat neben jdnghanat (han), 
kartkrshydtS von Pän. VII, 4, 64 als vedisch angeführt (belegt 
ist nur cdrkrshcU, 2 karsh)^ nachvedisch kö-küryixte schreit 
(s. Benfey vollst, gr. § 167 mit bem. 1). Berücksichtigen wir, 
dass im griechischen dergleichen bildungen meist andere vocale 
in der reduplicationssilbe haben als die praesentia dritter classe 
und die perfecta, z. b. fLOQfAvgw, noqtpvQw, gMXQfjbaiQW, nayktpaivm^ 
ßaftßaivfa, SXolv^w, na$ndXXtit>, no$nvvm, nonfViSiSm^ (jkO$fivXi4», 
xotxvlXa u. s. w. (Bopp vgl. gr.* § 753 f.; Schleicher comp.* 
758; Curtius verb. P, 307 f. 312. 315. 321. 329), dann wird 
die annähme geboten sein, dass die genannten intensivbildungen 
einen anderen reduplicationsvocal als die praesentia und perfecta, 
d. h. nicht d sondern a gehabt haben. Wahrscheinlich hatten 
ursprünglich alle intensiva gutturalreduplication, und die eui- 
führung der palatalen geschah unter dem einflusse der redupli- 
cirten praesentia dritter classe. 

Durch europäisches e erklären sich die palatalen von ca, 
catvdras^ pdfka, jathdra- {venter, got. laus-qiprs oder käpd 
Brugman stud. IX, 271?);* carormdn der letzte, äusserste: %^Ib 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 77 

mit gemeingriechischem 17, wie aeol, fr^Xv& (Ahrens I, 41) zeigt; 
edroH = nils&y Wircarati geht auf (sonne): äva-tiXXst (s. u.); 
parjdnjfO' regenwolke, regengott aus *parcanyar :an. Fiorgynn, 
g«[L Fiorgvins^ lit. Perkunas (Grassmann wtb., Zimmer ztschr. 
f. dtsches alt. n. f. VII, 164 flf.), das litauische und germanische 
wort setzen eine grundform ^Perhvenas voraus, auf welche auch 
das von Grimm myth.* 156 herbeigezogene mordwin. Porgmni 
weist Lit ü ist durch samprasErana entstanden wie in düsatUi 
seo&en {(U~si-dvesti aufathmen, dvdse hauch), lett. küpä rauchen 
(kwSpimU räuchern, Bielenstein lett. spr. I, 138) u. a., im ger- 
manischen bezeugen den gleichen Vorgang got niun, saurga 
(ahd. swarga Otfr. 11, 4, 81), suts (ags. svSte, Isid. suuoisssera 
dulcius) was ich wegen Zimmer, der ihn s. 166 anm. bezweifelt, 
bemerke ; in dat^, fidwr-, berusjös ist die zusammenziehung vor- 
germanisch. 

Durch das erscheinen anderer vocale als e in den euro- 
paischen sprachen rechtfertigen sich die gutturalen in den 
folgenden meist Ficks Zusammenstellungen entnommenen worten. 
las, got hvas etc.; kam, abulg. kü (W. Miller beitr. VHI, 105 f.), 
doch x^, dc^r. xa; kanyd, xaivog; kanda- knolle, geschwulst, 
xovdoqy novdvXoq gelenkkopf, geschwulst; kapand raupe, xcifini^, 
lett. kape; abaktr. kamara gewölbe, gürtel, xafiaQa (entlehnt?), 
lat cämUrus gekrümmt; karu- lobsänger, dor. xaQv^; käravc^, 
corvus; kald^a- gefaes, xäXv^ (xvh^); kala- schwarz, dor. xöJU^ 
(Ahrens 11, 140), caUgo, abulg. kalU lutum; ktUva-kahl^ khcdati- 
kahlköpfig, cdlvus, mit erweichtem anlaute abulg. g(M, ahd. 
chdlo; kalyar gesund, bereit, xal6q, ^oLhaüs) abulg. cüü, 
preuss. kaüüstiskan gesundheit; karkd-, karkcUa- krebs, siciL 
xaQxcu' xagxivo$ Hesych; kdta- geflecht, xvqtoq binsengeflecht, 
reuse (vielleicht auch xdXa&og), preuss. corto gehäge (voc. II, 222); 
kaUir scharf von geschmack, lit. kartüs (got hardtts); kds-(xte 
hostet, lit. kdsi/u huste, ab. koMPl, ags. kvösta, ahd. Jiuosfo der 
hosten; skdndati springt, scandit; khddoH zerbeisst, isst, lit 
lAndu beisse, ab. kqsü aus *k€idsü O^ustum, kqsoH mordere; 
lAarvd' verstummelt, xoXog^ xoXoßog^ xoXovco, in-cölu-mis; khaüja- 
hinkend, an. skakkr verrenkt, schief; dr^Ort, Ißd; gard- ver- 
schlingend, ßogög, -vorus} giri-, abaktr. gairi-, ab. gara lit. 
gire (das i weist auf eine frühere betonung *gire, bei welcher 
tr intieftonigster silbe entstand) ; guru-, jfrfr-fyaws-, abaktr. gaurti-, 
ßaqvg, gravis (*gan*4-$), got. kaurjös n. pl. f.; gdrbha-, ahd, 

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78 Job. Schmidt, 

chalp, got. kalbö; gharmä- gluth, abaktr. garetna- heiss, fannus, 
preuss, gorme hitze, got. varms (abweichend d^sQfivc), 

Dass auch in ski\ ö und E je zwei diphthonge nach ihren 
Wirkungen auf vorhergehende gutturale zu scheiden sind, wird 
sich gleich zeigen. Ich erwähne hier nur einerseits (Matni = 
ahd. sdum, andererseits gfö-, ßovq^ hos, air. hö, ahd. chuo, ab, 
gov-^, lett. guws; hisara-, kegara- haar, cctesaries. 

Bei allen bisher genannten haben wir in den arischen 
sprachen unveränderliche gutturale oder palatale, es wäre also 
immer noch möglich, das zusammentrefifen von europ, ke mit 
ar. ca und europ. ka, ko mit ar. ka dem zufalle zuzuschreiben. 
Unmöglich wird dies aber, w^enn wir sehen^ dass eine und die 
selbe Wurzel in verschiedenen formen zwischen guttural und 
palatal wechselt und dass dieser Wechsel mit verschiedener 
vocalisation in den europäischen sprachen zusammentrifft. 

Skr. cdy-orte 1) verabscheuen, 2) rächen, strafen, sich 
rächen, cdy-a-ü besorgniss hegen vor, mit a^ und ni ehren 
(BR. 3. 4, d) entsprechen genau dem arkad. w*« (belegt ist 
dnvtBiitcüy vgl. voc. I, 142), ebenso genau decken sich abaktr. 
kas-na f. strafe und noivti, poena (Bugge ztschr^XIK, 406). 
Der begriffliche Zusammenhang von notp^ und tsim liegt klar 
zu tage in Verbindungen wie änsricato noivi^v Od. tfß 312, 
noivriv ziaovxsq Herodot III, 14. Das selbe wort erscheint auch 
im slawischen als cä-^a preis. Das kyprische nsUiBi, (stud. 
VII, 252) wird später erklärt werden. Wir haben also arisch 
o&ir = w*- und kai- ==? noi^. 

ceiHi4i bedeutet im RV. 1) wahrnehmen, beobachten, 
2) erscheinen, sich zeigen, dazu ketil' m. lichterscheinung, 
helle, 3) erscheinung, gestalt, 4) erkennungszeichen, 5) hervor- 
ragende erscheinung, anfährer = got. haidus m. vQonog^ art, 
weise, an. heiär ehre (i-st. Wimmer gramm. § 47 anm.), ahd. 
heit rang, stand (Fick P, 35). pra-ketd-s erscheinung, Wahr- 
nehmung, einsieht, kenner, abaktr. diM-oB-kuSta- weithin be- 
merklich = an. heiä ntr. heiterkeit des himmels. Zwischen keiä-, 
kdetor = heiä und dem skr. präsens ceta-ti besteht das selbe 
verhältniss wie zwischen got. snaivs, abulg. sn^g^ und ahd. 
sntm-t, vBiq^si oder got. laiba Überbleibsel und ahd. hi-libany 
lomog und Xsinw, äfioißog und dfAsißfa, doidog und dsidm, 
atfiaTo-lo$x6g und Xsix^ u. a. Also arisch cdiiä-ti : kaä^-, 
kait-i'. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 79 

Skr. kSta-s verlangen, absieht, aufforderung, einladung = 
preoss. quaU-s, acc. quaüa^ wille (Fick V 34 f.) ist mit den 
Torber genannten wurzelverwandt, wird hier nur deshalb von 
ihnen getrennt, weil in der bedeutung »bedacht sein auf, be- 
absichtigen« der RV. nicht cetaU, sondern dk^tati braucht, 
dessen k später erklärt werden wird, oe/tf- absieht führt also 
auf cAUur- zurück. 

gdig-^arS hausstand, bewegliches und unbewegliches vermögen 
mjdy'€hii gewinnen, erbeuten. Dabei ist wichtig, dass^oya-^ 
sieg, gewinn dem RV. noch fremd ist und erst im AV. und 
^L Br. auftaucht, offenbar durch spätere ausgleichung, der 
RV. kennt jayd- nur am Schlüsse von compositen in der be- 
deutung »ersiegend, gewinnend«. Derartige nomina agentis 
lehnen sich, wie diese Untersuchung noch an mehreren stellen 
zeigen wird, an die form des verbum finitum. Wie in dem 
compositum dhanam-jatfä- beute gewinnend der accusativ des 
ersten gliedes nur aus der verbalconstruction dhdnam jayaU, 
so ist das j des zweiten gliedes ebenfalls nur aus dem verbal- 
stamme jaya- zu erklären. Das gleiche gilt von dem verbal 
construirten abaktr. jaya- eroberung, gewinn, jayai dnvaf 
iuUlnem Vd. XVni, 12 begierig die seele zu gewinnen. Das g 
von gdyorS aber wird gerechtfertigt durch den vocal des genau 
entsprechenden cech. hqj fülle, reichthum,abulg.(jfoi-nö abundans, 
aserb.jcypax, nserb.jfoj gaudium,(jfQ;iW pflegen, aufziehen, mästen. 
A\sojd!fd4i : gayors. Hierher oder zum folgenden gehört abaktr. 
goBfha weit, irdischer besitz, gut, bürde, apers. gaitha, welches 
Spiegel keilinschr. 84. 194 durch »besitzthum, herde« übersetzt. 

Abaktr. gaych m. leben, aibt-gaya" über das leben wachend, 
apthgayor Zerstörung des lebens, wz.ji leben, jt-ti- leben, yatHte-ji- 
immer lebend, der präsensstamm ja/ya- in Verbindung mit urvat 
bedeutet nach Justi »das leben stärken«. Also gaya-s : jdyärti. 

Von ci schichten, sammeln, wird mittels suff. a nach Pän. 
HI, 3,41.42 hayör gebildet in der bedeutung »wohnung, schich- 
hmg, körper, aufhäufung, menge, falls es in dieser nicht drunter 
und dniber geht«, kayä- körper, menge, nirkäyd- gruppe, menge, 
Wohnort (aber süka/rcHfikaya- schweineherde, weil es in ihr 
drunter und drüber geht), akayd- Scheiterhaufen (bei BR. nur 
noch aus Vüp. belegt) , sonst caya- und caya- : cdya- aufge- 
schichtetes holz, erdaufwurf, agm^xif^a- brennender Scheiter- 
haufen, pra^-cayti- das einsammeln, menge, ninxiya- anhäufimg, 



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80 Job. Schmidt, 

menge, sam-^ic-caya' das gesammte, pushpa^a-caya' das blumen- 
pflücken, wenn es mit der band und dadurch kein dlebstahl 
geschieht (ausser schol. Pän. III, 3, 40 nicht belegt). Entweder 
ist die bildung mit Tc die ältere, und das c erst von anderen 
wurzelverwandten Worten eingedrungen, oder beide hatten ui> 
sprunglich verschieden gefärbte vocale. Ersteres ist das wahr- 
scheinlichere. Im RV. kommt keine von beiden vor. 

Abaktr. p-kc^sha- das herkommen, adj. dem herkommen 
treu, WZ. cish geben, verkändigen, 1. sg. imperf. cöishem, 3. du. 
frcHsaSshaStem. Fick I*, 35 vergleicht p-kaesha- mit abulg. ^&it, 
6as(l stunde, zeit (unmöglich wegen ^), lat. axeri^mania. Das 
verhältniss von arena-tca^Tia- die schuld bezahlend ^) zu fkaesha- 
erklärt sich wie das von skr. dhanafnrjayör zu gdyär. 

Skr. ghan-d- zermalmer, keule, adj. fest, dicht (eigentl. 
zusammengeschlagen), vi^ghand- keule, dnhghand' holzkeule, keil, 
ghana^ghand- streitlustig, abaktr. ghana- tötend, verhalten sich zu 
K6n4if abaktr. jaivUi wie abulg. ijs-gon^i expulsio, 6ech. hon 
jagd, lauf, zu ab. genq und wie griech. g)6vog zu &€ivm (s. u.); 
sämmtlich von derselben wurzel. Das im MBh. am Schlüsse 
von compositen erscheinende -hana- schlagend, tötend = abaktr. 
Jana- steht auf gleicher linie wie skr. -jaya-, abaktr. -icaisha- 
oder ist aus dem alten -Äaw- (DTtra-hän^ = abaktr. verethra-jan^) 
durch anfugung von a entstanden. 

Skr. hdras gluth verhält sich zu gha/rmä- gluth, abaktr. 
garema- heiss genau wie &iQoq zu lat. famvus, preuss. gortne hitie, 
got. varms. d^sQfiog hat den vocal von d^igog unursprung- 
lich übernommen, wie die Übereinstimmung der übrigen spra- 
chen lehrt. 

Jetzt sind wir in der läge nachzuweisen, wie die von BR. 
als verwandt anerkannten. wurzeln 3 jar knistern, rauschen, 
rufen, anrufen und 1 gar anrufen, preisen in Wirklichkeit nur 
eine sind, deren formen je nach der qualität des wurzelvocals 
verschiedenen anlaut gewonnen haben. Mit j erscheinen im 
skr. nur präs. järate und jaritdr- sänger = .abaktr. aibi- 
'jaretar' lobpreiser, aibi-jareta lobpreisung. In jdrais recht- 
fertigt sich das j durch den vocal von ahd. quirit ingemit (perf. 



*) Justi theilt aretMt-calBsha't arenaJt kommt aber sonst nicht vor; areML- 
ist skr. fnd" schuld, welches auch Justi vergleicht are gegenüber skr. 
f findet sich mehrfach» s. Spiegel gr. s. 19 f. 



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Zwei arische a-laute und die palataleQ. 81 

guar ingemuit Graff IV, 679), vgl. auch ly:. gir-iü rühme (Pott 
e. t II, 3, s. 22& 258, Gurtius g. e. no. 133, Fick P, 72); 
abujp. zirq, eriti opfern, als opfer schlachten, welches Pott und 
Miklosich ebenfalls zu unserer wurzel ziehen, müsste starke be- 
deutungsveränderung erlitten haben, jaritdr- wird einst vocali- 
sirt gewesen sein wie ifsvizs^qa. Das nomen actionis ahhi^ardr 
loblied VS. = abaktr. garor- in garöibts gtijfiäm Y?. 34, 2 hat 
regelrecht gutturalen anlaut wie httor, gdya-, kayd-, ghand-. 
Ausserdem erscheint g nur noch im praes. grndm, in gir an- 
rufung und sa/hrgvraie zusagen, versprechen. Vor r ist g ge- 
rechtfertigt (s. 72). Mit der 3. pl. grnats deckt sich abaktr. 
gerenis sie preisen Vsp. 5, 3. Y?. 69, 2 aus *gerenefits wie 3. pl. 
imperf. fraorevUa, verefUaYq. 56, 10, 3. Yt. 10, 92 aus *fraoreneüta, 
*vermefUa (von zwei aufeinander folgenden gleichen silben wird 
vielfach die eine unterdrückt, vgl. maidhyairya- aus maidhya" 
yairya u. a. bei Spiegel gr. § 82, Justi § HO). Skr. gir- ist 
ursprünglich nur stamm der schwachen casus wie nig- nacht, 
dessen zugehörigen nominativ Brugman in ndk RV. VII, 71, 1 
erkannt hat. Ebenso verhält sich a-gis gebet zu gas gebot, 
beide Stammformen werden neben einander durchflectirt (instr. 
gosd, nom. agts), erklären sich aber nur durch auflösung einer 
alten flexion gas, acc. gdsam, gen. *gishds u. s. w. entsprechend 
der conjugation gdstni, gishmds. Der alte stamm der starken 
casus zu gir wird also einst *gar oder *gar gelautet und g 
wegen eines nicht aus ä entstandenen a gehabt haben. Das in 
tieflonigster silbe aus diesem a später entstandene i afficirte 
den guttural nicht mehr (vgl. s. 68). Zu der präsensbildung 
san-giratS, meinen BR., möge das nomen gir- mit veranlassung 
gegeben haben. Vielleicht darf man noch einen schritt weiter 
gehen und, da diese präsensbildung weder behn einfachen 
verbum noch in Verbindung mit anderen präpositionen erscheint, 
annehmen, dass sangirats »zusagen« ursprünglich geradezu deno- 
minativum von ved. sangir- »zusage, versprechen« ist. Ob mit 
Pott und Fick abaktr. garö, stamm ga/ranhr ehrerbietung, dem 
grie<ji. rh^^ gleichzusetzen und zu unserer wurzel zu ziehen 
sei, ist fraglich. Die bedeutung von tiqaq lässt sich schwer 
aas unserer wurzel erklären, denn yiQag ist bei Homer überall 
eine ehren gäbe, garö kann abstractum zu gauru-, skr. guni- 
sein wie fralhcmhr zu perethu- und entspricht dann gricch. ßaQog; 

ZdtH^rUl mr ▼•rfl. Spraehf. N. F. V. 1. 6 

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82 Job. Schmidt, 

wegen der bedeutung vgl. skr. gttrü- ehrwürdig, garimdn^ ehren- 
volle Stellung. • 

Dem Verhältnisse von abaktr. fra-gkeniba- pfeiler zu fra^ 
gdübana- balken, steg über ein wasser, lässt sich das von gel. 
vraks : vrikan, dragk potus : drigkan, ga-prask tenne : priekan, 
griech. oxog halter läfin-sxovt^^ noQoq Öffnung : tt^^o vty vergleicheiL 

Hiernach werden wir die gutturalen in den perfecten d-kdy-a 
(2 ci wahrnehmen)* ci-ket-a (4 dt wahrnehmen), jirgdy-a {ji, 
jdff-chti siegen), ja-ghdn-a (han schlagen), nachved. ji-^hdy-a 
(1. hi in bewegung setzen) Pän. VII, 3, 56, prajighaya Ragh. 
12, 84 BR. und dem intensivum jdnrgahe zappelt (jamh, vgl 
tan-ktsaithe von ta/ms) nicht mehr mit Ascoli corsi 111, 103 
und Delbrück verb. 103 als aus palatalen dissimilirt betrachten 
dürfen. Delbrück bemerkt mit recht, dass die spräche an der 
aufeinanderfolge zweier durch einen vocal getrennter palatalen 
sonst keinen anstoss nimmt, vgl. die vedischen promina cacard-, 
cdrcard-, dcdkd-. Auch hier liegt der grund in den vocalen, 
cetati : cikeia , jdyatiijigdya, hdyanta part. nom. du. RV, I, 
116, 18 : jighdya finden ihre erklärung in dem verhältniss von 
Xsi7ie$ : XiXoine, got. *bi'leibip : büaif und die 1. sg. jaghdna 
liegt in air. ad-ro-gegon-sa repupugi, die 3. jaghdna in geguin 
vulneravit (Zeuss. gramm.' 448) aus ^ge-gon-i leibhaftig vor, 
3. pl. gegnatar (a.a.O. 450) wie skr. jaghnüs (ab, jaghnvoo, avor- 
'jaghnat), fut. redupl. gegna I will slay, fear doda-gena vir qui 
te vulnerabit (Stokes beitr. VII, 17, 18), gignither vulnerabitur 
(Zeuss ^ 475) wie skr. praes. jighnate^). Die vocale von air. 
gegan, geguin erklären die consonanten von jaghdna, also praes. 
jhdn-ti (hdn-ti, abaktr. jam^i^ ; pevtjäghana= xkimta : xixXofpa^ 
got. hiifa : hlaf. Wegen jdngahe sei auf air. cechaing ivit (Zeuss* 
449, Stokes beitr. VII, 12), ahd. genc, gianc verwiesen. Das 
altbaktrische hat denselben Wechsel in praes. cöühaühe : perf. 
dköitares^ wz. dt denken, verkünden; dkayat er soll büssen, 
dka&n sie sollen büssen, conj. perf. wz. d (Justi erklärt sie als 
conj. imperf., das zugehörige praes. ist aber skr. cdycU^ straft, 
rächt sich), vgl. ka^a = no^v^; jighaesa lebe'), Vend. 18, 61, 
Yq. 61, 29 aus *jigayasa wie dkaen aus *dkayen, -yan lionj. 

^) Die vocalisation der irischen perfecta hat zuletzt behandelt Windisch 
ztscbr. XXm, 235 f. 

*) Justi setzt allein für jighaesa eine wurzel gi an, von welcher es 
eine 2. sg. opt. med. sein soll, das tempus giebt er nicht an. BCir ist 
daraus nicht ersichtlich, wie Justi die form lautlich erklärt. # 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 83 

peit von WZ. ji leben, vgl. gayor das leben. In den vor- 
stehenden formen haben wir also sehr alterthümliche reste 
einer bei allen übrigen wurzeln verwischten indogermanischen 
regel. Auch bei den genannten ist sie nicht mehr rein erhalten. 
Trotz der im ganzen hohen alterthümlichkeit der indischen 
perfectbildung zeigt sich schon im RV. vereinzelt eine unifor- 
mirung der ursprünglich geschiedenen »starken« und »schwachen« 
formen. Nasalirte wurzeln müssen ihren nasal vor betonter 
endong ursprünglich verlieren: tastdmbha, tastcAhüs, ai^nv^f 
onoQiis u. & w., aber in vavanda, vavandirt, mamanda, momamr 
ärnda sehen wir die starke form an stelle der schwachen dringen. 
Aehnlich wird der bei unseren von »-wurzeln gebildeten per- 
fecten nur im sing. act. gerechtfertigte guttural in die schwachen 
formen übertragen : cikyüs, cikyakts, ciküus, ciküe, ciküre, dkitrir^, 
cikitüdfiy jigyathus, jigyus, jigye (s. Grassm. wtb.), prajighyatu 
AiL Br. 8, 28 (BR.). Hier ist der guttural vor i, y gednmgen 
wie in dräghishthor u. a. s. 66. Das altbaktrische, welches in 
drüj^istor und den anderen oben besprochenen formen den 
älteren palatal bewahrt hat, kommt uns auch hier zu hilfe, 
indem es dem skr. cikitüdn sein regelrechtes dcithwäo Vd. 18, 
135 (dagegen dkühwOo 18, 134. 136) und avacicUhusUm Vd. 
18, 134. 136 gegenüber stellt. In den schwachen formen zu 
jaghdna war der guttural wegen des folgenden n von anfang 
an gerechtfertigt, jaghndthus RV. Nachdem so der guttural 
im ganzen perfect fuss gefasst hatte, wucherte er weiter in alle 
die formen, welche mit dem perfect die reduplication gemein 
haben (vgl. Pän. VIII, 3, 55 — 58), so entstanden praes. dkeshi, 
dkUam 3. %. imperat. med., äciket (gegen äcSt, dcidhvam)^ part 
eikyat, des. dkishate; praes. ciketaH (gegen citaH), cikiddhi, 
dkUand-, aor. caus. adkitai, des. dküsamas, intens. 3. sg. ctkü^ 
und die nominalstamme dkit^ dkitü, dkitvdn, dkitvü, dküsti, 
äkitsa; desid. jigtshase, jiglshamäfM-, die nominalstämme jigyü, 
jifisku, jigishä, sämmtlich vedisch, intens. jegmfaU nach schol. 
ftn. Vin, 3, 57; desid. jighlshati, intens, jeghlyate, aber aor. 
caus. qjihayat sämmtlich nur bei grammatikem belegt; desid. 
jighäff^sati, intens, janghanti (neben part. ghdnighnat s. 76), adj. 
jighoMi sämmtlich vedisch. Die altbaktrischen desiderativformen 
jfjiskeMt »sie wünschen (uns) das leben zu erhalten« (Justi l.ji) 
gegenüber perf. jigha&sa und jijishanuha »suche dich zu be- 
freunden« (Justi 3 ji) haben wiederum den palatal bewahrt. 

6* 



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g4 Joh. Schmidt, 

Die Wurzel 1. ci schichten, sammeln bildet nach Pän, VII, 
3, 58 das perf. sowohl dkaya als cicäya, das desid. cUo^mH 
und dc^shatij intens, ce&lyate (schol. a.a.O.). Aus der litteratur 
belegen BR. folgende formen sam-cikaya Ragh. 19, 2, dkifus 
AV. X, 2, 4, dkyandr TS. V, 7, 4, 1, cikivOff^sam Kathakam 
A. Weber ind. stud. lU, 472, ved. eikayam aJcar angeführt von 
Pän. III, 1, 42, cikishamahe gat. Er. IX, 5, 1, 64, Katy. ^r. 
XVI, 1, 5; formen mit doppeltem c führen sie nur aus dem 
kunstepos Bhattikävyam an: a-cicaya XIV, 46, iMxkyirE var. 
lect. zu ucdkyire III, 38, caus. vom desid. ci^Uilmyantas , auch 
dies grammatische kunstproduct hat noch mit h adkyats XTV, 
47. Hiemach sind die formen mit cik- als die älteren zu be- 
trachten, cicäya erhielt sein zweites c in der zeit, als der Wechsel 
von guttural und palatal in derselben wurzel nicht mehr als 
berechtigt empfunden und daher ausgeglichen ward. 

Ist das bisher entwickelte richtig, dann werden wir auf 
grund der europäischen vocalisation schliessen müssen, dass 
die arische grundsprache in keinem einzigen ablautenden perf. 
sing. act. als wurzelanlaut einen palatalen unserer zweiten reihe 
hatte. Der historische bestand ist dieser annähme durchaus 
günstig, denn das altbaktrische hat keinen einzigen sing. perf. 
act. mit c-c oder j-j, der RV. nur cct-cchanda erschien und 
cacdksha blickte, welches, da der präsensstamm eak^-, cdkshor 
schon eine reduplication enthält, vermuthlich gar nicht zu den 
ablautenden perfecten gehört^). Die spätere spräche behält 
ausser den eben behandelten bei allen wurzeln, die ausserhalb 
des perfects palatalen wurzelanlaut haben, diesen auch im 
perfect bei : ue-cacata verschwand (edtati), cacdrta heftete zu- 
sammen (crtdti, vgl. s. 72), cacama schlürfte (cdtnaU), cacara 
gieng (cdrcM), cacöla wankte (cdUxti), cacchärda begoss (chrndtti), 
cicchsda spaltete (chindtH), jajdlpa redete (jdlpati), jaharsha 
freute sich ßrshyat^), für welches ved. ghrshu-, ghrshvi- lustig 
die zweite palatalreihe sichern^), vgl. s. 72. jc^dkshus sie assen 
Bhatt. steht auf gleicher linie mit ccuidksha, da das präs. 
jakshüi schon reduplicirt ist (ghas). Bei allen diesen und ähn- 

*) Nicht in die zweite reihe gehören jajäsa AV. V, 13, 1 (jdsati er- 
schöpft sein, ahaktr. gah), juhäva (hü rufen, abaktr. zu), jujösha (jush, 
abaktr. ziuh), jüjuvua (jü vorwärts drängen, abaktr. zu). 

*) Ob jajäpa flüsterte (jdpati), jahäsa lachte (hasati) der zweiten oder 
dritten reihe angehören, lässt sich nicht bestimmen. 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. g5 

licheo hat der ausserperfectische palatal den perfectischen guttural 
Terdrängt^ ganz wie in niysvya, titsv^a, xixsvi^a das präsen- 
tische SV den alten perfectdiphthong ov = german. au (aiXijlov&a) 
oder in liXeya (iÜQiixa Hesych) s das alte o = germ. a {UXoyag- 
ii^ipeag Hesych). 

Umgekehrt haben andere wurzeln den arischen palatal des 
präsens und ihm gleich vocalisirter formen durch den im per- 
fecl mid nominalbildungen begründeten guttural ersetzt, z. b. 
in gard-8 trank = ßoQci, -gara-s verschlingend = 'ßoQo-g, -^oru^s 
und dem perf. jagdra (vgl. ßißQ(OTa$ aus *ßißoQtai) ist g berech- 
tigt, nicht aber im praes. girdti, gildti = abulg. MreU verschlingt 
(Tgl. auch lit geriü ich trinke) und in gcUcb-s kehle = ahd. 
ekda (das u von lat. gtda wird trübung von e durch vorher- 
gfehendes v und folgendes l sein; *gvela)^ von welchen daher 
anzunehmen ist, dass sie durch uniformirung des wurzelanlauts 
an stelle von *jirati, *jala- getreten sind. Was für diesen fall 
im emzebien nicht weiter beweisbar ist, lässt sich für die wur- 
zeln gam, gad, garh, gambh, kar, karsh, welche im sanskrit unver- 
änderlichen guttural in allen verbalformen haben, zu höchster 
Wahrscheinlichkeit erheben. Die wesentlichsten dienste hierfür 
leistet wieder das altbaktrische. Da anerkanntermassen die 
palatalen in der arischen grundsprache entstanden sind, so 
müssen die nicht zahlreichen fälle, in denen ein indischer 
guttural gegenüber einem iranischen palatal oder umgekehrt 
erscheint, durch Verschiebung des arischen lautstandes innerhalb 
des sonderlebens einer der beiden sprachen erklärt werden, wie 
oben s. 66 schon geschehen ist. 

Dem skr. gam gegenüber stellt Justi in seinem wörterbuche 
fünf wurzehi auf: gam, ghim, jam, jim, jag. jaQOn ist nur präsens- 
stamm und entspricht dem skr. gaccha-, gr. ßdcxs^ wie bekannt. 
Der wurzelanlaut ist guttural vor erhaltenem wurzelvocal nur 
im parL gatö = skr. gaid-s und in gamor schritt (welches Justi 
von ga ableitet) = skr. ^gama-, dem stammworte von gdmif^ 
gehend, ausserdem wenn er nach schwund des wurzelvocals an 
das m tritt, ganz nach der oben gefundenen regel z. b. jagh- 
mOshim = skr. jagmüsMm, imperf. fra^hma-t, a-^ema-t, 3. pl. 
geme-n *) = skr. 3. pl. d^gm-an. ghim belegt Justi nur mit einer 



') Das erste e ist erst spät aus dem stimmtone des m entwickelt wie 
io 9aokhemä 1. pl. zu vavaca 1. sg., gena, ghma^slu, gnd u. a. 



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86 Joh. Schmidt, 

form ghimatem 6&h 2, 8 und bemerkt dazu: »da das zeichen 
für gh auch abbreviatur ist, könnte man haüjaghmatem le9en<, 
ghim bleibt daher als nicht gesichert und unerklärbar aus dem 
spiele, jam liegt vor als präsensstamm, opt jampat, jamyao = 
ved. gamyas, conj. jamaiti, vgl. ved. gamat, imperat jaiäki, 
jaMu == ved. gadhi, gahi, ganfu, fut jengJiaiH, caus. jamayiUif 
abstr. haü-jamane-m Zusammenkunft, ausserdem findet sich ein 
präsensstamm jama- in jamaStE 3. du. med. Von Jim endlich 
findet sich nur der präsensstamm jima- (auch als nominal- 
stamm »das kommen, kommend«), eine rein lautliche Variante 
von jama- = v«d. gcmor^). Es reduciren sich also die fünf 
wurzeln auf eine, deren anlaut zwischen guttural und palatai 
in verschiedenen formen wechselt. Der Wechsel ist genau der- 
selbe wie bei jom = skr. han schlagen, jamyOf : jaghmüsJom, 
frO-ghnat = janyttt : jaghnväo, avorgknaf und besteht auch im 
altpersischen ajamiya er möge kommen: ha^^^gmata sie kamen 
zusammen. Zu jaghnvao hat die 1. sg. aller Wahrscheinlichkeit 
nach, wie im skr. jaghana gelautet, ebenso dürfen wir zu 
jaghtnüsMm wie im skr. eine 1. sg. pf. jaghama erschliessen, 
wobei wir uns auf das g von gOma-' schritt stützen ^). Die an- 
lautsdifferenz von jimaiti, haü-jamanein und *jaghaima findet aber 
ihre erkläruhg in den vocalen von got. qimp, giman und qam. 
Das sanskrit hat im verbum nur g, dass aber diese monotonie 
nicht ursprünglich ist, lehrt ved. jm-dip- bahn (uru-jinan-, pari- 
'jmcm-, düibdrha-jmafir'). Vor m kann das j nach dem s. 71 er- 
mittelten nicht entstanden sein, jnum^ muss sein j aus anderen 
formen, in denen ihm ein palatale erzeug^der laut folgte, 
Obertragen haben; prihu-gmän-^fn RV. X, 99, 1 gegenüber prfhu^ 
-jman AV. V, 1, 5 hat den vor m regelrechten guttural erhalten. 
In welchen formen der palatai entstanden ist, wird nun keinen 
augenblick mehr zweifelhaft sein, skr. gdmoH, jagdma ist unifor- 
mirt aus *jainati,jagama = Bbsk\i.jimaiH, *jaghcma = got, gimip, 
qam wie drdgMtfams- : dJIrghd- aus ^drOhiyams : dirghd^ u. a. s. 66. 



^) Wie dna, dnanfh, Ytma- s= skr. cofui, cdnas-j riannd-. Vor nasalen 
wird a im sonderleben des altbaktrischen ohne rQcksicht auf seine qualität 
in den europäischen sprachen zu e und, wenn ein palatai voraufiipeht, zu 
if s. Justi gr. § 37, Schleicher comp.* s. 39. 40. 

') gätna- : praes. jima- = kaSta- : praes. coÜka-f gaya- das leben: 
praes. jaga-, t-haisha- : praes. ca98?M-. Das causativum jämagBUi hat sein 
j aus dem primären verbum fibemommen. 



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Zwei arische a-laute &nd die palataleü. 87 

Für den präsensstamm abaktr. jaga- = skr. gäecha-, griech. 
ßäaxs und den imperat, abaktr. jaidhi = skr, gahi ist aller 
Wahrscheinlichkeit nach g das ursprüngliche. Ausser unserer 
Wurzel sind mir nur vier beispiele von »nasalls sonans« hinter 
noch beweglichen gutturalen bekannt, in allen wirkt a aus ji 
als dunkeler vocal, der vorhergehenden guttural fordert: 1) skr. 
gdhanam, gdkmän- : jehamcma- (s. 61 f.), 2) abaktr. Tcaitya- lieblich: 
dnaifh-y dar. cdnas gefallen (s. 91), 3) abaktr. gafya- abgrund: 
jäfnti- tiefe (s. 88); 4) in skr. hatd-- = abaktr. apers. jaior 
scheint zwar die Übereinstimmung der drei alt-arischen sprachen 
dem vocale die ^farbe zu sichern, doch erweist skr. ghator 
schlag, welches durch vrddhi aus ^ghatd- gebildet ist, in Über- 
einstimmung mit ifatog, welches ebenfalls einem skr. *ghatch, 
nicht hatd- entspricht (s. u.), dass der anlaut von skr. hafd-, 
iran. jatd- aus dem präsens Überträgen ist. Für Avurzel gam 
erweist dasselbe skr. gatd- = abaktr. gatct- ^). Hiernach scheint 
der vor nasajen in tieflonigster silbe reducirte vocal im arischen 
wie im griechischen, germanischen und lifeiuischen dieselbe 
klangfarbe mit dem vor r reducirten (skr. ghfshvin u. s. w. s. 72) 
gehabt zu haben und in abaktr. jagaiti, jaidhi das j aus dem 
präsens jimaiti übertragen zu sein. Wurzel ga, welche im 
griechischen stark ßä, schwach ßä lautet ^), bewahrt demgemäss 
in den arischen sprachen ihr g überall: abaktr, gäf = skr. gM, 
ß^y skr. prajigatas RV. I, 150, 2 = nQoß$ßdv%oq. 

Skr. gdäami, jagdda sprechen und abaktr. jaiähy(Smi bitte 
(ausser dem präs. kommt nur part. a-jagtor vor), apers. jad- 
iyämkf lassen sich ebenfalls nur durch ein arisches "^jädami 
oder *jädy(!miy pf. *jägada vermitteln. Die zugehörigen air. 
guidid erat, rot-gdd-sa rogavi te (Stokes beitr. VII, 9, Windisch 
rtschr. XXI, 430. XXIII, 234) zeigen nur nicht-e-vocale. 

Dass das in allen formen unveränderliche g von skr. gdrh- 
at€ klagt, klagt an ursprünglich mit j wechselte, lehren ab. 
jare^ya- klagend, vourtjhjaresti name eines karshvare neben 



^) gatä- ist aus ^gtHn-tä-, nicht von wz. ga gebildet, da es in letzterem 
Wie skr. *^'M-, ^gUtd' oder •^<d- lauten mfisste. 

«) Bovß^ttg tab. Heracl. II, 13. U und kret. ifißitj C. I. G. 2554, 15 
kommen fQr bestimmung der indogermanischen vocale nicht in betracht, 
8. Toc n 323 f. 0. Schrader stud. X, 300. 



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88 . Jo*>% Schmidt, 

gereeaüi^) er klagt. Nur der präsensstamm und geressa- das 
klagen haben g, beide durch ere gerechtfertigt (s. 72). 

Unveränderliches skr. g gegenüber fast ausschliesslicbem 
j des altbaktrischen zeigen gabhlrdr tief, superl. gdvnbhishfho', 
gdmbhan-, gamtharam die tiefe, gäbhdr vulva, gdbhirshdk AV. 
adv. vielleicht »tief unten oder innen« BR. gegen abaktr-iatti;»- 
"Vafra" tiefen schnee habend, jafra- klaffend, tief, jäfnu- die 
tiefe, aber mit g gafyor abgrund {f = urspr. Ih wie in nafyor 
verwantschaft: skr. ndbhir^ Hübschmann ztschr. XXIV, 340 
anm. 3). Die ursprüngliche Ordnung ergiebt sich, wenn wir 
gabhlrd- : gdmbhishtha-, gdmbhan- mit x(faTvg : dor. ion. xQS(f(f<av, 
lesb. HQStog oder mit ßa^g : ßfv&og vergleichen. Die unter 
dem hochton stehende wurzelform lautete arisch jdmbh, die 
tieftonige gahh. In jäfna- : gafya- hat das altbaktrische das ur- 
sprüngliche verhältniss bewahrt, dagegen in jafrch (skr. ga- 
bhlrdr) und jaiwi- (skr. gdbhir) ebenso wie in jafaüi, jaidhi, jata- 
(s. 87) j weiter* verschleppt, während das sanskrit überall g 
durchführte ^). • • 

Apers. aJcunavam = ved. dkrnavam, akuta = ved. dhrta^ 
Ica/rtam = skr. krtdm^ 3. sg. opt. perf. cakhriya sind sämmtlich 
durch folgendes f, r gerechtfertigt. Der infinitiv lautet carfewaty, 
also ist skr. kdrtum u. s. w. an stelle von *cartum getreten. 
Apers. parikara behüte 2. sg. imperat., parikarähy 2. sg. conj. 
zieht Spiegel zu derselben wurzel, sollte diese richtig sein, dann 



^) Jasti s. y. garez vergleicht skr. gdrjaU brüllt, besser ist die obige 
zusammenstellang bei Fick P, 72. 

*) Mit obiger Wortfamilie vermischt man bisher eine andere in den 
arischen und slavolettischen sprachen von ihr durch unveränderliche pala- 
tale Spiranten und andere bedeutung consequent geschiedene: skr. jdm6Aa- 
pl. gebiss = abulg. zc^ lett. ßfbs^ lit. iamba fresse, maul (Geitler Ht 
stud. 122), tcmbas kante, abaktr. zafare, zafan- mund, rächen; skr. jctm- 
bhishat soll schnappen nach, jambhayati zermalmt, abaktr. zembaigUU ver- 
nichtet, abulg. z^sH xata^aivet^f lit zibH langsam, wenig, mit langen 
Zähnen essen (voc II, 499). Mag die wurzel beider familien auch ur- 
sprünglich identisch sein, so sind beide doch in den historischen Zeiten 
sorgföltig auseinander zu halten. Aus dem griechischen gehOren /«/u^iol 
rächen, yofifog zahn, yofjupiog backzahn = skr. ja/znhhya- hierher. Lit 
gembe »ein pflock, ein knaggen an der wand, um etwas daran zu hängen« 
braucht mit iamda, zambas u. s. w. gar nicht verwandt zu sein. Es kann 
ursprünglich »auswuchs« bedeuten, und ist dann verwandt mit gumbas 
geschwulst, beule, knorren, auswuchs, pilz = abulg. gc^ schwamm, aussatz. 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. 89 

bleibt seine auffassung der formen als präsensstanim kara -\- 
prap. pari höchst bedenklich, da der präsensstamm ohne Prä- 
position nur huna-, nicht kara- lautet. Isi parikarahy mit huna- 
väkjf überhaupt wurzelverwandt, dann kann es nur denominativ 
von *parikara^ = skr. parikara- gefolge, zurüstung, gürtel, 
abaktr. pairikaro' umkreis sein und der guttural ist, wie in 
apers. paürkara bild durch europ. a(o) gerechtfertigt, hn alt- 
baktrischen hat vielleicht die 3. sg. aor. cürei (gäthä-dial.), 
welche Justi unter 1 kar als contraction von *cakaret erklärt, 
den alten palatal bewahrt. 

Als bezeichnung des Inbegriffs arischer Völker brauchen die 
vediscben Inder pdfka carshandyas und pdfi^M krsht&yas gleich- 
bedeutend. Das Petersburger Wörterbuch und Grassmann leiten 
öfteres von car, letzteres von karsh ab. carshaiii-, durch sein 
weibliches geschlecht als abstractum gekepnzeichnet , kann bei 
dieser erklärung nur »beweglichkeit, rührigkeit« bedeuten. Dass 
man »die fünf beweglichkeiten« zur bezeichnung einer völker- 
gruppe gesagt habe, ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich halte 
krdiUr und carshaiiyi' fOr verschiedene abstractbildungen der- 
selben wprzel karsh, präs. krshdti, kdrshati furchen ziehen, 
ziehen« Beide bedeuten ursprünglich »ackerbau«, dann »acker- 
bauerc, wie so viele alte abstracta später in concrelem sinne 
gebraucht werden, und wechseln mit einander ähnlich wie in 
derselben Verwendung die wurzelverwandten aber verschieden 
gebfldeten pdfica Janas imd pdfica jätd. Als »ackerbauer« be- 
zeichneten sich die arischen stamme im gegensatze zu den nicht 
ackerbau treibenden stammfremden Ureinwohnern Indiens 0* 
Für die wz. karsh folgt hieraus, dass ihr im verbum unver- 
änderlicher guttural ursprünglich mit c wechselte, speciell das 
präs. kärshcUi, mag es dem lat. verrü entsprechen (Bopp gloss. 
comp.; Bugge ztschr. XX, 26) oder nicht (Gurtius stud. VI, 275), 
k an stelle eines alten c hat^). kfäuiti und krshfp- haben von 
rechtsw^en k (s. 72); carshatii' wird vocalisirt gewesen sein 
wie edrtana- heftend (gegen käfor geflecht s. 72) und wie 
abaktr. /ra-fcin&ano- (gegen fragkeniba- s. 82). Das altbaktrische 
hat in aUen worten unserer wurzel k, ausser in yOre-careshö 



') Yergl. die rolle der Sita, der personificirteQ ackerfurche, im Rämäyana. 

*) Die von Delbrück ztschr. XVI, 273 und Gurtius g. e.* s. 480 ange- 
nommetie Zugehörigkeit von riXcov zu unserer wurzel ist wegen itf, statt dessen 
man i mit ersatzdehnung erwartete, noch unklar. Grundf. *jtX<fTJoyf 



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90 Job. Schmidt, 

acc. pl. Jahreskreise, welches Justi von car gehen herleitet, 
(wegen der bedeutung vgl. karsha- furche, kreis, karshi- kreis). 
Veränderlichen wurzelanlaut zeigen noch dieworte, welche 
man unter zwei gleichbedeutende wurzeln kan und can be- 
friedigt sein, sich einer sache erfreuen gruppirL can findet sich 
in der 2. du, imperat. aor. canishtdm RV. VII, 70, 4, dem 
seltsamen cdnishfhat erfreute VIII, 63, 11, für dessen erklärung 
Benfeys hinweis auf asÜhat aor. von as (SV. gloss. s. 66) 
zu beachten ist, cdnas gefallen, befriedigung = dnanh- (Fick 
P, 317), cdnishfha- superl. sehr gnädig, sehr genehm. Der 
palatal in cdnas ist unter Voraussetzung einer vocalisation, wie 
yivog = jdnas, ftSvog = mdnas, vi(pog^ abulg. n^, air. nem = 
ndbhas, Sdog, an. setr = sddas, xXiog = grdvas, got. sigis = 
sdhas, riqis = rdjas, ahd. demar = tdtnas gerechtfertigt. Mit 
k erscheinen alle formen des intensivstammeg, cäkan-dhi u. s. w. 
bei Grassm. wtb., im altbaktrischen die perfectformen cakana 
er bat, cakhnare sie begehrten, welche wohl zu dem skr. perf. 
intens, cakana gehören, in jedem falle gerechtfertigten guttural 
haben. Ausserdem skr. 1. sg. aor» akanisham, 2. sg. conj. 
aor. kdnishas. In Bopps I und III aoristbildung haben das 
activum und medium bekanntlich verschiedene stufen des 
Wurzel vocals: I dtautsam dtutsi, dnäisham dneshi, III dsavisham 
dsavisM. Der grund ist wie in allen ähnlichen Verhältnissen 
anderer tempora die verschiedene betonung der nicht augmen- 
tirten formen. In der m bildung »fa]lt der acut auf die 
erste silbe des thema oder, ausser im act sg., auf die erste 
hinter dem bindevocaU Benfey vollst, gr. § 851. Also nur 
sdvishcm aber sdvishi oder savishi. Berücksichtigen wir, dass 
in allen übrigen tempora mit wechselnder betonung die medial- 
endungen durchweg den hochton haben, so werden wir savishi 
für die ursprüngliche, sdvishi für die durch ein Wirkung des 
sing. act. umgestaltete betonung halten müssen. Bei den meisten 
tempora, deren stamm im medium ein anderer ist als im sing, 
act., gehen plur. und du. act. mit dem medium. Dies war 
ursprünglich auch bei den aoristen der fall, die gemeinsamkdt 
zeigt sich noch in der facultativen betonimg der personalendung, 
welche der plural und dual des activs mit dem medium theilen. 
Der wurzelvocal hat aber die stufe des sing, angenommen 
dtautsma, dnaishma^ dsamshma. Es hat hier eine ähnliche aus- 
gleichung stattgefunden wie sie für die optatjve nachgewieeefi 






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Zwei arische a-laute und die palatalen. 91 

st ztschr. XXIV, 315 f. Der ursprÜDgUche zustand hat spuren 
iffl RV. hinterlassen, ajaisham, pl jSshrna^) neben dem uni- 
fonnirten ^jaishnui. Das verhältniss von c^aisham zu je^ma 
kt dasselbe wie vcn staumi zu stötä laudate RV. VIII, 1, 1. 
16, 1, von gdus, pL nom. gAms zu gdvi, göbhis (urspr. oxytonirt, 
vgl. ß&t). Betrachten wir nun die aoristformen unserer vnirzel, 
so ergiebt sich das verhältniss von 1. sg. akanisham zu 2. du. 
eaniAtaim als ganz entsprechend dem von ajaüham zu *jB9htdm. 
Dem ablaut von ä:a in der declination entspricht im griechi- 
scfaen meist der von w : €, pdt : eätush-pack = nm : v^a- 
ntia u. s. w. s. 15 ff. Setzen wir eine gleiche qualitätsdifferenz 
zwischen dem a von akmisham und dem a von camsft^m 
voraus, dann ist die differenz der wurzelanlaute gerechtfertigt. 
Der coDJ. kämshas hat die starke Stammform, was zwar nicht 
regel ist (Delbrück 176), jedoch auch sonst vorkommt, z. b. 
kdrishai von kar ausgiessen. Falls kand junges roädchen, kd- 
nidiffia- der jängste, kleinste, wenigste, comp. käniSyams-^ kangä 
junges mädcben (== xmv^) Von dem grundbegriffe »gefallend« 
au^ehen und zu unserer wurzel gehören, haben sie von rechls- 
wegen k (kand : can = gkanor : han). Abaktr. kaHya- lieb- 
lich steht auf gleicher stufe mit gata- g^angen (s. 87). 

Ueber kd^ geflecht = preuss. oorto im verhältniss zu 
edrtana- heftend, crtdH knüpft siehe s. 7S. 

Auf den ersten blick befremdend ist die differenz zwischen 
skr. käÜ, dessen k durch lat. qfMt, griech. n6<fcog, noaog aus 
*n9tj^9^g gerechtfertigt wird, und abaktr. caüi, doch nicht be- 
fremdender als die zwischen got. hvas, hvapar und ahd. hwer, 
hufedar. Die stamme der geschlechtigen pronomina <a-, ya- u. s. w. 
haben in den europäischen sprachen wie die nominalen ^»-stamme 



<) Derartige formen sind noch vi^an (ti) nndQiakandfi). Grassmann 
fOkrt in seinem wörterbuehe auch zwei singularische formen des zusammen- 
gesetzten aorists mit i statt äi auf, 2 sg. jis und 3. sg. vis, die erstere ist 
aogenaiinter unechter conjunctiv des einfachen aorists (so auch Delbrück 
Tsrbam 96). oed ist an der ersten der angeführten stellen IV, 7, 7. 8 nicht 
3. sondern S. sg., wie die auf dasselbe subject (Agni) gehenden f jfoe? v. 8 
OBd tf y. 9 aeigen, kann also imperf. zu v»ni sein. Wirklich 3. sg. ist es 
I, 77, 3. II, 5, 3. Ob dies zusammengesetzter aorist sein muss, aus *eai-l 
entstanden, hftngt ab von der entscheidung der frage, ob es eine personal- 
endmig $ für die 3. sg. giebt (vgl. DelbrQck s. 50). Delbrücks ansieht, dass 
urqvflngUch fiberall, auch im sing, act., guna bestand, nicht vrddhi, halte 
ich für bedenklich. 



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92 Job. Schmidt, 

den vocal a, respective ö^), die personalpronomina skr. ma^, 
tua-, asmor, yushmor und das reflexivum sva- dagegen haben 
fast durchweg e, nicht a oder o. Das interrogativum nimmt 
eine mittelstellung zwischen beiden classen ein. Einerseits ist 
es geschlechtig, andererseits fungirt es auch als interrogatives 
Personalpronomen. Dem entsprechend hat es sowohl einen 
stamm kva-, kvo-, der sich an die geschlechtigen ta-, to- u. s. w., 
als einen stamm hvä-, der sich an mär u. s. w. anschliesst 
Die formen des letzteren sind bisher nicht erkannt, weil man 
einige derselben von ersterero, die meisten aber von der dritten 
Variation koir hergeleitet hat. Alle drei ergänzen und ver- 
drängen einander in den sprachen auf die verschiedensten 
weisen. Hier handelt es sich nur um feststellung des Stammes 
Teva'. Ausser in dem interrc^ativen caiti hat ihn das alt- 
baktrische in dem indefiniten cor irgend ein, von welchem 
ca-hmai, ca-hyd, ca-f belegt sind, neben interrogativem ka- = no- 
und d- = ri-. In Europa zeigen den e-stamm unverkennbar 
Ion. »fo, T^«, xiiav, Tio$at. Curtius (g. e.* s. 593) leitet sie 
als »völlig sicheres beispiel« der Vertretung von j durch « aus 
den lesbischen ti«, rioiOi und meint, es werde niemand einfallen 
zu bezweifeln, dass letztere die älteren, durch anfügung eines 
o-lautes aus dem stamme^*- hervorgegangen seien. Zum Über- 
flüsse sei uns das megarische (fd fidv = ri /t^v, buchstäblich 
TJ-a fMJv, d. i. Uva fk^ erhalten (Ahrens II, 277). Zunächst 
beweisen die lesbischen formen nichts für die Priorität des #. 
Wie lesb. XQv<f$og aus XQ^^^^^ ^^^ ^^^ ^^^ ^^'^^ XQv<f€iog ent- 



') Die gleichstellung yon UtQos mit skr. yotord-, abulg. j>^eri2 (Lottner 
ztschr. V, 395, Windisch stud. II, 319. 324) ist falsch, ürgriechisch lautete 
das wort angog, wie es im böotischen und dorischen (Ahrens I, 178; 
. n, 114) und attisch in der krasis mit dem artikel d^äuQor = ro arc^or u. s. w. 
(Apolion. de conjunct. Bekk. anecd. 495, 24) erhalten ist. ceTc^o; aber ent- 
spricht dem got. sundrö seorsim. In den niederfränkbchen psalmen und 
im mhd. wird sunder praepositional gebraucht, aundir tmreht sine iniqui- 
tate ps. 58, 5, dem entspricht ärtQ, ht^ot aber ist aus artgoc assimilirt 
wie (*^^$oi aus ion. f^iya^iog^ fuyad^- = skr. mahat'; in beiden ist das 
durch assimilation beseitigte a Vertreter einer »nasalis sonans«. Aus dem 
indischen gehören dazu ved. sanUur ausser, neben, ohne, scmutdr weg, 
abseits. Ihr am, anu verhält sich zu got. un, griech. « wie das von Gold- 
schmidt ztschr. XXIV, 426 nachgewiesene prakr. ana- zu german. im-, griech. 
d privativum. Alle diese formen sind verwandt mit dem enklitischen 
gama-, got. sums, dfioi. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 93 

standen ist (Ahr. I, 80), und wie im thessalischen, böotischen, 
Zyprischen, lakonischen, kretischen zahlreiche s vor vocalen zu 
«geworden sind (Ahrens I, 171. 178 f. II, 121. 533, Deecke- 
Siegismond stud. VII, 250, Beermann stud. IX, 19 f., Hey dial. 
creL 12 f.), so können lesb. r/oi, Tio$<f^ aus ion. Tita^ rio$(fi ent- 
standen sein. Dass aber die € dieser ionischen formen nicht 
aus $ hervorgegangen sind, lehrt das verhältniss von ion. ätraa^ 
att dtta zu ion. Sxxbo^ Srev, orcoi, oxscitv^ itioKf$, att. Srov, 
tr«, hmv, Stoig. So lange kein grund nachgewiesen ist, wes- 
halb dieselbe lautgruppe in verschiedenen casus desselben Wortes 
in demselben dialekte verschieden behandelt sei, darf man 
nur schliessen, dass, da in a<f<sa %i vor folgendem vocale durch 
Tj hindurch regelrecht zu aa geworden ist, das r« in (ksta u. s. w. 
nicht ebenfalls aus xt entstanden ist. Am ehesten könnte man 
etwa daran denken xio aus *xt^<sjo herzuleiten und anzunehmen 
» sei hier anders behandelt als in ^xi-a ^= *xja^ -(saa^ cra, 
weil es früher vor einem consonanten stand, also länger vocal 
blieb als in letzterem. Allein auch hierfür finde ich kein ana- 
logon. Aus *xtcjo wäre *t?o (vgl. Xtog aus *XirM}-q einwohner 
von JBof, Göttling allg. lehre vom accente d. gr. spr. 170) oder 
*xio geworden und die nebenliegenden xig^ xi u. s. w. mit $ 
hätten schwerlich ein « aufkommen lassen. Daher kann ich 
der Gurtiusschen von Renner und Windisch (stud. I, 2, 13 f. 
n, 244) angenommenen erklärung nicht beistimmen. Wie iiUo 
aas ifi«ro ist x6o zunächst aus *x^o entstanden und entspricht 
laut für laut dem abaktr. cahya. Das zugehörige pronominal- 
adjectiv liegt vor in kret. xbXov * noXov Hesych, genau überein- 
stimmend mit abulg. iij cujus. Die formen xim^ xicov, xiotc& 
können, falls sie nicht zum gen. xio nach unklar gefühlter ana- 
logie neu gebildet sind, nur von demselben stamme r^V aus- 
gegangen sein, indem dieser wie in osk. gen. pieis, dat. piei^) 
und im ved. gen. Ä^dyo-sya') an die stelle des primären Stammes 
drang. Den zugehörigen gen. xiov hat Archiloch. 95 B. Alle 
diese formen xio^ xim u. s. w. sind in masculmer oder neutraler 
fonn geschlechtslos, d. h. auch für das femininum verwendbar. 

>) Siehe ztschr. XIX, 199 f. Gorssens vertheidigung seiner a. a. o. an- 
tegriffenen ansieht in den beitrftgen zur ital. sprachkunde 606 f. Qberzeugt 
mich nicht 

*) käfo- ist entweder » nolo- oder = tsto-, in letzterem falle aus 
*M|ra- entstanden wie kiSf kirn aus *c%8, *c%m (s. 66). 



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94 Joh. Schmidt, 

Es kann dies darauf beruhen, dass die gleichbedeutenden casus 
obliqui von tig die geschlechter nicht unterscheiden. Vielleicht 
haben wir aber auch darin die oben berührte einwirkung der 
personalpronomina zu sehen. Der e-stamm erscheint femer in 
abulg. ce-mtf, de-in%. Man erklärt diese als nach analogie der 
ja-st&mme (semu, semX) gebildet, so Schleicher formenL 266, 
Miklosich vgl. gr. in \ 5% Leskien handb. s. 44. Ich sehe aber 
nicht, wie diese analogie zum einwirken gelangen konnte, da 
die übrigen casus, g^to und c^so (Ü-^ = r#-, arisch dr) von sö 
und sego verschieden sind. Nehmen wir dagegen an, es haben 
alte formen ^He-niUy ^Ue-vnX (: abaktr. ca-hmai) bestanden, so 
gewannen diese in ihrer lautgesetzlichen Umgestaltung 6emHy 
iemX den anschein der yo-declination, so dass der instr. gim^, 
der einzige casus, welcher nur aus der ^'o-declination erklärbar 
ist, neu gebildet werden konnte. Ähd. hwer, hwemu, hwen, 
hwenan sind vom stamme qui-, ti-, arisch ci- nicht herzuleiten 
wie ir, imu, in, inan von i- zeigen. Man muss entweder mit 
Sievers (Paul u. Braune beitr. II, 120) annehmen, dass sie nach 
der analogie von der, demu gebildet seien, oder sie aus htve^ = 
abaktr. ca-, «-, abulg. öe- herleiten. Endlich haben wir auch 
im lateinischen que- neben quo- und qui^. Warum wird conse- 
quent coUidie, cotidie geschrieben (Corssen ausspr. I*, 175, beitr. 
z. ital. sprk. 74), aber quot, quotus, warum cujus, cui, aber 
quod? cottir ist aus ^quetti- (vgl. abaktr. caiti) entstanden^) 
wie incola aus Hnquda (inquüinusj, coquo aus *quequo, coxim 
hockend aus *quectm {conquinisco ztschr. XXIII, 270) und cujus, 
cui aus *qucius, *quei (vgl osk. pieis, piei ztschr. XIX, 200) wie 
C(mcus8t4s aus ^canquessus^), gula aus ^guda (ahd. chda). Da- 
gegen guot, quod, alat. quoius, quoiei sind von quo- = griech. 
710-, goL hvor, arisch lit. ha-^ abulg. ho- gebildet Das neben- 
einander von "^quet und quot, *queius und quoius darf nicht 
mehr anstoss erregen als das von quid und quod, quis und quL 



^) Natürlich ist das lange i von cot&die nicht mit Corssen I *, 175 dem 
kurzen von skr. kdti gleich zu setzen. cotU-die enthält vielmehr zwei 
locative wie postri-die, deren erster aus *quetit€i entstanden ist wie quotui 
aus *quotitu8 = skr. katithä-a, cotHäie bedeutet also »am wievielten tage 
auch immer €, d. h. an jedem tage. 

') Gorssens erklärung, *conqua88U8 sei durch *'q%t088U8 hindurch zu 
"CusstM geworden (ausspr. II \ 406), ist unmöglich, da a im zweiten gliede 
von Zusammensetzungen überall zunächst zu e geworden ist. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 95 

DiÄ beiden enklitischen das vorhergehende wort hervor- 
hel)enden partikeln skr. gha und ha erklären sich ebenfalls aus 
den eoropäischen sprachen, ^ha, mit welchem abaktr. ga-f zu- 
sammenhängt, ist == abulg. -go, lit. -gu, dagegen Jia = abulg. 
-Ä, lit. -jj^ griech. yi (dor. aeoL yd) ; über die slawischen par- 
tiketa s- Miklosich gr. IV, 117. 171, über die litauischen Schleicher 
Ut. gr. s. 201. 338. 

Soviel über die wurzelanlaute und die wurzejvocale. Ich 
constatire zum Schlüsse, dass ein in den arischen sprachen als 
dunkeler laut wirkendes a, welches im ablautsverhältnisse zu ä 
steht, also sudeuropäischem o entspricht, auch vor einfachen 
conaonanten kurz erscheint in skr. gäya- hausstand, ghand- keule, 
äbhigard' loblied, kand junges mädchen, abaktr. gaya- leben, 
dass also die qualitative differenz zwischen d = europ. e und 
a := südeurop. o ganz unabhängig ist von der quantitativen. 
Dies stimmt vollständig zu dem, was oben gegen Brugmans 
gleichsetzung von griech. o und arischem a bemerkt ist. Wo 
beide einander decken, hat auf einer seite eine Verschiebung 
des indogermanischen quantitätsverhältnisses stattgefunden. 

Wie der wurzelanlaut von der qualität des wurzelvocals 
ist der wurzelauslaut abhängig von der quaUtät des folgenden 
suffixalen vocals. 

Die masculinen und neutralen a-stämme haben in sämmt- 
liehen europäischen sprachen übereinstimmend nur im vocativ 
und wahrscheinlich im locativ e % in allen übrigen casus aber 
a (c), die femininen überall a und deren lautgesetzliche ver- 
treta*, wie allbekannt ist (s. die tabelle bei Schleicher comp.^ 
601 f., Gurüus her. d. sächs. ges. phil. bist. cl. 1864, 27 f.). Im 
ersten gliede von Zusammensetzungen lautet der stamm überall 
auf a (o) aus, nirgend auf e. Dem entsprechend wirkt das 
stammbildende suffix a in den arischen sprachen noch fast 
äi)erall als dunkeles o. 

Handgreiflich zeigt sich dies bei den adjectiven auf -o^k^. 
Diese haben bekanntlich überall c, wo es nicht folgende con- 
aonanten oder der auslaut unmöglich machen, speciell vor jedem 

^) Griech. navoixti u. a., ofxt* Menander (Herodian I, 504, 16 L.) dor. 
•i, «J, avul^ TovTtl, rtiytt (Ahrens II, 361 f. Curtius her. d. sächs. ges. 
1864,990), osk. terel, führen auf europ. loc. -ei; otxo» u. s. w. haben das o 
aus den übrigen casus übernommen, da im griechischen rein lautlich weder 
M zu I» noch c* zu o* werden kann. 



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96 Job. Schmidt, 

a von / casussuffixen , gleichgiltig was ihm in Europa entspricht, 
7s. b. äpancamy äpäcas, dpoilcas, dpacas rückwärts gelegen, 
westlich. In den secundärbildungtn mittels a herrscht aber k, 
dpakor entfernt. Dass nicht die ableitung als solche, sondern 
lediglich die qualität des bei der ableitung an^etend^ vocals 
das h veranlasst hat, lehrt ein vergleich mit apadna-, apacych. 
So haben k: dnüka" rückgrat (anv-düc-), santlhd-m feindliches 
zusammentreffen {samy-dno-, sam^nd- vereint), prdtika-tn ober- 
flache, äussere gestalt (praty-ähc-) , abhtkcHn das zusammen- 
treffen (^äbhy-aficr) y arväke in der nähe (arvdfi(y, airv(Mndr), 
akt in der nahe, üpakor nahe verbunden, asiamlke daheim, 
paraki in der ferne, parokdt aus der ferne (pdra^ pardU^nor), 
obBkiT.perethU'fraJcch weit vorwärts gehend (fräs adv., skcpräae-). 
Nach allem bisher ermittelten dürfen wir nicht erwarten, die 
regel ganz ausnahmslos im sanskrit bewahrt zu finden. Im 
RV, Weichen von ihr ab nur nlcdis unten, nlcdi von unten, 
paracäis abseits, prOcäis vorwärts, lauter vereinzelte zu adverbien 
erstarrte casus, die leicht von der analogie der stamme auf 
-aüc- (z. b. nlcdis von nlcä) beeinflusst werden konnten, nicht 
lebendig gebliebene und dadurch widerstandsfähigere nominal- 
casus. Das als adjectiv durchflectirte nlca- ist erst nachvedisch 
und offenbar aus den vedischen adverbien neu gebildet. Die 
unursprünglichkeit des c in den genannten ergiebt sich aus 
nebenliegenden der regel folgenden formen: neben paracäis 
liegen parake und parokdt, neben procdis abaktr. perethurfrakor. 
Zu den ausnahmen der durch päraM u. s. w. repräsen- 
tirten regel würden auch die nominalstämme ucca^, pagcd-, 
tiragcd- gehören, wenn sie, wie man annimmt, aus üd^titUy 
(Pott e. f. P, 637), *apas-a/fiC' (a. a. o. 438), *«ra5-a<ic- al>ge- 
leitet wären. Dem steht aber eine grosse lautliche Schwierigkeit 
entg^en: das aus a + nasal vor consonanten in tieftonigster 
silbe entstandene a bleibt, wenn nicht einer der halbvocale y 
oder V vorhergeht, erhalten. Wie es tudatds zu tuddtitam heisst, 
so wurde aus *ud-^flc-4- auf lautlichem wege nur ^udacd-^ ge- 
worden sein, an dessen stelle allenfalls *udica^ getreten sein 
könnte wie im fem. üdici (älter *udici) nach analogie vonjpra- 
Hci^\ Noch weniger als uccor und üdanc- lassen sich tiragoär 

*) Für den angeblichen Schwund von an zwischen consonanten darf 
man sich nicht etwa auf das verhältniss von pumsds zu piamamsam be- 
rufen, pwj^s ist aus *punumsas entstanden wie r oftta aus *raim%mta 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 97 

und Hrydno- mit einander vermitteln, und für den ansatz eines 
• ^pas-ane- oder *apa8'a9ic- als Stammform von pagcch fehlt jeder 

anhält Die durchflectirten adjectivstämme uccch und pagca- 
sind erst nachvedisch, im RV. finden sich auch von ihnen nur 
adverbial erstarrte formen tuu:ä, uccdis oben, pagcd hinten, 
pa^ von hinten, aus welchen die späteren adjectiva neu be- 
lebt sind wie nida- aus nlcdis, nicdt. Für die erklärung der 
alten adverbiellen casus ist vor allem zu beachten, dass abaktr. 
pagea, uQca % apers. pata, ugor = skr. pagcd, uccd ebenfalls 
den palatal , dagegen abaktr. paQkat und v4kat gegenüber skr. 
patdliy uccdis einen guttural zeigen. Da das altbaktrische 
bisher überall die durch folgende laute bedingte Variation 
zwischen palatal und guttural treuer bewahrt hat als das 
indische, so werden wir als formen der arischen grundsprache 
pa^ca, *udca, aber paskät, *udkat anzunehmen haben. Die 
rechtfertigung, welche Äe gutturalen der letztgenannten durch 
die europäischen ablative (griech. -w, -wg, lat. -dd, abulg. -a, lit. -o) 
erfahren, lehrt, dass entweder der instrumental ursprünglich auf 
ä auslautete ^) , oder dass pagcd, uccd überhaupt nicht von 
o-stämmen gebi'^det sind. In letzterem fall ist ihr -oa vielleicht 
das selbe sufQx, welches im griechischen temporaladverbien bildet 
i-%€y lesb. «-ra (Ahrens I, 152), dor. o-x« (Ahr. II, 376). Dann 
verhält sich uccd zu ud wie lat. absque zu abs^). Abaktr. 



(ztschr. XXIVy 322), in beiden fEllIen sind die nur durch den reducirten 
Tocal getrennten nasale zusammengeflossen. Deshalb beweist der schwache 
stamm pu/ms- auch nicht die unursprünglichkeit des m in pumämaam^ wie 
Brogman ztschr. XXIV, 96 meint. 

Justi fasst es als %iQ-\-ca und (1. u^). Im altpersischen entspricht 
«(o in UQa-Uuana aufbau, hochhau, falls mit Spiegel so zu lesen ist 
und nicht UQ-tasana aus *tt<2-. Spiegel keilinschr. 147 erklärt das a als 
»zwischen gesetzte. 

*) Man könnte dafür vielleicht got. pe, hvi heranziehen (vgl. s. 60 f.), 
doch lasse ich die frage offen. 

') Es scheint verlockend absque direct mit pagcä zu identificiren. Allein, 
^Ibst wenn letzteres aus *apaS'Cä entstanden sein sollte, wäre eine gerad- 
linige Verwandtschaft beider ausgeschlossen, da nach ausweis von lit. 
|Ki«ibn nach, pashui hinterher und lat. po8(e)tid-ea schon die Ursprache 
in ihrer letzten periode kein *apa8-ka sondern nur pas-ka besass. Dass 
Ht pdshui auf litauischem boden aus pa-shkti folgen gebildet sei, wie 
Pott e. f. I«, 472 annimmt, ist nicht wahrscheinlich. Ich halte an seiner 
ZeHwbHIt Ar rergl. Spnebf. N. F. Y. 1. 7 



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98 Job. Schmidt, 

u^ka-t^ paQ-ha-t aber enthalten das nominalsufiSx ha, so dass 
sich ud zu arisch lAd-kor verhält wie lat. pra^ zu -jßiro-'Cibi^ in 
red-proours (rückwärts und vorwärts, Corssen krit. nachtr. 136) 
und dem Superlativ proximus (Meunier m^m. de la soe. de 
lingu. I, 412). Das in ueed, pageä gerechtfertigte c drang im 
sanskrit dann auch in die formen der o-declination pa^dt, tic- 
cäis. Das selbe wie von paccä und nachved. pagca- gilt von 
Hragcd-. Den nominalstamm belegen BR. nur aus einem spaten 
prosaischen stücke des AV. XV, 3, 5 — dem Vrätya- buche, 
in welchem A. Weber ind. literaturg.^ 1S3 buddhistische an- 
klänge vermuthet — mit der Variante ürctgcye. Da diese als 
parallelismus zum vorhergehenden anOcyi den Vorzug verdient, 
zumal in der ligatur Qcy das y leicht undeutlich werden k(miite, 
ist tiragcd- durch diese stelle nicht gesichert Der RV. hat nur 
die adverbialen casus ürtigcd und üraQcäta quer durch, welche 
wie uccd, pagcä zu erklären sind. Oem Sprachgefühle aber 
schlössen sich tirofcd und das davon abgeleitete sdbon im RV. 
vorkommende üraQctnor querliegend an nud^ fac^na- an, so 
dass nach dem muster von nicä : nttfi aus iiragcä das fem. 
tird((^ erwuchs und nach und nach tirago- dii^sekwacbe form 
von tirydviC' ward (Pto. VI, 3, 94), was auf rein lautlichem 
wege nicht zu erklären ist. Der RV. weiss auch noch nichts 
davon, er kennt ausser tiragcd, tira^nor^ Hrafcdta nur iiraQtt 
als nom. propr. eines Ängirasa ; tird^ als fem. zu tinfö^ic- findet 
sich erst vom AV. an, loc. tiragci ^at. Hr., siehe BR. In den 
zusammengesetzten adjectiven tiecamcd- hoch und niedrig, aca- 
parOcch, acöpocor, nigcapraca- (letztere drei nur in einem Päni- 
nischen gana belegt) nehmen BR. nicht -aüc- sondern ca »imd« 
an: »da avaca- gesondert nicht im gebrauch ist, kann t^^t^oca- 
als zusammenrückung von acca (iid -f- ca) ava ca ,hinauf und 
hinunter^ betrachtet werden.€ Das selbe gilt von äca-, denn 
aus ^anc- mit sufif. a konnte nur oM- entstehen, welches in 
ved. ai^ nahe wirklich vorliegt Hiemach erklärt sich ihr c 
als aus ca = qtie, t£ verschleppt. 

Das selbe verhältniss wie zwischen dpaüc- und dpaka- be- 
steht zwischen sardd-bhyas apibusRV. I, 112, 21 und saragh-d- 
von der biene kommend, den einzigen im RV. von diesem 



fieberen Verbindung von päskui mit pageä (e. f. J\ 88; Bopp gloss. 
comp.) fest. 



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Zwei arische n-laute und die palatalen. 99 

stamme Yorkommenden formen. Im TBr. und Pancav. ßr. 
findet sich auch sardghä biene. Hiernach ist der consonantische 
stamm als sardh- anzusetzen und in dem zur erklärung von 
9iira^ gebrauchten nom. pl. sardgkas ^at. Br. III, 4, 3, 14 
eine Verschiebung des alten Verhältnisses anzuerkennen. BR. 
setzen zwei stamme sarägh- und sardl- an. Beachtenswerth ist, 
dass hier ein palatal unserer dritten reihe mit einem guttural 
wechselt. 

Untersuchen wir nun das primäre suffix a. Dass der stamm 
von Ihdra-ti und der von ihärorS das tragen identisch seien, 
ist wohl allgemein angenommen. Nomen und verbum sind 
durch anfügung von casus- oder personalendungen an einen 
stamm hhära-, der vorher weder nomen noch verbum war, ent- 
standen, wie Schleicher es richtig darstellt ^) (die Unterscheidung 
Ton nomen und verbum in der lautlichen form, abh. d. sächs. 
ges. d. wiss. phil.-hist. cl. IV, s. 509, comp. * 337 f. 365). 
Während der auslaut des nominalstammes in fast allen casus 
der europäischen sprachen als a (o) erscheint, ist der des verbal- 
stammes in den meisten pcrsonen des indicativs &. Ausgenommen 
sind nur die 1. und 3. pl. (piQo-fup^ ipiqo-vti. (vielleicht wegen 
des folgenden nasals), die 1. %. (piqdHy die 1. du. lit. veea-^xi, 
goL vigöSf abulg. aor. vezo-vS (präs. veze-vS hat ebenso wie 
f>ej!e-4nü sein e aus den übrigen personen angenommen, vgl. 
ztschr. XXni, 359), argiv. äydaY^g {äyatfisv^ Baunack stud. X, 60) 
und der optativstamm (piQO-i-^ got. 6aira-i-, abulg. beri-, 
d. i. i^o-i-^). Das e beherrscht auch die nominalbildungen, 
welche in lebendig fühlbarem zusammenbange mit dem verbum 



*) Die ansieht, dass bhdra- ursprünglich nomioalstamm gewesen und 
bharati ein denominativurn sei (Steinthal Charakteristik der hauptsfteh^ 
iichsten typen des Sprachbaues 291, Gurtius chrono!.* 44), ist ebenso irrig 
wie die umgekehrte neulich von Fick aufgestellte (Bezzenbergers beitr. 
I, 1 f.). So weit wir hinauf reichen, sind die wurzelvocule von (pi^m und 
f«(«(, skr. jayaii und gdyaa verschieden. Fflr die Ursprache lassen sich 
mir hhiriU und bkatM ansetzen. Diese Verschiedenheit der wurzelvocale 
macht die ableitung des einen aus dem anderen unmöglich. Sollte sich 
etwa heraussteileu, dass sie älter ist als die anfügung der personal- und 
easussuffixe, dann würde auch die Schleichersche ansieht aufzugeben sein. 
Bis jetzt sind wir dazu nicht genOthigt. 

*) Gegen iheme frühere ansiebt (ztschr. XXIII, 358 f.) bin ich jetzt zu 
^ flberzeugung gelangt, dass die vertheilung von c und o, welche das 

7* 



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100 



Job. Schmidt, 






stehen (ausser vor nasalen: (pigovr-^ ^sq6/a€voc wie giiQovr&j 
^4qoia€v)j z. b. ysvi'ff^ai^ ^ivs-a^, ybvb-^i^^ Y€vi-r€$Qtt^ ysvi- 
'^Xf^y während nominalstämme in secundärableitungen o haben, 
ßiO'V^, To^o-^iig, 9>«>lo-T9^, dovXo'ifvviiy <sxov6'€$q. Aus diesem 
überwiegen des e beim verbum gegenüber dem a (o) beim 
nomen erklärt sich die erscheinung, dass in den arischen 
sprachen vor verbalem a palatale, vor nominalem gutturale 
stehen. Die alte regel erhellt aus folgendem verzeichniss , in 
welches alle vedischen nominalstämme auf a mit gutturalem 
wurzelauslaute, denen wurzelverwandte mit palatalen zur seite 
stehen, aufgenommen sind; die zweite columne giebt verbal- 
formen mit sufßx a. 



aghdr schlimm, ab. aghor-, 

ankd-s biegung, haken, ab. aka- 
klammer, 

arkd'S strahl, lied, 

arghd-s werth, 

inga- beweglich, ved. nur das 
äenomAngdyati (gebildet wie 
iksv&sQOdBi) setzt in bewegung, 

udM feurige erscheinung (rdr- 
cas glänz, Volcanus, s. BR. 
Grassm.); 

öhor in dur-ikor ungewöhnlich 
und zu gründe liegend in 
ökyä' heimathlich {ücyati ge- 
fallen finden, gewohnt sein); 

jdngha Unterschenkel, ab. gan- 
ga- {Jdn^ah-^ zappelt); 

tökdr^ nachkommenschaft {Uic- 
glbed.); 

tyogd-s das verlassen, aufopfe- 
rung, 

ni-^agM-s hilze nachved., ab. 
daghc^ brandmal, 



dücati, dcaii krümmt; 

drcati strahlt; 
drhaü, ab. arejaUi; 
dpa-tjcUB treibt weg, ejati be- 
wegt sich; 



tydjati verlässt, präs. ved. nicht 

belegt; 
dd^uxti verbrennt, ab. daehaüi; 



griechische zeigt, die ursprüngliche ist und die abweichungen der nord- 
europäischen sprachen lediglich durch formflbertragung zu stände ge- 
kommen sind. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 



101 



dir^, ab. dareghch lang (ab. 
drajanh- länge); 

dhigha- milchend, f. milclikuh, 
dSgha-s melkung, 

san-dighd'S Qat. Br. neben san- 
-däuirs ibid. Zusammenkit- 
tung, dBhor körper, ab. pairi- 
daejsa-, tusdaSM- anhäufung, 
apers. dida festung {dih, part. 
digdhd- bestreichen); 

ordröghdr truglos, drdghormitrarS 
arglistiger freund, ab. draoghö, 
apers. drauga luge, 

niskkd-s goldener haisschmuck 
wohl aus *ni-^ak(i' entstan- 
den, vgl. d-$k-r€^ s. 71, an- 
'ia^a$j i-tfn-'StOj ved. «o- 

pakd-8 das kochen (RV. nur in 
häwrorpjkd- in milch ge- 
kocht), ab. fMQvirpaka'' lei- 
chen brennend, 

hhäga-s schutzherr, Wohlstand, 
VhägorS teil, ab. bagha-, apers. 
haga gott, ab. hagha-, baghch 
theil, 

hhahgd-s brach, abhi-bhangd- 
zerbrechend {bha/f^-änt- fran- 
gens); 

bhärga-s glänz QaL Br.^ ab. 
baraea-, 

hhögd-s Windung, 

hkiga-s genuss, 

maghä^m gäbe, ab. maga-, 

markd-s das erlöschen (der 
sonne), ab. mahrha- tod, 
mrökd-s AV. name eines ver- 
derblichen Agni, 

apOrmarga-s Acbyranthes as- 
pera AV. stellen BR. zu 



dihaUy aduhat, duhddhyai; 



md abhi druhan, ab. ai^i drtush- 
aüi; 

ved. sdcats mit ni eng verbun- 
den sein mit; 



pdcati kocht, ab. pcicaiti ver- 
brennt; 



bhdjati theilt zu, bhöjatE wird 
theilhaflig, ab. bazhat er 
bringe dar; 



bhrdjatE glänzt, ab. barazaüi 
(s. u.); 

bhujdti biegt; 

ved. bhSjaU geniesst; 

mdmhaU schenkt; 

nirfnricati (die sonne) geht un- 
ter (voc. II, 260 f. nachzutra- 
gen), ab. mereücaUi tödtet; 

fndr^i, ved. mrjdU abwischen 
(s. u,); 



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102 



Job. Schioidt, 



fnArTchor stumpfsinnig TS., 

mEghdrS wölke, ab. mcOghc^ 
wölke, aber maeeor urin, 

vi-mökä-s lösung AV., nachved. 
mök(Mn abgezogenes feil, auf 
ein ved. möka- weist nach 
s. 67 das k von mSkl nacht 
RV., • 

möghor vergeblich, ab. ashe- 
tnaogha- (die reinheit schä- 
digend^ sehr schädlich, mS- 
ha-s imhum AV. (vgl. mug- 
dhd-RV. neben müdhä-AV.), 

yugd-m joch, y^chs das an- 
schirren, 

prorTikd-s überfluss, 

rükd-8 licht, 

rigo^s krankheit, 

WcärSfUlökdrS freier räum, weit; 

lögd^s erdscholle, nach BR. viel- 
leicht zu ruj brechen; 

pari-vargd-s das vermeiden oder 
das beseitigen, 

vakd-^ Spruch, ab. frchvakor das 
hersagen, 

vfka-s wolf, ab. vehrka-, 



vSgd^, vtgors ruck, andrang, 

ab. vaSgha-, 
yüpa^vraskdr pfosten behauend, 
qdka-s hilfe, oaki- hilfreich 

{gda hilfeleistung, eädshtha- 

hilfreichst); 
gSka^s gluth, fökä- glühend, ab. 

akM^e-tookor feuerbrand, 
a-nishangd- ohne wehrgehäng, 

särga-8 guss, schuss (ab. chfror 
'nhareM- nicht ausgegossen), 



märduUi erstarrt, wird betäubt; 
mthad mingit (s. u.); 

ved. mucdti, mu&cdii löst; 



aor. <mMhat (nicht im RV.), 
mähyati wird irre, schlägt 
fehl; 



ved. yijai^s schirrt an, ab. yao- 

jants vereinigen sich; 
r&uUi Dhätup.; 
röcats leuchtet; 
n^dti bricht; 



pari varjabi er vermeide, conj. 

aor, RV. Vm, 1, 27; 
dvöcat aor.; 

ab. nöit mäm fra&rece^ita YL 
17, 19 können mich nicht 
verwunden; 

samr^dnU AV. sie entfliehen 
vor; 

vfccdti haut ab; 



^cati gläht, ab. QOOcefUäm ar- 
dentium; 

sdjati anhangen, mit präp. an- 
hängen ; 

srjdti entlässt (s. u.); 



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Zwei arische «-laute und die palatalen. 103 

sakim zugleich, in gemein- sdcatS c. instr. ist vereint mit; 

Schaft mit c instr. ^), 

säa-s erguss, ab. frorshaeha- sificdH, ved. auch secats er- 

veigiessung, giesst, ab. Mhcaüi. 

Von obigen nominalstämmen haben siebzehn im sanskrit 
und altbaktrischen übereinstimmend gutturale, erweisen also 
die r^el als urarisch. Aus dem ab. sind noch zu nennen 
hireha- abwerfung: harecayeiti wirft, wozu vielleicht ved. srkd- 
geschoss, lanze gehört (vgl. auch das unbelegte sarka- = väyu, 



*) säkdm leitet man aus sa mit sufif. aka oder mit a^ and verbindet 
es mit (fvr, ^r, eumj got. ga-^ s. BR., Grassm. wtb., Pott e. f. I* 841, 
Schweizer ztschr. IV, 70. XI, 78, Delbrück XVII, ^9, Scherer z. gesch. 282 
anm. Man setzt dabei mit leichtigkeit über die grOssten Schwierigkeiten 
hinweg. Vor allen dingen existirt im Ältesten sanskrit überhaupt gar 
keine selbständige präposition sa, ebensow^ig wie ein selbständiges a 
priyativum. Wie letzteres nur vor consonanten aus an entstanden ist, 
gerade so ist sa (griech. d-, o-) aus sam entstanden und steht im RV. wie 
im altbaktrischen ebenfalls nur vor consonanten. Es giebt nur eine 
einzige ausnähme, die eben durch ihre Vereinzelung verdächtig wird, 
sänuskdk RV. I, 176, 5. BR. verweisen unter äntMhäk auf säntMhaJc, im 
VIL bände aber analysiren sie letzteres nicht. Bemerk enswerth ist, dass 
es auch im pada ohne avagraha steht, d. h. schon dem Verfasser des 
pada nicht mehr verständlich wai% Alles ist in Ordnung, wenn man sänu' 
skak, d. i. sd änushdk liest (über zusammenziehung von sd mit folgendem 
vocalischem anlaute s. RV. prätig. 172. 173, A. Kuhn beitr. IV, 198 f., 
Grasam. wtb. 1437). Um sicher zu gehen, habe ich Roth diese vermuthung 
vorgelegt und von ihm mit liebenswürdiger Zuvorkommenheit die folgende 
auskunft erhalten. »Ich glaube, Sie sind ganz auf dem richtigen weg, 
wenn Sie $d änushdk auflösen. Ich fasse ydsya = ydd asya (nämlich 
dtiböfhasM) und übersetze, wenn der {sdh, d. h. wenn einer) in den lob- 
preisungen des dvthcwhas unablässig war. Ein solcher gebrauch des rela- 
tivnm kommt hie und da vor, und wer ihn kennt, kann damit einige 
Schwierigkeiten lösen.« Somit giebt es im RV. kein einziges wort, welches 
die Präposition in der gestalt sa vor folgendem vocale enthält, und die 
auflösung von säkdm in ^sa-dkam oder ^sa-äkcan wird unmöglich. Mit 
»am ist säkdm ebensowig zu vereinigen, denn aus ^sam-Jcd- wäre ^sdkd" 
geworden (vgl. sa-Ad), ^sam-aka- aber hätte m behalten, endlich -afic darin 
ZQ suchen verbietet samyd^'j in welchem die Verbindung von sam + atle 
Torliegt. Lautlich und begrifflich allein möglich ist die oben gegebene 
erUärang, nach welcher säkdm der adverbiell erstarrte acc. eines abstractum 
•Afcd- gemeiuschaft ist, gerade wie sd»ä »zusammen mit« der instr. des 
abitr. sac und abaktr. Kakat »zugleichc der acc. ntr. part. praes. der selben 
Wurzel ist Vgl. ni'thkd^s s. 101. ür, cum^ ga» haben also mit säkdm nicht 
das. geringste gemein. 



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104 'oh. Schmidt, 

manas, prajUpati); bp-taSghor doppelt geschärft: HBhi- scharf, 
ved. tejaU ist scharf, schärft; toÄo- laufend, lauf: tacaUilkuR^). 
In den verbalformen sind die palatalen erst durch aus^ 
gleichung zur alleinherrschaft gelangt. Als älteste arische flexion 
müssen wir ansetzen *bhagam, hhajasi, hhajati, *bhaganMsi, 
*bhaganü u. s. w. nach massgabe der europäischen sprachen. 
Darauf führen einige participia, welche vor a ='griech. lat. o 
den guttural bewahrt haben, ved. ni-mighamClm^as : mihanti, 
vOghdt vovens (Roth zlschr. XIX, 220) vielleicht zu den opfer- 
rufen vaf und svdJia^); abaktr. haJcat zugleich, in einem fort, 
adverbial erstarrtes ntr. part. von hoc (s. o. sakdm s. 103), 
wo es noch als part. empfunden ward, drang c ein, z. b. haccU- 
-puthra- reich an kindern; gaohenta- neben gaocatU- brennend. 
Mit gaokenta- gleichgebildet, nur anders accentuirt, ist vielleicht 
skr. sikata sand, falls es aus *s^ntä entstanden ist (wurzel- 
verwandt mit ab. hikvao siccus, uf haecayat exsiccet, haecank- 
siccitas). Hiernach ist die angäbe Lindners, »die rückverwand- 
lung der palatale in gutturale finde nie statt bei allen vom 
präsensstamme gebildeten participienc (altind. nominalbildung 
s. 13) zu berichtigen. Das verbum finitum hat weder im 
sanskrit noch in den iranischen sprachen eine spur des 
wechseis zwischen palatal und guttural in den verschiedenen 
personen erhalten, also kann dfe durchführung des palatals 
durch alle personen schon in der arischen grundsprache statt- 
gefunden haben. Ausser in den genannten drangen die pala- 

^) Justi trennt beide von einander, indem er zwei wurzehi tak und tac 
ansetzt, erstere zu skr. tak, tdkati schiessen, stürzen, letztere zum unbelegten 
ta^, tvaiic gehörig. Vielmehr ist skr. tak für beide die wurzel. Dass man 
diese mit k ansetzt, beruht lediglich darauf, dass von ihr nur bildungen 
vorliegen, welche lautgesetzlich k haben müssen, das präs. tdkati findet 
sich nur Naigh. % 14, ausserdem belegt sind allein takti, atakta, part taktd-s, 
die nomina täku-, takvd-, tdkvan-, tdkaväna-^ pdritdkmya- (ab. takfwna-\ 
welche alle k haben müssen. Nach ihrer analogie haben dann die nur bei 
grammatikern vorkommenden Inf. tdkitwn Nir. 9,3, part. tdkya- (Pantanjali, 
VGpadeva) k erhalten. Uebrigens ist zu bemerken, dass tdku-, zaxv-s aus 
urspr. *t^nkü' entstanden ist, wie abaktr. comparat. täshyäo, superl. ta^cista- 
und griech. ^äacov aus *^ttyx'^^ beweisen. Der im comparativ auf der 
Wurzelsilbe stehende hochton bewahrte ihre ursprüngliche Vollständigkeit. 

*) aus *8ihvähä wie ved. avänd- aus suvänd- A. Kuhn beitr. IV, 199, 
Grassmann wtb. 1524. RV. III, 3% 15 hat svdhä noch dreisilbige geltung: 
auvdhä: Wegen des wechseis von A, t, gh vgl. saragha- : sarddbhyas s. 98 f. 
vOt und svdhä können aber auch zu wz. v<ih vehere gehören. 






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Zwei arische a-laute und die palatalen. 



105 



taten aus dem verbum finitum auch in die participia vor. 
Damit war die kluft, welche die verbalstämme mit palatalen 
von den nominalstämmen mit gutturalen trennte, überbrückt 
Die nächste folge war, dass die den participien begrifflich nahe 
liegenden nomina agentis auf a- von den participien den palatal 
übernahmen. Nur so erklärt sich das nebeneinander folgender 
Tedischer formen. 



arcd- strahlend 

druM unholdin RV. VII, 104, 17 
nach BR., während Säyana 
und Grassmann es für instr. 
von drüh halten 

ihöjdh freigiebig 

hkrajä- strahlend 

a-yujd- ohne genossen 

rucdr hell VS., röcd- leuchtend 

d-nyci-zerbrechendjVaZai^-rwjrf- 
höhlenbrecher 

vevijd- auffahrend 

^igd' rein, hell 

saca- folgend, ergeben in asa^ 
cadvish den nicht ergebenen 
verfolgend 

cakranira-sajd" das rad hem- 
mend 

rajju-sarjd' seiler VS. 



arkd" strahl, 
drSghor trug. 



hhöga- genuss, 
bhdrga- glänz (s. u.), 
yugd- joch, 
röifca- licht, 
rogfo- krankheit, 

v^d- andrang, 

gäka- gluth, cöJcd- glühend, 

sakd-m in gemeinschaft mit. 



nachved. a-sangd- das anhaften, 
ved. a-nishangdr ohne wehr- 
gehäng, 

sdrga- guss (s. u.). 



Es sei daran erinnert, dass in ähnlicher weise nomina 
agentis wie -jayd- ersiegend gegenüber dem ursprünglichen 
nomen actionis gdyor vermögen ihren palatalen anlaut vom 
verbum^ayo^» übernommen haben (s. 79 f.). Der Zusammenhang 
mit den participien und dem verbum finitum zeigt sich hier 
handgreiflich in fällen wie cakram-asajd', välam-rujd', indrö 
drM cid arujds RV. III, 45, 2, drlM cid Orujdm VIII, 45, 13, 
wo das nomen agentis wie das verbum finitum sein object im 
accusativ bei sich hat. Und dass er es ist, welcher die Störung 
der alten regel herbeigeführt hat, ergiebt sich aus der im ver- 
haltniss zu den nomina agentis auffällig geringen anzahl von 
nomina actionis mit palatalen, welche erweisbar der zweiten, 



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106 Job. Schmidt, 

nicht der dritten reihe angehören. Der RV. hat nur drei, Yon 
denen zwei auch nur als nebenforroen der regelrecht mit guttural 
gebildeten erscheinen : dSha- neben dögha- melkung, o^hirdröM- 
beleidigung neben drSgho' trug und ürjd kraft. Der AV. hat 
noch m6ha- irrthum gegenüber mögha- vergeblich, wobei zu be- 
rücksichtigen ist, dass das h von muh, welches der RV. als zur 
zweiten reihe gehörig behandelt (nmgdhär) im AV. zur dritten 
gezogen wird (müähd-). Später stellen sich naturgemäss immer 
mehr bildungen mit regelwidrigem palatal ein, so moijjd mark 
Qat. Er. (abaktr. mazga, abulg. mozgU)^ vancha wünsch, snBha- 
klebrigkeit (snigdhd-), bhüjc^s arm u. a. 

Ebenso abaktr. fwca- klar Yg. 30, 2 neben (üka-, vareea- 
offenbar Yq. 32, 14 (vgl. skr. tdkd feurige erscheinung), baröührö- 
Aa^zhor- scharf wie eine holzaxt neben bi-tasghar doppelt ge- 
schärft, gaocor brand neben Otare-gaoha-, hereja- Sehnsucht (vgl. 
bereghmya- erwünscht). 

Die nothwendige consequenz des bisher ermittelten ist, 
dass unveränderliche gutturale vor verbalstammbildendem a 
nicht ursprünglich sein können. Es sind auch nur sehr wenige, 
in der vedischen spräche nur formen der »wurzelnc ^dk, sagh, 
rikh, valg. Gegenüber dem regelmässigen Wechsel zwischen 
abaktr. gcafitu sie mögen lernen, caus. gdcayat und dem part. 
pf. act. superlat. gagakustema gelehrtester sind die k der vedischen 
aoristformen gdkcis, gdkat, gakSma augenscheinlich entweder aus 
gaknSmi oder aus dem nominalstamme sthgäka^ übertragen. 
Wie fdkat: gaknömi verhält sich sdghat RV. I, 57, 4 zu dsaghnös 
I, 31, 3. Die praesentia indischer erster und sechster classe mit 
gutturalem wurzelauslaute sind sammt und sonders denominativ 
und haben den guttural aus den zu gründe liegenden nominal- 
stämmen beibehalten gerade wie drdgMyamS', y6gya- u. s. w. den 
guttural vom dlrgha-, ySga- vor i, y beibehalten haben (s. 66 f.). 
Natürlich lässt sich das nicht mehr für alle, für einzelne aber 
um so sicherer nachweisen, mdrgati aufsuchen bedeutet m*- 
sprünglich >der fahrte jemandes nachgehen«, von marga- urspr. 
»fahrte des wildes« dann »weg«, einer secundärbildung aus 
jnrflfa-wild^); drghcUi einen^werth haben von orgfÄa- werth, das 
wirklich primäre verbum ist drhcOi werth sein; ingati sich be- 



>) £benso ist Justis wz. maregh herumstreifen, von der nur mereghefUif 
-fU? vorkommen, nichts als denom. von meregha- vogel = skr. tnfgä-. 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 107 

wegetk von inga- beweglich, das wirklich primäre verbum ist 
ejaHsidi bewegen, ved. auch ijats^); inkhati, tnkhats schaukelt 
kommt nur in Verbindung mit pra vor, prSnkhati ist * aber 
ofienbar denom. von ved. prenkM- schaukel; IdnghcUi springt 
(nur im part. vüanghat- Bbag. P. belegt, präs. gewöhnlich 
km^idjfaü) setzt als vermittelung zwischen sich und rdniha^ 
rennt (vgl. laghu^ : raghür) ein nomen *lmghar voraus; Uhat^ 
erblickt, gewöhnlich lökdyaM von rikor, rökd- licht; ^kate 
ist besorgt von gankä besorgniss; alingati umarmt von alingor 
umarmuQg; hthkaii singultit von hikka singultus; glagtiatS 
rühmt von flogha rühm. Es giebt nur fünf praesentia auf a 
mit vorhergehendem guttural, neben welchen kein entsprechender 
Dominalstamm mehr liegt, die beiden ersten sind schon vedisch: 
rikhtUi, likhdti ritzt (likhd- nom. agent. nur bei PHn.), välgati 
springt, uc-cakcUi blickt auf, dkoukats nähert sich, IdgaUi heftet 
sich an. Im vorstehenden sind sämmtliche belegte praesentia 
derart verzeichnet, die unzahl unbelegter kümmert uns na- 
türlich nicht. 

Die causativa leiten Schleicher comp.^ 341, L. Meyer vgl. 
gr.n, 19, Delbrück verb. 209, Gurtius verb. P, 337 von nomina 
actionis auf -a ab, z. b. vSddyami von veda- kenntniss. Die 
hauptschwierigkeit, welche mich beim erlernen des sanskrit an 
dieser erklärung stutzig machte, wird von keinem dieser ge- 
lehrten erwähnt. Wenn von einem nomen, dessen stamm auf Aa, 
^^f gft> 9^ endigt, durch anfügung des suffixes -ya ein verbal- 
slamm abgeleitet ist, dann hat dieser den guttural unverändert: 
ved, wfgdyanU verfolgen (mrgdh wild), pary-ankhdyats er um- 
klammere RV. X, 16, 7 (nach BR. von ankd- haken), ny- 
unihayants brummen {ny^nkhch Ait. Br. und später bezeichnet 
die einfugung des lautes o in die recitation), aghaydti droht 
{aghd' schlimm), %nkhdyanti schaukeln (jprenkhdr schaukel), 
ihgdyati setzt in bewegung {ingc^ beweglich, erst nachved. be- 



^) Im päli hat auch der nasalierte verbalstamm regelrecht J ; samitijanii 
Dhammapadam ed. FausböU p. 273 v. 81, E. Kuhn beitr. z. pali-gr. 35. 
>Die in den wOrtern anii^amana-, arnv^ja-^ änn^jya- »unbeweglich«, satniü' 
icMo- etc. zu gründe liegende wz. «f{j ist nur eine prakritische form der 
WZ. mg sich bewegen, cf. arnngyatnäna- (at. Br. IV, 1, 2, 25. 26, aningana- 
Käly. qraut. X, 1, 6« A. Weber über Bumoufs Lotus de la bonne loi, ind. 
ttnd. m, 147. Das causativum samiHiayaU fahren BR. s. v. ing + sam 
aus B^h. ir. üp. VI, 4, 23 an. 



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108 Job. Schmidt, 

legt, s. 100). Die letzten beiden hält Delbrück verbum 214 mit 
unrecht für causativa, der accent kann es nicht beweisen, wie 
mrgäyantu und andere gleichbetonte zweifellos denominative 
verba bei Delbrück s. 209 lehren. Nachved. ankdyoH kenn- 
zeichnet {ankä" zeichen), tarkdyaÜ vermuthet {tarka- vermuthung), 
draghayati verlängert {dlrghd- lang), duMchayati betrübt {duhkhch 
leid), sukhaycUi erfreut (sukhd- freude), auch langhdyaU springt 
ist wegen seines gh für denominativ zu halten, obwohl das zu 
gründe liegende nomen verloren ist (vgl. das eben über langhati 
bemerkte). Dag^en haben die causativa von verben, deren 
wurzelauslaut vor vocalen palatal ist, bekanntlich schon ve- 
disch und vollends in der späteren spräche nie einen guttural, 
ebensowenig im altbaktrlschen, dessen causativa neuerdings von 
Wilhelm ^) im programm des Jenaer Gymnasiums zusammen- 
gestellt sind. Man vergleiche folgende vedische formen: 
arcayas du liessest strahlen arkd- strahl, arcd- strahlend, 

nuimhdyam ich will schenken maghd- gäbe, 
bhajaycUi theilt mit hhagd- theil, 

mShaycUi lässt harnen 9n&ghd- wölke, 

röcayati erleuchtet rökd- licht, 

göcayixti versetzt in glulh, frfto- gluth, gökd- glühend. 

Diese der herleitung der causativa aus nominalen a-stämmen 
bisher entgegenstehende Schwierigkeit hat jetzt keine bedeutung 
mehr, da sich die dififerenz zwischen mrgayor und hhajaya- aus 
einer alten vocaldiflferenz erklärt. Es unterliegt keinem zweifei, 
dass die Vorbilder für die zu allen Zeiten des sprachlebens 
lebendige Schöpfung abgeleiteter verba aus der Ursprache stam- 
men, und dass der vor dem ableitenden -ya stehende im sanskrit 
als a erscheinende vocal in der Ursprache wenigsten zwei ver- 
schiedene farbungen hatte. Im griechischen liegen verba auf 
-ao) neben stammen auf -ä und -o, v^xaw^ X^xfAciw : vixa 
XtxfAo-g (s. L. Meyer vgl. gr. II, 5 f.), verba auf -oa> neben 
stammen auf -o, axetpavocd : aviipavog (aao. 32 f.), im slawischen 
entsprechen verba auf -a-ti, Iqkati täuschen : Iqka, dSlati be- 
arbeiten : dd?o, im litauischen verba auf -oju, -oti, pdmkoti er- 
zählen : pdsaka, balnöti satteln : balnas, im germanischen verba 
auf 'ön, got. karön sich kümmern : kcM^a, amliudön danken : 



') De verbis denominativis linguae bactncae, e progr. gyinn. Jenensis 
separatim editum. Isenad, Bacmeister. 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 109 

aväiud. Hiernach dürfen wir unbedenklich für verba, neben 
denen nominale a- und e^stämme liegen im arischen tiefes a 
als Focal vor dem ableitenden -ya ansetzen, also z. b. mrgayärtai, 
Qitd damit ist der intacte guttural erklärt. Die causative be- 
Ziehung haben nur die germanischen und slawischen sprachen 
an eine einzige der dem neutralen arischen -atfo- entsprechenden 
bestimmter gefärbten lautgruppen geknüpft, germ. satija- = skr. 
saddya- (s. zeitschr. XXI, 283, Verner ztschr. XXIII, 120), 
abulg. saditi (die wurzelvocale sind hierbei ausser betracht ge- 
lassen). Hierzu stimmen die palatalen der arischen causativa 
aufe beste: hhäjäy&ti. Das Vorhandensein von verben auf ^äyor 
in der Ursprache folgt auch noch daraus, dass alle europäische^ 
sprachen verba haben, welche auf eine gemeineuropäische flexion 
-<ya, -eyesi, -eyeH u. s. w. fuhren (griech. -^a>, lat. -eo, slaw. 
'ijq, lit. -4;tt), obwohl keine einzige spräche nominale stamme 
auf -e hat, von denen die vocalfarbung ausgegangen sein könnte. 
Sie muss also aus der Ursprache stammen. 

Während suff. a in den meisten casus der europäischen 
sprachen dunkelen vocal hat, entspricht dem neutralen arischen 
•HS in allen casus ausser dem nom. acc. sg. europäisches -es: 
yitfoc, viifs(a)'-oQ^ lat. genoSy *geneS'OS, generis, air. nem (= nemos), 
nime {== nemes-os Ebel in Schleichers comp. ' s. 505), abulg. 
nAo, nebest. Bei beiden suffixen giebt die vocalfarbung der 
majorilät der casus die regel für die consonanten aller, daher 
guttural vor a, palatal vor as, z. b. pdjas schein, rdjas dunst- 
kreis if&gen pdjäsas = ^iyYBoq (Fick I* 831), räjäsas = igißsog 
(vgl. auch got. riqis). Ich gebe hier eine Zusammenstellung der 
vedischen und altbaktrischen stamme mit palatalen vor as, 
denen wurzelverwandte mit gutturalen vor anderen suffixen, 
namentlich vor a, zur seite liegen. 
Sfhdiieas beweglich ankd-s biegung, 

arhdsS inf., ab. arejanh- preis arghd-s werth, 
Tcdse inf. zum preisen, gatdrcas arkd-s strahl, lied, 

RV. VII, 100, 3 beiwort der 

erde, nach Grassm, wtb. 

»hundertfach zu preisenc, 

nach seiner Übersetzung des 

RV. »die hundertfach er* 

glänzetc, nach BR. etwa 

»hundert stützen habende« 



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HO idh. Schmidt, 

Sjas kraft, ab. acjanJir- ugrd- stark, 

jdnihas flügelschlag, schwinge jdnghauuterschenkel^ab.zailga; 

tSjas schärfe, glänz tigmär, tigitd- scharf, 

tydjas Verlassenheit, gefahr BR. tyägd^s das verlassen, anfopfe- 

(nach M. Müller translation rang, 

1, 255 if. waffe, angriff, ebenso 

Grassm*), Bh.ühyejanh- ver- 
derben, skr. tyajäs sprössling 
döhds€ inf. dSgha^s melkung, 

bMjasSint zum gemessen, puru- IMgorS genuss, 

-AMjctö viele ernährend 
r&ifhas Schnelligkeit raghir rennend, 

vdcas wort, ab. vacanh- vdkd^s sprach, ab. fra-^aka- 

das hersagen, 
värcas glänz, lebenskraft, ab. idkd feurige erscbeinung, 

varecank- 
vfiijäse inf. zum ablenken, be- pari-vargd^s das beseitigen, 

seitigen 
vfdcctö umfänglichkeit vivydkH fasst in sich. 

Von den genannten ist der palatal als urarisch nachweisbar 
für arhdss, 6ja$, iydjas, vdcas, v Areas, aus dem aUbaktrischen sind 
noch zu nennen 

taeanh- lauf takor laufend, 

drajoM^ länge dareghor lang, 

roocanA- glänz, pl. sterne skr. rökd-s licht, 

haScanhr trockenheit hikvOanhem siccum. 

Wie in der arischen grundsprache einstmals *bhagämi, bha- 
jasi u. s. w. flectirt ward (s. 104), so dürfen wir auch eine 
flexion *rAga3, rdjäsas = iQsßog, iQißsog^), vdkas, vdcdsas == 
Inog, fnsog vermuthen. Im lateinischen sehen wir den ur- 
sprünglich auf den nom. acc. sg. beschränkten vocal o (u) auch 
in die übrigen casus dringen. *pignos, *pignesos ward auch zu 
*pignos, *pignosos uniformirt , so dass später pigneris und pig- 
noris als gen. zu pignus erscheinen (mehr dergl. bei Neue 
formenl. I*, 177 f.). Nehmen wir an, im sanskrit sei bei einigen 
os-stämmen dieselbe uniformirung eingetreten, so wird sie sich 
in einem dem os vorhergehenden intacten guttural documen- 



') Falls iQfßof nicht semitisch ist = 3^ abend, dunkel, wie MQllenhoff d. 
allerth. I, 119 meint. Vgl aber armen, erek, Habsehmann ztschr. XXHl, 21 



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Zmei arische ablaute und die palatalen. 111 

tireo. Auf diese weise erklären sich die g^utturale von dnt<i$ 
bkgimg =» ayxog^ ankcLsd- seite^ weiche (des pferdes) neben 
^Mik»5 beweglich; dgas sünde; ihas behagen; makhas^dt^ ist 
luslig BR. (kämpft Grassm.), sadmor^makhas am heiligen orte 
eine feier begebend BR. (den sitz des himmds erstürmend 
Grassm.). Von den genannten nominalstammen finden sich im 
RV. casus obUqui mit gutturalen. Den uralten Wechsel haben 
wir Yielleicht erhalten in bhärgas glänz == ftdgur, von diesem 
kommt im RV. nur der nom. und die ableitung bhdrgasvant- 
vor, wetehe ebenfalls tiefes as gehabt haben kann (vgl. hom. 
^vocK, nQv6s$g). Dagegen von bhräjas^, welches mit bhärgas 
ursprünglich identisch ist (voc. II, 239), hat der RV. nur bhrdr 
jasa instr., agni-bhrajasas nom. pl, guci-bkrajOB n. sg. (vgl. fa- 
-fk/ifq). Ist dies Zufall oder hat sich in bhärgas : bhräjasa^) 
die alte der griechischen {pXSyog (Hesych), g^Xdyeog entsprechende 
flexion erhalten? Einen stamm sahäsra-gökas tausend flammen 
sprühend nehmen BR. an, er kommt nur RV. X, 96, 4 vor im 
Doifi. sah6sr€^ka vor folgendem äbhavai, dies kann jedoch auch 
der nom. eines o-stammes sein, a stünde dann für ö wie in den 
You Benfey (die quantitätsverschiedenheiten etc. 1, 36 ff. = abh. 
der Götting. ges. XIX, 256 ff.) behandelten fallen, und der a-stamm 
sahdsra-^öka- würde sich an tri^ka-, su-g6ka- anschliessen. Bei 
dem nom. rokas lichterscheinung RV. VI, 66, 6 schwanken BR., 
ob sie ihn auf einen msc. flkstamm (der sonst röM- accentuirt 
ist) oder auf einen neutralen os-stamm zurückfuhren sollen, der 
palatal von ab. raocanh- empfiehlt ersteres. Nachvedisch werden 
angegeben anghas sünde, ranghas eile = rdmhas. 

Das altbaktrische hat nur acc. aogö Y?. 29, 10, nom. aogcxre 
Yl. 13, 12 »hilfec und das comp. aoga^4aftema n. pl. m. hilf- 
reichste Vd. 7, 67. 68 mit guttural vor -as, welche wohl mit 
o^a kraft ursprünglich identisch sind. 

Vor sufHx -anor tritt nach Lindner altind. stammbildung 
5. 13. 40 die >rückverwandlung der palatale in gutturale« nie 
ein. Er hat ein wort übersehen, welches er unter sufT. -ana- 



*) Das j voa bhräjasä gehört allerdings zu unserer dritten reihe, wie 
^tr. baräzaiti zeigt, erlaubt aber doch einen schluss auf laute der 
zweiten, da der Wechsel zwischen palatalen der dritten reihe und guttu- 
nüen, wo er überhaupt stattfindet, sich eng an den der palatalen zweiter 
reihe aosAUesst, vgl. narga- : sfj, mSghdr : mih, aäraghd» : sardh- u. a. 



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112 Joh. Schmidt, 

Überhaupt nicht verzeichnet, aber auch wohl nicht als aus- 
nähme gerechnet hätte, da er h nicht zu den palatalen zählt: 
jaghrdnorS hinterbacke, schamgegend aus "^janghäna-, vgl. jdnghä 
Unterschenkel, ab. zanga, jän-gah-e zappalt. Bühler hat jagh- 
dnorS rait xo%(iwii stelle zwischen den schenkein zusammen- 
gestellt (or. u. occ. II, 332); dass dies »unzulässig« sei, hat 
Gurtius g. e. * 700 durchaus nicht erwiesen. Man erwartete 
"^xaxovfj. Das o» ist unui'sprüngliche dehnung wie in xoXiAVoq 
aus "^xoXovog^ *xoXvog = lit. kdlnas, anord. hvdll, höU (voc. II, 
417), lat. collis aus *colnis, und das o der ersten silbe vielleicht 
durch assimilation an das folgende co entstanden, vgl. att. ogQfo- 
deZv aus ion. äqq(adU$v^ itsQog aus äxsqoq (s. 92 anm.), fA€/iÖ^so^ 
aus ion. fAs/äx^sog ((iBya^^ = skr. moJialr' aus maluint). o an 
stelle von >nasalis sonans« erscheint ausserdem in J- = skr. sor 
aus sam- in 6-naxqog^ o-^qi^ u. s. w. Lobeck pathol. el. 1, 86, 
ia§og = skr. satyd-s Kern ztschr. VIII, 400; in slxotsi^ xqw" 
x6is&o$ kann das o aus TQuxxovra u. s. w. eingedrungen sein, 
s. Brugman ztschr. XXIV, 66; Osthoflf ebd. 424. In jaghöna-^isi 
also das gh durch den vocal des griechischen gerechtfertigt, ebenso 
in ab. aghana Yt. 4, 6 instr. »mit einem stricke«, vgl. äyxi^V strick, 
äyxov^ erwürgung Et. magn. p. 194, 49. 50 (Göttling allg. lehre 
V. accent s. 153 anm.), und akana Vd. 14, 36 instr. »steigbugeU 
(Justi), vgl. äyxoivfi (^= *ayxo>yi5^, beide ursprünglich »biegung« 
bedeutend. Ich constatire, dass auch hier a, nicht ä wie 
Brugman will, dem griech. o entspricht. Um die palatalen der 
übrigen bildungen auf -ana- zu erklären, stehen zwei wege offen. 
Die europäischen sprachen haben verschiedene färbungen des 
vocals (s. Schleicher comp. § 221a), bisweilen selbst so, dass 
in einem und dem selben worte die eine ana~, die andere 4«a- 
bietet: lit. älkanas hungrig = ab. Iciö^nü; lit. ragana hexe, 
Bagaina waldgottheit (bei Lasicius; Mannhardt magazin d. letL 
literär. gesellsch. XIV. s. 88. 123) = got. ragin rat, beschluss, 
an. regin ntr. pl. nomina. Im hinblick auf lat. pagina, sarcina, 
got. aigin eigenthum, lat. domintis = skr. damanch bändigend, 
ab. vröteno, mhd. wirtel = skr. vartanonm spinnwirtel wird man 
die möglichkeit zugeben müssen, dass im arischen ein suff. -clno- 
vorhanden gewesen sei. Dieser schluss ist aber nicht unbedingt 
sicher. Die mittels -awo- gebildeten nom. agent. und action. 
stehen nämlich dem verbum finitum nahe, besonders zeigt sich 
dies darin, dass die verbalabstracta wie die entsprechenden ger- 



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2wei arische a-laute und die palatalen. Il3 

maoischen infinitive auf -an das object des verbum finitum in 
demselben casus wie dieses zu sich nehmen können^), nicht 
nur im geniliv, dem specifisch adnominalen casus (s. Bopp vgl 
gr. UI'^ 260, Wilhelm de infinit, p. 94). Es ist daher wohl 
möglich, dass sie, sei es alle, sei es nur einige, deren suflfix früher 
-atkh wie germ. -an war, vom verbum die palatalen übernommen 
haben wie die participia und nomina agentis auf -a (s. 104 f«). 
Diese Übertragung war um so leichter, als von den 22 guttural- 
palaial auslautenden wurzeln, welche in vedischer zeit nomina 
auf -ana mit vorhergehendem palatal bildeten, 17 zugleich ein 
präsens nach der I. oder VI. cl. mit regelrechtem palatal haben: 
ny^ücanam Vertiefung, ud-dücanam Schöpfeimer (dccUi, dncati), 
tejanam röhr (tijaU), Orddhanam brennstätte (däludi), döhdnch 
melkend (dShate), pdcanam kochgeräth (pdcati), bhojanam genuss 
(IMjatB), fnamhdna adv. gern (tndnihate), mehanam mentula 
(mehoH : meghd^), vi-möcana- lösend, subst. ntr. ausspannen 
(mucdti, mu/hcdti), yojanam gespann (yojate), prorricanam über- 
schuss {recati nur Dhätup.), rücand- leuchtend (rocate), süporvafi- 
canär zu dem man gern hin wankt (vdficati), ahlyir^canam quäl, 
pra^ocana- fortbrennend (gScati), sacand- dienstbereit (sdcate), 
vi^särjanatn aufhören (srjdti), O-secanam behälter für flüssig- 
keiten (stcatE, siücdti). Nur von fünf wurzeln erscheinen der- 
artige bildungen ohne nebenliegende o-praesentia: vy-4njcmam 
schmuck, munjarntjana^ von schilfgras gereinigt, uporpdrcanam 
beiraischung, vacand- redselig, ni-vdcanam ausspruch, pra-vdcanam 
Verkündigung, vrjdnam umhegung, vrjant lücke. Von den alt- 
baktrischen bildungen haben raocaneni helle und aojana- 
sprechend praesentia I. cl. neben sich, nur cnaS^hana- schmei- 
chelnd nicht. 

Endlich ist noch ein vereinzelter fall zu erwähnen düghäna- 
milchend neben dühana-, duhand-, aus welchem folgt, dass das 
participialsuffix -äna einen anderen vocal als -wöwa- = -^svo-, 
lat. -mtno hatte. 

Im vorstehenden sfnd, wenn ich nichts übersehen habe, 
sämmtliche falle des wechseis von gutturalen mit palatalen, 
welche die samhitä des Rigveda und das altbaktrische bieten, 
erörtert. Trotz mannigfacher ausgleichungen, welche die alte 



In der vedischen spräche habe ich kein sicheres heispiel dieser con- 
slniction fanden. 

Zeitschrift nir Tergl. Sprschf. N. F. V. 2. 8 

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114 Job. Schmidt, 

regel im veda noch mehr als im avesta verwischt haben*), 
ist noch klar erkennbar, dass in skr. a und dem einst diph- 
thongischen s, abaktr. o^ je zwei auf vorhergehende gutturale 
verschieden wirkende laute zusammengeflossen sind: d, a und 
di, ai. Zu gleicher zeit ist der beweis für die an die spitze 
dieser Untersuchung gestellte these, dass in der arischen grund- 
spräche die palatalen nur vor i, y und d aus gutturalen ent- 
standen sind, so vollständig geliefert, wie beweise für so ent- 
legene Sprachperioden überhaupt geliefert werden können. 
Machen wir hieraus einen rückschluss, so ist auch für skr. ö 
die ursprüngliche doppelheit gesichert, indem die palatalen von 
gdSkmU und cSdaü = ahd. sciuzU einen diphthong du neben 
au erweisen. Dass auch die langen a-laute in der Ursprache 
wenigstens zwei farbungen hatten, wird durch die analope von 
d a, di ai, du au sehr wahrscheinlich, lässt sich aber mit hilfe 
der palatalen, wohl nur zufällig, nicht beweisen. 



IV. 

VermiBohuiigen der beiden guttoralreihen. 

Mehrfach zeigt sich ein von den folgenden lauten abhängiger 
Wechsel zwischen den im allgemeinen unveränderlichen arischen 
f, i, ih und h, g, gh, derart, dass letztere oder deren laut- 
gesetzliche Vertreter vereinzelt an stelle ersterer erscheinen vor 
lauten, welche arisches k, g, gh intact lassen. Ich gebe zunächst 
eine nach den wurzeln geordnete Zusammenstellung des materials, 
mit media und aspirata beginnend, unter jeder die falle des 
wechseis im wurzelauslaute voranstellend. 

1) hhdrgor ^at. Br., bhdrgas RV. glänz (s. 111), bhfgu- — 
abaktr. harofsa- glänz, baräzaiti strahlt. 

2) ni-mrgror sich anschmiegend, virmfgvan- reinlich AV., 
nir-^mä/rgd- das abstreifen Käth., aparmargd- achyranthes aspera, 
— mdrsh-ti, abaktr. Ormerega- unverwischbar. 



^) Es sei noch darauf hingewiesen, dass alle fälle, für welche Hübschmann 
ztschr. XXIII, 394 f. annimmt, »dass das zend in der palatalisirung von 
urspr. k und g über das sanskrit hinausgegangen ist«, z. b. jatn^ jad, tac 
= skr. gam, gad, tak oben eine andere erklärung gründen haben. 



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Zwei arische a-kute und die palatalen. L. 115 

3) yäga- opfer erst nachvedisch, in den Samhitäs und Bräh- 
manas nur mit j, atiryajdr überaus fromm , anu-yajd- nach- 
opfer, upOmgu-yajd- stilles opfer, rtthyojd- opfer an die Rtu, 
jm^ajd- opfer von lebendigem, pra-yajd- sprüche der eingangs- 
ceremonie, gaia-ydjam adv. unter hundert opfern. 

4) sargd- guss = sloven. sraga tropfen, ved. dsrgran, 
dsrgram, dsasrgram, sasrgmdh^ SV. I, 5, 1, 2, 8 — abaktr. a-fra- 
-nhareech nicht ausgegossen. 

5) gnd, abaktr. ghena, böot. ßavd, air. ben, got. qinö, abulg. 
zena, preuss* genno; ißäd-f^' i/sw^d^ Hesych (Curtius verb. 
il, 337), a aus »nasalis sonansc wie in ysyatog; lit. gemü gimti, 
genUs; abaktr. jeni weib; abulg. gos-podt, ÖBa-nd'VfiCy skr. jds- 
•foH- (s. 16); im übrigen hat die wurzel durchweg palatale 
Spirans in abaktr. eieanafUi gignunt u. s. w. , lit. äifiias 
Schwiegersohn, abulg. aqPC. 

6) jdyati erbeutet, besiegt, jigdya, abaktr. dusmainyü-- 
jayant- den feind überwältigend, skr. gdya- = serb. gcj, cech. 
hoj (s. 79), neben skr. jya, jindti überwältigt, jtyat^ wird 
unterdrückt, abaktr. einaf, apers. adma nahm weg (Spiegel 
keilinschr. 203), also arisch jdydti, jigaya neben iindti, 

7) gabhtrd', gdmbhan-, abaktr. jafnu- und skr. jdtnbhc^, 
abulg. g(j^ u. s. w. s. 88 können sich zu einander verhalten 
wie arisch jdydH zu iindii. 

8) Skr. abaktr. aghd- schlimm, abaktr. aghmor strick {dyxiv^ 
s. 112), skr. dhi-, abaktr. azhir, lit. angtSy slov. vüz schlänge, 
abulg. qgorüU aal, lit. ungur^s, preuss. angurgis — dagegen mit 
Spiranten abaktr. äzö enge, angst, abulg. qzos-U, cysilr-kü u. s. w. 
Im litauischen hat die wurzel durchweg gutturale: angä thür- 
öffnung, ofenloch, flugloch der bienen, änksztas enge = angus- 
•ius, vgl. abulg. qeoS'fi. Der wurzelauslaut hat dreifache 
Variation, abaktr. agh-a-, ajsh-i-, äz-ö. 

9) Abaktr. drazhaUi hält, part. drakhta-, desiderat. dlde- 
reghzhö, didraghzhöduye (Hubschmann ztschr. XXIII, 398 f.), 
skr. -dhrk tragend in comp., nur im nom. erscheinend (BR. 
leiten es von wz. dhar) , abulg. drtzq, driiati halten ^) , preuss. 
irüklai fest, lit. druktas stark (Geitler lit. stud. 55. 81. Bezzen- 

^ Rufis. dcrgatl zerren kann dazu gehören; begrifPlich verhielte sich 
dann deriatX zu dergaVt wie. got. dragan, ahd. tragan portare zu anord. 
^aga ziehen. Doch kann dergatX auch urspr. d haben, dann gehört es zu 
ndl. tergen zerren reizen, nhd. eergen (voc. IT, 22). 

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116 Job. Schmidt, 

berger z. gesch. 90), vgl. lat. fordis frugi et bonus sive validus, 
foräum bonum. Dagegen mit palatalen Spiranten skr. dfmhati 
befestigt, drdhd^ fest, drdhyät tüchtig, abaktr. dareeayeüi be- 
festigt, dereza fessel = lit. d^irzas riemen, preuss. dvrstlan statt- 
lich, kräftig, abulg. drXeü kühn, drizati wagen, zuversichtlich 
sein. Der wurzelanlaut war urspr. dh, wie lat. forcUs, german. 
dragan, skr. -dhrk zeigen ; got. tulgtis standhaft = abulg. drXzü 
widerspricht nicht {t = urspr. dh s. voc. II, 265). Der aus- 
laut erscheint in dreifacher Variation, auf die arische grundform 
reducirt als gh, ^h, zh. 

10) Abaktr. dugMha/r-, npers. dukhtar, armen, duxt-, lit. dukte^ 
abulg. dUsti ergeben als stamm der schwachen casus urspr. dhugUr- 
(s. 34), der starke stamm lautete aber dhugk^atär-, da das h des 
skr. duhitdr- nach s. 68 nur als £h gelten kann. Sollte nicht 
auch das s des armen. dtAStr neben duxf, welches Hübschmann 
ztschr. XXIII, 17 als speziell armenische wandelung von % ^^ 
trachtet, directer Vertreter von urspr. gh^ sein? 

11) san-deghä'S Qat. Br. neben san-dehd-s (ebenda) zu- 
sammenkittung, deha- körper, digdhd- bestrichen — aber abaktr. uz- 
daezor anhäufung, part. uz-dista- aufgeworfen, apers. dida festung. 

12) mSghd- wölke, abaktr. maeghor, armen, meg, esset. 
miegha (Hübschmann ztschr. XXIII, 23), skr. ni-meghamanar 
(s. 104); lit. miglä, abulg. mXgla nebel — aber skr. meha-, 
abaktr. maezor, armen, m^z urin, abaktr. misti- herabgiessung, 
skr. medkror-m penis, lit. mqzü u. s. w. 

13) moghor vergeblich, abaktr. ashe-maogho (die reinheit 
schädigend) sehr schädlich, moha- irrthum AV., mugdhd- RV., 
müdhd' AV. 

14) voghdt vovens — vat, svdha (s. 104), 

15) d'Saghnös, sdghat zu tragen vermögen (s. 106) — sädhä-, 
sodhum aus *sa£hrtar, *sa£h'tum, abaktr. hazanh- gewalt, raub = 
skr. sdhas. 

16) saraghd- von der biene kommend — sarddhhyäs apibus. 

17) Die casus obliqui zu abaktr. nom. zGs erde (lit. zem^, 
abulg. zetnlja) lauten skr. gen. jmds, instr. jmd = abaktr. 
zemö, zema und gen. gmds, die aspiration ist vor m verloren 
wie in majmdna (maJi). 

18) jafi-gah^ 3. sg. Intens, zappelt , von janih gebildet wie 
ddn-da^fKp- (damg), vi-tan-tasaUe (tams), abaktr. zanga, lit. 
zengti; got. gaggan und xox^Viy erweisen anlautende aspirata; 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 117 

mjaghdncb- = xoxciv^ steht auch vor »nasalis sonansc j; falls 
abaktr. jazhu- »ein hund in der frühesten lebensperiode, der 
kaum laufen kann« (Justi) hierher gehört, haben wir den 
wurzelanlaut in allen drei reihen als g, j, i wie bei nr. 6. 

19) Ebenso in den Partikeln 1) skr.^fÄa, abaktr. ^fo-^, abulg. 
-go, lit -^, 2) skr. ha, abulg. -ie, lit. -gi (s. 95), 3) skr. Ai, 
abaktr. zl, slaw. fsi. 

20) Skr. WZ. hij pf. jighäya — abaktr. zita increased (Zand- 
Pahl. GL), zaSman- wachen, zaEnarih- Wachsamkeit (Hübschmann 
ztschr. XXm, 393). 

Scheinbar häufiger und regelmässiger, in Wahrheit aber 
seltener ist der Wechsel zwischen den tenues g und k. Ich 
kenne nur folgende beispiele. 

21) Skr. näkti-, abaktr. nakhtwru- nächtlich, lit. naküs, 
abulg. «o5^ — skr. nigds noctis. 

22) Skr. dg-ra-m spitze (Ascoli corsi 39), abaktr. aku- spitze, 
got. aq-izi, lit. j-ek-szis axt, ak-Utai hachein der gerstenähre — 
skr. dg-ris ecke, schneide, abulg. os4rU, lit. asz-tru-s scharf. 

23) Skr. bhishdk nom., ihishdktamam superl. von ihishdj- 
heilend, bhishdkti er heilt, abhishnak heilte — abaktr. baeshazem 
= skr. bMshajdm heilmittel. Vielleicht gehören diese formen 
gar nicht hierher, denn der guttural des Superlativs kann aus 
dem nom. des positivs bhishdk(sh), der der dritten personen 
des verbs aus den zufallig unbelegten zweiten bhishakshi, abhish- 
nak(8h) verschleppt sein, dann wäre er überhaupt nur vor S 
entstanden und erst im folgenden zu erwähnen. 

24) Dreifache Variation des wurzelauslautes haben skr. 
rökd' licht, abaktr. rdokhshna- glänzend: skr. rScate leuchtet, 
abaktr. raocayöiti: skr. rugant- leuchtend, weiss. Dieselbe 
diflferenz geht durch die europäischen sprachen. Lit. laükas 
blässig, abulg. liiöa strahl, preuss. lauxnos gestirne == abaktr. 
raohhshnar, Xotpviq ' XagAndg^ Xoifvid^a • Xafindd&a Hesych, in 
welchen M. Schmidt ztschr. IX, 366 die kyprischen formen von 
ii'xWc, kvxvidm erkannt hat, schliessen sich an arisch t'wÄ?, ruc. 
Dagegen das mit lit. laükas gleichbedeutende slaw. lysü und 
lit. luszis luchs, preuss. luysis, abulg. rysX entsprechen skr. rv,g. 
Der Zischlaut in den slavolettischen benennungen des luchses 
ist entweder wie in den gleich zu besprechenden litauischen 
futuren des typus neszith und slawischen aorlsten des typus 
prinisq Vertreter von arischem g-^ s, dann schliessen sich lüszis, 



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118 Joh. Schmidt, 

ry^ an ahd. luhs, oder von einfachem q, dann schliessen sie 
sich an Avyx- und ihr langer wurzelvocal ist durch das einst 
folgende n gedehnt. Zu gunsten der letzteren erklärung lässt 
sich anfuhren, dass in preuss. lauamos = abaktr. raokJhshna- 
vor s der Vertreter von skr. k, nicht g, erscheint. Xbvxoq^ lüceo, 
liuhap, air. loche fulmen u. s. w. (Curtius g. e. no. 88) können 
sowohl skr. rwf als auch ruh entsprechen. 

25) Skr. Jcukülor hülse, lat. (Mcuilus, preuss. kehdis bade- 
laken^), got. ha^tds mantel — skr. gar-and-m schütz, Schutz- 
dach, gäla haus, pari-gri umhängen u. s. w. voc. U, 251 f. 

Vor s werden g, i, £h im sanskrit regelmässig zu h, ferner 
mehrfach im wortauslaute. Hier ist aber nicht, wie man all- 
gemein annimmt, ein alter guttural intact erhalten oder durch 
abstreifung der palatalaffection wieder hergestellt, g, i, ih sind 
nicht direct in k übergegangen sondern, wie vor t, so vor allen 
consonanten ausser y, v, r, l und nasalen zu s, i, zh geworden 
und haben dann weiter die selben Veränderungen wie die aus 
urspr. s entstandenen lingualen Zischlaute (s = sä, vor tönenden 
H) erlitten. Wie von vish und rish gebildet werden vivekshi 
du ergreifst, ririkshati er \vill beschädigen, deren ksh zunächst 
aus "^shs umgestaltet ist, so ist z. b. dvikshmahi (vig, part. vish-td-) 
erst durch *avishsmahi hindurch, nicht direct aus ^CMno-s-mähi 
entstanden. Vor st scheinen die beiden gutturalreihen länger 
als vor einfachem s oder s mit anderen consonanten geschieden 
gewesen zu sein. Darauf führt die differenz von jagdhd-, part. 
zu jaJcsh (ghasjy sd-gähi- gemeinschaftliches mahl (ghas) und 
ddishta, 3. sg. zu ddikshi (dig). Im auslaute steht k an stelle 
von g, j (i), h (ih) nur, wenn sh dahinter geschwunden ist: 
dsrak($ht), ddrak(8ht) sind, wie dievrddhi zeigt, s-aoriste, nicht 
einfache aoriste. Von nag erreichen lautet die 3. sg. aor. (pra)- 
nah und (dbhijnat, beide können nicht ursprünglich gleich sein, 
vielmehr ist nak, lautgesetzlich aus ^nag-s, *nc^sh, ursprünglich 
nur 2. sg., dagegen nat, lautgesetzlich aus *nag''t, *fkisht, ur- 
sprünglich nur 3. sg. Jedes von beiden ward dann für beide 
Personen verwandt, als die 2. und 3. sg. aller übrigen praeterita 



1) Brückner slaw. fremdwörter im lit. 193. 93 hält kektdis, lit. kiklikas 
weste, brustbinde für entlehnt aus poln. czechei, ceecMo hemd, kittel, mir 
ist jedoch kein beispiel von lit. preuss. ^ = slaw. c inlehnworten bekannt; 
vergl. dagegen preuss. karcgemo = poln. karcgma, czisiks {czüiks hs.) = poln. 
cjsyzyk. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 119 

mt coflsonantisch scbliessendem stamme durch das auslautsgesetz 
einander gleich gemacht waren. Die durchgangsstufe *na$h-8 für 
not wird durch pinak aus "^pinash-s (ptöA zermalmen) erwiesen, 
weiches auch für die 2. und 3. sg. gebraucht wird. Femer 
entsteht k aus *hsh, *sh8, *gs im nom. sg.: rtv^k opferpriester 
fyaj, ishrid-), srdk kränz (sraj- : srshtär), ndk nacht (gen. 
ni^), präna-ährk das einathmen fest (dauernd) machend 
(darkj drähd-, s. BFL unter cBirk)- Vom nominativ sg. m. f. aus 
ward dann der guttural auch in das neutrum und vom loc. 
pl. aus vor alle consonantisch anlautenden casusendungen ver- 
schleppt in den nominalstammen dig, drg, -sprg, srajj ferner in 
ved. nom. ntr. jpuru-^A; viel begehrt (acc. puruspfJHun, abaktr. 
^pareg) und dadhfk adv. tüchtig, welches die indischen gramma- 
tiker von dharsh, dagegen BR. von darh herleiten; es hat auf 
jeden fall sein k aus dem nicht erhaltenen nom. m., wo es 
aus -ksh, "Shs entstanden ist, übernommen. Dies sind alle mir 
bekannten falle des Überganges von g, j (i), h (ih) in % im 
wortauslaute, alle sind durch einst folgendes s hervorgerufen. 
Das altbaktrische lässt ar. k und g vor s nicht zusammen- 
fallen: vakkshya ich werde sprechen (vaJc), aber vnshi du willst 
(oof^s. Hübschmann ztschr. XXIII, 398), und bestätigt in vollstem 
masse die richtigkeit des eben dargelegten. Für das sanskrit 
ist der übei^ang von g, j (i)^ h (ih) vor nicht-dentalen ver- 
schlusslauten und 8 in sh nur aus der weiteren gleichen be- 
handlung dieser laute und des sk in der selben läge zu er- 
schliessen, im altbaktrischen aber liegt er noch thatsächlich vor. 
Dem skr. sh entsprechen nach Spiegels und Justis Umschreibung 
» und SÄ, nach Hübschmanns richtigerer s und § (ztschr. XXIV, 
351 f.), und in diese laute, resp. in den entsprechenden tönen- 
den zh {i Hübschm.), sind die palatalen Spiranten vor verschluss- 
lauten und s übergegangen: nicht nurt^z^l = skr. mshH (vag), 
sondern auch z. b. vUfhibyö = skr. viA-bhyds (vig) wie gnaUhir 
Mhya instr. du. von gnaühis waffe. Ein folgendes ursprüng- 
lich dentales s assimilirt sich dem vorhergehenden lingualen 
Zischlaute: 2. sg. cöis gieb, zu 3. caist, 1. coishem (in arischer 
form ^caish-s, -i oder *caishs~8, 4). Wenn also dem skr. aorist- 
stamme diksh- (ved. ädikshi) im altbaktrischen dish- (opt. dis%- 
yüt) entspricht, so ist klar, cjass beide aus arischem ^dish-s- 
umgestaltet sind und skr. diksh- nicht directe Umwandlung von 
^dik-s oder *(%-s- ist. In einigen fallen erscheint auch im 



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120 Joh. Schmidt, 

abaktr. wie im skr. hhs, der regelrechte Vertreter von & -f ^^ 
an stelle von f + s ." frapikhstem geschmückt (pikhs aus jpi^ + s) 
u. a. Hübschmann ztschr. XXIII, 399. Auch für sie ist es möglich 
arisches shs als durchgangsstufe anzunehmen, da in yö irtri- 
hhshaüe welcher zu verletzen strebt Yq. 64, 27. 29 khsh aus 
sh -\- s (skr. abaktr. wz. rish) vorliegt. Denkbar ist freilich 
auch, dass diese falle mit raohhshnor : skr. ruqdnt- (no. 24) auf 
gleicher stufe stehen, dann sind sie wie alle Wechsel von k mit 
Q zu erklären. 

Auch das altpersische scheidet f + 5 und k -{- s. Für 
my-apisam ich schrieb, part. ni-pistam, inf. ni-pistanaiy setzt man 
eine wurzel pis an. Alle erklärer und vergleichenden Sprach- 
forscher, Hübschmann eingerechnet, schwanken, ob sie diese 
Wurzel gegen die lautgesetze mit skr. pig oder gegen die be- 
deutung mit skr. pish identificiren sollen. Npers. nmlsam weist, 
wie Hübschmann (ein zoroastrisches lied s. 83) bemerkt, auf pif. 
Hübschmann hält für möglich, dass das np. 8, welches sonst 
Vertreter von apers. ^ ist, aus s (diesen lautwerth hat Spiegels s) 
entstanden sei. Dagegen ztschr. XXIII, 395 lässt er apers. i 
aus arischem f entstehen. Vielmehr ist die wurzel für das 
apers. falsch angesetzt, pistam und pistanaiy sind lautgesetz- 
liche Umwandlungen aus ^piQ-t- und niyapisam ist nicht imperfect 
sondern aorist, aus *apiQsam entstanden. Ein zweites beispiel 
von s = ^ ist uqatctöana hochbau (skr. taksh^ s. 121 anm.). 
Altbaktrischem khsh dagegen entspricht khs : khsathram = ab. 
khshaihrem. Hiernach halte ich es für sicher, dass in der 
arischen grundsprache q '\' s zw, shsh und nur k^ s zu ksh 
geworden ist 

Ebenso unterscheidet das litauische arisches shsh und ksh, 
ersteres ist durch s/s, letzteres durch ks vertreten : nesjsiu, vesmu ^) 
= skr. vcücshydmi, aber deksiu (geschrieben degsiu) = skr. dhaksh- 
ydmi. Endlich ist auch in denjenigen formen der altbulgariscben 
s-aoriste, welche einen vocal hinter dem s haben, der unter- 
schied beider lautgruppen noch deutlich zu erkennen. Arisches 
ksh ward zwischen vocalen ausnahmslos zu ch und vor ^zns: 
r&^hü, rSsq (rekq); tichü^ -Sq (^(i); vü-vl^U, is-vlöS^ (vlükq); 
s^chüy -5g (sü'l^q); rasöäq (sSkq), vUi&q ß^q)> h^i (b^ati)- 



>) Man übersehe den unterschied dieser alten assimilation von der in 
späteren Zusammensetzungen und zusammenrflckungen waltenden nicht: 
tstirlnkti, ustöti = isg-si-rrnkH, uz-stöti (Schleicher lit. gr. s. 28). 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 121 

Dagegen ist arisches shsh zwischen vocalen durch s vertreten: 
pri-nise (nesq), otvr^sq (otiKrvrizq), of^vSsamt (veisq), belege bei 

Miklosisch vgl. gr. III ^ 77 ff. Da arisch g und s, sh im slawischen 
s zusammengefallen sind , so wurden ar. shsh == ^ -|- s und ss 
einander gleich, nesü wie jesL Ausnahmen prinese und oPtvrSse se^ 
Jliklosich belegt letztere aber nur aus serbisch-kirchenslawischen 
quellen: ev. Nik., ev. Sisatov., Hvali, Hom. Mih. Die alte 
Unterscheidung liegt auf der band. Im serbischen ward sie 
durch unifonnirung verwischt, weil sie vor den mit t anlau- 
tenden personalsuffixen schon beim beginn der tradition aufge- 
geben war: r^te und näste waren gleich, daher drang nSSe 
nach analogie von rSse an stelle des älteren nisq. Ueberhaupt 
ist das ch, S schon altbulgarisch im vorrucken begriffen, wie 
die neubildungen nesochU, neso§^ an stelle der alten n^U, n^q 
lehren. Da somit das slawisch-litauische, altbaktrische und alt- 
persische die beiden gutturalreihen auch vor s unterscheiden, kann 
die mangelnde Unterscheidung im sanskrit keine alterthümlich- 
keitsein, sondern muss, wie oben geschehen, erklärt werden^). 



') Aus dem dargelegten folgt, dasswo abaktr. sh, 8, slaw. 8 zwischen 
Tocalen, lit 8Z einem skr. ksh oder einem A» anderer sprachen gegenüber 
stehen, dies stätsaus g -{- 8 (k^ -\- 8) entstanden ist : abaktr. (2{uAtna-, abulg. 
desinüt Ht. deszinä, skr. däkshina-; abulg. osiy lit. aszts^ lat. oari«, ahd. ahsa^ 
skr. äkska-; lit. 8ze8Zh abaktr. khshvaa, skr. shdsh; lit. kiszkä kniegelenk, 
ahd. hahsa; abaktr. tctsh, apers. UQOtasanäm acc. hochbau, abulg. tesati, 
lit. iaspjtiy skr. taksh, Spiegel, Justi und HQbschmann ztschr. XXm, 
399. 400 ziehen zum letztgenannten auch noch die altpersische wurzel 
Uikh8. Diese hat man abstrahirt aus der 1. sg. ham-oitakhsiy ich wirkte, 
bewirkte und der 3. pl. ham-atakhsatä sie halfen. Beide kennen aorist- 
formen der in Cithra-takhma und Takhma-gpäda, abaktr. takhma' stark, 
superl. taücisia' erscheinenden wurzel tank (täk) sein, sind jedesfalls von 
den vorhergehenden zu trennen, da in ugatasanam deren regelrechte Ver- 
tretung vorliegt. Dass diese indogermanische wurzel tak^8 (von Hübschmann 
und FickIS 86 fälschlich als taks angesetzt), wie auch ich voc I, 52 mit 
Curtius no. 219 meinte, den begrifflich sehr stark von ihr abweichenden 
werten, welche vielleicht auf eine wurzel tdk führen {Ttxtlvy got. pethan, 
lit tmku u. s. w.), verwandt sei, halte ich jetzt für sehr zweifelhaft, gehe 
aber nicht weiter darauf ein, da, wenn meine zweifei unbegründet sein 
sollten, sich' tak zu tdk^8 erhalten würde wie abaktr. aku- spitze zu indog. 
oi^so- oder ak^si- achse (s. 117), also durch die im folgenden zu gebende 
erklärung mit erklärt würde. Wie streng beide arten von skr. ksh im 
iranischen und slavolettischen geschieden werden, zeigt die sechszahl, deren 
gruudform ksvakU beide enthielt, und welche dem entsprechend abaktr. 
^P(U, abulg. iesm (nicht *8e8n) lautet. Das litauische gestaltete *kse8zi 



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132 Joh. Schmidt, 

Uoberblicken wir nun die fälle des wechsds der reihen 
t, g, gh und g, j (£), h (ih) mit ausschluss derjenigen indischen, 
bei welchen ein s folgt oder folgte, so ist in nennen der guttural 
älter als die sonderentwiekehing des indischen: für die arische 
grundsprache nachweislich in 8) aghi- und 13) mögika-, för diese 
und das armenische in 12) m^hd-, abaktr. maegha-y armen. 
m^g. osset. miegha, mindestens für das arische und slawische in 
4) skr. sargä-, slov. sraga, 8) abaktr. drakhkh = lit. dmlUaSy 
10) abaktr. dughdhar-, npers. dukkiar, armen, duxt^ HL dukie, 
abulg. düsü und 21) skr. ndkti-, lit. naktis, abulg. nost^, endlich 
für die Ursprache in 5) skr. gnä, abaktr. ghena, böot. ßayd^ air. 
ben, got« qinö, abulg. iena, preuss. genno und 24) skr. rökd-, liL 
laiikas, kypr. loq>ylg. Die gutturalen aller genannten sind älter 
als der zusammenfall von arisch </ und i in skr. j und von 
^h und i% in skr. h. Vielleicht jünger als dieser, d. h. vielleicht 
falscher analogie zuzuschreiben ist nur der guttural von 3) 
nachved. ydga- an stelle von ved. tfajä^. Andererseits sind in 
in den zu no. 5, 8, 9, 12, 24 gehörigen abaktr. wz. jsan ge- 
bären, äzö = abulg. cysoS'U, dereza = lit. dirzaSy abaktr. misti- : 
lit. m{zU, skr. ruganU : slaw. lysü die paiatalen Spiranten so alt 
wie in irgend einem belege für k^, g\ gh\ Für sie ist also 
das früher von mir (anz. von Ficks Spracheinheit Jen. lit. ztg. 
1874 art. 201) und Hübschmann (ztsclir. XXIII, 26) ergriffene 
auskunftsmittel, die annähme, dass die entwickeiung von k, g, 
gh zu iS flfS gh^ zum theil innerhalb des sonderlebens der 
einzelsprachen weiter gegangen sei, absolut unmöglich. Femer 
wechseln in den neun genannten die gutturalen mit den paia- 
talen Spiranten zwar nach den selben regebi, wie sonst die guttu- 
ralen mit den paiatalen verschlusslauten, aber die gutturalen 
stehen nicht in allen den lagen, wo sie nach diesen regeln er- 
fordert werden, z. b. 10) abaktr. misti-, 4) skr. srshtdr, 5) skr. 
Jana-, In no. 5, 6 und 19, vielleicht auch in 7 und 18 unseres 



zun&chst za *8e8zi, dann durch assimilation (vgl. sziseurae) zu szeszl. Im 
skr. wdrd das auslautende ksh vor consonanten regelrecht zu ah oder weiter 
zu ^, das anlautende gleichfalls zu eh (vgl. turtyn- aus *ktunya' s. 46). Im 
prftkrit und päli hat der anlaut noch die lautgesetzlichen Vertreter von 
kah : piükr. cfüL, eh(»(tho = ahMhfhd-j chappada- = ahatpada- (Lassen instit 
194 f. 319 f.), jaina-magadhi cha, kha^-amga-vi = aha^-anga-vH chattha- 
(A. Weber abh. d. Berliner akad. 1865, 415), päli cha, chaftha- (E. Kuhn 
beitr. z. pali*gr. 90 f.). 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 



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Verzeichnisses, erscheint der wurzelanlaut , in no. 8, 9 und M 

der Wurzelauslaut in dreifacher Variation. 

Diese auf den ersten anblick unvereinbaren thatsachen, 
lassen sich in einklang bringen nur durch die annähme, dass 
die arisch-slavolettischen palatalen Spiranten ursprünglich auch 
je zwei verschiedene articulationen gehabt haben, eine andere 
vor ij j, d als vor den übrigen lauten. Wir gewinnen so an 
stelle der oben s. 64 aufgestellten drei reihen vier, von denen 
je zwei durch einwirkung der folgenden laute aus einer zu 
gründe liegenden diflferenzirt sind. Bezeichnen wir die den 
palatalen Spiranten zu gründe liegenden laute mit griechischen 
buchstaben und ihre palatale affection mit einem accente, so 
haben wir an stelle unserer dritten reihe (arisch g, i, £h) für 
die zeit, als die Arier mit den slawisch-litauischen Völkern noch 
in Zusammenhang standen, zwei reihen, x, y, yh und x', /, y% 
welche sich zu einander verhalten wie unsere beiden ersten 
reihen, wie arisch k, g, gh zu Je, ^, r/Ä, z. b. arisch maiyhchs 
wölke (abaktr. maegha-), aber mdiy'h^-ti mingit (ma^aiti). Ich 
setze die vier reihen mit ihren arischen und slawischen Vertre- 
tern zur Übersicht hier unter einander: 



urspr. 


skr. 


abaktr. 


abulg. 


L a) k, g, gh 


K g, gh 


k(kh),g(gh) 


*, g 


b) n, l gh 


c, j, h 


c (sh), j (gh) 


c, i 


II. a) X, r, yA 








b) »', r', r'h 


g.j(£),h(£h) 


S, 1 


s, e. 



Einen bestand von vier consonantenreihen, welche auf dem 
durch die hinterste articulationsstelle der gutturalen und die 
hinterste der dentalen begrenzten räume des mundcanals dicht 
an einander grenzten, vermochte keine spräche auf die dauer 
ungestört zu erhalten. Das griechische hat, wie sich zeigen 
wird, den unterschied von h, g, gh und U, ^, ^h einst gehabt, 
aber meist wieder verwischt, ja die so zusammengefallenen 
beiden reihen auch meist von den arischen palatalen Spiranten 
nicht mehr geschieden. Daher dürfen wir uns nicht verwundern, 
^ in keiner spräche mehr alle vier reihen regelrecht ge- 
schieden sind. Die dritte (IIa) ward ausgemerzt und eben 
dadurch der in historischer zeit erscheinende wechse) der guttu- 
ralen verschlusslaute mit palatalen Spiranten herbeigeführt. 

Den lautwerth der vier reihen für die Ursprache genau zu 
bestinunen, unternehme ich hier nicht. Ein anhält dafür wird 



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124 Joh. Schmidt, 

sich am Schlüsse dieses abschnittes ergeben. Vor der band ge- 
nügt, dass Ib und IIb weiter vorn in der mundhöhle arliculirt 
wurden als la und IIa. Jede der vier reihen hatte also mit 
zwei anderen je eine eigenthümlichkeit gemein, war aber von 
der dritten durchaus verschieden. IIa (x, y, yh) hatte mit 
la (k, g, gh) das erscheinen vor nicht-i-farbigen lauten, mit 
IIb (x\ Y, /h) das kriterium, welches die Ascoli-Fickschen 
beiden gutturalreihen scheidet, gemein, dagegen mit Ib ß,^,^h) 
weder das eine noch das andere. Stellte sich aus irgend welchem 
gründe das bedurfniss heraus die reihe IIa aufzugeben, so konnte 
sie also nur durch la oder IIb, nicht durch Ib ersetzt werden, 
d. h. X, Y, yÄ fielen entweder mit /, /, yh oder mit k, g, gh 
zusammen, z. b. *maiYha- urina und *mäiY*hMi mingit wurden 
zu abaktr. maeza- und maemiti ausgeglichen, dagegen *niaiYhar 
nubes ward maegTiOr. 

Diese annähme einer das lautsystem vervollständigenden 
reihe x, y, j'Ä, welche nirgends mehr erhalten sondern entweder 
durch x', y'j y'^ = arisch q, i, ih, slaw. s, z, lit. sz, z oder durch 
k, g, gh = arisch k, g, gh, slavolett. k, g ersetzt wurde, erklärt 
nicht nur alle bisher angeführten thatsachen sondern auch die 
diflFerenzen zwischen den arischen und slavolettischen sprachen, 
welche zu zahlreich sind um einfach ignorirt zu werden und 
mich daher bis jetzt verhindert haben dem Ascoli-Fickschen 
ansatze zweier in der Ursprache schon geschiedener guttural- 
reihen rückhaltlos beizustimmen. 

Zwischen den beiden möglichkeiten x, y> yh zu beseitigen 
wählte die spräche mehrfach je eine andere für zwei wurzel- 
verwandte Worte, Von *wai/Aia-s, *miYh'la, ^miYh-ti-s, *maiYh' 
'tra-m wurden die beiden ersten zu arisch maighu-s = skr. 
m^ghd-j abaktr. maegha- und lit. migla, dagegen die beiden 
letzten zu *miY'h'ti'8 = abaktr. misti-s (lit. mizti) und *ma%Y'h' 
-fe'a-m= skr. medkra-m. So sargd-, aber srshidr; nir-margd-, 
aber mTshtd-; gnd, aber jdna- (Yovog); dsaghnös, aber södhum; 
saraghd-, aber sarddbhyas; vOghäf, aber vot. 

Andererseits wurde die selbe form in verschiedenen mund- 
arten verschieden umgestaltet: ^diYhta- ward skr. digdhd- aber 
abaktr. uz-dista-. So noch skr. Ihärgor glänz gegen abaktr. 
haraza- glänz, glänzend (skr. bhrajd- glänzend). Ja von einem und 
dem selben worte finden sich bisweilen im sanskrit selbst beide 
Umgestaltungen neben einander : gmds, jmds; nachved. yögro-, ved. 



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Zwei arische 'a-laute und die palatalen. 125 

-yäja-; san-^eghd-, san-^ehd-; mugdhd- RV., müdhor AV. ^). Ver- 
muthlich waren dies ursprünglich local verschiedene doppel- 
formen, sind also zu beurtheilen wie skr. digdhä- = abaktr. 
dista-. Den entsprechenden Wechsel der tenues zeigen: 

Ved. löpäQd-, später löpäka- schakal. 

garvart 1) pl. die bunten thiere der Marut ved., 2) nacht 
(durch die gestirne bunt) neben karvard-, karbard-, karvurd-, 
karburä' gefleckt, gesprenkelt, BR. 

garkotd- eine bestimmte schlänge AV., später karköfakd-, BR. 

grantd^ ermüdet, vedisch und nachvedisch neben aus- 
schliesslich nachvedischem klaniä- (gram, klam). 

goLTy gr-nirti zerbricht, glrnd- zerbrochen neben 4 kar, 
kr'nd4i verletzt, tödtet, klrnä- verletzt, getödtet; letztere sind 
allerdings nur von grammatikern angeführt, aber nicht fmgirt, 
da ktrna- sich mit abulg. krünü »verstümmelt« deckt (voc. II, 
25. 213). 

Differenzen zwischen den arischen und slavolettischen 
sprachen zeigen sich fast nur in solchen Worten oder veranlasst 
durch solche worte, welche nach unserer theorie einst x, y, yh 
hatten, erklären sich also durch die annähme, dass diese x, y, yh 
im slawischen und litauischen oder einem von beiden durch 
k g, gh, im arischen durch x', /, y'h = g, i, ih ersetzt sind *). 



») Nach Fan. VlII, 2, 33 sollen, auch die wurzeln druhy mih, muh 
(nnbelegt) entsprechende doppelformen bilden, die lingualen sind aber nicht 
belegt, nur drugdhä-y snigdhä- u. s. w. 

•) Von den mir bekannten fällen, in denen man das umgekehrte ver- 
hältniss lit w, i = skr. A, g angenommen hat, ist keiner ganz zweifellos. 

Lit seldpias nass : skr. hrptta- wasser (FickI*, 52); wird bedenklich 
(lorch abulg. kroplja tropfe, kropüiy lit. krupinti besprengen. 

hit sguntüf seüaii heiss, abgebrüht werden : skr. i^v^fA-ah' siedet, kocht ; 
Bzuntü kann zu anord. siöäa sieden gehören, sz = 8 wie in kiduszas 
Schädel = anord. hauss, maiszas sack = skr. muhd-s widder, Schaffell 
(Bugge . ztschr. XX, 1), kermuszis knoblauch = rQo/uvov (Bugge ztschr. 
XIX. 419), szelmü, szelmenis giehei, dachfirst(6eitler lit. stud. 114) = abulg. 
flhi^, as. sdmo, üil/ua (voc. II, 78); vergl. auch kuszys im folgenden (s. 126). 

Lit. zdndas kinnbacke : skr. gandd-s wange (Fick P, 69); das nd ist 
unerklärt, ebenso das verhältniss in welchem skr. jödu- kinn zu ihnen steht. 

Lett. ka/a, abulg. koza ziege : skr. chägä ziege, chagcdd- bock; auch 
die übrigen laute der worte entsprechen einander nicht regelrecht. 

Lit. zadü^ zadSti sagen, versprechen, zödis wort : skr. gddämi spreche, 
abaktr. jatd%emt bitte; auch die vocale stimmen nicht, denn abaktr. j>atc?A- 
yÄRt : skr. jagdda weist auf einen ablaut südeurop. e : o (s. 87), dagegen 



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126 Joh. Schmidt, 

axmdn' ward einerseits arisch agman-, andererseits lit. ahnerh 
(aJcmu), abulg. kamen- (kamy) ; von der selben wurzel lit. aMitai 
hachein (s. 117 no. 22). 

Wz. 9tru hören ward einerseits arisch frw-, grush-, skr. 
grush-ti' gehorsam, abaktr. graosha- gehorsam, a-grusii- das 
nichthören, abulg. sluti, slt/Sati, lett. sludinat verkünden, anderer- 
seits lit. klauspti, preuss. klausiton hören. 

Urspr. sväxura-y fem. sväxriJlr- ward einerseits skr. gvdgurary 
^agrü-j abaktr. qagura-, armen, skesm, lit. szdszuras, anderer- 
seits abulg. svekrU, svekry, 

Lit. smakrä kinn und skr. gmägrt^ hart (Pott wzwtb. I, 
393 anm.) vereinigen sich in urspr. smaxr-. 

Abulg. kry4i verbergen, bedecken : skr. far-and- schützend u. a. 
(voc. II, 285. 251 f.). 

Lit. kloti bedecken, abulg. MM haus, Speicher, oquoltod 
SC. de Bacc. : skr. gälä obdach u. s. w. (voc II, 253). 

Abulg. kloniti neigen neben sloniti anlehnen: skr. gri, 
grdyati lehnen u. a. (voc. II, 252). 

Lit. daknvU zerreissen, beissen (Geitler lit. stud. 80): skr. 
ddgaii, dämshtra-; abulg. desna gingiva, welches man mit skr. 
dag, ddxvcö vergleicht, stimmt weder der bedeutung noch dem 
wurzelvocale nach. 

Preuss. pecku, lit. pekus vieh (Ness.) : abulg. ptsü hund, 
arisch pag^h, urspr. päxtt-. 

Lit. ki4S£fy$ vulva : skr. gitshi- spalt, loch, xvaoc, lat. ctmnus 
aus *cusnus (Aufrecht ztschr. IX, 232). Die Zugehörigkeit von 
gushi- ist aber nicht sicher, da im skr. die Schreibung zwischen 
Sushi- und gushi- variirt und letzteres aus ersterem entstanden 
sein kann wie gtishka- aus *stishka^ = abaktr. ÄwsAra-. In 
xvcog müsste a aus aa vereinfacht sein wie in fiitfoc, noaoq^ es 
könnte dann aus *xvajog entstanden sein. Die litauische 
Variante kuzys (Ness. wtb.) scheint nicht von bedeutung, da 
kuszys durch lett. küse bestätigt wird; lit. sz = urspr. s s. 125 
anm. unter sauntü. 



zadü : zödis auf sQdeurop. a : ä, Abulg. gadcUi erratbeu, poln. gadac 
erralhen, reden, lett. gädät sorgen, besorgen, welche Miklosich aslov. 
lautl.* 272 zu den obigen zieht, halte ich nicht für verwandt, stelle sie 
vieiraehr zu goditi gefallen, goditi sq sich ereignen, got. göds. gadati ist 
>das richtige, gefällige, zutreffende sagen«, nslov. zgodüi^ pogoditi in der 
bedeutung »errathen^ belegt Mikl. lex. s. v. goditi aus Valjavec^s mährchen- 
sammlung. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 127 

Lit. kdrve kuh, preuss. curtvis, abulg. hrava : abaklr. grva- 
höraem (zweisilbig gemessen, gruva-, Geldner metrlk s. 23 f.), 
eervus, luqaog (Fick P, 58). 

Abalg. kosa sichel, lit. hasH graben: skr. gas schneiden 
(s. 11); abulg. o-soSUi änoxonxitv, welches von Fick vergl. 
wörlerb. H*, 697 mit skr. gas verglichen ist, hat damit nichts zu 
thun, denn es ist von socha gabel, gegabelter baumstamm ab^ 
geleitet, bedeutet also eigentlich »abgabein«, daher »abtrennen«. 

Altserb. cM tubus, cMnikU qui ftstula canit, nserb. cijev 
weberspule, flintenlauf, slov. cev röhre, russ. cövka spulrolle sind 
im sonderleben des slawischen aus europ. *kaivis entstanden 
wie c^na = abaktr. kaena, cäU = got. hails, preuss. kaüüs- 
tiskan u. a., im litauischen entspricht aber szeivä weberspule, 
Pfeifenrohr (Geitler lit. stud. 70), lett. saitoa weberspule ^). 

Lit kirmpi schlafen (ir = skr. r): skr. gram, klam müde 
werden (s. 125), mhd. hirmen ruhen, rasten (ztschr. XXI, 96). 

Lit. miglä, abulg. m/igla : mysti (s. 116). 

Lit. änksgUts enge: abulg. q/sosPi, abakti*. äzanhr (s. 115). 

Abulg. glc^kU tief, lit. Uampa wiese, in der man einsinkt : 
skr. jrmbhate gähnt (voc. II, 293), dessen j wegen des er- 
scheinens vor r wohl aus arischem i entstanden ist (s. 73). 

Poln. gtoiazda, cech. hväjsda, abulg. evöiida : lit . zvaigzdi, 
lell. fwaigfne stern. 

Serb. iä-ljegfiem, -Ijegoh, -Ijeci neben ii-ljezem^ -Ijezoh, -Ijesti 
= abulg. iß'l&sq, -listi ausgehen, auch bulg. iz-legö'a, s-legof 
Miladin. 150. 305 (Miklosich asiov. lautl.^ 268), sonst durchweg 0. 

Abulg. ^gc^^ neupers. osset. yaz^ armen, sag aus *ga8 
(Hübschmann ztschr. XXIII, 26. 391) : lit. ectsis, skr. hamsd-s, 
dessen h des litauischen wegen für arisch ih, nicht mit Hübsch- 
mann für ar. gh zu halten ist. 

Abulg. gradU mauer, einfriedigung, Stadt, abaktr. geredha- 
höhle, skr. (jfrAo- haus (voc. II, 128), lit. ga/rdas bürde, aber da- 
neben ia/rdis eingezäunter Weideplatz, garten, preuss. sardis zäun. 

Lit. angä enge Öffnung : abaktr. äeö enge, abulg. qzost^, 
vgl oben änksei4M. 



^) Lit. kimas, preuss. caymis dorf, luuniynast nachbar, preuss. haiminan 
acf. stellt Schleicher beitr. I, 111 zu lit. szeimyna, preuss. »eimlns, lett 
sotiM gesinde. Ich halte beide gruppen nicht für verwandt, die letztere 
gehört zu abulg. slmX persona, s^ija f. dlvd^anoda, säminü audganodov. 



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128 Joh. Schmidt, 

Letl. Urga qualm, birkstU kohlen abstossen, preuss. birgor 
'karkis kelle, athbirgo garkoch : skr. bhrjjdti röstet, part. bhrsktd- 
(voc. II, 339). 

Nbulg. bUrgo schnell neben bUreo (Miklosich aslov. lautl.^ 
268), alle übrigen slawischen sprachen haben e; ob das j des 
zugehörigen, skr. bhuraj (voc. II, 18. 4) g oder i sei, ist un- 
bestimmbar; das i von abulg. brUmj Strömung, welches Miklosioh 
aus g herleitet, kann ebenso gut aus xij entstanden sein, vgl. 
pomysljaj cogitatio u. a. Mikl. vgl. gr. II, 82. 

Lit bingüs stattlich : skr. bdkü', bdfnhishiJuh, abaktr. bäzanh- 
grosse, stärke, tiefe, lit. bazmas grosse menge aus "^banzmas 
(voc. II, 469). 

In den fünfundzwanzig genannten stehen die gutturalen 
k, g nur vor solchen lauten, welche in den arischen sprachen 
K 9f 9h nicht k, ^, ^h fordern. Selten erscheinen auch vor 
hellen lauten die Vertreter der arischen K, g, ^h in wurzeln, 
welche anderweitig palatale spiranten haben. Die meisten von 
diesen bieten gar keine Schwierigkeit 

Poln. kruk rabe, demin. kruczq, kruczy zum raben gehörig, 
kruczy es knurrt im bauche, lit. krauHu^ kraukti krächzen : 
skr. krögo geschrei, krSgati schreit; die ursprünglich wurzel- 
verwandten in der a-reihe ablautenden skr. krka-^dku- hahn, 
pfau u. 9. w. voc. II, 287 f. haben auch im skr. k; in keiner 
europäischen spräche erscheint kv. 

Abulg. ml^ milch, russ. molocaj Wolfsmilch, falls es nicht 
germanisches lehn wort ist (voc. I, 72; II, 78): mlUisq, arisch tnari-. 

Abulg. trtgnqii, trtgati zerreissen, 3. sg. aor. Mie : skr. 
tarh, tmedhi zermalmen. 

Abulg. mogfi kann, 2. sg. moieSi u. s. w. : preuss. massi 
ich kann, du kannst, er kann, abaktr. mae-, skr. mah- gross. 

Abulg. l^q lege mich, 2. Iqzesi, loie lager : preuss. lasinna 
er legt, lasto bett, listis hcerlager (lit. ligä wiege, welches Fick 
P, 749 anführt, ist mir unauffindbar). 

Lit. biogas schwach, russ. blagcj starrköpfig, dumm, blast 
abgeschmacktes zeug : abulg. blaenü error, scandalum. 

Abulg. m^ga saft der bäume, cech. mizha, miidi zieht 
Miklosich aslov. lautl. ' 269 zu skr. mih, lit. miiti, serb. migati 
(s= ^^mizjatz)^ nslov. iz brSze mzi, aus der birke träufelt es. eg 
stünde dann für g wie in zvizdati sibilare : lit. zxn^i, zvegti 
quieken, zvengti wiehern; drozdijq hefen = preuss. dragios; 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 1^ 

rass. uggu neben ugolU, abulg. qglU angulus (a. a. o. 290). 
Sicher ist diese etymologie nicht, da mhd. meisdi m. trauben 
unmittelbar vor der kelterung, meische-boden Sumpfboden sich 
niit miega laut für laut deckt. 

Lit. Uiegü^ blvsgeti glänzen, abulg. bUskü, bliskati, bUstati : 
skr. hhraj (s. voc. I, 72 und über den Wechsel von abulg. sk 
und zg Miklosich aslov. lautl.' 290). 

Abulg. br^ggü morgendänimerung, russ. brezziM sja dämmern, 
lit. apibresgkis morgendämmerung, brekseta es tagt stellt Miklosich 
zu skr. hhraj; dann befremdet das r, da in Europa l in dieser 
Wurzel herrscht. Ich ziehe sie daher lieber zu mhd. brelien 
plötzlich und stark leuchten. Skr. bhraq ist unbelegt. 

In diesen fallen, soweit sie sicher sind, ist aller Wahr- 
scheinlichkeit nach wie in den früher genannten zunächst nur 
if g vor dunkelen lauten als ersatz für x, y, yh eingetreten und 
erst später 1c, ^ (abulg. ö, £) nach unursprünglicher analogie an 
stelle von x\ y, yh gesetzt, also z. b. früher mogq, *mozeSi 
(preuss. tnassijy erst später mozesi (vgl. unten äfiip^, aqid, 
urgueo, fluvi/us). Das selbe gilt w^ohl von 

Abulg. gasnqti erlöschen, lit. gensa Bretken (Bezzenberger 
z. gesch. 40) aus *gesna (vgl. voc. I, 30 f.), jetzt gsstü, gesU, 
lett d/eOu, dfist : skr. jäsate ist erschöpft, abaktr. eah erlöschen. 
Die völlige Identität von alit. gensu und gasnq führt auf die ver- 
muthung, dass das lit. e an stelle eines älteren a getreten sei, 
entweder durch lautwandel (schwanken zwischen a und e s. 
Schleicher lit. gr. s. 31 f. Brückner fremdwörter 43 f. anm. 203, 
lett. c = lit. a Bielenstein lett. spr. I, 113) oder durch form- 
übertragung, und dass g vor diesem a entstanden sei. 

Aus der altirischen flexion nom. ben mulier, gen. mnd u. s. w. 
(Zeuss-Ebel gr. celt. 214 ff.) hat Mahlow erkannt, dass die be- 
nennung des weibes ursprünglich in den starken casus den 
Wurzel vocal bewahrt, nur in den schwachen verloren hatte: 
stark *ydna, schwach *yna-. Letzteres ward gna = skr. gnä, 
abaktr. ghefia, yvp^j ßava, air. gen. nmd, und zog die starke form 
nach sich, welche so zu 0na = abulg. Sma, preuss. genno, got. 
pnö, air. ben (abaktr. jeni) ward statt des nach abaktr. zlzancMi, 
U.ienta8, abulg. ^e?^ zu erwartenden V^**^= abulg. *zena u. s. w. 
Ausser dem irischen ward dann je eine form des ablautenden 
Stammes unterdrückt. In der selben weise erklärt sich das ver- 
haltniss der wurzelverwandten abulg. gos-podt, dsa-noTf/g, skr. 

ZchMbrlft für T«rgl. Sprachf. N. F. V. 2. 9 



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130 Joh. Schmidt, 

jäs-pati-. Der stamm des sahst, lautete ursprünglich stark *yö$- 
schwach *y'is- (s. 15 f.), an stelle von ^yos- trat *flfffs-, dessen g 
in gospocK vorliegt. Ob der anlaut von dsanot^^ und jd^paii 
das alte y' oder ein durch ^gos- herbeigeführtes ^ vertritt, lässt 
sich nicht entscheiden. So werden auch lit. gentis blutsver- 
wandter, gemü,glnUi geboren werden gegenüber iÄi^ Schwieger- 
sohn ihr g aus formen mit dunkelen oder gar keinen vocalen 
übertragen haben, z. b. ganAnH erzeugen, dp-gamas muttermal. 

In den übrigen europäischen sprachen hat das verhäitniss 
der slaw. lit. k, g : arisch g, i, £h die gestalt kv, gv, ghv : arisch 
g, i, ih. Es schliessen sich also ausser den benennungen des 
weibes hier an: 

ontci einer kürzlich in Olympia gefundenen inschrift, 
welches mir A. EirchhofF mittheilt, : skr. ashtd, abaktr. osto, 
lit. ctsetAnl, abulg. asn^. 

fuignttö : skr. tnarg, mrgdti anfassen, berühren (Roth 
ztschr. XIX, 222). 

iQifitofiat : skr. rig-dti rupfen, abreissen, abweiden (BR.; 
voc. II, 257). 

'^sortQonog : skr. prag-nä-, lit prc^z^i (L. Meyer ztschr. 
XXII, 61). 

ßQi, ßQ&ccQog : skr. jri, urthjri- sich weit ausdehnend, jrdpas 
strecke, abaktr. erayanh- see, apers. daraya- meer (voc. II, 331). 

Aeol. a^jt^v, av^v {== avxfjv) verhält sich zu got. hals- 
-agga (voc. I, 183), 6ech. vae genick, preuss. tvinsm hals (Burda 
beitr. VI, 402; w vorgeschlagen wie in wyzere see = abulg. 
jegero) wie das wurzelverwandte got aggvus zu abulg. qzü-kü 
eng. Das y wird seinen sitz ursprünglich nur in den starken 
casus vor « gehabt haben *a(kffiAv^ gen. avxivoq = got agg^j 
aggins, woraus durch uniform irung die vorliegenden formen 
entstanden wie no&f*^, noifukivog aus *no&(u6v^ 7to$fAivog s= lit. 
pemü, pemens (s. 15). 

Got aqizi axt, lit. jekszis, gen. jekseio m. und jeksjsHs, gen. 
jeksgtes f. axt: lit. asetrüs, abulg. ostrU scharf, skr. d^ir schneide, 
kante u. s. w. aq-iz^ verhält sich zu *^»-o^ (%ava-^*fic^ 
dfiqf-ijxiigj wie juk-ws-i zu fary-o^. Sein q wird im nom. acc. 
des zu gründe liegenden neutralen s-stamms entstanden und von 
da aus auch vor das e (i) der casus obliqui verschleppt sein 
{^cücvas, cas. obl. *aJces--; vgl. skr. bhdrgas, cas. obl. Wiräjas- 
s, 111). Das k ward durch das folgende v vor der lantver- 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 131 

Schiebung zu g erweicht und dies durch die Verschiebung wieder 
zu i wie in sigqan (lit. senku sinken, vom Wasserstande, abulg. 
s^m(^ fluere, skr. d-scJc^O', a-sa-gc-dt- nicht versiegend, hom. 
idf^\ qainön (air. coinim fleo Lottner ztschr. XI, 185), anord. 
myrkr, acc. inyrh)(m dunkel (russ. merkntU^ sich verdunkeln, skr. 
marJuh das erlöschen, voc. II, 26. 132, preuss. marko^isai nacht- 
gespenster, Pierson altpreuss. Wörterschatz 26). Die alte erklärung 
Yonaqiziisi also lautlich vollkommen gerechtfertigt und begrifflich 
besser begründet als die lautlich unmögliche Verbindung mit ahd. 
ancho butter, nach welcher aqm die gesalbte, blanke sein soll 
(Fick ni*, 8). Lit. jeksjsis hat im anlaute j vorgeschlagen und 
verhält sich zu aqizi wie ap-jek-H blind werden zu dk-las blind 
(vgl. Schleicher comp.* 145). Der vocal des suff. -as ist wie 
wie in tamsä geschwunden und vor s dann k statt 80 eingetreten. 
In beiden punkten verhält sich jekssis zu hypothetischem arischem 
^flfOÄ wie änksztas angustus zu abaktr. äzanhr, abulg. fysos4i. 
Vergl. skr. dg-ror : dg^ri- (s. 117). 

GoL aggvus : abulg. qaü-kü, abaktr. änanh-; vgl. obfn 
iliq>^p, lit änketas, angä, 

Lat. Imguo Priscian X, 11 (I, p. 503 f. H.) : skr. lldhdr, 
KL Ueti, abulg. limti. 

Lat. urgueo (belege für die Schreibung mit gu bei Corssen 
krit. beitr. 68, Brambach hülfsbüchl. f. lat. rechtschreibung): 
lit. vereiü veriti drängen, schnüren, abulg. po-vrUq binde, cMr 
-vrtzq öffne; man darf vermuthen, dass lat. gu vor e erst durch 
Verschleppung gekommen und vor dunkelen vocalen entstanden 
ist; vgl. got. gaaggvidai : aggvus. 

Das selbe gilt von fluinus, wenn dies aus *flugvius entstanden 
ist Der in canfluges, fiudus u. s. w. erscheinende guttural ent- 
spricht dem palatalen Spiranten von abulg. Irüeü schnell, hruiaj 
Strömung, skr. hhwraj brodeln (voc. II, 4. 270), welcher auch 
im bulgarischen mit g wechselt: hUrgo, hüreo s. 128. 

Wo in den arischen sprachen U, §, ^h und g, i, £h in 
wurzelverwandten worten mit einander wechseln, liegen stäts 
formen mit *, g, gh vermittelnd daneben, ist also die selbe er- 
klärung, welche wir für abulg. mogq : moieSi : preuss. massi 
aufgestellt haben (s. 129), möglich. 

Abaktr. ghena : jeni : zlzanafUi (s. 129. 115). 

Skr. gdyor, jigdya : jdyati, abaktr. jayanU : skr. jinäti, 

abaktr. mnap (& 115). 

9* 

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132 Joh. Schmidt, 

Skr. gabklrd-, gänibhan^ : abaktr. jäfnu- : skr. jörnblM', 
abaklr. zafan-, abulg. ec^, falls diese mit ersteren überhaupt 
verwandt sind (s. 88). 

Arisch aghä-, abaktr. aghana : ar. *a^hi- == abaktr. azhi : 
abaktr. äeö (s. 115); in cushi-, slov. vöz, lit. angis, lat. anguis ist 
^Ä urindog., also vielleicht die erklärung anzuwenden, welche 
für die alsbald zu erwähnenden slavolettischen K, ^ vor hellen 
lauten an stelle von x\ y\ /A möglich ist 

Abaktr. dräkh-ta- = lit. dndctas : draeh-aüi : dereisa = lit. 
cTtrzas u. s. w. s. 115. 

Skr. jan-gah-e : abaktr. janh-u- : abaktr. ;e»^-a (s. 116). 

Skr. gha, abaktr. ga-t, abulg. go, lit. gu : skr. ha, abulg. 
ze, lit. gi : skr. hi, abaktr. gf, bulg. zi (s. 95). 

Skr. rökti', lit. laükas, abaktr. mokJtshna-, preuss. lauxnos, 
kypr. Xotpvig : skr. rocorfg, abaktr. raoconfeiH, abulg. Z«Ja : skr. 
rugant-, abulg. {y5t2 (s. 117). 

Wollen wir Ordnung schaffen, so haben wir anzunehmen, dass 
a|^ch in diesen fallen ursprünglich laute der reihen IIa und IIb 
X, Y, r^ und x'y y\ /^ zu gründe liegen^) und die Störungen 
nur folge der ersetzung von x, y, yh durch k, g, gh sind. 

Verschwindend gering an zahl sind ihnen gegenüber die 
lit. k, g, abulg. S, i, german. hv vor hellen lauten im Wechsel 
mit palatalen Spiranten ohne nebenliegende k, g vor dunkelen 
lauten, welche die Störung erklären. 

Lit. kfyrdias hirt, abulg. 6röda herde : skr. gärdhas herde, 
schar, abaktr. qa/tedhcb-, apers. tharda art, gattung, doch steht 
daneben mit gutturalem anlaute und dunkelem wurzelvocale 
abaktr. karedha- in evUö'karedhch scharen von schlechten an- 
fülirend. 



>) Das armenische hat in einigen fällen U, den lautgesetzlichen Ver- 
treter von arischem i, slaw. z, lit. z, im auslaute von wurzeln, welche im 
arischen und slavolettischen nur g oder g (reihe Ia,b) zeigen: fruit« speise 
(skr. bhuj), ötsanel ungere (skr. anj), lUd jüngere (skr. ytif), lütsanel lösen 
(skr. rt^j), ortsal igfvytffd-at (lit. ridugmi, abulg. rygaii), s. Hflbschmann 
ztschr. XXIIl, 25 f. 395. Da in armen, öde schlänge (a. a. o. 26) der laut- 
gesetzliche Vertreter von arischem iA, slaw. z, lit. i gegenüber den einstimmig 
auf gh fahrenden abaktr. azhi-, sloven. vöz, lit. angU, lat. anguis erscheint, 
ist in allen diesen fällen die Unregelmässigkeit wohl auf seite des arme- 
nischen, d. h. ts und dz sind wohl erst im sonderleben dieser spräche ent- 
standen wie im neupersischen z an stelle von abaktr. apers. ^ (Hübschmann 
ztschr. XXIII, 395), nicht fortsetzungen indogermanischer / und y'h. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 133 

ff 

Got. hüaimei xgaviov : skr. gircts. 

Falls abulg. nizaje infra : nijsü eine »organische« bildung 
fet, wofür es Miklosich aslov. lautl.* 268 hält, ist es hier zu 
erwähnen. Doch ist wohl das £ des nach jüngerer art gebil- 
deten comparativs niiaje aus dem älteren nieö = *nizje über- 
tragen ebenso wie das von niSini 6 xdxfa neben nieinX, 

Lit gembe pflock, falls es, wie man annimmt, zu mmba, 
abulg. e€^, abaktr. mfan-, äLT.jdmbha- gehört; sehr zweifelhaft, 
vgl, s. 88 anm. 

Lit. gtmos, preuss. gimoytm (voc. II, 494), abulg. zriny, 
got. qairmLS mühlstein : lit. zvmis erbse, preuss. syme, abulg. 
fsf^no, got. kaum, falls beide gruppen, wie man allgemein an- 
nimmt, verwandt sind und nicht vielleicht erstere zu skr. gar 
verschlingen (lit. girti) gehört. 

Lit. geltas, abulg. zMü gelb : abaktr. zairita-; abulg. zluet 
(aus *SilSi) neben zlüffl galle ; russ. zelkmM gelb werden, poln. 
zolknqc : abulg. zlakü grünes kraut, iiXxM' Xd%ava. (Dgvyhg 
Hesych. ; im übrigen haben die wurzel- und begriflfsverwandten 
m den slavolettischen und arischen sprachen y% abulg. zelenU 
grün, lit. zelti grünen, zdlias grün, zoU kraut, abaktr zairi- gelb, 
zara^-ca galle (zand-pahl. gl.); abulg. zlato, lett. felts gold, 
abaktr. zaranya-^). 

Sicher ohne nebenliegende k, g vor dunkelen lauten sind 
also nur die beiden letztgenannten lit. gimos^ geltas und got. 
hvaimei, d. h. je ein beispiel für die tenuis, media und aspirata. 
Möglich, dass auch ihnen einst worte mit anlautenden ka, ga, gha 
zur Seite lagen, welche die Störung veranlasst haben, später 



*) Was Fick P, 81 wie andere unter eine wurzel g?Mr zusammenstellt, 
sondern die hier in betracht kommenden sprachen in drei lautlich und 
begrifflich von einander geschiedene gruppen. 1) die oben genannte mit 
anlautendem yA, auslautendem europ. l (ausser germ an., ahd. gruoni neben 
gelo, ffaüa, und lat. germm, grämen neben helvus^ höl^8\ Curtius g. e. no. 
197. JOD, grundbegriflf grün, gelb; 2) slavolett. icr- leuchten, sehen, abulg. 
ArHi sehen, botü das sehen, zorja glänz, lit. HurHi sehen, zeriti glänzen, 
pd'iitras schein am himmel, der dem tagesanbruche vorauf geht und der 
morgenröthe fo|gt; 3) ^Aar glühen mit r in allen sprachen, wieder mit aus- 
nähme der germanischen (ahd. gluoan neben warm), skr. gharmd-, ghfnd-, 
abaktr. garema-y lat. formus, got. varms, preuss. gorme hitze, goro »vuerstant«, 
gi»rrewingi brünstig, lit. ^ora« dampf, abulg. ^or^ti {>rennen, ^^<t wärmen, 
mit Palatalen skr. hdraa gliith = O^i^os, ^«^/<ö(, abulg. zeravü glühend, 
itravije, zeratiOcü häufen glühender kohlen, po-zarü (aus *'Ziru) feuersbrunst. 



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134 Ml' Schmidt, 



aber verloren gegangen oder mir unbekannt geblieben sind. 
Doch ist ebenfalls denkbar, dass, wie », ^, yh durch k, g, gh 
ersetzt sind, so auch die zugehörigen x, /, y'h vereinzelt durch 
die entsprechenden laute der anderen reihe K, g, 0i direet ver- 
drängt seien. Ganz ausnahmslose lautgesetze, d. h: der^ aus- 
nahmen wir alle erklären können, gehören ja noch zu den 
grössten Seltenheiten. 

Wenn es gelungen ist die Vermischungen der Ascoli-Fickschen 
beiden gutturalreihen bis auf die wenigen zuletzt genannten alle 
durch den ansatz unserer reihe «, y^ yh, deren verschiedene 
ersetzung in den einzelnen sprachen die Störungen hervor rief, 
zu erklären, so ist damit die existenz dieser reihe bewiesen. 

Weiter wird dadurch der lautwerth unserer reihen Ia,b 
negativ bestimmt Indog. ^yna weih ist schon in der Ursprache 
zu gnd geworden : skr. gna, abaktr. ghena u. s. w. s. 129. Andere 
gleich alte reihenwechsel sind ebenda erwähnt. Sie wären nicht 
möglich gewesen, wenn, wie vielfach, zuletzt von GoUitz (Bezz. 
beitr. III, 190), angenommen wird, an stelle von skr. k, g, gh 
in der Ursprache kv, gv, ghv gestanden hätten. Zu der zeit, als 
*yna in gna übergieng, kann letzteres nicht gvna gesprochen 
sein. Die ersetzung von x, y, yh durch k, g, gh wäre unmöglich 
gewesen, wenn letztere sich von ersteren durch das plus eines v 
unterschieden hätten. Hieraus folgt, dass wo europaische sprachen, 
wie in ßavd^ got. qinö, air. hen (gen. mnd\ ein kv, gv, ghv 
gegenüber arisch -slavolettischen k, g, gh zeigen, erstere dn v 
nach abtrennung von letzteren neu entwickelt, nicht letztere ein 
V verloren haben. Das griechische hat, wie sich zeigen wird^ 
vor s, t, j das v ebeiJfeo wenig wie die arischen und slavo- 
lettischen sprachen. Unsere s. 123 aufgestellten vier guttural- 
reihen müssen also in anderer weise geschieden gewesen sein. 
Entweder wurden la und Ib (k, g, gh und Je, ß, ^h) weiter hinten 
in der mundhöhle articulirt als Ha und IIb (x, y, yh und 
«'> v'i 7^)y diös ist ungefähr die ansieht von Äscoli, Möller (die 
palatalreihe Lpz. 1875 s. 17) und Leskien (decl. XXV). Oder 
Ia,b waren verschlusslaute, dagegen IIa, b affricaten oder Spi- 
ranten, woKr die übereinstimmende spirantennatur von skr. f, 
slaw. s, lit. sz u. s. w. geltend gemacht werden kann^). In 



>) In der anzeige von Leskiens declination (Jen. lit. ztg. 1877 artikel W) 
habe ich darauf hingewiesen, dass skr. ^d^tira-, lit. szhewraa^ armen, skesur 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 135 

deD Übrigen sprachen wären dann diese indogermanischen 
Giranten zu verschlusslauten geworden wie im germanischen und 
lateinischen bekanntlich alte i^iranten zu tönenden verschluss* 
lauten g, d, b geworden sind. Eine feste entscheidung zwischen 
dai beiden angedeuteten möglichkeiten wird erst zu gewinnen 
sein, wenn die einschlägigen Verhältnisse in den einzelsprachen 
viel sorgfaitiger, als bisher geschehen, erforscht sein werden. 

Hat die Ursprache an stelle von skr. f zwei laute gehabt, 
je nachdem ein »-farbiger oder nicht-i-farbiger laut folgte, dann 
wird sie auch schon skr. c von Je irgendwie unterschieden haben. 
Im slawischen entspricht bekanntlich das verhältniss von k, g : 
c, g dem arischen von k, g, gh : k, ^, gh. Auch das litauische 
hat wie das slawische und lettische von den gutturalen ge- 
schiedene paJatale, nur sind sie noch nicht assibilirt, sondern 
reine palatallaute geblieben. Die schrift scheidet die vor e, i stäts 
palatalen k, g von den vor allen übrigen lauten tief gutturalen 
k, g nicht, wohl aber die ausbräche, s. Schleicher lit. gr. 17 f. 
Auf diese dinge soll hier noch nicht eingegangen werden, da 
sie im allgemeinen als bekannt vorausgesetzt werden können, 
im einzelnen freilich noch mancher aufklärung bedürfen. Zu- 
nächst will ich die entsprechenden erscheinungen des griechischen, 
welche ich früher schon berührt habe, ins äuge fassen. 



Die palatalen im grie<diiBOhen. 

A. Tenues. 

Auf den Zusammenhang des an stelle von k oder hv an- 
derer europäischer sprachen erscheinenden % mit dem arischen 
c habe ich in der anzeige von Ficks buche »die ehemalige 
spracheinbeit der Indogermanen Europas« (Jen. lit. ztg. 1874 



auf eine gemeinsame grundform ivamra' (s palatale spirans) führen, deren 
anlautendes %o aus dem 8V der Übrigen sprachen durch assimilation an 
den anlaut der zweiten silbe nur zu einer zeit entstehen konnte, als letzterer 
eine spirans war. Ist die Übereinstimmung der genannten formen kein 
lufaU, so beweist sie also, dass skr. (, Ut. se, slaw. s schon spiranten 
waren, als die arischen und slavolettischen sprachen noch nicht von 
einander getrennt waren. 



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136 Joh. Schmidt, 

artikel 201) hingewiesen und die von Curtius (stud. VII, 267 f.) 
dagegen erhobenen einwände in der anzeige des sie enthaltenden 
bandes der »Studien« (Jen. lit. ztg. 1875 artikel 588) zu entkräften 
versucht. Die resultate der beiden vorhergehenden abschnitte 
geben wesentlich neue gesichtspunkte für die beurtheilung dieses 
Verhältnisses. Curtius hat ganz recht, wenn er sagt: »es ist 
gewiss kein zufall, dass griech. v (ür x nur vor e und t sicher 
nachweisbar ist«. Da aber arisches c ebenfalls nur vor d, t, y 
entstanden ist und ursprünglich nur vor diesen lauten erschien, 
so beweist dies argument nichts gegen den historischen Zu- 
sammenhang des griechischen t mit arischem c Ob ein solcher 
anzunehmen ist, kann erst nach Untersuchung der einzelnen 
falle des »dentalismus« erörtert werden. 

Jedem der sicher aus gutturalen entstandenen r entspricht 
arisches c : ts = ca, lokr. Svts = lit. ifti (d. i. i-M) bis, -rc in 
o-Ts = skr. -ca in pag-^ (s. 97), T€ia> = cdyaU rächt, nevta 
= pdüca, TevoQsg = catväras, tlg = abaktr. ds ^), dva^tsXJisi : 
uC'Carati (s. 138), tSXaov : carshuni- (? s. 89 anm.). Andere 
beispiele, in welchen einst vorhandenes tj = arisch cy weiter 
zu (f<fj %% geworden ist, werden sich im verfolg ergeben. Nur 
für tiväccoü fehlt bis jetzt jeder auswärtige anhält; dass sein % 
aus X entstanden ist, zeigen äxirayfiaTa == ttvdyfAata Et. magn. 
48, 39, dxivayfAog = TivayfAog Hesych. (Lobeck pathol. elem. 
I, 20, Curtius g. e.* s. 482). 

Vor allem wichtig ist, den Wechsel von v mit n zu beob- 
achten. Er zeigt sich deutlich zunächst in sieben fallen. Von 
diesen haben fünf in den arischen sprachen den genau ent- 
sprechenden Wechsel zwischen c und k, im sechsten und siebenten 
sind wenigstens die selben bedingungen für ihn vorhanden wie 
für c : k. 

1) T*V, T€o : noTßQog, ion. x6t6()og = abaktr. eis, cahyä 
(s. 91 f.) : katOror, skr. katard-. 

2) Tsio) : notvij = skr. cdyate : abaktr. kaena (s. 78). 

3) nivTs : nifimog = abaktr. pcmca : pukJidha-, skr. pdnca : 
pankti-; das ordinale hat wegen betonung des suff. -tor- (s. 30 
anm.) schon in der Ursprache den auslautenden vocal des car- 



>) Den einwand von Curtius stud. YII, 270, dass in dem auf % aus- 
lautenden stamme des interrogativs der palatal nicht gemeinarisch sei 
(skr. hiSy A^m), hoffe ich oben s. 66 erledigt zu haben. 



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Zwei ansehe a-laute und die palataleo. 137 

dioaJe ?erIoren, wie die Übereinstimmung von pukdha-, nSfAmo^, 
qmnius, ahd finflo, lit. penktas, abulg. p^yj lehrt. Skr. pancatkä- 
ist neabildung. 

Um lesb. nifine fär nivrs, kypr. nefAnafiiQWP (Deecke- 
Sigmund stud. VII, 235. 237) und n€ia€$ (a. a, o. 252) = 
ii6u, welche aus diesem regelmässigen Wechsel von % vor e 
and # mit n vor anderen lauten heraus treten, richtig zu beur- 
theilen, muss man erwägen, dass das lesbische in ri^ xiq^ KUo- 
tiifm Gonze reise auf Lesbos tafel IV, 5, äpT$T$fiaaafAiv(a taf. 
Xn A, 17, T#/*acr« B, 17, ivrifiosg Cauer delectus 126, 13, 
%fi(ia$g 127, 5. 6, das kyprische in aig = %ig und Ttiiox^Q'^ß^^ 
Deecke-Siegism. stud. VII, 251 f. 259 vor hellen vocalen wie 
die übrigen dialekte die dentale Wandlung haben ^). Daraus 
ergiebt sich, dass nifine sein n aus nSf^nTog, nefAndg^)^ nsfi- 
ndCuv und nsi<T$& das seinige aus noiv^ und dem perfectum, 
welches einst ^nsnoja gelautet hat'), übertragen hat, gerade 
so, wie früher das n von fSmja (ßinha) z. 26 der grossen 
inschr. von Idalion aus j:6nog übertragen ist. In nsiasir hat 
die Übertragung erst nach trennung des kyprischen vom arka- 
dischen stattgefunden, wie änvtBUxfa z. 45, änvte$adt(a z. 37, 
ktsiaip z. 39 der tegeatischen inschrift (Bergk index schol. 
Halcns. 1860/61 = Cauer delectus no. 117) zeigen. 

4) vQ&a%x£g Arcad. p. 35, 12, xqionig PoUux V, 98, Hesych. 
(ntQttQax^XiOv tgstg i^ov dq>x^aXfAOvg vaXovg) zu o^jofkai^ onwna, 
in^ loch u. s. w. (Curtius g. e.* 457). Das tt, auf dessen ent- 
stehung Curtius nicht näher eingeht, findet sich auch in oTt^g' 
i\ps^g Hesych. Baunack stud. X, 81 erklärt tr als kretische 



') 071», welches D.-S. stud. YII 256 = ort setzten, ist davon zu trennen, 
da jetzt D.-S. mit allen übrigen erklärern das erste wort der idalischen in- 
schrift nicht mehr ädt sondern ort lesen (stud. IX, 98), in einer und der 
selben inschrift aber nicht otc und on» als verschiedene formen des selben 
Wortes vorkommen können. Curtius stud. VII, 256 deutet om als oift, Ahrens 
philologus 35 (1875), s. 73 als imi. 

*) Das o von niunag =s skr. paiicdi ist aus »nasalis sonans« entstanden, 
wie <f»af = skr. dofdty abulg. des^X (Benfey, der indog. stamm des Zahl- 
wortes »zwei« ist du s. 20 f. aus d. XXI bde. der abh. d. Götting. ges. d. 
w.) und noch deutlicher r^uis = lat. triens lehrt. Das verh&Itniss von 
nm« : ntfjinag ist also ebenso begründet wie das von abaktr. jamaiti : 
goia- s. 87, vgl. auch das unten über ßäXlta und ßoQvs bemerkte. 

•) Vgl. <r«/cf« = *Mj:oja Mahlow ztschr. XXIV, 294 und abaktr. cikayat 
tf soll bOssen. 



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138 Job. Schmidt, 

assimUation von rc (^ax-^i-c). Dies ist aber unmöglich, da 
T^ioTTig kein kretischer sondern ein attischer ausdruck war; 
Eustath. zur II. p. 976, 37: Ol öi ipaai tQwqi^aXfia, ä ot ^Avxtxol 
xq$6%tia xai TQ$aTTiöag xalovaiv. Vielmehr wird der palatal, 
welcher anlautend und inlautend hinter consonanten zu r ge- 
worden ist Cr«^, nivre), zwischen vocalen zu tz geworden sein wie 
in 5-Tr*, lesb. o-rr* (Ahrens I, 127, Conze reise auf Lesbos taf. 
IV, 3, 5. VI, 1, 16) und das verhältniss von ortig zu Sn^, 
StlM}fAat dem von abulg. oSi zu oko, oTcno entsprechen. Das n 
Yon TQwnig, weiches L. Dindorf im Thesaurus graecae lingaae 
und M. Schmidt zu Hesych. für graphische entstellung aus rr 
halten, lässt sich erklären wie das von nif^ns. Dem stamme 
OTT»- entspricht ganz genau abaktr. ashi du. die äugen. Arisch 
h-^s wird abaktr. hhsk (s. 119 f.) und erscheint in aiwy-alchskar 
yHMi sie beaufeichtigen, aiwy'dkhsta/r- aufseher, das äi von aski 
kann also nicht aus Tc -{- s entstanden sein, vielmehr vertiält 
sich ashi zu OkhshayEiMi wie hashi- freund (s. 66) zu hakhsh. 

5) thoQsq : ^mga-TtsCa, ^nvQv^ipälsia = arisch oatväras : 
"^ktwnor (s. 47). Lesb. n^acvQBc, niavQa, böot. n^ra^a, nsrta- 
^Mcavra haben in den ersten silben eine contamination von 
vsroQ' und *7ttßaQ^, *7rr^«-, wie a. a. o. ausfuhrlich erörtert 
ist, also n vor b ebenso unursprunglich wie lesb. nifiTis. Dass 
auch im lesbischen vor s ursprünglich r, nicht n, stand, lehrt 
TSTQaßaq^wy (Alcaeus bei Hesych., Ahrens I, 41). 

6) Aehnliche Störungen wie in der vierzahl haben bei zwei j 
Wortsippen statt gefunden, deren Zusammengehörigkeit, so viel I 
ich sehe, noch nicht bemerkt ist. Zu skr. cdrati stellt man mit 
recht niXcHy nikofiat, nolog, dfAtpinolog, nwXita (Benfey ztschr. 
Vin, 94, Gurtius g. e. * 463). Nicht minder gehören aber dazu 
tiXXsiy ävaTSXXstj inniXXsTai, vnsQrkkXei, ävatolij, welche wie 
skr. tM^carati vom aufgange der gestirne gebraucht werden; 
StsiXav Jidg odöv Pind. Ol. II, 70 sie wandelten den w^ des 
Zeus, vgl. samän6 ddhva svdsrör anantds tdm anyänya caraiö 
dSfodgiskte RV. I, 113, 3. Der Zusammenhang beider sippen 
wird namentlich durch die, abgesehen von dem verschiedenen 
tempus vollständige synonymität von nsQneXXofjbivtav iviavvwv 
und nsQmXofAivcov iviavxiSv bei Homer klar. In diesen beiden 
formen stehen v und n an ganz richtiger stelle ^rsXlofjkivav : 
-nkofjtivfov = nivts : nifumog = skr. göc-a-ti : gukAär (s. 72). 
Indem die präsensbildung mit -jor und die mit -o- ihrer an- 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 139 

wendang nach verschieden specialisirt wurden, fielen beide 
Sippen aus einander, so dass in jeder der ursprünglich in beiden 
durch die folgenden laute bedingte Wechsel von t und n 
verschieden ausgeglichen wurde: ^nlsvo und noXog übertrugöti 
ihr n auf das präsens n4lofia$, dagegen dyarSXXsi sein v auf 
dvatoX^. Das nun unveränderliche t entspricht völlig dem un- 
veränderlichen c von skr. car. 

7) h€Xf$Qv : noTfiog (de Saussure memoire sur le Systeme 
primitif des voyelles p. 74), abulg. ceta Vereinigung, schar, 
s^äaU vereinigen, verbinden. 

Vorstehende sieben sind die einzigen falle, in welchen un- 
ve-ändertes x neben n liegt ^). Ihre zahl verdoppelt sich, wenn 
wir die folgenden hinzu rechnen. 

8) niifaui : nsjvtoq = skr. pact/iUS : pcüctd-s. 

9) ocüa : jiSnog = skr. väcya-s : vakd-s. 

10) Xsvtststo^ kovtSiSov der weisse kern des tannenholzes : 
hK^viq (lafindg Hesych.) == skr. röcya- (part. nee. zu ruc), abulg. 
luca : abaktr. raokhshnor (s. 117). 

11) döCiStixiiQ : i7tofia$ (Curtius no. 621) = skr. sdcya- den 
man werth halten muss : sdkdm, 

12) oace, 6(füOfAa$ : oncana^ o(f/Ofiaty (atpS^Vy inontfi^. 

13) iviifiSio : ivinxwy itün^^ ivsvJnav, t^vtTvanov. 

14) ipdü<ra : ipdtp, fpaßog. 

Da die arischen Ki, M durch r», xe vertreten werden, for- 
dert die consequenz auch vor J, vor welchem die arische grund- 



') Das verhältniss von rtiloX zu lesb. n^^ivt ist noch nicht erklärt 
(s. Curtius g. e.* s. 482). Ich habe früher Benfeys Zusammenstellung mit 
skr. earamd- der äusserste, letzte (wzlex. II, 237) adoptirt. Dagegen sprechen 
die verschiedene quantität der vocale und besonders der vor gemein- 
griechisdiem ^ unerklärliehe Wechsel zwischen v und n. Daher möchte ich 
vermatben, dass ^r^tiiot die grundform ist, aus welcher einerseits durch 
Schwund des / rigio?, andererseits n^ivi geworden ist, \^e ^ÄfSnMyo^ aus 
EXTfBällTS (Siegismund stud. IX, 93). Auf diese weise gelangt man 
auch zur vermittelung mit lit. toll fem, dessen t nicht, wie Benfey wollte, 
aus k eAtstanden sein kann. Das litauische hat mehrfach v hinter conso- 
nanten verloren : stksswras ^ skr. ^vä^ura-s, aapnas = anord. svefn^ dug^s 
aus *aug'V^j wie dd-v^ (so zu theilen) zeigt, platte skr. pfthvi (das 
feminine i ward im lit. german.* lat. die Ursache des declinationswechsels 
der acljectivischen u-stämme, suavia = svädvtt vgl. beitr, IV, 266). So 
kann |it toh, preuss. tcUia aus *tveli entstanden sein, indem dsa v wie iq 
MfNMM aus svepnat defi vocal dunkeler färbte. 



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140 Joh. Schmidt, 

spräche stäts c, nie k hatte, vorhistorisches t oder die palalale 
tenuis, welche vor vocalen zu t geworden ist, anzusetzen. Und 
da ursprüngliches tj im griechischen gleiche Veränderungen er- 
litten hat wie arisches Kj, hindert nichts, obige formen vor be- 
ginn der specifisch griechischen assimilation als *niT'j(o, *j:6TJa^ 
"^ItvtjWj *XovTJoVj ^äoTJf^T^Q^ *otJ€, *otjofia$, *ivitjta^ *(pdtja 
anzusetzen und entsprechend in allen fällen, für welche man 
jetzt noch hj als griechische urlaute annimmt. Für otfcs ist 
der Ursprung aus *otJ€ durch tgiortig (s. 137) erwiesen. Schon 
Schleicher (z. vergl. sprachengesch. 152. 153) hat die entwicke- 
lungsstufen von kj zu aa theoretisch als kj, kj, tj, ts, ss ange- 
setzt; tj als durchgangsphase nehmen auch Grassmann (ztschr. 
XI, 36) und Curtius (g. e. * 655 f.) an. Alle drei gehen freilich 
für das griechische noch von kj aus, während jetzt wohl fest 
steht, dass schon lange vor sonderexistenz des griechischen die 
Worte, welche in historischer zeit mit ac, tt erscheinen, ein 
palatales, nicht mehr ein intact gutturales k hatten. Ascolis 
argumentation zu gunsten eines wandeis von nj in aa, zr (krit. 
stud. 357) ist durch die hier zusammengestellten thatsachen er- 
ledigt. Ein sicheres beispiel dieses Überganges ist trotz Ascoli 
(a. a. o. 336) noch nicht beigebracht. 

Es hat sich also ergeben, dass % vor s, i^, j mit n vor an- 
deren lauten ursprünglich ebenso regelmässig wechselte wie in 
den arischen sprachen c mit k, mithin bei ungestörter entvricke- 
lung nicht n dem arischen c entspricht, wie man mehrfach 
angenommen hat (A. Kuhn ztschr. XI, 308, Ascoli corsi p. 85), 
sondern t. Thatsächlich steht allerdings bisweilen n einem 
arischen c gegenüber; ausser in den bisher behandelten fallen 
noch in sins = dvöccU, tnetai = sdcate, XiXome = rireca. 
Natürlich sind diese durch spätere ausgleichungen zu erklären 
und entsprechen so genau wie möglich denen, in welchen das 
Sanskrit einen ^guttural einem altbaktrischen palatal gegenüber- 
stellt Von denjenigen beispielen für den »labialismus« bei 
Curtius s. 452 f., denen im sanskrit ein genau entsprechendes 
wort zur seite steht, bleibt nur noch eins übrig, ^nag, i^nato; 
= yäkrt, yäknds. Dass es unserer regel völlig entspricht, ist 
um so wichtiger, als bei der isolirtheit dieses Wortes an unur- 
sprüngliche lautausgleichungen nichl zu denken ist *). Das ver- 

^) Um missYerständnissen vorzubeugen, bemerke ich, dass ich nicht 
der ansieht bin, jedem skr. Ä entspreche von rechtswegen tt. Dennmebr- 



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Zwei arische d-laute und die palatalen. 141 

meinUich einheitliche europäische ho gegenüber arischem c und 
k erhält durch diese thatsachen einen bedenklichen stoss. Ficks 
herleitung von t aus xp (spracheinheit 17) ist lautphysiologisch 
unmöglich, lieber ontü : skr. asktd, fiaQTrvw : skr. mrgäti, 
igintofutt : riQoM, ^eoTtqonog : pragnd- s. o. s. 130. 

Etymologien, welche directe entsprechung von tt* und skr. 
ä voraussetzen, sind hiemach von vornherein verdächtig. Sich 
anlehnend an Fröhde beitr. z. lat. etymol. s. XIV hat Bezzen- 
berger beitr. II, 272 v^-nt^g und n&-vv-t6g nebst zubehör mit 
sh*. ciy »präsensthema ci-m^ wahrnehmen, sein augenmerk auf 
etwas richten, aufsuchen« verbunden und erklärt, es liege hier 
»wieder« ein fall vor, »der nicht zu den behauptungen J. Schmidts 
Jen. lit. zeitg. 1874 art. 201, 1875 art. 588 stimmt«. Zunächst 
giebt es einen präsensstamm eint*- mit den angegebenen be- 
deulungen im RV. überhaupt nicht, vielmehr nur einen nach 
der III cl. ci'ki-. Nur »mit vi berühren sich beide wurzeln 
[1. ci, präs. ci-ww- schichten und 2. ci, präs, ci-ki- wahrnehmen] 
so nahe, dass die Scheidung bisweilen Schwierigkeiten macht«, 
BR. n, 1002. Ich sehe aber nicht, warum BR. und Grassmann 
die folgenden beiden stellen, welche allein im RV. den präsens- 
stamm c»mi- in einer auf das intellectuelle gebiet hinüberstrei- 
fenden Verwendung zeigen, unter 2 ci »wahrnehmen« und nicht 
viehnehr unter 1 d »schichten« setzen: IV, 2, 11: dttim 
dcüUm cinavtJtd vi indvän prshtheva vüd vrjinä ca mdrtan 
(»verstand und Unverstand der menschen sondre er klug wie 
grad' und krumme thieresrücken« Grassm.), X, 86, 19: ayäm emi 
vicdkoQad vicinvdn ddsam dryam (»ich hier gehe scharf blickend 
einher, Arier und barbaren unterscheidend« Gr.), während sie 
unter \ ci -^ vi davon sehr wenig verschiedene Wendungen 
verzeichnen, z. b. vHhtn ahar^ chuklä^ngca krshnämgca vicinuyat 
TS. II, 3, 1, 3 weisse und schwarze reiskörner soll er von 
einander sondern. Namentlich in der ersten stelle des RV. sehen 



fach ist arisch-slavolettisches k in allen übrigen sprachen durch reines Jt, 
nicht kv Tertreten, in solchen fallen hat auch das griechische nur k, z. b. 
tuXli, skr. kalya-, got. haüs, abulg. e&ü, preuss. kaüüstiskan; xBtpal^, skr, 
hxpala', ags. heafola; x^iag, skr. hravis, kratya-y lat. caro^ cruor, got. 
htaita-, lit. kranjtu, abulg. krii/vt. Wie weit in den europäischen sprachen 
kv dem arisch ^slavolettischen k entspricht, bedarf noch eingehender Unter- 
suchung. Griech. n entspricht also nur in den fUllen dem skr. k, in welchem 
altn kv zu gründe liegt Das selbe gilt von ß und ^ = skr. g und gh. 



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142 Job. Schmidt, 

wir noch deutlich den Übergang vom räumlichen »auseinander 
schichtenc zum »unterscheidenc Erst nachvedisch ruckt der 
präsensstamm dnu- aus 1 ci an die stelle von ciki^, vielleicht 
gerade durch die bedeutung, welche virdnun gewonnen hat, 
veranlasst, kann also in der bedeutung »wahrnehmen«, welche 
er nicht einmal im indischen von beginn der tradition an hat, 
für die Ursprache nicht in frage kommen. Zweitens erscheint 
cimh in tivvfiat (Curtius verb. I*, 168) mit der regelrechten 
Vertretung von c durch t. Drittens hat Bezzenberger nicht für 
nöthig gehalten, was sehr nöthig wäre, auch nur ein beispiel 
des Schwundes von ursprunglichem » zwischen consonanten, 
welchen seine herleitung von ncnwfiivoc aus *frB^ntw^fMivo; 
voraussetzt, beizubringen. Nach der bisherigen annähme, dass 
$ in mvvtog aus dem stimmtone des v entwickelt ist, erklärt sich 
der mangel des i in nenvvftiroq eben durch die verschiedenen 
bedingungen, welche wortanlaut und -inlaut schaflFen« Viertens 
wäre die Verschleppung eines ursprünglich nur präseutischen w 
über die grenzen des präsens hinaus bei Homer mindestens unge- 
wöhnlich. Für sich allein würde dieser letzte grund nicht unbe- 
dingt entscheiden (vgl. dw^ffeat, dvvda&ti, dvvafii^), in Verbindung 
mit den übrigen fallt er aber ins gewicht. Die einfache wurzel 
soll in v^-ni^oc, vfj'ni^ayog, wj-nv-rtog = vij'Xpt^iog erscheinen. 
Ein weiteres beispiel für die angebliche Verwandlung von xf» 
in nv und auch nur ein wort darüber, warum in vtpiioQ 
und vi/nioxog xßi zu ;r», in vt^nvnoc aber zu nv geworden sei, 
hält B. für unnöthig. Curtius g. e.* 464 erschliesst umgekehrt 
aus vi^nixioq eine wurzel nv, auch dem kann ich nicht bei- 
stimmen, da dann vijnMg aus ^vf^nvog entstanden wäre, der 
Übergang von v vor vocalen in * aber noch nirgendwo sicher 
erwiesen ist*). Das verhältniss von v^ntoc zu v^vTtog glaube 

') Curtius' beispiele dafQr s. 708 sind s&mmtlich wenigstens zweifelhaft: 
T« &Qia gebüsch ist nicht aus *dQva sondern aus *<^ß*f «, *cfißf a = lit. dervä, 
abulg. drävo, got. triu entstanden (voc. II, 331). citUog ist sicher nicht 
»eine art deminutiv von <r«ff«, da es vielmehr als epitheton desselben er- 
scheint. Ursprünglich diente zur bezeichnung des mastschweins die bei 
Homer mehrfach, z. b. IL 1, 206, erhaltene Verbindung <rrc citd^f, 
welche sich sp&ter zu itUd^g vereinfachte wie €ve xan^og (bockschwein) w 
nuTtQog (über letzteres s. Fick stud. IX, 170). vntQtfßiaiog kann aus *vni^ 
ip$ßtdog (vgl. vni^ff^ übermässig Aescfayl.) wie böot xüog, ^orrog (Ahrens 
I, 171. 178) aus xJiißog, ^iFcyros, endlich &iM9g schwärm aus *&ifa4€( 
oder *^Mttfoc, *9vmcos (vgl. ^wddig) entstanden sein. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 143 

ich ganz im einklange mit den griechischen lautgesetzen erklären 
zu können, würde aber dazu einer längeren abschweifung be- 
dörfen und begnüge mich daher hier das ganz analoge von iit. 
bridis zu brölutis anzuführen und zu constatiren, dass die Bezzen- 
beigerschen behauptungen noch aller begründung entbehren. 

£U4q$op, thessal. Kkiqwv (Ahrens I, 219) kommt hier nicht 
in betracht, da wir nicht wissen, ob das 77«- einem arischen 
d oder goi entspricht. 

Gleicb^i argwöhn wie einem tt», welches arischem d ent- 
sprechen soll, haben wir einem t, welches vor anderen lauten als 
«, hi aus einem gutturalen entstanden sein soll, entgegenzubringen. 
Ob durch die behauptung, dass ^ änv^ (ävtvy-J scbildrand, 
pL die gerundeten seitenwände des wagenstuhles = skr. anhtigd^s 
haken, angelbaken und ävtgov höhle <= anorw. angr spitze 
einer bucht [also wohl zu got. aggvus gehörig, aber mit g = 
arisch £h, nicht gv^ und ahd. anga/r arva, mhd. anger grasland, 
ackerland seien, die thatsache, dass % für x nur da steht, wo 
die östlichen nachbarn c hatten, »hinfallig geworden ist«, wie 
Bezzenberger beitr. IV, 326 meint, oder ob nicht vielleicht um- 
gekehrt obige an sich schon gebrechliche behauptungen durch 
diese thatsache »hinfallig geworden sind«, überlasse ich getrost 
der entscheidung des lesers. 

Die Verbindung von itatQog mit insa&a$ steht an Wahr- 
scheinlichkeit und begründung, hinter der Walterschen mit 
satMes, welche nach Bezzenberger a. a. o. 327 »keine Wider- 
legung verdient«, weit zurück. Damit soll jedoch nicht gesagt 
sein, dass ich Walters erklärung für richtig halte, denn auch 
der von Curtius vermuthete Zusammenhang von irragog mit 
/^7^ ist durch Bezzenbergers unrichtige behauptung, dass 
haQog^ hatfog bei Homer nirgend spuren consonantisches an- 
lautes zeigen, nicht unmöglich gemacht. Allerdings lauten 
letztere bei Homer an den meisten stellen, nicht allen (s. Knös 
de digammo 221 f.) vocalisch an, das thun jedoch auch lAx«, 
iftiw, ijioc (Knös 79. 82. 109) u. a. überall, welche trotzdem 
ursprünglich ß hatten. Das einzige, was Bezzenberger für seine 
herleitung anfuhrt, sind die Wendungen haiqwv, o% to$ inovta$, 
262. hatQovg, ol oi tnovto, x 219. Dass diese gar nichts be- 
weisen, fühlt wohl auch Bezzenberger, daher seine bescheidene 
aiisdrucks%veifie: »ich sehe nichts, was uns bestimmen könnte, 
diese frage [ob t%aqog^ hatQog zu inca^at gehören] mit nein 



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144 Joh. Schmidt, 

ZU beantworten«. Wir aber sehen etwas und antworten daher 
mit nein. 

Endlich der vermuthung, ätaXoq jugendlich »entspreche 
laut für laut dem skr. cald- sich bewegend, zitternd, beweglich, 
schwankend, unstät, vergänglich« (Bezzenberger beitr. IV, 342), 
lassen sich andere gegenüberstellen, welche unter der gleichen 
Voraussetzung, dass das anlautende a »prothetisch« sei, besser 
begründet sind, wenigstens gegen kein lautgesetz Verstössen. 
Vergl. z. b. xäXiq mannbares mädchen, skr. tcMi, tahmt junges 
weib, tälina- dünn, mager, klein, wenig, täfw^a^ jung, lit. taloka 
mergä mannbares mädchen (vgl. naq^^sv^xal dtalai Od. X 39), 
abulg. td^ kalb (vgl. ncikoictv dva^at U. Y 322). Ich will 
keine dieser combinationen vertreten, glaube aber nach allem 
zu der behauptung berechtigt zu sein, dass, von imursprüng- 
lichen Verschiebungen abgesehen, in sämmtlichen etymologisch 
klaren Worten t nur arischem c, dagegen n nur arischem k ent- 
spricht, oder dass t und n nur vor den selben lauten stehen, 
welche in den arischen sprachen beziehungsweise c und k er- 
fordern. 

B. Mediae. 

Die Verhältnisse der entsprechenden mediae, welche Gurtius 
g. e.* s. 483 und Bugge ztsch;-. XIX, 422 f. behandelt haben, 
sind völlig analog, nur insofern verwickelter, als in d wie in 
skr. j die beiden vom altbaktrischen aLs j und e, vom alt- 
persischen als j und d, e (Hübschmann ztschr. XXIII, 396) ge- 
schiedenen arischen ^ und i zusammengefallen sind. Beide 
sind sorgfältig zu sondern , da J = arisch i von der qualität 
des Tolgenden lautes unabhängig ist, während d = arisch i 
durch folgendes s, *, j bedingt wird. Gleichwerthig mit beiden 
d erscheint mehrfach arkad. kypr. f. Welcher von beiden 
lauten der ältere ist, lässt sich schwer bestimmen, da einerseits 
das im altlakonischen (fwii^, foTvr* Cauer delectus no. 2) und 
herakleischen erhaltene C später zu d, inlautend dd geworden 
ist, andererseits der umgekehrte Übergang durch eine archaische 
in Olympia gefundene, von Kirchhoflf arch. ztg. XXXVII, 47 
no. 223 veröffentlichte Inschrift, deren mundart noch nicht ge- 
nauer zu bestimmen ist, belegt wird. Diese hat für jedes i 
ohne rücksicht auf den folgenden laut f; ^OXvvniäi(ay, ^äftov. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 145 

iapuoQfäf Z/, J^ixmay ^S, ovi^i. A priori kann also sowohl d 
aus C £ils umgekehrt ^ aus d hergeleitet werden. Da aber im 
arkadischen und kyprischen weder der Übergang eines aus ver- 
schlusslaut -|-^' entstandenen f in (Jnoch der eines urspr. J in f 
nachweisbar ist, wird anzunehmen sein, dass das allein mit d 
wechselnde f = arisch i oder g anders gelautet habe als das 
nicht mit 6 wechsetode f = verschlusslaut + 7. Ich sehe wenig- 
stens nicht, wie man die thatsache, dass die tegeatische Inschrift 
(Gauer delectus no. 117) zwar J^afii6vtu}^ ^ccfjkiq^ iVdixa^i^ro», 
iüY<^ZoikivmVy in^QB$ä}^Bv mit unverändertem f, dagegen iisdiir 
iovtsg g^enüber dem von Hesych und Etym. magn. 408, 42 
überlieferten CiULw hat, anders erklären kann. Vielleicht waren 
d und C beide gleich unzureichende graphische bezeichnungen 
eines zwischen beiden liegenden palatalen lautes, wie ja beide 
in den hierhergehörigen fällen sicher aus einem einfachen 
palatalen entstanden sind. 

1) d oder ( = abaktr. z, apers. z, dj abulg. z, lit. z. 

dsvaa^m, isvcaa&at, bei Hesych = Y€V(ta<f&a$, vgl. apers. 
daustar- freund, abaktr. austa-, skr. jmh. 

Kret. ädrov = äyvöv Hesych. l^Qi-ddvij, auf einer vasen- 
inschrift lAqidyvfi (Curtius g. e.* s. 695 anm.), vgl. apers. 
dryadnancb- tempel, abaktr. wz. yaz; lautlich decken sich ddvoq 
und skr. yajflds, abaktr. yagnö Verehrung. 

dsa-nitfiq zu skr. jäs-pati-s (s. 15 f.). Da das nomen skr. 
ifls aller Wahrscheinlichkeit nach mit wz. jany abaktr. zan gi- 
gnere verwandt ist, wird d Vertreter von abaktr. z und das g 
von abulg. gos-podi als altes y zu erklären sein (s. 115. 130). 

Auf grund von kypr. f a = att. y^/ (Deecke-Siegismund stud. 
VTI, 221. 248 f.) hat Ahrens (philologus XXXV, 21) seinen früheren 
Widerspruch gegen die angaben der grammatiker, dass im 
dorischen da = yä, att. y^, bestanden habe (dial. II, 80) , auf- 
gegeben; vgl. noch ^Ewoaida^ Find. Pyth. IV, 33. 173 = ivvo- 
<iiraio^ (Ahrens philol. XXIII, 207 f.). Hesych hat auch d^- 
y?, und im namen der Ji^fniitiQ^ dor. JafjbdTf^Q ist 6 gemein- 
griechisch- Bei der üblichen herleitung von yaXa, y^ aus *yaf'ia, 
welches man zu skr. gS- stellt, ist der anlaut von Ca, da 
unerklärlich. Dieser vom beginne der Sprachwissenschaft bis 
in unsere zeit fortgeführten Zusammenstellung (Gurt. no. 132), 
bei welcher sich, soviel ich sehe, alle forscher beruhigt haben, 

Z«ftMhriA für rergL Sprach/. N. F. V. 2. JO 



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146 ^oh. Schmidt, 

ausser Pott (e. f. II », 1, 762. II«, 4, 31), der yato = fkr.jai^ 
weib setzt ^), widerspricht jeder laut des griechischen wortes: 

1) ist j: für Y^^^ weder erwiesen noch wahrscheinlich, da das 
wort sonst im attischen zweisilbig geblieben wäre, vgl. ßaaüsta, 

2) wäre aber auch / vorhanden gewesen, so wurde es noch 
sehr zwingender von niemand dargelegter gründe bedürfen um 
über die diflFerenz von *yaf - und ßoß- hinweg zu helfen, 3) wird 
skr. g6" erst nachvedisch zur bezeichnung der erde gebraucht, 
indem diese als »milchende kuh der forsten« aufgefasst wird, 
BR.; die iranischen sprachen kennen dies bild nicht Das sind 
wohl gründe genug, um yata von gü- definitiv zu trennen. Die 
von Brugman stud. IV, 146 behandelten quantitätsverhältnisse 
(yäta : *y«a, ya, ion. *y^7«» Y^i y*^"" ^^ *YV^) lassen sich 
ebenso gut aus V^/^ wie aus dem nicht zu rechtfertigenden 
^yaf'ia erklären. Im RV. haben wir instr. jm-d, gen. abl. 
jm-ds = abaktr. zenha, eem-ö. Ob der hierin enthaltene stamm 
mit Böhtlingk-Roth als jam- anzusetzen ist, bleibt zweifelhaft. 
Denn das verhältniss von mahänUim, abaktr. mcusoofUem zu 
mqjmdna macht wahrscheinlich, dass die durch x^M^* iind lat 
humus constatirte aspirata nur in beruhrung mit m zu j ge- 
worden ist, also den abaktr. eao, aäm im indischen einst *ha, 
*ham entsprochen haben. Allerdings konnte die media aus den 
schwachen casus dann auch in die starken v^schleppt werden. 
Vor consonantisch anlautenden casussuffixen und als erstes glied 
von compositen würde der stamm im vedischen als *jc^ oder 
*Aa- erscheinen, und dem entspricht dä-nsdov (vgl. 9^a-<r«), 
dessen da- natürlich nicht aus dö- «= yata verkürzt sein kann. 
Wegen der media von da aus und neben der aspirate von 
Xa^iai vgl ßaCHaivw : fcLScinare, ßd^m : ^fki (Grassmann 
ztschr. XII, 93), ßogiag = abulg. bufja neben noq^tfvqm (voc 
II, 223 f.). Vielleicht ist, worauf die Übereinstimmung von skr. 
jm^is und da- zu fähren scheint, in den formen, in welchen 
der wurzelvocal schwand, durch einwirkung des folgenden m 
die aspiration schon vor der Sprachtrennung verloren gegangen; 
anlautende media vor dauerlauten an stelle von urspr. aspi- 
raten zeigen ßai(M = fremo, ßkxm = ^U^a, rqdipm = got gräba 



») Ascoli ztschr. XVIII, 321 leitet ydta aus ^yafw von skr. prf-, letzteres 
aber weiter aus *gam', ^jam- (skr. gen. gm-ds, jm-ds), dessen m zu v ge- 
worden sei. 



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Zwei arische a-lante und die palatalen. 147 

ßrasanaim ztschr. XII, 93), dgiog^skr. dhruvä- (voc. II, 264). 
Läge im skr. ein mittels des movirenden % aus *Äaw-, jm^ 
gebildeter stamm vor, so könnte er nur *jmt lauten (vgl. vr^a- 
H^fei»), und dessen nachkommen haben wir in yara, lit. zilne, 
abalg. eemlJ€L Das suffix anlangend verhält sich yata : eeme 
= f$vta : mus'i =Aäfjtia (Göttling accentl. 147) : Laum'e ^), Im 
sJawischen hätte man *zemi, gen. zenilji^ erwartet, es ist aber 
die alte differenz zwischen dem nom. und den casus obliqui 
verwischt, gerade wie die femina auf -yni = skr. -änl durch 
einwirkung der casus obliqui im nom. allmählich -ynja statt 
-fni annehmen') und wie das ja von gospozda herrinn (masc. 
go9poc^)^ aSia Schwiegermutter (masc. UstX) an stelle des mo- 
virenden ♦ getreten ist Alte ^-stamme sind aber auch in allen 
^rächen mehrfach in die analogie der stamme auf kurzes i 
gezogen, z. b. ab. gc^, lit. ic^, ahd. gans = skr. hcm^. So 
erklärt sich der i-stamm 0emt, welchen Miklosich lex. s. v. 
semlja aus Gorskij und Nevostrujev opisanie slavjanskichü 
rukopisej moskovskoj sinodalinoj biblioteki II, 1, 25 anführt'), 
und der heute im ßech. zem neben zemä und im russischen in 
Verbindung mit präpositionen, Ö0em^ zur erde nieder, ndeen^ 
(Miklosich vgl. gr. IV, 414) erscheint, eemlja = lit. iSme und 
eemt sind also verschiedene Umgestaltungen eines zu gründe 
liegenden ^zemi, welches sich mit yata durch ein hypothetisches 
skr. *jfm vermittelt. Im slavolett trat der stärkere stamm eem 
an die stelle des zu erwartenden schwächsten. Im griechischen 
pflegen vor -#a = skr. -i nasal-stämme auf -av-, nicht auf -a- 
auszugehen (TixvMva == iakshnt); in yata, *data = da, *^ata 
= C« aber erscheint die Vertretung der >nasalis sonans«, welche 
sonst nur vor festeren consonanten als j*) zu stehen pflegt, 
vielleicht durch Übertragung aus formen, in welchen festere con- 

') X aus av vor consonanten wie in Xargii : änoiavo} Curtius no. 536, 
Yarvftat : gau-deo no. 122, Xiloi^K = skr. C^Sni-, 

*) SieheMikIosichvgl.gr. IIP, 29, der aber noch irrthfimlich die nomi- 
Dative aaf % als speciell slawische contractionen aus ja betrachtet. Meiner 
aul&Bsung des i hat Leskien (ded. 12) widersprochen, den Widerspruch 
aber jetzt aufgegeben (archiv f. slav. philo!. 111, 211). 

') Nach Jagiös freundlicher mittheilung lautet die stelle urubjajemX 
'Mil naqmifjtvofit^ y^u Joann. exarch. hexaSmeron anni 1263 pag. 178*"; 
serbische abschrift einer bulgarischen vorläge (Jagi6 archiv 1,452. 111,328). 

*) Die fem. endung war -ja-, nicht »a, wie die gemeingriechische assi- 
bilation von -KT-ja zu -rita lehrt. 

10* 



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u' -lallte und die palatalen. 



149 



.uUDa^ 



jbbl: 



Oft M 



w Vorstellung körperlicher kraft, nicht 

ci övvafi$g bedeutet bei Homer aus- 

i)ie Identität von divavrai und jandtS 

c- nicht unmöglich gemacht, wie unser 

.1 wird nach dem allgemeinen gange der 

3 wahrscheinlicher, dass die anwendung 

iiiögen die ältere, und erst aus ihr die 

ivorgegangen sei. Dafür zeugen dann 

ie: xaitot vQtijxotftat fkhv avdqßv yevsal 

. Hdt. II, 142; dvvaxat dh rovto ro Unoq 

lä x^v 'EXXf/vmv yXcSaaav ot i^ dgiiftsQ^g 

: ßaailii Hdt. II, 30. Bei Walters herleitung 

gedeutet werden, dass man dvvaxai als pas- 

rkannt als = hat die geltung von). Eine solche 

r durch dvvafitg, welches in der entsprechenden 

dem sinne »werth, bedeutung, geltung« er- 

sen. Es ist vielmehr ein ausgangspunkt zu 

!chem aus alle anwendungen des verbum unter 

■•'S selben genus verbi begreiflich werden. dvvafAM 

jrsprüngliches passivum oder medium, nicht aber 

Iheils das eine theils das andere, dass es zugleich 

und »ich werde erkannt« bedeutete, iävvi^d^^ 

)vvax6q führen darauf, dass es ursprünglich passivum 

iitsprechende activum liegt vor in skr. ju^nä-mi, 

präsens nur transitive bedeutung hat, setze in rasche 

rege an, dränge, fördere, begeistere. Hiernach be- 

vafAa$ ursprünglich »ich werde angeregt zu«, dann 

• die nötige anregung, kraft«, wie tpoßiofAai^ »ich werde 

kt«, dann »ict fürchte« u. a. bei Kühner ausf. gr. d. 

spr. II, s. 92. Im altbaktrischen erscheint die wurzel 

. zu eilen, stark sein, savare starke, kraft, eura- (apers. 

autend) gewalt; griech. d ist also völlig gerechtfertigt. 

liti treiben hat nichts damit gemein, s. voc. I, 175. 

äo%ik6g = skr. jikmä-s schief (Bugge ztschr. XIX, 422); 




^) Der verwundete Glaukos klagt, er könne vor blutverlust den speer 

ht mehr halten, lyxos <^o^ dvyafiM <t/iTi^ ifjinfdoy, U 520. älk^ ocnov 

♦' lfm dvyu/Liak /(^<riV « 7ro<riV it xal c&ivn^ ov fti t» ifitifAh fjLt^cifxty 

■'w^ ifitucv, T 360. Der anstürmende Hector oJcT äg dvyaro ^^|a« [«rn/tfc 

i/r^^«vif] fiüla ntg fiiytaiy<oy, 617 u. a. 



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148 Joh. Schmidt, 

sonanlen folgten, wie dä-nsdov. yato, *data verhält sich zu 
skr. *jml wie ix-ys-Ya-vla zu skr. ja-jn-usht, (AS-fjba-vZa^) zu 
urspr. *mdrmn-usi (vgl. ved. mo-mn-^f^A^) ; den diphthong a» 
aus »nasalis sonans« mit folgendem j entstanden zeigt vielleicht 
auch fAaio(Aa$ trachte nach etwas, vgl. skr. mdn-yB 6) im sinne 
haben, wollen, wünschen, das absehen haben auf, BR. (wegen 
der bedeutung von imfAuiofjta^ betaste vgl. lat. manus band). 
Das für uns in betracht kommende resultat ist, dass die an- 
lautenden consonanten von yata, *data = da, *?afc = fa und 
dä-nsdov dem palatalen Spiranten der abaktr. zOo, gen. eemöy 
skr. jmds, abulg. aemlja, lit. ieme entsprechen. Einem arischen 
Zischlaute würden sie auch bei der Pottschen Zusammenstellung 
von Y^^^ ro't skr. joyd entsprechen, letzterer steht jedoch die 
quantität des auslautenden a von yaia und form wie bedeutung 
von ddnedop entgegen, anderer bedenken zu geschweigen. 

Walter ztschr. XII, 406 setzt dvvavrai = skr. jändte. Gurtius 
g. e. * 485 hat diese Zusammenstellung verworfen, Bugge ztschr. 
XIX, 422 sie vertheidigt. Lautlich ist sie kaum anfechtbar und 
begrifflich mindestens ebenso gut, ja noch besser zu begründen 
als die mit dvo», dvvoa (Gurtius verb. P, 175) oder mit skr. y« 
anspannen (Delbrück verb. s. 79) oder mit lat. dums, nhd. 
mun (Fick IP, 132). Da skr. jandmi aus *yan-nÄ-wi entstanden 
ist (ztschr. XXIII, 278), würde das v von dvvafiai wie das von 
ßvd^og^ tvtpXog u. a. (voc. I, 180. II, 335) die fortsetzung eines 
nasalvocales sein, 3 aber dem altpersischen d (a-dana) und 
den Spiranten von abaktr. aanetUi, lit. zinöti, abulg. znaH regel- 
recht entsprechen. Dass in yvai- der guttural bewahrt ist, 
Hesse sich aus seiner Stellung vor dem consonanten erklären. 
Für die Verschleppung des -va- über das präsens hinaus 
(dvv^ifsasj dvvdax>fi^ dvvafjug, nachhom. dvvatog) hätten wir in 
got. kann, dessen nn ebenfalls aus dem verlorenen präsens 
*k%n-na = jandmi stammt, ein völliges analogon. Es niuss 
auch zugegeben werden, dass d^vaa^at. und iniaxa<söa^ sich 
schon bei Homer in ihrer anwendung bisweilen decken, z. b. wenn 
es vom Speer des Achilleus heisst %d ^hv ov dvvat" äiJiog HxanSv 
ndlXstv, dXXd fiip olog iniataxo nijXa^ "^AxikUvg^ U 141. 



^) (jii^ova, fji^fiafi%v = got. matif munum, wie wohl schon Brugnian 
bemerkt hat. 



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Zwei arische a-lauie und die palatalen. 149 

Dennoch übervriegt die Vorstellung körperlicher kraft, nicht 
geistiger fahigkeit^, und Mva/itg bedeutet bei Homer aus- 
schliesslich die erstere. Die Identität von dffvavrat und jandts 
wird dadurch allerdings nicht unmöglich gemacht, wie unser 
»könnenc lehrt, dennoch wird nach dem allgemeinen gange der 
bedeutungsentwickelung wahrscheinlicher, dass die anwendung 
auf das physische vermögen die ältere, und erst aus ihr die 
auf das verstehen hervorgegangen sei. Dafür zeugen dann 
positiv Wendungen wie: xairot TQ^xotf^a^ iihv ävdqdiv yevsal 
dvvioTat fWQta hsa Hdt. II, 142; dvvarui- dk rovro vo Inog 
[nämlich Ititffidx] xa%ä t^v 'EXXi/vwv yXalaaav ol i^ äqusteqfjg 
tuqiq naQiaxdiuvQi ßats^Hx Hdt. II, 30. Bei Walters herleitung 
können diese nur so gedeutet werden, dass man divaxm als pas- 
sivum fasst (wird erkannt als = hat die geltung von). Eine solche 
auffassung wird aber durch dvvafitc, welches in der entsprechenden 
Verwendung mit dem sinne »werth, bedeutung, geltung« er- 
scheint, abgewiesen. Es ist vielmehr ein ausgangspunkt zu 
suchen, von welchem aus alle anwendungen des verbum imter 
Voraussetzung des selben genus verbi begreiflich werden. dvvafAa$ 
ist entweder ursprüngliches passivum oder medium, nicht aber 
in der weise theils das eine theils das andere, dass es zugleich 
»ich weiss« und »ich werde erkannt« bedeutete, idwifd-ip^j 
iiwaad^^ dvvaxog fuhren darauf, dass es ursprünglich passivum 
ist. Das entsprechende activum liegt vor in skr. ju-nd-miy 
welches als präsens nur transitive bedeutung hat, setze in rasche 
bewegung, rege an, dränge, fördere, begeistere. Hiemach be- 
deutete dvvafMZi ursprünglich »ich werde angeregt zu«, dann 
*ich habe die nötige anregung, kraft«, wie (poßiofAm »ich werde 
erschreckt«, dann »ict fürchte« u. a. bei Kühner ausf. gr. d. 
griech. spr. H, s. 92. Im altbaktrischen erscheint die wurzel 
mit z : eu eilen, stark sein, zavare stärke, kraft, ziMra- (apers. 
gleichlautend) gewalt; griech. d ist also völlig gerechtfertigt. 
Lit giibi treiben hat nichts damit gemein, s. voc. I, 175. 

doxfiog = skr. jikmä-s schief (Bugge ztschr. XIX, 422); 



^) Der verwundete Glaukos klagt, er könne vor blutverlust den speer 
nicht mehr halten, fyx^^ ^^^ dvpafiw <t/iTk ifjinidoy, U 520. äkk^ occov 

•vd" ißeuoy, T 360. Der anstürmende Hector odd* äs dvyaro ^^|a« [erix^is 
äi^^^y] fiaXa ntg favtalytor, 617 u. a. 



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150 Job. Schmidt, 

das j des letzteren kann jedesfalls nicht arisches g vertreten, 
freilich aber auch aus d entstanden sein (s. o. s. 68). 

di-dv(jkog haben Walter und Bugge (zlschr. XII, 406; XIX, 
24f3) mit lat. gemifius verbunden*), nur ist das v nicht direct 
aus urspr. a herzuleiten, da im lateinischen die entgegei^esetzte 
farbung erscheint, v kann, wie eben bei ivvafMi^ bemerkt ist, 
aus einem nasalvocale entstanden sein und entspricht dann 
dem d von skr. jami- leiblich verschwistert aus *^'a»-wi-. Das 
verhältniss der vocale in yivog : ysyacig : didvfjbog : jami- ist 
genau das selbe wie in ßivt^og : ßa^vg : ßv%>6g : skr. gcAd- die 
tiefe. Lat. gSminus kann aus *gSminus, gen-mmm entstanden 
sein, der vocal in der tonsilbe wäre dann verkürzt wie in 
jocus = lit. jWbas (andere beispiele bei Corssen II ^ 516); kurzen 
vocal nach schwund eines nasals zeigen auch apis und tigula 
(voc. I, HO). Skr. ifcmd' muss ganz aus dem spiele bleiben. 
Da die wurzcl skr. jan im altbaktriscben z hat : 0tJsananH, zata-, 
aami-, ist das d von didvfkog ganz in der Ordnung. 

Ahrens philol. XXXV liest in der kyprischen inschrift, welche 
er als no. XII auffuhrt, / tv%q> di^a&q, und Siegismund stud. 
IX, 99 erklärt diese lesung für gesichert Da a einen vorher- 
gehenden guttural nicht assibiliren kann, muss das ^ dem selben 
processe, welcher in den arischen und slavolettischen sprachen 
die palatalen Spiranten hervorrief seine entstehung verdanken. 
Leider ist für ccyai^ög noch kein sicherer auswärtiger anhält 
gewonnen, denn die Zusammenstellung mit göds (Grassmann 
ztschr. XII, 129) enthält noch eine unbekannte grosse. 

Bugges Zusammenstellungen von ddfiaQ mit abaktr. eamayeiU 
macht gebären, von ddntm mit skr. jdbhcUe, jdmhhate halle ich 
fär zweifelhaft. Falls sie sich bewähren' sollten, wären ihre d 
ebenso berechtigt wie in den bisherigen beispielen, da das; 
von skr. jambhr = abaktr. z, slaw. 0, lit. i ist (s. 88 anm. 2). 
Was Bugge über Ssvqo^ dsvrs sagt (s. 427) ist noch zweifel- 
hafter. Ueber dvotpog wissen wir gar nichts, wie die sOTgfaltige 



') Die »nebenform di^vfxvog*, mit welcher diese und andere gelehrten 
operiren, beruht lediglich auf einer conjectur G. Hermanns. Weil die mitt- 
lere Silbe von dtdvf4oig bei Find. Ol. III, 35 Bergk lang gemessen wird, 
erschloss er nach der analogie von Ufävvfivoq : ytoyvfiosj dndlafjivoq : dna- 
XafAog für diese stelle ein ^Mf^yo^g, welches durch die lesart dt^v/ufdotc* 
Lips. und Leid. A unterstützt werde, s. G. Hermanni epistola ad Chr. G. 
Heyne in Heynes Pindar vol. HI, p. 398. 



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Zwei arische a^aute und die palatalen. 151 

erorteniog bei Gürtius ^ 694 f. lehrt; 7r(>&c J^oyav hält Müllen* 
hoff deutsche altertumskunde 1, 119 anm. für hebr. y^n mitter- 
nachUg^end, norden. 

In vY&ijg : abaktr. vajsd- kraft und ai$, stamm aiy- : lit. 
ojt^ nimmt H. Möller ztschr. XXIV, 512 f. y* und y mit epeü- 
these als Vertreter der arisch- litauischen palatalen spirans. 
Gewöhnlich ist die palatalaffection spurlos geschwunden und 
ein&ches y an stelle des arischen i getreten: äyro^ (ädvog), 
ytvm (dtväiS^aOf y^ (^^X y^vic&at> (didvfiög), äya, ägyvQog, 
ydimg, y6fk^g, yiqviv^ Syvmv, yöyv, soQya, äfkiXyeo, oqiym, 
füyfa, ^Qvyt$. Nun ist wohl möglich, dass die palatalaffection 
auf die färbung des vorhergehenden vocals gewirkt und die 
Wirkung dann gelegentlich ihre Ursache überdauert habe, sicher 
zu behaupten ist es aber nicht, da das t voii aiV- auch, wiä 
man bisher annahm, suffixal sein kann. Mag man es in der 
einen oder anderen weise auffassen, in beiden fiülen bleibt aiy- 
eine isolirte unerklärte ausnähme von den sonst geltenden regeln 
(über ^atßog s. u.). Viel bedenklicher ist die deutung des « 
von vyu^g. Es war schon vocal, als arisch ij und zu griech. C 
wurden, denn hätte es um diese zeit J gelautet, so würde es 
mit dem vorhergehenden consonanten zu ^ verschmolzen sein. 
Die annähme aber, dass sich altes i vor einem vocale zu silbe- 
bildendem yt entwickelt habe, bedarf mehr als eines beleges, 
von dem noch gar nicht einmal ausgemacht ist, dass er wirk- 
lich arischem i entspricht (vgl. t4grä', Sjas?)^ um glaubhaft 
zu werden. 

2) d oder C = skr. abaktr. j. 

iiu^ta aus *dtaT$a = abaktr. jyaiti- (Benfey ztschr, II, 308, 
Bogge XIX, 422). Curtius theilt dia^ta (s. 483), welches von 
*imm =s J^dta mittels ta gebildet sei; dann könnte es attisch 
nur ^duu/t^i lauten. Das ij von ^^ erklärt sich nur aus voraui^ 
gehendem *tfiBv (s. Merzdorf stud. Vni, 209), so wird auch 
iimxa einst langes inneres a gehabt haben, welches sich ver- 
kürzte wie in ysitfav aus ^yfinoav, xleig aus xXtitg, ä^x^^^og von 
a^X7 u. a. Genau entsprechend dem verbältniss von äiana : 
C^ ist das von l%(cu(p^oy : xQ^(r»fiog (Curthis g. e. * s. 669). 

die^og : skr. jird- lebhaft (Bugge a. a. o.). 

Diese beiden sind bis jetzt die einzigen, welche unverändertes 
i neben arischem ^ zeigen. Nach dem s. 139 f. bemerkten sind 



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152 Job. Schmidt, 

aber auch alle f, welche man bisher aus griech. yj herleitet, 
aus vorgriechischer palataler media mit j zu erklären. Arisch 
^ und ij sind dabei ebenso in £ zusammengefallen wie und 
i in d. C = arisch ij in iAsl^ov = abaktr. magyö, ^^C« : 
abaktr. verezyami. f = arisch gj in ^«f« = skr. n^yami 
färbe mich, v/fw : skr. nijydts pass. 

Alle übrigen sicher aus gutturalen entstandenen d stehen 
ursprünglich nur vor s oder #, ihnen würde also nach dem 
oben ermittelten in den arischen sprachen ebenfalls g ent- 
sprechen, wenn die genau identische bildung vorhanden wäre. 

J^ißvtat' aiaaxtai Hesych, von Lobeck als identisch mit 
ßißv(STa$ erkannt, hat f an stelle von arischem ^, mag das ß 
ursprüngliches 6 oder yj: vertreten. In ersterem falle sind mit 
Gurtius stud. VII, 390 ved. jabhära, jdrbhurOna-y in letzterem, 
dem wahrscheinlicheren, die regelmässigen reduplicationen der 
mit g anlautenden wurzeln zu vergleichen. 

dsXtpvg, ädsX(ps6g darf man mit dem skr. gdrbha- nur als 
wurzelverwandt verbinden, suffix, wurzelvocal und der durch 
ihn bedingte anlaut sind verschieden. In den germanischen 
sprachen haben wir mit verschiedener vocalisation got. kalbö, 
an. kalfr, ags. cealf, as. calf, ahd. chaip neben ags. cUfor-lamb, 
ahd. chüburra agna ^), ersterem entspricht skr. gdrbhor, letzterem 
abulg.ir^g, ßQiipog und deXipvg in der vocalisation, im arischen 
würde die Wurzelsilbe einer gleichvocalisirten form *jarbhr- lauten. 
Auch im griechischen haben wir zwei vocalisationen, aber der 
anlaut ist uniformirt: äoX^og' ^ fi^vQa (Hesych) hat sein S 
aus wurzelverwandten mit dem vocale s übernommen gerade wie 
dvatoXij sein t aus dvatSXXst und kret. ödoXxai' oßoXoi (Hesych) 
sein ö aus odeXog; umgekehrt haben äol. ßsXgftvcg und BsXipoi 
=; dsXipVvsg, JsXifoi (Ahrens I, 41) ß an stelle von d aus formen 
übertragen, in denen ß entweder durch die qualltät des folgenden 
vocals C^ßoXipo" = germ. kalbor, gdrhha-) oder durch unmittelbar 
folgende liquida ('/Sf^cyog^ gerechtfertigt war. Es liegt hier also 
ganz der selbe fall vor wie in niX(A^ noXog : dvaxiXXsi^ dtfatoXtj 
(s. 138). 

deiQi^^ diqil verhält sich zu skr. grlvd, abaktr. grlva- nacken, 
abulg. griva mahne (L. Meyer ztschr. XXII, 537) wie deXffk 



^) Vgl. abaktr. garehus, welches Hübschmann z. casuslehre s. 
anm. = /^^i^oc setzt. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen^ 153 

ZU ß^if-agj d. h. urspr. *gärva erlitt vor eintritt der palatali- 
sirung im arischen und slawischen metathesis, das nun durch r 
geschätzte g blieb dann guttural, während das im griechischen 
erhaltene ^gdroa zu *^erva, *J«gfa wurde. 

diksoQ stellt man allgemein zu doXog, dolus, anord. tdl 
(s. Pott wzwtb. II, 1, 326, Curtius* s. 236, Fick l\ 617) und 
nimmt an, in äol. ßki^Q sei urspr. dl zu ßX geworden (Ährens 
I, 42. 73, Gurt. * 476). Ein weiteres beispiel dieses Überganges 
ist noch nicht beigebracht. ' Selbstverständlich ist er aber 
durchaus nicht, da dentale media und tenuis, wenn sie vor l 
ihre articulationsstelle ändern, nicht labial sondern bekanntlich 
guttural werden: ylv^vq^ dulds; lit. egle, preuss. adcUe, poln. 
jodla; lett. segli ffir und neben sedli sattcl (Bielenstein I, 150); 
lit genklas, preuss. senüa-; lat. podum, skr. pätram u. s. w. 
Nach allem, was bisher ermittelt ist, können wir das verhältniss 
von diXsuQ : ßX^g nur nach dem von d€i(f'vg : ßgiifog, arkad. 
diJdm : JtßXfpf (s. u.) beurtheilen, d. h. ursprünglich gutturalen 
anlaut postuliren. Neben diXeag erscheint öiXstQov mit den 
beiden bedeutungen köder und leuchte, laterne, ihm entspricht 
ahd. querdar mit den selben beiden bedeutungen 1) esca, 2) lichni, 
lincinos (Graflf IV, 680). öiXsaQ und diXsxQov scheinen hiernach 
aus *dsQea(ß^ ^SsQstQov dissimilirt zu sein. Die übrigen laut- 
verhältnisse erklären sich aus einer ursprünglich ablautenden 
flexion diXeag, gen. ^ßXeavög, *ßXfv6g, (vgl. s. 21 ff.), welche 
einerseits zu ßX^g, *ßXi^6g, andererseits zu ösXeaQ^ deXiatog^ dor. 
di^Tog (Ahrens II, 193) ausgeglichen ist 

Das vermuthlich tegeatische dige^gop' XtfAVfi dnoxcig^a^v 
ixovtra und arkad. f^dgs^gov neben ßdqai^qov erklären sich durch 
die Verschiedenheit der vocalisation, welche in frühe zeit hinauf- 
reicht, da sie in den entsprechenden lit. gerhle kehle = digs^gov 
m^gurU^s adamsapfel, preuss. gurcle gurgel = ßaga^qov wieder- 
kehrt (vgl. auch urslaw. *zirlo^ russ. ierlo mündung neben urslaw. 
*gÜrdlo, russ. gorlo; vgl. voc. II, 21. 23. 55). Arisch würde 
sich die differenz von digs&Qoy und ßäga^gov etwa in den 
formen ^jar-tra- und *gr-tra- darstellen. Von homer. ßigst^gov 
gilt das selbe wie von äol. ßsXfftvsg, 

Arkad. ^iXXstv^ l^sXe, xd^eXs bei Hesych und Et. magn. 
408, 42, iadiXXov%6g der tegeatischen inschrift (Ahrens I, 332, 
Gelbke stud. K, 6. 13) und ßdXXw, IßaXe, xaxißaXs, ixßdXXovtßg 
sind gerade so wie att rifkvw^ hsfjtov (belege bei Veitch) und 



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154 Job. Schmidt, 

ion. dor. TccfAvop, $zaf*ov das resultat entgegengesetzt wirkender 
ausgleichungen. Die dorischen und ionischen praesentia tdikwa^ 
tqdnm, avQd^w, dor. tgäxia (Ahrens II, 117, Bredow dial. 
Herodot. I, 144 f.) erklären sich nach dem, was Brugman 
über a in Verbindung mit g, l, f*, v ermittelt hat, obwohl er selbst 
stud. IX, 377 sie nicht richtig beurtheilt. Ihre a sind in den 
tempora entstanden, welche ursprünglich den hochton hinter 
der Wurzelsilbe hatten. Diese betonung herrschte ursprünglich 
in den nichtaugmentirten formen des aor. 11 und im ganzen 
perfect mit ausnähme des sing. ind. act. und hat sich in den 
zugehörigen Infinitiven und participien, welche der die betonung 
des verbum finitum umgestaltenden enclise ^) nicht unterworfen 
sind, erhalten. In das präsens ist a an stelle von % und um- 
gekehrt in den aor. II % an stelle von a erst durch uniformirung 
gedrungen. Die alte dififerenz z. b. von vifuvmy und vafAoiy 
ward einerseits im dorischen und ionischen zu %df$vmv, taftwv, 
andrerseits im attischen zu Tifi^vatv, tsfuiv ausgeglichen. Das 
nähere ergiebt sich aus dem sanskrit von selbst. Ebenso er- 
klärt sich das a von att. ßöulkm, wie ßdiXla zeigt. Genau die 
selbe ausgleichung hat in den formen von ßdlXt» gewirkt, nur 
sind hier die Verhältnisse verwickelter, da nicht nur die vocale 
sondern auch die ursprünglich durch sie bedingte Verschieden- 
heit des anlautenden consonanten in verschiedener weise uni- 
formiert sind. Falls ßdiM», wie man annimmt, zu ahd. ^luiUn 
scaturio, pf. quuUun gehört (s. Gurtius g. e. no. 637), kann 
sein >U nur aus Xv entsanden sein wie das in oXXvgA$ und äol. 
ß&Xlofkai. (german. II aus In wie in got. vulUij fiMs, fiU voc. 
II, 67). Dass dem präsens ursprünglich das im arka^schen 
vorliegende e zukam, folgt nicht nur aus der Übereinstimmung 
von diJUie» mit guillu sondern auch aus der proportion diiJiM: 
ßoiog^ ßol^ =s %ifj^v{a : TOfiog^ rof»^. Hinsichtlich der anlautenden 
consonanten verhält sich diXXe^ : ßoXij = tei» : no$v^. Das a 
herrschte ursprünglich nur in den tempora, welche wie der 
aorist eßalov^ ßaXgiv den ton hinter der Wurzelsilbe hatten. 
Ein aXy aq dieser tempora entspricht, wie wir durch Brugman 
wissen, dem arischen r oder, vor vocalen, consonantischem r, 
vor beiden steht wie s. 71 f. gezeigt ist, im arischen die guttu- 
ralis, nicht die palatalis, folglich haben Sßodav und sämmtlicbe 



Siehe Wackernag«! ztschr. XXIII, 457 ff. 

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Zwei arische a-laute und die palatalen. 155 

formen mit ßlfi' von rechtswegen ß. Hiernach ergiebt sich 
als urgriechische flexion : SiiJim oder ^^^ca, perf. *߀ßola (vgl. 
ßsßHiff$a$)^ aorist ißalov. Das arkadische übertrug in i^els, 
xtlCele den präsentiscben vocai und wurzelanlaut auf den aorist, 
die fibrigen dialekte in ßdiJUa den aoristischen vocal und 
wurzelanlaut auf das präsens und führten weiter in ßiSio^^ 
ßtUmi und dem hesychischen ßsltog (ßXijT&g) ß auch vor s an 
stelle des alten d^\ vgl. kypr. nsia$$ statt %8l<fst (s. 137). Zu 
der frage, ob das gemeingriechiscbe ßktj in ßißXi^xa, ißXfjv u. s. w, 
mit Abrens aus ßalq^ oder mit Siegismund als metathesis von 
/Ici- zu erklären sei (voc. II, 328), bemerke ich hier nur, dass 
mein g^en Siegismunds erklärung geäussertes bedenken nach 
dem oben aufgeführten hinfallig wird und dass alle von mir 
voc. 320 — 28 behandelten vocaldiflFerenzen entsprechend zu er- 
Idären sind wie die von ßäiXto, Am nächsten stehen die vocal- 
verhältnisse von axiXXoiim : aor. *iaxakaa = eaxijla (ax^lsts 
II. U^j 191), aor. II *iifxai^sv^ woraus durch metathesis 
hxläf^v ward, dessen opt. änoaxlai^ Hesych überliefert. 
9xXiiq6g und itfxl^xa mit gemeingriechischem ^ sind durch 
methathesis aus axsX- entstanden. Vergl. jetzt auch Brugman 
morphol. unters. 44 f. Die unveränderlichkeit des gutturals in 
skr. galaii ist ebenso zu erklären wie bei gdmati, gddcUi (s. 85 f.). 

Dor. odsXög (Ahrens II, 81), vielleicht mit diXJLok, ßdiXw 
wurzelverwandt, verhält sich zu oßoXög wie öiXXm zu ßoi^. In 
kret. ii^lxai' oßoloi Hesych. und in alt. dß$Xig (auch böot., 
Beermann stud. IX, 16) haben Verschiebungen statt gefunden. 

id^v drüsengeschwulst Bekk. anecd. 342, 29, ädivsg' ßov- 
ßfüvsg Hesych. Et. magn. p. 17, 2 = inguen (vgl. voc. I, 81). 

Hiernach ist es nicht wahrscheinlich, dass in arkad. insCd- 
9iiaav »s insßdQiiifav (Ahrens I, 232), in&^uQa^ Eur. Phoen, 
46, Rhes. 441 das C vor a entstanden ist. ßccgSm flectirt zwar, 
als ob sein -«» einem skr. -ayömi entspräche (hom; ßeßaQ^öveg 
r 139, ß$ßaQ^6ra % 122), dennoch ist es aus ^ßaqsa-jw ent- 
standen und von %d ßagog abgeleitet wie hom. otvoßaqsmv 
von (Uvaßaq^g. Hinsichtlich der flexion vergl. hom. aly^aag 
von aX/im s= *aXys^'j(9^ dv0^iSa$ von dv^iw = *dvi^%<sjm 
«. a. bei L. Meyer vgl. gr. II, 27. Das a in ßdqog ist aber erst 



*) Das präsens fiU» (Orion in Et magn. p. Id5, 9) ist wohl nur zur 
Wrkitung von ^£Ug und /M^M^«ff fingirt 

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156 Job. Schmidt, 

aus ßaQvg übertragen und hat ein älteres s verdrängt, denn es 
ist in ßagvg wie das u in skr. gurti-s nur durch die betonung 
der folgenden silbe hervorgerufen^). Diese betonung war aber 
auf den positiv beschränkt, coraparativ und Superlativ auf 
'lans-, 'ista- betonten in der Ursprache durchweg die Wurzelsilbe 
(Verner ztschr. XXIII, 127). Mit der verschiedenen betonung 
band in band gieng eine durch sie bedingte Verschiedenheit der 
Wurzel vocale, welche im sanskrit noch meist bewahrt ist, z. b. 
prthü' : prätklyams-, bahur : bdifihishßa'. Im griechischen ist 
diese vocaldiflFerenz bis auf wenige spuren verwischt: xQavvg : 
xQsiiSfSwVj dor. ion. x^iaamv, räxvg : %^äaawp aus ^y^ayx'jfav, 
*^av^j<av = skr. tdku- : abaktr. täshyao stärker, iXäxvg : iXaa- 
öav aus iXayxJwv, *iXavx^j(iov = skc. raghü- : abaktr. re^yö% 



*) Vgl. &qttcvg, dhrshü'8; niarvg, prthü-8; ßgadis^ mrdü-8; ilaxvg, 
raghü-8 ^aus *rangkÜ8 s. 65); naxvs, hahü-8 aus *hainhu'8j das beweist der 
superlat. hämhisWia- sehr dicht, sehr feist (vom pferde) und lit. bmgus 
gut gefüttert (vom pferde), stattlich, übermathig; daavg : densus; ßa&vg : 
ßiy&og; raxvs : abaktr. comp, täshyäo, superL <afSct«ta- (skr. tdku- hat den 
accent zurückgezogen). 

*) Die angäbe von Kühner ausf. gr. P, s.428, dass in ^^«rtfoiM, yi.t><rtfa)K, 
naaamv, ßgaCGay, ßatftrtoy der vocal zum ersatz für geschwundenes j 
gedehnt sei, widerspricht der des Herodian, dass ß^dtratoy, nd<s6tav, 
fAttCHfoy, ßdaatoy, ykvCistav kurzen, dagegen d-aatfojy, iiacamy langen wurzel- 
vocal haben (ed. Lentz I, 523 f. II, 13, 13. 942,17). Schon hieraus ergiebt 
sich, dass eine den sonstigen lautgesetzen widersprechende ersatzdehnung 
»für das verstummende j«, welche schon Buttmann I* s. 264 und noch 
Gurtius schulgr.* § 198, Ascoli krit. Studien 329 anm. annehmen,^ nicht 
eingetreten ist, sondern das ä in S-adKay, ildacmy genau so wie das von 
affaoy aus *dyx'joVj *dydjoy erklärt werden muss. Misteli über griech. be- 
tonung I, 179 ff. hält sich wegen »solcher unbegreiflichkeit«, dass d-anaoyf 
Ikäüötoy langen, nda<fmy, /udactoy dagegen kurzen vocal gehabt haben, für 
berechtigt nicht nur die alten grammatiker sondern auch Bopp zu ver- 
höhnen, weil er der mühe werth geachtet hat über ihre angaben »nach- 
zusinnen«. Misteli meint, Bopp »hätte sich die mühe ersparen können«, 
wie er sie sich erspart hat, indem er frischweg erklärt: »ich würde nach 
Herodians Vorschrift udccoy, nuaaoy schreiben und gegen dieselbe auch 
iXdaaoy, d'daaoy ; denn wo autoritäten und bestiromungen einander so sehr 
wie im gegenwärtigen falle widersprechen, ist man berechtigt die wissen- 
schaftliche [?] beurtheilung anzuwenden«! Iranz unversehrt sind übrigens 
auch &a(rca)y und ikäaaiay nicht, denn *&iy&j(oy, *iley9jtoy (vgl. s. 65 
anm. 3) waren die grundformen, welche unter einwirkung der positive zu 
*^ay9j(oyy *ilay»jtay wurden. Ebenso ist in ^df^bloK die vocalqualität durch 
fAttka umgestaltet, denn fiaka : /näkkoy stand früher offenbar auf gleicher 



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Zwei arische a-laute und die paiatalen. 157 

fuixfig : ^^xifXToc, oXtrog : oleiCo(ft C L Att. 1 B, 33, O^EZON 
9, 10; 37 a, 17, deren El und E Cauer stud. VIII, 254 irr- 
thüinlich für graphische bezeichnungen von i hält. Die selbe 
betonung und vocalisation wie der coniparativ haben im sans- 
kril die zugehörigen abstracta auf -as, z. b. ^as kraft (ugrä-, 
Öj^am-), prdtkas breite (pfikti-, prdthtyatnS'), vdras weite (urü-, 
vdrhfams-), rämhas Schnelligkeit (raghü-, abaktr. comp, re^yö, 
superl. rehjistor). Sie datirt aus der Ursprache, denn das 
griechische hat sie ebenfalls in spuren erhalten: ii^Kog wie 
Ik^tustog : fäaxQog^ nqitog : xgatvg^ y>iQ(iog : ^qadvg; vei^l. 
noch v^fksqtf}^ : dfAagvdvno, ivdsXsx^g •' dolUxog, Igsv^^og : igv- 
^Qog^ ßiv&og : ßax^vg. Wie aus nad^civ, nad'sXv neben dem 
bei Homer allein herrschenden niv^og später ndx^og erwächst ^), 
so wird hom. ßivd-og durch das mit dem vocale von ßad-vg ver- 
sehene ßdy^og verdrängt. Ebenso sind das zu xQ^ifüsrnv, xQia<f<av 
stimmende xgitog und d^iqaog ausser dem lesbischen, arkadischen, 
thessalischen und böotischen von xqdxog und ^dqaog^ Sqdaog 
verdrängt ^). Die allgemeine annähme, dass s in xqixogy d-Sqöoq 
erst aus dem gemeingriechischen a entstanden sei, Verstoss! gegen 
die lautgesetze der dialekte, in welchen es vorkommt, denn die 
in ursprünglich tieftonigster silbe neben q, X, v, fi erscheinenden 
gemeingriechischen a werden in diesen dialekten durch o ver- 
treten^). Neben ^iQffog überliefert Joann. Gramm. 244 a aus- 
drücklich ^qociwg als äolisch (Ahrens I, 76), woraus Beermann 
stud. IX, 16 sehr übereilt ein lesbisches substantivum x^Qoaog con- 
struirt, obwohl er wenige Zeilen vorher, x^igaog als die lesbische 
form nennt. Ebenso haben wir neben xqirog die von Ahrens 
II, 505 dem lesbischen zugeschriebene glosse des Hesych xogregd- 



stufe mit fiax^f : /i^xmtto;, d. h. ein altes ion. *fjiiU,oy hat seine quaniität 
bejvahrt, aber die qualität von fidin flbernommen. 

>) Vielleicht hatten die stäts oxytoDii*ten composita ihrer betonung 
entsprechend ursprünglich a, also z. b. noivnad^^. Dann wäre hom. noXv- 
my^g das resultat einer in entgegengesetzter ricbtung wirkenden aus- 
gleicbung. 

•) Lesb. legirog, ^iq<foi, hom. UXtSigiftig, Hoiv&fQiftid^g, 0«^ao/o;, 
9(^iTi|c (Ahrens I, 75), arkad. S$f4oxQirtit (Ahr. I, 233), mkvxqittM, 
Bi^iJUov (Gelbke stud. II, 14), thessal. ^iqümnog^ böot. Bt^cuvdQtx^g, 
Biff^aifjQot (Beermann stud. IX, 16). 

*) Lesb. Ahrens 1, 76, II, 505, thessal. I, 220, II, 532 f., bOot. Beermann 
stad. IX, 47; im arkadischen würde wie im attischen a^, ^a stehen, siehe 
die folgende anmerkung. 



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158 Joh. Schmidt, 

xQaTs^a ^ iifxvQci^ welche dann xoQ'^eQa zu betonen ist. Hiemach 
werden wir annehmen dürfen, dass die vorfahren der Ärkader 
in dem abstractum zu ßaQvg gerade so wie in xQivo^ das 
alte indogermanische und noch urgriechische e zu der zeit, 
als die Wandlung von urspr. g vor s zu d, ^ eintrat, noch 
erhalten hatten, ja wir werden diese annähme machen müssen, 
da sich nur so das J von ins^ai^tiaav erklärt. Von arkad. 
♦f^^og, welches sich zu /Jagvg verhält wie xQixoq zu TtQatvq 
und C aus dem selben gründe wie ^iiXstv und ^iqs^qov hatte, 
ward dann ^ins^iq^^cav abgeleitet wie von nivd-ag hom. 
n€vd^aa& T 225, von xQirog iniHQitti. Alcae. 81 B. Das a des 
überlieferten insCccQ^ffav aber ist aus ßagvg^) eingedrungen 
gerade wie die a der gemeingriechischen x^atii», d^ttqaiw aus 
KQarvg, ^Qaaiq. Ja es kann der verdacht aufkonunen, dass 
dies a lediglich ein litterarisches kunstproduct ist, ins^uQst 
findet sich Eurip. Phoen. 45, Rhes. 441, Hesych., ins^a^aav 
als arkadisch überliefert Eustath. zu IL 909, 27, insJ^oQiixsv 
Hesych. Endlich möge noch als verrauthung hingeworfen 
werden, ob nicht das abstractum zu ßagig mit erhaltenem s 
in yigag ehrengabe vorliegt, dies würde dann die gewichtige 
gäbe bedeuten. Pott hat yigag mit abaktr. garö ehrerbietung 
zusammengestellt (e. f. II, 3, s. 228), dass letzteres abstractum 
zu gourti-, skr. gttru- sein kann, wurde oben (s. 81) bemerkt, 
der guttm*al ist dann aus dem positiv des adjectivs eingedrungen 
wie das a von ßaQog. Die anlaute von ysQug, arkad. *C^Qog 
und ßägog würden sich dann zu einander verhalten wie die 
von yiipvqa^ lakon. ÖKpovqa und ßovfpogag bei Hesych. Bei 
den vielfachen möglichkeiten , die hier in betracht kommen, 
bin ich weit davon entfernt diese vermuthung für sicher aus- 
geben zu wollen. 

Gar keine entsprechung ausserhalb des griechischen hat 
lakon. diipWQa= yitpvQa Hesych ; mit ßXitpv^a (Strattis), welches 



*) Das arkadische hat oq = skr. r nur in iif/d-oQxeig z. 1 1 der tegeatischeo 
von Ad. Michaelis in denjahrb. f. class. phil. 1861 s. 585 ff. yerOffentlichten 
Inschrift (= Gauer delectas, no. 117)» dagegen o^, Qtt in ar^arayoi z. 10, 
da^Xf*^f z* ^y cTa^/^?^ z. 90, cvyyQttfftoy z. 42. 55, yiygtt[7no]t z. 54, 
y(YQafifiiy[^ <f]vyyQaq'[<p] z. 56. 0. Schrader stud. X, 275 setzt daher das 
o von i^o^wg nicht dem a von att. ftff&a^xa sondern dem o von dU- 
4f^o^(( gleich. JedesfaJls steht der annähme, dass /Sa^vr auch im arkadischen 
(X hatte, nichts im wege. 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 159 

Beomann in ßdsfv^a ändern will (stud. IX, 58), weiss ich 

nichis anzufangen. 

Das verhältniss von d zu ß hat sich weniger rein erhalten 
als das von % zu tt, welches dem von arisch c za k entspricht. 
Wollen wir uns aber nicht bei einem vollständigen chaos be- 
ruhigen, so müssen wir annehmen, dass ursprünglich die guttu- 
ralen mediae unter genau den selben bedingungen zu d und ß 
geworden sind, unter welchen die tenues zu % und n wurden, 
und dass alle Störungen dieses Verhältnisses durch spätere aus- 
gleichungen herbei geführt sind. Ich gebe hier eine Übersicht 
der behandelten fälle, indem ich die worte, welche ß oder d 
durch formübertragung erhalten haben, zwischen klammern 
setze. 

1) dslqivg (öolqiog) : ßQiipog (ßsXfptvsg^ BsXqtol), 

2) diXsaQ : ßX^g, 

3) diQ£^QOVj ^iQsi>QOV : ßaqad^qov (ß^QSx^QOv), 

4) diXho, C^XiM (J^bXbv) : IßaXov, ßißoXtiiMzi, ßoX^, tßXip^ 
(ßäXXt», ßSXog, ßeXovn, ßsXzo^, 

5) SdeXog (ödoXxai) : oßoXog (oßeXog), 

6) *f^^o^, *in&i6Qiw (in^^aQita) : ßagvg, 

7) d$<povQa : ßovtpoQag ^) = ysipVQag Hesych., 

8) Wf(ö aus *y$dj<a (s. 139 f. 152) ; vlipm, tviipa, vinro/Aai, 
%iqvißov = skr. fiij-yd-U : nik-td-. 

Die ß von ßsX(plv%g, BsXyoi, ßsQs&gov, ßiXog, oßsXog stehen 
auf gleicher linie mit den n von nifi,ns, nsian, niaavqsg 
(s. 137), die d von doXq>6g und oöoXxai mit dem z von dvacoX^ 
(s. 139). 

9) dicuTU, *d$äsi = ty : ßsiofia^, ßiog ist wohl so zu er- 
klären. Entsprechend dem arischen präs. jdyäti : subst. ga/ya- 
das leben (s. 79) hatte das griechische einst *d6^o(jba$ und 
^ßotog vita. Wie im kyprischen tsiiSss und no^p^ za nsiae^ 
und no$v^ ausgeglichen wurden, so wurden *dsio(jba$ und *ßotog 
zu ßsiofAa$ und ^ßotog ausgeglichen, das ß ruckte dann auch in 
die dem skr. jlvd- entsprechende form vor: ßiog. Nur die formen 
der durch a erweiterten wurzel, diana, ft/, und das begrifflich 
etwas femer gerückte dtsQog behielten d. *ßoiog aber, welches 
die Störung hervor gerufen hatte, schwand aus dem gebrauche, 



>) Die handschr. hat fiovfa^tcf, aber die reihenfblge fordert das von 
Salmasius hergestellte, von Abrens II, 81 gebilligte ßovtpoQaf, 



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160 • Job. Schmidt, 

da es nach substantivirung des indogermanischen adjectivs 
ßiog überflüssig geworden war. 

10) didv/iog : böot. ßavd, ißatPi^' iysvvfj^fj Hesych = skr. 
jämp- : gnd, abaktr. zämayHnbi sie bringen zum gebären : ghena 
(s. 115). Dies ist der einzige fall, in welchem d : ß nicht arisches 
(§:g sondern y';y nach unserer bezeichnung s. 123 repräsentirt. 

dij&vXog : ßijd-tdog *) und Jwddvii : thessal. Batdoov sind 
in ihrem Ursprünge dunkel. Da sie d und ß vor dem selben 
vocale, nicht mit einander ablautend haben, darf man ver- 
muthen, dass gar kein guttural zu gründe liegt sondern d und 
ß verschiedene Wandlungen eines zu gründe liegenden df sind*), 
vgl. t^lot : n^lv^ s. 139 anm. 

Xd^ofiai und Xafißdv(A zieht Fick (Bezzenberger beitr. ß^ 
318) zu ags. läccan prehendere, capere, ersteres wohl mit recht. 
Ob aber Xafißdvw von der selben wurzel wie Xd^oi^ai und läccan 
stammt, ist sehr zweifelhaft. Das (p in eUijtpa, Xdq^vQOv, 
äfjtfpdaipiJQ kann nicht aus gv entstanden sein, für diese bleibt 
also die bisher angenommene Verwandtschaft mit skr. Idbhate, 
pra-lanibhante , ahd. limphan (voc. I, 118) bestehen. Folgen 
wir Fick, so müssen wir annehmen, das zu Xafißdvfa gehörige 
perfectum sei verloren und durch das perfectum der dann in 
keinem anderen tempus sicher nachweisbaren wurzel Xatp ersetzt 
worden. Unmöglich ist dies nicht, aber viel unwahrscheinlicher 
als die bisherige annähme, dass i«^y durch einwirkung des 
nasals zu lafxß geworden sei (Curtius g. e.* 520). In Xaßstv, 
Xaßfj, laß ig ist das a aus »nasalis sonans« entstanden, das ß 
also wie in Xafißdpo) zu erklären. Der Ursprung des a ward 
aber dem Sprachgefühl verdunkelt. Wie die alte flexion XiXoyxan 
XsXd%äai Empedocl. 373 Stein, Hesych. vom plural aus zu slXiixa^ 
BiXri%a(5i^ wie *fi€fioX€^ *(ji€fAaXvTa zu fi^fif^Xcj fisfjtüXoTag Pind. 
Ol. I, 89, so ward ^XiXofj^tfa = ahd. lamph, X^Xanxat Hesych. 
(vgl. ahd. gilumphi) zu sXXritfa, siXiimm. Das a von Xaßslv = 
german. um ist also ein ganz anderer vocal als das a in Xdl^ofiai^ 
welchem german. a entspricht. 



*) ßi^SvloSf tWogoqvioV ^rj&viog ^w rqinH yäq to d dg ß, oloy Jfh^-oi, 
BtXtfoi' iydvcm, ivßvCM, Et. magn. p. 196, 54. 

«) Jtodciyfi und Stodtiy leitet Curtius g. e.* 476 aus *Jßa}&(oy, *Jifmduy 
her. Ausfall eines » zwischen consonanten ist meines Wissens nirgend 
nachweisbar. 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 161 

Es hat sich also ergeben, dass nicht ß, wie A. Kuhn ztschr. 
X, 289. XIII, 454 und Ascoli corsi p. 119 f. wollen, sondern d 
die lautliche entsprechung von arischem ^ und i ist, und dass 
ß vielmehr das arische g vertritt. Letzteres wird namentlich 
dadurch bestätigt, dass in mehreren fallen einem in den arischen 
sprachen nicht mit ^ wechselnden g griechisches ß entspricht: 
ßovg = skr. abaktr. gdus, dor. Ißa = skr. dgat, abaktr. gOf, 
ßoqd = skr. gard-s trank, gifltrank, ab. gara- gift, ßoqog = skr. 
-gard'S verschlingend, ßoy : skr. gu, j'öguve ertönen lassen, ver- 
künden, ßax^vg : skr. gdhate taucht sich in (in ßivi>og ist ß 
aus ßa^vq verschleppt). In ßqX^ ßq^aQoq : skf. jri, abaktr. 
zrayanh (s. 130) sind ß und arisch i Vertreter von y nach unserer 
bezeichnung (s. 123). Vor * steht ß in ßia = skr. jyd Über- 
gewalt (j = arisch i) und ß^oq bogen = skr. jyd bogensehne, 
abaktr. jya, lit. gij'e faden, abulg. zica. Diese versprengten 
nachkommen einer in den arischen sprachen reich entwickelten 
familie werden die ß vor « durch ähnliche Übertragungen er- 
halten haben wie ßeiofiai, ßiog. Die zugehörigen skr. jdyati, 
jigdya, gäya-s haben den Wechsel von guttural und palatal in 
alter lebendigkeit. ß ist auch hier wie in ßavä und ßQiaqog 
Vertreter von y nach unserer bezeichnung, nicht von g (s. 115). 
Alle übrigen ß = yj, welche verzeichnet sind bei Curtius g. e.* 
s. 465 f., Bezzenberger beitr. II, 155. 190, stehen vor dunkelen 
lauten. 

Vor € und & in reduplicationssilben standen einst palatale, 
wie iißvta& lehrt. Unter einwirkung aller übrigen redupllciilen 
formen, welche in der reduplicationssilbe den selben consonanten 
^vie in der Wurzelsilbe haben, drang der anlaut der wurzelssllbe 
in die reduplication : ßtßvötat, ßißäg : jigäti, ßsßaoig =jaganvdn, 
ßißqdg : jagdra, ßtßl^xa, ßeßöXijfiai, Für die tenuis haben 
wir die entsprechende erscheinung in dem gleichfalls redupli- 
<irten xvxlog. Nach skr. cakrdr, ags. hveoM, hveovol ist ein vor- 
historisches *iexflog anzusetzen, daraus durch ausgleichung 
V<V^Ci dessen /€ unter mitwirkung des folgenden xf zu v 
Ward wie in vnvog = an. svefn unter mitwirkung des folgenden n. 

Wo wurzelauslautendes ß einem skr, j zu entsprechen 
scheint, ist überall Verschiebung anzunehmen. 

Falls Igsßog = skr. rdjas, got. riqis, wofür armen, erek abend 
spricht (Hübschmann ztschr. XXUI, 22), und nicht, wie MüUeiihoff 
deutsche altertumskunde I, 119 meint, aus hebr. n^5 entlehnt 

ZdtMhrilt für vergl. Spntchf. N. F. V. 2. 11 

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16^ Joh. Schmidt, 

ist, erklärt sich die diflferenz so, dass das j von räjas in den 
casus obliqui, deren stamm indog. *rA^as war, dagegen das |J 
von sQsßoq im nom. entstanden und in beiden sprachen nach 
entgegengesetzten richtungen uniformirt worden ist. Sqۤo(; 
stünde dann auf gleicher stufe mit skr. dnkaa u. s. w. s. 111. 
Entsprechend sind tccQßoc, TagßaXSog, xaqßita : skr. idrjati droht, 
fahrt an (A. Kuhn ztschr. XIII, 4f54) zu erklären. 

Fröhde (Bezz. beitr. I, 250) stellt q^fißfo und skr. vrn&jmi 
»wende« zusammen, welche ihm zufolge die selben bedeutungen 
zeigen. Zu der selben wurzel skr. varj zieht man seit Aufrecht 
ztschr. XII, 400 auch ^atßog und got. vraiqs (Curtius* s. 473, 
Fröhde ztschr. XXII, 254). Das gotische wort, nur Luc. III, 5 
pata vraiqp vorkommend, steht bis jetzt innerhalb des germa- 
nischen ganz isolirt, daher hat I. Peters (gotische conjecturen 
s. 9) statt seiner vraipü vermutbet ; da jedoch, wie Peters selbst 
berichtet, in einer durchzeichnung des cod. arg. das q von 
vraiqö deutlich erkennbar ist, wäre es gewagt von der Über- 
lieferung abzugehen. Das got. ai erklärt Delbrück (Zachers 
ztschr. I, 151) durch epenthese aus *vragjch, während ich an- 
genommen habe, dass ein geschwundener nasal die Störung des 
alten vocalismus herbeigeführt habe (voc. I, 60). ^aißog leitet 
Curtius aus "^ßqayioq her, dagegen stellt Bezzenberger beitr. 1, 254 
für vraiqs und ^atßog ein indog. *vraiga-' auf ^). Endlich hat Fröhde 
ztschr. XXIII, 312 das äolische Qvßdg = imxafin^g, welches in 
Et. magn. und Et. Orion, ohne angäbe der quantität auf 
autorität des Herodian überliefert ist (Herodlan ed. Lentz 1, 187, 
9. II, 174, 26. 488, 38), hinzugezogen, indem er sein t; als lang 
ansetzt und qv als metathesis von ar erklärt, ^vßog sei = lat. 
t4rvus, grundform beider *vorgvos. Vielmehr wird sich gvßog 
zu ^aißog aus *Qaßiog und ^ifißco^ ^^(*(pog (ro arofia $ ^K 
Hesych.) verhalten wie ßvä^og zu ßa^vg und ßsv^og (voc. I, 180). 



») Dies soll auch im altbaktrischen vorkommen, nämlich als erstes 
glied von urvaezö-maidhya-, »das von Jasti durch ,mit schlanker laille' 
und von Spiegel durch ,mit schlanker mitte* zutreffend übersetzt ist«. 
urvaeza- bedeute demnach »sehr einwärts gebogen, krumm«. Leider bat 
6. die thatsachen, welche ihn zu diesem Schlüsse geführt haben, nicht mit* 
getheilt. Bis auf weiteres ist seine behauptung, urvaeea- bedeute krumm, 
nicht anders begründet, als wie wenn jemand aus dem mit urvaSzö-maidhya' 
synonymen skr. tanu-madhya- für skr. ianu- die bedeutung »sehr einwärts 
gebogen, krumm« erschliessen wollte. 



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Zwei arische a-laaie und die palatalen. 163 

Falls Qi(»ßm, ^caßog, Qvßog wirklich zu skr. varj gehörten, dann 
hätte ^vßog von rechts wegen ß ebenso wie skr. vdrgor' gruppe, 
ga^og aiis *^aß*oq aber hätte das ß ebenso verschleppt wie 
skr. värgya- zur gruppe gehörig (vgl. s. 67). Aber der wurzel- 
anslaut war weder ursprünglich eine media noch guttural. Von 
obigen werten sind nämlich nicht zu trennen ro ^afitpog der 
knunme vogekchnabel , ^ofi^ig haken und eine art schiff, 
^fMpi krummes messer, QifKpoc' zo aiof^a ^ ^ig, ^afi(pd^€$' 
^YXst (aü^<f€t Hesych. ^). Da nun trotz Fick ztschr. XXII, 1 10 
kein einziges sicheres beispiel vorliegt, in welchem eine ur- 
sprüngliche media vor folgendem vocale zur tenuis aspirata 
geworden wäre, dagegen der Übergang von ursprünglichen 
aspiraten in mediae namentlich hinter nasalen zu den fest- 
stehenden thatsachen gehört (s. Curtius* s. 615 f.), so repräsen- 
tiren gä/Hpog u. s. w. eine ältere stufe des wurzelauslautes. 
Dass er auch ursprünglich labial, nicht guttural war, folgt aus 
mhd. rimphen zusammenziehen, krümmen, rümpfen, in falten, 
runzeln zusammen ziehen, sicJi rimpfen sich zusammenziehen, 
rümpfen. Lexer wtb. belegt auch die bedeutung >sich zusammen- 
ziehend fortschnellen« : da von sich ein sneJce rampf von dannen 
über tüsent mzle Wahtelm. 216, welche nahe an die von ^i(A^ 
fiiif^ai streift. Die Wörterbücher von Schade und Lexer 
setzen ein ahd. hrimpfan an, woraus Fick IIP, 68 der laut- 
verschiebung zum trotz sogar eine urgermanische »wurzel harf* 
construirt *). Aber keine einzige ahd. quelle hat hr im anlaute : 
rampf, ramph caperrabat, girumpfan contractus, rugosus, rvm- 
fungun m^\s (Graffll, 512). hrimß terit gl. K. gehört natürlich 
nicht hierher, da Ra. dafür krimfit hat (Gfaflf II, 611. 1156). 
Ausser dem deutschen findet sich unsere Wortsippe im angel- 
sächsischen. Ettmüller lex. anglosax. p. 502 führt an hrympele 
ruga Cot. 178, ob aber dessen hr grammalischen werth hat, 
wird sich erst nach Untersuchung der quelle entscheiden lassen*); 

>) ^^tftfc»* nlayojm Hesych., von welchem Lob. rhem. 242 meint, es 
habe etwas ähnJichkeit mit ^i/i^cir^», hält M. Schmidt für verderbt aus 

*) xa^^cti, welches er vergleicht, hat ganz andere germanische verwandte, 
s. voc. n, 491. 

') Zupitza hat die gute gehabt das von Junius zusammengestellte 
handschriftliche glossar, dem EttmOllers angäbe entlehnt ist, einzusehen. 
Er fand nnr ^hrympellum, Rugis; gl. Gott. 178c und ^ptere gehrumpnctn 
Rugosam; gl. Gott. 181«. Worauf die Verweisung geht, ist nicht ermittelt. 

11* 



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164 Joh. Schmidt, 

vor der band ist es nicht wahrscheinlich, da Ettm. p. 257 ver- 
wandte ohne h schon aus dem 9. jh. belegt, gerumpenu nädre 
coluber Cot. 38 und ren^pende hasty Gregor, cura pastoralis ed. 
Sweet p. 149 (ende des 9.jh.)- Grimm gr. II, 33 no. 367 und 
Koch bist. gr. I, 254 setzen denn auch ags. rimpan ohne h an, 
und es liegt bis jetzt, wie mir MüUenboff und Zupitza bestätigen, 
kein grund vor hiervon abzugehen. Die durch ^dfAipog u. s. W' 
erwiesene ursprüngliche aspirata ist vor eintritt der germanischen 
lautverschiebung zur media geworden und dann zur urgerm. 
tenuis verschoben, wie dies namentlich hinter nasalen und 
liquiden öfter geschehen ist, z. b. got. greipan aus *grinipan ^) : 
skr. grabh; ags. limpan : skr. lambh, kibh (voc. I, 118); got. 
bimampjan : (Aifitpsax^at; diups : tvfißoc, tdipog (voc. I, 164); 
an. skarpr : axaqiqiog (voc. II, 363); ahd. ancha : avx^v (voc. 
I, 182) u. a. 

C. Aspiratae. 

Am seltensten sind sicher nachweisbare ^ an stelle pala- 
taler aspiraten, die wenigen beispiele genügen aber um zu con- 
statiren, dass wie bei den mediae die beiden arischen palatal- 
reihen im griechischen zusammengefallen sind. 

1) ^ = skr. hy abaktr. jer, apers. d, abulg. s, lit. i. 
x£tl^£» = skr. gühati. Die allgemein übliche herleitung 
dieser worte von einer wurzel *ktulh (Curtius g. e. no. 321; 
Fick P, 50; Hübschmann ztschr. XXIII, 393) verstösst gegen die 
arischen lautgeset^;^. Das d des apers. yadiy apa-gaudayähy 
»wenn du verbirgst« beweist natürlich gar nichts für ursprünglich 
dentalen wurzelauslaut, wie adam = abaktr. azem, skr. cJidm u. a. 
(Hübschmann ztschr. XXIII, 396) lehren. Noch weniger be- 
weist abaktr. y^zi neben yedhi = skr. yddi, auf welches sich 
Hübschmann beruft, da hier oflfenbar das i den vorhergehenden 
dentalen Spiranten afficirt hat (vgl. sabin. Clausus aus Claudius), 
und zwar, wie die daneben noch erscheinende form yEdhi zeigt, 
erst in später zeit. Es ist noch kein einziger fall bekannt, in 
welchem urspr. dh zugleich im altbaktrischen zu z und im 



^) Diese voc. I, 59 f. gegebene erklärung wird bestätigt durch lit «v- 
-grambti fassen, fangen (Geitler lit. stud. 112) und abaktr. uz-gerembtfö 
aufnelimend. 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. 165 

sanskril zu demjenigen h geworden wäre, welches mit s ksh er- 
giebt und folgende dentale zu lingualen wandelt ^). Also müssen 
gaozaüi : ffühcUi, güdhd- genau so beurtheilt werden wie vaeaiti : 
mhaii, üdhä-. Die arische wurzel guih, welche sich so er- 
giebl, verhält sich zu xsv&w wie Imdh : nsv^ofiai, d. h. es war, 
nach Grassmänns gesetz, ursprünglich sowohl der wurzelanlaut 
als der wurzelauslaut aspirirt, ersterer erhielt sich, wenn letzterer 
die aspiration verlor, z. b. im aor. aghukshat. Dass der wurzel- 
auslaut ursprünglich eine palatale spirans, kein dental war, er- 
giebt sich femer aus lit. guM beschützen, guzietcjis beschützer, 
welche Geitler lit. stud. 85 aus einer handschrifl Dowkonts 
verzeichnet. Nach G. wird guzti auch vom brüten der gänse 
gebraucht, es gehören demnach hierher auch güs0ta das brütenest 
der hühner und gänse, schlechte wohnung, hütte, {-sir-gusssti^ 
der sich in ein weiches lager eingewühlt hat Ness. (die quan- 
titätsangabe des u beruht auf Schleicher Donal. und Kurschat). 
gü&ztay lautgesetzlich aus *güz-ta entstanden, entspricht laut für 
laut dem skr. güdhd-, wobei besonders die mit skr. gähati 
übereinstimmende quantität des lit. ü zu beachten ist^). Diese 
litauischen worte zeigen auch, dass da§ nachvedische skr. 
kuhaka- gaukler nebst zubehör, in welchen A. Weber omina und 
portenta, abh. d. Berliner akad. 1853, s. 343 die älteste indische 
Wurzelgestalt findet, diese nicht enthalten können. Dass skr. 
abaktr. lit. zufallig übereinstimmend die in jeder dieser sprachen 
ungewöhnliche wandelung anlautender tenuis vor einem vocale 
zur media vollzogen haben, j^t nicht glaublich. Vielmehr ist an- 
zunehmen, dass kühahi' gaukler, akuha- ehrlich, kuhara- höhle, 
kuM" neumond und die nur aus grammatikern angeführten 
kuhayate betrügt, kuhana, kühana heuchelei, küha nebel, falls 
sie überhaupt mit gühati wurzelverwandt sind — da ä auch 
aus dh oder hh entstanden sein kann, war vielleicht auch der 
wurzelauslaut ursprünglich verschieden — , eine Verhärtung der 
media zur tenuis erlitten haben, welche im paiQScIdialekte des 



*) Skr. ruh, pt. rüdhä- ist nicht aus rudh entstanden, s. voc. II, 296*). 

•) u wird im litauischen nicht wie a und e durch den darauffallenden 
hochton verlfingert, entspricht vielmehr, wo es nicht durch ersatzdehnung 
entstanden ist, einem indog. ü. büti = abulg. byti, skr. bhüti-; dümai = 
^- dymü, d^fio^f fütnust skr. dhümd-s; ^nüs = ab. synü, skr. aünü-s; 
9nUas= skr, syütd-Sj lat. sütus; szudas schmutz : skr. ^üd-rd- mann der 
vierten, niedrigsten käste; üdr^ti eutem : ahd. ütar, lat, über, skr. udhar. 



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166 Job. Schmidt, 

präkrit regel ist (Lassen inst. pr. p. 442, A. Weber beitr. II, 
367 f.), inlautend auch im päli und in vibMtaka- aus ved. 
vibhtdaka- Terminalia Bellerica auch im sanskrit erscheint 
(E. Kuhn beitr. z. päli-gr. s. 40). Was aus europäischen sprachen 
zur stutze der wurzel *ku>dh beigebracht wird, ist zum theile 
dafür ebenfalls nicht geeignet Ein aus ctt oder U entstandenes 
st ist im lateinischen äusserst selten erhalten, in der r^el zu 
55 assimilirt (s. Fröhde Bezz. beitr. I, 177 flf.). Die Wahrschein- 
lichkeit, dass custos aus *mä'tos entstanden sei, ist also von 
vorn herein sehr gering. Bessere wege hat schon längst J. Grimm 
gewiesen: »das got. huid^ ahd. hört, ags. heord, altn. hodä 
scheinen mir buchstäblich das lat. cust- in cusios, custodia, dieses 
von cmo (für ^^cuso) abgeleitet, so dass sich auch unser hüs 
(das hegende, schützende) und das lat. cmia (haus und hof) 
der selben wurzel fügen« (mythol. IP, 922). In diesen worten 
stecken drei verschiedene erklärungen; welche von ihnen die 
richtige ist, lässt sich, da die quantität des u von custos un- 
bekannt ist, nicht entscheiden, alle drei aber stehen begrifflich 
hinter der Zusammenstellung mit xev^m nicht zurück und smd 
ihr lautlich überleben, da jede von ihnen ursprüngb'ches s 
voraussetzt. 1) Hiess es cUstös, so stimmt got. htusd, dessen ed 
wegen des ahd. rt, an. dd nicht aus dentalem verschlusslaute -f- ^ 
entstanden sein kann. 2) War das u ursprünglich langer 
monophthong, so schliesst sich german. hüa zunächst an. 3) War 
das u lang und Vertreter eines alten diphthongen, dann ge- 
hört cOstös zu coiravenmt, couraverunt (belege bei Corssen 1\ 
668. 703), deren r durch pälign. coisatens (Bücheier rhein. mus. 
1877, 640) als urspr. s erwiesen ist. Man sehe auch Corssens 
combinationen P, 354 f. Ags. hydan abscondere kann von hyd, 
ahd. hüt, lat. cutis abgeleitet sein. Das lateinische und ger- 
manische stützen also die wurzel *kudh in keiner weise, lieber 
die von Windisch (Curtius no. 321) nach Vorgang von Ebel 
(beitr. 11, 160) zu xbv^(o gestellten keltischen worte theilt mir 
Zimmer folgendes mit. »Kymr. cuddio, arem. cueet (Z.* 144), 
corn. cudhe, cuthe celare sind denorainativa von kymr. cudd 
gloom, hiding; hidden, concealed (Spurr. dict.). Ihrem conso- 
nantismus nach können sie nur auf k-dh oder k-d zurückgehen. 
Das u der britannischen sprachen kann altes ou (ö) und oi sein 
wie kymr. tud, arem. tttd, com. tus = ir. ttiath und kymr. corn. 
arem. w»=ir. oin unus; kymr. cu, arem. cu/f, com, cii/'=ir. 



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Zwei arische a-Iaute und die palatalen. 167 

eaimh. Schwierig wird die sache durch das Manx: coodee 
Cover, coodägh covering, coodeyder a coverer u. s. w. Manx d 
zwischen vocalen kann nicht auf dJi oder d gehen. Letztere 
werden zur tönenden spirans und schwinden dann ganz oder 
werden gh geschrieben, z. b. cree, phir. creeaghyn heart = air. 
cride, oder rooagh = air. ruad, got, rauda-, d in coodee ist wie 
in Manx cred believe = air. cretim, Manx oo vertritt air. di 
wie in noo, plur. nooghyn = air. nöib saint, holy oder air. ü wie 
in ooiU, ooü = air, uül, uüe omnis. Altes ou (au) vertritt meines 
Wissens Manx oo nicht, dies ist vielmer ooa : rooagh = air. ruad, 
ooasle worthy, noble, sublime = ir. uasal, gall. auxello-, kymr. 
uchd. Wenn Manx oo=U wäre, dann liesse sich denken an 
altir. cuie grübe in mörchute (Fiaccs Hymn. 37. Goidel. 127), 
mihech gl. laquear Z.* 811.« In den britannischen sprachen 
liegt also vielleicht eine wurzel kudh (oder hud?) vor.« Endlich 
hat Hübschmann ztschr. XXIV, 412 abaktr. khoodha- heim, 
welches schon Justi mit skr. orkuha- verbunden hat, und apers. 
khauda zu xevd-ta, custos, lat. cudo heim aus feilen gestellt und 
von einer virz. skucOi hergeleitet, welche in got. skaudorraip, an. 
skauäir, engl sheath, nhd. schofe das anlautende s erhalten habe. 
Ziehen wir das facit: 1) sicher verwandt sind skr. gühati, 
abaktr. gaojsaüi, lit. guiti von einer wurzel urspr. ghuyh; 2) eine 
wurzelform kudh kann enthalten sein in ags. hydan, kymr. 
cuddio, laL cudo, skr. kuhcJca^ und zubehör, abaktr. khaodha, 
gesichert ist sie jedoch für keins dieser worte, da die zweiten 
consonanten aller auch andere Ursprünge haben können. Fest 
steht, dass beide gruppen nichts mit einander gemein haben, 
dass xei&m also nur zu einer von beiden, nicht zu beiden zu- 
gleich gehören kann. Zu welcher es gehört, ist, falls der zweiten 
grappe wirklich eine wurzelform kudh zu gründe liegt, nach 
lautlichen kriterien zu entscheiden unmöglich. Gehört es zur 
ersten, dann ist das verhältniss von xav&s^ : ab. gaozaüi genau 
entsprechend dem von dsväad^m : ab. zusta-, skr. wz. jush. 

ßiv&og, ßa^g zu skr. gihaie sich tauchen in (Benfey wzlex. 
n, 66, Curtius no. 635, wo manches unverwandte herbeigezogen 
wird). Das ä von gah aus dh oder hh herzuleiten, wie noch 
Hübschmann ztschr. XXIII, 394 will, verbietet gadhdr. Hin- 
sichtlich der vocale verhalten sich ßivd-og und ßadvg zu g(A 
wie niv^og und na^eXv zu hodh (voc. I, 92 f.). Ob auch ßdnrm^ 
hfi ZQ 9^ oder zu den mit ihm nicht verwandten skr. 



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168 Joh. Schmidt, 

gäbhlrd^, gänibhishtha- (s. 88) gehören, ist schwer zu entscheiden. 
In ersterem falle würde das y von ßa(p^ wie das von äol. av(f^v 
zu erklären sein (s. u.) und sich zu dem yf von ßSvxP-og ver- 
halten wie das ß von ißdx^^, ßavd zu dem d von didvfiog (s. 160). 

i^akloa hat Bezzenberger beitr. II, 190 zu lit. zelti grünen, 
wachsen, zälicLS grün, abaktr. miri- gelb und zubehör gestellt. 
Das verhältniss von x^dilco : x^Jo?, x^^V^ Xo^<>^ kann mit dem von 
abulg. zdenü : MUü, lit. ielti : geltas (s. 133) zusammenhangen. 

Zwei weitere 0^ = arisch i sind nach dem s. 140, 152 dar- 
gelegten enthalten in: 

daaov aus *dvi^jop : skr. amM-, abaktr. ärnnh-. 

ndfSfSoiv aus *7Tadj(av : skr. hahü-, bdmhishtha-, abaktr. 
bämnh-, 

2) * = skr. Ä, abaktr. j (zh), abulg. i, lit. g, 
^iQog == ved. hdras gluth, vgl. abulg. Seravü glühend u. a. 
s. 133 anm. Von ^i^og und i>^Qonai übertrug sich der wurzel- 
vocal auf x^sQfiog, denn nach skr. gharmdr gluth, abaktr. garemor 
heiss, lat. formiis, preuss. gomte hitze, got. varms wäre *ipoQf/tdg 
die lautgesetzliche gestalt. ^«^^o^ verhält sich also zugharmd-s 
wie tttaQ' zu arisch kttir- (s. 138). 

d-Bivco verhält sich zu ine^pvov, (fiatog, (povog wie skr. 
hdnti zu jaghnüs, ghota-, ghand- und ist das vollkommene 
gegenstück zu diU,oi : ßXj^og, SßaXov, ßoXog. >Auf diese weise 
erklärt sich, weshalb den beiden sogenannten »wurzeln« ^sv 
und ip€v (Curtius g. e. no. 311 und 410) defective verba ent- 
spriessen, welche einander so merkwürdig ergänzen, dass jedes 
gerade nur solche tempora bildet, welche dem anderen fehlen. 
Homer hat mit anlautendem d- ausser den vom präsensstamme 
gebildeten ^sivfi, x^stvofi^voiv u. s. w. nur das part. aor. x^eivag 
Y 481, mit anlautendem q> aber aor. instpvor, perf. n4q>ärat^ 
part. aQffi'tpaxog (fivl^-, odvvij-) und von hier aus nach analogie 
der vocalisch auslautenden wurzeln neu gebildet nB^^ösa, 
netf^dsTm. Hesych überliefert noch ipavoi' iB^vstSveg. q^atoV 
Tsi^vrixog^ den aor. dnSipato ' än^^avs und das wunderbare na- 
(ptiv ntsivag. In letzterem hat Fritzsche stud. VII, 206 anm. »ge- 
brochene reduplication« erkannt. Brugmans vermuthung a. a. o., 
dass naffdv aus dem bei Oppian erscheinenden präs. nkifViA 
neu gebildet sei, erklärt das a nicht. Da dies nur aus »nasalis 
sonans« entstanden sein kann, ist die intensivbildung skr. ^aw- 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 169 

-ghdfUi der keimpunkt von natpoW. Bei den attischen dichtem, 
P/ndar und Theokrit ist dies formensystem bereichert durch 
das futurum ^«vw Ar. Ach. 564 und den aor. conj. d^ivm Ar. 
Lys. 821, ^ivfiq Eur. Rhes. 687, ^ivs 676. Ar. av. 54, SsvsXv 
Eur. Heraclid! 271, ^svdv Find. Ol. VII, 28. Eur. Cycl. 7. 
Theokr. XXII, 66 (s. Veitch greek verbs), letzteres bei Pindar 
und Theokrit mit der durch das unzweifelhaft aoristische iiii 
^fyfjc Eur. Rhes. 687 als falsch erwiesenen betonung ^svwv 
überliefert (s. Bergk zu der Pindarstelle). Hesychs d-ive^ und 
Theognosts ^Sva haben ebenso wie des letzteren fpSva (Theogn. 
144, 22 = Herodian ed. Lentz I, 449, 22) nur als präparate 
der graramatiker zu gelten. Der aorist &svsXv aber verräth 
sich schon durch sein s statt des zu erwartenden a als eine 
neubildung wie das s. 154 erklärte h^eXs, Auch er ist nur ein 
kunstproduct, da das verbum lediglich in der poetischen diction 
sein dasein fristete. Der alte aorist war Insfpvov^ dessen redup- 
lication wohl nicht zufallig mit der vedischen präsensbildung 
ji-ghfHJirt^, ji-ghriHi-mana' , abaktr. ni-jaghnenti, ava-jaghtiaf 
übereinstimmt. Entsprechend der für den Wechsel von r und 
n, i und ß gefundenen regel werden wir vor s nur d-, dagegen 
vor 0, V, a (nasalis sonans) nur y/ erwarten. Alle bei Schrift- 
stellern vorkommenden formen halten diese regel auch streng 
ein, nur das q>iv(o der grammatiker und (piwog' i^dvatoc^ 
ivtavTog Hesych. (vgl. ßiXoc) verletzen sie. Wenn formen eines 
und des selben verbum durch lautliche differenzirung einander 
so unähnlich geworden sind wie d-eivta und snsfpvov, nS(pata&^ 
dann schwindet leicht auch das begrifiFliche band zwischen 
ihnen. So geschah es auch hier, aber nicht in dem masse, wie 
es auf den ersten anblick scheint. Man übersetzt die mit d' 
anlautenden formen hom. ^sivifiBvat. u. s. w. durch »schlagen«, 
die mit y anlautenden 7i8(pp^fjb8v durch >tödten«. Der exitus 
letalis ist aber weder von ersteren ausgeschlossen noch in 
letzteren überall gedacht. Auch J^«»v«*v kann »tödtlich treffen« 
bedeuten, z. b. xrstvs J' imtfTQoq^ädijv^ tdSv Sk atovog wqvvx* 
auxtjg äoQt> xf'StPOfASvoiv, iQvd-aivsto d^atfiatt yata II. K 483. 
^(ivifuvttk ^i^ea&y xavv^xsCiV, sig o xs naci(av tpvx^g i^aipi^ 
iijtft^«, xal ixlsld^otvt* Itiq^Qodhijg Od. % **3; vergl. noch 
Aeschyl. Sept. 959, Pers. 303, Choeph. 387. Andererseits ist 
das »tödten« ganz ausgeschlossen in stxoct (ih^a (ivXfi<fdtov 
ihfijov Od. ß 355, zu welchem ddrirsafnhaia- , als epitheton 



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170 Job. Schmidt, 

des zwischen steinen ausgepressten soma RV. IX, 98, 6 das 
möglichst getreue ebenbild ist. Der unterschied zwischen 
^^f$vi(Aevat »schlagen« und nstpv^fjtsv »erschlagen« ist also nicht 
grösser als der zwischen nqdfSfSs^v betreiben und ngd^at^ be- 
wirken, durchsetzen, n€iS-s$v zureden und nsltsm überreden, 
Y$Yvoi(rx€iv kennen lernen und yviSvai erkennen, und erklärt 
sich aus dem von Curtius erläuterungen * 180 flf. sehr gut dar- 
gelegten gegensatze zwischen präs. und aor. Es bleibt nun 
noch nachzuweisen, dass sich gegen unsere auf griechischem 
boden völlig begründete Zusammenstellung keine Schwierigkeiten 
aus anderen sprachen erheben. Pott stellte e. f. P, 255 »wz. 
ipsv€ und d-BVBiv zu skr. han, erklärt jedoch neuerdings ohne 
sein urtheil zu begründen (wzwtb. II, 2, 57) beide würben 
unbefugt um die ehre mit skr. han eins zu sein, und zieht »wz. 
(f$v€ ZU got. hanja wunde, air. benim ferio u. s. w. (vgl. auch 
Pott ztschr. IV, 43ß). Curtius g. e.* no. 311 verbindet einer- 
seits S-sivfa mit offendo, andererseits no. 410 >wz. tpsv^ mit 
hanja, benim u. s. w., indem er skr. han von beiden gruppen 
ausschliesst. An ersterer stelle (s. 255) bemerkt er: »auffallend 
ist es, dass x^bIpo) im griechischen so vereinzelt da steht und 
darum sind diese vergleichungen [nämlich i^avstv und if,6vo<;] 
nicht geradezu abzuweisen«. Dagegen sagt er unter »wz. tpsv^ 
s. 300 : »Anderweitige von Pott I \ 255 versuchte vergleichungen 
[nämlich mit d^sivetv und skr. han'] scheitern an gr. ^«*V« = 
fendo und skr. ghan = Äa««. Das f von lat. fendo kann aber 
aus jeder der ursprünglichen aspiraten entstanden sein, würde 
also gar nichts beweisen, selbst wenn fendo nicht zu den ganz 
genau übereinstimmenden skr. badh, nad-ctv, got. beidan u. s. w. 
(voc. I, 95) gehörte. Das einzige, was gegen die Verwandt- 
schaft von d'slvto und han spräche, wäre die Zugehörigkeit 
von x)^SvaQ = ahd. tenar, tenra zu ersterem, welche noch Fick 
I >, 632 behauptet. A. Kuhn ztschr. II, 238 und Curtius no. 312 
haben sie aber längst abgewiesen. Andererseits beweisen die 
keltischen und germanischen worte, welche man zu q^vo^, 
Snsifvov stellt, nicht, dass das fp der letzteren aus bh entstanden 
ist Sowohl Zeuss-Ebel gr. celt.* 447 als Windisch ztschr. 
XXIII, 203. 232 betrachten nämlich das n von benim ferio, 
indr-benim appello, dofui-bnim succido (Z.* 429) gegen die frühere 
ansieht Ebels, welche es zur wurzel zog (beitr. II, 167), als 
präsenssufla« Die nackte vocalisch auslautende wurzel erscbeiot 



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Zwei arische a-laute uud die palatalen. 171 

ihoeo zufolge im conj. aor. dorod-ba abscidat, condufo-haih in- 
cideret, pf. r-indar-pai reppulit, ro hebe mortuus est u. a. Die 
germanischen verwandten, got. hanja wunde, ahd. hano mörder 
n. s. w. erheben hiergegen keinen einsprach (vgl. rinnany skr. 
f-mHi-ti, A. Kuhn ztschr. ü, 460 f. u. a.), ja bestätigen diesen Ur- 
sprung des n, falls an. höä, gen. höäva/r kämpf mit ihnen wurzel- 
verwandt ist (Fick III ', 196). Hiernach haben alle diese worte 
mit ff6vQq, 67f£(pvov^ tfatoqy deren lebendiger ablaut nur aus 
einer schon in der Ursprache auf an auslautenden wurzel er- 
klärbar ist, gar nichts zu thun. Vielmehr sind gegum vulne- 
ravit, gegna I will slay (vgl. conj. aor. 7ri(pvm) und die anderen 
s. 82 schon erwähnten formen die keltischen, an. gunnr f., ags. 
güä = skr. hatin, schlag, tödtung die germanischen, abulg. ienq, 
(/»Mrfi' treiben, verfolgen die slawischen verwandten von (povog^ 
metfvov^ 9)orroc, deren Zusammenstellung mit x^sivoa, skr. han, 
abulg. zenq also nicht nur vom speciell griechischen Standpunkte 
gerechtfertigt ist sondern auch von aussen nicht gestört wird. 
i&iXia, Schon Sonne ztschr. X, 120 hat vermuthet, dass 
es mit skr. hdryati gern wollen, haben wollen, begehren Quxry 
BR.) verwandt sei. Ohne davon notiz zu nehmen stellt Bezzen- 
berger beitr. JI, 190 ^^Xs^v mit q^ali^sr d^SXst Hesych. und 
qaydv ^iXftv Hesych. zusammen und will es auf die >wurzel 
ghal€ zurückführen, welche nach voc. II, 467 den ahd. geü, 11t. 
^üs, gaüetis, abulg. iaiiti zu gründe liege. Ich halte dies im 
wesentlichen für richtig, scheide nur tfaväv aus, für welches 
die durch keine analoga gestützte behauptung, dass es aus 
*(faijttv entstanden sei, nichts hilft (Lobeck prol. 184 stellt es 
zu (fcUvstv, indem er (pavdp' qtaivea&at ^iXtiv statt des über- 
lieferten tpavdv x^iisiv vermuthet). Aus den europäischen 
sprachen ist nur ein wort unmittelbar mit i^ilia zu verbinden, 
nämlich abulg. UUti wünschen, wollen, dessen aor. ieUchU sich 
mit ^&iX^ifa deckt. Das . verhältniss von ^iXet : (faXi^st ist ein 
g^enstück zu dem von arkad. SiXXno : IßaXov und ^eivw : farog. 
Bei dieser erklärung ist auch das anlautende € von id'iXto nicht 
so befremdlich wie bei der durch Pott e. f. II, 1, 401. 3, 339, 
Fnida unters, üb. homer. spr. I, 237, Curtius* 716, FickI», 116 
u. a. vertretenen auch begrifflich wenig befriedigenden her- 
leilung von skr. dhar fest halten. Unursprüngliche vocale ent- 
wickeln sich im anlaute zufolge Curtius' Untersuchung (g. e.^ 
710 ff.) fast nur vor consonantengruppen und einfachen tönenden 



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172 Joh. Schmidt, 

lauten, sehr selten vor stummen. Vor r, n^ y hat Curtius kein 
einziges beispiel, vor ^ nur id-^XoK Nun werden palatale in 
allen sprachen sehr leicht zu doppellauten (vgl. cJ-rr#, TQioviiq 
s. 138), vor ihnen begreift sich also das auftauchen eines un- 
ursprünglichen vocals eher als vor anders articulirten einfachen 
consonanten. Ist das s von iO'sXo) zu einer zeit entstanden, 
als in dem worte noch nicht reiner dental bestand, dann 
rangirt es mit den vocalen von a-crtfa, ä-tza aus *a-T;a (Curtius 
s. 713), d-xivdyfiaTa, d-xiva/fio-g = Tivdyfiava, nvayfwg {s. iSi) 
und ddsXoc, oßoXog, falls dies zu ßaXXt» gehört (Gurt. s. 476, 
s. o. s. 155). 

O^iJQ und ferus, fera sind schon von Dobrowsky inst. p. 138 
mit abulg. jert?^ fera zusammengestellt; sie von einer grundform 
dhvar herzuleiten, wie Curtius no. 314 will, verbieten die 
slawischen lautgesetze. Ebenso wenig ist gestattet mit Fick II', 
167 aus äol. (piJQ und lat. fertis ein »graecoitalischesc q-ero- 
wild zu construiren. Lit. zverls, preuss. stdrlrins acc. pl. haben 
als slawische lehnworte aus der discussion zu bleiben, denn das 
jg des abulg. zvert ist aus dz, der media zu c, entstanden, wie 
nbulg. dzvere Miladin. bulg. nar. p&ni no. 15 und die Schrei- 
bungen der alten handschriften beweisen (zahlreiche belege in 
d^r werthvollen abhandlung von Miklosich über die schriftzeichen 
für z im IX bände des Rad jugosl. akad. und jetzt aslov. 
lautl.* 252 f.). Ebenso ist das ^ von ^^q durch das folgende 
gemeingriechische 47 aus ursprünglichem guttural umgewandelt. 

An stelle von crcr, tr als Vertretern einer mit^ verschmolzenen 
aspirata, welche vor anderen lauten in der gestalt von % ^^^ 
ip erscheint, ist vor beginn der assibilation iyj anzusetzen (s. 140). 
In kret. r>aldd-%fag^ l^d]Xa^^av (Cauer delectus no. 42 A, 
17. 36) ist ein solches nach ausweis des besychischen SaXdyxav' 
l^dXaatSav (Curtius g. e.* s. 655) nicht ursprünglichem dh ent- 
sprechendes ^ aspirirt erhalten. So deckt sich Ikäwov aus 
*iXavs^jov (s. 156) mit abaktr. rehjyö (s. 65) und bei unur- 
sprünglicher a3piration &äts<s<idv mit abaktr. täshyao. 

Wie X und n, 6 und ß, so wechselten auch x^ und <jp ur- 
sprünglich regelmässig je nach der beschaffenheit des folgenden 
lautes. Erhalten hat sich dieser Wechsel in 

1. S-civt» : €7re(pvov, (farvg^ €f6vog, 

2. i^iXat : ipali^H, 



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Zwei arische ablaute und die palatalen. 173 

3. iXdaawp aus ^iXavO^jtov : iXa^qoq = ags. lungre cito 
(Fröiide Bezz. beitr. UI, 13), 

4. ßiv^og, ßai^vg : ßa(p^ (? s. 168). 

Hieraus ist ersichtlich, dass ip arischem gh, nicht ^h (skr. %, 
abaktr. j, jsrÄ) entspricht und vor e, # nur durch unursprüng- 
liche ausgleichung verschleppt sein kann. An richtiger stelle 
steht if in daq^, thessal. dav%va (Ahrens I, 219; II, 53i2), beide 
aus *da%fva; (px^ivta, skr. Icshi-nd^U, kshi-nS-nd vernichte; 
yiifQoi, lat. nefrundines, ahd. niaro (Fröhde Bezz. III, 14); 
(fatd^og, lit. gaidrüs, g'eäras hell, klar (Fick Bezz. II, 187); 
(fawg = lit. gaisas heller schein am nachthimmel, nordlicht. 
(V Fröhde Bezz. III, 14) ; %i(fQa : skr. dah (? de Saussure mem. 
s. le Systeme primitif des voyelles p. 111 note); ^if^pa : ahd. 
rinqf, lit. rengtis sich rüsten, eilen (Bezzenberger beitr. IV, 354), 
skr. rimh-aie rennt, raghü- renner. In insipvov drang der 
labial aus dem wurzelanlaut in die reduplicationssilbe (vgl. 
s. 161). Im Wurzelauslaut konnte das tp leicht auch vor s, * 
verschleppt werden, wie es n und ß geschehen ist (s. 140. 161). 
So in v€iqf€t, vnfstoq aus viipa, v$(päg; dX<ps(fißotai aus ^Xipop, 
äXg>o$ : lit. algä lohn, skr. arghä- werth, preis, drhati ist werth 
(Fröhde Bezz. III, 12). Aeol. avifi^v, ä/Mp^v Hesych. (Ahrens 
I, 42; n, 503), äfiipeva Theokr. XXX, 28 = avxfjv, avxiva 
haben ihr (p aus den alten starken casus vor das £ der 
schwachen und vor das 7 des aus diesen neu erwachsenen 
nominativs verschleppt, in *ä(Aq>(iop = got. agga (s. o. s. 15, 
voc. I, 182) war es berechtigt. Uebrigens ist das (p hier, wie 
preuss. icinsfAS, cech. vaz (Burda beitr. VI, 402) lehren, Ver- 
treter von yh nach unserer bezeichnung (s. 123), nicht von gh. 
Die mehrzahl der dialekte hat umgekehrt mit dem s der 
schwachen casus das vor diesem stehende %', welches seine 
palatalaffeclion später verlor, in die starken übertragen. 

Die von Ascoli corsi p. 192 not., Fröhde Bezz. III, 13, de 
Saussure mem. s. le syst^me primitif des voyelles p. 277 f. 
wieder vertheidigte gleichsetzung von o^^g und skr. ähirS wird 
durch unsere regel aufgehoben. • Dem' skr. dhi-s entspricht viel- 
mehr bx^, dessen c wohl wie in syx^lvg = anguüla, irs^tog aus 
äxiQog, f$tyi%^sog aus ion. fisydx^eog (s. 92 anm.), ifinig = apis 
(? vergL jedoch ahd. imbi) durch einwirkung des folgenden 
vocals aus a assimilirt ist. Bei der durch dQäxuiv begrififlich 
unterstützten Zusammenstellung von 6(p^ mit ontana (Curtius 



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174 ^oh. Schmidt, 

g. e. * 457. 476) ist das q> völlig erklärlich. War das stanim- 
bildungssuffix /*, dann war n vor demselben gesetzmässig, war 
es *, dann ist der labial aus wurzelverwandten mit anderen 
Suffixen verschleppt (vgl. nQowqoq • nqoaxonog Hesych., Curtius 
a. a. o.). 

Ebenfalls gegen die regel ist Bezzenbergers Zusammenstellung 
von (psQtsQog, (pS^arog, qi§QiiSToq mit lit. geras gut (beitr. II, 191). 
Sie ist auch begrifflich mindestens nicht zwingend, denn fpigtsQog 
bedeutet bekanntlich nicht »bessere sondern »hervorragender, 
überlegen«, und ich sehe nicht, weshalb es von g>iQta getrennt 
•werden soll. Man beachte namentlich ahd. bora- in bara-lang 
sehr lang u. s. w. Grimm gr. II, 415. 550 f., Graflf III, 158. 
Ficks Zusammenstellung von tpiq^fSioq mit abaktr. hairista- (I \ 
691) trifft das richtige. « 

Von dem durch verschiedene folgende laute bedingten 
Wechsel zwischen ^ und y (^Bivta : tnsippov, ip6voq) wohl zu 
unterscheiden ist der in verschiedenen dialekten an einem und 
dem selben worle erscheinende : aeol. q^Q, thessal. Odoipstqoq 
(Ussing inscr. graec. ined. 25, 1; Wald additamenta ad diaL 
et Lesbiorum et Thessalorum cognoscendam Berol. 1871 p. 35), 
aeol. (pQovog, (poiva = -diiQ, x^Qovog, d'oivri (Ährens I, 42), böot. 
OsTxalig == &6iS(SaXog (Beermann stud. IX, 63), iXatfQog == 
iXaiyqog Hesych., q>Xdoa = i^Xdfo, (pklßto = ^lißw, dipQvg='0%^Qvg, 
<pvUa = ^vXXa (Curtius g. e. * 487). Dieser dialektische 
Wechsel ist viel jünger als der dem arischen ^h : gh ent- 
sprechende. Nach allem, was wir von lautgeschichte wissen — 
es sei namentlich auf die abhandlung von Ascoli ztschr. XVII, 
240 ff., corsi p. 172 ff. verwiesen — , ist er erst eingetreten, 
nachdem * und y zu Spiranten geworden waren, und hat daher 
bei tenues und mediae kein analogori. Leider ist der Ursprung 
der hälfle der ihn zeigenden worte in dunkel gehüllt. So viel 
lässt sich indess erkennen, dass dabei sowohl y in x^ gewandelt 
ist (offQvg^ (pvlXa) als d- in y, falls d'QOvog richtig zu sir.dhar 
gestellt wird (Curtius no. 316); (paQVfLog und ^Qa<fvg (Curtius* 
s. 477) weiss ich nicht zu vereinigen. Ein ursprünglicher guttural 
liegt nur in yiy^ und iXay^Qog sicher zu gründe. 

Es hat sich ergeben, erstens dass an stelle der ariscli- 
slavolettischen palatalen Spiranten i und ih auch das griechische 
mehrfach laute bewahrt hat, welche einst palatal waren und 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 175 

za rf (t), ^ geworden sind. Dass diese palatalaflfection nicht 
etwa erst im griechischen durch folgende i-farbige laute ver- 
anlasst ist, zeigen ädvog, dä^ Ca, dvyccfiat^ dlSvfAog. In den 
meisten fallen dagegen sind i, ih durch y, x vertreten: äyvog 
(ädvog), Y^vta (d^add-ai)^ yf (iöi)y ysviifd'M (didvf/^oc)^ «yV», 
äQyvQog, yäkaog, yofi^ög, yiQiov, lyvdov, yow, Sogya, dfiiXyo), 
oQiya, ipXiydß^ (pQvyi» ; %X6ii (^dXh»)^ najvg /nd<f(f(av), ayyii 
(dü<sar\ ayxfa^ oxog, ixm, Xkxog (preuss. lasinna s. 128), >U/x^9 
if^lim, Ttfixvg, aniQXOfiat, xa*V«, Z«/»«», X^f«, X^^ {y^ s. 127), 
X»«V, xf'«i x^*yyäv(o; die nach Weisungen sehe man bei Curtius 
g. e. * s. 169--205. Nun eröflfnen sich zwei möglichkeiten. 
Enfweder ist die arisch-slawische palatalaflfection überhaupt nur 
in den Worten mit d (^), ^ auf griechischen boden gedrungen, 
oder die worte mit y, x = ar. i, £h haben sie einst ebenfalls 
gehabt aber schon in vorhistorischer zeit verloren. Ersteres ist 
durchaas unwahrscheinlich. Dagegen haben wir in äyvog, yevw, 
yf, yivia^ai, vielleicht auch in x^^V-» X^^^^ (s. 168) den Verlust 
der palatalaflfection, deren Vorhandensein im griechischem advog, 
dsvaa^at, Sa, didv^iog, ^dXXfa fest stellen, wirklich vor äugen. 
Ebenso in naiyviov, ixciXa^a, iyiXa^a, htpi^al^a u. s. w. aus 
naft^'Vtop, ixccXa^-aa (ztschr. XXIII, 295 f.). Desgleichen hat 
Ascoli archivio gloltol. ital. II, 143 f, für das sardische den 
Verlust einer alten palatalaflfection nachgewiesen, welchen er 
auch für den dialekt von Noto in Sicilien voraussetzt (archivio 
n, 457). Für das germanische nimmt ihn an Hermann Möller 
in seinen beiden abhandlungen: »die palatalreihe der indog. 
grundsprache im germanischenc, Leipzig 1875 und >epenthese 
vor Ä-lautenc u. s. w. ztschr. XXIV, 427 flf.; beide geben sehr 
vielen zweifeln räum. Vielleicht spielt hierbei auch die färbung 
der folgenden laute mit, so dass indog. y\ yh (s. 123) einst 
durch griechische palatale, dagegen indog. y und yh durch 
griech. y und x vertreten waren und der historisch überlieferte 
zustand auf ausgleichungen zwischen beiden reihen beruht, bei 
welchen in der regel die dunkelen laute den sieg davon trugen. 
Auf die selbe weise sind arisch U, ^, §h und h, g, gh in griech. 
X, y, X zusammengefallen, wie sich sogleich zeigen wird. Ganz 
sicher wird sich hierüber erst urtheilen lassen, wenn wir den 
tunfang und die geschichte der labialaflfection in den euro- 
päischen sprachen genau kennen werden. 



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176 ^oh. Schmidt, 

Auffällig ist der mangel der entsprechenden tenuis t = 
arisch g vor vocalen. Sie ist nur in fidacoav = abaktr. magyao 
und xoXodfSog zu skr. Arfrf- mager, kdrgya-m magerkeit, deren 
a<s nach s. 140 zunächst aus tj entstanden ist, zu erschliessen. 
Sonst ist X der Vertreter von arischem g: äxgog, dxfiwVf 
aXxfi, Sdxpco, dixa, diQxofiai, d^lxwfj^ty bXxoCi, kxaxov, sxdv, 
sxvQÖg, xdXafiog, xdqa, xagdia, xstf^ai, xsvsog, xiQag, xÜra, 
xXovig, xXv(o, xoyxVf ^oXsxdvog, xvico, xvQog, xvtav, xfSvog, fiaxQog, 
vixvg, olxog, oxvai, nixo), niXsxvg, navxtj, notxlXog, noQxog, 
(fximo/ia&, ^, Curtius g. e. * s. 130 — 167. H. Möller ztschr. 
XXIV, 513 sucht in den t von aixf^Jj, welches ursprünglich 
identisch mit dxfjMJ sei, von nsixao = Xii.peszü pflücke, rupfe, zause, 
^vstxa : lit. nesm und dor. £fxa> = f/xo) = skr. äga eine nach- 
wirkung der einst folgenden palatalen. aixfMJ ist jedesfalls anders 
zu deuten, da preuss. aysniis, lit. jhsmias auch einen diphthong 
haben und szy soviel bis jetzt bekannt (trotz Möller a. a. o. 461), 
keine diphthonge erzeugt, vergl. asgtrus, as^mu. Ob Curtius' 
deutung von aix(*^ = ^dxtfHj, welche ich voc. II, 495 an- 
genommen habe, richtig sei, ist eben wegen der Übereinstim- 
mung des preussischen zweifelhaft, richtiger scheint Fick I *, 507 
ein europ. aiKma- anzusetzen, stxw ist für grammatische Unter- 
suchungen erst verwerthbar, wenn sein verhältniss zu ^x« end- 
giltig festgestellt und in Übereinstimmung mit den regeln ent- 
weder der präsens- oder der perfectvocalisation gebracht sein 
wird, was bisher noch nicht geschehen ist. Wäre in neixto das 
* aus dem x entwickelt, so würde es in allen formen des verbums 
erscheinen und zu allen zeiten geblieben sein, da ein durch 
epenthese entstandener diphthong sein $ nicht wieder verliert 
(vgl. aly- oben s. 151). Beides ist nicht der fall, wie ne^afAipij 
II. S 176 und die beschränkung des €$ auf nsixaTs Od. a 316, 
Tihixstv Hes. op. 775 lehrt ; die spätere spräche kennt nur nextii», 
n£xwi, Tiixta (letzlere beide nur bei grammatikem). So wird 
man endlich für fjysMa die bisherige erklärung aus ^veyxa der 
Möllerschen vorziehen müssen. 

Zweitens hat sich ergeben, dass an stelle der arischen 
palatalen verschlusslaute K, ^, §h auch das griechische, und zwar 
in grösserer zahl als an stelle der arischen f, i, ih laute be- 
wahrt hat, welche einst palatal waren und zu t, d (t>), ^ ge- 
worden sind. Vor j haben sie ihre palatalaflfection niemals 
abgestreift. Vor #, s, ^ haben sie dieselbe bewahrt in einigen 



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üwei arische a-iaute und die palatalen. 1^^ 

isolirien Worten, zu welchen keine ablaute mit anderen vocalen 
vorliegen (ti, viXaov?, adifv, x^iQoc)^ und wenn in zugehörigen 
formen vor dunkelen lauten n, ß, tp stehen (t»V : novsgog u. s. w.). 
Den Verlust einer auf griechischem boden vorhandenen palatal- 
affection bezeugen oxa = ote, dx$va/fi6g, dxtpd/fjtata = tivay- 
fiig, urayfiaTa, yiywQa = lakon. d^fpovga. Hiernach sind wir 
berechtigt, ja, wenn wir uns nicht bei einem ganz regellosen 
zustande beruhigen wollen, sogar gezwungen für alle die falle, 
in welchen x, y, % vor b und * erscheinen, verlust einer allen 
palatalaffection anzunehmen. Er ist überall da eingetreten, wo 
in zugehörigen formen vor dunkelen lauten nicht Uy ß, y son- 
dern X, Yj X stehen: ilax^atog trotz abaktr. reüjista- wegen 
ilaxvg; %ax$a%oq trotz abaktr. tafkista- wegen faxvg; axui 
trotz skr. chayä wegen (Xxoio^ schattig, finster (Curtius no. HS); 
tiM€i trotz abulg. vVlieU wegen lix«. Vergleicht man diese 
mit %€ki : no^v^^ dsXXw : IßaXov, %^eiv(o : insifvov u. s. w. und 
berücksichtigt, dass ein ähnlicher ablaut zwischen %, d, & vor 
vocalen und x, y, x nicht erhalten ist, so drängt sich der schluss 
auf, dass da, wo die helle und die dunkele wurzelform von 
einander stärker verschieden waren (x' gegen xf ), eben diese 
grössere Verschiedenheit die palatalaflfection an ihrer stelle ge- 
schützt hat (t neben n), dagegen, wo beide wurzelformen ein- 
ander näher lagen (x', /, x ^^d x, y, x)y die helle unter ein- 
wirkung der dunkelen ihre palatalaflfection verloren hat. 

Suchen wir endlich die frage zu beantworten, ob die t, d, & 
vor «, I, j im sonderleben des griechischen durch einwirkung 
der folgenden laute aus intacten gutturalen entstanden sind. 
Es sind, so viel ich sehe, drei erscheinungen, welche man etwa 
zu gunsten einer bejahung dieser frage anführen könnte. 

Erstens dsXfpv^g neben ßgiipoq und öb^qi^ gegenüber skr. 
gr%vd, abulg. griva. Allein bei der beweglichkeit des r in allen 
sprachen ist sehr wohl möglich, dass schon in der Ursprache 
neben einander gelegen haben gärva und gräva ähniich wie 
hlärlar (== skr. bhdrta, umbr. ars-fertur) und bhrdtSr bruder, 
ebenso ^ärbh- und gräbh- wie skr. gdrbha-, dessen begriflfsver- 
wandte in allen sprachen das r hinter dem vocale haben (s. 152), 
und ja^dbha (got. greipan, lit. gribti, abulg. o-^renqti sq, ChgrSbati 
^ abstinere, schon urslaw. mit gr anlautend, voc. II, 79). 

Zweitens lakon. d$<povQa neben ßovtpoQag (ytifVQag), Oben 
s. 51 ist das ov der ersten silbe als durch den folgenden u- 

ZelU«hrift rar vergl. spraehf. M. F. V. 2. 12 

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178 Joh. Schmidt, 

oder o-farbigen laut aus e assimilirt dargestellt. Ist dies richtig, 
so reicht jedesfalls die assimilation in vorgriechische zeit zurück, 
da die labialaffection von ßovipiqaq nur aus der zeit datiren 
kann, in welcher die gv der übrigen europäischen sprachen 
entstanden. Leider fehlt jede angäbe über den dialekt, welchem 
ßov^Qag entnommen ist War es etwa thessalisch, d. h. sein 
av aus gemeingriech. co entstanden, dann könnten die doppel- 
formen durch ausgleichung eines alten ablauls zu stände ge- 
kommen, d. h. yiipvQa^ Siq>ovQa das fem. zu einem alten *ßmfVQ- 
oder *ßaipvQO' (vgl. s. 13 ff. 36) sein; *ßa<pQQa = ßovfpoQa 
wäre dann durch späteres eindringen des starken Stammes 
in das femininum entstanden. Also auch hier ist nicht zu 
beweisen, dass die palatalaffection von diy^ovqa erst im sonder- 
leben des griechischen aufgetaucht sei. 

Drittens : t; zwischen gutturalen und ^, i, i hat im slawischen 
zu der zeit, als diese vocale unmittelbar vorhergehende gutturale 
in c, i = arisch Je, ^, ^h wandelten, deren Wirkung gehemDit 
Erst später wurde es durchlässig, und es entstanden cv, dzv, 
anders assibilirt als die älteren palatalen. So steht das de von 
urslaw. dgvM (ssvM) ausser allem zusammenhange mit der 
lautbewegung, welche ö, 6 und die arischen U, §, ^h ins leben 
rief. Dennoch ist in ^^^q palatalisirung eingetreten. Diese 
scheint demnach ganz unabhängig von den arisch-slawischen 
lautvorgängen zu sein. Dagegen lässt sich erwidern, dass wir 
gar nicht wissen, ob ^^q jemals em j: gehabt hat Abulg. 
0vöir( beweist es nicht, da das slawische, welches dem hv, gv, 
ghv der übrigen europäischen sprachen regehnässig reines *, g 
gegenüberstellt, bisweilen Tcv gerade in solchen Worten hat, 
welche in den übrigen sprachen reines h zeigen: Qh\3\%.8kvrada=^ 
lett skärda, mhd. schart, urslaw. skv^ma : anord. skam, gr. 
(ThcSq (voc. II, 136). So kann auch das v von zvör^ ausschliess- 
lichslawisch sein. Ja es ist denkbar, dass in der Ursprache 
ghvdr und ^hdr neben einander gelegen haben wie skr. tmr 
und tar, (vish und tishyd-, jvar, jväl und^'ört;, abulg. glavifija ^), 



>) Siehe voc. II, 266. tvaksh rüstig sein und taksh behauen, verfer- 
tigen, welche dort, wie bisher allgemein geschieht, in das selbe verhftltniss 
zu einander gesetzt sind, stehen einander auch lautlich femer als es im 
sanskrit scheint, denn die entsprechenden abaktr. thwahhsh und tash lehren, 
dass ersteres aus *todk8y letzteres aber aus *tag9 entstanden ist, s. o. 
s. 121 anm. 



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Zwei arische a-laute und die palatalen. 179 

dann wäre MvSrt und vielleicht aeol. ^q, thessal. q>€iQ die fort- 
setzuDg des ersteren, dagegen ^^q die des letzteren. Auch x^^q 
kann demnach fär entstehung der palatalen im sonderleben 
des griechischen kein zeugniss ablegen. 

Die zahl der griechischen palatalen ist bei beginn der 
(radition schon sehr zusammengeschrumpft. Da ihr verschwinden 
gewiss nicht unmittelbar nach ihrem entstehen begonnen hat, 
gewinnen wir für sie ein erhebliches alter. Jedesfalls sind sie viel 
älter als die übrigen zetacistischen erscheinungen des griechi- 
schen. Wären sie, wie Curtius stud. III, 271 meint, zu der selben 
zeit entstanden wie (sa und f aus tj, ^, dj, dann würden in 
allen den dialekten, welche <rcf und f bewahrt haben, die laut- 
folgen xs, xk u. s. w. ebenso wenig vorkommen wie xj, dj, dj. 
Die griechischen palatalen sind unter genau den selben bedm- 
gungen, zum grossen theile in den selben Worten wie im arischen 
entstanden, und ich sehe keinen grund, welcher die annähme 
verböte, dass sie mit den arischen aus der selben quelle stammen, 
d. h. älter sind als die trennung der Griechen von den Ariern. 
Dass der unterschied der palatalen und gutturalen im arischen 
mit grösserer schärfe fest gehalten, im griechischen aber mehr 
und mehr verwischt ist, kann auch für Curtius nach seinen 
äusserungen stud. VII, 267 nichts auffallendes haben. 

Berlin, den 6. juni 1879. 

Johannes Schmidt. 



UebersetzuDgen aus dem Avesta. 

II. VendidAd 2. 16. 6. 

Vend. 2. Die vorliegende darstellung der Jimageschichte 
ist die Überarbeitung einer älteren metrischen grundpchrift, 
welche ein späterer redaktor zerrissen und mit allerlei prosa- 
zuthaten versetzt hat. Löst man die grundschrift von dem 
so zurechtgemachten context los, so fügen sich ihre einzelnen 
bruchstücke zu einer zusammenhängenden erzählung zweier 
episoden aus dem Jimamythos aneinander (v. 1 — 5; 7; 8—11; 

12* 



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180 Karl Geldner, 

12—15; 16—19 und 21 — 26; 30—34; 38 ende). Die ein- 
schaltungen des Überarbeiters enthalten theils ergänzungen 
(v. 5. 20.) oder Zusätze aus einer späteren version der Jimasage 
(v. 8. 12. 16. 29. 30. 39^3), theils wiederholen sie einfach mit 
etwas breiteren Worten, was die grundschrift bereits erzählt hat 
(v. 27—28. 35 — 36). Die grundschrift ist in darstellung und 
ausdruck durchaus antiker, gewandter und, sehen wir von einer 
anzahl Schreibfehler ab, fonnenrichtig ; der spätere redaktor ist 
im Stil unbeholfen und seine einschaltungen lassen ein weit ge- 
ringeres gefühl für grammatische correktheit bei ihm voraus- 
setzen. — In den also combinirten text der Jimageschichte hat 
sich im laufe der zeit noch eine anzahl ungehöriger glosscn 
eingeschlichen. 

Jima's erste berufung (1—20): Ahura Mazda hat sich 
zuerst Jima zum apostel des neuen glaubens auserkoren, zu der 
mission, welche später dem Zarathustra übertragen wurde. 
Aber Jima lehnt im gefühl seiner schwäche dieses amt ab (1—3). 
So soll er Mazda's geschöpfe wenigstens zu irdischem gedeihen 
und wolergehen führen. Jima willigt ein und der gott über- 
gibt ihm zwei wunderbare Werkzeuge — nicht als symbole der 
friedlichen herrschaft des ackerbauers überhaupt, sondern als 
Zauberstäbe, mit welchen er die im folgenden erzählten wunder 
zu verrichten vermag. — (4 — 7). Und Jima waltet seines am- 
tes nach dem wünsche Ahura's. Unter seiner gesegneten herr- 
schaft kommt ein goldenes Zeitalter ^) auf erden und die erde 
füllt sich mit menschen und thieren, so dass es ihr dreimal an 
räum für die masse der geschöpfe gebricht, und dreimal ver- 
grössert sie Jima vermittelst seiner göttlichen Werkzeuge (8 — 19). 
Hier endet die geschichte von Jima's erster mission. Die er- 
zählung geht in grossem sprunge zum zweiten abschnitt des 
capitels über. 

Jima's zweite berufung (21—38): Ein theil der mensch- 
heit ist verderbt und soll, wie Ahura Mazda ankündigt, in einer 
durch Winter und gewaltigen Schneefall hereinbrechenden flut 
vertilgt werden. Und abermals betraut der gott Jima mit einer 
Sendung. Er gebietet dem Jima eine vor der hereinbrechenden 
flut schutzende bürg*) zu bauen, dieselbe wohnlich einzurichten 

1) vgl. Roth, Zt. d. d. morg. ges. 4, 430. 

•) unter »bürg«, wie ich vara übersetze, verstehe ich ganz allgemein 
einen durch wall, graben und mauer befestigten schützenden platz (vgl. v. ä6). 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 181 

und die auserlesenen unter den menschen sowie Ihiere aller 
art sammt allerhand lebensbedürfnissen dorthin überzusiedeln, 
damit wenigstens der bessere theil der menschheit vor dem 
Untergang bewahrt bleibe (21 — 31). Und Jima that alles, so 
wie ihm Mazda befohlen hatte (32—38). 

Hier bricht die geschichte ab und weiter wssen die texte 
uns nichts zu erzählen, nicht wie lange Jima in seiner bürg 
wohnte — denn ewige Zeiten kann er doch dort nicht bleiben — 
noch wann die flut sich verlaufen und Jima mit den seinen 
auf die erde zurückkehrte um dieselbe aufs neue zu bevölkern. 
Die späteren, zum theil aus anderen vorstellungskreisen ent- 
sprossenen anhängsei am schluss des capitels geben darüber 
keine wirkliche auskunft. Nur eine halbverklungene erinnerung 
an die alte form der Jimasage hat noch der Mainjo-i-Khard 
bewahrt, wenn dort 27, 27 fl. erzählt wird, dass dereinst die 
grosse regenzeit Malakösän die menschheit vertilgen wird und 
alsdann sich die thore von Jima's garten öffnen und die ge- 
retteten menschen und thiere zurückkehren und von neuem die 
erde beleben werden. 

Schon Kohut hat in Zt. d. d. morg. ges. 25, 59 fl. auf 
verwandte züge der Jimasage und Noahsage hingewiesen, w^elche 
eine bekanntschaft der semitischen sage bei den Eraniem ver- 
muthen lassen. In der umstehenden Übersetzung kann man 
noch weitere schlagende Übereinstimmungen zwischen beiden 
sagen finden. * 

Wie dem auch sei, das eine glaube ich durch meine Über- 
setzung klar gelegt zu haben, dass der zweite abschnitt des 
capitels wirklich die alteranische Version der flutsage — und 
zwar combinirt mit der Jimasage — enthält (Windischmann, 
ursagen arischer Völker s. 4 fl.). 

1. Es fragte Zarathustra den Ahura Mazda: 
Ȁhura Mazda, heiligster 
geist, gerechter schöpfer 
der irdischen wesen! 
Wem hast du dich zuerst von den 
menschen geoffenbart ^), du Ahura, 
ausser mir dem Zarathustra? 



*) pareg im med. ist wörtlich »sich von jemand befragen lassen, sich 
jemand mittbeilen«. Zur form siehe metrik des jung. Av. S. 48 u. 111. 



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182 Karl Geldner, 

Wen hast du in dem glauben 

des Ahura und Zarathustra unterwiesen ?€ 

2. Und es antwortete Ähura Mazda: 
»Dem treffliehen, mächtigen Jiraa 
[o gerechter Zarathustra], 

dem habe ich mich zuerst von den 

menschen geoffenbart, ich Mazda, 

ausser dir dem Zarathustra. 

Ihn habe ich in dem glauben 

des Ähura und Zarathustra unterwiesen. 

3. und ich sprach zu ihm, o Zarathustra, 
ich der Ähura Mazda: 

»Sei mir trefflicher Jima [des Vfvaiihan söhn] 

ein Schüler und sendbote des glaubens.cc 

Und es antwortete jener 

treffliche Jima, o Zarathustra: 

»»Ich bin nicht geeignet noch erfahren 

für einen schäler und Sendboten des glaubens.«c 

4. Und ich sprach zu ihm, o Zarathustra, 
ich der Ähura Mazda: 

»»Wenn du mir, o Jima, nicht ein 
Schüler und sendbote des glaubens sein willst, 
*^o lass meine geschöpfe gedeihen 
und lass meine geschöpfe zunehmen, 
so sei meinen geschöpfen 
ein hüter, beschirmer und aufseher.cc 

5. Und es antwortete mir 

der treffliche Jima, o Zarathustra: 
»»Ich will deine geschöpfe gedeihen 
und will deine geschöpfe zunehmen lassen, 
ich will deinen geschöpfen 
ein hüter, beschirmer und aufseher sein.cc 
[Weder soll in meinem reiche kalter wind, noch hitze, noch 
krankheit noch tod herrschen]^). 



>) Der § 6 ist ein hierher verpflanztes hruchstück» dessen ursprünglicher 
Zusammenhang nicht mehr völlig klar ist. Zur Jimasage steht dasselbe 
jedenfalls in keiner näheren beziehung. Ich übersetze folgendermassen: 
»Sprich diesen Zauberspruch : ahncü jo daeva bis abareshnva pa/QcaHa a^f<^ 
mashjäkaHbjö, Und alsbald bediente er sich desselben wirksam mit seiner 
zunge und schleuderte ihn wieder jenen und so bekam er gewalt Ober 



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Uebersetzung^n aus dem Avesta. 183 

7. Darauf übergab ich Ahura Mazda 

ihm zwei Werkzeuge: 

einen goldenen stab 

und einen goldverzierten ochsenstachel. 
[Jima widmet sich nun der regierung seines reiches. 8. Und 
es verflossen dreihundert jähre über Jima's herrschafl.] 

Und das land war voll 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

imd vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

fanden keinen platz mehr. 
9. Und da mahnte ich den Jima: 

»Treflf lieber Jima, des Vtvafihan söhn! 

Das land ist voll geworden 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

und vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

finden keinen platz mehr.«€ 
10. Und Jima zog aus den stemen 

und der bahn der sonne entgegen^). 



i]m.c Die worte aemcif — masf^äkaübjö scheinen anfang und ende des 
Spruches zu sein, dessen mitte ausgelassen ist. aoahai^h (in aoahanhant) 
»gevalt, Vergewaltigung« steht für aoMhihanh und verh&lt sich zu skr. 
ogoB wie z. draosfM zu draogha. 

') D. h. nach osten. Dass in den worten nur die angäbe einer himmels* 
richtung gesucht werden darf, geht aus der parallelstelle Jt 1% 3 (vgl. 
Metrik d. j. Av. S. 19) hervor. Dort heisst es: ihrishüm bare^a fra- 
ptef on^oo I T^aiiis ä hü adhwanem \ »eine dreifache läge opfergras sollst du 
streuen dem weg der (aufgehenden) sonne entgegen«. Demnach heisst 
auch unsere stelle wörtlich: den (im osten aufgehenden) gestimen und dem 
weg der (aufigehenden) sonne entgegen, das ist nach osten. Die glosse 
wpa rapUhwäm »gen mittag«, welche dem ursprünglichen metrischen con- 
text fremd war, gibt den worten eine ähnliche deutung, irrt sich aber nach 
meiner auffassung in der himmelsrichtung. Warum es an beiden stellen 
gerade der osten sein musste, das lässt sich aus der rolle, welche diese 
kimmelsgegend in allen orientalischen Vorstellungen und gebrauchen spielte, 
leicht verstehen. Sonst ist mir an keiner stelle des Avesta eine derartige 
Forschrift aofgestossen, dass man das heilige barei;man im osten der opfer- 
>Ultte hillstreuen soUe. Doch lAsst sich damit sehr wol in einklang bringen, 
wenn es Jt. 10, 138; 17, 61 heisst, dass der — natürlich nach osten ge- 
wandte — betende priester pofoa barefma »hinter dem baregman« stehe. 



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184 Karl Geldner, 

Mit dem goldenen stabe 
stiess er auf die erde 

und schlug sie mit dem stäche! [also sprechend]: 
> »Liebe heilige erde 
rege dich, neige dich auseinander 
du mutter der thiere und menschen ^)!«€ 
11. Und Jima trieb die erde auseinander, 
dass sie um ein drittheil 
grösser als zuvor ward*). 
Dort fanden ihre heimat') 
herden zugthiere und menschen 
nach ihrem wünsch und belieben, 
wie es einem jeden gefiel. 
[12. Und es verflossen sechshundert jähre über Jima^s 
herrschaft.] 

Und das land war voll 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

und vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

fanden keinen platz mehr. 

13. Und da mahnte ich den Jima: 
»»Trefflicher Jima, des Vivanhan söhn, 
das land ist voll geworden 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

und vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

fmden keinen platz mehr.«« 

14. Und Jima zog aus den sternen 
und der bahn der sonne entgegen. 
Mit dem goldnen stabe 

stiess er auf die erde 

und schlug sie mit dem stächet [also sprechend] : 

»»Liebe heilige erde 



*) Qtaoranämca ist späteres einschiebsei. 

*) Im metrum sind die worte umzustellen: aeva thrishva mag^jeMm | 
ahmäf jatha para ahmat 

*) Es ist oftem zu lesen nach Roth, Ja^na 31. S. 29. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 185 

rege dich, neige dich auseinander 
du mutter der thiere und menschen!«« 
15. Und Jima trieb die erde auseinander, 
dass sie uro zwei drittheile 
grösser als zuvor ward. 
' Dort fanden ihre heimat 
herden, zugthiere und menschen 
nach ihrem wünsch und belieben, 
wie es einem jeden gefiel. 
[16. Und es verflossen neunhundert jähre über Jima's 
herrschafl.] 

Und das land war voll 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

und vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

fanden keinen platz mehr. 

17. Und da mahnte ich den Jima: 
»TreflOicher Jima, des Vivanhan söhn, 
das land ist voll geworden 

an herden und zugvieh 

und menschen und hunden 

und vögehi und hellen [brennenden] feuern. 

Und herden, zugthiere und menschen 

finden keinen platz mehr.«« 

18. Und Jima zog aus den sternen 

und der bahn der sonne entgegen*). 

Mit dem goldnen stabe 

sliess er auf die erde 

und schlug sie mit dem stachel [also sprechend]: 

»»Liebe heilige erde, 

rege dich, neige dich auseinander 

du mutter der thiere und menschen.«« 

19. Und Jima trieb die erde auseinander, 
dass sie um drei drittheile 

grösser als zuvor ward. 



') Hier hat der text ein ungereimtes einschiebsei: »es kam zum Vor- 
schein die kuh, die läQder ernährende, schöne, die worte der lehren ver- 
kündend«. 



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186 Karl Geldner, 

Dort fanden ihre heimat 
herden, zugthiere und menschen 
nach ihrem wünsch und belieben, 
wie es einem jeden gefiel.c 
[20. Da waren die ersten tausend jähre um, und Jima 
that das rechte*).] 



Sl. Einen rath hielt 

der Schöpfer Ahura Mazda 

mit den himmlischen göttem ab 

in dem heimatlande der berühmten Arjo:*) 

an der lieben Däitja. 

[Einen rath hielt 

der reiche fürst Jima 

mit den besten menschen ab 

in dem heimatlande der berühmten Arjer 

an der lieben Däitja. 

Zu diesem rathe kam 

der Schöpfer Ahura Mazda 

mit den himmlischen göttem 

in dem heimatlande der berühmten Arjer 

an der lieben Däitja').] 

Zu diesem rathe kam 

der reiche fürst Jima 

mit den besten menschen 

in dem heimatlande der berühmten Arjer 

an der lieben Däitja. 
22. Und es sprach Mazda zu Jima: 

»Treflflicher Jima, des Vfvanhan söhn, 



^) Im original folgen noch einige unzusammenhftngende bruchstücke: 
»ebenso gross in der länge — wie lange zeit hatte das gerechte himm- 
lische Volk bestanden ?c 

*) QrtOöairjana scheint mir als compositum gefasst werden su müssen: 
eine adjektivische bildung von ^nUöairja »der berühmte Aijerc. Ein ana- 
logon ist ^^^€Htamai9^ava adj. zu ^etUomainju. 

') Diese beiden Strophen sind eine unnütze, die erzfthlung verwirrende 
zutbat, eine frucht des nachbildungstriebes müssiger interpolatoren« 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 187 

die böse^) menschheit 

soll ein winter vertilgen*), 

wesshalb ein harter, erstarrender frost eintritt 

Die böse menschheit 

soll ein winter vertilgen, 

wesshalb reichlich schnee fallen wird') 

auf den höchsten gebirgen 

und in den niedeningen der Ärdvf^). 

23. Und eiligst •) soll sich von dort, o Jima, das vieh 
verziehen, sowol was 

an den bedrohtesten platzen 
auf den höhen des gebirges, 
als was in den gründen der thäler 
in geschlossnen stallen ist. 

24. Vor dem winter 

trug jenes*) land reiche weide'): 

das wird ein grosses wasser überschwemmen, 

wann der schnee geschmolzen ist. 



') Ich ziehe aghem als attribiit zu dem vorausgehenden cMm a^antem. 
Nur so lassen sich nach meiner ansieht die werte ohne gewaltsame ände- 
nug construiren. Der metrische def^t der zweiten zeile liesse sich etwa 
durch onschaltung eines die Zusammengehörigkeit von ahüm a^antem 
mit aghem vermittelnden jim heben. 

*) goMeniu ist doch wol imper. aor. von ^an, nidit von ^amt wie 
bisher angenommen wird; cf. Spiegel Gomm. z. d. st. 

*) haea ist zweimal zu streichen. Ich vermuthe, dass der Wortlaut 
dieser versieUe einst so gewesen sei: jahmai parvd (v. 1.) ^naodhd fnahhäf \ 
fiwoäha schnee, als das zerfliessende von wz. ^u-d. vafra ist glosse dazu. 
parva durch suffix a weitergebildet aus paru = skr. puru, 

*) Ardvi ist hier der in den see Vourukasha sich ergiessende (J. 65, 
^; Jt 5, 4) irdische ström, dessen himmlische genie die Ardvl Qüra and- 
bita ist Aehnlich ist das verhftltniss bei der indischen Sindhu. 

*) Die bisher angenommene bedeutung von thruihat s. v. a. »ein drittel« 
oder »dreifach« hat formell ihre Schwierigkeit, wird aber durch die vom 
nietnim gebotene einmalige ausscheidung der werte jafca anhat und die 
dadurch gewonnene gliederung des ganzen satzes vollends unhaltbar. Ich 
vermuthe, dass ihrithai ähnlich wie skr. tfpat ein adverbielles particip von 
einer wz. thrizh sei, welche »eilen« bedeutet haben und — nur mit anderem 
^urxeWocal — in gr. r^ix^* 8fo^* thragjan wiedergefunden werden mag. — 
9^ scheint nominat. 

*) aitanhäo ist wahrscheinlich mit da^Mus zu verbinden, vgl. Vd. 9, 56. 

*) heret&vdfirein als compositum »hervorgebrachte, vorhandene weide«, 
das folgende tem ist wohl fehler fflr tarn. 



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188 Karl Geldner, 

Und ein see^) wird dort erscheinen*), 
wo man jetzt den Standplatz 
für herden und kleinvieh sieht. 

25. Mache du eine bürg von der länge 
eines rosslaufes im gevierte. 
Dorthin bringe einen stamm 

von herden und zugthieren 

und von menschen und hunden 

und von vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

und richte diese bürg ein 

zur Wohnung für die menschen 

und zur stallung für das vieh'). 

26. Leite dorthin wasser 
einen häthra weges lang, 
lege dort Strassen*) an*) 
und baue dort häuser 

und einen graben und Stützmauer 
und einen ringsum laufenden*) wall. 
[27. Dorthin bringe du einen stamm von allen männem 
und weibern, welche auf erden die grössten, besten und schön- 



') An der annähme, abda sei synkopirtes apada, zu welcher der ge- 
suchte gegensatz zu dem folgenden padhem verlocken könnte, habe ich 
darum anstoss genommen, weil der Zusammenhang nothwendig einen 
significanteren, concreteren ausdruck erwarten lässt. Ich zerlege ahda in 
ap-{-^dä und vergleiche skr. abdhi, np. äbdän, zd. awzhd&woa, awehdänanh 
(so scheint J. 42, 2 als stamm angesetzt werden zu müssen), 

*) Die Worte jima anuhe agtwiiU fallen aus dem metrischen text weg. 

•) Zu anfang dieses § sind die worte äaJt tem zu streichen. Die zwei- 
malige Wiederholung der worte caretudrägö bis cathrt$8?kzndm stört die me- 
trische form. Ich vermuthe, dass der ursprüngliche Wortlaut des letzten 
Satzes etwa so gewesen sei: äat (tum?) tem varem kerenava | naira^ 
aifoikhshoitan^ \ gav€tam[ca\ gävajanem |. demnach müsste auch in v. 33 im 
eingang äat jimö getilgt, gegen ende aber gelesen werden äcU jimö (tem) 
varem kerenaot | naraäm etc. Auf diese weise gewinnt der gedankengang 
einen richtigen f ortschritt, während nach dem Oberlieferten Wortlaut der 
text mit unnützen tautologien überladen ist 

*) maregha ist s. v. a. skr. fnarga\ skr. wrga »der vogeU lautet im 
zd. meregha. 

•) Im context sind hier folgende worte interpolirt: Dort isst man ins- 
gesammt goldfarbige unversiegliche speise. 

*) Das zweite ea fällt aus dem metrum; dadurch wird die attribatiye 
bedeutung von pairivära an die band gegeben. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 189 

sten sind. Dorthin bringe eine brul von allen thiergaltungen, 
welche auf erden die grössten, besten und schönsten sind. 
28. Dorthin bringe den keim von allen gewachsen, welche auf 
erden die grössten und wohlriechendsten sind. Dorthin bringe 
da den keim von allen fruchten, welche auf erden die schmack- 
haftesten und wohlriechendsten sind. Und sorge, dass von 
ihnen immer ein paar beisammen sei, so lange als jene menschen 
in der bürg wohnen. 

29. Dort soll es weder streitsüchtige noch lästerer noch 
grobiane geben; weder Verfehlung^) noch noth noch trug; 
weder zwerg noch krüppel noch zahnluckige ^) noch riesenhaften 
körperwuchs noch sonst eines von den malen, welche als das 
mal des bösen geistes dem menschen'.) aufgeprägt sind. 

30. Und lege neun brücken*) nach der vorderen abtheilung 
der bürg, sechs nach der mittleren und drei nach der hintersten. 
Und führe in die vordere abtheilung über die brücken einen 
stamm von tausend menschen und in die mittlere von sechs- 
hundert und in die hinterste von dreihundert.] 

Und treibe sie mit dem goldnen 
Stabe in die bürg hinein*); 



*) haredhi von der wz. haredh = skr. sridh. 

*) vXmita in vimüodcanian ziehe ich zu einem verbum vi-mi (skr. 1 mi) 
= aasbrechen, ausreissen. 

*) Ich vermuthe mashjaica. Man Übersehe nicht die Variantenliste. 

*) d. h. Übergänge, welche über graben und wall in die bürg führen. 
Das wort danheus ist unter allen umstanden sinnlos ; es ist entweder ganz 
<u streichen, in welchem falle vardhe zu intelligiren wäre oder es hat durch 
Versehreibung das ursprüngliche texteswort verdrängt. — Die grammatik 
ist im einzelnen hier schauderhaft. 

*) Ich glaube, dass die Schwierigkeiten dieser stelle durch eine leichte 
UDgezwmigene änderung auf das schönste sich lösen lassen. So wie die 
textesworte überliefert sind, ist das metrum defekt und vermisst man zu 
<Mo% ein verbum ; ferner ist varefshva ein grammatisches unding und der 
plura] um so anstössiger, als sonst in dem ganzen stücke ja stets nur von 
einem vara die rede ist. Vergleicht man mit unserer stelle v. 10 dieses 
Upitels, wo es heisst aiwi 8hvat Qutoraja zaranctenja, so müsste man blind 
sein um zu übersehen, dass das vermeintliche lokativsuffix shva nichts 
anderes als ein dem vorangehenden worte ungeschickt angehefteter imperat. 
von Mti (richtiger ist shava wie oben ahavat für shvat) sein kann. Schneidet 
man ikva ab, so lässt sich das übrig bleibende corrupte varef ohne 
Schwierigkeit in vare locat. sg. emendiren. Darnach lese ich aiwica ti (besser 
wäre tö) vari 8fuiva. War einmal der grundtext verderbt, was wunder, 



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190 Karl Geldner, 

und schliesse^) in der bürg das thor 

und das Sonnenlicht einlassende fenster^).« 

31. Und es meinte Jima: »Wie soll ich dir 
die bürg machen, so wie es 

Ähura befohlen hat?« 

Darauf sprach Mazda zu Jima: 

»Trefflicher Jima des Vivanhan söhn, 

schreite ein stück landes mit den fusssohlen ab 

und scheide') es mit den bänden ab, 

ganz ebenso wie auch heute zu tage 

man ein stück landes mit der hacke absticht ^).« 

32. Und Jima that so 

wie ihn Ähura geheissen hatte: 

er schritt ein stück landes mit der fusssohle ab 



dass die falsche form sich auch in die nachbarecbaft (v. 38. 39. 41) ein- 
geschlichen und dort eine richtige form verdrängt hat! 

») aipi marez »zustreichoi, zuschliessen« (mit dopp. acc). Die lesarl 
vares (v. 1. zu v. 38) ist nur eine falsche angleichung des wortanlautes an 
varem, hat darum kritisch keinerlei bedeutung. 

*) antare-nahndt ist, wie das metrum zeigt, eine aus J. 57, 21 hier 
eingedrungene Interpolation. Mit der bisher beliebten deutung von qära<h 
Jchshna = ga + raokhshna »von selbst leuchtend« Iftsst sich nach meiner 
ansieht kein rechter sinn erzielen. Seit wann leuchtet denn ein fenster, 
d. h. in damaligen Zeiten ein in der mauer gelassenes loch, von selbst? 
Ich möchte darum in dem worte vielmehr ein compositum qar + ruokh- 
shna s. v. a. hvare-raokhshna »das Sonnenlicht scheinen lassend« d. h. an 
unserer stelle »das tageslicht hereinlassend« erkennen. Für diese deu- 
tung spricht auch die antithetische redewendung J. 57, 21 qäraokhsh/nm 
antaranaemät | Qtehrpaegem nistaranahnät \ Auch hväraokhshna Jt tO, 
142 ist so aufzufassen. Nach zendischen lautgesetzen musste in der com- 
position eines der zusammenstossenden r — das auslautende e von hvare 
ist ja erst sekundärer svarabhaktivocal einer späteren Orthoepie — aus- 
fallen und zwar mit ersatzdehnung. — Dagegen darf hvare raoco Jt. 6, 1. 
Vsp. 19, 2 nicht als compositum behandelt werden. 

*) kh<id = skr. khad^ khid (peif . cdkhada), vi-khad s. v. a. auseinander 
treiben, scheiden. Das metrum verlangt eine Versetzung der Wortfolge: 
anhdo päshnaeibja vtgpara \ semo zagtaeibja vikhada. 

*) Meine Übersetzung ist bloss conjectural. Ich vermuthe semo statt 
gerne, um den parallelismus mit dem obigen satz vollständig herzustellen, 
und lese khshüigti mit der var. als instr. eines subst. khahüigti, welches etwa 
ein Instrument zum hacken oder stampfen, überhaupt zur erdarbeit be- 
zeichnet haben mag. Ueber khshud »schlagen, hämmern etc.« vgl. 
khahu^ qjanh geschlagenes, geschmiedetes eisen J. 51, 9. 



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Üebersetzungen aus dem Avesia. 191 

und schied es mit den bänden ab^), 
ganz ebenso wie auch heute zu tage 
man ein stück landes mit der hacke absticht. 

33. Und Jima machte eine bürg von der länge 
eines rosslaufes im gevierte. 

Dorthin brachte er einen stamm 

von herden und zugthieren 

und von menschen und hunden 

und von vögeln und hellen [brennenden] feuern. 

Und Jima richtete die bürg ein 

zur Wohnung für die menschen 

und zur stallung für das vieh. 

34. Er leitete dorthin wasser ^ 
einen häthra weges lang, 

legte dort Strassen an 

und baute dort häuser 

und einen graben und Stützmauer 

und einen ringsum laufenden wall. 
[35. Dorthin brachte er einen stamm von allen männern 
und weibem, welche auf erden die grössten, besten und schönsten 
sind. Dorthin brachte er eine brut von allen thiei^attungen, 
welche auf erden die grössten, besten und schönsten sind. 
36. Dorthin brachte er den keim von allen gewachsen, welche 
auf erden die grössten und wohlriechendsten sind. Dorthin 
brachte er den keim von allen fruchten, welche auf erden die 
schmackhaftesten und wohlriechendsten sind. Und er sorgte, 
dass von ihnen immer ein paar beisammen war, so lange jene 
menschen in der bürg wohnten. 37. Dort gab es weder streit- 
süchtige noch lästerer noch grobiane, weder Verfehlung noch 
Doth noch trug; weder zwerg noch krüppei noch zahnlückige 
noch riesenhaften körperwuchs noch sonst eines von den malen, 
welche als das mal des bösen geistes dem menschen auf- 
geprägt sind. 

38. Und er legte neun brücken nach der vorderen abthei- 
long der bürg, sechs nach der mittleren und drei nach der 
hintersten. Und er führte in die vordere abtheilung über die 
brücken einen stamm von tausend menschen und in die mitt- 
lere von sechshundert und in die hinterste von dreihundert.] 



*) d. h. mit der binde arbeit. 



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192 Karl Gelciner, 

<■ 

Und er trieb sie mit dem goldenen 

Stabe in die bürg hinein; 

und schloss in der bm*g das thor 

und das Sonnenlicht einlassende fenster. 



[39. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen ! Was waren 
das für lichter, gerechter Ahura Mazda, welche dort in der 
bürg, die Jima baute, leuchteten ?€ 40. Und es antwortete 
Ahura Mazda: natürliche Uchter und menschliche. Alle ewigen 
lichter leuchten von der höhe, alle menschlichen lichter leuchten 
drunten im innem (der bürg). — Mit einander sieht man die 
Sterne, mond und sonne im räume erscheinen^). 41. Und sie 
halten für einen tag, was ein jähr ist. Immer nach vierzig 
Jahren wird von zwei menschen ein menschenpaai-, mähnlein 
und weiblein geboren; und ebenso in den thiergattungen. Und 
die menschen leben in jener bürg, welche Jima baute, das 
glücklichste leben. 

42. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wer ver- 
breitete dort in der bürg, welche Jima gebaut hat, den Mazda- 
glauben ?€ Und es antwortete Ahura Mazda: Der vogel 
Karsiptan, o ^P^tama Zarathustra! 

43. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wer ist 
ihr herr und Oberhaupt ?€ Und es sprach Ahura Mazda: 
Urvatatnara, o Zarathustra, und du Zarathustra selbst.] 



Vend. 15. Verschiedene todsünden (1—8). Uneheliche 
kinder (9—19). Pflege neugeborener hunde (20—45). Belegung 
einer hündin (46—51). 

1. »Wie viele der sünden gibt es, welche die menschen 
begehen, durch die, wenn sie begangen sind, ohne gesühnt und 
ungeschehen gemacht zu werden, sie zu sündem werden und 



*) gtidhajagca, so lese ich mit K. % ist nom. pl. von gaidhi (su ^ 
erscheinend, aufgehend (von gestimen) ; davon mache ich den gen. mkhtahe 
abhängig, irikhta zu wz. ric s. v. a. »räum« bezeichnet hier den himmels- 
raum; man vergleiche hu-irikhta Jt. 10, 68 »freier räum, gute bahn«. — 
Die lesung vaenainti ergibt sich aus einer vergleichung der Varianten bei 
Spiegel als die ursprüngliche. 



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Üebersetzungen aus dem Avesta. 193 

deotodTerdienen?€ 2. Darauf antwortete Ahura Mazda : »Fünf, 
gerechter Zarathnstra ! Die erste dieser sünden, welche menschen 
begeben, ist wenn man einen braven mann bei einem anders- 
denkenden oder andersgläubigen verleumdet^ und zwar solches 
wisseotlich und mit voller absieht verübt. Dadurch wird man 
zum Sander und verdient den tod. 3. Die zweite dieser sünden, 
welche menschen begehen, ist wenn maa einem Schäferhund 
oder hofhund imzerbrochepe knochen oder heisse speisen gibt, 
4. und diese knochen ihn an den zahnen beschädigen ^) oder 
im Schlünde verwunden^), oder die hetssen speisen ihm das 
maul oder die zunge verbrennen, so dass er sich verletzt und daran 
stirbt Dadurch wird man zum sünder und verdient den tod. 
5. Die dritte dieser sünden, welche menschen begehen, ist 
wenn man eine händin, die eben geworfen hat, prügelt oder 
jagt oder anschreit oder fortscheucht, 6. und die hündin in ein 
loch oder cisteme oder eine falle oder einen fluss oder tiefen 
Strom fallt, so dass sie sich verletzt und daran stirbt Dadurch 
wird man zum sünder und verdient den tod. 

7. Die vierte dieser sünden, welche menschen begehen, ist 
wenn jemand eine frau, die ihre zeichen, regeln und blutabgang 
hat, beschläft. Dadurch wird man zum sünder und verdient 
den tod. 

8. Die fünfte dieser sünden, welche menschen begehen, ist 
wenn jemand eine Wöchnerin *), die stillt oder nicht stillt, noch 
ehe sie aus den wochen ist ^) beschläft, so dass sie verletzt wird 
and daran stirbt. Dadurch wird man zum sünder und verdient 
den tod.« 



*) lieber diese bedeutung der wz. ar vergleiche man skr. ar 6) im 
PWb. und skr. arus wund, wunde, sowie 2 irma S). 

*) i^idhaofUi stelle ich zu einer wz. vid = skr. vidh, vjadhy welche im 
Zend fast nur in der erweiterten form vöiehd (J. 32, 10; 9, 31) belegt ist. 
Die construktion mit lokativ hat auch der Veda : AV. 3, 25, 1 (tajä vidhjäm 
tvd hrdi); RV. 10, 87, 4. 

*) aputhra d, \. ä + puihra (wörtlich: die am kinde ist) ist s. v. a. 
»Wöchnerin«, »yforoxo;«; aputhrja Vd. 5, 45 »niederkunft, Wochenbett«. 
Etwas anderes ist aputhra d. i. a-{'puthra »kinderlos« Jt. 17, 57; Vd. 3, 
24; 4. 47. 

*) anofakhtämj so lese ich mit K. 9, gehört zu wz. 2 qqc bei Justi, 
für deren genauere bedeutung Yd. 16, 8 fl. von Wichtigkeit ist. an-a-^aJchta, 
wie die form zu zerlegen ist, heisst wörtlich: Die ihre (zur genesung und 
reinigung nach der niederkunft erforderliche) zeit noch nicht ausgehalten 
hat. — jpara = skr. purä, 

ZcHiehrift OLr rergl. Sprmehf. N. F. V. 2. 13 



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194 Kai*! Geldner, 

9. Wenn jemand ein modchen besucht, welches mannbar 
oder noch nicht mannbar, verlobt oder noch nicht verlobt ist, 
und sie schwanger macht, so soll das m&dchen nicht aus schäm 
vor den noensehen. mittelst ^) eines Werkzeuges oder im wasser 
oder durch ein giftkraut sich das leben ndümen. 10. Wenn 
das mädchen aus schäm vor den menschen mittelst eines Werk- 
zeuges pder im was9»r oder durch ein giftkraut sich das leben 
nimmt, so ist sie der sünde schuldig. 

11. Wenn jemand ein mädchen besucht, welches mannbar 
oder noch nicht mannbar, verlobt oder noch nicht verlobt ist, 
und sie schwanger macht, so soll das mädchen nicht aus schäm 
vor den menschen mit willen seiner leibesfrucht einen schaden 
anthun. 

12. Und wenn dieses mädchen aus schäm vor den menschen 
seiner leibesfrucht einen schaden anthut, so bringt sie ihren 
eitern leid, so thut sie ihren eitern schaden ^). [Den schaden der 
geschädigten sollen sie mit der strafe Baodh6varsta verbüssen.] 

13. Wenn jemand ein mädchen besucht, welches nmnnbar 
oder nicht mannbar, verlobt oder nicht verlobt ist, und sie 
schwanger macht, und wenn das mädchen angibt: »Der und 
der ist vater des kindes« und jener mann dann ihr räth : »suche 
in dieser angelegenheit ein altes weih auf) und frage sie um 
rathc 14. und das mädchen in dieser angelegenheit eine alte 
anfsucht und sie um rath fragt, die alte aber ihr Baäha oder 
Shaäta oder Ghnäna oder Fra^pät oder irgend eines der ab- 
treibenden kräuter bringt und spricht: »suche damit das kind*) 
umzubringen« und das mädchen damit ihr kind umbringt, so 
tragen an 'diesem verbrechen gleiche schuld der mann, das 
mädchen und die alte. 



^) tarö ist hier zu einer rein instrumentalen praeposition abgeschwächt. 

*) Hier weichen die einzelnen hss. beträchtlich von einander ab; icb 
lese nach Spiegel ein dreisilbig zu denkendes dgtarentS = skr. ä-atrnite und 
irishjeiti mit mehreren hss. Betreffs der bedeutung vor ä-Qtar verweise 
ich auf pärsi ä^r »schuld, leid, schaden« (vgl. West, Glossar zum Hainyo- 
-i-Khard s. v. ästär). das letzte pterebjd ist wohl zu streichen, da die fugung 
pterebjd irishirUäm raiahe zu hart wäre. Die letzten worte scheinen mir 
jedoch Oberhaupt eine unnütze Interpolation. 

*) ich vermuthe gtgaganttha, wie im folgenden § die Variante ganz 
richtig gigoQäUi bietet. 

*) aetahmäf puthrAt mimarekhshanuha ist grober fehler fQr oHtdmM 
puthrem mtmareJüManuha. • 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 195 

15. Wer ein mädchen besucht, welches mannbar oder 
nicht mannbar, verlobt oder noch nicht verlobt ist, und sie 
schwanger macht, der soll ihr so lange Unterkunft gewähreil, 
bis das kind zur weit kommt. 16. Wenn er sie nicht pflegt 
und das kind bei mangelhafter pflege stirbt, so soll er den tod 
des gestorbenen mit der strafe Baodhövarsfa verbüssen. 

17. >Schöpfer! Wenn nun ein schwangeres mädchen in ein 
haus oder dorf kommt, von wem unter den Mazdagläubigen 
soll sie Obdach bekommen?c 18. Darauf antwortete Ahura 
Mazda: »Wer ein mädchen besucht, welches mannbar oder 
nicht mannbar, verlobt oder noch nicht verlobt ist, und sie 
schwanger macht, der soll ihr so lange pflege widmen, bis das 
kind zur weit kommt. 19. Wenn er ihr keine pflege widmet, 
so würde das ganze weibliche geschlecht, zweibeiniges und vier- 
beiniges, über ihn kommen ^)€. 



20. »Schöpfer! Wenn nun eine trächtige hündin in ein 
haus oder dorf kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll 
sie Obdach bekommen«? 21. Darauf antwortete Ahura Mazda: 
>Wer am nächsten sein haus gebaut hat, der ist zu ihrer 
Wartung verpflichtet und muss ihr so lange pflege widmen, bis 
die jungen hunde zur weit gekommen sind. 22. Wenn er sie 
nicht pflegt und so die hunde bei mangelhafter pflege um- 
kommen, so soll er den tod der umgekommenen mit der strafe 
Baodhövarsfa verbüssen«. 23. »Schöpfer! Und wenn die träch- 
tige huödin in einen kamelstall kommt, von wem unter den 
Mazdagläubigen soll sie obdach bekommen ?« 24. Darauf ant- 
wortete Ahura Mazda: »Wer den kamelstall gebaut hat, oder 
wem der kamelstall gehört, der ist zu ihrer Wartung verpflichtet, 
und muss ihr so lange pflege widmen, bis die jungen hunde 
zar weit gekommen sind. 25. Wenn er sie nicht pflegt und so 
die hunde bei mangelhafter pflege umkommen, so soll er den 
tod der umgekommenen mit der strafe Baodhövarsta verbüssen.« 
26. »Schöpfer! Wenn die trächtige hündin in einen Pferdestall 
kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll sie pflege be- 
kommen?« 27. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Wer den 



*) Hierza im text folgende glosse: Zweibeinig S, h. Mädchen, vier- 
beinig d. h. hflndin. 

13* 



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196 l^arl 6«ldner, 

Pferdestall erbaut hat oder wem der Pferdestall gehört, der 
ist zu ihrer Wartung verpflichtet, und muss ihr solange pfl^e 
widmen, bis die jungen hunde zur weit gekommen sind. 
28. Wenn er sie nicht pfl^ und so die hunde bei mangel- 
hafter pflege umkommen, so soll er den tod der umgekommenen 
mit der strafe Baodhövarsta verbussen.« 

29. »Schöpfer! Wenn die trächtige hündin in einen kuh- 
stall kommt, von wem unter den Mazdagläubigeri soll sie pflege 
bekommen ?€ 30. Darauf antwortete Ahura Mazda: >Wer den 
kuhstall erbaut hat oder wem der kuhstall gehört, der ist zu 
ihrer Wartung verpflichtet, und muss ihr so lange pflege widmen, 
bis die jungen hunde zur weit gekommen sind. 31. Wenn er 
sie nicht pflegt und so die hunde bei mangelhafter pflege um- 
kommen, so soll er den tod der umgekommenen mit der strafe 
Baodhövarsta verbüssen.« 

32. »Schöpfer! Wenn die trächtige hündin in einen vieh- 
stall kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll sie pflege 
bekommen?« 33. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Wer den 
viehstall erbaut hat oder wem der viehstall gehört, der ist zu 
ihrer Wartung verpflichtet und muss ihr so lange pflege widmen, 
bis die jungen hunde zur weit gekommen sind. 34. Wenn er 
sie nicht pflegt und so die hunde bei mangelhafter pflege um- 
kommen, so soll er den tod der umgekommenen mit der strafe 
Baodhövarsta verbüssen.« 

35. »Schöpfer ! Wenn die trächtige hündin in einen thurm 
kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll sie pflege be- 
kommen?« 36. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Wer den 
thurm erbaut hat oder wem der thurm gehört, der ist zu ihrer 
Wartung verpflichtet und muss ihr so lange pflege widmen, bis 
die jungen hunde zur weit gekommen sind. 37. Wenn er sie 
nicht pflegt und so die hunde bei mangelhafter pflege umkommen, 
so soll er den tod der umgekommenen mit der strafe Baodhö- 
varsta verbüssen.« 

38. »Schöpfer! Wenn die trächtige hündin in eine grübe 
kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll sie pflege be- 
kommen?« 39. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Wer die 
grübe gegraben hat oder wem die grübe gehört, der ist zu 
ihrer Wartung veipflichtet und muss ihr so lange pfl^e widmen, 
bis die jungen hunde zur weit gekommen sind. 40. Wenn er 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 197 

äe nicht pflegt und so die-hunde bei mangelhafter pflege um- 
konuuen, so soll er den tod der umgekommenen mit der strafe 
Baodhövarsta verbussen.« 

41. »Schöpfer! »Wenn eine trächtige hündin mitten in eine 
hürde*) kommt, von wem unter den Mazdagläubigen soll sie 
pflege bekommen?« 42. Darauf antwortete Ahura Mazda: 
»Wer die bürde angelegt hat oder wem die bürde gehört, der 
ist zu ihrer Wartung verpflichtet. 43. Und man soll ihr auf 
einer binsenmatte oder irgend einem Strohlager ein bett bereiten 
und die jungen hunde so lange warten, bis sie sich selbst 
wehren und ihr brot suchen können.« 44. »Schöpfer! Wann 
können die hunde sich selbst wehren und ihr brot suchen?« 
45. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Sobald sie um zweimal 
sieben häuser herumlaufen können. Dann lasse man sie fort- 
laufen, wohin sie wollen, zur winter- wie zur Sommerzeit. Sechs 
monate dauert die Wartung des jungen hundes, sieben jähre 
die des kindes*).« 



46. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wenn die 
Mazdagläubigen eine fruchtbare') belegung der hündin haben 
wollen, wie sollen sie es anfangen?« 47. Darauf sprach Ahura 
Mazda: »Dann sollen die Mazdagläubigen in dem erdboden eine 
grübe graben, inmitten eines viehstalls bis zu halber beinhöh^ 
in festem, bis zu halber manneshöhe in lockerem erdreich. 
48. Dem zuerst kommenden hunde sollen sie die kleinen kinder 
und das feuer, des Ahura Mazda söhn, fernhalten und so lange 
sollen sie den hund in obhut nehmen, bis er fortläuft. Jeden 



') Wenn das doppelte vä des textes seine berechti|ping haben und 
nicht yielmehr dittographie — vd väfftre vä — sein sollte, so würde die 
lesart ntadhemi keinen rechten sinn haben. Es Hesse sich in diesem falle 
etwa aoinemaU vä vägtri vä »in ein heuland oder Weideplätze vermuthen. 
Doch gestehe ich, dass die andere aushilfe, die Streichung des doppelten 
fd, mich mehr anspricht. 

*) Hier hat der text eine sinnlose einschaltung: »für das feuer, des 
Ahura Mazda söhn, ebenso für das weih. 

*) gvöddkhsta scheint wOrtlich zu bedeuten: »wodurch etwas lebendiges 
vermittelt wird«, im anschluss an den aus § 9 dieses Stückes deutlichen 
gebrauch ron dtMsta. An die andere bei Justi unter 3. angegebene und 
in dakkstavanf steckende bedeutung ist wol kaum zu denken. 



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198 Karl Geldaer, 

hund, der später kommt, sollen sie »fem und abhalten von den 

beiden ersten, damit sie ihnen keinen schaden anthun.« 49 

50. »Schöpfer! Wenn jemand eine kreissende hündin schlägt 
und sie einen fehlwurf thut, was ist dafür die strafe ^) ?« 51. Darauf 
antwortete Ahura Mazda: »Man soll ihm siebenhundert schlage 
mit der peitsche und siebenhundert mit der rutbe geben.c 



Vend. 5. Das vorliegende capitel ist seinem inhalte nach 
mannigfaltiger und origineller als die meisten abschnitte des 
Vendidäd. Auch hier ist die composition vielfach lückenhaft 
und fragmentarisch. Der textzustand ist unglaublich corrupt; 
für die textkritik des Avesta ist aber das capitel in vieler hin- 
sieht lehrreich. 

Sein inhalt ist kurz folgender: leichenstofFe, welche der 
mensch wider wissen und willen mit feuer oder wasser in be- 
rührung bringt, haben keine Verunreinigung zur folge. Den 
menschen trifft darum keine strafe: 1 — 7. Im folgenden wird 
ein Widerspruch in der natur, dass nämlich zwei so reine ele- 
mente wie wasser und feuer den menschen tödten, also der 
reinen schöpfung schaden zufügen, zu lösen gesucht: nicht die 
Elemente selbst sondern der todesgott trägt in solchen (aUen die 
schuld an dem tode eines menschen: 8—9. Es folgen Vor- 
schriften über die eingrabung von todten während des winters, 
so lange die leichenthürme unzugänglich sjnd: 10 — 14. Ahura 
Mazda beschwichtigt des fragestellers bedenken darüber, dass 
das wasser unreine stoff^ mit sich nehme, durch schilderuiy 

>) Der schluss dieses abschnittes ist heillos verderbt Was ich zu seiner 
erklärung vorschlage, mag nur als vermuthung gelten. Der ganze § 49 
ist eine sinnlose Wiederholung von g 50 und darum ganz zu streichen (vgl. 
Spiegel, commentar z. d. st.). — In § 50 sind ihrjUm und tfdoa ver- 
stümmelte dittographien des vorangehenden wortendes. Die nominative 
bdusdri bareihrica ptUhräca paSmainiea ajapiäea (so die meisten hss.) 
sind eine erläuternde glosse synonymer begriffe zu aputhra: amme (etwa 
zu skr. bMsh, zd. büah), mutter, Wöchnerin, säugend, befhi(^tet (vgl. skr. 
jabh?). Endlich lese ich mit Spiegel aHadhaca und mit einer reihe vod 
hss. puthräm, von einem femininen coUektivum puihra s. v. a. der wurf. 
Auf dieses puthrMm beziehe ich dann den accus, sg. ^ünäm von güna = 
skr. (t^^a, im Zend sonst nur in a^^a J. 28, 11, zurück. ptUhra gikia ist 
nach dieser auffassung ein leerer wurf, ein fehlwurf. bäugdri am ende des 
Satzes habe ich als sinnlos gestrichen. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta« 199 

des beständigen kreislaufes der gewässer. Sie kommen aus dem 
see Vourokasha, schwemmen von der erde alle unreinigkeiten 
fort in den fabelhaften see Puitika, dort werden sie ausgekocht 
und fliessen nun gereinigt zu ihrem urquell dein Vourukasha 
zurück: 15—21. Daran schUesst sich ein excurs zur verherr- 
licbuDg des zarathustrischen gesetzes: 22 — 25. Der rest von 
§ 25 und 26 ist ein völlig ausser Zusammenhang stehendes 
brachstück aus der gerichtspraxis. Es folgen detaiUirte angaben 
über die ansteekung durch in unmittelbarer nShe gestorbene 
Personen (mit einer längeren Interpolation): 27—32. Der ab- 
schnitt von 33—38 stand mit dem vc»*hergehenden ursprünglich 
wol nicht in immittelbarem Zusammenhang. Daran reihen sich 
Vorschriften über die entfernung des feuers und der opfergeräthe 
aus einem sterbehause: 39—44, über die behandlung einer 
frau, die mit einer missgeburt niederkommt: 45—56, und in 
losem anschluss daran das strenge verbot besonders unreine 
kleider zu tragen, und Vorschriften ütfer deren Verwendung zu 
anderen zwecken: 57 — 62. 

1. »Es stirbt ein mensch 
in den thalgrfinden; 
nun fliegt ein vogel aus 
von der höhe des gebirges 
hinab in die thalgründe 
und frisst von dem leichnam 
des todten menschen, 

und dann fliegt der vogel auf 
aus dem thalgründe 
nach der höhe des gebirges 
und fliegt auf den bäum 
[von harter oder weicher art], 
speit darauf, schmeisst darauf 
und es fallt darauf^). 

2. Und es steigt ein mann') 
aus dem thalgründe 

nach der höhe des gebirges 
und kommt zu dem bäum, 



Ich lese nach den Varianten vaifUi (v. 1. vaüti), ebenso tritt und 
pataüi (v. I. piUi). 

*) Das metram ist etwa so auszufüllen: nä taf poßU frMkufoüi. 



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200 Karl Geldner, 

auf welchem der vogel gesessen ^), 

und sucht brennholz zum feuer 

und haut es um und spaltet es 

und hackt es klein 

und zündet damit feuer an [des Ahura Mazda söhn] ^) 

wann es recht') und richtig getrocknet ist, 
was für eine strafe steht darauf?« 

3. Darauf antwortete Ahura Mazda: »Nicht steckt das von 
hunden vögelil wölfen wmden und mucken verschleppte aas den 
menschen an. 4. Denn wenn die von hunden vögeln wölfen winden 
und mucken verschleppten äser den menschen ansteckten, 

so v^rde alsbald die ganze menschheit*) 

trachtete sie auch nach dem rechten^), 

an seele*) und leib verdammt und verfallen sein 

wegen der masse von äsern 

welche auf erden verwesen«. 
5. »Schöpfer! So ein mann wasser'') 

durch die furchen des getreides rieseln lässt, 

und das wasser geht ®) so vneder in den bach zurück*), 



*) Das verbum ist ausgefallen, wie die Ificke im metrum deutlich zeigt. 

') Die Worte avi dim und ahttr(ihe mazdäo puthrahe sind aus dem 
metrum auszuscheiden. 

') dajata ist wol nur ein durch Versetzung der zeichen verstümmeltes 
däUJa »mit dem richtigen und richtig trocknen €. 

*) me ist zu tilgen. 

*) Ich vermuthe iaha^äQCÜ ashem; auch die ähnliche stelle J. 53,9 ist 
verdorben. 

') Zu khraozhdaturvan ist zu vergleichen J. 46, 11 jeng qt urvä qaecd 
khraoghdat daenä \ jjat aibi gemen jcUhrä cinvatö peretus »welche ihre 
eigene seele und ihr eigenes gewissen verwerfen wird, wenn sie dortbin 
kommen, wo die brücke des richters ist«. 

*) Auch im folgenden Iftsst sich die metrische form noch durchführen. 
Im eingang kann der ursprüngliche text gelautet haben jat nd tat dpe» 
hiPicaiti | oder aber däiare nä äpem hificaiti. 

') Für ajäo vermuthe ich ajdt; äo und ät werden in den hss. hfiufig 
verwechselt. Der umgekehrte faLl begegnet uns unten § 54, wo die heraos- 
geber nach allen handschriften vagträt an stelle des allein möglichen 
vagtrdo lesen. 

') £rst dadurch, dass das wasser wieder in den fliessenden bach zurück- 
läuft, tritt eine bedenkliche Verbreitung der leichenstofife ein. Für die 
allerprimitivste bewässerung jener zeit müssen furchen oder graben (caranja) 
durch das ackerland gezogen worden sein, die mit einem fliessenden wasser 
in Verbindung gesetzt wurden. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 201 

und ebenso ein zweites und drittes mal, 

und nachher pflügt man das aas^) 

eines hundes oder fuchses oder woIfes auf, 
was für eine strafe steht darauf«? 6. Und es antwortete Ahura 
Mazda: »Nicht steckt das von hunden vögeln Wolfen winden 
und mucken verschleppte aas den menschen an. 7. Wenn die 
von hunden vögeln Wolfen winden und mucken verschleppten 
äser den menschen ansteckten, 

so würde alsbald die ganze menschheit, 

trachtete sie auch nach dem rechten, 

an seele und leib verdammt und verfallen sein 

wegen der masse von äsern, 

welche auf erden verwesen J^)« 
[wann die Mazdagläubigen ein land urbar machen wollen ')] 

8. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Tödtet das 
Wasser einen menschen oder nicht?« Darauf antwortete 
Ahura Uazda: »Das wasser tödtet den menschen nicht, sondern 
der beinbrecher fesselt ihn und der ström trägt den gefesselten 
fort. Das wasser reisst ihn in die höhe in die tiefe und wirft 
ihn aus. Die vögel verspeisen ihn dann; 

er selbst aber gelangt hinüber*) 
und empfangt seinen lohn.« 

9. »Schöpfer! Tödtet das feuer einen menschen oder 
nicht?« Darauf antwortete Ahura Mazda: »Das feuer tödtet 
den menschen nicht, sondern der beinbrecher fesselt ihn und 
der flammenzug trägt den gefesselten fort. Das feuer verbrennt 
nur knochen und leib; 

er selbst aber gelangt hinüber 
und empfangt seinen lohn'). 

*) Die Worte tüirim und ava sind in der verszeile zu tilgen, ebenso 
ein od der nächstfolgenden. 

') Das ist nicht die correkte antwort auf die zweite frage. Vielmehr 
ist der ursprüngliche Wortlaut durch unverständige wörtliche Wiederholung 
der in § 3—4 gegebenen antwort verdrängt worden. Ein charakteristisches 
beisptel für die Unwissenheit und leichtfertigkeit der redaktoren oder 
abschreiber! 

') Der satz steht ganz ausser Zusammenhang und ist glosse zu § 5. 

*) Zu athra frc^ag »dorthin d. h. hinüber, ins jenseits gelangen« 
läast sich aüvr& % J. 46, 16 vergleichen. 

*) Hier folgen Bei Westergaard einige abgerissene einschiebsei, die 
Spiegel in seiner ausgäbe weggelassen hat: »berggross sollst du sein diesem 



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a02 Karl Geldner* 

10. »Gerechter scböpfer der irdischen wesen! Die sommer 
gehen vorüber, dann im winter — was haben da die Mazda- 
gläubigen zu thun?€ Und es antwortete Abura Mazda: »In 
jedem hause und dorfe sollen sie drei gräber^) für den todten 
austiefen.« 11. »Schöpfer! Wie gross sollen diegräber für den 
todten sein?« Darauf antwortete Ahura Mazcia: »So, dass er 
nicht oben ^) den köpf, nicht unten mit den fassen, nicht seitwärts 
mit den bänden anstosse. Das ist das vorschriftsmässige grab') 
für einen todten. 12. Dorthin sollen sie den entseelten körper 
auf zwei oder drei nachte oder einen vollen monat legen, bis 
dass die vögel^) wieder gezogen kommen, die kräuter spriessen, 
die Wasser *) in den boden verlaufen und der wind das erdreich 
trocknet. 13. Und wenn die v^l wieder gezogen kommen, 
die kräuter spriessen, die wasser in den boden verlaufen und 
der wind das erdreich trocknet, so sollen die Mazdagläubigen 
den leichnam dem Sonnenlichte aussetzen'). 14. Wenn aber 
die Mazdagläubigen den leichnam nicht dem Sonnenlichte aus- 
setzen [auf ein volles jähr] , so sollst du g^en sie dieselbe 
strafe vorschreiben wie auf den mord eines gerechten, so lange 
bis die leichname verschwunden '') und die leichenthürme ab- 
getragen und das aas verschwunden ist und die fressenden 
aasvögel*).« 

15. »Gerechter scböpfer der irdischen wesen! Du, der du 
Ahura Mazda bist, lassest doch aus dem see Vourukasha das 



(oder anhoö in der weit?) — ein anderer rQsUger den glänz — es entfernt 
sich der glänz — der majestätische gerechte Zarathustra (Vd. 19, 3) — 
und diesen männern. 

^) Dass k€Ua so zu fassen sei, ergibt sich aus Vd. 8, 8. 

') eredtoö darf wegen dee parallelismus mit dem folgenden nicht als 
erstes compositionsglied gefasst werden. Eines von beiden worten donhanem 
oder vaghdhanem — wahrscheinlich das erstere — ist erklärende glosse 
zum andern. 

*) hata ist grober fehler für kaJ^^ durch § 10 hereingekommen. 

*) Gemeint sind die Zugvögel, als vorboten des nahenden frühlings. 

*) Ich ändere njäoiicd äpö tacin für apa-tacm, 

') Warum soll hier nicht auch kerenavän gestanden haben, wenn zwei 
Zeilen weiter die correkte form steht? 

^ ami-varez s. v. a. verarbeiten, beseitigen. 

*) Zu vajanäm ist aus aiwi^varstanäm ein passendes prädikatives 
participium zu entnehmen. Die form flranniharetanäm scheint mir durch 
aagleichung an die vorausgehenden formen verd^btes franuMareMm 
lu sein. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 203 

Wasser sammt stürm und wölken los (16) und du Ahura Mazda 

lassest es auf einen todten oder eine leichenstätte oder einen 

kothhaufen fliessen und schwemmst einen knochen fort und 

spülst eine blutlache^) weg und spülst das alles in den see 

Puilikalc 17. Darauf sprach Ahura Mazda: 

>Ja so ist es, o Zaratbustra, 

wie du wahrhaftiger sagst. 
Ich Ahura Mazda lasse aus dem see Vourukasha das wasser 
mit Sturm und wölken los (18) und lasse es auf einen todten 
fliessen, ich Ahura Mazda, und lasse es auf eine leichenstätte 
fliessen, ich Ahura Mazda, und lasse es auf einen kothhaufen 
fliessen, ich Ahura Mazda, und schwemme einen knochen fort, 
ich Ahura Mazda, und spüle eine blutlache weg, ich Ahura 
Mazda^ und spüle das alles in den see Püitika. 
19. Sie stehen brodelnd 

in dem see: 

reingeworden fliessen die wasser 

aus dem see Puitika 

in den see Vourukasha ab 

zu dem bäume Hväpa'); 

in, dem wurzeln alle 

meine kräuter aller arten 

[zu hunderten und lausenden und millionen]. 
30. Diese alle beregne 

ich Ahura Mazda 

zur speise für den frommen menschen 

und zum futter für das nützliche vieh. 

mein körn') soll der mensch essen, 

das futter aber gehört der nützlichen kuh. 
21. Das ist etwas gar gutes und vortreffliches, 

wie du wahrhafter es sagst.« 



*) Mit der bisherigen Zerlegung von cmhaUhja in a 4~ haii^a weiss 
ich nichts anzufangen, da haithja weder »offenbar« noch »rein« bedeutet, 
ich yermuthe anha -f- %'a als Weiterbildung eines subst. anhan = skr. aaan 
blut; das würde wenigstens in den Zusammenhang passen. 

*) Hvdpa ist ein mythischer wunderbaum, m welchem alle anderen 
pflanzen wurzeUi, ebenso wie der see Vourukasha als urquell aller gewftsser 
gedacht wird. 

') iooQ ist grober fehler für javem, durch die nachharschafl von masl^d 
t^errorgerufen. V. 1. hat javi mit angleichung an das folgende ml. 



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204 ' Karl Geldner, 

Mit solcher rede beschwichtigte 
der gerechte Ahura Mazda 
den gerechten Zarathustra. — 



[Bereite dem menschen nachkommenschaft , die besten 
— (J. 48, 5) — der Mazdaglaube ist es, o Zarathustra, welcher 
läutert — wer seine seele durch rechte gedanken worte und 
werke rein bewahrt^) — ] 



22. »Schöpfer! Um wie viel grösser 

und besser und vortrefflicher ist das gegen den satan 

verordnete gesetzbuch des Zarathustra 

denn alle anderen geböte 

an grosse gute und vortrefflichkeit ^)?« 

23. Und es antwortete Ahura Mazda: 

»Ebenso ragt [o ^pitama Zarathustra] das gegen den 

satan 
verordnete gesetzbuch des Zarathustra 
über alle anderen geböte 
an grosse gute und vortrefflichkeit 
wie der see Vourukasha 
alle anderen gewässer überragt. 

24. Ebenso ragt das gegen den satan 
verordnete gesetzbuch des Zarathustra 
über alle anderen geböte 

an grosse gute und vortrefflichkeit, 
wie ein grösserer ström 
die kleineren flüsse überfluthet '). 
Ebenso ragt das gegen den satan 
verordnete gesetzbuch des Zarathustra 
über alle anderen geböte 



*) Lauter bruchstflcke; missverstandenes citat, Spielerei mit jaozhda, 
') Der text ist durchaus metrisch gegliedert und in folgender weise 
herzustellen : dätare cü agti magijd | vanhö grajö aitem datem | jim Maj^ 
zarathustri \ upairi anjäts ^avtbis \ magna vanhana Qrajana |. ^avebii 
nicht (^raväis ist ja allein der correkte instr. pl. von gravanh, magna auch 
Jt. 19, 58; 22, 11, wie sk. mahnä. 

*) Ich vermuthe aiwifrävajHti für avi frädavaiti; die Varianten bieten 
frävjaüi^ fräjavaiti^ frävjavaiH, aiwi-fru caus. »flberschvremmen, über- 
fluthen«. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. ^05 

an grosse gute und vortrefflichkeit 

wie ein grösserer bäum 

die kleineren überschattet^). 

Ebenso ragt das gegen den satan l 

verordnete gesetzbucfa des Zarathustra 

über alle anderen geböte 

an grosse gute und vortrefflichkeit 

wie der himmel die erde 

in sich und rings umfasst^).« 



Ist der richter und der Strafvollstrecker angerufen, bei auf- 
gefundener Sache oder noch nicht aufgefundener, bei richtig 
gestellter') sache oder noch nicht richtig gestellter, bei bei- 
gebrachter Sache oder noch nicht beigebrachter, (26) so hat 
dann der richter die vollmacht ein drittel der strafe zu erlassen. 



[Wenn er noch andere sünden begangen hat, so hat er 
seine strafe dafür abgebüsst; hat er aber keine anderen sünden 
begangen, so hat dieser mann für immer und ewig gebüsst^).] 



27. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wenn**) 
männer auf einem sitz sich niederlassen oder auf einem lager 
oder auf einer streu [und es sind noch zwei andere oder fünf 
oder fünfzig oder hundert mannsleute dabei*)] und es stirbt 
einer darunter, über wie viele unter ihnen kommt das leichen- 
gespenst mit krankheit Verwesung und keuche ?€ 28. Darauf 



') Zur herstellung des metrams ist eine Umstellung nOthig: jatha 
moQdo V4ma vanSm | kaQJanh&m aiwi veretwaUi |. 

*) Die Worte sind aus Jt. 13, 2 entnommen und wollen sich an unserer 
stelle der metrischen form nicht fügen. Vielleicht ist a^a ausgefallen. 

>) data e= skr. hUa richtig gestellt s. v. a. recognoscirt draona ist = 
skr. draVHUi. 

*) Ganz unpassende Wiederholung aus Vd. 3, 21. 

*) Es ist natQrlich j6% nard zu lesen, jöi wie Öfter s. v. a. jat aüe, 

*) Die Worte paitiea — näirinäm scheinen spätere zuthat zu sein, da 
ne mit dem folgenden in theilweisem Widerspruch stehen, näirin&m gibt 
in djMem zusammenhange gar keinen sinn, am allerwenigsten darf es mit 
fc^ coDstroirt werden. Ich möchte daher einen Schreibfehler für nairjanäm 
annehmen. hSm ist wie oben adverb s. v. a. zusammen, bei einander. 



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206 I^arl Geldner, 

antwortete Ahura Mazda: »Wenn es ein priester ist, 90 schleicht 
das leichengespenst weiter, o Qpitama Zarathustra, und zwar 
so oft es zum elften kommt, steckt es je den zehnten an^). 
Und wenn es ein krieger ist, so schleicht das leichengespenst 
weiter, o ^pitama Zarathustra, und zwar so oft es zum zehnten 
kommt, steckt es je den neunten an. Und wenn es ein feld- 
bauer ist, so schleicht das leichengespenst weiter und zwar so 
oft es zum neunten kommt, steckt es je den achten an.« 

[29. Und wenn es ein Schäferhund*) ist, so schleicht das 
leichengespenst weiter, ^pitama Zarathustra, und zwar so oft 
es zum achten kommt, steckt es je den siebenten an. Und 
wenn es ein hofhund ist, so schleicht das leichengespenst 
weiter, ^pitama Zarathustra, und zwar so oft es zum siebenten 
kommt, steckt es je den sechsten an. 30. Und wenn es ein 
bluthund ist, so schleicht das leichengespenst weiter, ^pitama 
Zarathustra, und zwar so oft es zum sechsten kommt, so steckt 
es je den fünften an. Und wenn es ein schoosshund ist, so 
schleicht das leichengespenst weiter, ^pitama Zarathustra, und 
zwar so oft es zum fünften kommt, so steckt es je den vierten an. 

31. Und wenn es ein Stachelschwein') ist, so schleicht das 
leichengespenst weiter, o Qpitama Zarathustra, und zwar so oft 
es zum vierten kommt, so steckt es je den dritten an. Und 
wenn es ein wiesei *) ist, so schleicht das leichengespenst weiter, 
o ^pitama Zarathustra, und zwar so oft es zum dritten kommt, 
so steckt es je den zweiten an. 32. Und wenn es ein Aiwiza *) 
ist, so schleicht das leichengespenst weiter, o ^pitama Zarathustra, 



^) D. h. unter elfen nur einen. Beim tod eines Athravan ist die Na<2u 
für die übrigen am wenigsten schädlich. 

*) Diese ganze thiergesellschaft passt nicht mehr an diese stelle. Der 
passus ist wahrscheinlich zuthat eines späteren, der es nicht unterlassen 
konnte gedankenlos mit den zahlenyerhftltnissen weiter zu spielen. 

*) gukuruna halte ich für identisch mit np. suffwmak, 

*) So nach den einheimischen erklärern, vgl. skr. wz. ga»hh und ins- 
besondere Rv. 1, 126, 6. 

*) Welche besonderen thierarten man unler Aiwizus und Vlasus (von 
den Eraniern gleichfalls dem sehr weit gefassten genus der hunde beigezählt) 
zu verstehen habe, ist zweifelhaft Vielleicht kann Bundehesh 14 licht 
bringen, wenn einmal die dort unter dem hundegeschlecht aufgezählt«! 
thiernamen richtig bestimmt sind. — Sollte aiwieu nicht s. v. a. ap-^- 0igu, 
der im wasser lebende Vlzu sein? Was soll der »wässerige!« in Jtisti's 
Übersetzung der Bundeheshstelle sein? . 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. ^7 

und zwar so oft es zum zweiten gelangt, so steckt es je den 
ersten an. Und wenn es ein Vizu ist, so schleicht das leichen- 
gespenst welter, o ^pitama Zarathustra, und zwa? so oft es zum 
ersten kommt, so steckt es je den ersten an. — ] 

33. »Schöpfer! Und wenn es ein fuchs ist, wie viele unter 
den geschöpfen des heiligen geistes steckt er unmittelbar, wie 
viele mittelbar an?« 34. Darauf antwortete Ahum Mazda: 
»Nicht steckt der fuchs geschöpfe des heiligen geistes mimittelbar, 
nicht mittelbar an, ausser wenn ihn jemand erschlägt und ab- 
balgt ^); an den hängt er sich dann für immer und ewig.« 

35. »Schöpfer! Wenn es ein verderblicher böser mensch 
und ruchloser irrlehrer ist, wie viele unter den geschöpfen des 
heiligen geistes steckt er unmittelbar, wie viele mittelbar an?« 

36. Darauf antwortete Ahura Mazda: »So wenig als ein 
aosgetrockneter*) frosch, der über ein jähr todt gelegen ist. 
Denn so lange er lebt, o ^pitama Zarathustra, verpestet ein 
verderblicher böser mensch und ruchloser irrlehrer unmittelbar 
and mittelbar geschöpfe des heiligen geistes. 37. So lange er 
lebt, verdirbt er das wasser; so lange er lebt, löscht er das 
feuer aus; so lange er lebt, treibt er das vieh als beute weg; 
so lange er lebt, schlägt er dem gerechten eine das bewusstsein 
raubende den leib verstümmelnde wunde; nicht so wenn er 
todt ist. 38. So lange er lebt, o ^pitama Zarathustra, stiehlt 
ein verderblicher böser mensch und ruchloser irrlehrer dem 
gerechten manne leben brot kleidung holz gras und erz % nicht 
so wenn er todt ist.€ 



*) Fasst man kush nach massgabe des op. kusJUan einfach als »tödtenc, 
so gibt das neben gan eine unerträgliche tautologie. Ich vermuthe daher 
dem zusammenhange nach für kush eher die bedeutung »ausweiden« oder 
»die haut abziehen«. Das letztere hätte ja einen zweck, denn dass man 
in jener zeit thierpelze zur kleidung verwandte, ersehen wir aus Jt. 5» 129. 
Sine Sünde wäre es aber nach unserer stelle ein nützliches thier, wie es 
der fpä urupia ist, bloss um seines pelzes willen zu tOdten. Uebrigens 
heisBt noch im pehl. hAsktcmo nicht einfach »tödten«, sondern »schlachten«; 
TgL West glossary s. 203 s. v. 

*) viS'huska ist s. v. a. vi -f- huska durch und durch, gänzlich ausge- 
trocknet Zu der ungeschickten Schreibweise mit s-h vgl. hus-hakhi = hu 
-f- AolA«, huS'kakhman =s hu+ hakh/matty hus-hätnoä^ == Am -|> häm^gta, 
ma-haretar von wi + har (ebenso nis-^urvaiti und nisanharatü J. 58, 4 
womit ZQ vergleichen J. 19, 10 ni pcdriinti^ä^ätat haraiti schützt sich 
vor dem sterben). 

*) Es ist entweder n^anhc^^ca oder ajanhaheca zu lesen« 



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208 ^arl Geldner, 

39. [»Gerechter schöpfer der irdischen wesen!] 
So wir, gerechter 

Ahura Mazda, 

auf erden in eine wohnung ^) 

feuer opfergras 

haomaschalen ^) und presssteine schaffen, 

und darauf in diesem hause 

ein hund oder ein mensch stirbt, 

was sollen dann die Mazdagläubigen anfangen?« 

40. Darauf antwortete Ahura Mazda: 

Sie sollen aus diesem hause [o ^pitama Zarathustra] 

das feuer opfergras 

haomascbalen und presssteine entfernen 

und ebenso den todten hinaustragen, 

[ganz in der weise] wie man einen rechtschaffenen mann 

hinausträgt, damit er richtig aufgezehrt werde').« 
41. »Schöpfer! Wann sollen die Mazdagläubigen das feuer in 
das haus, wo der mann gestorben, hinuberbringen?« 42. Darauf 
antwortete Ahura Mazda: »Neun nachte sollen die Mazda- 
gläubigen im Winter, einen vollen monat im sommer warten. 
Nach dieser zeit sollen sie das feuer in das haus, wo der mann 
gestorben, hinuberbringen.« 

43. »Schöpfer! Wenn die Mazdagläubigen das feuer in die 
wohnung, wo der mann gestorben, vor ablauf der neun tage 
oder vor ablauf des monats hinuberbringen, was für eine strafe 
steht darauf?« 44. Und es antwortete Ahura Mazda: »Man 
gebe dafür dem schuldigen zweihundert streiche mit der peitsche, 
zweihundert mit der ruthe!« 



*) Warum soll man nicht ntnänem nach der v. 1. lesen? vgl. weiter 
unten ahi nmänahe. 

•) Der metrische defekt deutet auf einen fehler; ich Andere darum 
nach Vd. 14, 8 hcumia (3 silb.) als adj. zu tcutta: das metrum wäre dann 
folgendermassen zu reconstruiren : ätarem baregmaca tasta | haomüaea 
hdvanaca {. Im folgenden ist des metrums halber wol iriü^iüi für irW^äf 
zu verbessern. 

*) Die Qberlieferte lesart qairjiteca will keinen annehmbaren sinn geben 
und ddüjdi schwebt in der luft. Ich nehme darum an, dass qairjitica 
eine der vielen entstellenden angletehungen an das vorangehende wort ist 
und einen mit däitjäi zu verbindenden ursprQoglichen dativ also qareUi 
verdrängt hat. Nach parsischem gesetze muss ja die leiche den aasvögeln 
preisgegeben werden. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. ^d 

4ö. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wenn in dem 
hause eines Mazdagläubigen eine frau in die hoffiiung kommt — 
einen monat, zwei monate, drei monate, vier nionate, fünf mo- 
nate, sechs monate, sieben monate, acht monate, neun monate, 
zehn monate — und endlich mit einer missgeburt*) nieder- 
kommt, wie sollen die Mazdagläubigen verfahren ?< 46. Darauf 
antwortete Ahura Mazda: »Wo in der wohnung des Mazda- 
gläubigen^) das aller geeignetste und trockenste plätzchen ist') 
[und wohin am seltensten kleinvieh und zugthiere ihres w^es 
kommen und das feuer des Ahura Mazda und nach Vorschrift 
gestreutes opfergras und ein frommer mann. 47. Schöpfer! Wie 
weil vom feuer, wie weit vom wasser, wie weit vom gestreuten 
opfergras, wie weit von frommen menschen entfernt? 

48. Und es antwortete Ahura Mazda: 300 schritte wra 
feuer, 300 schritte vom wasser, 300 schritte von gestreutem 
opfergras, drei schritte von frommen menschen entfernt. 49. Dort 
sollen die Mazdagläubigen auf dem boden eine umfriedigung 
errichten und nur noch mit speisen und mit kleidern dorthin 
kommen.] 

50. »Schöpfer ! Was soll das weib zuerst an speise zu sich 
nehmen?« 51. Und es antwortete Ahura Mazda: »Kuhurin*) 
mit asche gemischt — drei oder sechs oder neun schlucke; 



^) ujsustana kann taicht »leblos, todtgeborenc bedeuten, da ustäna eben 
nicht leben, sondern leib, körper bezeichnet, wie insbesondere die zwei 
stellen unseres kapitels (§9 und 37) lehren. uzusUma ist eine missrathene 
leibesfracht, dasselbe was die Römer mola nannten, vgl. Plinius n. h. 7, 15 
est caro informis inanima. 

*) Die handschriften lesen ganz richtig mägdajagnöis, wozu also Wester- 
gaard's änderung in mäzdajagnö? 

*) Der schluss des satzes ist deutlich ausgefallen. Ueberhaupt muss 
es befremden, dass dieselben Vorschriften, welche nach Vd. 3, 15 ff. fOr 
die wohnung des leichenbestatters in geltung sind, unverändert auf den 
aufenthaltsort emer solchen unglücklichen Wöchnerin anwendung finden 
sollen, um so mehr aber, als zwischen § 46 und 48 ein offenbarer Wider- 
spruch besteht; denn nach § 46 mOsste der absonderungsort im hause, 
nach § 48 aber ausserhalb des hauses sein. Wir haben hier wol einen 
Ähnlichen fall wie oben in § 6. Die irrige Wiederholung eines früheren 
passas, zu dem wol ähnlichkeit des Wortlautes anlass gegeben haben mag, 
bat an einer anderen stelle den ursprünglichen, richtigen context ver- 
drängt. 

*) Ich ändere m(dQma für maiQmmay da ein instr. hier nicht zu 
brauchen ist. 

ZdUchrift fOr vergL Spraehf. N. F. Y. ^ 14 



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210 Karl Geldner, 

damit besprenge sie die leichenstätte in ihrem mutterleibe*). 
52. Und hernach soll sie siedende milch von stuten kühen 
Schafen mid ziegen, ausgehülste hülsenfrüchte, gekochtes fleisch 
ohne brühe, ungeschrotenes ^) körn ohne wasser und unge- 
wässerten wein geniessen.« 

53. »Schöpfer ! Wie lange zeit sollen sie damit fortmachen 
und wie lange soll die Wöchnerin mit dem genuss von fleisch 
körn und wein fortfahren ') ?€ 54. Darauf antwortete Ahura 
Mazda: »Drei tage sollen sie damit fortmachen, drei tage lang 
soll die Wöchnerin mit dem genuss von fleisch körn und wein 
fortfahren. Und nach ablauf von drei tagen soll sie sich 
waschen. Ihre kleider^) sollen sie mit kuhurin und frischem 
wasser an einer wassergrube ^) gleichfalls reinigen.« 

55. »Schöpfer! Wie lange zeit sollen sie noch abwarten, 
wie lange zeit soll die Wöchnerin noch fortfahren von den 
Mazdagläubigen abseits zu sitzen®) und abseits zu essen und 
sonderliche kleider zu tragen?« • 56. Und es antwortete Ahura 
Mazda: »Neun tage sollen sie noch abwarten, neun tage lang 
soll die Wöchnerin noch fortfahren von Mazdagläubigen abseits 
zu sitzen und abseits zu essen und sonderliche kleider zu 
tragen. Und nach ablauf von neun tagen soll sie sich waschen. 
Ihre kleider sollen sie mit kuhurin und wasser gleichfalls 
reinigen.« 

57. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Sind solche 
kleider nach ihrer reinigung und waschung noch tragbar für 



>) uruthwanh wörUich »wachsstfttte, pfianzstatte« bezeichnet hier bild- 
lich den mutterleib; barethrishva ist wol nur erklärende glosse dazu. 

*) asha an dieser stelle kann unmöglich das sonstige anha^tkr. fia 
sein; nach meiner meinung steht es fQr akhaha und gehört zu yn,kh»k(m 
(cf. hushaia) = skr, kshan; hinsichtlich der bedeutung würde sich unser 
aaha mit skr. äkahata decken. 

*) Es ist hier und in § 56 mit der mehrzahl der hss. upamaüun statt 
upamitim (so schon Spiegel) zu lesen, upatnaiüm ah ist periphrastische 
redeweise für das einfache upa-man» 

*) Vgl. note zu § 5. 

*) vipamaghem hier und Vd. 9, 7 ist ein wort, an unserer stelle von 
paiti, an jener von nithtoereQÖis regiert und bedeutet »nebenloch«. Die 
obige Vorschrift soll verhindern» dass die beschmutzten kleider in fliessendem 
wasser gereinigt werden. 

«) Ich verbinde jüt6gäiU8 (Westerg. gätu, Spiegel VS. Ed. Bomb. gätÜ8)y 
jütöqaretha jütavagtra zu compositis. Im folgenden ergibt sich die ände- 
rung jüta (st. jütö) anj, nuusd, mit noth wendigkeit. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. SU 

einen Zaotar (opferpriester) oder Hävanan (haomakelterer) oder 
Ätarevakhsh (feuerschürer) oder Frabaretar (aufwarter) oder 
Äberet (zuträger) oder Ä?nätar (wäscher) oder Raöthwiskare 
(aufseher) oder ^raoshävarez (gerichtsvollstrecker) oder einen 
priester überhaupt oder einen krieger oder einen feldbauer?« 

58. Und es antwortete Ahura Mazda: »Nimmer sind solche 
kleider nach ihrer reinigung und Waschung für einen Zaotar 
noch Hävanan noch Ätarevakhsh noch Frabaretar noch Äberet 
noch Ä<;nätar noch Ra^thwiskare noch Qraoshävarez noch für 
einen priester überhaupt oder krieger oder feldbauer tragbar. 

59. So aber in dem hause eines Mazdagläubigen ein weih 
ihre regeln hat [oder das bett durch beilager *) befleckt oder 
durch eine wunde beschmutzt wird], so decke man Unterbett 

und decke mit einem solchen kleide ') zu ') so weit, 

dass sie nur mit dem handgelenk *) ein und aus langen kann.« 

60. Denn nicht lässt Ahura Mazda abgelegte kleidungs- 
stücke unbenutzt liegen, selbst nicht soviel als ein A^perena 
betr^, nicht einmal soviel*) • 

als das mädchen auf eine fadeniänge (?) 
am garh spinnt*). 



>) Auch hier verbinde ich gkefiddaipigatö und piatrdaipirito zu com- 
positis. gkeflda ist = skr. skanda, im Zend in^esondere profusio seminis 
(vgl. o/QkeMa »keusch, Jungfrau« Vd. 14, 15 und im Skr. Verbindungen wie 
tkamdo retasoB TS. 5, 6, 8, 4 und die verwandten bedeutungen der wz. 
$kand). Bie worte jitf vä glteMö — gätus sind jedenfalls als glosse an- 
zusehen, da das folgende sonst ungereimt wäre. Die glosse wollte nur 
sagen, dass auch unter diesen umständen ähnlich zu verfahren sei. 

') Mit einer verbalform dgte weiss ich an dieser stelle nichts anzu- 
fangen. Ich corrigiere dafür vagtrahe, das ja leicht in ägte verschrieben 
werden konnte. Wem das zu kühn ist, der muss oqU ganz streichen und 
zu aitahe ein vagtrahe intelligieren. 

') Die annähme einer lOcke folgt mit nothwendigkeit aus dem Zu- 
sammenhang. Es muss gesagt worden sein, dass man das weih selber 
gleichfalls in alte kleider so dicht einwickeln solle, dass sie nur den ge- 
brauch der band frei habe. 

*) Ich verbinde eagtöfrineni (R. K 9) zu einem compositum, vgl. zagtö- 
fräna A. 1, 5. 

*) Ich ändere avaeina (ungenau geschrieben für awUcina) nuuö^ correlat 
dem folgenden javatt afiocinö mazö ist missverständliche anpassung an 
fi^gptrenomfuö, 

') ha/rezaiai nach den var. 

14* 



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Sl2 Karl Geldner, Uebersetzungen aus dem Avesta. 

61. Und wenn Mazdagläubige auf einen todten nur soviel 
Zeugs legen würden^) 

als das mädchen auf eine fadenlänge (?) 

am garne spinnt, — 
so ist er im leben nicht gerecht und im tode ererbt er nicht 
das bessere leben: (62.) Zur hölle muss er fahren zur finster- 
vollen finsterlichen finsteren. Den liefert seine eigene seele durch 
ihre missethaten an den ort des bösen zu seiner pein^). 

Tübingen juni 1879. 

Karl Geldner. 



Der Ursprung des griechischen schwachen 
• perfects. 

Die kategorie des schwachen, mit x gebildeten perfects der 
Griechen hat, so viel wir bis jetzt wissen, in keiner andern 
indogermanischen spräche irgend etwas entsprechendes '). Darum 
muss sie zunächst für eine griechische neubiidung gelten. Dass 
sie eine solche ist, ist um so sicherer, weil wir sie in den 
ältesten Sprachdenkmälern, den homerischen gedichten, erst zu 
sehr massiger ausbreitung gelangt sehen. Bekanntlich hat Homer 
nur etwa zwanzig x-perfecta, eine zahl, die auffallend klein ist, 
wenn man bedenkt, in welcher ausdehnung das schwache per- 
fect in späterer zeit überall auftritt, und die sich eben nur bei 
der annähme genügend erklärt, dass damals die kategorie des 
x-perfects im ionischen dialect oder überhaupt in der griechischen 
spräche erst im werden begriffen war. Diese homerischen 



') Auch hier ist der schluss des satzes, den ich vermuthungsweise er- 
gänzt habe, im original verloren gegangen. Statt dessen steht eine sinn- 
lose Wiederholung der vorangehenden verszeile im text. 

*) Freies citat von J. 31, 20. 

*) Gurtius erklärt die osk. form iioxaxHx in der inschrift von Anzi 
(Enderis p. 14) für eine den griechischen x-perfectis analoge bildung (vb. 
II 909). Ich halte diese deutung für äusserst unsicher. Vgl. Gorssen 
ztschr. XVm 210 und Bugge Altital. Studien 1878 s. 84. 



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Karl Brugman, Der Ursprung des grieck. schwachen perfects. 213 

• 
«^formen sind aber nicht bloss wegen ihrer zahl lehrreich, 
sondern auch durch ihre besondere qualität. Es sind folgende 
21 formen: iat^xa ßißfixa didvxa (tifkvxa niipvxa vnefji^ijfj^vxs 
dsidoMa (d. i. d^df/o^xa); tixh^xa tivlf^xa xixfAfjxa ßißXi^xa ßi- 
ßqmxa fUfbßiAoxa; ßsßifjxa adf^xoreg dsdäf^xa tXf^xa^) dsdsinvtixa 
js&d^ipea xsti%fixa naQtixißxs (vgl. Curtius vb. II 210). Also 
noch kein x-perfeet von consonantischen stammen wie fip^agxa 
IcvaXxa niipayxa nins^xa xexofktxa^ sondern nur formen von 
vocalischen stammen. Durch diese thatsache ist uns die rich- 
tung indiciert, in der wir den Ursprung unserer perfectkategorie 
zu suchen haben. 

Die bekannten allen versuche, dem rätsei des x-perfects 
beizukommen, übergehe ich: sie können in den äugen von jedem, 
der es mit den lautgesetzen strenge nimmt, nur noch einen 
historischen wert haben. Zu berücksichtigen ist hier dagegen, 
was neuerdings Curtius im 2. band seines verbum s. 205 zur 
aufklärung des Ursprungs vorbringt. Curtius sagt: »Die silbe 
xa ist stammbildendc , er bezeichnet den mit na gebildeten 
stamm dann näher als nominalstamm, stellt ihn auf gleiche 
linie mit den präsensstämmen auf va, w, vo, avo, xo, axo, die 
ebenfalls eigentlich nominalstämme seien, und knüpft daran die 
Worte an: »Gesetzt, es gab einen nominalstamm ßa-xa ionisch 
ß^xa, so konnte sich neben diesem ein redupliciertes ßs-ßä-xa, 
ßs-ßfi'xa bilden, und solche reduplicierte stamme konnten in der 
zeit, da die verbalformen noch flüssig waren, in derselben weise 
hie und da neben den kürzeren formen in das perfect eindringen, 
wie die nominalstämme ds^xvv, Xafißavo kürzeren präsens-, formen 
wie dXaxo, dfAaQto kürzeren aoristbildungen zur seite treten«. 

Zu dieser auseinandersetzung ist zunächst zu bemerken, 
dass nominalstämme wie ßä-xä- oder ßs-ßü-xä- als griechische 
nominalstämme nicht denkbar sind. Wenn Curtius sich das 



^} In fp 365 cl^ xty UnoUioy ^fjilv ikix^Ck xiä ddtiyttTot S'iol äXXot und 
hymn. in Apoll. Del. 165 ll^xot /<cV UnvXXny Ugri/ntSt {vv. Diese formen 
sind nicht modi zu einem präsens *Mi7X0)« wie man gewöhnlich (auch 
Curtius II 207) annimmt, sondern zu einem Utixa^ eigentlich »ich habe 
mich versöhnen lassen«. Zu Unxa verhält sich der imperat. Uti&t^ eigentlich 
»lass dich versöhnen« (indicat *tli;i'), ebenso wie idtair zu ^tdo^xa, iq^v 
zu iQ(fV9fxtt, lalmy zu hdlanta. Vgl. Kühne De aoristi passivi formis atque 
usu Homerico, progr. der domschule zu Güstrow 1878 p. 10 sq. und verf. 
morpb. unters. I 75. 



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214 Karl Brugman, 

• 
x-perfect als ein product der speciell griechischen Sprachent- 
wicklung ^) und zwar als von nominalstämmen ausgegangen 
denkte so durfte er nur entweder ßä-xo- ßs-ßä-xo- oder ßä-xä- 
ßs-ßä-xä^ oder ßä-x- ßs-ßä-x- ansetzen ^). Aber wie kommen 
wir von ßsßäxo- (ßsßäxä-) oder ßeßäx- aus zum perteci ßißaxa? 
Doch höchstens auf dem uraweg, dass wir von ßsßäxo- aus 
uns zunächst ein *ßBßaxm gebildet denken (vgl. ^iQfis<fd'a& von 
&€QfW'g u. dgl.) und weiterhin annehmen, dieses präsens habe 
seine flexion nach dem muster von olSa iidoqxa umgestaltet, 
oder andererseits von ßi^ßä-x- aus uns nach analogie des aind. 
hhishaJcti >er heilte von hhishaj- m. »arztc*) ein ^ßsßäx-fu ge- 
bildet denken und dieses dann in die analogie von olda didoqxa 
hineingeraten sein lassen. Aber wärde das irgend eine Wahr- 
scheinlichkeit für sich haben? Und wo sind denn überhaupt 
solche griechische nominalstämme mit x-suffixen, die wir als 
ausgangspunkt für die entwicklung der in rede stehenden perfect- 
kategorie betrachten könnten? Das femininum ^«yiny, welches 
Gurtius s. 208 mit ataxog und yiMtJxog zusammen nennt, liesse 
sich höchstens vielleicht zur erklärung der aoristform i^^ijxa ver- 
werten, aber das wird doch so leicht niemand glauben, dass 
S&i^xa ein denominativum von ^tjxti sei, zumal wenn er be- 
denkt, dass &ijx^ ebenso wie aind. dhäkch dhakär »behälterc 
bedeutet, also den sinn der wurzel dha- schon in sehr früher, 
wir dürfen sagen schon in urindogermanischer zeit nach einer 
bestimmten richtung hin specialisiert hatte. 



^) S. 203 heisst es bei ihm: »Die bildung mit x ist zwar eine in der 
homerischen zeit schon vorhandene, aber doch mehr versuchte als 
durchgeführte«. 

') Ein nominalstamm ßä-xä- könnte allerdings als schwache form eines 
femininstammes ßü-xU- gelten; denn das -df- z. b. im vocat vv(*<pu und im 
loc. /«/Uff» (d. i. /a^««-«) ist die schwache form des suf^xes -«- in vvfitftä 
yvfitfta'V u. s. w., wie das -«- im vocat. /ol«« und im loc ^oixt^t (diess 
ist die urgriechische form des locat., joixot hat sein o erst von den 
starken casus empfangen) die schwache form des suffixes -o- in J^otxo^, 
jolxo-y u. 8. w. ist. Aber an ein solches ßu^xä- denkt Gurtius offenbar 
nicht, und wollten wir seinem ßn-xu- diesen sinn geben, so sehe ich nicht, 
wie uns das zu einer plausibeln erklärung des perfects ßißSxa verhelfen 
könnte. 

*) Uebrigens ist es immerhin fraglich, ob wir bhishakti als denomi- 
nativum zu bezeichnen berechtigt sind. Wenn bhishaj' sich in '^(a)bki-8ßj 
zerlegt, was sehr wahrscheinlich ist (vgl. Pictet Kuhn*s ztschr. V 25), so 
kann bhishakti ein altes wurzelverbum sein. 



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Der Ursprung des griechischen schwachen perfects. 

Indess Curtius spricht von »der zeit, da die verbalformen 
noch flüssig warenc ; in dieser sollen die reduplicierten nominal- 
stämme wie ßs-ßä-xa- >in das perfect eingedrungene sein. 
Welche zeit ist damit gemeint? Eine periode, die jünger ist 
als die zeit der indogermanischen Urgemeinschaft? In einer 
solchen periode gab es keine »flüssigec verbalformen mehr, 
sondern alle eine perfectform constituierenden elemente sassen 
damals schon fest in dem uns aus den historischen sprach- 
Perioden bekannten gefüge, wir gewinnen also durch diese 
zeitliche zurück Verlegung des eindringens von nominalen 
»-Stämmen ins perfect nichts, die Schwierigkeiten bleiben ganz 
dieselben. Oder denkt Curtius an die zeit der indoger- 
manischen Urgemeinschaft? In diesem fall müssie ent- 
gegnet werden, dass wir nicht berechtigt sind zur wklärung der 
entstehung des griechischen schwachen perfects in die perioden 
zurückzugreifen, in denen nominalstamm und personalendung 
zuerst zu einer worteinheit zusammentraten. Das griechische 
«-perfect muss nach allen regeln der vergleichenden grammatik 
für eine jüngere, speciell griechische schöpfung gelten, es darf 
also auch nur beurtheilt werden nach dem zustand, in welchem 
die griechische spräche sich seit beginn ihres sonderlebens 
befand. 

Wir kommen sonach zu dem resultat, dass uns die aus- 
einandersetzung von Curtius keine auf klärung darüber verschafft, 
wo der ausgangspunkt oder die ausgangspunkte unserer form- 
kategorie zu suchen sind. 

Alle neuerungen der einzelsprachen, so weit sie nicht in 
rein lautlicher Umgestaltung des altüberkommenen sprachmateriak 
bestehen, gehen auf dem wege der association d. h. der neu- 
schöpfung in anknüpfung an älteres sprachgut vor sich. Wir 
haben also zuzusehen, ob sich in der speciell griechischen sprach- 
entwicklung formen finden, die die muster abgeben konnten zur 
bildung von formen wie iütiixa ßißffxa u. s. w. 

Man hat schon öfters, und namentlich hat das Curtius 
gethan, auf griechische nicht zum perfectstamm gehörige verbal- 
formen hingewiesen, die zwischen wurzel und verbalsufSx ein 
X aufweisen und sonach ganz dasselbe plus zu enthalten scheinen, 
durch welches sich das schwache perfect von dem altindo- 
germanischen starken unterscheidet. Auch in jenem abschnitt 
des »verbumsc, der über das x-perfect handelt» zieht Curtius 



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S16 Karl Brugman, 

diese formen wieder heran (s. S06 ff.)» bezeichnet sie aber nur 
als »analogienc zur perfectbildung mit xa, so dass man nicht 
recht sieht, wie er sich den Zusammenhang zwischen den beider- 
seitigen x-formen vorstellt. Diese »analogienc bei Gurtius a. a. o. 
sind folgende: a) tdaxaj f&fixa, ^xa, ß) Slixa, kypr. dwxotjs 
(Idal. 16 nach Ahrens' lesung)^), iqvxw, ßqvnm, S$€ix(o, dsidltf' 

d^tfiaysv, d) aXvl^m. 

Unter diesen x-formationen sind sechs, die als aus vor- 
homerischer zeit stammend betrachtet werden dürfen und zu 
denen sich x-perfecta finden, die ebenfalls altuberkommen zu 
sein scheinen. Diese sechs formen mit ihren perfecta sind für 
die frage nach dem Ursprung des x-perfects zunächst ins äuge 
zu fassen. Es sind folgende: SSwxa, Sxh^xa, fjxa, olixw^ daixoijsj 
ds&dia(fofjta$. Wir gehen diese verba einzeln genauer durch. 

1) ddxoijs bdmxa mit dem perfect didtaxa. 

Von diesen drei formen steht die erste in der Überlieferung 
nicht fest. Wie schon erwähnt, ist sie die lesung von Ahrens 
auf der bronzetafel von Idalion z. 16 (Philologus XXXV 68). 
Deecke-Siegismund lesen dwxoijfj (stud. VII 243. 253). Mor. 
Schmidt in seiner Sammlung kypr. Inschriften 1876 s. 2 schreibt 
dwxoie und scheint durch nichtaccentuierung der form andeuten 
zu wollen, dass er die quantität des schlussvocals dahin gestellt 
sein lässt. Alle vier gelehrte sehen in der form den optativ 
von einem *öo)x(o ^). Bei^k hingegen in der Jenaer liter.-zeitung 
1875 s. 467 und in Fleckeisen's Jahrbüchern 1878 s. 518 will 
das letzte zeichen von ta-kchirje als je nicht gelten lassen und 
liest die ganze zeichengruppe als doxot ip$ (^ Soxot if/$ r= »oder 
wenn es ihnen gefällte). Welche von beiden parteien recht 
hat, lässt sich, so viel ich sehe, nicht entscheiden, hoffentlich 
wird weitere zufuhr von kyprischem sprachmaterial bald licht 
bringen. Sehen wir in der form einen optativ im sinn von 
dUioifj^ so ist es für unsem zweck gleichgiltig, ob wir den 
schlussvocal mit Ahrens als kürze oder mit Deecke-Siegismund 



*) Das bei Gurtius nach diesem genannte präsens Ut/xw kommt nach 
s. 213 in Wegfall. 

•) Saxoijti wäre eine form wie cxoinv dyayoitiy Xaxoitiy (Gurtius vb. 
n 94), ^foxotji dagegen wäre die 3. pers. zu einer 1. pers. *&<6xot(j)a, die 
sich mit aind. hhdreyam d. i. *hharaAf-am und äol. Tvtl'aa vergliche (s. 
Ahrens a. a. o. s. 41, verf. in Bezzenberger's beitr. II 246 f.). 



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Der ursprang des griechischen schwachen perfects. 217 

als länge fassen, jedesfalls haben wir dann eine prasensbildung 
anzunehmen, die, wie schon Ahrens bemerkte, mit dem aind. 
cUtfoH »gewährt, verleiht, bringt darc identisch ist. 

Zu diesem selben aind. däg- gehören nun sicher auch 
Idmxa und didcoxa ^). 

Sdtoxa ist das imperf. zu der aind. prasensbildung ddshti. 
Es ist ebenso gebildet wie r}« d. i. *^(f'a *äs*m zu ^<r-r#, f^a 
d. i. *äi-m zu ei'a$ und ferner zu vergleichen mit den aoristen 
&Ina und fyaxa fjvsYxa^ die nicht auf einer Vermischung der 
flexion des c-aorists mit derjenigen des thematischen (d. h. mit 
-0- -«- gebildeten) aorists beruhen, sondern uralte praeterita 
ohne thematischen vocal sind, wie ich in Bezzenberger's beitr. 
II 247. 255 gezeigt zu haben glaube^). Endlich didanta ist 
identisch mit dadaga; beide perfecta entraten der stamm- 
abstufung, daher dedaixafiev und dadagimd. 

2) i^fjxa, Ti&Bxa ti-^sixa. Was zunächst das verhältniss 
der zwei letzten formen zu einander betriflft, so ist riS^sxa ebenso 
wie im medium die form Ti&sfAa^ die ältere bildung. Die 
formen tSd-etxa und rid'Stfiat sind associative neuerungen nach 
dem muster von slxa und €lfta$ =s *j^fxa und *tsfia$. Vgl. 
Curtius vb. II 212 f. und Job. Schmidt Kuhn's ztschr. XXIII 281. 
Neben l^^xa vi&sxa steht &^x^ »behälterc, das mit dem gleich- 
bedeutenden aind. dhdkor- dhäkär identisch ist. Dass von 
diesem nomen aus auf griechischem boden Sd^xa sollte ge- 
schaffen worden sein, ist, wie ich schon oben bemerkte, äusserst 
unwahrscheinlich. Dass d^jx^ und Id^xa beide ein x haben, 
muss als zufallig gelten. Das x von t^xa und tSS^exa als aus 

>) Vgl. Gortius grdz/ 64 und verb. II 207 anm. Aus letzterer stelle 
scheint sich zu ergeben, dass Curtius an der identitat von dag- mit f&<axa 
Si^mxa jetzt zweifelhaft geworden ist. 

*) Möglicher weise — man gestatte hier diesen nachtrag — steht 
»Iira für *fftna und bildet das imperf ect zu aind. vdkii. Dann müsste die 
form in zweifacher richtung a<)sociativer neuerung unterworfen worden 
sein. Einmal, insofern sie im kernhaften worttheil nach der analogie von 
hinov ünoy d. i. *i'j:t'tn-ih'r (= aind. ävocam d, i. ^a-va-uc-a-m) um- 
gestaltet worden wäre und infolge dessen das h auch mit in die modi 
hinfibergenommen hätte: denn wir finden den indicativ auch als inna und 
finden #/»- (nicht in^) z. b. im imperat tinurw (schreibnng von tlna mit 
Kl im altattischen scheint nicht vorzukommen, s. Gauer stud. VIII 257). 
Und zweitens, insofern das wort ebenso wie (x^va u. dgl. (vgl. Bezzen- 
berger's beitr. a. a. o.) die flexionsendungen des sigmatischen aorists 
annahm. 



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. 218 Karl Brugman, 

vorgriechischer zeit überkommen anzusehen sind wir demnach 
nicht berechtigt 

3) ^xa und slxa d. i. *i€xa. Die etymologie dieses verbum 
ist bekanntlich streitig. Für welche wir uns auch entscheiden 
mögen, das x ist nicht als aus vorgriechischer zeit stammend 
zu erweisen. 

4) dXixw und oXwXsxa. Das präsens ist schon homerisch, 
das perfect von Herodot an nachweisbar. Die formen oXi-aw 
äXs-fSa oXs-TiJQ oXs-^Qog führen auf eine Zerlegung von SXixm 
in oXS'Xi», 6U,vfi$ vergleichen Fick Kuhn's ztschr. XXI 3, 
G. Meyer nasalst, s. 34 und Curtius vb. P 171 mit lat ab-ölSre, 
oXex' aber stellt Curtius grdz. * 63 zu aind. arg- »verletzenc und 
rig- lig- »rupfen, abreissenc, eine combination, die Job. Schmidt 
voc. II 257 als zweifelhaft bezeichnet. Scherer Zur gesch.*228 
setzt auf grund von iXixo}, von ahd. fnehan fnah und west- 
germ» plegan einen besonderen idg. präsenstypus mit suffix -ä»- 
an. Das halte ich darum für ungerechtfertigt, weil sich dieser 
»typusc nicht bei einer und derselben wurzel in mehreren 
sprachen zugleich nachweisen lässt so wie es z. b. bei dem 
-fo-typus der fall ist (vgl z. b. gr. nSxrstv == lat. pectere = ahd. 
fehtan); Scherers »präsenstypus mit -io-c ist mit rücksicht auf 
dXixiß nur ein name, aber keine erklärung. Das verhältniss 
von iXixoa zu SXXvfAt ist unklar. Das wahrscheinlichste dünkt 
mich vorläufig, dass zwei verschiedene wurzeln von ähnlicher 
bedeutung, ein ark^ = aind. arg- rig- lig- und ein ar == lat. 
ol-, im griechischen in ein verbalsystem zusammengeronnen 
sind. Dann wäre das x in iXdXsxa ebenso gut alter wurzel- 
auslaut wie z. b. das ^ von äXijXt(pa. 

5) detdiatsofia^ Sstdi^stt'd'ap dsidi^aifd-at dsldoixa. Alle vier 
formen zeigen gegenüber dem d/ *- dßst- von Ssid^/Mv Sdöstaa u. a. 
das plus eines x. Dass ein dj:$x- schon vorgriechisch existiert 
habe, ist unerweislich, und wir sind um so weniger berechtigt 
das X in diesem verbum als aus vorgriechischer zeit stammend 
anzusehen, weil sich die formen aus dem griechischen sprach- 
zustand selbst sehr einfach erklären lassen. 

Vorausschicken muss ich, dass ich mit mehreren anderen 
forschem der ansieht bin, dass statt der schriftlich überlieferten 
formen deldo^xa, dsidia^ Ssidtfiev und nsgiidsKSa^ vnoddsifSaq^ 
idd€$(fa, dddsig (in den letzten vier formen schrieb Äristarch 
nur einfaches S) in homerischer zeit noch didßo^xa, didjuoL, 



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Der Ursprung des {griechischen schwachen perfects. 219 

diififisv, nsQidßSKta u. s. w. gesprochen wurde ^). Ist diess 
richtig, so dürfen wir auch statt 6€&di<raofMx& als echt homerische 
form dfdßiffifQfiat annehmen^). Nun verhält sich didßoixa zu 
di6f&fA€p oJBTenbar ebenso wie iffti/xa zu tavafiev. SSSj:o$xa ist 
von der starken Stammform dSdßoi- aus gebildet, die ohne die 
le-erweiterung vielleicht noch in dem homer. didßa (dsHw) 
steckt, indem es nemlich scheint, dass wir mit 6. Mahlow 
Kuhn's zlschr. XXIV 294 diSj:oa d. i. *d€dj:o&'a dafür zu lesen 
haben. Bei Homer haben wir auch Siöfta^ eine neubildung 
nach der analogie der schwachen formen, die sich zu didßo(Oct 
genau ebenso verhält wie tixQaq^a zu xkxqoipa. Und nun konnte, 
wie eine a^-form von dcd/o»- aus geschaffen wurde, eine solche 
auch von öböj:^ ausgehen, also ein *6idj:i'xa^ vgl. itpi^t-xa 
xi%v^xa. Diess *3sdß&xa aber darf als der ausgangspunkt für 
Stdßi^fif&at (vgl. sarij^ia) und weiterhin d6dj:i^a(fd-a& und 
dsSplCifofiat angesehen werden. Bei der präsentischen be- 
deutung der perfecta von w. d/c«- hat die annähme solcher neu- 
Schöpfung vom perfect aus nichts anstössiges. Wir kommen 
unten auf unser dtdf^x- noch einmal zurück. 

Haben wir demnach kein recht dazu, das x von dcdfOix- 
dsSßpx' als aus vorgriechischem sprachzustand herübergekommen 
anzusehen, so muss dieses verbum bei der frage nach dem 
Ursprung der schwachen perfectbildung aus dem spiel bleiben. 

Unser gesammtresultat ist : von den besprochenen «^perfecta 
muss Sidwxa und darf wol auch iXcilsxa als eine bildung mit 
vorgriechischem x angesehen werden. Andere schwache perfect- 
formen mit solchem vorgriech. x kenne ich nicht, und es fragt 
sich nun : lässt sich von diesen beiden formen aus oder eventuell 
von einer derselben aus die entstehung der gesammten kategorie 
des griech. x-perfects begreifen? 

Sie begreift sich von da aus, und zwar schon von 
dem einen did<»xa aus, vollkommen. Und es begreift 

^) Die Unrichtigkeit der formen mit it wie Sti&ouea wird besonders 
klar durch das hom. tldag Maroe erwiesen. Dieses geht nemlich, wie 
Leo Meyer vergleich, gramm. II 230 erkannt hat, auf fd^ag idporoi zurück 
und hängt, wie ich anderwärts [morph. unt. II 226] zeigen werde, mit 
aind. ad^an- »essend« zusammen : f^far^ : advan- = oyo/utn- : fiaman-. 

*) Diess ist um so sicherer, weil in nachhomerischer zeit, z. b. bei Plato 
und Hippokrates (s. Veitch greek verbs ed. 181 p. 149), &(&icffof4M er- 
scheint. Wäre das c* des homerischen dttdianofnu sog. Steigerung von », 
$0 könnte daffir später nicht i auftreten. Vgl. auch Fritzsche stud. VI 300* 



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220 Karl Brugman, 

sich, wie ich hier gleich zufüge, von idinkxa aus auch vollständig 
die ontstehung der andern aoristformen auf -xa, die ja eben- 
falls als griechische neubildungen anzusehen sind. 

Nachdem Mwxa und d^Smna sich in das verbalsystem von 
dlSt9fA$ so eingelebt hatten, dass sie in der gleichen weise ein 
glied desselben bildeten wie z. b. das futur doiaco, hatte man 
das X dieser formen als ein tempusstammbildendes 
element im gefühl. 

Das praeteritum tStaxa^ um mit diesem zu beginnen, ward 
nun die musterform, nach der man Ixhixa, ^xa (homerisch 
auch tfixa), *ba%lxxa^ vertreten durch Itraxav lav^ffav bei 
Hesych (die form ist entweder lakonisch oder böotisch) und 
h^Qf^xa schuf. Dass ^(Xr^v bestehen blieb, hängt offenbar mit 
der intransitiven bedeutung zusammen: die form Satfiv wurde 
durch die intransitiven aoriste wie ißXtiv laßijv StsxXf^f ida^ 
idXtAv u. s. w., mit denen sie der intransitiven bedeutung wegen 
im bewusstsein der sprechenden associiert war, am leben er- 
halten; was um so sicherer ist, weil auch die entstehung der 
formen iatri^sv lar^ts Savi^ifav statt *l(frä(A€v u. s. w. gegenüber 
dem durchgängigen verbleiben der schwachen Stammform in 
SSofisv ed-sfAsv slyLBv sich nur aus der intransitiven bedeutung 
(vgl. ißXiffAsv Bffßvf^v saXfAfisv mit altuberkommenem langem 
vocal) begreift; vgl. morphol. unters. I 73. Als transitive form 
zu iatipf fungiert gewöhnlich itstfjaay dem sich aus späterer 
gräcität l&fi(Sa sdmtsa zur seite stellt. inB^^qiQfjiSa als neben- 
form von iipg^xa schon bei den attischen dramatikern. Vgl. 
Curtius vb. II 288 f. 

Andererseits gab didwxa den ersten anstoss zur 
gesammten perfectbildung auf -xa. 

Die starken formen der altindogermanischen perfectbildung 
sind bei wurzeln auf a-laute aus den auf uns gekommenen denk- 
mälem nicht mehr sicher nachweisbar^). Von <J«- hätten wir 
*SiSo}(a) *S6dof}d'a *did(»(€), von tfrä- *{irrä(a) *t(fT5^a *tffxä(B) 
zu erwarten, wenn wir die formen nach der analogie des in- 
dischen ansetzen. Dagegen *d^d«-v und Hatä-v in der 1. sgl., 
wenn, wie ich nicht zweifele, das suffix der 1. sg. pf. act. -m 



Das hesychische niq,fij durch lifntvn glossiert, soll, nach Malilow 
Kuhn's ztschr. XXIV 295, noch ein flberrest der allen starken formation 
sein und dem aind. habhä bdbhau gleich stehen. Möglich, aber mehr 
auch nicht. Curtius vb. II 25 fasst die form als reduplicierten aorist auf. 



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Der Ursprung des griechischen schwachen perfects. ^^l 

war (vgl Osthoflf morph. unters. I 227), doch sind auch in 
diesem fall die fonnen *didw(a) und *latä(a) insofern denkbar, 
als es sehr wol möglich ist, dass die Griechen ebenso wie die 
Inder die alte differenz zwischen -a d. i. -m (bei wurzeln auf 
geräuschl.) und -v d. i. -m (bei wurzeln auf sonorl.) aufgaben 
und alle formen auf -a ausgehen Hessen. Es musste nun die 
dritte sgl. *d8dm(s) HiStä(s) mit der zeit unbequem werden 
und ebenso die 1. sg. *öiö(ä(a) Ha%ä(a), angenommen, dass 
man diese letztere einmal so bildete. Dieser Unbequemlichkeit 
konnte man bei dem verbum did^afii leicht abhelfen : man griff 
zur nebenform didfoxa, an der die personalendungen der 3. 
und 1. i^ers. deutlich ausgeprägt waren. So mochte zuerst bei 
öidafAi die alte dem aind. dacUy entsprechende bildung aus- 
sterben. Bei den andern tf-wurzeln erhielt man eine bequemere 
gestaltung des Singulars dadurch, dass man didwxa zum muster 
nahm: es entsprangen die formen wie t(f%fi»a ßißi^xa u. s. f. 
In weiterer folge dann x-formen von nicht-o-wurzeln wie 
niffivxa didj:o$»a. Die längere bewahrung von *öidj:oia, die 
wir statuieren müssen, wenn wir mit Mahlow das homer. dsiifo 
als didfoa nehmen, würde sich einfach daraus erklären, dass 
die formen *diSj:o$a und *didßo$€ nicht die lautlichen Un- 
bequemlichkeiten boten wie *did<aa und *didw6. Die alten 
schwachen personen des activs, die ihrer lautgestalt nach keine 
Schwierigkeiten bereiteten, blieben vielfach länger, zum theil 
durch die ganze gräcität hindurch, im gebrauch: neben dSdwxa 
selbst ist im böotischen noch änodsöouv^i inschriftlich nach- 
weisbar, ausserdem haben wir SatäfAsv ßißäfisv dSdj:$fAsv u. s. w. 
(Curtius vb. II 169 f.). 

Ein epochemachendes ereigniss in der geschichte der aus- 
breitung unserer perfectkategorie war es, als die verba auf -ao» 
'iu -O60 -110 "Via sich dieser perfectbildung bemächtigten und 
die formen wie ßsßi^xa deöslnvijxa zuerst aufkamen. Dadurch 
wurden dieser formkat^orie hunderte von neubildungen ge- 
wonnen, und durch diese Schöpfung wurde es überhaupt zum 
ersten mal möglich, eine einfache perfectform auf -a von diesen 
denominativen zu bilden^). Es liegt hier ein ganz ähnlicher 



^) Es könnten vielleicht die perfectformen tioiaiä/nty ^qm&¥m von 
c^MTie» und dtdtinySfuy dtdttnvärM von dnnyiw (bei komikern) den einen 
oder andern auf den gedanken bringen, sie repräsentierten uns noch die 



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ILsltI Brugman, 

fall vor wie in der ausbreitungsgeschichte des passivaoristes auf 
't^ipfi auch in dieser war es ein ereigniss von grosser tragweite, 
als zuerst formen wie iti^fk&i^iiv ix^v^x^ifv produciert wurden 
(s. morph. unters. I 81). 

Die jüngsten x-bildungen sind, wie uns die homerische 
spräche lehrt, diejenigen von consonantischen stammen, formen 
wie tctalxa, Sg)d-ciQxa, ni^ayka, nins$xa, ^yysXxa. 

Im allgemeinen lässt sich also die entstehung der gesammten 
kategorie des griechischen x-perfects von dem einen öidwxa aus 
sehr gut begreifen, und damit ist meine hypothese, wie ich 
glaube, hinlänglich gerechtfertigt. Wenn jemand glaubt auch 
dem oXdXsxa eine rolle in der entwicklungsgeschichte d|s x-per- 
fects zuweisen zu müssen, so mag er das thun, nur darf er 
nicht annehmen, oXwXsxa sei von vorn herein zugleich 
mit didwxa als zur neuschöpfljng reizende musterbildung auf- 
getreten; denn ohoXsxa hätte doch zunächst nur formen wie 
ifj^fj^exa äi^Xsxa äq^Qaxa ofkdikoxa ins leben rufen können, 
diese aber gehören sicher nicht zu den ältesten unserer per- 
fectischen neubildungen. 

Sollte jemand an meinem resultat dämm anstoss nehmen, 
weil ich von einer form hunderte von neuen formen aus- 
gegangen sein lasse, so bitte ich ihn Kuhn's ztschr. XXIV 50 f. 
und morph. unters. I 82flF. nachlesen zu wollen. 

Ueberschaut man sämmtliche x-perfecta des griechischen, 
so drängen sich im einzelnen noch mancherlei fragen auf, die 
man gern von einem, der dädiAxa al? die musterbildung an die 
spitze stellt, beantwortet sehen möchte. Ich lasse mich hier 
nur noch auf eine dieser fragen , die nächstliegende und für 
unsere ganze beweisführung wichtigste, ein. Die singularform 
didtaxa gegenüber *didofA€y musste den Griechen den eindruck 
machen, als enthalte sie eine starke Stammform d^do»- (vgl. 



weise, nach der das perfect der verba auf -aio und -i(o in der zeit, ehe 
das x-perfect aufkam, gebildet wurde. Das wäre aber sicher eine verkehrte 
folgeruDg. ^Qictäfi^y ist eine spätere neubildung nach Icrafur, die in folge 
davon eintrat, dass a^Kfraat im bewusstsein mit ItfitifM associiert worden 
war; ^Qiajä/uty zog dann, in folge der bedeutungsverwandtschaft, die form 
^(^ünyafity nach sich. Die bildung ^^iaräfity nach laräfi^y ist kaum 
seitsamer als dass Schiller, Platen u. a. statt umringte umringt (von ring 
ahd. kring) nach aualogie von ringen »luctari« die formen umrang um- 
rungen producieren. Ich mOchte wissen, wie sich die griechischen Schul- 
meister zu 4^<nä/i4ty und ^t^einyäfdiy stellten. 



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Der Ursprung des griechischen sdbwachen perfects. 223 

iatiixa gegenüber iarafMV, didj:o$xa gegenüber didj:&fäev u. s. w.), 
und wie kommt es nun, dass in tix^exa tlxa Btp^yixa »i%ma 
u. äbnL die seh wache Stammform der ^bildung zu gründe 
gelegt wurde? warum nicht ^tHh^xa *£^xa *l(p^0Ma *x8xovxa? 

Wir können als regel aufstellen, dass ein x-perfect dann 
starke Stammform hat, wenn keine medialform daneben besteht 
und wenn beim b^nn der historischen periode der griecb. 
spräche die altindogermanische bildung des plur. und du. act. 
mit der schwachen Stammform noch nicht ausgestorben ist, im 
entgegengesetzten fall ist das ^perfect von der schwachen 
Stammform aus gebildet. Beispiele: 

1) iffti^xa itrrafAsv^), ßsßijxa ßeßa^sv, yiyäxa YiyafASV^)^ 
nitpvna niipvfASV, diSßoixa 6$dj:$fjtev, 

i) vocalische stamme: ti^^exa ti&e/jkUi, slxa slfiai, didsxa 
didifkaiy etf&Xxa lq>d'ifiai, xSxXixa x€xlt/j,at, xi%vxa xix^fia^^ 
ninXvxa ninXvfiai — consonantische stamme: tiväxa Tira(Aa& 
(von tan, s. Kuhn's ztschr. XXIV 263), larulxa tataXf^ai, 
Ifp^aqxa sffx^aQfAai (vgl. l^OQa) U. s. w. 

Die ratio dieser bildungsverschiedenheit liegt auf der band. 
Man bildete tid'sxa und nicht ^ri^^xa, weil man eine medial- 
form mit schwacher Stammform (red'a'J neben dem activ 
besass und sich scheute dem activum eine andere stufe des 
wurzelvocals zu ertheilen als die das medium besass. Dieses 
enge band zwischen dem mittels x gebildeten activ und dem 
medium tritt auch sonst noch hervor, ninsixa stimmt im 
vocalismus zu ninBi<ffia$, nicht zu nino^d'a insm^/j^sv. tansixa 
von anivdw ist nach €<sn€i<Sfia& d. i. *i'(tn€vd-aiiat gemacht, 
ein *i-cn$ifS'xa hat es natürlich nie gegeben. Zu dvä-xetfiai 
wurde ein activum ävaxeixs im sinn von äi^ati^sixs geschaffen 
(auf einer inschrift von Mantinea, Curtius vb. II 211). Das 
perfect Ifsxäxa mit transitiver bedeutung wurde gegenüber 
laxi^xa nui' deshalb als transitivum empfunden, weil es mit 

>) Das transit activum tcxäxa und das medium tatäfiai sind erst im 
späteren griechischen nachweisbar (s. Yeitch greek verbs ed. 1871 p. 300) 
und kommen deswegen fQr die hier zu behandelnden Verhältnisse nicht 
in anschlag. 

*) Für das sprachgefflhl derer, die yiySxa schufen (die form ist pin- 
darisch), war yiyaiuiy eine bildung wie IctafAty, in Wirklichkeit ist es der 
plural zu yiywK und steht fflr *^e^-sn€n. Kuhn*s ztschr. XXIV 279. 



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224 K&i*l Brugman, Der Ursprung des griech. schwachen perfects. 

Satafia& eng associiert war, und ist überhaupt erst in anknäpfung 
an dieses gebildet worden. 

Nun gibt es von unserer regel freilich ein paar ausnahmen. 

Im attischen haben wir neben didexa : didef^ai auch die 
form öidijxa. Offenbar ist diess dasselbe schwanken in bezug 
auf die wurzelvocalstufe, das uns in dv-vno-ö^o-g und <rt;V- 
öero-g entgegentritt. Ich glaube, dass die formale analogie 
zwischen dita d^if(o idfida und (p$Xia> q>tX^<fco i<pllii(fa zur bil- 
dung von öidi^xa und -di^to-g (nach n^fpllfixa und q>dijz6g) den 
anstoss gab. Vielleicht ist ein nach nsipiXfi^ak neu gebildetes 
medium didfunm nur zufallig nicht nachweisbar. 

Weiterhin haben wir rfcdf/nx- in dedßicao/jba^ neben di- 
dj:oixa : didßifiev. Von diesem verbum war schon oben s. 218 f. 
die rede. Ich vermute, dass es einst ein *öidj:tfia$ gegeben 
als medium zu *didfo$a. In anknüpfung an dieses entstand 
dann das dem d€dfi(f(fOfAa$ u. s. w. zu gi-unde liegende *didj:ixa. 
Dieses *didj:&xa hatte transitive bedeutung und verhielt sich 
sonach zu dem intrans. didfotxa ebenso wie taxaxa >]ch habe 
gestellte zu J^ar^xa »ich stehec. 

Diese zwei ausnahmen lassen also eine, wie mich dünkt, 
probable erklärung zu, und so können die formen wie tix)-6xa 
xk%ixa mit schwacher stufe des wurzelvocals gegenüber dsdoaxa 
nicht weiter auffallen. 

Die hier besprochene bildungsregel unterstützt aber augen- 
scheinlich unsere identificierung von didoaxa und aind. dadaga, 
welche die ganze grundlage für unsere erklärung des griechischen 
x-perfects bildet, in der erwünschtesten weise. Wäre nemlich 
öidcaxa so wie die andern x-perfecta eine griechische neubildung, 
so würde es, da daneben das medium didofAa$ steht, gegen 
* das in rede stehende bildungsgesetz Verstössen, man hätte statt 
seiner *öSöoxa zu erwarten, und ein grund, warum man nicht 
*didoxa bildete, wäre schwerlich ausfindig zu machen. So aber, 
da wir öiSioxa dem aind. dadaga gleich setzen und als starke 
perfectform aus urindogermanischer zeit überkommen sein lassen, 
ist die ausnähme sofort begreiflich und bestätigt die richtigkeit 
dieser gleichsetzung. 

Leipzig 31. december 1878. r 

Karl Brugman. 



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Formassociation bei den indogermanischen 

numeralien mit besonderer berücksichtigung 

der griechischen. 

Einleitendes. 

Eins der schwierigsten gebiete für die sprachwissenschaft- 
liche forschung ist das der numeralien. So oft man über ihre 
etymologische geltung Untersuchungen angestellt hat, so wenig 
ist man doch zu ganz evidenten erklärungen gekommen. Man 
kann nicht läugnen, dass von einzelnen gelehrten zuweilen recht 
geistreiche und sinnige aufstellungen gemacht worden sind. So 
bat, um ein beispiel anzuführen, neuerdings wieder Benfey in 
einer abhandlung betitelt: »Das indogermanische thema des 
Zahlwortes zwei ist du€ (abhandlungen der k. gesellschafl der w. 
zu Göttingen, bd. 21. 1876, p. 14 folg.) eine erklärung über die 
entstehung des Zahlwortes »viere versucht, und zwar, jedenfalls 
ohne davon zu wissen, dieselbe, die schon von Schweizer-Sidler 
ztschr. XIII, 393 bei gelegenheit einer recension einer französischen 
arbeit mitgetheilt worden ist. Er betrachtet nämlich indo- 
germanisches *katvar als Zusammensetzung von *1cc^, das er im 
anschlusse an skr. eka als »einsc deutet, und *tvari-, welches 
nach seiner meinung die grundform der dreizahl ist, und glaubt 
also, dass der sprachgeist bei der bildung eines ausdruckes für 
die vierzahl von dem einfachen additionsexempel : 3 -|- 1 = ^ 
ausgegangen sei. Man sieht gleich auf den ersten blick, ab- 
gesehen von Schwierigkeiten, welche der stamm Aso- bereitet, 
welche die declination beider zahlen, der drei und vier, im skr. 
und abaktr. selbst noch übrig lassen wurde, die formelle 

Zdtsehrift für Terffl. Spraebf. N. F. V. 8. 15 



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S26 Johannes Baunack, 

Schwierigkeit in der themaansetzuilg ; denn zu behaupten, dass 
der indogermanische, einstimmig in den einzelnen sprachen als 
tri- bezeugte stamm der dreizahl aus *h^i- verkürzt und dieses 
aus *tvari- durch samprasärana hervorgegangen sei, ist für die 
indogermanische periode einfach unerlaubt. Es muss zum 
grundsatz gemacht werden , bei den durch vergleichung der ver- 
wandten sprachen gefundenen, letzterrelclibaren formen stehen 
zu bleiben, da ja alle reflexionen über sprachentwickelung über 
die zeit kurz vor der trennung der Völker hinaus stets subjectiv 
und alle derartigen erklärungen uncontrolirbar sind. Es empfiehlt 
sich aber in besonderem grade von diesem grundsatze aus die 
Zahlwörter zu betrachten. 

Bei dieser Wortklasse erwächst noch ausser der etymo- 
logischen eine nicht geringe Schwierigkeit für die Untersuchung 
daraus, dass die einzelnen sprachen nach der trennung ganz 
eigene wege gingen und zu den ererbten formen um- und neu- 
bildungen in reicher fülle geschaffen haben. Hier hatten ja die 
sprechenden mehrere reihen verschiedener ableitungen und ver- 
schiedener bedeutungen, alle auf den grundzahlen basirend, 
neben einander und kamen unwillkürlich dahin, dass sie die in 
ihrer unumstösslich fest bestimmten aufeinanderfolge verbun- 
denen glieder dieser ketten allmählich in sich möglichst uni- 
formirten. Es wird deshalb unbedingt nöthig sein, einestheils 
die einzelnen reihen der cardinalia, ordinalia, distributiva, 
adverbia, multiplicativa und proportionalia unter sich, andern- 
theils auch die einzelnen sprachen für sich zu betrachten und 
die erklärung der Schwierigkeiten der einzelnen bildungen in 
ihnen selbst zu suchen, wobei die heranziehung paralleler 
Vorgänge der verschiedensten sprachen alter und neuer zeit 
interessante Verdeutlichung bieten wird. Schon a priori müssen 
wir eingestehen, dass, wenn irgendwo, in den reihen der nume- 
ralien das wirken der sogenannten falschen analogie am ehesten 
eintreten musste. Und in der that wird diese vermuthung hin- 
reichend durch bildungen der verschiedensten sprachen bestätigt. 
Gerade in der letzten Vergangenheit ist ja oftmals zur erklärung 
von Verstössen gegen die lautgesetze das princip der analogie 
in anwendung gebracht worden, oftmals entschieden in über- 
zeugender weise. Da wird es denn gewiss erwünscht sein, wenn 
einmal in einem fest abgeschlossenen gebiete gezeigt wird, wie 
viele ^anz unläugbare neubildungen im laufe der zeit von den 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 227 

ältesten stufen ab bis in die jfingslen phasen der indogermanischen 
sprachentwickelung hinein sich an einander angereiht haben, 
wie oft von zwei, drei formen, zuweilen auch nur von einer 
einzigen eine weitverzweigte analogiebildung ausging. Eine be- 
trachtung der zahlbildungen von diesem gesichtspunkte aus 
wird uns aber zugleich recht deutlich' zeigen, dass die älteren 
und ältesten sprachentwickelungen durchaus gleiche Vorgänge 
wie die jüngeren und jüngsten aufweisen und formenwandel 
und formenneuerung überhaupt in allen perioden nach gleichen 
principien untersucht werden müssen. 

Wälirend nominal- und verbalformen durch das declinations- 
bez. conjugationssystem und durch die bedeutungsverhältnisse 
mit einer reihe von formationen gleicher wurzel oder gleichen 
Stammes, aber mannigfacher bedeutungsmodificirung im zu- 
sammenhange stehen, steht eine zahlform, deren bedeutungs- 
inbalt ein sehr geringer, für immer einer, ein fest bestimmter 
ist, ausser connex mit andern Wortklassen und wird im ganzen 
Wortschatze nur einmal an einer bestimmten stelle der Zahlen- 
reihe gefühlt. Durch ihren zahlenwerth tritt die zahlform nur 
in beziehung 1) zu den zahlen, die sie umgeben, a) zu 
der, von der sie sich durch das plus einer einheit, eines zehners 
oder eines hunderts, b) zu der, von der sie sich durch das 
minus derselben differenzen unterscheidet — also die 3 zu 2 
und 4, die 30 zu 20 und 40, die 300. zu 200 und 400 —; 
2) tritt sie in beziehung zu den zahlen, mit denen sie in 
correlation steht, und zwar a) ein einer zu denen des 
zehners und des hunderts in derselben reihe (also die 2 zu 
20 und 200 oder das ordinale von 2 zu dem von 20 und 200) 
b) die einer, zehner, hunderte unter einander in verschiedenen 
ableifungsreihen (also das cardinale von 2 zum dazugehörigen 
ordinale, distributivum, multiplicativum). Die in der geschilderten 
weise unter einander in beziehung stehenden zahlen lehnen sich 
nun vielfach formell an einander an. Am leichtesten ver- 
ständlich sind die associationsbildungen bei benachbarten zahlen. 
Zählt jemand eine anzahl von gegenständen durch, so hat er 
beim aussprechen einer zahl entweder schon die folgende oder 
noch die vorhergehende, eben angesprochene im sinne und 
überträgt unwillkürlich formelle eigenthümlichkeiten der einen 
der zwei benachbarten zahlen auf diejenige, die er im moniente 
auszusprechen hat. Sollten ab^r gar die zwei umgebenden 

15* 



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^28 Johannes Baunack, 

zahlen formell einander gleichen, so wird um so eher die in 
der reihe zwischen ihnen stehende, in form nur wenig ab- 
weichende zahl nach ihnen analogisirt werden. Wenn auf diese 
weise im letzten falle 3, im ersten 2 einander angeglichen sind, 
so wirken diese zusammen wieder auf die folgenden oder vorher- 
gehenden und ziehen immer mehr bildungen, die uns auf laut- 
lichem wege unerklärbar sind, nach sich. Aber nicht bloss 
beim zählen werden analogiebildungen entstanden sein. Zu- 
weilen ist der sprechende nicht in der läge, eine bestimmte 
zahl angeben zu können, er schwankt noch, während er die 
zahl aussprechen will und lässt es in der that unentschieden, 
ob die gegenstände, die er numerisch anführen will, z. b. elf 
oder zwölf, wie er selbst sagt, oder elf bis zwölf an zahl waren. 
Gewiss werden solche Verbindungen gelegenheil zu formellen 
associationen gegeben haben. Ferner kann der sprechende 
mitten in der rede ein zahlenverhältniss angeben wollen, das 
ihm zwar klar vorschwebt, für das er aber nicht sofort den 
formellen ausdmck findet: so ist er gezwungen, im momente 
eine form zu schaffen und sieht sich nach mustern um, welche 
entweder, well sie ähnlichkeit mit der zu suchenden form haben, 
in ihm die erinnerung an die ihm geläufige form wach rufen 
oder, weil verschieden, ihn zu einer augenblicklichen neubildung 
führen, bei der die verschiedensten ideenassociationen wirken 
und alle oben angegebenen beziehungen der zu suchenden zahl 
zu ihren nachbar- oder correlativzahlen von einfluss auf die 
form sein können. Es ist freilich nicht immer möglich, die 
verschiedenen anlasse, die zu. einer association gefuhrt haben, 
anzugeben, besonders bei zahlen, die uns in keiner Verbindung 
zu stehen scheinen. 

Die mannigfaltigen associationsbildungen könnten wir etwa 
unter folgende drei gruppen unterordnen: 

I. Analogiebildungen bei benachbarten zahlen. 
Da man hier offenbar danach strebt, die formellen Verschieden- 
heiten der glieder der reihe allmählich auszugleichen, die reihe 
zu Uniformiren, möchte ich diese art der association reihen - 
analogie nennen, die a) progressiv b) regressiv sein kann. 

IL Analogiebildungen bei correlativen zahlen. 
Diese art könnte man als correlative analogie bezeichnen. 
Sie ist eine doppelte, je nachdem die zahlen entweder den- 
selben oder verschiedenen reihen angehören. 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 229 

III. Analogiebildungen bei zahlen, die, da wir den 
anlass zur ideenassociation nicht eruiren können, zufällig, wie 
es uns scheinen muss, auf einander eintluss gehabt haben. Wir 
könnten von unserm Standpunkte aus diese art casuale 
analogie nennen. 

Diese drei kategorien sollen nun, noch ehe ich die Unter- 
suchung selbst beginne, durch einzelne signifikante beispiele 
erläutert werden. 

1. Als beispiele progressiver reihenassociation seien 
angeführt ital. quintemo und sestemo, welche von den numeri 
coUettivi ter-noy quader-no den ausgang -^r-no als sufBx über- 
nahmen. Weiter bilden im litauischen ableitungen auf -gps, 
-gis nomina, welche die altersjahre angeben, so dveigps, f. 
dveigi »zweijährige, treig^s, »drei-c, ketvergis »vierjährig«. Man 
hob nun in letzterer form -er-gis als suffix ab und bildete 
darnach penk-irgis »fünf-« und szese-ergis »sechsjährig«. (Vgl. 
Joh. Schmidt, ztschr. XVI, 430). Ferner wird in derselben 
spräche von ke^eri allein das distributivsuffix -m in penh-eriy 
seese-eri, septyn-eri, aset&n-eri, devynreri (regressiv auch auf 
üeneri), und von ketveriöpas (ketwridhias) die endung -eriöpctö 
(-eriökias) auf penk-erüipcts (penkeriökias), szesz-eriöpas , deszim- 
teriApaSy szimteriöpas und tukstant&rüpas übertragen worden 
sein, wovon die entsprechenden bildungen der zwei- und drei- 
zahl dv^% und tr^% auf der einen, dv^öpas und tr^öpcts auf 
der andern seite frei blieben. Neben venökias begegnet noch 
vm-eridpas. Aus dem deutschen macht Osthoff in seinem auf- 
satze »formenassociation bei Zahlwörtern«, morpholog. untersuch. 
I, p. 104 auf das altfries. aMuiv4a (got. noch regelrecht ahkhda) 
nach sigun^, niugtm-da, auf mhd. achtende (auch achionde) 
nach sibende aufmerksam. Recht instruktiv für diese kategorie 
der reihenassociation ist die beeinflussung der zahlform 80 
durch 70 im lateinischen und in den romanischen sprachen. 
Bei Vitruv 10, 17 lesen wir octtuiginta, dann bei Gol. 11, 2, 40, 
Gell. 3, 10, odmgies bei Plin. 2, 108 (112). Als »sehr gewöhnlich 
in den Urkunden des mittelalters« bezeichnet Diez, gramm. der 
roman. spr.' I, p. 21, jenes oduaginta. Dieselbe analogiebildung 
kehrt im span. odiuigesimo (nach septuagesimö), im ital. ottuagesimo 
(nach settuagesimo) j ottuagenario »achtzigjährig« (neben oUo- 
genario) — nach seüuagenario — wieder; selbst portug. oda- 
geaimo wird zum theil unter einfluss der vorhergehenden zahl 



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230 Johannes Baunack, 

stehen ^). Man darf aber keineswegs glauben, dass solche falle 
nur in neueren sprachen sich finden. Schon im indischen und 
altbaktrischen und besonders im griechischen und lateinischen 
zeigen sich massenhafte, analoge bildungen, die im folgenden 
zur besprechung gelangen werden. Ich greife hier vorläufig nur 
einige wenige beispiele heraus. In den »grundzügen *€ p. 691 
wird von Curtius gezeigt, wie die Herakleer von «ttt« den spir. 
asp. auf oxTci, also oxrci und seine correlativen zahlen ordo^- 
novta^ oxtaxatiot und auf ivySa, hsp^novra übertrugen. (Ebenso 
Meister, st. IV, 419. Vgl. auch Osthoflf a. a. o. I, 96, welcher 
noch dem in der reihe vorausgehenden, ursprunglich anzu- 
setzenden Vi| einfluss zuschreiben möchte.) Desgleichen liest 
man auf einer attischen inschrift oydori (G. I. Ä. 325, 13). 
Ferner stehen die skr. Zahladverbien dve-dkd »zweifache und 
tre^hä »dreifach« in einem ähnlichen abhängigkeitsverhältnisse. 
Ist in den gleichbedeutenden adverbien dvirdhä und tri-dhä der 
stamm der Zahlwörter zu erkennen, so ist in dm-dhd eine 
flectirte form, offenbar das neutrum im dual, wie in dvädagan 
das maskulinum, zu gründe gelegt. Man Hess sich nun durch 
das nebeneinanderbestehen von dvi-^Oiä und tri-dhä verleiten, 
auch ein dem dve-dhä entsprechendes adverbium der dreizahl, 
tr&4hä, zu bilden, worin das e unmöglich anders wird erklärt 
werden können 2). Endlich sei hier noch kurz der skr. zahl- 
substantiva gedacht. Dva-yam »die zweiheit« ist ganz regel- 
mässige bildung, welche die Umbildung des vorauszusetzenden 
*triryam in trat/am veranlasste. Umgekehrt ist wohl dvi-tayam 
von dem regulären tritoryam beeinflusst, von dem weiter 4ayam 
als suffix abgehoben und in catmhrtayam, paiUul-tayam, dagch 
4ayam verwendet wurde. Das letztere beispiel ist insofern 
interessant, weil wir belege für progressive und regressive ana- 
logie dicht bei einander haben. 

2. Die regressive reihenanalogie ist nicht minder 
häufig. 



^) Ein weiteres, hier einschlägiges heispiel aus denselben sprachen ist 
das Zahlwort »fünf« im span. ci$ico und portug. cinco^ formen, die unter 
einfluss von qwxtro stehen. Portug. heisst die alte form cinqui, 

•) Denselben Vorgang beobachten wir in einer jüngeren sprachstufe 
des Indischen. Im Päli heisst zwei: dve, also 92 dve-navuti. Drei heisst 
tot/o, st. ti-; dafdr steht immer U-, also 23 ie-viaoH, wie ich glaube, in 
anlehnung an dtfe (E. Kuhn, beitr. z. Päligr. p. 91). 



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Formassociation bei den indogerm. niimeralien etc. 231 

Ich will zunächst einige vermuthungen über formationen 
aus den arischen sprachen mittheilen. Es ist sehr auffällig, 
dass die elfzahl im skr., ekd-dagan, die länge in ekä- aufweist, 
während doch die regelrechte kürze in ganz gleichen Zusammen- 
setzungen, als ekcMnmQati, ehctrQoicm, gefunden wird. Benfey 
spricht in seiner vollst, gramm. darüber die vermuthung aus, 
dass die femininform darin enthalten sei, die wir aber doch 
nicht neben dat^an erwarten, die vielmehr neben vimgcUi ein- 
treten müsste, wenn diese erklärung überhaupt das richtige 
träfe. Ich meine, ekordagan verdankt die länge, die sich von 
den ältesten Zeiten ab zeigt und bis in die spätesten entwickelungs- 
stufen hinein erhielt (päli ekädasa oder ekärasa, präkr. eoHrdha\ 
nur dem beim zählen unmittelbar folgenden dvärda^n, worin 
sie, als von der alten dual form dvä- herrührend, wie in ashtä- 
dagan, berechtigt ist. Es ist sehr interessant zu sehen, wie 
auch in einem andern Sprachgebiete dieselben zahlen, elf und 
zwölf, gegenseitige angleichung erfuhren: das mhd. machte 
incdf (= ztoeUfy got. tva-lif) und eilf (= eilef, einlef, got. 
aifUif) im vokalismus gleich, nachdem letzteres schon den nasal 
eingebüsst hatte, und Hess es dann zu elf werden (Osthoflf^), 
a. a. o. p. 93). Ein ganz analoges erklärungsverfahren, wie 
für ekädai;an, habe ich für die altbaktr. form haptäiü »siebzig«. 
Auf dieses folgt astdUi^) »achtzig«, welches die dualform aStä 
»acht« enthält. Dieses aStäiti zog haptäüi nach sich, während 
die r^elrechte form mit der kürze im multiplicativum haptair 
%HvaM bewahrt- ist. Die kürze steht gleichfalls regelrecht in 
dem ebenso gebildeten navaiti »neunzig«. Ein anderer grund 
lässt sich für die länge in haptäüi wohl nicht finden. Um- 
gekehrt haben, um dies hier gleich anzufügen, in der multi- 
plicativen reihe die regulären formen haptaUHvariS und navai^ir 
vanf das zwischen ihnen stehende a^taidivafi$, für das wir 
*(j^UQi&ivah$ sicherlich erwarten müssten, umgebildet, wie auch 
cManhum »das achtel« (citirt im Old Zand-Pahlavi Glossary) 



^) Derselbe gelehrte fügt auf p. 94 hinzu: »Nachdem nhd., sei es 
aus »Zwickauer« unari (Schleicher, d. deutsche spr.* 230), sei es, was 
wahrscheinlicher ist, durch die lautliche einwirkung des to auf das folgende 
e, altes ztoelf zu zwölf vorrückt, geht nun in einigen gegenden Nord- 
deatschlands auch schon elf mit und wird ölf gesprochen«. 

*) Ich wende Hübschmann's transscription des Zend an, wie er sie 
Ktschr. XXIV, 370 giebt. 



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232 Johannes Baunack, 

= *ast€hSvcMn nur als analogiebildung nach pantanha, pang- 
ianhüm (wie Spiegel schreibt) und haptcmhum »das siebenteU 
(= *hapta'SvcHfi) aufgefasst werden kann, da doch *asM'SVCHn 
grundform sein müsste. Aus jüngeren sprachperioden sei nur 
des mhd. sesefissem statt sehs-eehen, das unter einfluss von siben- 
'gehen steht, kurz erwähnung getban, für welches die belege 
bei Weinhold, mhd. gramm. p. 294 zu finden sind. Diese 
evidenten falle mögen genügen, um vorläufig das wesen der 
gleichsam vorwirkenden, regressiven reihenanalogie zu zeigen. 
Sie ist eine art »anticipatioc auf formellem gebiete. 

Nur als eine unterabtheilung, und nicht als eine besondere 
kategorie möchte ich die ßlle rechnen, in welchen die frage, ob 
regressive oder progressive analogie eingetreten ist, nicht ent- 
schieden werden kann, die falle, meine ich, in denen zwei in ihrer 
formation gleiche zahlen eine dritte zwischen jenen stehende 
beeinflusst haben. In ihrem buche »Studien zur romanischen 
wortschöpfungc p. 35 hat Carolina Michaelis auf die merk- 
würdige bildung octembre neben septembre und novembre, decembre 
im vulgärlateinischen aufmerksam gemacht. Man vergleiche 
dazu noch H. Schuchardt »der vokalismus des vulgärlateinsc, 
der inschriftlich octimbris (III, 12), in diplomen des frühesten 
mittelalters octimber (I, 38) nachweist und wal. oäomvrie, alt- 
franz. octembre und prov. octembre (III, 12) anführt. Vgl. Diez, 
etymolog. Wörterbuch der roman. spr. P, p. XXIV. Osthofif, 
morpholog. untersuch. I, p. 92. Als zweites beispiel für diese 
unterabtheilung mag eins aus dem Skr. und Zd. hier platz 
finden. Skr. ashta, das in ashtä^gan die länge regelrecht be- 
wahrt, geht in der Zusammensetzung mit den zehnem bezüglich 
seines vocalismus in die analogie von sapta- und navci-, zd. 
iiStä in die von hapta-, navch über. So ist neben ctskfd- 
"Catvärimgat das ashtcHxUvärimgat, neben ctshtd-shashtih das 
ashta-shushtih zu erkläi*en, weil es eben $apta-, nava^catvär 
rimgat u. s. w. hiess, so zd. aSta-mähyci- neben haptah, navor, 
ddsa-fnähya', so auch die sanskritischen composita ashiorpwtra 
und ashtoryoni, welche im AV. angetroffen werden. Das- 
selbe gilt natürlich auch von sapta-, ashia-, nava^Qotain. 
Vgl. Benfey, vollständige gramm. p. 322, anm. 8 und OsthoflF, 
a. a. o. p. 104. Aus dem litauischen gehört das im vocalismus 
wegen des benachbarten septintas und devintas geschwächte und 
nasalirte ctögtüntas gewiss hierher. Endlich sei noch von den 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. ^33 

ital. numeri moltiplicativi kurz der form sestuplice nach quintu- 
plice, settuplice, oUuplice, und des sestuplo ndich quintuplo, settuplo, 
ottuplo gebildet erwähnung gethan. 

3. Die zweite hauptkategorie möchte ich die corrc- 
lative analogie nennen, eine bezeichnung, zu welcher ich 
durch beispiele aus der nominalbildung gebracht worden bin, 
über die ich zunächst in kürze sprechen will. Die association 
einzelner Wörter an andere correlativer bedeulung, welche ja 
immer von den sprechenden paarweise gedacht und zusammen- 
gefählt werden, ist aus allen sprachen bezeugt. Ich erinnere 
nur an meridionaiis statt meridiälis nach septentrionalis bei 
Lactanz 2, 9 und Firmicus, math. 2, 12 — Schuchardt, a. a. o. 
I, 38 — , an senexter nach dexter — ebenda — und an das 
vulgärlat. grews für gravis nach levis (Schuchardt I, 197 und 
Diez, etymolog. wörterb. I sub v. greve). Mir ist in gleicher 
weise nicht zweifelhaft, dass das altlat. ninguli = nulli (bei 
Festus p. 177 M.) eine neubildung nach singtdi ist: man strebte 
danach, wie bei ntdlus-idlus, nunquam-unquam ein correlatives 
paar zu gewinnen. Denn Vahlen's erklärung (ztschr. f. d. österr. 
gymn. 1860 p. 15) aus *we-oim-ctrfi befriedigt nicht. *Ne'Oini' 
-cidi konnte nur ^nainigtdi oder *neniguli werden, wie ^ne-aino-m 
zu *noinum oder *nenum wurde. Eis muss allerdings unent- 
schieden gelassen werden, ob ninguli unmittelbar nach »ingtUi 
geschaffen oder aus den vorauszusetzenden *noiniguli oder 
*n^igidi nach singuli umgebildet wurde. 

Auch aus dem gebiete der declination und conjugation 
könnten wir einige parallele Vorgänge zur vergleichung heran- 
ziehen. So liesse sich die correlative association bei zahlen 
derselben reihe (6 : 600) mit der einwirkung- einer singulai- 
form auf die gleiche des dual und plural vergleichen (= päli 
mayam für vayam, tumhe für *yuinhe nach den singularcasus, 
und umgekehrt = zd. maibyas-ca und taibyas-ca (hinsichtlich des 
Casussuffixes) : taeibyas-ca = altnord. dat. sg. peim, gen. sg. fem. 
peirar, dat. peiri : pl. peim (= *peinir)^ peira, Leskien, decl. p. 130), 
im verbum mit der Übertragung des vocals des sing, in den 
plural (= sang : sangen st. sungen), mit der angleich ung der 
dualendung an die pluralische (== zd. ^ahi : -mdhi, welches für 
-masi steht und selbst erst das -i von der 3. pers. pl. ange- 
nommen haben muss, vgl. -fisq^ -mm, Brugman, morpholog. 
untersuch. I, p. 151 ff.), so liesse sich ferner die correlative 



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S34 Johannes Baunack, 

association bei zahlen verschiedener reihen (6 : 6te) mit 
der einwirkung der casus auf einander in demselben numerus 
(= x^7q^<: ' x^iQdiv st, %tQ<si — bisher noch nicht beachtet — G. I. 
II, add. 2811b, 10 und add, 2942c, 4 vgl. xeiQBaiS^ bei Hom., = 
naxiqa : naTigog st. navQog, Brugman, stud. IX, 315 bes. 
anm. 31) und der modi des verbum (= vehuntur : vehuntor, 
Brugman, morpholog. unters, p. 167 ff.) und der tempora 
(= iXvaav : nsnolijxav, lakon. und kretisch, stud. X, p. 101 
und später im tzakonischen: taQaxafrH, stud. III, 369) unter 
einander vergleichen. 

Ich gebe zunächst beispiele der ersten art correlativer 
association. Hierher rechne ich das späte sixotfiOi (Anth. Palat 
app. 262), welches ganz offenbar nach 6$ax6<ftoi gebildet wurde. 
Osthoff fuhrt a. a. o. p. 129 aus dem italienischen die formelle 
beeinflussung von dnque durch cinquanta an. Eine solche an* 
lehnung kann man weiter in den griechischen Zahladverbien 
für hundert und tausend, exaToyrdxtg und (ivQ&ovtaxtg, nicht 
läugnen. ixuTovxdxig ist offenbar selbst schon eine analogie- 
bildung nach den adverbien der zehner, z. b. ivsyfixovrdxig, und 
von jenen übertrug man die bildung auf das adverbium von 
luiVQtOiy welches als fjtvgtoyvdxtg von Hesychius s. v. (hVQ$ax$g 
bezeugt ist. Es ist interessant, hiermit eine vedische analogie- 
bildung zu vergleichen: ^xtor hat in der Zusammensetzung drei 
formen, nämlich a) den stamm qatar, z. b. gcUa-pad-, b) das 
neutrum gakim, wie in gatam-üti- (neben gaMi) und c) gcUat-, 
z. b. in ^tad-vasu-, adj. »hundert guter habend«. Letzteres 
gat(U- ist gewiss eine assocationsbildung nach dagtxt- und nach 
den Zehnern catvärimgat- und paücägat-. Nehmen wir nun 
endlich noch das italienische millanta, ein femininum (vgl. das 
neutrum millantamüle) hinzu, welches gleichfalls von den 
Zehnern (quaranta, cinquanta, sessanta, settanta, otUmta % ncvanta) 
beeintlusst wurde, so gewinnen wir für drei ganz verschiedene 
sprachen einen und denselben Vorgang, so dass wir also die 
gleichung fAVQtovräxtg und ixaravtaxtg : ivevffxovraxtg = gatat : 
catvärimQot = mülanta : novanta formuliren können^). Nach 

^) In den langobardischen gesetzen ist noch die form octonta (neben 
quaranta = quadraginta) = octoginta erhalten, »während jetzt im italie- 
nischen unter anpassung an die anderen höheren zahleinheitenc die form 
in ottanta umgebildet ist. Vgl. darüber Pott, ztschr. XII, 168. 

^) Auf preuss. tüsimtans, acc. pl. »tausend mit anlehnung an mtta- 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 235 

lat. nonaginta muss »neunzig^« in den romanischen sprachen 
nonanta heissen, eine form, die im provenzaÜschen bleibt und 
auch, wenn schon selten, im italienischen anzutreffen ist. Ge- 
wöhnlich heisst sie dagegen novanta, eine Umbildung nach nove, 
wie im span. und portug. noventa. 

Für die zweite art der correlativen association, die ein- 
wirkung der Zahlenreihen auf einander, sind die beispiele 
gleichfalls nicht so selten. Besonders ist zu beobachten, dass 
die cardinalia öfters zu Umbildungen anlass geben und mit ihren 
vollen formen sich in andere reihen eindrängen. Im Lateinischen 
standen sich ducenti und duceni gegenüber, was zur folge hatte, 
dass in späterer zeit ducenteni als distributivum gebildet wurde. 
Aehnliches kehrt in den romanischen sprachen wieder: vgl. 
ital. guadragesimo und quarantesimo (von quaranta^ span. quin- 
quagesimo und dnqüentesimo (von cinqüenta), portug. vigesimo 
und vintesimo (von vinte). Ein anderes beispiel giebt Osthoff 
(morpholog. unters. I, p. 130): »zwischen der cardinalzahl und 
der zu ihr gehörigen Ordinalzahl stattgefundene gegenseitige 
formale beeinflussung haben wir höchst wahrscheinlich bei den 
germanischen Zahlwörtern für 7, 9 und 10 anzunehmen: got. 
sibun, niun, taihun. — Es hätten die formen regelrecht got. 
*sibu, *niu, *taihu zu lauten. Der wiederanwuchs des -n an 
diese formen *sibu u. s. w. geschah aber sehr leicht nach der 
analogie der entsprechenden ordinalia got. *sibun-4a, ahd. 
sibun4o, got. niun-da, taihun-da, in welchen der nasal, weil 
inlautend, geblieben war«. 

4. Casuale associationsbildungen. Diese bezeichnung 
ist subjectiv; zuweilen mag doch irgendwelche, uns unbekannt 
bleibende ideenassociation die neubildung veranlasst haben. Es 
ist wohl nicht zu bezweifeln, dass das herakleische tsxqdnovta 
als eine associationsbildung an iYd(ixov%a (für oydoijxovTa) zu 
betrachten ist. Sollte hier das verhältniss der hälfte etwa als 
anlass angeführt werden können? Desgleichen ist ferner nicht 
unwahrscheinlich, dass dieselben Herakleer, wie sie von inrä 
den Spiritus asper auf sppia durch die Zwischenstufe von oxtoi 
übertrugen , wohl auch ißdsfi^nowa ^) dem svsv^xopra im 

hundert« (vgl. Fick, wörterb.' p. 373) macht Brugman mich aufmerksam. 
Anders J. Schmidt, Verwandtschaftsverhältnisse s. 8 anm. 

*) Dieselbe form liest man auch auf einer delphischen inschrift, 
C L I, 16«0. 



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^36 Johannes Baunack, 

vocalismus anglichen, obgleich Kier vielleicht auch Irrationalität 
des vocals vor der erweichung der dem fraglichen vocale voran- 
gehenden lautgruppe angenommen werden kann. Besonders ist 
das lateinische wort octo-gessis »acht assesc nach vig-essis, von 
dem späterhin gehandelt werden wird, ein recht schlagendes 
beispiel dafür, dass ferner stehende zahlen ohne für uns erslclit- 
lichen grund formell einander angeglichen werden. — 

Dieses ganze princip der analogle, welches ich hier in drei 
phasen an beispielen aus dem zahlwörterschatze der verschie- 
densten sprachen vorgeführt habe, ist bisher für die erklärung 
der numeralien in den indogermanischen sprachen nur wenig, 
für die der griechischen bis auf vereinzelte, mehr gelegentliche 
erwähnungen fast noch gar nicht angewendet worden. Ich 
glaube nun zeigen zu können, dass es gerade über seltsapae 
bildungen dieser spräche zu den besten aufschlüssen verhilft. 



I. Theil. 



Die adverbialnumeralien, die vervielfaohungszahlwörter , die 
proportionalia, zahlsubstantiva und numeraloompositionen. 

1) Die adverbialnumeralien auf -xk. 

Durch die unter einander verschiedenen bildungen dsxaxig, 
i^äxig und exatowdxtg wurden ältere grammatiker wie Matthiae 
(I, p. 269) veranlasst, drei formen des suffixes: -x*?, -axtg und 
-Taxic anzusetzen, ohne dass man über deren Zusammenhang 
rechenschaft geben konnte oder zu geben versuchte. Andere 
gelehrte, wie Krüger (p. 478), gingen von einer form, aber 
falschlich von -axig, Buttmann (ausführl. gramm. p. 281) und 
Pape (etymolog. wörterb. p, 425) zwar richtig von der form 
-xtg aus, sahen aber, wenn das zahlwort consonantisch schliesst, 
in dem dem suffixe vorangehenden vokale a bald einen binde- 
vokal, bald einen zum numerale gehörigen vokal, über dessen 
bedeutung und entstehung man sich nicht aussprach. In 
neuerer zeit sind diese bildungen noch nicht wieder untersucht 
worden. 

Wir gehen von -xtg, aus, über dessen etymologischen werth 
wir nach der aufzählung und erklärung des einschlägigen 
materials handeln werden, und suchen zunächst die durch die 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien elc. ^37 

Verbindung desselben mit dem cardinale regelrecht entstehenden 
adverbia auf. Diese sind folgende: 

1) €md'X$gj z. b. Pind. ol. 13, 40; Aristoph. lys. 698; snTa- 
x$gxlXta, Hdt. 2, 43 und emaxigfivQto^, Hdt. 4, 86. ^) eivd-xig, 
Odyss. 14, 230, Hdt. 3, 95, daneben iwsci-xig iwa-x^g, ivä-xtg. 
Vgl. dazu ivax^xiX$o$, Plat. Tim. 23 E. 3) dexä-xig, IL 
9, 379 mit seinen Zusammensetzungen, von denen nur 
ivdsxaxig Arist. H. A. 6, 4, 2, dcodsxäxig Aristoph. Fl. 853, 
Aristot. b. Athen. 9 p. 394 C belegt sind. 4) Die zehner 
TQ$axovrd'X$g u. s. w. mit ihren Verbindungen mit den einem 
bis iwBaxmsvsvfjxovtdxtg. Belegt sind tQiaxovxdxig^ Flut. Gamill. 
25, B^f^xoprdx^ Find. ol. 13, 99 und eßdofjtfjxovrdxtg im N. T. 
und Phot. bibl. p. 537, 2 und 8. 

Infolge des umstandes nun, dass in diesen regelrecht ge- 
bildeten — wären alle gebildet und bezeugt — 61 formen ein 
dem Zahlwort angehöriges a dem siiffixe vorausging, bildete 
sich im Sprachgefühle die suffixale form -ax$g aus, 
die nun in andere bildungen übertragen wurde. Es 
mögen zunächst sntd-xig, und ivd-x$g das zwisthen ihnen 
stehende adverbium der achtzahl, oxvdx$g^), welches doch 
*oxTwx$g heissen müsste, beeinflusst haben. Eine regressive 
analogiebiidung war ferner bei dem adverbium der sechszahl, 
s^dxig (bei Find, und Fl. bezeugt), fast nothwendig, da hier die 
Verbindung des consonantisch anlautenden suffixes mit dem 
auf doppelconsonanz schliessenden cardinale auf besondere 
Schwierigkeiten stiess. Es steht gleichfalls sicher fest, dass das 
a vor dem suffixe in nsvrdxig (belegt z. b. Aesch. Fers. 323, 
Find. Nem. 6, 21; nsvrdxt Anth. Fal. 13, 15, nsvxax^fSxiX^o^ 
Fiat., nsvtaxidfAVQioi, Hdt. 7, 103) und eixoadxig (II. 9, 379; 
Fiat leg. 6, 771 B) auf lautlichem wege nicht erklärt werden 
kann, und ein triftiger grund, die nothwendig zu erwartenden 
formen ^myvi-xig, *«/xo(r»-af#c zu vermeiden, ist nicht einzusehen. 
Wir werden nicht irren, wenn wir den einzigen grund von 
dieser erwarteten bildungsweise abzuweichen, in dem streben 
erblicken, die glieder dieser eng geschlossenen zahlenkette der 
multiplicativa in ihrem Charakteristikum zu uniformiren. Aus 
diesem gründe wird es sich gleichfalls empfehlen, das adverbium 

*) Simonid. in anthol. plan. %% 1; ^TtrmucxUioh Hdt. 5, 30, Xenoph. 
anab. 5. 5, 4, Plat. Tim. p. SS3e; Smax^fAvf^wh Diodor 14,47. 



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S38 Johannes Baunack, 

der vierzahl als T«T^-ax«g (Odyss. 5, 306; T€tQax$<fx^Xioi Arisiopb. 
Lys. 1143, %6XQaxta[ivQioi Xenoph. Cyrop. % 1, 5) aufzufassen, 
wenn man auch die Zerlegung in TSTQd-xtg zu vertheidigen ver- 
suchen könnte. Die sprechenden fühlten auch hier sicherlich 
-axig als suffix. Dieses zeigt sich endlich gleichfalls in den 
adverbien der hunderte, d^axoai-dxtq u. s. w., in xtki-^axig 
(Gloss. Steph.) und fivQi-dx$g (Aristoph. Nub. 738; Ran. 63). 
Ganz Singular ist vom ordinale tßdofidx^g bei Gallinnachus 
(Schneidewin, del. 251) gebildet. Die form nffinrdxig bezwei- 
felt Dindorf im thesaurus. 

Dieses unificirende streben des sprachgeistes, für die ganze 
reihe der multiplicativa ein und dasselbe sufßx, ein charakte- 
ristisches, ein reihensuffix auszubilden und anzuwenden, 
erhält bestätigung durch vereinzelte bildungen aus den dialekten. 
Als die mulliplicativbildung auf die beschriebene weise -axic 
zum reihensuffix erhoben hatte, gingen einige dialekte darauf 
aus, auch die alten indogermanischen bildungen Sig und rgig 
durch neubildungen zu ersetzen. Aus Aristophanes werken führt 
ein scholiast des Dionysius Thrax bei Bekker, anecd. p. 942, 22 
dv-dxig und iQ^dxig an. Ein weiterer beleg für dv^xig findet 
sich bei Theognost p. 160, 5 und ein zeugniss für %Qi^dxig bei 
demselben 1. c. und im lexikon des Hesychius, welcher berichtet, 
dass die Lakonier TQt^dxtg für vglg verwendeten. Ja die Kreter 
hatten, wie uns von demselben gewährsmanne bezeugt wird, 
sogar an stelle von äna§ ein dfi-dx^g im gebrauche, so dass 
also in diesem dialekte vielleicht -axig überhaupt zum einzigen 
multiplicativsuffix gemacht worden w^r. Die kretische form ist 
übrigens in der angegebenen weise, nicht äfiaxic, wie überliefert 
ist, zu betonen, ebenso das tarentinische äfirdv^g statt dfjuxvig 
bei demselben lexikographen (Ahr. IL 85). 

Das nur in später zeit bezeugte ixarovxdxig (Gl. Hero spirit. 
p. 142, 3) kann unmöglich anders denn als analogiebildung ge- 
fasst werden. Ihm gehen in der reihe der adverbialnumeralien 
sieben formen, die adverbia der zehner auf -ovva-x#$ voran, nach 
denen man eine gleiche formation von ixatov statt *€xat^dxic un- 
regelmässig, wie es uns scheint, zu schaffen wagte. Als schla- 
gende parallele stelle ich dazu eine von unseren grammalikem, 
soviel ich gesehen habe, nie citirte, allerdings späte bildung aus 
Hesychlus. Derselbe oder vielmehr sein gewährsmann, den er 
ausschrieb, hielt es in seiner zeit für nöthig fAVQi-dxig noch be- 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 239 

sonders zu erklären und that dies durch (AVQiovtdxig, eine form, 
die, wie ich In der einleitung schon kurz erwähnte, ganz offenbar 
gleichfalls an die zehnerbildungen sich anlehnte. Wir werden 
ausserdem noch eine zweite stütze für die erklärung von 
€xctTovTdx$g späterhin finden. 

Mit diesen zahlwörterbildungen im zusammenhange fallt 
weiter, wie ich meine, licht auf die nominalen adverbia un- 
t)estimmter Zahlenverhältnisse, die im engsten anschluss an die 
multiplicativa selbst entstanden, wie nolXäxig^ oliyd^^g u. s. w. 
Diese formen werden wir nur als analogiebildungen nach den 
Zahladverbien auffassen können. Die anzahl derartiger, allerdings 
seltener gebrauchter formen ist grösser als man gewöhnlich 
anzunehmen pflegt. Da man sie noch nirgends in übersicht- 
licher, ihre geschichte berücksichtigender darstellung zusammen- 
gestellt findet, ist jedenfalls eine Sammlung derselben an sich 
schon dankenswerth, andrerseits wird sie uns, denke ich, in der 
oben gegebenen erklärung zugleich bestärken. 

In den gedichten des Homer finden wir diese multi- 
plicativbildung nur wenig verwendet: von den eigentlichen 
Zahladverbien begegnet nur Tcr^cex»^ (« 306), dsxax^g (I 379) 
und cixoadxK: (I 379), von unbestimmten Zahladverbien 6a(c)- 
-ax#$ in der form 6($(<s)''axi (ä> 265 und X 194, später auch bei 
Plalo, Theaet. p. 143 A) mit seinem correlativ toöü-dx^ (<i>268 
und X 197) und noUr-ax&c (nach Seber's index hom. viermal 
g^enüber fünfzehnmaligem noXX-dxi). Der auf fall ige mangel 
des sigma findet sich gleichfalls in späterer literatur, wie von 
Theognis 859, so scheint es, zuerst navg-dxt (auch bei Hesych), 
«$««#, Call. fr. 64 B., von Pindar (Pyth. 4, 28; Theogn. und 
Hesych.) tovr-dxi (neben xovx-dxiq Pyth. 4, 256; 9, 14) ge- 
braucht wurde (vgl. c^^xovTofx» Ol. 13, 99). Es ist interessant, 
dass diese eigenthümlichkeit durch epigraphische Zeugnisse be- 
stätigt wird, so durch nBvxdx$ (G. 1. 1, 666, II, 2774 und 2834, 19), 
iidx$ (II, 2834 wohl zu lesen), kmaxt (C. I. III, 6233, 15 und 
add. 4957 h, 1), &xt&xk (C. I. II, 3797 d, 7) und xsxqdx^ 
auf der argivischen Inschrift 108 bei Foucart ^) (vgl. G. 1. 1, 17), 
ferner C. L II, add. 2837 b, 2 u. 2850 b, 3, während sonst in- 
schriftlich das sigma meist zu treffen ist, z. b. herakleisch oacrdxtg 

') »Le Bas et Waddington, voyage aichöologique en Gröce et en Asie 
Mineure. Explication des inscriptions grecques et latines.« Deuxiöme partie: 
M^aride et P^loponntee. 



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240 Jobannes ßaunack, 

(lab. heracl. I, 132), lakonisch nswaxig bei Foucart, a. a. o. 237, 
i^dxig (G. I. IV, 9540, 35), emaxig (IV, 9540, 36), %sTQäxig 
(C. I. II, 2059, 26), t€TQaxigf*VQ$ot (III, 5641, 31), rstQaxiaxiXiO$ 
bei Foucart, 242 a; kxaaxdx^g (G. I. II, 1839, 11; 1845, 8, 22, 65, 
82, 98), nXsovdx^q bei Foucart 242 a und G. L 1845, 45; 2271; 
2356, 3; 2139, b. add. 28 u. s. vv. Da das sigma also auch in- 
schriftlich fehlt, wird zugleich damit die ansieht Pape's (ety- 
molog. wörterb. p. 415) widerlegt, dass die sigmaiosen adverbien 
»poetische nebenformen« wären. Inschriftlich ist endlich noch 
eine dritte form des suffixes, die auf -xiv, bezeugt, altlak. 
G. I. I, 1511, II, 11 \Ts\%Qdxiv und auf der Siegessäule des 
Damonon: dxxaxiv^ zeile 19, 25, knrdxtv^ zeile 16 und reir^ax«!', 
zeile 9, 10, 11, 34; von ihnen wird später gehandelt werden. 
Letztere inschrift ist in den • »mittheilungen des deutschen 
archäolog. Instituts in Athene II, p. 318 publlcirt und neuer- 
dings von Fick, beitr. von Bezzenberger III, 121 besprochen 
worden. 

Ausser dem erwähnten %ovT'dx^ (Pyth. 4, 28) ist aus 
Pin dar noch ^af^d-xig (Nem. 10, 38; Isthm. 1, 28^)) zu er- 
wähnen. Für ohy-axtg finde ich keinen früheren beleg als bei 
Euripides (Or. 387. 919). 

Es finden sich diese multiplicativbildungen überhaupt, wie 
natürlich, mehr in prosaischen Schriften, besonders bei den 
Philosophen und mathematikern. Bei Plato begegnen wohl 
zuerst dgtt'dxig (Parm. p. 143 E) mit seinem opp. nsgttt'dxtg 
(auch Plut. mor. p. 429), iXaTTov-dx^g (Theaet. p. 148 A; Arist. 
probl. 5, 22) mit seinem opp. nksov-dxig (ibid.; Phaed. p. 112 D). 
Besonders eigenthümlich ist ivysaxau^xotStxaunxaxotSionXats^ 
"dxig (Plat. Pol. p. 587 E). Derselbe philosoph gebraucht auch 
i(f-dx$g (Theaet. p. 147 E; Pol. p. 546 G), onoa-dx^g (Theaet 
p, 197 D; onoaaxtaovr Thuc), noa-dxt, nlsKXT-dx^g (Phileb. 
p. 40 D; Xenoph. memor. 4, 4, 16; Arist. eth. nie. 7, 14) und 
rotfavT'dxig (Pol. p. 546 G; auch Xenoph. cyr. 8, 8, 12; Hesych 
sub V. tovrdxtg)^ worin das av bemerkenswerth ist. 

In den werken von Aristoteles finden sich an neuen 
blldungen folgende hinzu: dnetQ-axtg (de Xenoph. 2 p. 975, 26; 
Plut. mor. p. 426), dfjL<fOT€Q'dxig (Probl. II, 31), noa-dxH 
(Metaph. 4, 14) und nvxvdxig (Probl. sect. 3, 9. 21). 



>) Auch bei Hesych u. Phot. p. 79, 15. 

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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 241 

Es scheint ferner ixaTSQ-äx$g (Cyr. 4, 6, 2; auch im Hesych) 
zuerst von Xenophon, ^afkiv-axig von Hippocrates (p. 671) 
angewendet worden zu sein. Aus späterer zeit kommt durch 
Arat (968; auch Anth. Pal. 7, 429) diatf-dxig, durch Lucian 
(fugit. 24) ifvxP'dxig, durch Jamblichus ^(ii(f'dx&g, fut^ov- 
'äx$g^ ovdsvdx^g hinzu. 

Endlich giebt es noch einzelne formen, die fast nur durch 
grammatiker bezeugt sind, wie (Aavdxtg durch Hesych (mit 
dnapi&igy okiydx^g erklärt) und Zonar. p. 1334, diy^a-x^^ (Nicand.), 
eine form, die Suidas nksKStdx^g und Hesych nvxvcSg, noXkdx^g 
deutet. Anzuführen sind hier auch die in ihrer etymologie 
freilich unklaren glossen: dÖQdxig' Shydxig, dQßdx$g*^) ohydxig 
und iÖQu-xig • oltydxtg, wofür Meineke im Philol. XII. 604 ägaiaxig 
conjicirte. Von ädqdxig und äqßdxig sagt Dindorf im Thes. 
»utrumque ex navQaxtg detortum putabat Kusterus«. (?) Ebenso 
vereinzelt sind noch (Snavi-dx^g (Phot. bibl. p. 272, 7 und 
Bekk. An. 611, 7) und tQtütf-dxig (A. P. 5, 195, 5). Zuletzt 
hebe ich noch hervor, dass auch aus dieser spätesten 
zeit formen ohne sigma überliefert sind, wie oxrax* und 
ovÖBvdxi bei Jamblichus, wie ohydxir im etym. raagn. p. 172, 6, 
wie dirrdxt bei Quint. Smyrn. 2, 56. 

Wenn wir nun nochmals diese nominalen bildungen über- 
blicken, so sehen wir deutlich, 1) dass bei adverbialen bildungen 
auf -« nur -x#$ (vgl. ^afid-xtg, di^x^d-xig), bei o-stämmen durch- 
gangig -axic als suffix benutzt wird, so dass also -d-af^d-xtg wie 
dexd'Xtg und n^ttat-dx^g wie d^axoat-dxig zu beurtheilen sind; 

2) ist nach diesem überblicke zu betonen, dass die bildungen 
fast ausschliesslich allgemein quantitative adverbien 
sind, deren innerer zusammenhangmit den bestimmt 
quantitativen multipllcativis die einheitliche bil- 
dungsweise nach meiner meinung zur folge hatte. 
Das suffix -xig wurde durch falsche analogie zu -ax^g erweitert 
und in dieser gestalt in numeralien und nominibus*) verwendet. 

3) wiederhole ich, dass von den ältesten Zeiten ab in der 



*) Vgl. die glosse €<Qß6y ditarog' uqmov' ikaq^Qov und dazu Lobeck, 
palh. el. p. 21. 

*) In ahnlicher weise schliessen sich die litauischen nominalbildungen 
tuleriöpai von ttiXs »mancher« und daugeriopas von daug »viel« an zahl- 
derivata an, die oben p. 229 besprochen worden sind, z. b. ketveriöpas. 
Von vksas »all« wird aber regelrecht visökias gebildet. 

ZdUebrift fUr vergl. Spraohf. N. F. V. 3. 16 



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S42 Johannes Baunack, 

Hteralur wie auf epigraphischen denkmälern -x# 
neben 'X$g vorkam und dass die Lakonier sogar 
adverbia au-f -x#i/ gebrauchten. 

Es bleibt nun noch übrig, über das verhältniss dieser drei 
formen zu einander und über die etymologie des suffixes zu 
handeln. Es ist oftmals, da keine formell identische bildung in 
anderen sprachen anzuführen war und überhaupt anzuführen ist, 
das skr. -gas, z. b. in eka-gas »einzelne, dvi-gas >zu zweien«, trirgas 
»zu dreien«, ferner in bildungen, wie hahu-gas »oft«, sarvcL-^ 
»sammtlich« mit dem griechischen -xi^ verglichen worden. 
Allein dieser Zusammenstellung stehen nicht unerhebliche 
Schwierigkeiten entgegen, nicht bloss in formeller hinsieht, 
sondern auch in beziehung auf bedeutung. Besonders ist erstens 
zu betonen, dass die eben angeführten indischen formationen 
auf -gas keine multiplikative bedeutung haben. Nur einmal, 
soviel ich gefunden habe, hat unter zehn bildungen, die der 
Rigveda aufweist, die spräche -gas im multiplikativen sinne ver- 
wendet, in sdhasrarQOSy gleichbedeutend mit xijluxx»^, welches 
überhaupt die einzige rigvedische bildung von einem numerale 
ist. Dagegen kennen die übrigen neun und die sonst im klas- 
sischen skr. üblichen derartigen Zahladverbien diesen gebrauch 
— ausser etwa hdkugas i^noXldxtgt — wie gesagt nicht, sondern 
zeigen mehr eine distributiv-adverbiale Verwendung, als iri-gas 
»zu dreien« und vedisch f^pct-gcts »je nach ihrer art«. Wahr- 
scheinlich kann eher das freilich singulare, aber schon im Homer, 
Od. 13, 14, gebrauchte dvd^axdg »mann für mann« in hin- 
sieht auf das suffix mit den skr. bildungen auf -gas verglichen 
werden , eine bildung , die allerdings in bezug auf bedeutung 
mit vedischen formationen, wie parvc^as »stück für stück, 
stückweise« u. a. viel ähnlichkeit verräth. Kurz die bedeutungs- 
Verhältnisse würden uns, sollte die formelle identität beider 
Suffixe mit zwingenden gründen zu erweisen sein, zum minde- 
sten zu der annähme nöthigen, dass *'kas in der indogermanischen 
grundsprache eine allgemeinere adverbialbedeutung besass, 
welche dann in den beiden sprachen verschieden specialisirt 
wurde, im griechischen multiplikative, im skr. mehr distributive 
annahm. 

Aber die ganze Zusammenstellung von -xig und -gctö muss 
aufgegeben werden, weil sie, meine ich, formell unmöglicb 
ist. Wir sahen, dass das suffix drei formen hat und 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 243 

müssen, da lautgesetzlich -ar« unbedingt nicht aus 
-n$g entstehen konnte, sicher von -x« als ältester forpi 
auf griechischem boden ausgehen, -x#( und -xiv 
dagegen als Weiterbildungen ansehen. 

Der nasale nachklang ist zwar, da er eben nur in drei 
lakonischen beispielen TBtqaMv, emdxtv und Siftaxiv bezeugt ist, 
auffällig, aber doch leicht erklärbar und zeigt uns aufs neue, 
dass man nicht überall darauf ausgehen darf, für das sogenannte 
V ig>eXxvüttx6v historische begründung zu suchen. Aehnlich hat 
ja €lxo6i bei Homer zuweilen den nasalen nachklang in ieixotfiv. 
Er ist in jenen zahladverbialbildungen ebenso singulär, wie 
z, b. im acc. sg. der 1. pers. des pron. pers. in ifjLiv, welches 
für igU, fki C. I. II, 3440, 6 gelesen wird, in yiv für yiy welches 
einmal auf einer epirotischen inschrifl (Carapanos, Dodone et 
ses ruines, PI. 25, 1): üolvliva %a ysv dvTi^^$ %oX Jili] %al 
TUt^f^ara — jamb. tetram. — bezeugt ist. Schwieriger steht 
es mit der Weiterbildung von -x* zu -x^. Den grund dazu 
dürfen wir wohl in <Jk und xqii;, jenen alten indogermanischen 
numeraladverbien, suchen. Die sprechenden hatten nämlich 
6ig und xQig, bei denen — das ist besonders zu beachten — 
das ^ fest war und immer fest blieb, und %^tqaxiy nevrüxt an- 
fangs neben einander und machten allmählich diese formen, da 
ihre bedeutung völlig identisch war und da sie zu einer be- 
stimmten, festen reihe gehörten, in dem schon ähnlichen aus- 
laute völlig gleich. Diese analogiebildung nahm nach meiner 
meinung in der multiplikativreihe ihren anfang und breitete sich 
dann natürlich auf die nominalen bildungen von ähnlicher be- 
deutung aus. Dass auch von letzteren formen auf -x* oftmals 
vorkommen, ist oben gezeigt worden; ich erinnere nur nochmals 
daran, dass bei Homer 19 formen auf -x», 7 auf -x*« sich 
finden. Es darf nicht aufifallig erscheinen, dass diese analogie- 
bildung von nur zwei formen ihren ausgang nahm. »Man 
müsse, sagt Brugman, morpholog. untersuch. I, 82 ganz richtig, 
»sich immer gegenwärtig halten, dass die bildung einer kate- 
gorie auf dem wege der analogie sich allmählich vollzieht. 
Wenn z. b. nach drei formen eine vierte gebildet ist, so be- 
wirken nun die vier zusammen eine fünfte, die fünf zusammen 
eine sechste u. s. w. So können unter umständen von einer 
einzigen form hunderte von neuen formen ausgeheh.c Wir 
werden im folgenden vielen derartigen Vorgängen hegegnexi. 

16* 



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244 Johannes Baunack, 

Hier will ich nur an einigen interessanten beispielen zeigen, 
wie zuweilen von einer einzigen zahlform ein reihensuffix aus- 
ging. Im litauischen heisst das reihensuffix der distributiva 
-eri, -erios. Es stammt nach meiner ansieht nur von Jcetveri, 
f. ketverios und ist regressiv auf venen und progressiv auf 
penk-eri, sssesz-eri u. s. w. übertragen worden. Im spanischen 
bildete man dem regulären octavo »der achte« zu liebe ein 
on/s^vo »der elfte« und doz-avo »der zwölfte« und mit substan- 
tivischer bedeutung quatorz-avo »ein vierzehntel«, veint-avo »ein 
zwanzigstel« und ceninwo »ein hundertsiek. Die musikalischen 
ausdrucke quintiu>r »quintett«, sextaor, septuar basiren offenbar 
nur auf q^uUuor »quartett«. Ferner geht im allemannischen 
dialekte vom adverbium der einzahl einist (ahd. einest) das 
suffix -nist aus und findet sich in zwei-nist, dri-nist, vier-nist, 
füf-nist, sechs-^iist, silMtist, acht^ist, nil-nist, zeh-nist, eilf-nist, 
Zioölf-nist ^). Kui-z die Weiterbildung von -x* zu -x*t nach dig und 
TQig kann recht wohl durch parallelen gestützt werden. Wie 
freilich dieses -x* dazu kam, zum multiplikativsuffix verwendet 
zu werden, sehen wir nicht mehr. Es kommt ja überhaupt nur 
in ov'xi noch vor, welches also eigentlich »nicht einmal«, t»«- 
-quidem heissen würde und mit dem späteren oben angeführten 
ovdsv'dxt bei Jamblichus in parallele gestellt werden mfisste. 

Die frage endlich, von welchem pronominalstamme das 
suffix seinen Ursprung hat, beantwortet sich von selbst. 

2) die adverbialischen vervielfachungszablwörter auf -/«. 

Diese bildungen sind ziemlich weit verbreitet ; -x« war die 
ursprüngliche form, die mannigfache Umbildungen erfuhr. Man 



Vgl. ganz ähnlich niederdeutsch nach ins : ttoins und drins, den 
ausdruck trio nach duo, ferner nach miüion : biüian, trülion^ qua- 
driUion, cerUiUion. In den oben und hier angeführten fällen war theils die 
2 und 3, theils die 1, theils die 4 ausgangspunkt für eine reiche analogie- 
bildung. Osthoff macht auf etwas ähnliches bei der dreizalil im gotischen 
aufmerksam. »Die im gotischen belegten dativformen taihun-imy fidvdf^m^ 
sowie aifdib-im^ tvaUb-im sind ohne allen zweifei sämmtlich analogie- 
bildungen, von pri-m ausgehend.« (Morphol. unters. 1. 131). Einen andern 
fall dieser art hat Leskien archiv für slav. philol. I, 56 und decl. p. 101 
besprochen: er betrifft die russischen dat. pl. der Zahlwörter 2,3,4 dvumjcLj 
tremja, cetyrmja, in denen -^a, von instr. *trem% (ab. Mmi) nach anfügang 
des a vom alten dual dvima ausgehend, sich secundär entwickelt hat. 



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Formaäsociation bei den indogerm. numeralien etc. ^45 

bildete mit derselben oder wenig veränderter bedeutung ad- 
verbia auf -xa-d«, -x^«^ -OT ('XV> dorisch -x^) 

'Xov, -x^g, -x^^^^, -xd^*, 'Xo<fe% 
so dass gleich reihenweise solche adverbia angetroffen werden. 
Regelmässig sind folgende: 

dZ-X« Hom. (äv'dix<^, didvd^xa), d*-xad6 Plat. d*-x^« Honi. 
dt-xov Hdt. 4, 120, öt^x^^ Aesch., dh'x6^ev Aesch. 
T^i-X« *) Hom. (did~r(it-x^)f ''^Q^xfi Plat. Hesych., dor. 

tQi'X^y i^Q^X^^ Hom. (davon ig^x^d-ÖMg), 
TQi'XOv Hdt. 7, 36, TQ^-x^^ Arist. Hesych., tqi-x^'^^^ 
Schol. Eur. 
Es wäre nun möglich gewesen, von allen übrigen zahlen 
gleiche reihen zu bilden. Allein nur wenige sind überliefert. 
Von zahlen mit schliessendem « werden bezeugt: 

inta-x^x Od. 14, 434, sma-x^ Dio C. 55, 26, enta-x^Q 
Galen. 19, p. 280, 9, dsxa-xi Dio C. 55, 24. 
Es ist wohl nur zufall, dass von derartigen formen, von 
denen, wie wir gleich sehen werden, eine reiche analogiebildung 
ausging, eben nur diese erhalten sind. Auch hier zogen nämlich die 
sprechenden, wie bei dem suffixe -xig, das a der Zahlenausgänge 
zum sufßxe und verwandten dann -«x«, -«X^^ -«X<»$ u. s. w. 
in der zahladverbial- wie nominalbildung. 

Ich gebe nun zunächst die bildungen der Zahlwörter: 

1) rStQ-axa Plat. Gorg. p. 464 G.; C. I. II, 3538, 24. — 
xstQ-axfi Xenoph. Hell. 5, 2, 7. — tSTQ-ax^d Hom. — leiQ- 
-ax(Sq Arist. — retg-axot^sv Eustath. In diesem beispiele 
könnte man auch das a vor dem suffixe zum stamme 
rechnen, aber es wird als zum suffix gehörig gefühlt. 

2) nivt-axa II. 12, 87. — nsyt-ax^ Arist. H. A. 4, 2; 
Flut. mor. p. 429 E. — nsvT-axov Hdt. 3, 117. — 
nsvt-axcSc S. Empir. p. 242, 36. 

3) l^ax« Jo- Alex. — €^ax.^ PI. Tim. p. 36 D. — s^-axfSg 
Arist. top. 2, 7. Dio C. 75, 4. 



*) Vgl. damit die reihen, wie TtjXo^iv, rijlovt ttiXoas, rn^oX, rtjUd-i^ 
oder avTo^iy, avro&t, auroat, avrov, adriSg und ov^a/noO^fy , ovda/nod'tf 
üv^ttfiov, ovdafioae, oMafAoi, ov^a/ndtSf ovda/nfi. Ganz ähnlich wird im zd. 
-*a (in a-^ä) zu -d^anä (a-^anä) und -d-äf (in ava-^äf) umgebildet. Vgl. 
ya-da, ya-ddfy ya-ddif. 

•) Ueber r^#/« in der composition verweise ich aufFick, Bezzenbergers 
beitr. III, 168, wo das Odyss. 19, 177 gebrauchte T^»/o*x«ff erklärt wird. 



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246 Johannes Baunack, 

4) ixv-axcS^ etym. magn. p. 461, 15. 

5) fAVQ^'axo'S Eustath. 

Letztere bildung bildet mit d^ats-axfi (Arist. de an. 1, 3) und 
di%t'a%ov, mit iq^aa-ax^ (Arist.) den Übergang zu den gleich- 
artigen nominalbildungen, die ich in alphabetischer Ordnung 
hier zusammenstelle: 

1) otiX-ax^ XeA. Plut. — dUra%ov Soph. Xen. Plut. — 
oilk'eL%6&sv Luc. — äiX-axo&t Xenoph. — äil'a%6as 
Xenoph. (neben äU.o<fs). Ueber das adverbialsuffix -as 
vgl. Clemm, stud. VÜI p. 15. — 

2) exaax^a%ov att. prosa. — kxuiSt-axot Plut. — liracrT- 
-0B%oo^ att. prosa. — inacx-tLxo^^ Plüt — stt^tft-axox^ev 
att. prosa. — lxa<nr-«x|7 Suid. und Zonar. p. 680. — 

3) iv^äx^ Hdt. Plut. — ivi-axov Plat. Arist. Plut. Hesych. — 
iv^axoS-^. — 

4) fibov-^ax^ Plat. Xenoph. — fAOv-axov PI. Arist. — fjbov 
-axod-sv Suid. v. nagayrnyi}, — 

5) oi^'^t^ Plat. Charm. p. 160 G. Arist. Rh. 3, 5. — ihy 
'ax6d^v Hdt. 3, 96. — dXhY-a%Äg Lexic. — 

6) ^noö-ax^ Xen. cyn. 6, 20. — 

7) 6a-ax§ Plat. Tim. p. 43 E. — wf-axov Dem. 23, 184. — , 
oc-axot Aristid. — oc-ax^^ Arist. Metaph. I, 98^ 25. 

8) nayt-ax^ Hdt. — navx-axov Soph. Eurip. Plat, vgl. 
amxvT'äxini Eurip. — n6ivt-a%diQ Plat. Isocr. — nav%~axoX 
Ariatopjj. D6m. — nfx^-axwte Plat. Luc. vgl. ndvzoae, — 
naw-a/xo9i, Luc. d. deor. 9, 1 vgl. anavt-a^od-^ und 
ndve-'OÖ^ Arat. — nccpx'axo&sv Ar. Plat. vgl. dnapt- 
-axod-ev und ndvrod-ev Hom, — 

9) nX$tat'ax6&€v Ar. fr. 668 bei Pollux 4, 163.— 

10) nXsov-ax^ Plat. pöl. p. 477 A. — nXeop-axo^sv Arist. 
coel. 1, 4. — nXiov-axtS^ Arist. — 

11) noXk'ax§ Hdt. Plat. — i€oiX'axov Hdt. Eör. Plat. — 
noll-axdSg Isoer. — noXl-axi'S'Sv Plat. Dem. — noil-axfics 
Thuc. Xenophi, — noXX-Htxo^i Xenoph. — 

12) ftoa-axfig Arist. — noa-ocxw Bjt. — 

13) toffävt-aXfSg Arist. de part. anim. 2, 2, Metaph. 4,98. 26. 

14) Toa-ax(Si. — 

Soviel ich weiss, hat nur Joh. Schmidt in frühet^r zeit 
ztschr. XVI, 430 ff. einen versuch gemacht, das a in den aöf- 



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Formassociation hei den indogerm. numeralien etc. 247 

gezählten formen zu erklären. Er vergleicht nämlich noaa-xvi 
wie er das wort zerlegt, mit skr. kati-dhä und fuhrt beide auf 
grundsprachliches *kcUyarghä zurück. Erstens glaube ich nicht, 
dass das alte stammhafte a hier erhalten wäre. Wie sollte 
denn, wenn man die erklärung für die adverbien von ursprüng- 
lichen a-stämmen zugeben wollte, das a in nlaova%^ u. a. er- 
klärt werden? Eher möchte ich mich einigen etymologischen 
bemerkungai desselben über unser adverbialsufßx anschliessen. 
Es ist ja klar, dass -x« auf -^ha zurückgehen muss. Man wird 
Schmidt zugeben, dass dieses suffix »wohl mit dem gleich- 
lautenden pronominalstamme gha, ha [griech. Yf\j got. -k 
idenkidch« ist. Auch im ahd. will Schmidt dies -^ha in ewig, 
das er gleich *dvi-^ha setzt und »das den stamm verdoppelnde« 
erklärt, wiederfinden. Femer glaubt Schmidt aus dem litauischen 
in den eingangs erwähnten ableitungen auf -^s, ^^, welche 
die altersjahre angeben, denselben stamm zu erkennen. Er 
lässt sich im griechischen noch in einigen anderen bildungen 
verfolgen, so in dt-ipd-ffiog, tgt^fpci-atog mit aspiratenwechsel 
(vgl. i$nld'aiog), in ÖKfaog, TQitfiSog für *di%jo, *rQiXJ^f deren 
guttural im jonischen in di^og, tgt^og {danach TSTQoSog^ nsv- 
%aS6g Aristot., auch ^ovoU^la) spuren hinterliess, weshalb ich 
diese auffassuag von inf^og der als aus ^d^svors (Benfey »das 
indogermanische thema des Zahlwortes zwei ist du^ p. 11) und 
als aus *dvi-tiars entstanden (Curtius, gr.* p. 239) vorziehe. 

Unsem adverbialbildungen stehen im skr. bildungen auf 
dhäy wie dvi-dhd, trirdha gegenüber, die in der bedeutung sich 
mit den griechischen auf -x« und -xjy genau decken. Schmidt 
will dieses -dha auf -ghä zurückführen, was — und das ist das 
zweite bedenken gegen Schmidts annähme — lautlich unmöglich 
wäre. Warum könnten nicht in der Ursprache zwei bildungs- 
weisen von den beiden pronominalstämmen gha- und dÄo- (vgl. 
iv-&a, iv'd'sv) neben einander bestanden haben, die sich auf die 
einzelnen sprachen in verschiedener weise vertheilten ? Die reste 
der ^Ao-bildung habe ich aufgezählt. Die andere hat nach 
Schmidt im slavischen analogien, indem er altbulg. dvaidy, auch 
dvaidi (vgl. trUdtf und triMi), »zweimal« nach den lautgesetzen 
auf *dvadhja (vgl. tQtx^ä = *frirghjd) zurückführt. Dahin wird 
mit recht gleichfalls altbaktr. dvai-di (acc. sg. ntr.) »das zweifel- 
hafte« gestellt, dem die dentale aspirata zu gründe liegen 
kann. Kurz, ich trenne diese beiden suffixe -dhä und -x«, so 



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248 Johannes Baunack, 

sehr auch die bedeutungsgleichheit von d/-x^ ^^^ dvi-dhd, 
TQi'Xa und trirdhd zur vergleichung lockt. 

3) Die proportionalia auf -nXactos und 'fiXacitoy, die multiplicativen adjectiva 
auf -TiXovsi die substaniivnumeralien und numeralcompositionen. 

Bei den zahlen, welche wir -axtg, -a%a als suffix annehmen 
sahen, dringt auch hier durch den einfluss umgebender regel- 
rechter formen das a vor -nXdatog und ^nXovg ein : tickt-, ij-, 
dxv-ankda&og und -anlovg. sixoa-ankdff&og ist in derselben 
weise wie sixoa-dxig u. s. w. zu beurtheilen, sHaTOPranXdcMg, 
kxatavTanlaaifap, Xen. oec. 2, 3, exaroytanlovg wie ixaxov^ 
rdxig; bei den lexicographen findet sich vereinzelt regelrechtes 
hxafoiknXaaifav. Von den zahlen 1000 und 10000 begegnen 
regelrechte formen, xd^o-nkda^og (Themistius, LXX) und /t^v^io- 
'Tildciog (Xenoph.). Letzteres hat ein erst spätes fivQtoptce- 
nXdatog (Epiph. vol. I p. 739 C) zur seite, welches das oben 
erwähnte hesychische fAVQ$ovtdxig stützt. Wie alt diese Über- 
tragung der zehnerendung in dieses zahlwort ist, sieht man aus 
fAVQMvraQxog bei Aesch. Pers. 306 und 995. Vgl. exaiovtdgxv^ 
bei demselben, fragm. Palamed., Athen. I, 11 E. 

Auch hier reihen sich wieder nominalbildungen an, die 
ganz ebenso zu beurtheilen sind. Ich habe folgende gesammelt: 

1) bnoa-anXaiSMaovv Arist. phys. 3, 42. 

2) oa-aTiXdaiog und ots^anXaaiwv Archim. 

3) noa-anXdciog Plato. 

4) noXX-anXdiTMg Hdt., Thuc. u. a. (vgl. vnonoiJLaTiXda&og); 
noiX-anXafSmv, Polyb. Dagegen noXv-nkdatog ArisL 
u. a. — nolv-nXaaifov Isoer. de antid. 177. 

5) %o(S-anXda^og Archim. 

6) toCavT-ariXatsicdv Aristot. Archim. 

7) toaavT'anXd<t$og Arist. probl. 19, 1. 

Bei den Substantivnumeralien will ich zunächst auf 
die vei-schiedenen zahlarten, von denen die bildungen aus- 
gehen, aufmerksam machen. Neben ivdg (Plat.) steht ftovdg, 
neben dvdg (Plat.) sogar d$xaQ und d$x^ag. vgidg^ TSTQoig, 
k^dg enthalten keine Schwierigkeit. Das abstraktum der fünf- 
zahl heisst bald nsvidg bald ntfindg (Plat. Xenoph. Arist.) 
bald ntfAmdg. Sieben und acht bilden von dem ordinale. 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 249 

ißdofkag und öydoäg; neben ihnen findet sich auch imdc und 
oxtdg. Aus den folgenden zahlsubstantiven hebe ich besonders 
iixäg (z. b. C. I. II, 2058, II, 2448, 2, 36) >) und tQmxdg hervor, 
die ich für analogiebildungen nach dexdg erkläre ^) ; denn erstens 
giebt es regelrechtes sixoadg (Luc. Alex. 11; Sext. Emp.) und 
zweitens musste nach analogie von Teaaagaxovrdg, nevfijxovfdg, 
i^^xovtdg die form vQiaxovxdg (nur KS.) erwartet werden, für 
welche man aber sonst immer, auch dialektisch (z. b. delphisch 
Wescher et Foucart 432, 6, böotisch G. I. I, 1562, kretisch 
C. I. II, 2554, 6 und auf einer Inschrift von Gela, G. I. III, 
5475, 5 u. s. w.) %^i,axdg findet. In betreff des exaxovrdg (Hdt. 
7, 184; Plat. Luc.) erinnere ich an die früher behandelten 
ähnlichen bildungen wie kxaxovxdxig u. a. Xihag und fAVQtdg 
haben nichts eigenthümliches; über die betonung ihrer gen. 
pl. xiXuUiwv und (MVQiadoiv s. Göttling, accentl. p. 270. 

Eine zweite wesentlich attische art der abstraktbildung ist 
die auf -t;^, wie xqnvg. Sie knüpft offenbar immer an die 
Ordinalzahl an, vergl. kxavoaxvg »eine menge von hundert, eine 
hundertschaft« (G. L II, 2060, 30 ixavoaxviov und II, 3641 b, 
add. zeile 2; bei Xenoph., Plut., Hesych.), nevxiixoa%vg% 
nhoctvg^) und (AVQtoatiSg (Xenoph, cyr. 6, 3, 20). Die ab- 
leitungen dieser art von der drei- und vierzahl haben ganz 
besondere Schwierigkeiten und sind recht mannigfaltig. 

Die formen für die dreizahl heissen: 1) xQ&tvg^ von 
Hesych mit r^»ac erklärt. 2) xQ^xxvg, öfters inschriftlich (z. b. 
Hermes VII, p. 486), auch in x^mvai^x^w, Plat. pol. 5 p. 475 A. 



*) Inscbrifllich mit f bezeugt in dem arkadischen namen /»xncf^o;, 
den ich stud. X, 129 besprochen habe. Zu vergleichen ist damit der 
name eines Böoters, T|^*axacfiaiy, G. I. I, 1574, 14. Nicht selten gehen 
griechische namen auf zahlen zurück; so heisst ein BOoter Tqialy G. I. I, 
1582, 1, ein Jonier TijQtx^i, stud. V, 267, 13 col. 1, ein anderer Mfinihg 
(ibid. 258, 152) u. s. w. 

*) Genau ebenso im lateinischen vicennium und tricenniuvi nach 
decetmium. Vgl. dazu noch vicennaUs und tricefmalis, 

•) Die dorische form nttrtaxaiwq ist conjectur von Ahr. II, p. 282. 

^) Auf einer inschrift von Methymna, 2168b. bei Boeckh, lesen wir 
dafür « /«iil^crrv; und /<iil9<rrva(»[/ij<ra>Ta], auf einer inschrift von Samos 
(C. Gurtios, Urkunden zur geschichte von Samos, Wesel 1873 progr.) 
jfMUatfTvv tat IxoToarvy, und auf einer ephesischen /Uuktti;; (Le Bas et 
Waddington, inscript. d'Asie Mineure 136 a), wodurch die glosse des Hesych 
X**JUaCfvH' al ifivXttif die in ;if«*^fo<rri;cc geändert wurde, gesichert wird. 



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250 Johannes Baunack, 

Der plural t^itrri>6c findet sich Eustaih. 1387, 49: iaviov dk 
(og ov fjborov exaviifißat, äXXä xai rgtrtvsg ijtiav 6 iiSr^ %^%äv 
^cicsv i^visim. 3) TQizrva, im sinne von x^vaia, Eust.Od. 11, 130 
und Theogn. p. 103, 11. Bei Hesych begegnet diese form 
s. V. diodsicddeg' ^v(fia$ ix dtodsxa i^eionv, dg rgmiat ix tq^v. 

4) TQixTvg in der hesyehischen glosse %q$xt^g' fAigog ^vl^g 
[r^iVov], wo die alphabetische reihe die correctur TQ$xtvg nöthig 
macht. Der dazu gehörige accusativ ist in der andern glosse 
TQixtva^ vQtdda bezeugt. Ein zusatz zu letzterer lässt uns 

5) vQixTva als nom. sing, erschliessen : ewo* x^wrl» xdnqov, 
xQwv, xctvQov. Diese form wird ^auch von Ahr. II, 468, 33 in 
einem fragment des Sophron (bei Athen. 11 p. 480 B) restituirt: 
vnoxaTWQVxTat dk iv xva^idi tg^xtva äi€^${paQfkäxmv. 6) tf^x- 
Teva auf einer delphischen inschrifl, C. I. I, 1688, 34 bis. 
Endlich 7) bei Hesych r^^xrc 7^ a* ^vaia ^vvaX4o). ^eva&Sk 
nclvta TQia xai svoQxa, wofür Dindorf im Thes. VII, c. 2477 G. 
TQiXTsla schreiben möchte. Betrachten wir nun diese sieben 
formen ihrer genesis nach, so sind vor allem 1 — 3 und 4 — 7 
von einander zu trennen. Die erste und zweite form sind 
vielleicht identisch, da die bisweilige doppelschreibung des r 
unter einfluss von rgmög stehen kann ^). Derartige doppel- 
schreibungen sind übrigens im attischen nicht selten, vgl. Cauer, 
stud. VIII, 286. 275. 424. Die dritte form ferner TQt^vva ver- 
hält sich zu vgttvvg = fffi&aaoy (für *^fH&V'Ov): ^fu<fvg. (Andere 
beispiele siehe stud. X, 89). Nun hat weiter Pott, zählmethode 
223, etymolog. forschung. IP, 756, den versuch genaadit, auch 
die formen mit x vor % mit den eben behandelten, 1 — 3, 
identisch zu erklären, indem er iQitziig auf tQixrvc zurückführt. 
Das widerstreitet jedoch den lautgeselzen. Trotzdem sind Pott 
einige gelehrte, wie Angermann, stud. IX, 255, u. a. gefolgt. 
Probabler ist, was Pott zu Humboldt, verschied, d. mensohl. 
sprachb. II, 536, über die gleiche bildung der vierzahl aus- 
spricht. Sie lautet vergaxtvg und ist im Hesych. {%€Vfa*Tvg' 
nvd-ayoQixog oqxog^ ^yovv t(Sv TStSadgcDV ato^x^ic^p ffijfiaiptavjj 
Pythag. carm. aur. 47 und C. I. IV, 8785 belegt. Pott vergleicht 
nämlich äqnaxTvg (von agna^oii) und meint, es läge dem t«- 



*) In der ühersetzung von Ascoli, studj critiei p. 339 anm. sehe icfa 
eben, dass Ascoli rqnvg und jqmnvg trennt, jenes als absiraktum ansieht 
und dieses (= *r^Kni>vf) dem altbaktr. ^riivu parallel stellt. 

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Formassociatioii l>ei den indogerm. numeralieu etc. 351 

TQttXTvg ein *tstqAJ^w (nach analogie von nsfAnd^a^ tstQaxiisiv 
Hes.) zu gründe. Bei t^ixti;^ bleiben jedoch immer Schwierig- 
keiten. Sollte von ixtog ein *€XTtf$ gebildet worden sein, nach 
welchem ein Tß»-*Tt/c neben zQi-tvg und ein tBZQa-xtvc statt 
*t€taQTvg oder ^TstgaTvg analogisirt wurde? 

Ganz die gleichen erscheinungen , wie bei der noniinal- 
bildung, kehren, was ich hier noch zuletzt darlegen will, bei 
der composition mit numeralien wieder. Dasselbe« hat 
sich auch hier schon sehr früh eingeschlichen. Ich will die 
zahlen der reihe nach durchgehen: 

Von €lg giebt es die bemerkenswerthen compositionen 
hä-svog »einjährig«, Theophr. bist. pl. 8, 11, 5 und svi-novg 
»einfüssig«, Schol. Ar. 

Die Zusammensetzungen mit <J*- und r^*- sind regelrecht. 
Die vierzahl erscheint bald als rexq- in ridqmnov bald — und 
zwar schon sehr früh — als xitTtso^a- (II. 23, 705 TstfrtaQä' 
ßotog) oder als xBxqa- in xeTQdyvog (Od. 7, 113). 

Die alten und seltenen compositionen, wie nevxi-novg 
(Plal. u. C. I. I, 160 § 10 d, § 11 m) und nevts-nakaatog 
(C. I. I, 160,. § 2f, § 11, h, i, k) wurden bald durch solche, 
wie nsvxd^ÖQaxiAog^ n^vxaTiiixvg, herakl. nspza-hiiQida, die sich 
in grosser menge finden, verdrangt*). Auch bei der sechszahl 
dringen nicht die erwarteten bildungen mit «x-, wie in ^xfji^og 
(Soph. Plat. Arist.), ^xnovg (C. I. I, 160) oder mit IJ, wie in 
i^nodeg (C. I. L 160, § 11), ^S^^Xivog Et. magn. p. 346, 14 durch, 
sondern die mit «$-a-, wovon schon Od. y^ 115 ein beispiel 
iid'€xcg (vgl. in demselben verse auch schon nsvtdereg) zu 
finden ist. Bei intd, ivvia und dixa ist nichts besonderes 
hinzuzufügen: inta^ex^g oder im-iriig, eivd-wxsg II. 9, 470; 
auch dwöexiti^g, ivv€ca[cud$%B%ig (inschr. v. Halikarn. bei Wescher, 
revoe arch^olog. 1864, p. 135) und dxr»xa$66x^iig (Athenaion 11, 
p. 407) neben deniv^g, dexa-erijg sind leicht zu erklären. Diese 

*) Die Wirkungen dieses a gehen noch weiter: mit folgendem vocale 
wurde es bisweilen contrahirt, z. b. das von t«t^«- und nerta- 1) in 
itrgtipoJioi (z. b. G. I. II, 2335), mt^mßaXoi und ntfiniaßoAoy (bei Hom.), 
danach tg^iAßokoy (G. L I, 125), XQt-^ßohaiog^' jqt^mfju-toßokioy und ^/ii- 
-»poJUor {Detph. ^fit-MUos) gebildet; 2) in ntrroiyvxoSi danach tqkowxos, 
S) in mgti^üfffog und ntrrtiQOffog, ebenso hnm^oifoct danach rQk^wgo<f>os, 
if-«(^o^of , 4) in TtTQtoQffyos neben rtT(>6^yvtQC und rcr^a-o^yvio;, danach 
tfft'-d(ivyct neben T^*-o^yoiof. 



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252 Johannes Baunack, 

Zahlwörter übten auch hier schon früh auf oxrcJ einen einflass 
aus. Schon II. 5, 723 lesen wir oxtd-xvijfiog, während com- 
posita mit dxcd gleichfalls noch bezeugt sind, z. b. oxTcadä' 
xvvXog Aristoph. Lys. 109, öxtamovg C. I. I, 160 § 2 i und k, 
und § 5. Derartige regelrechte formen erklärt Hesych später 
durch die analogisirten : oxtcätt^x*'* ''^^ ixvdn^xv. Diese alten 
coniposita verhalten sich übrigens zu den jüngeren, wie dxtah- 
xoaioi auf einer lesbischen Inschrift (Cauer, del. 123 A. 30) zu 
der später allgemein üblichen analogiebildung dxxaxoa^oi. Ueber 
dieses dx%a- in der Zusammensetzung hat schon Brugman, 
ztschr. XXIV, 66, anm. 2 gehandelt, und Osthoflf hat noch 
neytd-novg und i^d-novg in den »morpholog. untersuch.« I, 
p. 92 dazu gestellt. 

Von den in der reihe folgenden zahlen ist die art der Zu- 
sammensetzung mit elxoiTi besonders zu erwähnen. Schon aus 
der Odyssee wird ieixotrdßotog citirt; Herodot hat sixotfa-sz^g 
(Plato sixoca-btig) 1, 136 und Bixoci-ntixvg 3, 60 neben einander. 

Die übrigen zehner gehen in der form auf -ov%a in die 
composition über (xQiaxovxa'-ex^gf rsaaaQaxovtd-ntixvg) ; nur 
selten geschieht die Zusammensetzung auf nominale weise mit 
-ovro-, wie nBvrfixovto-yvog II. 9, 579, nsvxfjxovxinaig Aeschyl, 
Diese bildungsweise hat sich am längsten bei folgendem -sxiig 
oder -€T*5, 'BxiiQig erhalten, vgl. xQ^axovxovT^g (für xQtaxovnh- 
-iziig), xsCfSaQaxovtwxiig, dydfoxoi^ovx^g C. I. 2025, 4 ^), formen, 
in denen Gurtius (grundz.* p. 208), was nicht wahrscheinlich 
erscheint, die Wirkungen des digamma von Ixog erkennen will. 

Die hunderte sind in der Zusammensetzung meist regel- 
mässig nominal verwendet, wie nsvxaxoai-aQxog, nevxaxoaio- 
fAidifjbpog. Sehr früh schon fand aber auch in der compo- 
sition anlehnung an die zehner statt, was BxaxovxdQ%iig bei 
Aeschylus bezeugen mag. Bei Plutarch lesen wir ixaxovxdxe^Q 
und ixaxovxdfpvXkog bei Theophr. bist. pI. 6, 4. Merkwürdig 
ist noch sxaxopxÖQyviog bei Pindar. Erst bei Strabo lesen wir 
dMxoatovxd-xot^g neben d$axoatoxs(f(faQaxoPxd'X^vg. Am auf- 
falligsten muss ixaxovxovxijg erscheinen. Einen umgekehrten 
fall der einwirkung der hunderte auf die zehner haben wir in 

') Im Ufk^yaiov 1876 p. 4 ist eine ionische buslrophedoninscbrifl aus 
Faros publicirt worden, auf welcher die form ißdioxtayitirtis zu lesen ist 
Daraus erschliessen wir ein nach oydoixoyra, wie rcr^ctixorra, analogisirtes 
Ißdioxoyta für IpiofArptona. 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 253 

dem schon beiläufig erwähnten späten siieoatot Anth. Palat. 
app. S62, ganz offenbar nach diax6(f$oi gebildet. 

Für fAVQi6i»t-aQxog endlich gilt das über fivQtovrdxig ge- 
sagte. Es findet sich schon Aesch. Pers. 306 und 995. 

Wie nun noch die an die Zahlwörter sich stets anschlies- 
senden pronominalen compositionen , noadnovc Fiat. Men. 
p. 85 B, noadxoQÖog Bacch. de mus. p. 15, onoadfii^voq Hippocr. 
p. 1120 F, onoadnovg Luc. Gall. 9, totfaet^g Eustath. II. 
p. 222, 37 und toad-nlriYog bei demselben aufzufassen sind, 
erhellt von selbst aus dem voranstehenden. Compositionen der 
angegebenen art sind eigentlich ganz falsche, mit dem haupt- 
gesetze der griechischen Zusammensetzung im Widerspruch 
stehende gebilde. Für den griechischen vokalismus in mittleren 
sylben gilt ja das gesetz, dass der vokal der composition nur 
ist, der der derivata dagegen meist « (bisweilen #, «, v, ganz 
selten o, Curtius gr.* 642 anm.). Wir müssten also z. b. von 
dem stamme ttocxo- *notr6novg nothwendig erwarten. 

Ich werde nun noch anhangsweise auf die gleichen 
numeralreihen in den verwandten sprachen einen blick werfen. 

a) Die multiplikativbildung kann in der indoger- 
manischen Sprachperiode noch nicht weit entwickelt gewesen 
sein, weil ja die bildungsarten der einzelnen sprachen voll- 
standig von einander abweichen. Vielleicht waren überhaupt 
die multiplicativa der zwei-, drei- und viei-zahl die einzigen 
ansatze zu dieser reihe, welche die sich trennenden Völker in 
ihre späteren sitze hinübernahmen. Die formelle idenlität dieser 
adverbien — skr. dvis, tris, ccUus, altbaktr. hi§, xhi§ und ca&ms, 
griech. dig^ %Qig, lat. duis (bei Festus p. 66) oder bis, ter und 
quater, got. tvis- in (vis-sUindan und tvis-stciss, T^di%oa%acia€^ 
altnord. tvis-^ar »zweimal« — bezeugt ihr höchstes alter. Sonst 
lassen sich aber keine weiteren vergleichungspunkte finden. 
Die arischen sprachen haben ebensowenig eine engere gemein- 
schaft in diesem punkte, wie die griechische und die altitalischen. 
Man könnte höchstens noch auf einen gemeinsamen punkt auf- 
merksam machen, auf den, dass das multiplicativum der einzahl 
von den vier sprachen gemeinsam aus dem stamme sa- ge- 
bildet wurde. Aber die Zusammenstellung von skr. sa-krt, 
allbaklr. ha-kr^, griech. ä-na^^) (Curtius, grundz.* p. 392), lat. 

') Von diesem Sme^ gingen, worauf ich beiläufig aufmerksam machen 
will, gleichfalls eine reihe von analogiebildungen aus, die Brugman, ztschr. 



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254 Johannes Baunack, 

setnel zeigt zugleich auch wieder die Verschiedenheit der bildungs- 
weise. Für die zahladverbialbildungen dient ja ausserdem im 
indischen bekanntlich -väram (z. b. ekcM)äram) oder kvivas 
(z. h. shaikfivas)^ im altbak Irischen ein adverbialer acc. des 
Zahlwortes selbst mit oder ohne ana: paoirtm, äöbiüm (äfbü^kfi) 
oder ana bittm oder daibittm, ädritim oder ana d^riüm und 
äxtäirim »viermal«. Sonst sind überhaupt nur noch x^vaia/ya- 
<i4 »sechsmal« und naumayordi »neunmal« bezeugt. Eine voll- 
ständige reihe hat dagegen das lateinische, freilich eine eigen- 
artige. Ueber senhel vgl. Gurtius, grundz.* p. 392. Duis oder 
Us ist uralt, ter und qwUer werden von Gorssen, ausspr. II, 
p. 601 als Umgestaltungen der alten indogermanischen formen 
dargestellt: ter steht für *fer-s d. i. tris, quaier für quater-Sy 
^kaivar-s. Bei der fünfzahl setzt dann das reihensuffix -ies 
(älter -ie»s) ein, welches bei einigen an verkürzte, aber doch 
noch deutlich genug an die vollen formen erinnernde stamme 
gefugt wird : qmnquries, sex-ies, sept4es, oct-ies, nov-ies, dec4es, 
vic-iesy trio4e8 {trig-ies Marc. Gap. 7, 241) oder triges4es (Vitr. 

I, 6 vom stamme des ordinale), quadrag-ies {quadragiens Monum. 
Ancyr. II), quinquagies (daneben quinqmgesies)^ cmt-ies, mUries. 
Diese verkürzten numeralstämme werden wir bei anderen reihen 
wiederfinden und können sie sogar in Zusammensetzungen mit 
nominibus nachweisen: vig-essis^) m. 20 ass, tric-essis 30 ass. 
Recht instructiv ist sin-^n-ia »cantatio solitaria« bei Paul. Epit. 
p. 337, dessen erste sylbe den sprechenden also an singtdi 
erinnern muss (vgl. trH^n-ium). Das reihensuffix der multi- 
plikativadverbien ist dasselbe, das in toties und quoties uns ent- 
gegentritt und von diesen allgemein quantitativen Wörtern, wie 
ich glauben möchte, auf die bestimmte zahlreibe übertragen 
wurde. Es ist in späterer zeit des Vulgärlateins als -is belegt: 
so kommt quinquis, sexis^ septuagis vor (Schuchardt, a. a. o. 

II, 515). Sollten dies nach bis analogisirte formen sein? Der 



XXIV, 75 gesammelt hat: fdovyaif <v^a|, dutfAna^, Vgl. dazu das seltsame 
attische dnona^, G. I. A. 286, 5, welches übrigens die glosse des Hesych 
dnonal' ^v/nnar 5 <fvf4ntty trefÜich stützt, und vnayia^ bei Hesych. 

^) Eine ganz stumpfsinnige analogiebildung nach vig-essis ist octo-gessis 
8 asses (Varro ap. Priscian, de pond. p. 1356). Bei Hör. sat. 2, 3, 156 
lesen wir dafür octusaiSj womit quadrussiSf nanussis, decuasis und centussis 
zusammenzuhalten ist. Die analogie könnte im letzteren falle von der 
yiei*zahl ausgegangen sein. 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 255 

ursprang unseres suffixes ist von Aufrecht, ztschr. I, p. 122 und 
Gorssen II, 351, 552 anm. besonders wegen des älteren -iens 
als comparativisch aufgefasst worden, was freilich nicht alle 
Schwierigkeiten für form und bedeutung hebt. — Im gotischen 
ist tvis- und zwar nur in den zwei erwähnten compositionen 
bewahrt, sonst wird eine Umschreibung mit sinpam angewendet. 
So übersetzt Ulfilas ntvrdxt^ mit fin^ sinpam. Mit jenem got. 
tvis- stimmt altnord. tvis- in tvis-var »zweimaU genau überein, 
wozu auch ahd. jswir-, was nach art der adverbien zu ztoir-o um- 
gebildet werden mochte, gehören kann. Da v und folgender vocal 
sehr oft durch samprasarana zusammenfliessen, so wurde tys-var 
regelrecht daraus (Wimmer, altn. gramni. übers, von Sievers 
p. 28). Dies übte nun auf das vorauszusetzende *ßrisvar einfluss 
aus und liess ein prysvar daraus entstehen. So ermöglicht uns 
diese analogisirte form die indogermanische grundform tris- auch 
auf germanischem gebiete zu gewinnen, wozu übrigens auch 
ahd. drir-or (hynm. 18) führen kann. Die übrigen germanischen 
sprachen haben gleichfalls keine festen reihen der Zahladverbien. 
Die ansalze dazu und die verschiedenen Umschreibungen über- 
sieht man am besten bei Heyne, kurze laut- und tlexionslehre 
der altgerm. dial.' p. 331. Gemeinsam ist einigen sprachen 
nur das multiplicativum der einzahl, ahd. eines oder einest, 
altsächs. enes, fries. enis. Das ist dasselbe einest, von welchem 
im allemanniscben dialekte (einist) die oben p. 244 erwähnte 
reihenanalogie zwep4iist, dnrnist, tner-nist u. s. w. ausging. 

b) An Vervielfältigungszahlwörtern hatte das grie- 
chische, wie wir sahen, zwei klassen, eine adverbiale cJ»-xa>) 
und eine adjectivische, welche mit -nloog gebildet wurde. Im 
indischen giebt es gleichfalls adverbia und' adjectiva, von 
denen die ersteren auf -dhä ausgehen und bis auf das nach 
dve^ä »zweifache analogisirte tr&4hd »dreifach« (s. oben 
p. 230) nichts bemerkenswerthes bieten. Die adjectiva sind 
mannigfacher ableitung, entweder auf -gva, daga-gva, »lOfaltig«, 
nav€hgva »aus 9 bestehend«, oder auf -^n, dagchgvin »zehn- 
fach«, fotcirgvin »hundertfach«, auch auf -^mya, z. b. catur-vaya 
»vierfach« und auf -vartu, tri-vartu »dreifach« oder •i)rt, tri-vrt 
»dreifach«. Ebenso reich ist das altbak Irische, welches erstens 
adverbien auf -tw^ (ntr. von -vaüf) z. b. biS-vaf »noch einmal 
soviel« und drie-vctf »dreifach« besitzt und zweitens adjectiva 
auf -vaüf (nom. t^): visaiti^ä »zwanzigfach«. Regelrecht sind 



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^56 Johannes Baunack, 

^risa^'ßä, ca^ßaresaO-ßä, patkasa^-ßä, worin sich die älteren 
consonantischen formen noch zeigen, welche sonst immer in 
die a-declination gedrängt werden (vgl. ^rirsaiondßa^, adj. 
»dreissigmalig«), ferner x^vastirvä, haptaidi-vä und navaUH-vd. 
Ueber oMaiiH-vä ist in der einleitung gehandelt worden. 
SatäyuS »hundertfach« endlich hat eine ganz besondere bil- 
dungsweise. Aus allen diesen Zusammenstellungen ergiebt sich 
somit, dass die arischen sprachen nichts den griechischen 
bildungen vergleichbares haben. Ueberhaupt scheint diese 
bildung erst in den einzelnen sprachen aufgekommen zu sein. 
Nicht einmal das italische giebt uns analoges. Das lateinische 
hat adjectiva mit schliessendem -plex (Gurtius, grundz.* p. 165), 
welches nach art der reihensufflxe vocalisch erweitert wird. 
Sim-plex, du-plex, tri-plex, septem-plex, deceftv-plex sind regulär, 
aber vom adjectivum der zweizahl geht -wpfoa; als die reihe 
charakterisirend über in quadruplex, quincuplex und cefUupUx. 
Ein *o€if/hplex erschliessen wir aus octuplicatus, Liv. 4, 24. 
Dass von der zweizahl diese associationsbildung ihren aus- 
gang nahm, ist ebenso casual, wie wenn mittelalterliche Schrift- 
steller vio^cupleXj trioecuplex, quadrag-ecupUx u. s. w., mi7fe- 
mplex nach decuplex gebildet haben. Soviel ich mich erinnere, 
hat nur Corssen II, 133 für das u in quincupkx eine erklärung 
versucht: »Das e von quinqtie ist durch das folgende p des 
zweiten compositionsgliedes in quincuplex, qmncupedälis zu u 
verdunkelt worden und statt quu : cu geschrieben wie häufig«. 
Ich glaube nicht, dass diese worte noch widerlegt werden 
müssen. Was das u in quincupedalis betrifft, so ist eben 
quincu- aus den Zahlbildungen in die composition gekommen, 
ein Vorgang, von dem unter d) dieses anhangs kurz die rede 
sein wird. 

Als beweis für die richtigkeit meiner erklärung kann ich 
hier zugleich die reihe der lat. proportional ien anführen, welche 
mit -plus gebildet werden. Auch hier ist sinv-plus, du-plus, 
triplus regelrecht. Von duplus pflanzt sich nun -Urplus als 
klassensuffix fort, daher quadruplus, septuplus, oduplus, decuplus, 
welches non-cuplus »neunfach« (bei Boeth.) nach sich zog, und 
centuplus. Ganz eigenthümlich ist quinquiplus, welches ohne er- 
sichtlichen grund abweicht und im vocalismus vor dem suffix 
nur mit triplus zusammenstimmt. Von der sechszahl ist weder 
eine bildung auf -plex noch eine auf -plus bekannt. Es ist nicht 



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Formassociation bei den indogerm. numeralien etc. 257 

uninteressant, dass das italienische dafür die nach quintuplice, 
settuplice, oUuplice analogisirte form sesiuplice und in der zweiten 
reihe das nach quintuph, settuplo, ottuplo umgebildete sestuplo 
aufweist (vgl. franz. sextvpU »sechsfach«). Schliesslich sei noch 
erwähnt, dass auch aus den germanischen und slavischen 
sprachen sich nichts ermitteln lässt, was, mit formen anderer 
verwandter sprachen zusammengenommen, eine ausbildung dieser 
reihen in indogermanischer zeit wahrscheinlich machte. Die 
betreiBfenden bildungen sind übersichtlich aus den germanischen 
sprachen von Heyne, a. a. o. p. 330 (suffix ist -/»?», aus dem 
litauischen (suffix -linkas und -^fubas) von Schleicher, litauische 
gramm. p. 154 zusammengestellt. 

c) Eine ausbildung in indogermanischer zeit muss man 
gleichfalls läugnen bei den distributiven.. Während die 
arischen sprachen und das griechische eine besondere reihe 
dieser art zahlen entbehren, ist eine solche im lateinischen und 
litauischen (s. 229) vollständig ausgebildet, auf welche mit hülfe 
des princips der reihenassociation gleichfalls erwünschtes licht 
fällt. Lateinisch heisst das suffix ursprünglich -ni, welches aber 
durch einfiuss von einer form zu -eni umgestaltet wurde. 
Regelmässig gebildet sind offenbar nur bi-ni, ter-^i (tri-ni, Job. 
Schmidt, voc. II, 360), qt^xter-ni (daneben quadrini) und oct<Mii. 
Quini entstand wohl aus *quin<yni, was jedoch, da uns fälle ähn- 
licher consonantenverbindungen und gleicher reduction auf blosses 
n gänzlich fehlen, nicht mit Sicherheit zu behaupten ist ; es kann 
sich auch an bini angelehnt haben. Die sechszahl raüsste *sex'ni 
bilden. Wir werden aber, da x vor einem consonanten meist 
den i-laut verliert, wie z. b. sescenti, sescenües mon. ancyr. I, 
19, III, 27 bezeugen, erwarten dürfen, dass *Sftr-ni früh zu 
*se$-ni vereinfacht wurde, woraus dann endlich durch ausfall 
des s und mit ersatzdehnung des voraufgehenden vocals, wie in 
se-mestris, se-decim, SE-digüus, se^agis, se-mr, das geläufige s&ni 
entstehen musste. Ich wende mich, die sieben- und neunzahl 
einstweilen übergehend, zum distributivum der zehnzahl. Aus 
de^yies lernten wir, dass als verkürzter stamm von decem einfach 
dee- dient. Demnach müssten wir *cfec-wi erwarten. Die form 
heisst aber deni. Es ist sehr fraglich, ob dieses aus jenem herzu- 
leiten ist ; denn die für den ausfall von c vor dem dentalen nasal 
angeführten fälle (Corssen, ausspräche I, p. 35) sind nicht ganz 
sicher, und auch das beispiel, welches besonders oft dafür citirt 

Z«itMhrift ffir vergl. Sprachf. N. F. V. 3. 17 



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258 Johannes Baunack, 

ZU werden pflegt, Ißna — Huc-na ist angezweifelt und mit alt- 
baktr. roö^M«- verglichen worden. Ich unterlasse es hier die 
einzelnen fölle zu untersuchen. Sollte die herleitung von deni 
aus *deo-m also unmöglich sein, so wäre recht wohl denkbar, 
dass deni unter einfluss von seni entstand. Nach seni sind nun, 
wie ich behaupte, alle übrigen bildungen geschaffen worden. 
Schon die dem seni in der reihe folgende distributivzahl der 
sieben bot beim antreten von -ni Schwierigkeiten, und deshalb 
bildete man lieber mit progressiver analogle nach seni ein 
sep^-ewi (vgl. sept^es). War aber einmal ^ine neubildung ge- 
wagt, so war damit der anfang zur ausprägung eines reihen- 
suffixes schon gemacht; es folgte nov-eni, später auch dec-eni 
(statt deni), welches auch im span. decena, portug. desena und 
franz. digaine vorliegt und span. docena, franz. douzaine, quin- 
mine u. s. w. beeinflusst hat. In den romanischen sprachen 
ist -eni noch weiter gedrungen als im lateinischen: dem octcni 
steht portug. uchefna und franz. huitaine gegenüber. 

Zu welchen gewagten aufstellungen ein versuch, lautlich 
aus festen grundformen die distributiva entstehen zu lassen, 
geführt hat, zeigen uns deutlich die erörterungen Gorssens 
(I, p. 646): »Der zweite bestandtheil -ee-ni der distributiven 
zidilwörter ist entstanden aus ^-centini, *'€en^i durch anfügung 
des pluralischen distributivischen suffixes -ni an ^-cenil, "^-cemtäy 
indem zuerst das %, dann nt vor n schwanden und nun ersatz- 
dehnung des e zu S eintrat.« »Ebenso entstanden die distri- 
butivzahlwörter der hunderte, durce-ni, tre-ce-m u. s. w, aus 
diuo^i, trec^nti, indem aus *c^nii^i durch ausfall des i *c^ni-^i 
und weiter durch schwinden des nt und ersatzdehnung -cSni 
wurdec. Dass solche constructionen den gesetzen der spräche 
zuwiderlaufen, braucht nicht erst ausgeführt zu werden. Ich 
meine vielmehr, dass die distributivzahlen der zehner gleichfalls 
durch analogie entstanden, wie sept-eni und nov-eni. Es genügte 
dem Sprachgefühle auch hier, wie bei den unter a) und b) dieses 
anhanges besprochenen bildungen ein verkürzter stamm des Zeh- 
ners, um mit -eni die distributivreihe uniform zu bilden : tTtc-etif, 
tric-eni, quadrag-eni bis nanag-eni. Wie wenig die obige erklärung 
Corssen selbst befriedigt haben mag, sehen wir schon aus seiner 
ansieht über die anderweitigen distributiva der hunderte. Neben 
den kürzeren bildungen duc-eni, trec-eni, guadring-eni (auch 
quadrigeni) u. s. w., in denen gleichfalls verkürzte cardinalzahl- 



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FormasBociation bei den indogenn. numeralien etc. 259 

Stämme mit dem von seni ab zum charaklersuffix der reihe 
gestempelten -eni verbunden sind, giebt es ja bekanntlich eine 
reihe von der vollen zahl abgeleiteter distributiva, wie duomtmi, 
formen, die Corssen a» a. o. nicht bloss als sprachlich be- 
greif Hch^ sondern auch als mehrfach handschriftlich (vgl. Neue, 
formenlehre d. lat. spr. II, 119) bezeugt vertheidigt. Hier war 
es nun unmöglich, von oetUum aus auf lautlichem wege beim 
antreten von *ni zu cmteni zu gelangen. Es sah sich deshalb 
schon Corssen genöthigt, die Irregularität dieser bildungen an- 
zuerkennen und eine associationsbildung zu constatiren. >Der 
ausgang -em«,*'sagt er weiter a. a. o., »von den obigen distri- 
butivzahlwörtern ist dann von der spräche als suffix zu einer 
neubildung verwandt worden, nämlich in cent-^ni und in den von 
Priscian erwähnten formen der distributivzahlwörter ducenteni, 
trecenteniy quadringentenif quingenteni, sescenteni, septingenteni, 
ocHngenteni, nongenteni, müleni (Priscian, de fig. num. 24, 
p. 413 f. H).« Die form ducenteni verhält sich zu duceni etwa 
wie ital, trentesimo zu dem älteren trigesimo, wie quarantesimo 
zu qtMdragesimo, wie span. seserUesimo zu sexagesimo, portug. 
vinUsimo zu vigesimo, neubildungen, welche, weil deutlicher und 
durchsichtiger (vgl. ebenso virU-ena, qua/rentena, portug. quaranU 
-end), schon früh aufkamen und jetzt alleinige geltung erhalten 
haben. Wie ducentem nach cerUeni, so ist- offenbar umgekehrt 
nach duceni ein *ceni gebildet in undeceni »neunundneunzig auf 
einmal«, Plin. 36, 8 (14). Müleni endlich lebt fort im provenz. 
mUen, das freilich, wie alle distributiva von 5 ab, in dieser 
^Hrache als Ordinalzahl fungirt (vgl span. dec-eno = dedmo u. s. w., 
portug. cnzeno = imdedmo). 

Es ist noch zu erwähnen, dass auch singularbildungen be- 
gegnen, hinuSy trinus, qfMtemus, qidnus u. s. w., terdeno bave, 
Sil. 15, 259, septuagewus Plin. 26, 10, undma pars Manil. 
4, 451. Vgl. damit den singularen gebrauch der altnord. plu- 
ralischen distributiva. 

Im germanischen begegnen als distributivzahlwörter nur 
got. U>€%knai und altnord. genau entsprechend tvennir, wonach 
ein prennir, fernir gesdaaffen wurde, ferner ahd. J^w^e, welches 
bald cardinale wurde und als solches ein femininales ewone 
(vgl. Weinhold, mhd. gramm. p. 293) im mhd. nach sich zog, 
und driski (z. b. hymn. 6). Einige wenige andere formen 
anderer dialekte stellt Heyne a. a. o. p. 330 zusammen. 



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260 Joh. Baunack, Formassociation bei d. indog. numeralien etc. 

d) Von auffälligen lateinischen numeralcompositionen 
erwähne ich sescunx (vgl. Corssen II, 584) und sescufida für 
*sex€unx und *sexcuncia (vgl. sescenties), formen, welche von 
quinc-unx und deoimx irrthümlich *C'Unx übernahmen. Es 
könnten diese Wörter ja höchstens *sex-^imx und *8ex^nda 
heissen. — Gewiss hat sich ferner der vokal bei den Zusammen- 
setzungen der vierzahl nach bi- und tri- gerichtet: btennittm, 
triennium, quadriennium; biduum, triduum, quadriduum; btmus, 
^mtis, quadrlmus; btga, trlga, quadrlga. — Schliesslich sei noch 
die analogiebildung odans nach sextans erwähnt, lieber dextans 
giebt Corssen II, 593 und über dodrans II, 370 auskunfL 

Leipzig, im märz 1879. 

Johannes Baunack. 



Zum Zahlwort. 
1) ivj^Bv&Kovxa^ octuaginta, octavus. 

Da nönaginta aus *novenaginta entstanden ist wie nongenti 
aus "^novengenti, dieses *»<wewÄ aber aus "^nevena wie n(yvus aus 
"^nevos, da anderseits das Griechische nach aus weis von ivj^a- 
= novem die erste sylbe des neimerzahlworts zu en- transponiert 
zeigt, so können wir als griechischen reflex von nönaginta etwas 
anderes als ivj:Bv&»ov%a nicht erwarten. 

Die Weitergestaltung dieses Wortes in den einzelnen mund- 
arten ist wesentlich durch die für die lautgruppe v^ geltenden 
gesetze bedingt. Diese bedürfen daher hier einer genaueren 
erörterung. Im äolischen, ionischen und attischen, auf welche 
drei mundarten wir uns hier beschränken, kann hinter <J, A, ^ 
und V ursprünglich vorhandenes digamma sich nicht halten; 
sein Wegfall hinterlässt Verdopplung im äolischen, dehnung 
im ionischen, keine spur im attischen (abgesehen von dem ^ 
in x6qii^ ^i(^Vf d^™ ^ '" xevoTBQog, tfTsvötsQog: Bamberg ztschr. 
f. gy. w. 28, 10). Vgl. Ahrens, formenlehre« p. 272 f. 



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Jacob Wackernage], Zum zahlwort. 261 

d/: (corinth. Jpetviag) — hom. dsidm aus *didj:ota, d-sovd^g 
(diese Schreibung ist somit festzuhalten), de$di^fHov 
aus dsdj:ejijfAWv, att. *did(io. 
id. — hom. dsidta^ deidtfiev att. didta, d^d$(*€v u. s. w. 
id. -^ hom. de$ditstso(jbai, dsidotxa att. dsdiTtofiai, dSdoixa; 
vgl. auch das didix^t des Babrius mit dem dsidix^t 
Nicanders. 
Hiernach ist bei Homer auch äde^gj nsQldsiaag (so Aristarch; 
y. "öd') BidsiCa (Ar. SdsKfa, v. IddsKra)^ vnovdsicag (Ar. 
vnodsitsag, v. vnoddsiaag) zu lesen. Homerisch ci'do^, mit recht 
auf Idßag zurückgeführt, müste att. idag (Hes. SdaQ' ßgäf/ta) 
lauten; das urspr. particip zu olda aber homerisch tddgj att. 
Iddg; im eigennamen DoXvldog ist vielleicht ein Überrest des 
erstem mit abgestumpfter endung erhalten. Nur durch die laut- 
verhältnisse werden wir zu annähme von altem digamma ge- 
fuhrt bei ovdog att. ddog >schwelle«. 

Xf : skr. sarva — äol.? hom. ovXog (neuion. SXog\) att. iXog. 
Hiemach vereinigen sich hom. xäXog und att. näXög (auch 
von den äolischen dichtem mit ä gebraucht: Härder, de alpha 
vocali p. 23) in älterem xa3ij:6g, ion. OvXvfjtnog und attisch 
'OXvfinog in älterem ''OXj:vfinogy ion. xovXeog, -öv (vgl. Herod. 
3, 64) und att. »oXeög^ ^6v in älterem xoXßsog, -oV. Es kann 
femer hienach vXtjj weil dessen länge auch attisch ist, nicht 
auf viffif und ^Xog (äol. ßdXXog, lat. vallm) aus gleichem gründe 
nicht auf ßäXßog zurückgeführt werden, obgleich Enös, de 
digammo p. 109 es vorschlägt; für letzteres lässt sich urspmng 
aus *ßaaXog oder *j:aXaog vermuthen. noXXo- aber stammt 
nicht aus noXfo-; vielmehr ist es wohl indischem pürna, goth. 
ffdla- gleich mit oX = skr. wr wie in noXvg = puru und mit 
XX = Xv wie in oXXvfAi aus oXw^i. 

gf : thess. noQpa — äol.? (Alcae. fr. 14 xoqa) ion. %ov((fi 
att. xdqfi 
corcyr. Bqfog — äol.? ion. ovqog att. oQog 
urgriech. "^doQj^og — äol.? ion. öovQog att. doQÖg 
skr. parvan? — äol. nsQQav-, ion. nstQag, dnsiqmv, nst- 
qaivm, att. nigag, nsQaivta. 
Der alte nominativ war also *7r«rp«, sich verhaltend zu 
dnsigwv (vgl. Saussure, Systeme primitif des voyelles p. 221 n.) 
wie fiv^fMt zu dfAv^fAmp, und zu nsiQaivfo wie ovofjta zu ivofiaivm. 
Die endung -aq bemht auf der analogie der obliquen casus 



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262 Jacob Wackernagel, 

mit ^nag u. dergl.; vgl. das antimacheische xa^a^ für »d^tj 
(aus *9iä^a). Das c des attischen niQug entstammt demjenigen 
von xiQa^. 

Ebenso wie in den angeführten Wörtern war ein j vor- 
banden in der grundform von äol. digga ion. ds$Qij att. dig^ 
(von Leo Meyer ztschr. 22, 543 auf griva zurückgeführt, was 
nicht wohl angebt), und wohl auch in der von ion. elgofim att. 
BQOfAMj ion. sigcoväm att. igwta(a, ion, ovQog att. oQog, ion. 
ovgsvq att. iqsvq^ hom. aq^, dgaafkah, Idg^Tf^^ ägipi^gj xhff^äQ^g 
att. aQ^ u. s. w. 

yf corcyr. ^ivjuig — äol. I^j'oj, ion. Sslvog, att. S6V9g, 
urgriech« yov/a — äoL yovva, ion. ^ovra, atL yöva-r«, 
skr. vOcJ^ — hom. «»Vocr/^t^^Jlo;. 

Hiernach haben ein digamma verloren: äol. twB*a, ion. 
slv^xot, att. ivsnct; äol. cxivvog, ion. ctetvog 0%$%vog, att. atsv&g 
a%ivoq'^ äol. xivpog, ion. x€fvog^ att. «€vo^ (das weder mit skr. 
0Jnya^ noch mit x£v«d( gleichgesetzt werden kann), ion. fi4wvog, 
att fioi'og. Nun wird auch die quantitätsdiJfferenz zwischen 
hom. (f^aviA, att. (px^ävio; hom. nhfjavwy att. »»x^i^ft); hom. 
avvii att. oyco (Aesch. Cboeph. 799. fr. 156, 2); ebenso die von 
hom. q>x^tvm, ttvaa^ att ip^tvio, xtvm; endlich die sonst in keinem 
verbum auf -crVco sich findende länge des o *von Ixavm bei 
Homer verständlich. Hier überall hat einst hinter dem v ein 
j: gestanden: ^y^av/«, *«#x«>'j«, *avfw, *y^»vfc», *TJiy:«, *♦»- 
-d^vjnd (a wie in orofiaivm aus ovoik(d)vim) ; das v/ai vertritt 
älteres präsensstanmfibildendes -vv^ vgl. dvvw, ^»nf^co, %lwfMu. 
Das homerische «HW wird von Fritzscbe, stud. 7, 385 ebenso 
auf *^t>vj:fi» = skr. dhänotni zurückgeführt, was möglich, aber 
wegen des fehlens der attischen form unbeweislich ist. 

Gegen diese deutungen spricht sich Brugman (ztschr. 24, 275) 
aus, ohne doch für ^d^ww, *$xävw^ tx&vtA eine andere erklärung 
zu wissen. Er betont Homers schwanken zwischen äy in ävB%a$ 
und av in avo*To(JS473; Her werden dvoiyoi): doppelt mit unrecht, 
weil, wie wir sehen werden, Homer nachconsonantisches ^ nicht 
bloss selten spurlos fallen lässt, dag^en in formen wie ävevai nie 
metrische dehnung sich erlaubt, und weil anderseits ävo^xo ohne 
Schwierigkeit dem aorist zugerechnet werden kann; vgl. imavov, 
%avfflBYv^ (Bezzenberger, beitr. 4, 358). Wer aber in bezug 
auf ipx^dva u. s. w. die quantitätsdifferenz der attischen und 
der homerischen form auf ehemals vorhandenes yj: zurückführt. 



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Zum Zahlwort. 263 

iiiuss es auch für q^tvw ^^tvm^ ttv» xtvia thun, selbst dann, 
wenn Brugman 24, 261 recht hätte mit der behauptung, dass 
Übertragung des l aus füt. und aor. auf den mit -vv gebildeten 
prasensstamm homerisch aber unattisch sei. Denn dass diese 
Übertragung zur zeit, als -vfcd statt -vv^m eintrat, noch nicht 
stattgefunden hatte, wird durch y^cbw, das sonst ^i^vw lauten 
muste, sicher erwiesen. ^I^ivta und tiva konnten also ihr 
I nur durch digammawegfall erhalten. Jene behauptung ist 
zudem ganz falsch. Erstens zeigt auch Homer noch t in ^Ivv^m. 
Wo aber Homer T bietet, wie in xtvvfHiA^ fiWfj^$^ haben wir 
dasselbe dem attischen abzustreiten kein recht, weil das erstere 
im attischen nicht vorkommt, das letztere an einer stelle (Eur. 
Or. 323), wo k trotz der responsion als lang gemessen werden 
darf (vgl. ibid. 338 al, Westphal 2, 857, Dindorf praef. poet 
scen. p. 56). 

Dies angewendet auf das neunerzahlwort ergiebt die geaetz« 
massigkeit des aus *6vja entstandenen äolischen ivva^^ ionischen 
siva- und attischen iva-- in composition und ableitung. Die Ver- 
werflichkeit der Schreibung Ivpa- in letztgenannter mundart ist 
längst erwiesen. Bei Homer aber wird immer noch neben «/va* 
wxsg^ siväsvs^, Blva%(^y sivän^g das äolisierende iw^fAag ge- 
duldet; richtiger ist mit Nauck -vp- durch alle durchzuführen, 
noch besser aber iyv^fMxg in eiv^f^ag zu verbessern; wer Nauck 
folgt, sollte auch iiwog und rovvaxa schreiben. Das sowol 
ionische als attische ivvia hingegen spottet jeder etymologie, die 
sein vy in irgend einer weise auf vj: zurückführt. Im attischen 
kommt vv nur durch addition zweier w (ivvoeiv, yivva vgl. 
Sgev-va) und assimilation von <fv (ivwf^J zu stände. Daran 
werden künftige deutungen sich zu halten haben. 

Die neunzigzahl scheint nun keine Schwierigkeit mehr zu 
machen. Wir erwarten aus '^ivfsvAxowa äolisches "^ivMsväuavra^ 
ionisches eiysvijxQvtcc , attisches ivsv^ieowa hervorgehen zu 
sehen. Aber die sache ist nicht so einfach. Zwar das attische 
bietet die regelrechte form; die form ivvev^xovrn beruht nur 
auf schlechter lesart. Aber äolisch und neuionisch sind durch 
einen leidigen zufall stumm, und wir haben als einzigen zeugen 
Homer; ihm aber verbot das metrum die ionische form. In 
solcher läge war der dichter auch anderwärts. fivoai^vXiA^ 
und 4ivoifiYatog (so ist mit Bk. für ivrociyaiog zu schreiben) 
passten in den hexameter, nicht aber Btvo0lx%^i»y: an des letztem 



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264 Jacob Wackeraage], 

stelle tritt das attische ivotfix^wv. Entsprechend haben wir auch 
l^sviil, ^€vitj, l^eviwvy Jia %kviov (^ 389) neben %üviQ^^ ^sivtop^ 
^sina; ivdrij neben etvatog; ÖBÖiaa^v neben dsidtfjtsv (anegsitfia 
neben dnsiQsaif^p vgl. nstgag) ; freier ist der austausch zwischen 
xoJUoC) ^oi^Bov und nox^ksoQy xovXsövj "OXvfjtnog und OvXvfjbnoq^ 
oQog und ovQog, ivexa und stvsxa, bei dem letztern allerdings 
notwendig wegen der abhängigkeit der praeposition vom nomen. 
Dagegen ist das x 249 überlieferte xsvd evyfAara nicht zu dulden 
und mit recht durch xepi^ svyikaxa ersetzt worden, üeber das 
ddstj^q von Ä 117 wage ich kein urteil. 

Aus diesem schwanken offenbar haben die epischen dichter 
sich das recht genommen in metrisch wegen der menge der 
kürzen unbrauchbaren Wörtern ä in ä, s in €#, o in ovy also in 
derselben weise zu dehnen, wie bei verlorenem digamma: 
d&ävatog, äviipeXoq u. s. W. — eiXdxAVog, dnsqsitStog, fisiXavk 
Si 79, eiaQiVOQ u. s. w. — novXvßotetQa^ öovXixodB^QO^, ovvofta (?), 
oiXofAsvog (?). Hieher gehören auch stv dyofjfj, siv Ididao, sip 
"Atdog, siv &Xi, siv l^gifMOtg^ siv iXsotOt, siv svl diipQM, siv 
isQy, siv ^I^dxijy siv vdati; sivdX^g, sivodiog; sivi ^qovq), sivl 
ihiQijat; Jlstgii^oog; vnsiq aXa; vnstgißaXov, vnsigsxs, vnsigsxov; 
vnsiQoxov^ *YnstQoxidfiv^ d. h. alle die fälle, wo man gewöhnUch 
epenthese des vocals * in die vorausgehende sylbe annimmt, 
einen lautvorgang der dem griechischen völlig fremd ist, woran 
bei genauerer Überlegung niemand zweifeln kann. Zur beur- 
teilung von Us^qi^oog ist das dorische JIijQiihoog und das attische 
Usqiy^ovg wichtig (vgl. Soph. OG. 1594 u. den demosnamen 
JIsQ$&oidai). Aus dem obigen aber ergiebt sich, dass statt 
sivsvf^xovta der dichter das attische ivsv^xovta zu brauchen ge- 
nötigt war. Diese form wird in der that B 602 geboten. Schwierig- 
keit macht nur, dass statt ihrer t 174 (noXXoi dnsiQiatok xa$ 
ivvijxov%a noXfjsg) eine zweite sich findet, die ganz anderer ab- 
kunft zu sein scheint. Bald wird sie (Kühner p. 481) als aus 
ivsvffxovra syncopiert betrachtet, ohne dass letzteres als grund- 
form und syncope als homerischer lautwandel gerechtfertigt 
würde. Lobeck, Schleicher und wohl auch andere führen hin- 
wiederum ivv^xovta auf *ivvs^xovta zurück. Man würde an- 
nehmen, ein einst vorhandenes ^ivvsdxovTa, an stelle des alten 
sivsvijxovTcc getreten, wäre durch den einfluss der übrigen zehner 
mit einem i/ vor -xovra ausgerüstet worden, also ähnlichen Ur- 
sprungs, wie lateinisch qtMdrOffinta, das offenbar zunächst auf 



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Zum Zahlwort. 265 

wie triginta, odoginta gebildetes ''^quadruginta zurüclcgeht. Diese 
ganze annähme scheitert aber daran, dass im lebendigen griechisch 
der guten zeit ivvia als erstes glied von compositis gemieden ist. 
Glassische Attiker kennen nur das offenbar zusammengerückte 
*Evysäxf)ovpog (dazu Xenophon ivvsdkiyog, Phrynichus bei Mein. 
2, 604 ivpsdxkivog)^ sonst nur iva-. Ebenso Homer als nor- 
male form siva-, dagegen ippsa- nur, wenn das metrum sonst 
die anwendung des attischen iva- nötig gemacht hätte: ivvsa- 
ßoimv^ iwsdnfjxvg (welchem zu lieb X 311 das unmittelbar 
folgende BivoQyvtot in ivvsÖQYviot verderbt wurde), ivvsaxdoi. 
Das rätselhafte iwiwQoq mag auf sich beruhen bleiben. 
Hienach hätte zwar Homer für "^Bivanovra der lebendigen 
spräche "^ivvsaxovta sagen dürfen, niemals aber für lebendiges 
siv^xovra sich erlaubt haben ^ivvs^xowa — ivv^xovra zu setzen. 

Es läge nahe auf grund dessen Lobecks vermuthung dahin 
zu modificieren, dass man ivvijxovta zwar nicht aus *ivvBiqxovta, 
wol aber aus "^iwBoixovta hervorgehen Hesse. Von morpho- 
logischem gesichtspunkt Hesse sich gegen diese deutung nichts 
einwenden. Aber die lautgesetze verbieten sie. Ebenso wenig 
als ivvia konnte *iwBdxovra je contraction erleiden. Warum 
ivpia nie contraction erlitt, darüber giebt freilich keine grammatik 
auskunft. Daher bedarf es einer eingehenden darlegung. 

Wir können für das griechische dreierlei hiatus zwischen 
einem vorausgehenden a, €, ^, o, w und folgendem beliebigen 
vocal unterscheiden. Erstens den hiat zwischen zwei aus ur- 
sprachlicher zeit her neben einander befindlichen vocalen. Dieser 
hat, ausser in falsch überlieferten oder falsch erklärten formen, 
niemals existiert (vgl. J, Schmidt, ztschr. 24, 304 n.). Zuerst zu 
erwähnen sind hom. ^ta, ij$b, ^ttsav, ^tov, zu denen hinzu Nauck 
noch ^$(*Bv erfunden hat, die drei ersten auch neuionisch. Da 
in 7 das augment mit dem b des diphthongs c« combinirt er- 
scheint, dieser aber im Präteritum so wenig als im präsens, 
wo nie etwa *iifi& gesprochen wurde, diaeresis erleiden konnte, 
sind jene formen unmöglich. Neuionisch ^la, ^ts, ^$(fav sind 
leicht zu beseitigen, sie sind diphthongisch zu schreiben: ^a 
(auch attisch), jy« (auch homerisch M 371), ^<fav (% 445 in^aav). 
Die übliche diaerese beruht auf einer falschen nachahmung 
homerischer spräche, wie manch andre angebliche herodoteische 
eigentümlichkeit auch. Wie aber sind die dreisylbigen home- 
rischen formen zu erklären? gerade wie wiyvwTO, m^av: durch 



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366 Jäcob Wackernagel, 

dem nietiuin zu liebe gemachte zerdehnung aus hysterogen in 
den text eingeführten f)a, ^s, fjtsav, tjov. Das eindringen der 
drei erstem in den text erklärt sich aus ihrer üblichkeit im neu- 
ionischen und ihrem teilweisen Vorhandensein bei Homer selbst. 
fiov, parallel mit f^ofisv, steht statt «/a wegen des hiats n 146. 274, 
statt ijcav X 446. xp 370 (= « 501), an ersterer stelle durch 
einfluss des ähnlichen verses x 274, an letzterer ohne ersicht- 
lichen grund. Welches waren nun die dreisylbigen formen, an 
deren stelle jene jüngeren zweisylbigen sich in den text ge- 
drängt haben? 

Der perfectstamm kann im griechischen und lateinischen 
eine, noch unerkläi-te, sigmatische erweiterung annehmen. Ent- 
weder tritt <; an den schwachen stamm: urgriech. jcc/» x-<;«flcw#, 
att. €^aiSk, urgr. j:iA^a'av%h, hom. Xcaaak (so ist überall zu 
schreiben, wo die erste sylbe lang zu messen ist, da Curtius(verbum 
2, 138) Zusammenstellung von faaGk mit äipt%^ak unzulässig ist) 
hom. att. Xcaat; im plusq. : urgr. j:id-<;-tfv hom. Icav, ebenso 
ßißaaav, iäsidttfav^ fjtifMiaay^ BataCav, tixhfaaav, Oder es 
ti'itt -£(r- an den starken stamm; bei olda im coni. *j:0Mcm 
(lat. videro) — 6id(o, im optativ *j:6$d€(S$fy, *j:€idi(fifA€v (lat. 
viderimus) — eidsifiv 6id$%(kBP und im Singular des plusquam- 
perfectum, bei andern verba (abgesehen von att. dtdmij wiec/dsMy) 
nur in letzterm, von Homer an {ioinBtsav) auch auf die 3. plur. 
dieses tempus allmählich ausgedehnt. Da wir nun die 3. plur. 
prat. aller verba auf -ju* in der endung -actv die sigmatische 
erweiterung erster art nachahmen sehen, kann derselben nach 
ihrer zweiten art im Singular und auch in der 3. plur. eines 
solchen Präteritums zu begegnen nicht überraschen, elfkt zeigt 
dieselbe in attischem ^£»v(?), ^€$(f(x^aX jj^iv, ^corav(?). Bei Homer 
müsten diese formen lauten fea (vgl. jisidea, nsnoid^aa, ^pd/sa, 
itex>ijn€a)y ^g (vgl. ^sidtjg^ J^^i^^g)j J?«« (vgl. j^eiS^s) oder fjei 
(vgl. ^eid€$y jisidci^ ya^ovst u. s. w.), fieoav (vgl. ielxsaav). Von 
diesen ist einzig yet im überlieferten texte erhalten, die andern 
alle verschwunden; allein es kann kein zweifei sein, dass 
fjsa, ^€6, iJ8(fap eben die dreisylbigen formen sind, welche 
durch die später zerdehnten neuionischen formen ^a, ^s^ ^<fav 
(fiop) verdrängt worden sind. Sie sind wieder in ihre rechte 
einzusetzen. 

Sicher beglaubigte formen mit derartigem hiat sind niemals 
altererbtes gut. Für vt^iact, iidoatftj ßsßdaa* wird dies jeder 



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Zum Zahlwort. 267 

zugeben. Aber auch im coniunctiv stehen dor. dvväfAai^ 
i<f%öva& ark. laTdta$ dem urspränglichen näher als hom. tstrjOfjbsv^ 
a%^s%QV^ ß^Ofn€V, dor. fli^t^vth Oxsvdcy^^vj;^, ygafft^vt^ näher als 
hom. d-^fASV^ ä-^^fAM, x^x^ofisvy dafifjszs, f Qan^o f»6P, V€fA6<f(f^^ 
^ofMv, hom. dwai {= ved. däti) abgesehen von dem aus der 
vulgärform in dasselbe, gerade wie in die übrigen coniunctiv- 
formen auf '^<f*, übertragenen iota subscriptum näher als 
dtiafjtev, yvciofAev. Belehrend ist namentlich die Übereinstimmung 
von dvvctfka$ mit lat. stemdmus, von %G%a%m mit lat. sistOtiSy 
die durch ihren gegensatz zu indicativischem stemimus (= ^axiQ- 
vaftsv) und sisiüis {= t^Tate) dem o-coniunctiv des lateinischen 
zum dasein verholfen haben. 

In zweiter linie kommt der hiatus in belracht, der durch 
den Wegfall von j und von <f herbeigeführt ist. Dieser wegfall 
ist panhellenisch, der hiat also alt, und es giebt daher kein 
Sprachdenkmal, das nicht spuren der bemühung trägt, diesen 
hiat durch contractiön der zusammenstossenden vocale auf- 
zuheben. Im attischen gilt diese contractiön unbedingt; kein 
alter <;- oder i-hiat ist hier übrig geblieben. Allerdings la^ 
widerspricht; aber das wort ist nicht genügend aufgeklärt, um 
als ausnähme zu gelten. Ebenso wenig wird die regel durchs 
brechen durch attisch äanXog, dogtatog, ämgoc, äidQvrog, dvTtvog; 
es sind dies nicht worte, in welchen ein zwischenvocalischer 
ausfall eines j oder a stattgefunden hat, sondern es sind com- 
posita von schon ihres anlauts j oder a beraubten Wörtern mit 
a-, das wegen des Spiritus asper derselben nicht die form aii- 
annabm. Aehnliches gilt von den seit dem 4. Jahrhundert 
sicher auftretenden äodfiog, aonvog u. s. w. (vgl. Clemm, stud. 
9, 421 ff.) ; man wird aus ihnen doch nicht die regel wider* 
l^en wollen, dass dem griechischen ursprünglicher hiat im 
wortinnern fremd sei. Dasselbe gilt für ngo-. 

Mit j steht» zwar nicht bei Homer, wol aber in der atthis 
zwischenvocalisches « durchaus auf gleicher linie, wofern es 
von dem vorausgehenden vocal nie durch irgend einen conso- 
nanlen und von dem folgenden vocal nie durch einen anderen 
als a getrennt war (vgl. Fröhdes andeutungen ztschr. 2% 261). 

'Egfksiag = Särameya — att. 'E^fn^g (vgl. hom. deidi» aus 
*didj:Qia). 

*fÄS$imy (Saossure, Systeme primitif etc. p. 130) — *futiov — 



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268 Jacob Wackernagel, 

*ßlai = eshi — *sh — alt. sl, woraus jonisch sig, wie 
(pjg aus *yiy (= bhäsi). 

Berücksichtigen wir ferner, dass hom. vaiw, hlaiofAa^, 
(AaiofAa^y daiofjtat, (fx^aim, xsQaiw teils wirklich teils theoretisch 
aus väajia, Xditsjofiai, (MxajofAa^ u. s. w. gerade so entstanden 
sind wie (p^aigw, ovofAaivw, xaißco, xkaijzw, öaij^tß, yaijiw, naij:» 
aus (fr^(dJ()j(o, ovofi(ä)pj(o, xdjyjco, xXäjym u. s. w., so werden 
wir auch homerisches teXslta, vsxsiw, nevd^slto u. s. w. (Leskien, 
stud. 2, 95) zunächst auf HsXsiaw, *v6txeia<», *n€r%^ei(fiQ zurück- 
führen und wir erhalten die reihe 
HeXiajtö — *tsX€iaw — hom. teXeiia — *T€liijw — tsliw — rcAio. 

Ganz analog ist die formenreihe, die wir für den genetiv 
der zweiten declination aufstellen müssen: 
Hnnocjo — Hnnotao — hom. Innoio — *%nnojo — tnnoo — Innov, 

Das griechische zeugt also so bestimmt als möglich für -cr/o 
und gegen -ato als endung. Ursprünglich *tnno(S$o hätte im 
attischen nur Innoio geben können, gerade wie *aid6(f$og aidolog 
und nicht atdovq ergeben hat. Es ist bekannt, dass die ira- 
nischen sprachen ebenfalls auf -sya hinweisen (Hübschmann, 
ztschr. 24, 365) und im Rigveda regelmässig -asya, nicht -asia 
zu lesen ist (Benfey, abh. der Göttinger ges. 19, 3, p. 22), 
wogegen vereinzelte messungen wie Danavasta, düria^a, €iQV€i8ia, 
Indrasia (ders. a. a. o. 14 ff. u. 20, 23) nicht in betracht kommen. 

Nach obiger regel ergeben sich manche attische formen 
als neubildungen (das äquivalent von skr. bhareyam könnte 
z. b. im attischen nicht anders als (pigon lauten), so jedenfalls 
xii^ai, wozu die 3. pl. x€i(ovTai. inschriftlich (CIA. 2, 574, 10) 
bewahrt ist; der echte alte coniunctiv ist in hom. xierm^ con- 
trahiert xeX'vai bewahrt. — Ferner ist Brugmans (ztschr. 24, 262) 
Zusammenstellung von ^({17 mit skr. kshaya nun nicht mehr 
haltbar. Vgl. über das wort Saussure p. 112. 

Dass von diesem #-wegfall und darauf beruhenden hiat 
der attische und neuionische, der sich in fallen wie äsi, aetog, 
xddOy xläoa, ferner yspsä, vikeog u. s. w. zeigt, völlig zu trennen 
ist, liegt auf der band. daQstä-diOQsa (Bamberg a. a. o. 
28, 622) setzt theoretisch einen stamm d(aQ€tf- voraus, wie 
dvtfnopijg einen stamm novstf-. 

Der an dritter stelle in betracht kommende hiat ist der 
durch den ausfall von j: erzeugte. Er ist nicht panhellenisch; 
zu einer zeit, wo man schon fiküd-ofo und tslxeog sagte, sprach 



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Zum Zahlwort. ^69 

man noch nXtjuAy ireßog; böot. dtfoyiveioc, djivdog, cypr. doj:iva&, 
ßaatX^og u. s. w. einerseits, äoliseh x^^^» avskXa, avtdirov u. s. w. 
anderseits zeigen das mit völliger Sicherheit. Wenn aber diese 
art von hiat die jüngste ist, so erwarten wir andere behandlung 
derselben auch in mundarten, die das digamma selbst völlig 
verloren haben. Diese erwartung wird schön bestätigt durch 
das attische. Die unbedingte hiatusscheu gilt in diesem falle 
bei den Attikern nicht. Gontrahiert werden nur die leicht an 
einander sich anschliessenden vocale, zumal die, welche auch 
in der krasis wirklicher contraction fähig sind, nämlich: 

aa : äxti, ävdXitfxstp, äväXovv, xaTäysi^ Ar. Ach. 944, xaTÖy^ 

Ar. fr. 502. 
as : äx^Xov, äxatv, dgyög, aqov (aus *äj:€(((fov)^ agcS, äqvdfa, 
aQxdvfj, äQKSxov (vgl. Gurtius stud. 2, 175), dnodgäva^. 
Draco (CIA. 1, 61) noch dixmv neben äxa>p. 
a^i : l) qdw, 

2) atga, aixijg, aixiXwg, giaivto? 
at : 1) aia^dvoiia$, natg, alfftog bei Aesch., aiavdfo bei 
Sophocles, neben denen &'i<f%og, diaxofo üblicher sind 
(s. unten), nvQxatd (Eur. Suk>1. 1207). 
2) "Aid^g, qftftf« (Dindorf, lex. Soph. s. v. diaaa)^ dqdog etc. 
ao : "Icoveg, xotPdovog, d^swQog, ndtQwg, <püig, tetQcoQog, x^fjKüQog. 
Hierher gehört auch das allein echt attische (Möris 
s. V.) dsivwg = ion. dsivaog: Ar. Ran. 146 ckwq dslvaty, 
fr. com. (Mein. 4, 609) xaJUSv Xoywv daivcav. Das daneben 
stehende divaog gehört nur den dichtem und den nach- 
ahmern ihrer spräche an. Die classische atthis bietet 
daher nichts als zwei platonische belegstellen, an deren 
einer (Phaedo 111 D) der bezug auf Hesiod (Opp. 737) 
evident ist. 
ao$ : iid^, -^todog. 
am : d-wxog. 
SB : eiQYaiofAfjy, eHx^t^ov, Blktl^a, sUxop, siaxicop, snvsi., d-slvat, 

slva$, bIvm, Xv6$v, xaxBtg, n^x^tg, ^Hqdxlskg. 
€€!> : lvd%$a, 'HqaxksX, nvsT, dst u. s. w. , *^€ix€$v^ 8X^€$g 

(Nauck, bull. 24, 388). 
Sil : *HQaxl^g. 
Bi : difXBtog, ^B^d, ksnov^yog, ßaailBtog, Xsia, TvÖBiöf^g, 

%axBl, fVfjXBh ßaaiXsZ, sldoPj nXBtaxog, sX^aat, Bixoig. 
IIB : ijXiogy ßaciX^g, cx^vat, ß^ai. 



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270 Jacob Waekernagel, 

ij€i : jrfiy, ^itßiv (Ar. Av. 1298). 

^» : dfj6a}, ^S^eog (Dindorf im thes. s. v.), f^oir (id.), wo 
freilich auch ein anderer spirant ausgefallen sein könnte, 
X^to/Jiai (Bamberg, a. a. o., 26), Ifjat^^, xlifj^, NijQ^g. 
(n) : Jt^ilo^, 

0€ :- XovTQOv, 'OVQyoc, tgtanovravTiig, nXaxovg, Xwtm, Savva%. 
o'i : xotlog, ngolxa?, ayvo^a, äd^Qoi^m^ ipkoteg, olg, oioc, 

oitSv, oiai, nQoxoid&ov, voidtov. 
00 : xaxovQyoc, ^vxovQyoc, vovc, nkovg u. s. w. 
00» : n^Z, äyqotxog, ^eoir^a. 
oov : vov, nXov u. s. w. 
o<o ; nXwv, ßodpi^g, tsXnivfjg. 
om : v(S, nXw u. s. w. 
me : y^^^T^y Xewgyög, yvtSvat, aXavat. 
iai : atoy, inai^fa (abgeleitet aus st. mjio-). 
Dagegen wird der hiatus belassen und contractiön ver- 
schmäht in folgenden Verbindungen, die übrigens auch in der 
krasis anders behandelt werden als die vorgenannten: 
afi : diiQ, dfidmv, d^ii^g, äij^f^. 

sa : ivpia, v^arog (nach Photius s. v. ist p^vog, v^tfi un- 
attisch), qfQsutog {^Q^vog ist unattisch), diXectg, at^aq, 
xQiag, vsaviagy -O-^vgop, tetxSa, ßatf^Xia, ßuaüiiag, 
^HqaxXia, idy^, idXwv, sdXiaxa, iaya, Sxsa, i%6a. — Also 
geht auch xsaq auf xiij:6cQ, ida> auf ipdm zurück. 
«0 ; iTsog, f^x^sog, x^sog (Saussure p. 81), v^og, vs0<f&6g, vsoxi^og, 
xXiog, XQiog, taxiog, btvXbov, nXSovveg, koqaxa, ioQrrj, 
X^ov. — Auch TcoXsog, ivBog, SXeog? Zu nSog vgl. lat. 
pubes, skr. pumams. 
€o& : %ax^o$v, d(fTio&p. 

€0v : ^HgaxXiovg, iovQijaa, iovQijxa, nXsovCi. 
60} : x^siöQog, dXeuoQd, Xiay, ^oic^ retag, Taxeo^Vf nijx!^mg, ntffjkfBV, 
(Bamberg, a. o,. o. 28, 5), vstav, %axi(og, nkka, etigcny, 
im^ovp, Swvovp^p, dvewx^V^y nXimg? 
oa : xo^'^^9 x^^^^^^f ^oavov (aus $v<»), svvoa, oydoa, dx^xoa. 
07 ; xaxoijd^^g und dergl, oydoif, oydofjxowa, ßo^, dxoij. 
Abgesehen von den flexionsendungen sind die ausnahmen 
gegen das gebot der contraction wie gegen das des hiats nicht 
zahlreich. Unregelmässig offen sind zunächst wieder composita, 
wie äsQxxog, äotxog, äo$vog, doQarog, de$d^g, denciSg, dtctog 
u. aa., ebenso kmasxijg und die übrigen auf -a'-^T^g. Sie 

% 



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Zum Zahlwort. 271 

sind wie die oben besprochenen dld()VTog u. s. w. zu beurteilen. 
Andere sind etymologisch dunkel, wie iSia; wieder andere, 
wie xdog, sind entlehnt. Ausnahmen entgegengesetzter art sind 
v0V(Afivia, Sov(xvdidfig) , titog aus ößatog, Sie zu erklären 
vermag ich nicht. x^t^eovaS aber aus *xfiQ6j:ava^ ist zwar 
ionisch, aber als attisch durch sophocleisches (fr. 724) ßät' sig 
Sdov d^ Tfdg 6 x€^Qc5va^ Xsdg noch nicht gesichert. 

Von grossem interesse ist es, die behandlung des digam- 
matischen hiatus in der flexion zu untersuchen. Zunächst fallt 
auf, und scheint sinnwidrig, dass von den Substantiven der 
2. declination und den zwei- und dreigeschlechtigen adjectiven 
der ersten und zweiten, welche vor dem stammauslautenden 
vocal ein « zeigen, die einen contrahieren , die andern nicht, 
dass es XQvaovq, XQ^^^j> xpvtr« heisst, aber xsQÖaUoc, ksgöaXiä, 
7(€^&a}Liä. Alles wird deutlich, wenn wir stammen der letzteren 
art als vorletzten buchstaben ein j: geben. Nur wird man be- 
rechtigt sein zu fragen, warum das feminum nicht xsQÖaXij:^ 
lautete (v^l. *«0£f i?) resp. in classischer atthis xsQÖaX^ (vgl. 
^^axXfjg aus ^HqaxXijifig), Allein so lautet gerade das sub- 
stantivierte adjectiv, das »fuchs« bedeutet. Offenbar hat beim 
adjectiv die notgedrungene Offenheit der pluralformen: -€a#, -Bag, 
'BMg, 'BtSv den hiatus und das a des singular erzeugt. — 
Ebenso wie »egdaX^ ist adsl^ contrahiert, es beruht auf 
disl^j:^; der plural adekipai ist also nicht lautgesetzlich. Das 
masculinische dd^X^og scheint das gemeinsame product aus 
dem vocativ ädsXips und dem femininum. 

Von denen auf -oo (fem. -017) contrahieren zunächst unbe- 
dingt die auf *nX6og, deren hiat also nicht digammatisch ist 
Die übrigen, sammtlich solche, bei welchen die annähme ur- 
sprunglichen digammas teils geboten (vovg, nXovg, nvovg, ^avg, 
&o6g, ^Xovg, x^Qovg, oydoog, ^i^noog) teils gestattet (p^vovg, 
Xy^vg, "XQovg, ä^qoog) ist, scheiden sich in drei classen. Die 
masculinen substantiva können, weil deren flexion das vor- 
digammatische o nur mit o, ot, oi>, to, w zusammentreffen lässt, 
immer contrahieren. Die adjectiva zweier endungen (und 
dlxQovg P) contrahieren lautgesetzlich o mit 0, 0$, ov, a, to, haben 
dagegen im nominativ pluralis des neutrums (und dixgovg auch 
im femininum) offene form, weil 6a aus 6ßa (und ofj aus 0/17) 
nicht contrahiert werden kann. Eine dritte classe endlich, ge- 
bildet durch d-oog, äx^Qoog, oydoog, -ijxoog, ist durch die un- 



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272 Jacob Wackernagel, 

fähigkelt des nom. pl. neu. und des fem. zu vollständigem ver- 
zieht auf contraction gelangt. 

Wiederum reich an belehrung sind nomina der dritten 
declination mit digammatischem hiat. Einfach die lautgesetze 
zeigen sich wirksam bei den adjectiven auf -v^; daher taxst^ 
taxsTg einer-, %a%iog, xa%§oiVy %a%ia, %a%i(av anderseits. Nur im 
nom. des duals haben wir gesetzwidrigen hiat, offenbar unter dem 
einfluss der letztern formen (doch %Qa%B% bei Ion). Ebenso 
vom thema viv- einerseits viel, vUtg anderseits viiog, vtio^v, 
vtidov, ferner viie. Weniger rein zeigen sich neutrale barytona 
gleiches stammauslautes; in nom. pl. n. treten sie unter den 
einfluss der -a^-stämme, mit denen sie im dat. sing, gleiches 
auslautes sind ; atfTiy, -?r^x^, ^(Aiaf^ (neben ^fjtiasa) wegen t«»x<7> 
ebenso von divdqv-, wovon die Attiker sonst nur divdQs$, div- 
ÖQsai zeigen, bei Eur, u. Pherecr. divÖQf^; dagegen ein volles über- 
gehen des Wortes in die analogie von rslxog, wie es im neuio- 
nischen statt gefunden hat, wäre im attischen unmöglich ge- 
wesen angesichts von *divdQ€og reixovg, ^dsvÖQ^wv xb^x^v. Doch 
von ^fMtsvg bieten die späteren sogar ^(xitsovg. rgti^Qss, xsix^s 
neben ts^xv^ ^^^ häufige tsix^hov, ebenso noXss, noXio^v sind aus 
entgegengesetzter ein Wirkung entstanden. In denen auf -sig gelten, 
wenn wir von Wörtern wie nvi>aievg, niaxaievg, welche durch- 
weg contrahieren, und von den synizesen der dichter absehen, 
nur die lautgesetze. Dagegen bei ßovg, vavg (welch letzterem 
YQavg sich anschloss) haben die ehemals auch im attischen vor- 
handenen formen ßoag, v^a, vijag, vi^og, vfj^v vollständiges meiden 
der contraction herbeigeführt: ßosg, ßoe, ßoog, ßot, ßomv; vffiy 
v^eg. Ebenso ist Ju statt Jt (Pindar) durch J^g, Jia bedingt. 

fpdog aus ipaj:og ist regelrecht zu (p^g eontrahiert. Weil aber 
die folgenden casus lautgesetzlich *^cwg, *9)$; plur. "^(pä, *q>wv, 
*<pda$, also ganz disparat gelautet haben würden, hat die hetero- 
clitische flexion ffxog, fpwzog eingang gefunden. — xliog und 
seine composita, -dsijg = hom. -dev^g und das diesem seltsamer 
weise gleichgestellte diog, -deijg aus *d[f «*oc, *-dj:€^^g führen den in 
vielen casus lautlich gebotenen hiat durch alle casus durch. 
Doch die eigennamen auf urspr. 'xXij:tig sind gesetzmässig: 
'HqaxX^g, ^HQaxXst, 'HqccxXbic, aber ^HgaxXiovg, 'HgaxXia. Doch 
fehlt weder ein accusativ ^HquxX^ noch ein nom. 'HQaxXitjc 
gänzlich. In Piatos (Theaet. 169 B) 'HqaxUeg re xai Qi^aisg 
sind beide nominativformen gesetzwidrig. 



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Zum Zahlwort. 273 

Für die conjugation kommt der digammatische hiat in 
dreierlei beziehung in betracht. Erstens insofern die suffixe 
solchen enthalten. 

Der 2. sing, des medialen Imperativs wird auf grund des 
altindischen -sva und des avestischen -^uha als auf urspr. -Cßo 
auslautend bestimmt. Da dies aber attisch Xvso ergeben muste, 
nie ivov ergeben könnte, und kein die Wirkung des lautgesetzes 
störender analogetischer einfluss angenommen werden kann, ist 
kfiov vielmehr auf *Xvs(fo zurückzufuhren, somit als eine augment- 
lose imperfectform zu betrachten. 

Ursprünglich besass ferner der infinitiv ein j:, indem er im 
attischen hinter thematischem vocal durch -j:«v (nach Gurtius 
durch -tffiv), sonst durch j:€va$ gebildet ward. Am deutlichsten 
ist letztere endung in dotTv«» = ved. davdne, cypr. do^iva$; 
dann in i^etvat, $lpat, sodann in £iVa# aus ^iüji^pai, vor allem 
aber in üpat und im perfectum dsdtipat, sixivcct. Dieses 
'j-ivak trat, wie 'IA€v und -fAsvM, ursprünglich an die schwache 
wurzelform an. Aber wie Homer schon gegen die regel 
ß^f*€vat, Ts^^fAsyat, dvfASvat, äXuifievai, ja sogar slfASvat (so ist 
Y 365 für Ifievai einzusetzen) und ^svyvvfAsv bietet , so auch 
ß^t^at, d^vat, dXdSrat u. s. w. aus *ßi^Syai, *ä^iva$, *äXi»iva$ 
statt *ßäva$, *dslvai, *äXovyat. Hierdurch aber stellte sich 
für die sprechenden das fühlen von -vm als an den pluralstamm 
antretender endung ein. Nach dem muster von Iß^fisv, ßijvai 
finden wir schon bei Homer sdvfiBv : dvvai, {qv^Bv : tpvvai 
gebildet, wofür dffjisv {dvh'ai), fpvfASP einzusetzen allerdings an- 
gienge. Im attischen breitet sich -va^ weiter aus und tritt auch 
hinter kurzvocalische Stammformen; ißtjfsev : ß^vai erzeugt 
Tt%^sfA€y : ti^ivatf didofisv : didova^, %fSTa(jb%v : lardvai, dei- 
Kvvfuv : dshxvivat, nifjtnkafiBP : ntfAnldyat, *nig>QafA€r : nt- 
ipQdvai, ferner ti^vaiisv : thO^vdvat, tatafiBv : katdvai. Statt 
dieser formen als ursprünglichere *Ti^«*Va# *dBtKvvivai *tBd^v&va$ 
anzusetzen werden wir durch das homerische dhdwvah berech- 
tigt, das freilich auch dtdcovat gelesen werden kann und in 
diesem fall mit u^i^fiBvat auf eine linie zu stellen ist. Ist auf 
Hesychs dtöstvat' d^(fat (Cobet, Mnem. 1, 49) gewicht zu legen? 
oder ist es = dtö^vas? Die Verdrängung von -Bpat durch -v«* 
macht noch innerhalb der atthis, freilich nicht der classischen, 
weitere fortschritte. An stelle von iipa$ ist nach dem muster 
dtinvvfABv : ÜB^nvvvm zu X(abv hinzugebildet (it)ivcn (so der 

ZelUchrift fnr vcrgl. Spnchf. K. F. V. 3. IS 



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274 Jacob Wäckernagel, 

komiker Machon in dem von Athen. 13, 580 c citierten frag- 
ment der ÄQsta^). Vgl. hiezu Ahrens, formen!. 98. Curtius, 
verbum 2, 108. 

Endlich ist -^vSog digammatisch, wie sein hiat erweist. Die 
combination dieser endung mit den abstracta auf -tv scheitert 
indessen sowol daran, dass ein äquivalent von altindischem 
"tavya im attischen -tstog aus '•Tij:tog (vgl. MffeVog) lauten 
müsste, als dass das infinitivische -tu an die starke wurzelform 
tritt, -riög aber an die schwache. Vielleicht ist abzuteilen 
-w-j:o-$ d. h. eine ableilung aus dem verbaladjectiv auf -zig 
zu statuieren. 

Digammatischer hiatus kann im verbum fernerhin durch 
den anlaut der wurzel bedingt sein, indem er sich hinter aug- 
ment und reduplication einstellt. Das bedarf keiner erläulerung; 
auch nicht die fälle, wo in folge vergessens des alten digam- 
matischen anlautes temporales augment an die stelle des syl- 
labischen getreten ist Wirklich unregelmässig ist bloss eine 
perfectform, nämlich sim^a. Man erwartet durchaus iao^-ay 
wie dies im neuionischen das einzig übliche und bei Homer 
als neben eim&a zulässig teils überliefert (@ 408 = 422), teils 
in den text einzusetzen ist {E 766. q 394). Das homerische 
sia^a kann auf j:i/60^a zurückgeführt werden, wie nvsita auf 
nvißki; aber im attischen fehlt diese möglichkeit. Hier hat 
entweder ein prosthetisches b mit dem reduplicativen b eine 
Gontraction eingegangen; eiotv^a aus iSeoita wie bJqy^ ^us iiQyi», 
oder es ist, wie in dorisch elaxiiTcct. (Ahrens 2, 341) nochmalige 
reduplication eingetreten (vgl. Bt^Kffuxi); jedenfalls steht sUo^a 
mit stQi^ua, wofür nach den lautgeselzen iQ^^xa erwartet wird, 
auf einer linie. 

An dritter stelle endlich ist der hiatus zu erwähnen, der 
durch Wegfall von wurzelhaftem digamma vor einem verbalen 
flexionselement entsteht. Dahin gehört derjenige von Ix^a, 
Sx^ag u. s. w., der auch auf die 3. sg. dieses aorists über- 
gegangen ist. 

Ferner der hiat, der nach bekanter rcgel im präsens der 
zweisylbigen verba auf -im eintritt. Denn von diesen haben 
hinter s sicher ein digamma verloren nXiWy nviia, ^im, ^im, 
xioff vim, diofU)it'dBt, sodann qikiai (vgl. (plvia) und &Qiofia$ 
(vgl. 9Qvlog)^ letztere beide ausschliesslich tragisch. Umgekehrt 
ist das einzige zweisylbige verbum, das gegen die regel con- 



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Zum Zahlwort. $75 

trahiert, didu, ein, wie die anderen tempora und aind. da er- 
weisen, durchaus undigammatisches; das ist der deutlichste 
hinweis auf die Ursache des hiatus bei den übrigen. Zwei, 
welche ohne digamma besessen zu haben, doch den hiatus 
zeigen, C^Ccf>ö> und %Qi(a)(A verdanken denselben deutlich einer 
Übertragung. Aber ^i(<r)<o (aor. l^eaa) schwankt und zeigt neben 
l^oKTwy (PI. Theag. 124 B.) xaraxl^ov^vti (C. I. A. 1, 324 c. 61). 

Es entsprechen nun aber einander nki(a, nlicafjtev, nXmaty 
nXimv und %a%^mvy nXiov(Si, und ^HqanXiovq, nXiofi€%*, nUot(k$, 
nXiövtw, nXsoPT-, snXsoy, inXiof*€v und xa%ioq, umgekehrt 
nlsXq, nXsX und 'Hga^Xst, nXetre, nlsitto, snXe^g, Inlet u. s. w. 
und taxslg. Soweit gilt das lautgesetz: dagegen widerstreben 
demselben die conjunctivformen, indem sie ihr tj, und die 2. sg. 
präs. ind. med., indem sie ihr -«* der contraction entzieht, ebenso 
d&i^ofka^y idsijd^'^v. Der grund dieser erscheinung ist kaum ein 
lautlicher. Vielmehr sind hier den offenen formen contrahierte 
vorhergegangen. Nicht nur bietet Homer {2 100) Idi/asv aus 
idifi/asy = iöev^ffsv ; auch im attischen haben wir ähnliches; 
Ar. Ran. 265 xäv [le d^ d#' ^f*^Qa^. Ar. Plut. 216 xäv Jy 
f*' äno^avhXv. Ar. Vesp. 616 xav olvov fio^ fi^ Vxff^ ^^ nislv. 
Philetaerus (Mein. Com. 3, 292) xav d^, TQOxäJ^to axddm 
nXeita 2mvddov. Menander (Mein. Com. 4, 246) d$d d-akd^%iig 
dj tonov f$v\ (Vgl. Dindorf zu Ar. Ran. 265 = p. 222 
ed. Ox.) 

Nicht €, sondern o vor dem digamma und daher durch- 
gehende contraction mit dem thematischen vocal in allen seinen 
farbungen haben wir in X6j:a> (x 361 Xos); daher iXovfjtsy, 
Xovta^, XovfABi^og, Xova&m u. s. w., hinter welchem ov nur in 
schlechter Überlieferung nochmals der thematische vocal er- 
scheint. Däneben allerdings in der 2. sg. med., wie dis^, so 
auch Usk (Ar. Nub. 838). 

Soweit von dem diganunatischen hiat im attischen. Warum 
iwia immer offen bleibt, und warum aus allfälligem ^irpsd- 
xovta in dieser mundart niemals ivvifxovra werden konnte, ist 
jetzt, denke ich, deutlich. Allein da iwi^xavTa eine homerische 
form ist, muss auch die homerische spräche auf diesen hiat 
untersucht werden. Ihre unendliche buntheit zeigt sich auch 
hier. Nur auf einige punkte möge hinzuweisen erlaubt sein. 

Brugman (Bezzenbergers beitrage 2, 252) stellt den satz 
auf^ dass in allen fallen, wo bei Homer ein v-diphthong un- 

18* 



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276 Jacob Wackernagel, 

mittelbar einem vocal vorausgehe, ursprünglich hinter jenem ein 
consonant gestanden habe. Dieser satz ist dahin zu erweitern, 
dass dieser consonant ein anderer als <r sein muss, da wir 
auch bei den »-diphthongen zwischen solchen, denen der 
vocal unmittelbar, und solchen, denen zunächst er folgte, keinen 
unterschied getrofifen haben, und gilt in dieser erweiterung 
trotz manchen widerstrebenden formen für das attische. Für 
Homer ist er durchaus falsch. 

avigvacof und hesiodeisches xavd^mg, weil auf äfßigvaav 
(vgl. dXXv€(fx€y) und xaj:j:d^atg (vgl. xdXXme) zurückgehend, 
sollen nicht geltend gemacht werden, auch nicht evads aus 
iafads (wol durch die Zwischenstufe sfßade). Auch nicht iatfta, 
da dieses, iäXXfo nach zu urteilen, auf iavajm zurückgeht. Aber 
avta%oh aus dfiaxo^, lovBiS^m Z 5(38 = O 265 neben Xosy lomv 
(von Nauck in Xoietri^at geändert), ovata, dxovi^ Man müste 
sogar ein altes i/jvsQOivta vermulhen, wenn evQiiBvia richtig 
mit ^sQosvta identificiert wäre (Nauck, bulletin 22, 12); man 
würde sich jene form zunächst in evBQosvxa verlesen und dann 
des anschlusses an Bvqvq halben in BVQcisvna verderbt denken. 
Aber das wäre eine haltlose vermuthung. 

Der am häufigsten vor vocalen sich findende v-diphthong 
ist Bv. Das merkwürdigste beispil ist crct/«. Ais dessen anlaut 
wird durch alle homerischen stellen, an denen es vorkommt, 
aa erwiesen: P 463 otB aasvaiTo, W 198 üb aaBvavo, in com- 
positis Xaoaaooq (wonach spätere ßQoroaaooc, noliaadog, vi/oa- 
(fdog), imaaBVfj, inusaBVBCi^a^, im wortinnern: iiStSBva, itravfkai, 
i(fifv(*irog, taavto. Einzig iisav^^, E 293 falsche lesart 
Zenodots, widerspricht. Da nun <ra aus a^*, xi^ Vj ^j> V ent- 
standen sein kann, so kann die schwache wurzelform aav 
grundsprachlichem hyUy ghyu, tyu, dhyu, tvu entsprechen. Das 
letzte fällt als undenkbar sogleich weg. Von den übrigen bietet 
nur das erste die möglichkeit etymologischer deutung, aber 
diese vollkommen befriedigend. Actives (und mediales) ^bv(o 
heisst »antreiben« und »erschüttern, schütteln« (vgl. hesiodeisches 
öoQvcfGüog), actives und causatives cyu im Veda »ins werk 
setzen, treiben« und »erschüttern«, das davon abgeleitete cyau^ia 
»anfeuernd, erschütterung« ; im Avesta das causativ shavayaiH 
»heranbringen«, »gehen machen«, shüta »geschleudert« »ge- 
schüttelt«. Mediales astiofAat bedeutet »eilen« »erregt sein«, 
mediales ci/u im Veda »erregt sein, schwanken«, »eilen« (letzteres 



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Zum Zahlwort. 277 

in apacyu\ actives und mediales avest. shu und apers. siyu 
leilenc, cyatUna ^^bemühung« = shyaothna aus *shyaothna »that« 
(Hübschmann ztschr. 24, 353). Es ist unbegreiflich, dass diese 
schlagende vergleichung Potts (E. F. 2, 693) unbeachtet ge- 
blieben ist. Das präsens von cyu lautet nun aber cyavati, das 
von shu shavaüi, das von siyu siyavati, also auch das von <y<;v, 
aaißfü oder aaev^o. Mit Brugman a. a. o. ein altes *a£viA$ zu 
construieren, ist gänzlich unzulässig. Das verbum ist ein reines 
dichterwort und war vielleicht schon zu Homers zeit veraltet; 
daher die ausnahmslose bewahrung des diphthongs; ein Attiker 
hätte 0iw sagen müssen. — Dass auch asiut oder, wie Homer 
ausser an der späten stelle S 285 sagt, aifsiu) mit aa^m zu- 
sammenhängt, ist wahrscheinlich, obgleich das si Schwierigkeit 
macht. Fröhdes Zusammenstellung des verbums mit skr. tveshoH 
(ztschr. 22, 263) scheitert nicht nur an der bedeutungsdifferenz, 
sondern auch am lautgesetze (s. oben). — Aus atfv finden wir 
ein nomen *aaoj:og abgeleitet, das bei Hesych fcovg' t^ nogsvatg) 
vorliegt ; daran schliesl^t sich ein denominativum *aaoj:i<a, wohin 
zunächst sicher gehören Hcsychs iaaoijfiivov* zex^oQvßiifiivov, 
(aQ^kijlkivov und aotifii^v' oQfAWfiiiv (vgl. dor. svxccQiatdSfAsg, äyrnfia^y 
taywfAai u. s. w. bei Ahrens 2, 212), sodann auch die gewöhnlich 
auf eine unmögliche grundform aifofiai zurückgeführten attischen 
formen (favficu u. s. w. (sovxui, aovtf^s, aavad-w, üov(f%^€u gehen 
auf *(foi€Tai, "^(foSsifx^s, *<ro$i(fx^(o, ^aoisad^cu zurück, wie dijXavv 
auf *<JiyÜ«6v; ^ovvTcu, aov auf *ao§ovxfu, *aoi(s)o wie idf^lov 
auf *idfiX6so. Hesychs aovao (Id't, OQfux), adSfiai (ignta JcoQieTg), 
ffaSvcu (oQ/Aatcu Iq%b%cu noqsvixm) lassen sich ebenfalls aus 
aoßim herleiten. 

Dasselbe vocalische tv, wie in aa$vij0, tritt uns bei Homer 
entgegen in öevofAcu u. s. w., öevöfAeyog, dsvBd&ai mit unsicherer 
etymologie, in svw = wo, in äUveta^ co 29, dlsv6(A€vog 77711 (?), 
Hes. Opp. 535; dann in den aoristen laasva, txsva, dXsvcero 
(neben Ix^a, dliaa^e)^ und den coniunctiven x^^f^M'^^f i^^it welch 
letzterm das attische futurum x^a> identisch zu sein scheint, und 
älsvsvai; endlich in dsvi^aeat, idsv^fSsv, in^dev^g. 

In einigen fallen ist unstreitig an stelle von ursprünglich 
vom dichter gesetzten bv in dem vulgären text ci getreten, und 
zwar in der weise, dass zuerst das sv dem « der jüngeren 
spräche wich und alsdann dieses s des metrums wegen gedehnt 
wurde, n^siw, y^siw, nXsim, x^^^ b^i Homer und itino bei 



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278 Jacob Wackernagel, 

Hesiod auf *nP€j:j(o, *#«fjw u. s. w, zurückzuführen, wie das 
jetzt gewöhnlich geschieht, ist unzulässig, weil die bildung mit 
j hur formen wie nprlco, &tm u. s. w. hätte erzeugen können, 
nie aber an die starke wurzelform tritt. Mit dem wegfall dieser 
erklärung wird die identification von ^siw mit hom. att. ^ipo», 
skr. sravaii zur notwendigkeit. Da nun die auf Homer fussende 
poetische spräche ein präsens x^^^ kennt (Hesiod, Euripides), 
ist gleichstellung dieser praesentia auf -fi/co mit denen auf -«tJ«, 
von denen sie in ihrer formation nichts trennt, das nächst- 
liegende, also nvsvoo, r^^sva, nXsv^, xcv»^ ^€V(&. Dieselbe Ver- 
drängung von ursprünglichem ev liesse sich in j:€md'oog aus 
fiBtffäid^cig vgl. svads aus liJfoöe vermuthen, sicher ist eine solche 
anzunehmen in igslofAsy A 62; igBvofMV : igico (äol. iQBvo^) 
=: XsvofAsy : x^^- ^^^ ^^^ Curtius Vb. 2, 58 zu diesem 
coniunctiv supponierte präsens Igt^/jt^ existiert nicht. 

Das gegenstfick zu diesen formen bilden diejenigen mit 
contraction zweier, ursprünglich durch digamma getrennter 
vocale. Solche lässt sich für beinah alle falle, wo sie im 
attischen vorkommt, bei Homer belegen. Ich beschränke mich 
auf metrisch gesichertes. 

OS : äd^Xov, dd^Xsita, d^icrrov (wird vielleicht besser d^^MTrov 
geschrieben), äaafAsv (nur n 367 und hier vielleicht zu- 
sammen mit dem vorausgehenden vvoct"' an stelle von 
cÜcaafisv getreten, vgl. die.V. L.), davog (aus daj:6ay6g; 
daXog ist daj:€X6g lesbar). 

U€t : aixtSg X 336 (fälschlich zu der unmöglichen form dixäg 
zerdehnt, wie Hesiod sc. 477 aidig zu mdig). 

ai : der obliquen casus von naXg. 

SS : »sXvai, (Z 92), stqvas {ß 389, s 261), si^a^at {& 5, 
5 332 = 1: 289); bivat, x«?«^^«* x 518, visig o 248 al. 
Oflfen lesbar, aber doch hier zu erwähnen ist ielöwgog 
aus tsi-dä^Qog, dessen erster bestandteil genau indischem 
yava entspricht und in seinem zweiten s ein höchst 
interessantes beispiel des schwächeren staminauslauts 
von o-stämmen bietet. — siato 2 596 ist wohl aus 
ij:iaato ZU erklären; vgl. ved. vasakL — dsr I 337. 

sij : dfjasv 2 100. 

a : Vdvffst {s 398, v 35 Bk.), UxtUst U^ 792, sliov (Knös 
p. 114). ^stog & 539, aber zu der zeit, als der solenne 



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Zum Zahlwort 279 

austausch von dtog *Odvif<fevg mit dem genetiv ^OSvatt^og 
d^eioio (statt dio&o) sich festsetzte, offenbar noch ^ii^og 
gesprochen; vUt 2 144 al. Dazu ein aus der Über- 
lieferung verschwundener fall. Knös p. 60 weist nach, 
dass die formen laxe, Xaxov von ailen andern formen 
desselben verbums durch den mangel eines anlautenden 
digammas und zugleich durch die länge des $ sich unter- 
scheiden. Wenn wir beides auf eine gemeinsame Ur- 
sache zuräckzufuhren suchen, so können wir dieselbe 
nur darin, dass ia%9v Xa%s imperfectisch, also möglicher- 
weise augmentirt sind, sehen. Dasjenige äugment aber, 
welches ersetzung digammatischen anlauts durch voca- 
lischen veranlasst, kann nur das syllabische sein: /iax«> 
ij^iaxop, ita%ov und daraus €ta%ov. 
Nur letztere form konnte von Homer als augmentiertes 
Präteritum zu /««x» gebraucht werden. Nachdem aber idxm 
mit vocalischem anlaut und in der folge Xaxov mit temporalem 
augment üblich geworden waren, wich eXaxov auch aus dem 
Homertext. Es ist eine Verdrängung nicht unähnlich derjenigen 
von sXfAfvai^ sXofuv durch sprachwidriges ifuvai, fofAsv. 

f € : Tifik^g, TtfA^ffta, XBXV^<S(ta^, ^q^, ^$xto, ^Xiog, ß^va$ u. s. w. 
ifi : d^€d, dfimv, d^ovv, dfjiSp, dfjiiffag u. s. w., 'naQijog. 
{a : dtog.) 
0€ : davvai {W 593, a 292), didoSvai {Q 425), HaiQOvatfSwv, 

Xwtovvta. 
osi : dXXosidia v 194 (cf. Knös 121). 
Ol : iwsdßoiog, oionolog, oiog, oifSv, 
00 : vovg? 
W6 : äl6Sva$, ßMÜrm. 
M» : vneQfSov {Jl 184). 
Hat nun neben diesen auch im attischen legalen contrac- 
tionen Homer noch andere zugelassen? Die frage lässt sich 
nicht verneinen. Mancherorts freilich beruhen die contrahierten 
formen auf Verderbnis. $ 283 via fUv (Aot uatia^s für vij' 
äfif0fv xaria^e, a 183 nkkmv iii* oXvona novtov für nXmi»v 
(nXsimv) oXvona novrov^ O 339 MfjxKfx^ d^iXa lIovXvddfAag für 
Mijwfft^a da Jlotdvddfiag^ J 384 dyy^^y ^n$ Tvdij avsrXttv 
Uxatoi für dyYsJUiiv Tvö^ IttreiXav A. (für die letzten zwei 
stellen vgl. Nauck, bulletin 17, 190. 191). Auf falscher lesung 
des überlieferten beruht einsylbiges -iog aus -ff»^ in JffiiXiog 



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280 Jacob Wackernageli 

vioc, Mi^xtariog viog (1. Jli^X^oQ t;oc, Mf^nt^tsi^og rd^), mis- 
verständlich nachgeahmt von dem späten Verfasser von m 398 
COdvdBVQ de iaßdv xvfSe xbIq^ inl xuQnai). Was übrig bleibt, 
sind zunächst augmentierte formen wie ^h», ^^e, ijvaaae, ^ydaps, 
tül^s, äpoi^s, anwx^ae, die alle nicht sowol aus den älteren formen 
contrahiert, als vielmehr mit temporalem augment aus den 
digammalos gewordenen praesentia gebildet sind. Da aber das 
anlautende digamma uns hier nichts angeht, so können diese 
formen, die übrigens alle ohne muhe zu beseitigen sind, unbe- 
rücksichtigt bleiben. 

Als wirkliche ausnahmen vom attischen contractionsgesetz 
sind dagegen zu bezeichnen : dspÖQiu) {ri52), depÖQifop {t 590), 
n€Xsxi(»v{t 578)i TiBXsxsag ( U^ 1 14), zu lesen dsvdgw, d6vdQwpu.s.w., 
sodann oyddxovta^ imßdaofjkai, ßaiifapit M 337 (Nauck ge- 
waltsam ßodoptt)^ äyvdüaiSxs. Dass xi^q nicht aus xiaq contrahiert 
sei, steht längst schon fest, ^sog u. s. w. bleibe dahingestellt. 

Hieraus ergiebt sich, dass ausser in ßdcfavT^ die contraction 
(oder synizese) nur unter metrischem zwang erfolgte, indem 
eine kürze, die einer länge vorhergieng, entweder auf zwei 
kürzen oder auf eine länge folgte, also nicht sprechbar war. 
Durch die contraction aber von ßoijifaptt zu ßiiaav%^ ist zwar 
nicht eine unmögliche form, wol aber eine unbequeme durch 
eine sehr bequeme form ersetzt worden. 

Da nun *ipy€dxoyra keine unmetrische form ist, auch nicht 
eine unbequeme, da insbesondere an der stelle, wo ivptjxopxa 
überliefert ist, ivvBaxovva dem verse noch besser angestanden 
hätte, ergiebt sich die herleitung von ivv^ aus ivvia- auch für 
Homer als unmöglich. 

Es bleibt so für die deutung von ivvijxovia nur noch ein 
weg, der von Osthofif und aa. eingeschlagene, nämlich herleitung 
desselben aus ivß^xowa^ letzteres ebenso zu erklären, wie oben 
*ipv€ijxov%a erklärt worden ist. Wer diese deutung billigt, muss 
aber, ebensowol als in ipp^ftaQ, ipp- durch stp- ersetzen. Mit 
dieser Schreibung sip^xopva ist aber noch eine andere auf- 
fassung möglich. Wenn wir homerisches rgans^a, tQVffdXna, 
oUtiag {B 765) — letzteres mit verwegenster hintansetzung 
der Überlieferung gewöhnlich auf o-fsviag zurückgeführt — aus 
TSTQccns^a, tstQvtpäXsta, oifojsviag (»eiusdem aetatis« vgl. avest. 
aeva) berücksichtigen, dürfen wir uns rückführung von «»wy- 
Hovta auf sipsv^MOPva gestatten. 



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Zum eabiwort. 281 

Da somit die homerische form entweder auch auf iv^sv^- 
xoyta zurückgeht, oder aber, nach der ersteren deutung, weil 
den a-vocal von ivj:a^ voraussetzend, erst innerhalb des 
griechischen entstanden ist, bleibt die annähme von urgriechi- 
schem envenakonta == lat. nonaginta unerschüttert. Osthofifs von 
keinen gründen gestützte zweifei (morphol. forsch. 1, 123 n.) 
sind höchstens für den zweiten Iheil des compositums zulässig. 
Wir erwarten im lateinischen statt -ginta -cunta; das -gi- stammt 
wol aus Übertragung aus viginti. Auch gegenüber skr. -gat er- 
scheint gr. 'xovva als das ursprünglichere; jenes zeigt, im Zahl- 
wort nicht überraschenden, eintritt von flexionslosigkeit , steht 
also mit den schon grundsprachlichen schwachen Stammformen 
pef^, septm, nevn, dehn, von deren ehemaliger flexion sich 
nur in den zehnern Überreste erhalten haben, auf gleicher linie. 
(Vgl. auch Zimmer, ztschr. 24, 224. Brugman, stud. 9, 265). 

Gehen wir vom neunzigzahlwort gr. it. envena^(nevena-)konia 
weiter, so springt sogleich die gleicliheit des vulgarlateinischen 
oduagifUa mit griechischem dydo^'xopta in die äugen (vgl. 
Schrader, stud. 10, 292); sie gehen gemeinsam auf oäovakonta 
zurück, wie ^ix^^sog — viduus auf *vidhevos^ tiog iog — tuus 
st4U8 auf tevos, sevos u. s. w. oduaginta wurde durch octoginta 
verdrängt, weil oä(h als erstes glied von compositis geläufig 
war, und ist daher der classischen spräche fremd. Diese bietet 
aber eine tochterform desselben in septuaginta (statt *s^tumaginta 
= gr. ißdsfi^xoyta altir. sechfmoga), eine form, welche ihre 
mutter an lebenskraft weit überflügelt, sogar auf die einzahl 
zurückgewirkt {septtwnnis, septuennium) und dadurch zu mancherlei 
hrrthümern veranlassung gegeben hat (Ascoli, Gurt. stud. 9, 359. 
J. Schmidt JLZ. 1877 p. 734. Osthoff, morphol. forsch. 1, 127). 
Umgekehrt beruht octingenti (vgl. oxraxoVioi) statt *octocenH 
(vgl. du%wn6(fioi auf der äolischen Inschrift von Eresos A z. 30) 
auf dem einfluss von septingenti (vgl. eniaxoc^oi). — Uebrigens 
steht das graeco-italische oäovakonta an allertümlichkeit weit 
hmter altindischem aQlti zurück. 

Wie nun nonaginta mit nonus, o/do^xorra mit ofdoog und 
ißdBfAijxoyta mit ^ißdsfjiog {ißdofiog) verknüpft sind, ebenso 
hatten die gleich gebildeten zehner ivj:Bv^xovxa und oduaginta 
ihnen entsprechende ordinalia der einer: *ivj^bvoq = nonus, 
*cctui^ = oydoog neben sich. Beide sind in historischer zeit 
schon verdrängt, *ivj:$vog durch £vj:avog in derselben weise wie 



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282 Jacob Wackernagel, 

*dBH€fiog durch ditcavog, nämlich in folge von Übertragung des 
'tog aus den kleineren zahlen, *octum aber durch oäatms auf 
grund der functionsgleichheit der vertauschten endungcn. 

Die grundsprache bereits kannte ein secundäres suffix -vo, 
und damit gebildet vidhe-vo = skr. vidhava, gr. ^id^eog, lat. 
viduus u. s. w. und patr-vo^ das genau reflectiert nur in grie- 
chischem näxQiaq (aus *ndrQaj:og) vorliegt, vrährend im sans- 
krit Weiterbildung durch -ya (pitr-v-ya), im lateinischen über- 
tritt in die categorie der derivate aus o-stämmen stattgefunden 
hat (patruus). Dasselbe -vo lebt fort in sanskrit, griechisch und 
latein: hinter conson. stammen in skr. vifva und lat. Minerva 
('= *fnene8'Va), hinter t-stämmen in skr. Mjiva, räjlva, (onHva, 
lat. natfvi4S, fwrtlvus, sallvus (vgl. 4lWAs\ hinter a-stämmen in 
skr. rasnava und mit einer, der schwachen Stammform gemässen, 
auch in nidhi, puramdhi gleichartig sich zeigenden ersetzung 
des a durch i in c^addhiva, endlich hinter o-themen in skr. 
kegava, arnava u. s. w., griech. xspsSg, dg/aXiog, -riog, lat. 
annuus, strenuus (aus atg^pog), cemuus (vgl. tcgavlop) u. s. w. 
Man sieht, dem lateinischen fehlen derivate aus a- stammen; 
anders als auf -avus könnten solche kaum ausgelautet haben. 

Bekant ist nun, wie im griechischen masculine Stammformen 
auf s/o zunächst in der Zusammensetzung gern mit femininalen 
auf ä wechseln: normalen diifioßoQog und x^W^QO^ steht ver- 
einzeltes iXafpi^ßolog , d-avati/fpögog, noXsfiadoxog und regel- 
rechtes ^fAeQOÖQÖfwg, ^aXafsaoxqat^g gegenüber. Ersterem ent- 
sprechen ahd. spilohüs, lobosam, tagostemo (Osthoff, a. a. o. 
1, 270 n.), letzterem lat. stdliger, tubicen^ terrigena, spicilegium. 
Aehnliches gilt in der ableitung. Homer schon hat neben regel- 
rechtem nvsQoetg und TifAijstg einerseits aus xotog xaTij€$g, aus 
(pokvdg fpoty^eig, anderseits aus axid (fx^eig (vgl. iaxaqoipiv). 
Besonders stark in dergL Ist das lateinische. Von cda wird aks 
gebildet wie von eqwus eques; umgekehrt dient animälis aus 
anima als muster für muralis, tribunal aus mt^rus, tribunus, 
ferner ptignare, midtare aus pugna, multa als muster für 
sonore, pröbare aus sonus, probtis. Hienach ist die annähme, 
-uns und -avus, die sich durchaus nicht mehr von einander 
unterscheiden als -ostg und -^etg, seien einmal promiscue 
gebraucht worden, gevnss nicht verwegen. Wenn die spräche 
aber zwischen annuus und *annavus, strentMS und ^s^enavus 
schwankte, konnte auch neben ^oäuus ocfaintö sich eindrängen. 



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Zum Zahlwort. 283 

Warum hier das letztere, bei den eigentlichen adjectiven aber 
die echte form siegte, wird sich kaum ermitteln lassen. 



2) catur. 

Altindisch catur ist mannigfacher geltung. Ursprünglich, 
als schwache Stammform, ist es in ccUurbhis, caturbhyas u. s. w. 
und in caturtha, unurspirunglich dagegen als erstes glied von 
possessivcompositis. Als solches gebrauchte die grundsprache 
ketruy wie erwiesen wird durch avestisch cathtfAgaosha, cathrt^ 
harana, cathrucashma , catrupistra, catrumähya, ccUhr^iyukhta, 
eathruraiu, griech. vQVfpuU^a aus *%B%Qv^lsta (Fick, Bezz. 
beitr. 1, 64), lat. quadrupes, quadruplex, qmdrupliis, quadrttösis, 
quadruvium. Man sieht nicht ein, wie alle diese sprachen, wenn 
keiur- überliefert gewesen wäre, zu dessen ersetzung durch ketru- 
hätten kommen sollen, zumal das lateinische gerade umgekehrte 
metathesis liebt: tarpessüa, Cortana, Tharsymadms u. s. w. 
Dagegen erklärt sich die ersetzung von hetru- durch hetwr- im 
Sanskrit und in mehreren europäischen sprachen aus der sitte 
die schwache Stammform auch als erstes glied von compositis 
zu verwenden. Uebrigens scheint im Sanskrit das catur- der 
composita als zusammenhängend nicht nur mit caturhhis, 
cattiriha, sondern auch mit catur »viermal« empfunden worden 
zu sein. Nur so erklärt sich das den mit catur gebildeten 
compositis nachgeformte triragri, für welches allerdings in be- 
tracht kommt, dass an der einzigen bel^^stelle (RV. 1, 52, 2) 
oaturagri dicht daneben steht (Garbe, ztschr. 23, 610). 

Wo ketru- galt, wirkte es leicht über sein gebiet hinaus. 
In d^ Avestasprache sehen wir zu bis, thris ein catihrus, zu 
fhri^a ein cathrtishva hinzugebildet. Auf andere weise macht 
sich im lateinischen der einfluss von quadru geltend, quadru- 
plex hat wahi^cheinlich das u von quincuplus, octwplex, centuplex, 
quadrupes das u von quincupedal, sicher qtuxdrussis das u von 
octussis, nonussis, decussis, centussis (vgl. bessis, tressis) herbei- 
geführt. Was aber im lateinischen bei der hundertzahl geschah, 
dass der auslaut der vier sich dem der sieben und der neun 
assimilierte, wodurch *quadruc€nti durch quadringenti verdrängt 
wurde, das geschah im griechischen durchweg, wo HsTQvnX^, 
*t€tQvipa3iog nach dem muster von inraßdstog^ eivdevcg in 
ti%lf<mX§^ tsmä^aleg übergieng« Vgl. die mit nivta-j oinr«« 



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284 ^acob Wackernageli 

statt mit neyxs'^ oxioo- anlautenden composita. Wie cathru- im 
Avesta, zeigt sich dieses tstga- auch als grundiage von deri* 
vaten: Tirgaxctj xixQax%^a, xixqutog, letzteres für ^xbxvqxo^ 
(= skr. cctkiHha)^ das mit Übernahme des a von xiacagsg in 
ionisch-attischem xixagxog erhalten ist, während die dorische 
form wegen der bevorzugung der gemeingriechischen Zahlwörter 
auf den heracleischen tafeln unbekannt ist. Noch weiter ge- 
drungen zeigt sich xsxQa- in Hesiods und Pindars xixQaa*. 

Noch ein wort bleibt zu besprechen, worin sich avestiscb 
cathru- und altindisch catur- entsprechen, letzteres also aus 
€€^1^1^ hervorgegangen ist, nämlich das cardinale für 14: cathrU" 
daga = ccUurdaga, arisch ccUrucUigcL Diese form ist durch einen 
grossen abstand von derjenigen getrennt, die wir als grund- 
sprachlich voraussetzen müssen. 

In der grundsprache wurden die addirten zahlen von 21 
an durch, meist wohl von der copulativpartikel gestützte, an- 
einanderreihung mit voller Selbständigkeit der einzelglieder ge- 
bildet. Die Übereinstimmung von vedischem trdyaf ca Mfnfdc 
ca, ekam ca vimgaHm ca, avestischem pafkchca vigaiH-ea, 
thrayag-ca thrigäQ^a, griechischem dva xai nsvx^xovta, latei«- 
nischem qucUtwr et viginti u. s. w. lassen einen zweifei daran 
nicht aufkommen. Dagegen bei 11—19 trat zwischen den ver- 
bundenen zahlen ein inniger zusammenschluss ein, indem die 
zehnzahl ohne copula und unter verlust des eigenen accents 
angefügt wurde, der einer aber in der form des nominativs, 
und zwar in 11 wol in der des neutralen, in 12 — 14 in der 
des masculinen, erstarrte: 11. vgl. av. a^vandaga »undecimus«, 
gr. ivdsxa, lat. undecim (aus *ummdecemy wie vendo aus 
vefiumdo). 12. ig. dvSdekm, 13. treiezdehm, 14. ketvorejsdekm, 
15. penkedekm, 16. ksvegzdeknj, 17. septmdekm, 18. oktSdehn, 
19. nevfidekm» Am getreuesten finden wir dies im lateinischen 
bewahrt; die übrigen sprachen zeigen nur reste des ur- 
sprünglichen. 

Einerseits nämlich drängt sich im griechischen die für die 
zahlen von 21 an gültige additionsmethode auch in die zahlen 
von 11 bis 19 ein. Die Dorer sagen (ob ausschliesslich?) nach 
der analogie von sixoat elg u. s. w. dixa elg (Delphi), dixa tv^ 
öixa dvo, dixa VQta, dixa xixoga, dixa nivxB, dixa j:i^, dixa 
knxd (so die tafeln von Heraclea, welche daneben auch die 
aus der xo#vf entlehnten xgBlg xal dixa, niv%s xal dixa, oxxm 



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Zum Zahlwort. 285 

xal dixa gebrauchen). Jonier und Atfiker dagegen nehmen äva 
ndi §txoü& u. s. w. zum muster, und lassen zwar Svdsx^, daidexa 
(dtmiexa), bieten aber neben letzterem bei Homer und Her. 
3, 91 dvoxaldexa, sodann ausschliesslich nach dieser weise von 
13 an: tQsiqxaiÖBxa, tsiSaaQsgxaidsxa, nsvvsxaidsxa u. s. w. 
Allerdings wachsen alsdann diese neubildungen ähnlich wieder 
zusammen, wie die alten formen; ein accent beherrscht die 
nagä^^satg^ obwol grammatiker wie Pamphilus (Herodian zu 
B 557 vgl. auch zu O 678) dies verwarfen, und in folge dessen 
wird ^kl^xaiösxa zu ixxaldexa. Es erstarrt ferner das erste 
glied. Herodots TsaasQsgxaidsxa gilt nicht bloss für den noni. 
des masculinums und femininums. Merkwürdig ist namentlich 
das dreizehner Zahlwort, dessen form, ob wir sie nun mit tgs^g^ 
oder mit ^PQig- schreiben, d. h. ob wir einen erstarrten nomi- 
nativ oder einen erstarrten accusativ annehmen (vgl. dorisch 
vQig, auf der bruttischen Inschrift als accusativ, auf den tafeln 
von Heraclea dagegen auch als nominatiy gebraucht; ferner 
die von Bamberg a. a. o. 28, 27 richtig als ursprüngliche 
accusativformen erklärten nominative des plurals auf -vg bei 
Attikern), schon bei guten Attikern sich erstarrt zeigt: Thuc. 
%Q$gmUdsxa vavalv, Isaeus tq$gxaidsxa fivmv. Zu beachten sind 
endlich ordinalia, wie Homers TQ6tgxa$d€xctTog, 3xTtöxa$dixatoc, 
wie herodoteisches TsfftfsQegxaidexaroc , nstfrsxatd^xaTog (wie 
3, 93 mit den besten handschriften zu schreiben ist), wie 
inToxaidixoTog bei Thuc. 

Dieselbe tendenz, die wir im Griechischen getroffen haben, 
zeigt sich im Altirischen, während die germanischen sprachen 
im ganzen das alte bewahren — nur das ahd. zeigt ähnliches 
wie das Griechische — und die lettoslav. sprachen sich in 
neubildungen versuchen. Dagegen in strictem gegensatz zum 
Griechischen stehen die arischen sprachen. Hier wird die 
grundsprachliche composition intensiver und extensiver. Inten- 
siver, insofern als catvOrcLzdaga durch catrüda^a, die nagad^eatg 
durch die reine cvr^^sag ersetzt wurde, zu welcher Umwandlung 
der anstoss von pancadaga mag ausgegangen sein, und welche 
sich in avestischem thridaga statt Hkrayazdaga fortsetzte. Exten- 
siver, insofern als wenigstens im altindischen das für 11 — 19 
geltende compositionsprincip auch auf 21 ff. folgende au^edehnt 
wurde. Neben alterthümlichen Verbindungen gewährt schon 
der Rigved£^ trayastrimfoi , catustrivngoAy caivihgatam (vgl. shaf- 



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386 Jacob Wa(^ernagel, 

trit]^fd, tripa^agd). Die classische spräche zeigt dies als r^el 
und auch hiebei wieder die tendenz das erste glied möglichst 
in der gestalt zu geben, welche es in wirklichen compositis 
hat. Die mit zwanzig und dreissig addierten geben dieser 
tendenz nur in bezug auf den einer nach: ehaviifkqati, ekor 
triffigai gegenüber ekodaga (durch den einfluss von dmdaga 
eingetreten für "^ekodaga oder *ekandagä). Aber bei den übrigen 
können dvä-, trayas-, aita- durch das in compositis gebräuch- 
liche dvi-, tri- (zSta- ersetzt werden, und vor aglü ist dies sogar 
obligatorisch. 

Soweit von demjenigen catur, das als Substitut von cairu' 
in compositis erscheint. Es bleibt übrig das selbständige catur 
»viennaU. Es kann dasselbe mit di>is, tris auf gleiche linie 
gestellt und auf *caturs zurückgeführt werden. Da aber im 
lateinischen ein gleichbedeutendes und allem anschein nach 
primitives qucUer existiert und dasselbe mit diesem ctxtur zu-r 
sammenzubringen naheliegt, erhebt sich die frage, ob nicht 
beide auf eine gemeinsame grundform zurückgeführt werden 
können. Da nun weder lateinisch -er auf älterem -ur(8), noch 
aber altind. -ur auf ig. -er(s) beruhen kann, bleibt als einzige 
möglichkeit eine ig. grundform ketf. Dass aus einer solchen lat. 
quater entstehen konnte, ist bekannt ; dass sie, wenn überhaupt 
im sanskrit erhalten, catur lauten muste, soll hernach erwiesen 
werden. Zunächst sei noch ein Seitenblick auf das griechische 
zahladverbium gestattet. 

Für erklärung der endung -dx^g die gesammte masse der 
darauf auslautenden Wörter in Untersuchung zu ziehen, ist über- 
flüssig. Wenige einzelformen haben jedenfalls als typen gedient 
für alle andern, und diese musterformen sind nicht schwer zu 
ermitteln. Dass unter den aus adjectiven und pronomina ab- 
geleiteten noXXdx$g an der spitze steht, wird leicht zugestanden 
werden, und ebenso dass isTQclxig das erstgebildete unter den 
eigentlichen Zahladverbien war. Jenes aber ist aus zusammen- 
rückung von ttoUm »oft« {B 798. H 130) und einem encliticum 
'X^CgJ entstanden, dessen auslaut bei Homer ungefähr in der- 
selben weise schwankt wie der von avvwg, das also wie dieses 
ursprünglich auf -d ausgelautet hat. Griechisches *xid kann aber 
im Arischen, da mit g anlautende enclitica nicht existieren, nur 
durch cid reflectirt werden, und es trifl sich gut, dass ein solches 
cid als an andere Wörter angereihtes encUtiscbes adverb im 



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Zum Zahlwort. 287 

Sandcrit thatsächlich vorkommt, und zwar vedisch unter anderm 
in solchen Verbindungen wie purü dt, purüi^i cit, bhüri cü, 
bahu dt, sogar triq dt (RV. 1, 34, 1. 6,49, 13. 7, 11,3). Dass 
in diesem fall arisch c nicht durch % reflectiert ist, fallt vielleicht 
auf. Um so werthvoller ist tarent. äfAäug »einmal«. 

Wenn nun rexgcix^g ebenso selbständig entstanden ist wie 
noXlantg, so würden wir daraus ehemaliges *tBT^a = quater 
erschliessen können, und damit wäre der ansatz von ig. keif 
gesichert. Bedenklich daran macht der umstand, dass tstQaxtg 
selbst ebenso gut, als die übrigen Zahladverbien, noXl&xig nach- 
gebildet sein könnte, -ax^g galt nun einmal als endung, und 
wie TBtQa" grundlage von ableitungen werden konnte, ist oben 
erwähnt So entgeht uns der aufschluss, den eben das 
Griechische hätte gewähren können, und aus blossen möglich- 
keiten gelangen wir nicht heraus. 

Es bleibt noch übrig die entstehung von catur aus ig. kei/f 
als möglich zu erweisen. Nur zwei falle von auslautendem f 
sind denkbar: bei gebrauch der r-stämme im nom. sing, des 
neutrums und bei solchem im ersten teil von compositis. Der 
erstere gebrauch zeigt sich im Rgveda bloss bei sthatr, und 
hier lautet an allen drei betr. stellen der neutrale nominativ 
slhatur (1, 72, 6 ist die ursprüngliche ncutralform durch sthatfü 
verdrängt). Man hat, um sich über diese form hinwegzuhelfen, 
eine Stammform sthatur aufgestellt. Mit unrecht: einmal weist 
der zugehörige neutrale genetiv, der ebenfalls sthatüh lautet, 
auf ein thcma sthöir hin, und sodann ist das suffix -ttM- kaum 
überhaupt vorhanden gewesen. Denn ,^awfe«r" beruht nur auf 
3, 27, 11 (ignim yantüram aptüram rtdsya yoge vanüshaii vipra 
v4jaih sdm indhate, wonach 8, 19, 2 (agnim llishva yantüram) 
copiert ist, ist aber an jener stelle offenbar durch anähnlichung 
von urspr. yantaram an das folgende apturam zu stände ge- 
kommen. Und eine weitere parallele, ausser yantur, giebt es 
zu dem angeblichen stamme sthatur nicht. Das gleich aus- 
lautende vandhür ist ein compositum: van^ür (vgl. Muir 5, 
240 n.). Das neulrum sthatur aus ig. statf hat sich allerdings 
nicht gehalten; die jüngere spräche hat auf grund der gleichung 
posubhih : vasu = datrbhih : datr auch in diese casusform das f 
eingeführt. 

Die schönste bestätigung erhält sthatur von selten der 
composita mit auslautendem -üh im ersten gliede, deren bildungs- 



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288 Jacob Wackernagel, 

weise P. 6, 3, 23. 24 lehrt : püfihptdra, hoturatUevasin, duhitüh- 
pati, pitühshvdSf u. s. w. Es sind uralte composita, als termini 
des familienlebens und der priesterschulen bis in späte zeit er- 
halten, Überreste der sonst verschollenen regel, dass Wörter auf 
-r im ersten glied von compositis ihren auslaut in der gestalt 
-uh zeigen. Die haltlosigkeit der vulgären erklärung derselben 
wird sich hernach ergeben. — Wie aber schon im ältesten 
Altindisch catrur durch catur- als die für composita normale 
schwache Stammform ersetzt wurde, so sehen wir schön im 
Rigveda, ausserhalb des bereichs der familiennamen und priester- 
titel, wofür er zufallig keine belege gewährt, -uh durch -r er- 
setzt: nrcdkshaSy pitrshad, matpnrshia, hotrvürya u. s. w. wie 
nrbhis, pitrbhis, mOtrbhis, hotrhhis u. s. w., ebenso in der späteren 
spräche, hier sogar mit arbiträrer ausdehnung des r auf solche 
zusammengesetzte verwandtschaftsausdrücke, deren zweites glied 
svasr oder pati ist. 

Jenes alte -wä der composita ist schliesslich ««düng des 
genei ivs geworden. Wer eine umgekehrte Übertragung behauptet, 
müste zuerst die möglichkeit einer auffassung von -uh als 
genetivendung erweisen. Das wird niemals gelingen. Wie 
haltlos der neueste versuch der art, der von Saussure, ist, 
welcher z. b. mätur durch die Zwischenstufe matürs auf matrs 
zurückgehen lässt, sieht jeder. BVagen wir nach der arischen 
genelivform, so dürfen (lat. patris, griech. nazQog) avest. dcUhrö, 
braihrö, qtaothrö nicht dazu verleiten sie mit -ras anzusetzen. 
Denn da diese avestischen genetivformen andere neben sich 
haben, die teils auf ars {gägtars, nars) teils auf as auslauten, 
und zu denen sie sich nicht anders verhalten als tanvat zu gotaot, 
manyaot, als erezvö, khrathwö zu jazhcLOSj rashfMos, als ved. 
pagvaJi, madhvah, vasvah zu pacoh, madhoh, vasoh, denen gegen- 
über sie also den eindruck später entstehung machen, wird der 
arische genetiv von bhrdff nicht anders als auf bhrdtars (oder 
vielmehr bhrdtarsh) angesetzt werden können. Solches bhrdtars 
muste indisch zu bhrdtar werden, also mit dem nicht-tonlosen 
vocativ zusammenfallen; ebenso zweideutig waren ndr, svdsar 
und die genetive aller barytonierten nomina actoris auf -tr. 
Und da, wo dieser genetiv sich durch den ton von dem vocativ 
unterschied, entbehrte er des unentbehrlichen s-lauts. Das be- 
dürfnis nach einer anderen genetivform war also gegeben. Für 
nar trat narah ein, parallel mit nare, nari, naram. Bei den 



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Zum Zahlwort 289 

andern nomina auf -r war zu der zeit, wo im aüslaut erster 
corapositionsglieder -r und -uh neben einander gebräuchlich 
waren und im kämpfe lagen, der letztere auslaut mit Vorliebe 
gliedern genetivischer function zugeteilt worden, weil der visarga 
das genetivische s zu vertreten schien, und püuhr hotühr u. s. w. 
also auf gleiche linie gestellt mit den ersten gliedern von 
rOffdskama, rayasposha, divodasa u. dergl. Von da aus ent- 
wickelte sich, als -ar unbrauchbar geworden war, -uä als 
genetivendung auch ausserhalb der Zusammensetzung. Wir 
können diese entwickelung nicht mehr verfolgen; sie war in 
der Sprachperiode, der die ältesten vedischen lieder angehören, 
schon längst vollendet. Die -f«Ä^genetive der nomina auf -r 
hatten schon weitere sprossen getrieben. 

Bekant ist die regel, dass in der vedischen spräche pati, 
wenn selbständig gebraucht, pa^a, patye, pcUyuh, patyau, da- 
gegen, wenn componiert oder mit einem genetiv construiert, 
regelrecht paiinä, pataye, ptxtes, patau bilde. Die regel ist 
richtig, aber rein äusserlich. Ein blick in den wirklichen ge- 
brauch zeigt die berechtigung folgender formulierung : pcdi ist 
r^elrecht flectiert, wenn es »herrc bedeutet, unregelmässig, 
wenn es »gattec bedeutet, pati ist also unregelmässig als ver- 
wandtschaflswort. Dies ist es aber erst innerhalb des altindischen 
geworden, wie attisch notss^ = niXst (mit unbekantem genetiv) 
und stvestisch patois = a^^^ns zeigen. Damit lässt sich das 
rätsei lösen. Die meisten verwandtschaftswörter haben themen 
auf 'T, also genetive auf -u%; wenn nun paii im alt indischen 
als verwandtschaftswort die endung vh ebenfalls zeigt und zwar 
als neuerung gegenüber älterem, bei pati »herrc noch bewahrten 
-e^y was liegt näher als anzunehmen, es habe sie geradezu von 
pUuh, mOtuh, svastth u. s. w. abgeborgt? Eine glänzende be- 
stätigung liefert der genetiv janyuh von jani »gattin« : 10, 10, 3 
(Yami spricht zu Yama) jdnyuh pdtis tanväm d vivi^yäh, der 
wegen mattA svasuh an stelle von janyäh getreten ist. 

Der bedeutung nach zusammengehörige Wörter werden oft 
zusammen und zwar parallel mit einander genannt; das hat 
leicht assimilation der formen an einander zu folge. So im 
Zahlwort, so auch bei den verwandtschaftswörtern. Im grie- 
chischen ist vtdtSi statt *vii(r&, *vtv<f$ durch natQd<f&, ^v/argdif* 
bedingt. Noch näher liegt für uns hier ein andres beispiel. Dass 
das indogermanische wort für »enkel, neflfec als schwachen 

Z«lUehrin für vergl. Sprmohf. N. F. V. 8. }9 

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290 Jacob Waokemagel, 

stamm nq^t hatte, wird durch das allen sprachen gemeinsame 
femininmn nepti erwiesen. Dieses nepi wurde im Arischen vor 
den consonantischen endungen festgehalten; daher av. nafshu 
aus ^napir^u, ved. nadbhyas (RV. 10, 60, 6; vgl. Benfey, Vedica 
p. 53) aus *näbd-bhpas. Vor den vocalischen endungen dagegen 
wurde ein r eingeschoben, wovon die verwandten sprachen 
keine spur zeigen, da füglich Hesychs corruptes vsonr^*' viwy 
^vfati^eq nicht als zeugnis gelten kann (vgl. Curtius p. 268, 
Saussure p. 227); es hiess also arisch nicht mehr ^napta, *naptai, 
*napkis, *napti, sondern napträ, naptrai, naptarsk, naptari. 
Worauf das beruhen soll, wenn nicht auf dem einfluss von 
pitra, pitrai, pitarsh, pitari u. s. vv., ist nicht abzusdien. Diese 
neuere flexionsweise finden wir avestisch vereinzelt auf die 
starken casus ausgedehnt: naptarem (dass khshalhrem nafecOirem 
nairyö^nhem misbildeter accusativ zu khshaihrönafedkrö nairyö- 
ganhahä ist, liegt auf der hand), vedisch dagegen auf alle 
mittlem, sodass hier nur noch die starken casus und das femi* 
ninum napH sich von r frei zeigen. In der spräche jüngerer 
vedenschriften werden napat, napOtam, napatas, napH durch 
naptä, naptarem, naptOras, naptrl verdrängt. Es stellen sich 
ableitungen ein wie tanunapiray aponaptrlya. Und naptf wird 
nach dem musler von motr, dühür, svmt femininalen gebraochs 
fähig. 

Als patefh im sinne von »maritic sich an püuh assimilierte, 
muss es zunächst zu ^patuh geworden sein; das y hinter t ist 
alsdann (oder vielleicht schon vorher in paMi) aus dem instru- 
mental und dativ eingedrungen. Ebenso verdankt pcstyau »in 
maritoc aus patau sein y jenen zwei c^isus. Woher aber haben 
diese ihr y? Wie kam y dazu, patya patye als casus des 
Verwandtschaftswortes von pcdma pcUaye »dominoc zu unter- 
scheiden? patya ist deutlich ursprünglicher als patina. Das 
verwandtscbaflswort hat gegenüber dem allgemeinen eindringen 
von 'ina das alte festgehalten offenbar der ähnlichkeit mit jpi^a, 
matra (die nie zu ^pU/p^a, ^nMfna wurden) zu lieb. Der paralle- 
lismus in^ra : patya hat ^oAoxm pitre : patye siBii pataye erzeugt, 
und dann ist y auch in *patu6, peUau eingedrungen. Eine ganz 
ähnliche erscheinung zeigt griechisch viv-, indem es seine alte 
gen. plur.-form v^ptSv (vgl. avest. pafväm, ralhwäm, hhraÜncäm, 
vanhväfn) wegen der ähnlichkeit derselben mit altem 7ta%Q»v 
gegenüber allgemein eindringendem -«fa»v bewahren konnte 



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Zum tahlwort J91 

und dann nach dem muster von &vyaTQ6c, x^vyatgi, &vyctrQa, 
^vyoTQsq, ^vyoxQag zu vtj:^v hinzu vlj:6qy vißi (fälschlich vlog, 
vh überliefert), vlfet, vlßi^, tflfceg bildete. 

Wie naptr seinen Ursprung vergessend sowol in der avesta- 
sprache als im sanskrit in den starken casus -tär statt 4ar ein- 
treten Hess, somit dätr, nicht, wie sich gebührte, pur sich zum 
muster nahm, so sehen wir auch bei der unregelmässigen 
flexion von pati ein vergessen der Ursache, der sie ihre ent-^ 
stehung verdankt, sich einstellen. Im sanskrit breitet sie sich 
über das ganze gebrauchsgebiet von pati aus, die compositÄ 
ausgenommen; die beispiele regelrechten gebrauchs sind hier 
nicht ein Überrest des alten, sondern Sünden gegen die gram- 
matik. Weil ferner aus arischer zeit her mkha seinen instru- 
mental mit sakhyä und seinen dativ mit sakhye bildete und so 
mit pafya, paiye sich reimte, nahm es auch des letztem genetiv- 
ausgang an: schon der Rigveda bietet aakhyuk. Der locativ 
S(Miffau kann selbständig kaum entstanden sein, da die echte 
form saJchl oder sakhayi (vgl. pUari) muss gelautet haben; er 
ist eher eine copie nach pcUyau, 

Denselben Vorgang sehen wir im späteren indisch wider-« 
kehren. Manche communia mit stammanslant ^, teils derivate 
teils composita, lauten im instrumental und im dativ auf -^ 
resp. -ye aus. Einzelne, bei denen die sprechenden der gleichfaeit 
dieses auslauts mit dem von ptxU, sakhi bewust wurden, wnrden 
den letztem auch im genetiv und locativ assimiliert ; es schlössen 
sich also z. b. einem instmmental stUya und dativ stdye ein 
genetiv stUyus und locativ mäyau an. Die treibende Ursache 
dieses Vorganges hat schon Böhtlingk erkannt (m^moires 7, 158). 

Basel, 30. mai 1879. 

Jacob Wackernagel. 



19* 



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292 H. Jacobi, 



Das quantitätsgesetz in den präkritsprachen. 

Professor Siegfried Goldschrnidt behauptet p. 28 seines 
werkchens Präkrtica Strassburg 1879, welches viele interessante 
Untersuchungen und werthvolle beitrage enthält, dass im präkrit 
1) doppelconsonanz nicht die Verkürzung des vorhergehenden 
langen vocals verursache, sondern zur bezeichnung der länge 
diene; 2) e und o stets lang seien. Wenn dies richtig wäre, 
so würden unsere bisherigen ansichten über den präkritischen 
vocalismus vollständig auf den köpf gestellt. Dies bestimmt 
uns, die sache noch einmal eingehend zu prüfen, ehe wir die 
neue ansieht, welcher der bekannte grammatische Scharfblick 
ihres Urhebers ein gewisses gewicht verleiht, adoptiren oder über 
sie den stab brechen. 

Betrachten wir zuerst den ersten sab.: »Doppelconsonanz 
hebt die vocallänge nicht auf, sondern ist eins der gewöhnlichsten 
mittel zu ihrer bezeichnung.c Die bisherige ansieht lautete in 
Lassens Worten Inst. ling. pracr. p. 138: »idem valent in scenica 
lingua productio vocalis et positio per consonantes, 
ita ut haec pro illa possit substitui et vice versa. Cf. Var. III 57. 
Hinc consequitur regula gravissima: corripi debent vocales 
sanscriticae sua natura longae ante complexum consonantium, 
aut omissa ex amplexu consonantium sanscrr. alterutra, produci 
debet vocalis in lingua sacra legitime brevisc. Hiernach also 
sind natura langer und positione langer vocal gleich werth ig 
(nicht identisch); sie können sich daher in einzelnen Worten 
gegenseitig vertreten : so vctssa väsa, ratti räti, goMa gäya, sutta 
sikfa, appa oMa äya etc. etc. In der überaus grossen mehrzahl 
der Worte aber hat die spräche für eine form entschieden, also 
putta nicht ♦ptlfa, puvva nicht *ptiva etc. etc. 

An stelle der bisher giltigen, so von selbst einleuchtenden 
ansieht setzt nun Goldschmidt die behauptung, dass lange vocale 
vor doppelconsonanz nicht verkürzt, sondern nur als kurze ge- 
schrieben worden seien. Als argument macht er geltend, dass 
sich im Setubandha folgende reime finden: 

^raafiia/rd mit raor^iara (wo) III 34 und nati^ üram mit 
minna-ürafii VIII 65 — ganz wie im französ. äme und flamme, 
verre und pfere reimen. c 



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Das quantiUtsgesetz in den prAkritsprachen. 293 

Also zwei reime sollen genügen das unglaubliche zu be- 
weisen ^ dass die Inder, die doch besondere zeichen für lange 
vocale haben und im übrigen von denselben im saraskrit und 
präkrit richtigen gebrauch zu machen wissen, in einigen fallen 
dieselben verschmäht und die länge des vocals nicht an diesem 
selbst, sondern durch Verdoppelung des consonanten ausgedrückt 
hätten! Es ist ja wahr, dass natura langer und positione 
langer vocal einen unreinen reim ausmachen, aber wenn wir 
auch zwanzig statt zweier solcher reime hätten, so würden sie 
doch nur beweisen können, dass der dichter des Setubandha 
zuweilen unreine reime zuliess, etwa wie französische dichter, 
welche flamme einerseits auf äme und infame, anderseits auf 
femme und madame reimen. Sainskritdichter erstreben bekannt- 
lich vollständige gleichheit der gereimten sllben, mit oder ohne 
einschluss des ersten consonanten; und doch ist die gleichheit 
der Silben nicht stricte durchgeführt. So hat Kälidäsa — sei der- 
selbe nun mit dem dichter des Setubandha identisch oder nicht — 
im Naiodaya häufig im reim den visarga ignorirt z. b. I 17. 
mahüaiamä-"rambhdbhir 
damayanü sadrig umd-^amä'rambhdihih \ 

dadhatt märam bhäbhir 
vavridhe so "ru-dvaye samä rambhäbhih \\ 

Finden wir so die gründe, auf welche sich Goldschmidts 
ansieht stützt, etwas hinfällig, so sprechen auf der andern seite 
die allergewichtigsten gründe für die richtigkeit der alten an- 
sieht. In erster linie können wir uns auf das ausdrückliche 
zeugniss Hemacandra's, dass vor doppelconsonanz kurzer vocal 
stehen muss: hrasvaJi sainyoge I 84, womit die Orthographie 
aller präkntsprachen übereinstimmt, stützen. Dass die kürze 
des vocals nicht durch die doppelconsonanz an sich bewirkt 
wurde — wie es sein müsste, wenn die kürze des vocals rein 
graphisch wäre — sondern von der positionbildenden kraft 
derselben abhängt, geht aus den scheinbaren Verletzungen der 
regel hervor. Denn da A + w, m, l, r nicht nothwendig position 
bilden, cf. Bollensen Vikramorvagt p. 524, so sind neben den 
regelrechten formen bamhana (bambhana) und puwanha die von 
Hemacandra I 67 gelehrten bämhaim päli brähnana und puv^ 
väi^ha zulässig. Dass aber der kurze vocal nicht graphisch ist, 
zeigen diejenigen falle, wo er an stelle eines ursprünglich langen 
vocals erscheint, obschon die ursprüngliche doppelconsonanz 



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$94 H. Jacobi, 

durc)i einen eingeschobenen yocal gesprengt und somit weder 
graphisch noch factisch vorhanden ist. So habe ich in dieser 
;5eil;schrift XXIII, p. 595 fg. die päli- oder präkritformen purava, 
Si^hutna, tudiya, suriya, vertUiya, bhariyß, ariya, äcariya etc. für 
parva, st^hma, türya, sürya, vaicMrya, bhdrya, arya, äcarya 
pius *purvai *sv>khma, *tf4rya, ^surya, ^vedwya, *bharya, *arya, 
*äcarya etc. erklärt. Es geht aus gesagtem klar hervor, dass 
d^ quantitätsgesetz auf grundlage der position schon das vor* 
historische präknt beherrschte, wie es för alle uns vorliegende 
pr&kritsprachen charakteristisch ist. 

Wir wenden uns nunmehr zu dem zweiten, von Goldschmidt 
b^trittenen punkte, der zweizeitigkeit von e und o, für dessen 
beurtheilung wir durch die feststellung des quantitat3gesetzes 
eine gesicherte grundlage haben. Lassen's ansieht war, dass e 
and vor doppelconsonanz kurz sein mussten nach analogie 
der übrigen langen vocale: »Quum autem desit signum ad ^ 
pingendum, mutatio haeq pronunciationis est, non scripturae, 
et ^^nificatur littera [I] sonus tum brevis, tum longus; i. e. 
vocalis ancepsc a. a. o. p. 145. »Eisdem rationibus persuadeor, 
ut [d] habeam präkrjticuai pro vocali ancipiti, non pro diph- 
thongoc p. 149. D^ d\^ kür^e des e und o vor doppelconsonanz 
von Goldschmidt mit b^zugnahme auf Hemacandr?i, welcher in 
der that als kürze von e und o die vocale i und u ansieht, ge- 
leugnet wird, so muss zuerst der beweis für die kürze des e 
ynd Q in offenen silbe^ erbracht werden. Bisher genügten in 
dijei^er hinsieht die ausdrücklichen lehren bei Pingala, sowie im 
Sangitaratnäkara, siehe Bollensen Vikramorva^t p. 535, und die 
von Lenz und Lassen (a. a. o. p. 147) gelieferten belege für die 
^ürze des e in den endsilben äe, ie, ue in versen. Letzteres 
firgument schwächt Goldschmidt durch seine beobachtungen im 
Setubandha und Häla, denen zufolge i, a oder u geschrieben 
v^erden muss, wenn der zweite vocal in äe, ie oder äo, io 
pietrisch kurz ist. pie aqtorität des Pingala und San^^taratnäkarß. 
ßucbt er aber durch die annahm^, dass ihre mss. schon durch 
den einfluss des ApabhranpQa depravirt gewesen seien, zu unter- 
ppraben. Nun, die Jaina mss. haben mir noch keine andeutung 
eines depravirenden einflusses durch den Apabhramfa verrathen, 
qnd dennoch schreiben sie stets e uqd o in endsilben, auch 
wenn sie pietrisch kurz sind. Die Schreibweise äi, ia, üi etc. 
ist bei 4^n Jainas vipj;ebrfivicl^icl^. Als be}?g p^bp jcl^ 5 f^lj^ 



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Das quantitAtsgesetz in den präkritspracben. 29g 

d^ kürze des e aus den 138 versen des Kdlakäcaryakathänaka, 
welches Jch demnächst publiciren werde: 

iäm näünam logo vanhdarM-vadiyä^ niggao jja Ui | v. 17. 
jam anicehamtie sähtmi^ viddhamsanam kaycm tutnae | v. 48. 
diimgiycm tumam päsiüna kartmde puna bhanimo \\ v. 56. 
na ya panicamtS rayanim pajjosavanä aikkatnai |I v. 94. 
dnärniddesa-pard jävaj-jwä^ cetthamo || v. 115. 

Für ö ist mir kein beispiel zur band, auch würde es für 
unsern zweck keine beweiskraft haben, da die zeichen für o und 
u, welche sich nur durch einen strich unterscheiden, unauf- 
hörlich in den Jaina niss. verwechselt werden. Wenden wir 
uns nunmehr, da die existenz des kurzen e zum wenigsten in 
der Jaina Mähäräshtri bewiesen ist, der betrachtung des e und 
vor doppelconsonanz zu. Den thatbestand in den Mss. und 
meine ansieht darüber habe ich in der einleitung zu meiner 
ausgäbe des Kalpasütra p. 21 dargelegt. »Some mss. change e 
and before two consonants to i and u. This is due to the 
absence of signs for the short e and o in the Devanägari 
aiphabet, whence the following dUemma arose. If e or o was 
written, the quantity of the vowel was neglected, for a vowel 
preceding two consonants is always shortened, and e and o 
are signs of long vowels. If, on the contrary, i or w was 
written, the quality of the sounds e and o was ^^ufficiently 
rendered«. 

^ und vor doppelconsonanz ist, so viel ich sehen kann, 
die ältere Schreibweise; sie findet sich durchgängig in dem wf 
paknblättern 1292 AD. geschriebenen Ms. des Äcärängasütr^ 
und in dem im äussern eine palmblatthandschrift nachahmenden 
1427 AD. geschriebenen Ms. des Kalpasütra. Die älteste n>xr 
bekannte handschrift, welche i und u vor doppelconsonanz 
oonsequent schreibt, ist eine papierbandschrift des Ava^yakasütra 
von 1490 AD. Beroerkenswerth ist, dass die erste classe von 
handschriften die yaoruH überall, letztere nur nach a, ä hat. 

Nach Hemacandra's ansieht sind nun i und u die kürzen 
von e und 0| welche letztere ihm offenbar, wie im samskvit, 
als längen gelten. Ich glaube, er ist zu dieser ansieht durch 
die abwesenheit von zeichen für kurzes e und o verleitet wOTden. 
Denn wenn e und o in der that vor doppelconsonanz lang 
wären, würde es unbegveifUch sein, wie sie kurzem i und u 



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296 H. Jacobi, 

vertreten konnten, wie im päli (Kuhn, beitrage p. 24 und 27) 
und präkiit (Hemacandra I 85 und 116) häufig der fall ist. 
Fassen wir e und o hier als durch die folgende doppelconsonanz 
bewirkte trübungen von i und u auf, wie nicht anders möglich, 
so müssen wir auch ihre kürze anerkennen. Dasselbe gilt auch 
für den wandel des a zu 6 und i in atra attha ettha ütha, so 
wie bei mätra matta meUa mitta und drdra alla oUa idla^). 
Also eine vernünftige Sprachbetrachtung fordert die kürze von 
e und vor doppelconsonanz, sei es als Vertreter von a, i, u, 
oder von ursprünglich langen e und o, für welche sich auch 
i und u findet. Die ansieht der indischen grammatiker wurde 
durch die rücksicht auf das samskrit irregeleitet, und es ist mir 
unzweifelhaft, dass ihre theoretischen anschauungen von grossem 
einfluss auf die spätere Orthographie des präkrit waren. 

Ich komme zum letzten argumente Goldschmidts für die 
unveränderte quantität von e und o vor zwei consonanten; 
er sagt: »Endlich sind in den modernen sprachen e o in den-^ 
selben fallen, in denen sie im präkrit kurz sein sollen, plötzlich 
wieder lang (z. b. hindt pema = pkrt. pemma, hindi beli mar. 
vdi = pkrt, vdli s. Beames I 136) *) und dieser umstand zeigt 
wohl am allerdeutlichsten, dass die consonantenverdoppelung 
im pkrt. eine bloss orthographische erscheinung ist und für die 
kürze des vorangehenden vocals absolut nichts beweist.« Dieses 
argument b^eist gar nichts, denn die angeführten formen sind 
zufolge eines in den modernen indischen sprachen mächtig 
wirkenden gesetzes gebildet, nach dem positionslänge nach auf- 
hebung der position in vocallänge umgewandelt wurde, wie 
dies auch ähnlich namentlich in den südromanischen sprachen 
geschieht. So schreibt und spricht man im hindi käch, dß, 
sät, tnäthä, hän, pän, Mm, rieh, nid, rükh, düdh, ttU etc. in 

') Im samskrit wandelt sich a in, natürlich, langes o nur, wenn fol- 
gende doppelconsonanz vereinfacht wird, so aodha *9ad4ha *8afUa wie mu^lha 
*mud4^ *mM^a. Das a in *8addha war wohl das dumpfe nach o hinüber 
klingende, welches samvrüa von den Grammatikern genannt wird. Wenig- 
stens wird das a in den zu Pänini VIII 4, 68 gegebenen beispielen vfiksha 
und pläkaha, wie überhaupt vor und nach lingualen, jetzt dumpf gesprochen. 
Nur so ist es verständlich, wie o als länge für a (d. i. ä) eintreten konnte. 

*) Der lange vocal tritt im hindt etc. auch für e und o, welches durch 
trübung aus i und u entstanden ist, ein, z. b. pothi = potthcM = putthaa 
= ptMtoita, kokh = *kokkh% = *kukkhi = kukshi, chotä = kshudra, get^di = 
gindüka, Ueber den anusvära in gmdi siehe unten. 



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bas quantit&tsgesetz in den präkritsprachen. ^7 

welchen Worten der lange vocal den ursprunglich und an sich 
kurzen, nur positionslangen vocal der präkritwörter kaccha = 
kaksha, aftha = c^hta, scatta = sapta, maUhaa = tnastaka, kanna 
= karna, pcmna = parna, kamma = karma, riccha = riksha, 
nidda = nidrä, rukkha = vriksha, dttddha = dugdha, ttdla = 
ttdya vertritt. Diese formen müssen einmal so gesprochen 
worden sein, wie sie im präkrit geschrieben werden, weil sie 
eine nothwendige durchgangsstufe vom samskrit zum hindi 
repräsentiren. Und dass das präkrit eben diese durchgangs- 
periode bildete, dass nicht etwa schon in ihm die ausspräche 
*käna etc. gegolten habe und die form kama etc. nur veraltete 
Orthographie sei, das beweisen die ausnahmen von dem eben 
formulierten gesetze, in denen nämlich der vocal kurz ge- 
blieben ist trotz Vereinfachung der doppelconsonanz, so magf = 
tnagga «= märga (aber mämg-nä = märgayämi), pakh = pakkha 
= pctkdia, lakhä = lakhha = laksha, sab = sabba = saarva. Das 
streben des hindt etc. positionslangen vocal zu naturlangem 
vocal zu erheben, macht sich auch in denjenigen fallen geltend, 
wo die folgende doppelconsonanz nicht vereinfacht werden 
konnte, nämlich wenn dieselbe aus einem nasal und consonant 
besteht. Der nasal wird hier im präkrit regelmässig zu 
anusvära, welcher position bewirkt. Letztere kraft hat er im 
bind! etc. zum theil wenigstens verloren; der anusvära wird 
nämlich, ich möchte sagen, zum phonetischen zierrath und ge- 
sellt sich willkürlich selbst langen silben bei, wie folgende 
beispiele beweisen: ü}nc = ucca, nitnc = nica, amth = oshtha, 
nimd = nidrd, ünU = tcshira etc. (Vgl. Kuhn, beitrage zur 
paligr. p. 34.) So konnte der vocal verlängert werden unter 
aufhebung der position, ohne dass die nasalirung verloren ging 
2. b. hindl pamk = pamka = panka, vämk = vamka = vakra, 
jämgh = jan%gM = jahghä, pämc = pamca = paiica, dämd = 
datnda == daii4<^, dämt = danUa = danta, vämgi = vam^. 

Wir sehen also, dass in den modernen indischen sprachen 
die Quantität der vocale durch gesetze bestimmt wurde, auf 
welche die ursprüngliche quantität ohne nachweisbaren einfluss 
ist. Wenn also pema aus pemma, beli aus velli, oß aus oUha 
wurde, so ist das ganz dem eben erläuterten gesetze gemäss, 
und beweist nichts für die quantität des e und o im präkrit. 

Als resultat aus den vorhergehenden betrachtungen hat 
sich also ergeben, dass das quantitätsgesetz auf grund der 



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298 H. Jacob], Das quautiUtfigeäeU in d^n pr&kritsprachen. 

Position für die gaoze präkvitperiode vom päli und den in-* 
Schriften A^oka's an bis zur spätesten Mäb&rashtri volle giltig-* 
keit hatte, mit allen seinen consequen^en, und dass es erst in 
den n^odernen indischen sprachen durch ein neues, aber ver- 
wandtes und aus dem frühern naturgemäss entwickeltes quan-^ 
titatsgesetz abgelöst wurde. 

Münster i. W., 29. juni 1879. 

H. JacobL 



Griechische etymologieu, 

1) SsvtsQog devtaxoq. 

Die annähme, das3 d$v%%qoQ eine comparativbildung von 
dvo dvc$ sei, ist unhaltbar. 

Meist stellt man als ältere form ein ^dvatara-s *^St6qq'Q 
auf und lässt das ^ hinter das « getreten sein: so Benfey 
griech. wurzellex. II 219, »das indogerm- thema des Zahlworts 
,zwei' ist du€ s. 44, L^ Meyer ztschr. VII 214, vergl. gramm, 
U 419, Curtius grundz, * 238, Weihrich de gradibus oompar. 
p, 83. Piese annähme widerspricht den lautgesetzen: nirgends 
wird im griechischen die lautverbindung j: -\- vocal, wenn sie 
zwischen consonanten zu stehen kommt, in solcher weise be- 
handelt, vielmehr hätte *dj:it6Qoq lautgesetzlich zu *d4T$Q0^ 
geführt, wie *d[fo*o$ zu dotog wurde. Ganz unbefriedigend ist 
ferner Savelsberg's ansatz eines älteren *dvoT€^o;, von dem 
unser wort eine lautliche Umgestaltung sein soll (De digammo 
p, 47), Und endlich geht es auch nicht an, mit Westphal 
meth. giamm. I 1, 422 das €i> für das gesteigerte v von dvo 
zu nehmen: denn da die »diphthongische Verstärkung von v zu 
BV€ auf griechischem boden kein lebendiger lautwandel mehr 
war, sondern speciell griechische »vocalsteigerungen« immer auf 
associativer neubildung beruhen, wie in ä^J^svxtog nach Ccv|a» 
f^xf^Q u. a«i i9m4^ nach ^ei^io deiyi^Q u. a.| so n^us^te das 



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Karl Brugman, Griecbiache etymologien. ^QQ 

dsv voi) $svf9QQg entweder als die lautgesetzlicbe Vertretung 
einer aus der indogerm. Ursprache überkommenen 
Steigerungsform daiu- betrachtet werden, für ein urspr. daiu- 
gibt aber keine der verwandten sprachen irgend einen anhält, 
oder d$vi€^og müsste in nachgrundsprachlieher zeit auf dem 
weg der formasspciation sein tv bekommen und darnach die 
ältere form mit t», etwa ein *dvT$gQq oder *äv6fiQog, verdrängt 
baben, und auch das ist sehr unwahrscheinlich, da eine form, 
die m^i) als das muster für dieses d^vv^i^og ansehen könnte, 
nirgends aufzutieiben ist. 

Betrachten wir nun weiter den gebrauch unseres wortes. 
Zunächst fallt der Superlativ dsvtatog auf in den Homerst eilen 
T 51 avwQ S dsvfatog ^Xt^sv äval^ dvdqAv lUyafjtifjkPWVj a 386 
Sg yäq [Menelaos] ihvtatog tiXi^sv ^AxanSv xaXxo%niiv»Vy 
tf) 342 %pv%^ äqa dsvtazQif alnsv inog, ots oi ylvxvg inv^g 
XvCifi^l^g indQOvas. Hier bedeutet devvafog »der letzte in einer 
grösseren reibe, novisshnus«. Mit dem begriff »der zweite« 
kommt man nicht aus. Gekünstelt ist die erklärung, dsvtatog 
bedeute den zweiten in bezug auf jeden einzelnen in der reihe 
und somit den hinter allen drein kommenden. Weiter be* 
trachte man folgende gebrauchsarten des comps^rativs. 

1. »Etwas nicht erreichend, hinter etwas zurückbleibend, 
im rang nachstehend« mit dem genet. compar.: Demosth. XIX 
p. 34f8, 22 ndvta yäq x&XXa dsvxsqa ^v vtSp iSnoxet^iviav nQog- 
dox&(Sv xal tcSp iXnidcop. Thukyd. II 97 /(X^t;« dk f^xijg xai 
(fxQaxov nX^x^st noXv dsvxiqa [das reich der Odrysen] fisxä 
xtjy xf3v Sxvx^fop, Herodot I 25 l^Qiova, iövxa xt^agwddv xSv 
x6x€ iovxwv ovdsvog dsvxsgov, Jbvxbqov äyeti/, notstp, xti^ii/a& 
xivä xtvog, z. b. Lukian conviv. c. 9 et (as ös^xsqov a^s&g 
xovxovl xov ävdqog, 

2. »Zeitlich abstehend, später« : W 248 o% xev ifitto dev- 
xaqot [d. i. J/i(w v(Sxb^q$\ iy v^satSi noXvxXijtai' Xintiax^s. Pindar 
Ol. I 43 Ivx^a dsvxigfa XQOVia fjXx^e xai Favviki^dijg Zfivl xaavx;^ 
ini xQiog, Vgl. noch H 248, '/^ 605 und den gebrauch von 
devxatog in den pben angeführten stellen. 

Man sieht, 6$vxBQQg und Mxaxog sind weit mehr als blosse 
Zahlwörter. Ist es nun das wahrscheinlichere, dass sie von dem 
blassen zahlbegriff »zwei« aus zu solcher bedeutungsfQlle ge- 
l^ngtep, oder 4^ sie, ur^ir^ngjicli e)f)^xiso ms ^?t. s€<;^n^ 



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300 Karl Brugman, 

ausserhalb der altüberkommenen zahlwörterreihe stehend, erst 
auf griechischem sprachboden in dieselbe einrückten? 

Ich stelle mich unbedenklich gegen die ganze vergleichende 
Sprachwissenschaft, soweit diese sich über das wort devTs^og 
ausgesprochen hat, auf die seile der alten gramraatiker, 
die ds^TSQog davtavog von dsvofjtai herleiten. Diese 
etymologie lässt sich bis auf Aristarch zurückverfolgen. Aristo- 
nikos zu T 51: f} d$nX^ Sri devxaxoq and %oC ds^sa&ah 6 
iaxatog' to ds dsvea^m ivÖBlv iart. Et. M. 259, 15 devtegog' 
ylv€Ta& naqä to devcn^ to Xelncn, S XeiniiASVog xov nQoitov, 
259, 23 dsvtatog' na^d^rd dhvm xal dsvofjta^, t6 i^inofiai, 
yiv€Tat diiftSQog xai devtatog, (SgnsQ änd tov ipiqua (piqtsqog 
xal ^iQTctrog' li/^ fj 6 Xsinofjtevog t&pog t^ rd^st, xai ^^ n^wtog' 
^Sg devTarog iat$v ^A%anav€. Vgl auch Et. 6ud. 139, 57 und 
58 und Suidas p. 1218, 18. Unter den neueren philologen 
schliesst sich Doederlein (Homer, gloss. 153) dieser deulung an. 

Jevofuxt und di(a sind mit aind. dürd- »fem, weit« (meist 
örtlich) compar. ddviyas- superl. ddvishfhc^ zu verbinden (Leo 
Meyer ztschr. XIV 86 f., Fick Pill, verf. stud. V 224). JsvofAcU 
xhvog bedeutet eigentlich »ich bin in abstand, entfernung von 
etwas«, dit fii ri»^^ »mich entfernt von einer sache« (vgl. 
Delbrück ablat. loc. etc. s. 9). Weiter bedeutet dann devofiai 
upog genau so wie dsvtsQog tifii t&pog »ich bleibe hinter einem 
zurück, stehe nach, inferior sum« : V^ 484 äXXa rs näwa 6€V€a& 
^AQysiiav, E 636 inel nolXov xeiviov in&d6V€a& ävdqdöv, d 264 
noütv %s ov %€v [ist mascul.] devofAbvov ovt' Aq ip()epag ovte 
Tt sldog, ip 253 aJU' ei d^ %oao6vde ßlijg imdsvisg sifAkv äv%^ 
x^iov ""Odva^og. 

J6VT€Qog bedeutet demnach von haus aus »abstehend von, 
in entfernung befindlich von, in der zeit oder im rang nach- 
folgend« und ist seiner bildung nach zu vergleichen mit tpiQ- 
fSQog ßiXv€Qog ipiXxBQog ^). Dass devreqog dsvtaxog Umbildungen 
von älteren, mit aind. dämyas- ddvishtha- identischen formen 
*d6^Kav ^ÖBji^axog sind, darf als eine möglichkeit hingestellt 
werden. 

Dass devtBQog der stehende ausdruck für »der zweite« 
wurde, dazu trug sicherlich auch die äussere ähnlichkeit mit 

^) ifiljtqos und (fdiraroi sind jQngere neubüdungen nach dem muster 
der vorher genannten formen. Rein lautlich aus *ifUot^og und *if>$ioT<nog 
oder gar aus ffnkwtqoi und (ffdmmog kOnnen sie unmöglich entstanden sein. 



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Griechische etymologien. 301 

dvo bei, die die beiden Wörter sich im bewusstsein der sprechenden 
associieren Hess. Auch sonst kommt das ja nicht selten vor, 
dass, wenn zwei Wörter ihrer bedeutung nach einander nahe 
liegen und zufallig auch noch ähnlichkeit der äusseren sprach- 
form hinzukommt, eine engere Verknüpfung erfolgt, die zur 
l&rbung und modificierung des begriflfs des einen Wortes durch 
den des anderen fuhrt. So ist z. b. bei vielen Deutschen der 
gebrauch des Wortes die sucht in Verbindungen wie die sticht 
nach göld und in Zusammensetzungen wie ehrsudU, ehrsüchtig 
durch die Vorstellung des etymologisch unverwandten Wortes 
suchen beeinflusst, der gebrauch des Wortes bevormunden durch 
die Vorstellung des etymologisch damit nicht zusammenhangenden 
Wortes mund (la bouche). Eine ziemlich beträchtliche bedeu- 
tungsraodificalion hat auf diese weise das verbum hetedigen 
erlitten; es ist aus dem mhd. betegedingen, beteidingen entstanden, 
kommt von teidinc tagedinc »taggerichtc her und bedeutet eigent- 
lich »eine rechtliche Übereinkunft treffen, verhandeln«: durch 
association mit ffUUig — daher befhoMgen geschrieben — kam 
es zu seiner heutigen gebrauchsweise. Vieles andere derartige 
bietet Andresen's schritt »über deutsche Volksetymologie« 
2. aufl. 1877. 

2) ifißofiat (toßSoo. 
Eine befriedigende etymologie von (fißoiiM ist noch nicht 
aufgestellt. Die vergleichung mit aind. sev s4vati »sich auf- 
halten bei jemandem, jemandem aufwarten, dienste leisten, 
seine achtung bezeigen« (Bopp, Pott, Gurtius u. a.) und die- 
jenige mit aind. sap sdpati »nachstreben, zu erreichen suchen, 
jemandem anhängen« (Benfey ztschr. VII 56) haben weder von 
Seiten der bedeutung etwas empfehlendes, noch sind sie mit den 
griechischen lautgesetzen vereinbar. Im griech. (fißa/ia^ und 
aißag tritt klar der begriff der trennung, des scheuen, ehr- 
furchtsvollen zurücktretens hervor, während die verglichenen 
indischen verba gerade das gegentheil, eine annäherung und 
einen anschluss an jemanden oder an etwas bezeichnen. In 
formaler beziehung aber sind diese vergleichungen sowie auch 
die Verbindung mit lat. sevSrus (Gurtius gr. * 576) schon darum 
unstatthaft, weil statt des anlautenden s der andern sprachen 
im griech. kein a erwartet werden dürfte *). Neuerdings ver- 

*) Man halte mir nicht ifvs entgegen. Mit dieser form muss es, weil 
das lautffesetz abfall von anlautendem <t vor vocalen verlangt, eine ganz 



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302 Kar! Brugtnan, 

gleicht Froehde (sstschr. XXIII 311 f.) tskßofkUi mit got. mhl^s 
»unschuldig, rein, keusche. Aneh diese combination ist unge- 
rechtfertigt, weil nach ausweis des anord. sykn »schuldlos, 
straffreie und der anderen nächstverwandten germanischen 
Wörter smkns der i-reihe angehört (vgl Fick IIP 364) und in 
keiner weise wahrscheinlich gemacht werden kann, dass hier 
ein übertritt aus der a- in die i-reihe stattgefunden hat. 

2Bß ist das aind. tyaj, die urindogerm. gestalt 
der Wurzel ist tjag\ Formal decken sich tyd^ate und 
aißsTut, tyaktd- und aenTo-, tyaktar- und ('d-eo-JainTWQ, tydga- 
und außo' (Soßf^, tyäjdydmi und aoßiat. Aind. tyaj bedeutet 
»von etwas sich wegbegeben, verlassen, sich lossagen, zurück- 
stehen von etwas, fahren lassen, aufgeben, verzichtenc, nirtyqj 
»verscheuchen, verdrängen«, nis-tyqj »hinaustreiben, verjagen«. 
Im griechischen erscheint die sinnliche grundbedeutung der 
Wurzel am reinsten in aoßi(o »etwas von sich thun, schnell 
entfernen, verscheuchen, verjagen«, ^ißofiai bedeutet eigentlich 
»zurücktreten, zurückweichen vor, sich fern halten von«, dann 
»sich scheuen, mit frommer scheu verehren«, aißa^ ist das 
ehrfurchtsvolle oder auch das staunende zurücktreten, asftvog 
(vgl. der form wegen iqsiAPog zu iQsßog = aind. rqjctö-) ist 
der, vor dem man zurücktritt, daher »verehrt, heilig«. Anderer- 
seits bedeutet ifsfAvoc auch »vornehm thuend, stolz, hofiährtig« 
und stellt sich so zu dem dasselbe bedeutenden adjectiv aoßaqiq 
und zu dem verbum fsoßita in der bedeutung »ich stolziere 
einher«. Die einfache bedeutung des zurücktretens und der 
Zurückhaltung hat sich also Einmal txx dem begriff der ehr^ 
furchts vollen Zurückhaltung, das andere mal zu dem der 
stolzen Zurückhaltung und weiter überhaupt des vornehmthuns 
entwickelt. 

Wenn der eigenname Ssß^og (söhn des Hippokoon, als 
heros in Sparta verehrt), was nicht wol bezweifelt werden 
kann, zu unserer wurzel gehört (vgl. den namen 2ißmv und 
wegen der suffixbildung das adject. cißegog- sdaeß^, dixa$og 
bei Hesych), so ist dessen nebenform Tißqog bei Apollodor 



besondere bewandtniss baben, und eben darum darf sie nicht dazu benutzt 
werden, um einen anderwärts angenommenen, gegen ein klar vorliegendes 
lautgesetz verstossenden lautwandel zu stfltzen. 



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Griechische etymotogien. §03 

3, 10, 5 von Wichtigkeit: denn iSsßQoc : TSß^oc^) = fAi}U(t(fcc : 

Ein weiteres beispiel für anlautendes a = tj ist mir nicht 
bekannt, es mnssten denn tfjfMQOp »heutec und <;frac »heuer« 
(att. t^^s^p und t^^) den pronominaistamm tja- enthaUen, 
wie einmal, ich weiss jetzt nicht von wem, mit gutem fug an- 
genommen worden ist (vgl. die abweichende deutung bei ÄscoH 
zlschr. XVII 401 ff. und studj crit. II 428). Aber sollte auch 
ceßof^at der einzage beleg für tf- = tj- sein, so würde das die 
glaubwürdigkeit unserer combination nicht beeinträchtigen: 
denn erstlich kann lautgesetzlich statt tj^ gar nichts anderes 
erwartet werden als tf-*), und zweitens hat auch das indische 
an Worten, die mit tt^ anlauten, > ausser dem pronominalstamm 
^yo« eben nur unser hfaj aufzuweisen. 

3) Xd^ofiai. 

Ascoli erklärt das <ra von Wörtern wie niaaat (wurzel 
pah*) und das f von vi^w (wurzel nig^) nicht, wie man jetzt 
meist mit Schleicher und Curtius thut, aus xj und yj, sondern 
statuiert labialzetacismus und fuhrt demgeraäss niaao» auf 
^nBTtjta, vij^tö auf *v$ßj(» zurück (studj crit. 11 423 ff. 433 f,).. 
Die lautphysiologische möglichkeit des Übergangs von nj und 
ßj in aa und C kann man zugeben. Glaubwürdig aber wäre 
Ascoli's erklärung jener griechischen formen nur dann, wenn 
er ein sicheres beispiel aufwiese, in dem ein ursprünglicher 
labial mit j solche zetacistische behandlung erfahren hätte, 
zumal da ja nj sonst in m übergeht wie in x«^^^^^ und 
nrvm '). Ein solches sicheres beii^iel schien nun bisher kaCofim 
zu sein, dem auch Curtius, welcher sonst den Ascoli'schen 
labialzetacismus verwirft, ein ursprüngliches ß als warzelauslaut 
zuerkennen zu müssen glaubt (grdz.^ 520. 658). 

Ich verbinde HdJ^o^ai' mit aind. Icy IdgaH lagyaü, welches 
»sich an etwas heften, sich anschmiegen, berühren« bedeutet, 
und nehme an, dass im sprachbewusstsein der Griechen zwei 

^) Der aeoent ist in den beiden formen verschieden überliefert Welches 
die richtige beton ung ist, ist nicht sicher zu ermitteln. 

') Man berücksichtige, dass im indischen das partic. perf. pass. tyaktd' 
lautet und nicht mit samprasArai^a *tihtd-. 

•) Völlig sichere beispiele für ß& = ßj gibt es nicht. Vgl. aber Curtius 
grdK.« «88. 



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304 Karl Brugtnan, 

verschiedene wurzeln, nemlich lag* (hierzu IdJ^ofuxt gehörig) 
und labh (hierzu z. b. HfpvQOv d(iq)$Xa<fi^q Bik^qia gehörig) 
zusammenrannen. Die association lag ja nahe, wenn man zu 
iaCofAM z. b. ein fut. mit tp bildete so wie man vitffw neben 
vij^w, nii/m neben niaaio hatte. Bei Homer findet sich ausser 
dem aor. Xaßetv und Xslaßiad^ai kein weiteres tempus von 
Xaikßävm, und vielleicht ist daher das homerische eXaßov un- 
mittelbar dem aind. dlagam gleichzusetzen. Die homerischen 
Wendungen dyMag iXa^Bto ^vYaziqa {E 371) und das öfters 
vorkommende Xaßstv yovvaxa oder yovpmp, das mit äijßaifd'a^ 
yoivmv wechselt, lassen sich vergleichen mit Ä»ti^ lagnä 
(Kathäsar. 12, 88) kanfhalagnä (Meghad. 110) »am halse 
hängende und pädatagna- »an jemandes füsse geschmiegt« 
(Kathäsar. 14, 66 u. s.), und es ist denkbar, dass es damals den 
Griechen bezuglich des aoristes iXaßov ähnlich so ging, wie es 
uns Deutschen mit dem verbum betSdigen gegangen ist, von 
dem s. 301 die rede war, oder, um noch eine andere parallele 
zu geben, mit dem verbum umringen (von ring = ahd. hring)^ 
welches mit ringen »luctari« (= engl, to tvring) in Zusammen- 
hang gebracht wurde und von dem daher Schiller das partic. 
tmrungen und J. Paul und Platen das praeter, umrang bilden 
(Andresen a. a. o. 134). 

Die hesychische glosse Xadoiaxo' Xafißdvoiy^o ist entweder 
aus kttloiato' lafkßdvotvto verderbt (vgl. Xal^oiato B 438), 
oder wir haben mit Ahrens de dial. II 96 Xdddono ' XafißdvotTO 
zu schreiben. 

Die form IdCvfMt, welche zuerst hymn. in Merc. 316 und 
weiter dann bei attischen dichtem vorkommt, kann, so viel 
ich sehe, nichts anderes sein als eine neubildung nach älteren 
verbis auf -v/ia^, ähnlich wie <pvCdvar (pvyBXy d€$Xid(fa$ Hesych 
(daneben die präsensform gfvC(o, vgl, Curtius vb. I* 327) eine 
solche nach älteren verbis auf -äfM (-17/**) ist. 

4) ivintdd. 
ipimoo fut. ipii/jc^ mit sachlichem ol)ject bedeutet »ansagen, 
verkündigen«, so Find. Pyth. IV 201 ddsiag ivinxiav ilnidag, 
H 447 Sgvtg h' d%>apdro$<f& voov xal fi^vtv iviipsi, ß 137 äg 
od TovTov iyd nove fAv&op ivlif/co. Identisch mit diesem verbum 
sind die verba ivinxfo (mit den aoristformen ivkvlnov und 



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Griechische etymologien. 305 

^tnanov) und iviaata, die mit persönlichen objecten verbunden 
»tadelnd anreden, schelten« bedeuten. Ursprunglich hiessen sie 
nichts anderes als »anrufen, invocare« und sind ebenso wie 
iyxaXstv »vorwerfen« nur durch den usus zu dem tadelnden 
nebensinn gekommen. In v 17, wo Odysseus sich selbst muth 
einspricht, heisst es: xQadifjp ^vinans ^v&m' virlad^t d^, 
xQadiii' xal xvvtsqov aU.o nov' hhiq. Hier verbindet sich mit 
dem begriff des anredens noch kaum der des tadeis und vor- 
würfe (vgl. Buttmann Lexil. I 281), und auch an andern ho- 
merischen stellen, wo diese verba gebraucht sind, ist nur von 
einem milderen Vorwurf die rede. Wo der sinn einer stär- 
keren schelte hervortreten soll, wird diese immer ausdrücklich 
durch einen modalen zusatz zum verbum bezeichnet, wie r'438 
%aXeno%{S^v oveidstf^ d-vfMW svims, B 2i& xaXendS ^yinans 
fAvd-eo, E 650 xaxM ^vinans fbvd-iOy i2 238 snsaa^ aiiS%qo%a$v 
ivi(f(f(av, « 161 insaiv %s xanotökv iviisao^sv (vgl. Savelsberg 
de digammo p. 42, Goebel Lexil. I 86 f.). 

Unsere Wörter von der wurzel sdk^ herzuleiten, die in 
i-an-s-ts iv^-an^ffto u. s. w. enthalten ist, ist unstatthaft. Denn 
man müste ivinraa auf ^iv-fS^n-Tio zurückführen, der Übergang 
von e in i aber würde lautgesetzlicher begründung ermangeln. 

Ob man ivinm (ivyinu)), das mit sachlichem object 
»ansagen, verkündigen«, mit persönlichem »anreden« bedeutet, 
heranziehen darf, hängt davon ab, wie man sich zu dem streit 
um die herkunft dieses verbum zu stellen hat. Bekanntlich 
ziehen es die einen zu der eben genannten wurzel sak^y die 
andern zu der wurzel vdk^ in einetv u. s. w. Mich dünkt ent- 
stehung aus ^iy-ßinco deshalb wahrscheinlicher, weil die an- 
nähme, dass in dem vp der homerischen form iwinao wurzel- 
anlautendes 0* stecke, wegen des schon sehr frühzeitig, aller 
Wahrscheinlichkeit nach schon in der gemeingriechischen Ur- 
sprache erfolgten Schwundes von anlautendem tf vor vocalen 
erheblichen anstoss erregt und sich, so viel ich sehe, auf keinen 
analogen fall stützen kann, während ein ivvSntö = *ii^j:in(o 
weder an sich auffallend ist , denn anlautendes / vor vocalen 
hatte ja weit längeren bestand als <r vor vocalen, noch der 
analogie ermangelt, vgl. ivvoaiyouoq. Wäre nun für unser 
ivinvw und iviaaw combination mit diesem iv(v)ina} = *^v- 
'ßinto und weiter demnach überhaupt herleitung von wurzel 
vak^ »sprechen, rufen« möglich? 

Z«ltaclirift nir rergl. Spntebf. N. F. V. 8. 20 



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ä06 Karl Brugman, 

Zunächst bemerke ich, dass von seilen der bedeutung 
sich diese etymologie für ivm%m ipiaaoo um so mehr empfehlen 
wurde, weil im indischen das verbum vac sowol als simplex 
als auch in den composita atirvac ni^ac pariprorvac die be- 
deutung »jemandem vorwürfe machen, seinen Unwillen gegen 
jemanden aussprechenc hat (sieh das Petersb. wtb. VI 619 ff.) 
und dieser sinn sich auch an das lat. convidum knüpft, welches 
von Gorssen richtig als *c(m-vdcium gedeutet worden ist. 

Was die formale seite anlangt, so ist an entstehung von 
-*;r- aus -(j^Jsn- durch Übergang des s in » nach dem oben 
bemerkten nicht zu denken. Aufklärung über das $ verschafft, 
wie ich glaube, der aorist htnov slnov. Diesen setzt man nach 
dem Vorgang Ebel's jetzt allgemein mit recht dem aind. ivocam 
gleich. Aber es ist eben so falsch, für die indische form ein 
älteres indisches *avavacam aufzustellen, wie es falsch ist 
hmov aus einem griechischen ^ifefsnoy hervorgehen zu 
lassen. Das griech. elnov hat auf den altattischen Inschriften 
durchgängig den echten diphthongen Ei, hierzu stimmt der 
lesb. infin. j^einijv Alkaios frgm. 55. Die griechische grundform 
ist daher ^i-jis-m-o-v, diess deckt sich mit aind. *a-va-t4C-a-f»» 
und beide repräsentieren ein urindogerm. *flM;a-Mi*-a-jn, eine 
form, die nach demselben princip gebildet ist, wie z. b. aind. 
ipa^ptam und gr. k<snic%^a$ (d. i. "^as-ttn-i-a^ai)^ in denen die 
Verkürzung der Wurzelsilbe ebenfalls aus ursprachlicher zeit 
herstammt (vgl. morpholog. untersuch. I Uff.)*). So vertritt 
nun auch das m von iyintad und das utp von iviaam ur- 
sprachliches uk^^): ivintiü und ivioifca verhalten sich zu aind. 
uktd- wie v4ntm und vil^a zu nikidr. Die gleichung »tt »= ük^ 
repräsentiert, wie ich glaube, ein neues griechisches lautgesetz: 
t; (u) wurde vor k^ zu der zeit, als dieses die ausspräche qu 
hatte, wegen des dem k anhaftenden u-lautes durch dissimilation 
zu », ähnlich wie *(pi)%vg zu ^Hvg wurde und wie wol auch 
tdvg aus *v^g und tpid-vQog aus *\lwdvQoq hervorging (vgl. 

^) Dass wir zu der annähme berechtigt sind, die Ursprache habe nicht 
nur nach consonanten, sondern auch nach Tocalen samprasärana Ton f>a 
(oder richtiger von ua) zu u eintreten lassen, zeigt die suffixform -us- = 
'VaS' im partlc. perf. act. von verbis wie sthä »stehen c, hhi »fürchten« u. a., 
sieh ztschr. XXIV 84 f. 

«) Steckt dieses auch in gol. oit^on »lärmen«, a^jödus »lärm, ge- 
tümmel, aufruhr«? Vgl. gr. ir-on^ (rR*^.^«7ri}) »getöse, lärm, geschrci«. 



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Griechische etymologien« 307 

Angennann Die erscheinungen der dissimilation im griechischen, 
Meissen 1873, s. 24 f.). Einen fall, der diesem gesetz wider- 
spräche, kenne ich nicht, dagegen untersteht ihm noch invog, 
falls dieses mit dem got. a4hns anord. ofn »ofen« (german. 
grmidform *uhvnar) identisch (vgl. Fick IIP 32) und nicht mit 
Joh. Schmidt ztschr. XXII 191 zu apreuss. fsampnis »ofen« zu 
stellen ist^). 

Die aoristformen ^vlnanov und iyiplnov sind augen- 
scheinlich verhältnissmässig junge neubiidung^. Sie wurden 
erst möglich, als ivintia im sprachbewusstsein zum v^bum 
Simplex geworden war. Die erstere form vergleicht sich mit 
^^xaxov. Eine neubildung mit secundärer dehnung des $ ist 
auch ivin^ »tadelwort, vorwürfe. An letzteres würde sich noch 
der flussname ^Eplnevg anschliessen , wenn dieser mit Savels- 
berg de digammo p. 43 zu wurzel vak^ zu ziehen ist; Savelsberg 
fasst das wort als den »lärmer«, den »tosenden« und erinnert an 
das in der letzten anmerkung mit got. ctähjon verglichene iv-onif. 

Leipzig, 24. october 1878. 

Karl Brugman. 



Altpersisch akunaus und iidcursruius. 

Die apers. präteritalformen cicwMM» »er machte« (kommt 
32mal vor) und adarinoAki »er wagte« (Beh. I 53) betrachtet 
man als imperfecta von den präsensstämmen hiHfum- und darj- 
-noi«- (»s aind. äthtm^ und dhfihri(i6'\ indem man annimmt, die 
personalendung -i sei in -s übergegangen. Diese deutung ist 
unbefriedigend, weil die dentale t d sonst im altpersischen aus- 
lautend abfallen. Als bei^iele für den abfall haben wir aller- 



>) Warum zeigen rauh* »rupfen, grabenc (aind. lue lutk;, iQvaao)), 
rauh* »leuchten« (aind. ruc gr. Xtvxos), Jaug^ ((vyoy), raug* (iQtvya), 
bhaug^ (iftvyn) im europäischen nicht qu und gu? Wol weil der dem' 
k* g* unmittelbar vorausgehende rocal immer u war (Itfx- iHfx- lovx"). 
Also w&re uqu- (»sprechen«) analogiebildung nach «egti-, wo qu laut- 
gesetzlicb eintrat. Und lnv6g? Neben lat. üveo = *ugf>-eo (ygl. vyQos) steht 
anord. vökr. Wenn gr. vßgis = aind. ugrd- ist und w^^iloff von aug* 
»vermehren« kommt (Beaenb. beitr. II 155. 188), so würden sie jenem 
gesetz widersprechen. (Gorrecturnote.) 

20* 



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Karl Brugman, Altpersisch akunauÜ und adarmaui. 

dings nur Wörter, in denen dem dental a ä oder i vorhergehen, 
wie abava adänä naiy -ciy für *abavat *adänät *naid *-cid, 
keines mit u als vorletztem laut; aber dass in diesem letzteren 
fall eine andere behandlungsweise, Verwandlung des t in s, 
sollte stattgefunden haben, ist vom lautphysiologischen Stand- 
punkt aus äusserst unwahrscheinlich. Daher findet denn auch 
schon Bartholomae altiran. verb. 161 jene 3. sg. impf* auf -ä 
»sonderbare; er erklärt, er bleibe bei der herkömmlichen deu- 
tung des S aus t nur darum stehen, weil er eine bessere nicht 
zu bieten vermöge. 

Ich halte cdcunatiS und acUtrsnatiS für sigmatische aoriste, 
denen der präsensstamm zu gründe gelegt ist. Die gleiche er- 
hebung der starken präsensstammform zum verbalstamm haben 
wir unzweifelhaft in der 3. sg. pass. ctkunavyatä Beh. I 20 
und 24. Man vergleiche auch die abaktr. aoristform mäv4, 
welche nach der analogie von formen wie 8rdv4 (w. kh'au 
»hörenc) vom präsensstamm r-wew- r-WM- aus (w. ar »gebenc) 
gebildet ist (Bartholomae 126), fernerhin den altindischen als 
verbalslamra fungierenden präsensstamm ürno- ürnu- von w, 
var »umhüllen, bedecken«, z. b. in atJirnävU ürnuta- (vgl. Petersb. 
wtb.), die griech. bildungen wie tdvvaa von ra-vv/iw, ^vvtfs 
äwifi-g ävvttxO'Q von ä-vv-fii, ip&ivvd^td von *9^*-w-f*» (ztschr. 
XXIV 255 flf.), die lat. perfecta ster-nu-i mi-ww-i und die german. 
verba wie rinnan mit nn für nu. Die form akunauä steht 
demnach für "^akunaurS-t wie ved. djais (von jdy-arH »siegt«) 
für *ajai-S't. Im altbaktrischen ist, den auslautsgesetzen dieser 
spräche zu folge, das -t erhalten, in dareSt y. 48, 2 von w. dhar 
»halten« (vgl. Bartholomae 125). 

Von aoristformen mit s, in denen die personalendung sich 
dem aoristcharakter unmittelbar anschliesst, war auf den apers. 
Inschriften bisher erst eine mit einiger Sicherheit nachgewiesen, 
die medialform adarsiy Pers. I 8 »ich brachte in meinen besitz« 
von dhar »halten, besitzen« (so nach Rawlinson, Oppert und 
Bartholomae, anders Spiegel s. 101). Die 3, pl. patiy-äisa Beh. 
I 13 und 18 von w. ai »gehen« kann ebenso gut als *äiS'€hfU 
mit thematischem a nach dem s, wie als ^äiS-arU angesehen 
werden. Sicher thematisch ist die öfters vorkommende 3. sg. disa. 

Leipzig, 28. februar 1879. 

Karl Brugman. 



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F. Kluge, Kleinere bemerkungen. 309 

Kleinere bemerkungen. 
Rk I, 6, 3. 

keiüif^ hrnvdnn akitdvS pi'go maryä apSgdsi sdm 
uSddbhir ajdyathdh. 

Diese Gäyatri des Rk begegnet uns auch in den übrigen 
Samhitäs; nur der Säm.-V. bietet eine V.-L., nämlich statt des 
unbetonten ma/ryd ein marydl. Nicht sowohl in dieser lesart — 
denn dieselbe ist gar nicht zu rechtfertigen, da das betr. nomen 
mdrya accentuirt wird — , sondern in dem unbetonten momfa 
{marydh päd.) liegt eine Schwierigkeit, deren lösung noch nicht 
gelungen schemt, oder wenn einem, so dem commentator der 
Väj.-S., der seine deutung freilich mit den formein der ind. gram- 
matik bietet 

Unsere rc beschliesst ein den Sonnenaufgang feierndes ti*ca, 
das an Indra gerichtet ist Was soll nun bei der anrede an 
Indra noch der voc. plur. marydh? Wörtlich übersetzt kann 
die Strophe, wie sie da steht, nichts anders bedeuten, als »indem 
du glänz schaffst dem glanzlosen, gestalt, ihr männer, dem ge- 
staltlosen, wurdest du zugleich mit den morgenröthen geboren«. 

Säyana schwankt in seiner auffassung des voc. marydh. 
Er lehrt, dass dazu ein »schaut dieses wunder an« zu ergänzen 
sei; mit dieser ergänzung fasst er offenbar den voc. nicht als 
anrede, sondern als exclamation. Dann aber diese erklärung 
stillschweigend zurücknehmend, lässt er den plur. durch ver- 
tauschung für den sing, stehen und lehrt, dass der so erklärte 
voc. sg. m>arya auf ajäyathdh zu beziehen sei. Aus der ersten 
auffassung Säyanas ist M. Müllers, aus der zweiten Grassmanns 
erklärung von maryd geflossen, maryäh, sagt Müller p. 18 
seiner Übersetzung der Maruthymnen, had evidently become a 
mere exclamation at a very early time. Wenn dies wirklich 
der fall wäre, so könnte man bei der reichhaltigkeit des Rk 
wohl ein oftmaliges vorkommen des ausrufs marydh erwarten. 
Nur noch an einer stelle des Rk (VIII, 45, 37) erscheint der 
voc. plur. marydh, aber in einem fragesatze, der an marydh 
gerichtet ist. An dieser stelle kann also von einem vermeint- 
lichen ausrufe mary^ nicht die rede sein. 



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810 P- Kl«»«» 

Grassmann (Übersetzung II, 504 z. d. st.) meint, das maryä 
des Samhilätextes sei nichts als voc. sg. marya, »da der plur. 
sinnlos ist«. Bei dieser auffassung sehen wir nicht, wie der 
weg von dem alten, einfachen und leichten voc. sg. marya zu 
der schwierigen lesart unserer recensionen geführt haben könnte. 
Einen nachlässigkeitsfehler, nämlich den Samdhigesetzen nicht 
rechnung getragen zu haben, den redactoren des Samhitätextes 
zuzuschieben und die Padalesart aus einem missverständniss 
der so einfachen Samhitä zu erklären scheint doch ein grosses 
wagniss. 

In einer ihm efgenthümlichen weise sucht Mahtdhara, der 
commentator der Väj.-S., die Schwierigkeit zu beseitigen. Er 
sagt, maryäh, das auch in der Vftj.-S. unaccentuirt erscheint, 
stehe durch casusvertauschung (mhhaJctivyatyayina) für den dat. 
sg. maryäya, das mit akMdvS und apigdsi zu verbinden sei; er 
paraphrasirt demgemäss die stollen a und b: »indem du dem 
erkenntnisslosen menschen erkenntniss, dem armen menschen 
geld verschaffst«. Die deutung der sinnlichen Mü und pS^gah 
können wir verwerfen, aber die Interpretation von maryä ist 
beachtenswerth. 

Ich vermuthe, dass das maryä der Samhitä in maryä zu 
ändern ist und sehe darin einen dat. sg. mdryai. Denn idg. dat. 
sg. vlkHi ßJxo)) musste im ind. als vrkäi erscheinen. Wie 
das zd. zeigt, haben wir diesen typus als gemeinar. anzusetzen 
für den dat. sg. der alten a(^o>stämme. Erst auf ind. boden 
wurde vrkäi um ein secundäres a erweitert. 

Nehmen wir mdryäi als die vom dichter an unserer stelle 
gebrauchte form, so begreifen sich die maryä und maryäljk 
unserer recensionen. Sobald nämlich die Samdhigesetze gewirkt 
hatten, trat ein unverständlich werdendes maryä ein; und da 
^lan mit diesem nichts anzufangen wusste — es war äi für 
den dat. bereits durch äya verdrängt — , so entzog man ihm 
den accent um eine irgendwie deutbare form zu erhalten; 
maryä wurde als voc. plur. gefasst und dies deutete derPada^ 
text demgemäss als maryäh. Die stelle würde, wenn man 
märyä für maryä in den text aufnimmt, folgender massen zu 
übersetzen sein: »Licht schaffend dem kein licht habenden, 
schmuck dem keinen schmuck habenden manne wurdest du 
zugleich mit den morgenröthen geboren«. 



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Kleinere bemerkungen. 311 

Wurzel trp rauben. 

yö mäm ta$ draono ginä$ vä 
trfy&i vä apa vä yasdt$, ya^ doLda$ ahv/ro maxdä: 

so lautet die zweite hälfte von Js. 11, 5. Geldner zeitschr. 
24, 130 übersetzt den ersten relativsatz mit: »wer mir diese 
gäbe mit gewalt abnimmt oder sich selbst schmecken lässt 
oder mich darum bringt«. In betreff des trfyd$ (conjunct. eines 
präs. nach der 4. sk.-classe) hätte wohl einige berücksichtigung 
verdient, was Hübschmann ztschr d. d. morg. ges. 26, 457 darüber 
bemerkt. Denn wenn apayasd14 eine Variation von zinä$ ist, 
wie Geldner mit seiner Übersetzung und einer sich daran an* 
schliessenden bemerkung zugibt, so wird auch das dazwischen 
stehende trfydf so aufzufassen sein. Bei der von Geldner vor-^ 
geschlagenen weise herrscht ein allzuschroffer Wechsel der gram- 
matischen beziehungen der drei verba; ai. irp regiert den gen« 
(u. loc.) und wir werden für ein damit identisches zd. tfp das- 
selbe anzunehmen haben; man hätte dann zu trfya4 ^in tahe 
draoncmhö, aber zu apctyasdt^ wieder das mäm ta^ draond zu 
erganzen. 

Es zwingt uns aber nichts trfyäf zu dem ai. ^ »sich 
sättigen« zu stellen, es gehört vielmehr zu einer von Hübschmann 
vermutheten wurzel trp rauben, die nicht allein im zd., pehlevi 
und neupers., sondern auch im ind. deutlich vorliegt. 

Es handelt sich um die beiden composita ctöutfp und 
pagutfp. Das letztere erscheint nur in einem schönen hymnus 
an Varuna: Rk VII, 86, 5. Die betreffende iX5 lautet übersetzt 
(wobei ich für das fragliche wort vorläufig an der geläufigen 
Y ^ »sich erquicken« festhalte): »erlöse uns von den misse- 
thaten unserer väter, erlöse uns von denen, die wir selbst 
verübt haben, erlöse uns davon wie von einem viehfrohen diebe, 
erlöse den Vasistha wie vom strick das kalb«. Also ein dieb 
wird »viehfroh« poftdtfp genannt, ein dieb »erquickt, ergötzt 
sich an herden«, ein dieb »thut sich gütlich an herden« und 
das alles, wie unsere interpfreten wollen, nicht an den eigenen 
herden, sondern natürlich an den herden anderer; denn auf 
irgend eine weise muss der begriff »stehlend« aus paguifp 
herausgebracht werden, da derselbe durch iäyu noth wendig 
wird. Aber wenn man von dem diebe sagt, »er erquicke sich 
an herden (sc. anderer)«, so kann das nur in humoristischem 



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312 F. Kluge, 

tone gesagt werden, und gegen eine derartige auffassung sträubt 
sich der ernst und feierlich gehaltene hymnus. Nimmt man 
eine wurzel trp = rauben an, so ist alles in Ordnung. 

Aehnliche bewandtniss hat es mit astdrp, das Rk X, 87, 14 
als Variation verschiedener dämonennamen fungirt. Auch hier 
wäre eine Übersetzung »sich am leben (sc. anderer) erquickend, 
gütlich thuend« am platze, wenn sich die bedeutung »rauben« 
für Y ^ nicht nachweisen Hesse: offenbar sind dämonen 
:»lebensräuber<. Dies ist auch grade die bedeutung, die Grass- 
mann u. a. aus dem nomen herauszubringen suchen. 

Rk X, 14, 12 wird der dual asutfpä von den beiden 
hunden des todesgottes Yama gebraucht. An der bedeutung 
»leben raubend, leben in seine gewalt bringend« zweifelt nie- 
mand, der mit den ind. commentatoren Säyana und Mahidhara 
das compositum als asu^tfp zerlegt (und nicht mit Roth als 

OrSiäfp). 

Warum sich also gegen eine Y ^ = »rauben« sträuben, 
wenn die erklärung der beiden composita astärp und paguirp 
aus der Y trp ^= sich erquicken äusserst gezwungen ist ? Dazu 
kommt, dass auch aus dem germ. stützen für eine Y ^ »rauben« 
beigebracht sind, vgl. quellen und forschungen XXXII, 76. 

In Rk X, 82, 7, wo dsutfp als epitheton der uWMQasas 
erscheint, wird man wohl die bedeutung »sich am leben er- 
quickend« festhalten dürfen; doch ist der hymnus überaus dunkel. 

aprd = stark. 

Dem anal i^syöfAsvav äprd (Rk I, 132, 2) geben Roth und 
Grassmann die bedeutung »thätig, eifrig«, da das wort in der- 
selben Strophe durch kräna variirt wird, und sie fassen es als 
compositum aus ä'\-pr(t' (zu Y Pf)- ^^^^ der Padapätha 
weist mit seinem unzerlegten äprdsya (gen.) darauf hin, dass 
wir es mit einem uncomponirten worte zu thun haben; und 
auch Säyana weiss nichts von der durch Roth vertretenen er- 
klärung. Auch bei diesem worte lässt sich die erwünschte be- 
deutung nur mit äusserster noth aus den geläufigen wurzeln 
par herauspressen. 

Wir werden dem Padatext gerecht und kommen ohne Um- 
schweife zu einem klaren und passenden sinn, wenn wir ap-rd- 
als uncomponirt auffassen und mit got. ahrs identificiren. Grot. 
dbrs bedeutet mit seinen verwandten der übrigen germ. dlalecte 



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Kleinere bemerkungen. 313 

(cf. Fick in, 19) >stark, heftig«. Die wurzel ist qp (a%p) = 
arbeiten, eifrig thätig sein«, die überall zahlreich vertreten ist, 
z. b. durch lat. opus = ai. ä'pas, idg. öpos. Zu dem neutralen 
o^^lamme stellt sich als bereits idg. unser adjectiv germ. abrds 
= al. äprds, idg. oprös. 

Indogermanisches sfd und verwandtes. 

In seinem aufsatz »spuren eines ursprachlichen tönenden 
Zischlautes« (ztschr. XXIII, 87 S.) hat Osthoff, der als idg. 
laut zuerst nachgewiesen, nur zwei beispiele für die Verschiebung 
eines idg. zd zu germ. st beigebracht, und Bechtel, der ztschr. 
f. deutsch, alterth. 19, 223 eine durchmusterung der germ. st 
vorgenommen hat, konnte die bekannten gleichungen germ. 
nesta- nest = idg. nigdd- und germ. astor ast = idg. O0do- nicht 
vermehren. Eine nachmusterung hat mir einige neue beispiele 
für die gleichung idg. sfd=geTm. st ergeben. 

Nehmen wir lat. n6di4S knoten als regelmässige entwicklung 
eines alten nozdo-^ (cf. n%dus =^ nizdos) ^ so dürfen wir einen 
germ. stamm nctötch erwarten ; derselbe ist nur in einer Z-weiter- 
bildung erhalten : germ. nasHlan-, cf. ahd. nes;tüo m. und nestüa 
f. bandschleife, ae. nostle Leo ags. gloss. 223, 49. 

Deuten wir den got. stamm frcisti' kind als fortsetzung 
eines älteren proadi-, so hätten wir im lat. ein prddi- von 
gleicher bedeutung zu erwarten; wir finden dafür pröli- (n. sg. 
prSles) mit dem Übergang von d in l, der für das lat. durch 
einige — u. a. von Max Müller in dieser ztschr. V, 152 zu- 
sammengestellte — beispiele fest steht Dem lat. pröli- gemäss 
sollte man auch germ. frasti- als fem. erwarten; es wird — 
ganz willkürlich — als masc. angesetzt ; nichts hindert das got. 
wort als fem. zu bezeichnen. 

Germ, mcista-is mast (ahd. mast := lange stange, altengl. 
mtest) kann auf mazdo-s beruhen, und diesem müsste lat. 
mädus entsprechen; wir finden dafür — wiederum mit Über- 
gang von d in l -- malus = mastbaum. An diese deutung der 
lat. lautfomi streift Keller Rhein. Mus. XXXIV, 337 nahe heran. 

In diesem zusammenhange fügt sich gut jene deutung von 
lat. mtles ein, die es auf ein mUo- = idg. rnmOiö- zurückführt. 
Die Zusammenstellung rührt von Benfey gr. wurzellez. 11, 33 her, 
der freilich dort nicht zu einer richtigen erkenntniss der laut- 
lichen Vereinigung gelangte. Die entwicklungsreihe mMdho- 



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314 F- Kluge, Kleinere bemerkungen. 

mtdo- miUh erkannte meines Wissens zuerst Walter ztschr. X, 201; 
für die bedeutung von tnües kann man entweder mit Benfey in 
den nachr. d. Gott. ges. von 1874, p. 371 an altind. midha 
«s beute, kämpf anknüpfen oder an gr. fiaf-i^ög, so dass näles 
den niiethling, söldner (mercenarius) bezeichnet. 

Hubschmanns annähme (ztschr. XXIV, 406; QF. 32, 76), 
dass mazghan- die idg. grundform für unser marh sei, lässt das 
ind. mit dem aufgeben der aspiration fmajf/an- für inajflum-) eine 
Unregelmässigkeit begehen. Das gleiche aufgeben der aspiration 
wird für ind. kuibjar bucklig anzunehmen sein, wenn seine Zu- 
sammenstellung mit gr. xvif6' (cf. ztschr. XXIV, 99) richtig ist; 
als grundform dürfte kübhgh<h anzusetzen sein, woraus einerseits 
durch xvipxpo» gr. xtJyo- (cf. tSj!^o- mit v für ü^ßo- = sk. ubjor-)^ 
anderseits im ind. durch hubjhor das huhjck- entstand. 

Die annähme, altnord. scrfcr=altengl. «ercerüstungseimit 
ind. sajjor auf ein idg. sazga-, scusgia- zurückzuführen, hat so 
viele gläubige gefunden, dass es endlich noth thut ihren fehler 
aufzudecken. Ein idg. eg kann im germ. nie und nimmer zu 
rk werden. Die gleichung idg. zd = germ. si beweist, dass idg. 
zg im germ. zu ^ä; werden muss; der germ. rhotacismus ist be- 
kanntlich weit jünger als die lautverschiebung, und das a von 
ssg musste, wenn jf zu * verschoben wurde, naturgemäss selber 
tonlos werden: die Vertretung des idg. nwagar knoten durch 
unser ^masche€ (cf. Fick III, 236) ist die allein berechtigte. 

Strassburg, 14.juli 1879. 

F. Kluge. 



Bemerkungen zur Päli - grammatik. 

Handschriftliche Studien auf dem gebiete der Päli-literatur 
haben mir im lauf der beiden letzten jähre mancherlei gram- 
matische materialien zugeführt, von denen ich hier eine aus- 
wähl, zusammen mit zerstreuten bemerkungen über altbe- 
kanntes, in dessen aufTassung ich von der bisherigen ansieht 
abweiche, mitzutheilen gedenke. Eine irgend vollBtftndige 2tt- 



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H. Oldenberg, Bemerkungen zur Päli-grammatik. 315 

sammenstellung alles dessen zu bieten, was wir seit prof. 
E. Eubn's grundlegender bearbeitung dieses gebietes neu kennen 
oder neu verstehen gelernt haben, will ich nicht versuchen; 
ich darf davon um so eher absehen, als prof. Pischel gegen- 
wärtig eine grammatik des Päli in aussieht gestellt hat. 

Declination. 
Im nominatl V pluralis der a-stämme begegnet ausser der 
regelmässigen form auf -ä eine auf -äse, die selbstverständlich 
mit den vedischen pluralen auf -4^8 zusammengehört. Haupt- 
sächlich sind diese formen, soweit mir bis jetzt bekannt, in den 
poetischen texten des fünften Nikäya zu hause. Doch glaube ich 
wenigstens zwei beispiele aus versen des Saihyutta-Nikäya bei- 
bringen zu können (Devaputtasaiüyutta, Phayre MS. im India 
Office, vol. I, fol. khai^). Ich gebe die stellen, wie immer, 
wo ich unedirtes citire, genau nach der von mir benutzten 
handschrift. 

aOia kho Jjcotako dempuUo ndnätiUhiye ärabbha bhagavato 
santike imam gäthath abhäsi: 

Pakudhako KdUydno Nigandho 
ye cäpi Makkheäi'Purändse^) 
gaiuissa soMhäro sdmaMapattd 
na hi nana te sappwisehi düre 'ti. 
Und ebendaselbst: 

rHipe ca ye nivitfhdse devalokäbhinandino. 
Sutta-Nipäta (Phayre MS., fol. ghäli): ye ke c' itne samanä 
(so die Hs.) brahmanäse . . .; ye p' idha . . . saltibam tanham 
pariMäya anäsaväse. 

Itivuttaka (Phayre MS., fol. ka und kä): 

yena lohkena luddhäse saUä gacchanti duggatm . . . ; 
yena dasena dutfhäse^) . . ., yena mohena mülhäse . . ., 
yena kodhena kuddhäse . . . , und dgl. mehr. — 
Was die erklärung des acc. plur. auf -e betrifft, ist es mir 
schwer, mich der ansieht Euhn's (beitr. s. 72) anzuschliessen, 
der in dieser form eine blosse stammerweiterung ohne beson- 
deres casussuffix erkennt. Wer erwägt , wie durchaus die 



^) So mein excerpt; es könnte leicht ein versehen für M± P^andse sein. 

*) Man beachte, dass hier doaa in der Verbindung mit lobhot moha etc. 
ab sanakr. doika^ nicht als sanskr. dvesha aufgefasst ut, also wohl auch 
in der reihe der vier agaii (s. Ghilders s. v.) ebenso zu verstehen sein wird. 



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316 H. Oldenberg, 

declination des Päli in allen ihren formen auf der des Sanskrit 
resp. des Vedendialekts ruht und sich von dieser nur durch ihre 
abschleifungen und analogiebildungen unterscheidet, wird nur 
höchst ungern zu einer annähme greifen, welche unter die von 
der altern spräche her geläufigen formen plötzlich eine auf so 
fundamental verschiedenem princip ruhende treten Hesse ^). 
Wenn es irgend angeht, müssen wir an der ableitung von 
dhamme aus dharmän (resp. dhannäfhs\ wie dhammo aus dkarmaSy 
dhammehi aus dharmebhis sich erklärt, festhalten. Und mir 
scheint die annähme keinerlei Schwierigkeiten zu haben, dass, 
neben dem durch bekanntes gesetz erforderten abfall des schluss- 
consonanten von dharmän, der vocal eine trübung erlitt, wobei 
dann noch vielleicht die analogie von dhamme : dhammehi = 
bhikkhü : bhikkhühi mitgewirkt haben mag. — 

Im in Str. abl. plur. geben die grammatiker (z. b. Kaccäyana 
p. 56 ed. Senart) bekanntlich für alle declinationen neben der 
endung -hi noch die endung -bhi, deren thatsächliches vor- 
kommen von Kuhn (beitr. s. 72) bezweifelt worden ist Ich kann 
für dieselbe — die beispiele der a-stämme von denen der i- 
und w-stämme zu trennen ist hier zwecklos — zunächst auf 
^dhärihhi, Jät. vol. II p. 77 (vgl. auch p. 217 var. lect.) ver- 
weisen. Auch sonst glaube ich aus dem Sutta-Pitaka zahl- 
reiche beispiele solcher instrumentale auf -bhi beibringen zu 
können. Ehe die handschriftliche Überlieferung dieses Pitaka 
im Zusammenhang erforscht ist, wird kein einzelnes dieser 
beispiele für vollkommen sicher gelten können, da bekanntlich 
in sinhalesischer schritt so sehr wie in birmanischer kaum zwei 
buchstaben so leicht verwechselt werden können wie h und bh; 
zusammengenommen werden die hier zusammengestellten formen 
zum beweis für die thatsächliche existenz von instrumentalen 
auf 'bhi im Päli hinreichen ^). 

Mahäpurisalakkhanasutta (im Digha-Nik., fol. rä): 

digha tibhi j[nmsavaraggalakkhanebhi cirayapanaya ku- 
maram ädisanti. 

>) Die unten (s. 319) besprochenen, der t- und ti-decllnation angehörigen 
formen ohne ein casussuffix werden hier nicht verglichen werden dürfen; 
es sind dies vollkommen unorganische anomalien, veranlasst durch me- 
trische uöthe. 

') Die folgenden citate sind sämmtlich nach dem vorzüglichen, in 
birmanischer schrift geschriebenen Phayre MS. des Tipitaka in der India 
Off. Library. 



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Bemerkungen zur Pftli -grammatik. 317 

Sariiyutta-Nik., vol. H, fol. cä: 

sukham tarn diftham ariyMn. — 

bhavarägaparetebhi IJuwayogänusdribhi 

Märadheyyänupannebhi näyath dhammo susambudho 

ko nu oRücUrarnHm^ebhi padimmhudähum dharaii (sie). 
Saiüy.-Nik., vol. I, fol. ghü'^): 

girim nakhena khancUha ayo dcmtebhi Jchädatha. 
An folgenden stellen giebt die Phayre'sche Hs. neben 
einander formen auf -bhi und auf -hi: 
Saihy.-Nik., vol. I, fol ki: 

nandaH puUehi puUimd, gomä gobhi ia(K eva nandcUi. 
Nachher heisst es: 

soccUi puUehi ptätimä, gomä göhi taiK eva somti. 
Theragäthä, fol. go: 

nagä isibhi sevüä 

äbbhunnadüä sikhihi. 

Vgl. auch dctsäbhi, Mahävagga I, 2% 13, wo jedoch die 
Überlieferung auch dasähi unterstützt. — 

An einer stelle finde ich den instrum. plur. eines 
a-stammes auf e (= skr. als) ausgehend , Cariyä Pitaka (Phayre 
MS.) 1, 3: räja Dhanaficayo (sie) näma kusale dasaK upägato 
[vgl. dazu nikkhamülam gune dasah^ updgatam Jätaka vol. I, p. 6]. 

Im fem. gehen nom. acc. plur. bekanntlich auf ä oder 
-ayo aus. Die letztere, offenbar aus der analogie der i- und 
ff-stämme (ratHyo, dhätuyo) hervorgegangene form wird häufig, 
wenn ein substantivum durch ein adj. oder pronomen näher 
bestimmt ist, für das subst. als den hauptbegriff gebraucht, 
während man für dessen nähere bestimmung die weniger volle 
form auf -a wählt, so Mahävagga VI, 28, 7: sarnbahtdä devatayo; 
I, 22, 13: imä gäihäyo; I, 5, 3: imd anacchariyä gdthäyo. 

Zur declination der i- und u -stamme sei hier folgendes 
bemerkt. 

Während der genitiv regelmässig auf -ino und -issa, -dino 
und -ussa gebildet wird *), ist mir wenigstens ein beispiel eines 
genitivs auf e = skr. es bekannt: 



») Vgl. Lal. Visl. p. 491. 

') Eine eingehende Untersuchung der abgrenzung der formen auf -no 
und '880, welche der Sprachgebrauch, wie es scheint, durchaus nicht 
unterschiedslos durcheinander wirft, wäre erwünscht. 



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318 H. Oldenberg, 

Apadäna (Phayre MS., fol. te): 
khippabhinRassa bhikkhussa gunam kitiayato mune. — 

In mehreren cass. obll. des singular haben wir höchst 
eigenthümliche bildungen, indem nämlich der stamm ohne jedes 
Casussuffix steht. Sporadisch finden sich derartige formen schon 
in den metrischen texten des Tipitaka, so in den versen des 
Buddhavaiüsa in Fausböli's Jätaka, vol. I, p. 4: Hvidhaggi 
vijjofUe, und gar jäti vijjante. Eigentlich heimisch aber sind 
diese anomalen bildungen im Dipavamsa, dessen Verfasser oder 
lieber compilator, so weitherzig er auch in seiner auffassung 
von den forderungen metrischer correctheit war, doch beständig 
an metrischer noth litt, wo ihm dann diese formen, bei denen 
eine silbe gespart wurde, höchst willkommen waren. Beispiele 
für den locativ sind: Dipav. 15, 21: paccanie ägaie muni; 
16, 32: saha patitfhüe bodhi; 15, 27: saha patitfhüe dhätu. 
Vielleicht ist auch dharani in der schwer verderbten stelle 
16, 34 als locativ anzusehen. Für den ablativ: % 61 fgg. : 
vuUhahUvä samapcMi. Für den genitiv: 17, 53: buddho ca icchoH 
bodhi Ojadipamhi ropanam, und wohl auch 1, 1, falls nämlich 
dort zu schreiben ist dhätu ca bodhiyägcmam. 

Gelegentlich sei bemerkt, dass derselbe text auf dem gebiet 
der ar-stamme die form hhate als acc. plur. statt bhdtaro hat 
(6, 21. 22); und hiernach wird auch 10, 6 es wenigstens 
zweifelhaft bleiben müssen, ob im nom. plur. nattä te im text 
zu lassen oder dafür, was der form der birmanischen buch- 
Stäben nach freilich eine sehr leichte änderung wäre, zu schreiben 
ist noMaro, 

Gomparation. 

Die form papifthatara, welche das superlativsufßx mit dem 
des comparativs cumulirt [vgl. Minayeflf § 123. Kuhn, beitrage 
s. 92], ist mir bis jetzt nur aus einer in den Vinaya- texten 
nicht selten wiederkehrenden Wendung (z. b. CuUavagga I, 6, 2) 
bekannt, wo von einem bhikkhu die rede ist, der wegen irgend 
eines vergebens bestraft ist und hinterher das gleiche vergehen, 
oder ein ebenso schweres oder schwereres begeht: tarn äpattim 
äpajjcUi, aMatn vä tädisikam, tato vd päpitthataram. Unzweifel- 
haft ist pdpitfhatara comparativ von päpa, denn die ableltung 
von einem anzunehmenden päpiffha = skr. päpa -j- ishfa wäre 
eine äusserst gezwungene. 



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BemerkungBn 2ur Päli-grammatik. 319 

In dem comparativ päpissika möchte ich eine zusaminen- 
ziehung aus ^pdpiyasika erkennen, welche form in dem terminus 
technicus für ein gewisses disciplinarisches verfahren, das tassch 
papiyycmkäkafMnafn (9. Childers s. v. und Gullavagga IV, 11. 12), 
sich erhalten zu haben scheint. 

Pronomina, 
Scheinbar ein pronomen der dritten ps. findet sich in 
folgender stelle des Gullavagga (VII, S, 3): yam tumo (var. lect. 
tumho) karissati tumo 'va tena paMäyissaii. Dazu Buddbaghosa: 
yam tumo harissoMi yam so karissati. Offenbar ist tumo in 
Wahrheit «= skr. tmanä. — 

Verbalflexion. 

An wenigen orten zeigen sich die beiden grundvorgänge, 
welche von der flezion des altindischen zu der des Päli hinüber- 
geführt haben, so rein und vollständig, wie in der bildung der 
präteritalformen: auf der einen seite die Verwitterung der 
alten formen, auf der andern die herstellung eines neuen Zu- 
sammenhangs unter den formen durch mannigfache analogie- 
bildungen; die seltener gebrauchten unter den alten formen 
verschwinden und werden durch solche neubildungen ersetzt, 
die an die unverdrängbaren , häufiger gebrauchten unter den 
alten formen anknäpfen ; durch das wirken der analogie kommt 
ein zusammenpassen in und zwischen paradigmen zu stände, 
die ursprönglich nicht zusammenpassen konnten; bei dem suchen 
nach materialten für die neuen bildungen, griff man nicht selten 
nach solchen, die das altindische wohl darbot, die aber dort 
an eine ganz andre stelle gehörten, und so bildete man aus 
dementen, für deren scharf festgestellte Verschiedenheit man 
das feine gefühl verloren hatte, in ziemlich freiem schalten das 
neue sprachliche besitzthum. 

Um diese Vorgänge an den praeteritis des päli zu ver- 
anschaulichen, gebe ich, den grundzügen nach, eine Übersicht 
über die betreffenden bildungen, von der ich der Vollständigkeit 
wegen auch das viele, in dessen auffassung ich mit Kuhn's 
vortrefflicher darstellung (beitr. s. 108 fgg.) übereinstimme, nicht 
ausschliessen will. 

Wir sehen hier ganz von denjenigen formen ab, die als 
sporadische, aus dem altindischen dk^t herübergenommene bil- 



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3S0 H. Oldenberg, 

düngen zu betrachten sind und aus dem Zusammenhang der 
dem Päli eigenthümlichen bildungsprincipien der praeterital- 
formen herausfallen^). 

Es lassen sich drei bildungen unterscheiden: 
Erste bildung, entsprechend dem ipf. der ersten con- 
jugation und dem sechsten aorist (ich zähle die aoristbildungen 
wie Bopp) des Sanskrit. Der characteristische vocal dieser 
bildung ist a. Der singular lässt sich direct aus der alten 
spräche construiren: -am^), -a oder -ö (= os), -3*). Die erste 
und dritte person unterscheiden sich also durch die nasalirung, 
welche die erste ps. vor der dritten voraus hat; dieses im 
Potential gleichfalls vorkommende verhältniss (1. ps. gcu^cheyyam, 
3. ps. gaccheyya) wirkt, wie wir im folgenden sehen werden, 
auf andere bildungen, wo man nach dem Sanskrit anderes er- 
warten sollte, durch seine analogie bestimmend ein. 

Der plural dieser bildung hat nun aber mit dem sans- 
kritischen plural (-^na, 4a, -an) nichts zu thun*); er ist durch 
die analogie der folgenden bildungen bestimmt. Dort werden 
wir, entsprechend sanskritischem -dshma -ishta, die endungen 
-imhä -ittha finden*); ihnen entsprechend hier mit dem für 
diese bildung characteristischen a-vocal: -amhä, -aUha^). Die 
dritte person auf -tm scheint mir durch die analogie der dritten 
bildung hervorgerufen; wie man neben assosi hatte assosum, 
wurde neben avoca gebildet avocum. 



') Formen wie akd = akar, ahü (vor vocalen ahud) = abhüt, adä = 
addt. Es ist erklärlich, dass solche formen sich vorzüglich von sehr 
häufig gebrauchten verbis erhaltea haben. 

') An einer stelle metri causa mit praesentischer endung, Apadäna 
(Phayre MS.)» fol. kau : tarn addasämi sappafi^m munt (sie) mone samä" 
hüain. 

*) Die quantität ist hier, wie in mehreren der auf a ausgehenden 
verbalformen, schwankend; man hat addasa imd cMaaä. 

*) Nur vereinzelte formen wie (iddasäina fallen unter das alte bil- 
dungsgesetz. 

■) Die endungen -mha, -Uha für die erste und zweite ps. plur. gehen 
im Päli durch sftmmtliche bildungen des praeteritums durch und kehren 
auch im conditional wieder, wo sie der alten spräche nach absolut un- 
gehörig sein würden. 

*) Hierher möchte ich auch die form avcuiuttha lieber ziehen als mit 
Kuhn (s. 113) zur zweiten bildung. Das u ist aus dem a verdunkelt, das 
im praeteritum der wurzel vac stehend als bindevocal erscheint. 



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Bemerkungen zur Päli-grammatik. 321 

Was das gebiet der verba betrifft, die nach dieser bil- 
dungsweise ihr praeteritum conjugiren, so beschränkt sich das- 
selbe, wie dies bei einer bildung, die durch den bindevocal ihr 
characteristisches gepräge erhält, kaum anders zu erwarten Ist, 
auf die consonanlisch ausgehenden stamme. Unter diesen aber 
reducirt es sich auf eine ziemlich beschränkte anzahl von verben 
(besonders häufig gebrauchte, wie gam, vclc; s. die beisp. bei 
Kuhn s. 109), während die zweite und dritte bildung eigentlich 
als die regelmässigen, das gros der verben umfassenden, zu 
betrachten sind. 

Zweite bildung, die regelmässige für die consonantisch 
ausgehenden stamme. Sie entspricht dem dritten aorist des 
Sanskrit; der characleristische vocal ist ». In der zweiten 
und dritten ps. sing, ist aus skr. As, 4t natürlich t geworden 
{npasoihkami, avasari etc.). In der ersten ps. sollte man, dem 
sanskr. isham entsprechend, -isam erwarten. In poetischen 
texten ^) finden sich auch offenbar hierher gehörige formen auf 
'issam, wofür nietri causa -isam eintritt. Auf sandhävissatn in 
dem bekannten Udäna Dhp. v. 153 haben Childers und Kuhn 
schon hingewiesen ; ich habe ähnliche formen noch an folgenden 
stellen gefunden: 

Theragätha (Phayre MS.) fol. kai: 

iato ädäsam ädäya fuiriram paccavekkhisam. 
Ibid. fol. ko': 
samsaram dlgham addhänam gaiisu parivattisam 
qpassam ariyasaccäni andhtbhüto ptähujjano. 
tassa me appanicUtassa sarhsärä vincdikatd, 
sabbd gati samticchinnä, n' atthi dani pufuibbhavo. 
Ibid. fol. khi' : 

nättano samakam kiüci atirekam ca mannisam. 
Ibid. fol. kho: 

nicam manam karitväna vandissam bahukatk janath. 
Padhänasutta (im Sutta Nipäta): 

satta vctösdni bhugavantam anuhandhim paddpcidafh 
otäram nadkigcuxhissam sambuddhassa saiimato. 
Aus der prosaischen literatur weiss ich hier nur eine übrigens 
ein besonders feierliches colorit tragende stelle des Devadüta- 

») Üas von Kuhn hierher gezogene hl'lmpayisam der inschrift von 
Oirnar ist futurum. 

Zoitaclirlft rar vcrgl. Sprachf. N. F. V. 8. i2l 



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322 H. Oldenherg, 

sutta anzuführen (nach einer Berliner hs. des Sultasariigaha, 
fol. gü). Der todlenriohter fragt die zum Hades herabkommende 
seele, ob sie gewisse pflichten auf erden erfüllt hat, und die 
seele antwortet: näsakkhissam lihante pamädassam^). 

So viel über diese verhältnissmässig seltenen formen. Die 
regelmässige form der ersten person in dieser bildung wird 
durch die analogie des oben erörterten Verhältnisses beherrscht, 
dem zufolge die erste person gleich der dritten, aber am ende 
nasalirt ist. Also zu avasari gehört avasarhh^), wie zu avoca 
avocam gehört. 

Die beiden ersten personen des plural gehen, dem Sanskrit 
entsprechend, auf -iwM'), ittha aus; die dritte (skr. -Hshus) 
regelmässig auf -4rhsti, metri causa auch auf -dsum. Das ein- 
dringen der endung -um statt -imm in die conjugation von 
praeteritis dieser bildung (abhinandum neben abhinafidimsu, 
atikkamum neben atikkamimsu) dürfte im regelmässigen Sprach- 
gebrauch der alten prosa texte noch zu den Seltenheiten gehören*). 

Dritte bildung, die regelmässige für die vocalisch aus- 
gehenden stamme; insonderheit die causativa liefern, wenn 
deren aya (das nach der zweiten bildung -ayim, -ayi hat) zu e 
zusammengezogen wird, ein zahlreiches contingent zu dieser 
bildung. Dazu kommen einige aoriste von consonantlsch aus- 
gehenden Stämmen, die theils den schlussconsonanten verlieren 
und dadurch sich äusserlich denen der vocalisch endenden 
stamme zuordnen (so akäsi von kar, aMsi von har, äusserlich 
gleichstehend mit anndsi, assosi), theils jenen consonanten mit 
dem aoristcharacter s in der gewöhnlichen weise zu einer 
doppelconsonanz gestalten (so adakkhi, asakkhi). Der character 
dieser bildung ist $: 1. sg. -sim, 2. 3. sg. 5», 1. pl. -^niJiä, 
2. pl. 'Sittha, 3. pl. sum, Kuhn leitet die bildung aus dem 
vierten aorist des Sanskrit ab. Ich meine, dass in . ihr der erste 

^) Also auch eine form auf -CLSsaml Ich kenne die stelle nur aus 
einer bs., wo sie jedoch mehrfacli wiederholt ist. — Die form asakkhisicm 
schien mir am passendsten hier zu erwähnen, wenn dieselbe sich auch 
streng genommen zu den praeterita dritter bildung stellt. 

*) metri causa selbstverständlich auch auf -t, so im Buddhavamsa: 
manus9e pucchi tavade, 

*) Kuhn lässt das schliessende a dieser person bei dieser bildung lang, 
bei der folgenden kurz sein. Mir scheint die Überlieferung beides bei 
beiden bildungen gleich sehr zu begünstigen. 

*) Im MahAparin. Sutta finde ich nur efn beispiel upagacchum (p. 21). 



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Bemerkungen zur Pali -grammatik. 323 

und vierte aorist des Sanskrit sich vereinigen; so haben w\v 
dkäsi = akdrshU (erster aor.), neben aündsi = ajndsU (vierter 
aor.). Die ausschlaggebende dritte ps. sing, hat im Skr. bei 
beiden bildungen den gleichen ausgang sU, dem im Pdli -si 
entspricht; die erste ps. des Päli (-s^iih) entspricht weder der 
ersten des sanskritischen ersten (sam), noch der des vierten 
aorists (-sisham), sondern ist aus der dritten nach der durch- 
gehenden, oben erörterten analogie (durch hinzufügung des 
nasals) gebildet. Wenn nun der singular auf -sith, -si ausgieng, 
war es nach allen analogien natürlich, dass der plural weiter 
gieng-SMwÄÄ, -sUtha (entsprechend dem sanskr. vierten aor.) ; nach 
dem sanskr. ersten aorist weiter zu conjugiren -niha, 4fha hätte 
nicht in der art des Päli gelegen ^). — Die dritte plur. schliesst 
sich an das -sus des ersten, nicht an das 4shus des vierten 
aor, an; dies -sus aber erscheint in doppelter gestalt, als'-v^Mwi 
{assGsmi, drocesum etc.) und als -su mit nasalirung des voran- 
gehenden vocals: oMhamsu, dkamsu. — 

Causativum. Kuhn (beitr. s. 118) hat auf das Umsich- 
greifen der mit p gebildeten formation dem Sanskrit gegenüber 
hingewiesen: käräpeti neben kdreti. Ich möchte hinzufügen, 
dass sich häufig ein unterschied in der bedeutung wahrnehmen 
lässt zwischen den causativen auf -eti und denen auf -äpeti; 
die letzteren sind gleichsam causativa zweiter potenz. Die formen 
auf -c^i drucken aus, dass jemand ein geschehen bewirkt; die auf 
-apetiy dass man jemand veranlasst, ein geschehen zu bewirken. 
So heisst pdbhäjeti: er lässt (den N.N.) in das geistliche leben 
eintreten; jxibbajäpeti heisst: er bewirkt, dass X.X. den N.N. 
in das geistliche leben eintreten lässt. Aehnlich findet sich oft 
hchreti vä kardpeti vd u. dgl. mehr. 

Infinitiv. Zu den Infinitiven auf -tave stellt sich ein inf. 
auf 'tuye in einer stelle des Buddhavaiiisa (PhayreMS. fol cau): 
yailiäpi sägare ummi na (sie) sakkä td ganetuye 
talh'eva sävakd tassa na sakko (sie) te ganetuye. 

Gerundium. Neben dem suffix -tväna kennt die gram- 
matische literatur bekanntlich auch -tüna. Aus den Tipitaka- 
texten selbst weiss ich für diese formen keinen beleg beizubringen, 
wohl aber findet sich ein gerundium auf 4üna in jenen zwischen- 



') Ich spreche von der durchgehenden bildungsweise, ohne auf ver- 
einzelte abweichende formen rficksicht zu nehmen. 



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324 H. Oldenberg, 

bemerkungen, die, wo lange Wiederholungen des textes in der 
hs. weggelassen sind, die regel angeben, nach welcher das 
fehlende ergänzt werden nmss. An einer derartigen stelle im 
Suttavibhanga (Päräjika4) heisst es: evam ekekam mülam hatuna 
(so zwei von mir verglichene mss.) cakhm x}arivattakam 
kattabham, — Beiläufig sei bemerkt, dass ich das vielbesprochene 
\^ort peyyäla (die hss. kennen es sowohl als masc. wie als 
neutr.), welches ich bis jetzt aus den heiligen texten selbst nicht 
zu belegen weiss, demselben jüngeren, durch die in die texte 
eingefügten Zwischenbemerkungen vertretenen sprachzustande 
zurechnen möchte. Sollte das wort aus pariydya abzuleiten 
sein (über l für urspr. y siehe Kuhn, beitr. 43)? Man ver- 
gleiche Wendungen wie so yeva purimapeyydlena viUMretabbo 
mit solchen: iminä p'etam pariydyena veditabbam; und man 
beachte, dass auseinandersetzungen wie der vielgenannte ddi- 
ttapariyaya (Buddha's predigt an die bekehrten Jatila, Muhä- 
vagga I, 21) von anfang bis zu ende voll sind von jenen in 
den hss. nicht ausgeschriebenen Wiederholungen derselben Wen- 
dungen, für welche der technische name eben peyycUa ist. — 



Ich schliesse hier noch zerstreute bemerkungen über ver- 
schiedene einzelheiten an. 

1) Zur erklärung des verbums samminjati (in der stehenden 
Wendung sammif^itam vä bähani pasäreyya pasäritam vä bäham 
samminjeyya; die. bedeutung muss sein :» krümmen«) sind vcr* 
schiedene versuche gemacht worden. Burnouf^) dachte an 
ing, Childers an rinj. Man muss auf die wurzel ac oM zurück- 
gehen, wie sich aus Qatap. Br. VIII, 1, 4, 7 ergiebt: afh&tdhit 
samanmnaprtxsäranasyaiva. 

2) Der ausdruck, durch den man einem bettler das almosßn 
versagt und ihn auffordert weiter zu gehen, ist bekanntlich 
aticchcUha. Ich möchte das wort als atiraccluitha erklären, vgl. 
pc4aggi = pafiroggi etc. 

3) vagga wird von Childers mit skr. varga gleich gesetzt. 
An der grossen mehrzahl von stellen, wo das wort vorkommt, 
trifiEl dies zu, z. b. wenn es heisst (Mahavagga IX, 4, 1): paaica 
satkghä: catuvaggo bhikhhusamgho, pari>cav<iggo bhikkkusamgJm etc. 



*) Ihm stimmt Weber bei, ind. streifen III, s. 397. 

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Beinprkunu:en zur Pali-grammatik. 325 

Doch findet sich in der Lcclinischen spräche des Vinaya noch 
ein zweites vagga, bei welchem mit Ghilders' ableilung nicht 
durchzukommen ist. Ein kirchlicher rechtsact, bei dessen vor- 
nähme nicht alle stimmberechtigten bhikkhu anwesend sind 
resp. ihre Zustimmung erklären, heisst vaggak<kmmam (z. b. 
Mahävagga IX, 3). An varga können wir hier nicht denken; 
wenn eine aus vier bhikkhu bestehende gemeinde vollzählig 
versammelt ist, ist dies ein varga (ein catuvaggo bhikkhusamgho) 
und doch zur Vollziehung der meisten rechtsacte competent. 
Der gegensatz, in welchem wir das vaggdkammam regelmässig 
zum samaggakammam finden, lässt kaum einen zweifei, dass 
wir neben jenem vagga = varga ein zweites vagga = vyagra 
anzunehmen haben, 

4f) In Äbhidhänapp. 214 jantägharam tv aggisalä ist von 
dem herausgcber aggisalä als erklärung zu jantäghara gefasst 
worden ; er, und ihm folgend Childers, hat demnach das letztere 
wort übersetzt »a room in which fire is kept.« Die Vinayatexte 
(z. b. Mahävagga III, 5, 6) zeigen, dass beide worte verschie- 
denes bezeichnen, und weiter (Mahävagga I, 25, 12. 13; Gulla- 
vagga VIII, 8), dass jantäghara eine anstalt für warme bäder 
und abreibungen ist. Hierauf fussend hat 6. Bähler, wie ich 
meine mit recht, das wort auf yantrorgriha zurückgeführt. 
Wir hätten hier ein, so viel mir bekannt, alleinstehendes bei- 
apiel für den Übergang von y in j; Jajavakka = Yäßfiavalkya 
wird fortfallen müssen, denn der Jajavakkanämo stManto, den 
der Kopenhagener catalog aus dem Majjh. Nikäya anführt, 
ist in Wahrheit vielmehr ein cha-cakka-nämo suitanto, 

5) Man hat darüber gestritten ob idäham (in der Wendung 
ekam idäham ävuso saniayam) aufzulösen ist idam aham oder, 
indem man wegfall der aspiration annimmt, idha aJum (s. Kuhn, 
beltr. s. 41). Die erstere, von Childers vertheidigte erklärung 
ist die richtige. Dies zeigt eine stelle im 12. buch des Culla- 
^SLgga^ wo dem satz statt aham ein andres subject gegeben ist: 
ekam idam ävuso samayam bhagavä Sävaithiyam viharaii. — 
Unter den anderen von Kuhn a. a. o. gesammelten beispielen 
für den verlust der aspiration möchte ich die hierhergehörigkeit 
von katikä (»neben kathikä^) bezweifeln. Katikä und kathikä 
sind dasselbe wort, das die hss. bald so bald so schreiben; 
i^ denke, dass die erstere Orthographie die richtige ist um) 
das wort von wzl. kar kommt (katikam cJcamsu »sie machten ab«). 

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3!2(i H. Oldenberg, 

G) Zahlreich sind die fälle, in denen ein scheinbarer laut- 
Wandel in der Ihat darauf beruht, dass die abschreiber ein 
selten vorkommendes wort mit einem häufigeren irgendwie zu- 
sammenwerfen, und dadurch die Orthographie des ersteren 
beeinflusst wird. Wenn z. b. sich zu skr. pargt^ phäsuka »die 
rippc« stellt, möchte ich darin nicht einen zutritt der aspiration 
sehen, sondern ein einfaches, durch das txA]. phäsuka >schön« 
veranlasstes missverständniss ; so ist vermuthlich auch pharctöUf 
2)1iarHsa, phussa für skr. paragii, parusha, pushya durch die 
häufigen verba pharcUi und phusati veranlasst. Aehnlich ist die 
überaus häufige Schreibung kliaiiati >er gräbt« wohl durch den 
einthiss von Jchma (= hshana), khandha = skr. skanda aus 
kliandlui = skandha zu erklären. Im eingang des Milinda-panha 
wird von Milinda gesagt, er sei ein kenner von stUi und sammtUi 
gewesen. Wenn hier smrüi nicht durch samtdi, sondern durch 
samrmdi wiedergegeben wird, dürfen wir auch hierin wohl kaum 
etwas anderes als ein missverständniss erkennen, zu welchem 
das häufige wort sammuti = skr. samtncUi den anlass gegeben hat. 

7) Zu den beispielen für die Vertretung des v durch p (Kuhn, 
beitr. 4ö) stellt sich wahrscheinlich hupeyya (Mahävagga I, 6, 9) 
für huveyya, Buddhaghosa umschreibt das wort durch bhaveypa. 

8) Neben der dritten ps. futuri käJiiti wäre eine erste 
*kähiini denkbar, obwohl nicht belegt, und von *kdhimi wäre 
der weg zu *kähim, *kdhi kein unmöglicher. Nach der analogie 
eines solchen *kähi wird dha^i (Mahävagga I, 6, 8 : andhabhü- 
tusmi lokasmim ähaühi amatadudrabhim) zu erklären sein. Der 
sinn verlangt, was auch Buddhaghosa's paraphrase giebt, ein 
wort wie paharissämi; die entsprechende stelle des Lal. Vist. 
(p. 527 ed. Calc.) hat tädayishye, 

9) Wer sich mit dem schwierigen problem der altbud- 
dhistischen Vorstellungen von dem Nirväna beschäftigt, muss 
dem stehenden ausdruck begegnet sein: anupädisesöya nibbdna- 
dhätuyä parinibbäyatL Ohne hier auf die zahlreichen anderen 
fragen, die dieser ausdruck nahe legt, einzugehen, möchte ich 
eine bemerkung über den casus von nibbänadhatuyä dieser lanx 
satura einverleiben. Childers (v. parmibbäyati) übersetzt den 
ausdruck: »he attains the extinction of being through that ele- 
ment of Nirväna in which no trace of the Skandhas remains«. 
Er fasst also -dhdtuyä als instrumental. Dem möchte ich fol- 
gende stelle aus dem Cullavagga (IX, 1, 4) entgegensetzen: 



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H. Oldenberg, Bemerkiinf^en ziir Päli-grammatik. 327 

setßycUhäpi bhikkhave yd ca loke savantiyo "tnahäsamuddam apf)enti 
yä ca antaiikkhä dhärd papatanti na tena malidsafmuldasm 
ünattatn vä pürattath vä paüfiäyati , evatn eva kho bhikkhave 
bahü ce pi hhikkhü anupädisesäya nibhanadhMuya parinihbdyanti 
na tena nibbänadMtuyä ünattam vd x>ürattani vä pannäyati, 
Buddha wehrt also die Vorstellung ab, dass dadurch, dass viele 
ihre Vollendung nibbänadhätuyä erlangen, die nibbänadhätu voll 
wird. Mir scheint daraus ziemlich unzweifelhaft zu folgen, dass 
nibbdfmdhätuyä als locativ genommen werden muss. 
Berlin. 

H. Oldenberg. 



Miscellen. 

1) Wie verhalten sich skr. kumbJia und zd. khwnba? Die 
arische grundform beider war khumbha: daraus entstand ohne 
Schwierigkeit zd. khumba (phonetisch x^^'^)i skr. kuniblia hat 
in bekannter weise die erste aspiration eingebusst. Nach dem- 
selben gesetze erklärt sich der mangel der aspiration in stambh, 
sUgh u. s. w. gegenüber sthä u. s. w. Die ganze frage der 
tenues aspiratae bedarf einer gründlichen revision; heutzutage 
wird auch mancher, welcher der modethorheit von der Unfehl- 
barkeit der lautgesetze nicht gerade anhängt, Schleicher s an- 
nähme wenig wahrscheinlich finden, nach der gerade die ältesten 
beispiele dieser lautclasse einem ^urchaus sporadischen laut- 
wandel ihre entstehung verdanken sollen. 

2) Das bisher räthselhafte Verhältnis von päli müakkha 
zu skr. mleceha findet durch die neue, so durchaus einleuchtende 
theorie der arischen palatale eine wie wir glauben befriedigende 
erkiärung: *mlaska == päli müakkha, eine form die dem grie- 
chischen typus (poQO- entspricht, war die ursprüngliche nominale 
gestalt des wortes, welche im Sanskrit durch das dem verbum 
^nildscoH = ndecchati nachgebildete nUeccha verdrängt worden 
ist. Ueber skr. e aus d vergl. oben s. 60 fT. Das wie es scheint 
nur der grammatisch- lexikographischen literatur angehörige 
parUcipium mUshta wird wohl niemand gegen unsere auf- 
fassung ernstlich geltend machen wollen. 

3) Da skr. kacchura wie skr. khasa bisher nur bei gram- 
matikem und lexikographen belegt zu sein scheinen, ist es viel- 



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328 K. Kuhn, Mif:ce11en. 

leicht von Interesse zu bemerken, dass beide Wörter auch im 
Päh* vorkommen. In einer prof. A. Bastian gehörigen band- 
Schrift des Girimänandasutta finde ich unter einer anzahl von 
krankheiten ein bei Ghilders seinen beiden bestandtheilen nach 
unvertretencs kneclmrdkhasä angeführt. Es muss vorläufig dahin 
gestellt bleiben, ob wir hier ein karmadhdraya-compositum mit 
femininischen khasä (»grindige kratze^) oder ein plurales dvandva 
mit substantivischem hucchura (»grind und kratze«) anzunehmen 
haben. Das erste u von kucchura erklärt sich natürlich durch 
den assimilirenden einfluss des zweiten (Beitr. z. Pali-gramm. 
s. 25), dem skr. Icacchü entspricht freilich auch im Päli kacchu. 

4) Unter zigeunerisch bes, praes. bcMva ich sitze, verweist 
Miklosich, Ueber die Mundarten und die Wanderungen der 
Zigeuner Europa's VII, s. 20 auf skr. mg nebst updvishfa, gleich- 
zeitig aber auch auf bind! basnä wohnen. Beiträge zur Kenntniss 
der Zigeunermundarten IV, p. 47 hat er ferner das participium 
beStö mit sindhi vStho zusammengeslellt. Die form des verbums 
ohne ^laut ist eine specielle eigenthümlichkeit der west- 
lichen dialekte. Dem zigeunerischen am nächsten steht das 
bish (imperal.) des Bhadarwahi und Pädari, die in den grenz- 
gebirgen zwischen Jammü und Kashmir gesprochen werden, 
Übergang in h resp. ausfall des consonanten zeigen u. a. das 
Sindhi: veha'^ part. vSthö, das Dogri: beh (imperat.), das 
Kashmtri: be (imperat.), der dardischc Shinä-dialekt von Ghilghit: 
beyöki to sit, biif sit thou, niä beythos I sat (vgl. Drevv, Jammoo 
and Kashmir Territories p. 519 und Leitner, Languages and 
Races of Dardistan Part I, p. 33). Hindi basnd =»= skr, vas 
muss für die erklärung ganz bei seile bleiben, das verbum geht 
gewiss auf upam4^ zurück mit dem den westlichen dialekten 
eigenen ^ = skr. q. Bedenken wir, dass hindi baißnä sitzen von 
Hoernle in Indian Antiquary I, p. 357 richtig auf skr. upavislifa 
zurückgeführt ist, so fallen hiermit die beiden von Pott und Bopp 
vorgeschlagenen dcutungen des zigeunerischen Wortes {baißnä, 
resp. upavig: Pott, Zigeuner II, s. 428) in eins zusammen. 

München, 9. Januar 1880. E. Kuhn. 



Berichtigung 8U Heft 1. 2. 

^. !214, z. 18 lis>: atSxos, 



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„It may beeome possible by conti naed and 
careful comparlBon of the Vedic hymns, to arrive 
at somc probable conclusions in regard to thelr 
autborshlp , so far at least as to determine tbat 
partl ciliar hymns sboald probably be asstgned 
to partfcular eras, or families, rather tban to 
otbers.'* Mulr, Sanskrit Texts, Part III, page 178. 



lieber dialektspuren im vedischen gebrauche 
der infinitivformen, 

L Einleitung. 

Allgemeiner annähme zufolge gilt bis jetzt die spräche, in 
welcher die Sängerfamilien des Rigveda gedichtet haben, für 
eine so durchschlagend einheitliche, dass zwar innerhalb dieses 
einheitlichen idioms mancherlei Schwankungen wahrzunehmen 
seien, diese Schwankungen jedoch keineswegs auf rechnung 
nachweisbar mundartlicher stammesdiflferenzen gesetzt werden 
dürften. Wenn sich nun vorliegende Untersuchung über dialek- 
tische stammeseigenthümlichkeiten der vedischen sängerfamilien 
zufälligerweise nur auf den infmitiv stützt, so rührt das einfach 
davon her, dass sich der Verfasser dieses beitrags zur Veden- 
kritik schon vor länger als einem Jahrzehnt einlässlich mit den 
vedischen infinitiven beschäftigt hatte, so dass ihm gerade kein 
anderes material so vollständig zu geböte stand, als das infini- 
tivische. Ich bin jedoch überzeugt, dass ich ebensowohl den 
aorist, den Let oder irgend eine andere hervorstechende flexions- 
form der Vedensprache hätte zum ausgangspunkt meiner Unter- 
suchung wählen können, ohne zu einem andern resultat, als 
der nebeneinanderexistenz vedischer dialekte, zu gelangen. 

Meine arbeit ist eine rein statistische: sie stellt im ersten 
theile die sämmtlichen vedischen infinitivformen nach den im 
grossen und ganzen richtigen angaben der Anukramanikä unter 
den rubriken der einzelnen sängerfamilien zusammen und 
beobachtet dann im zweiten theile das verhältniss, in welchem 
diese familien, resp. stamme, zu einander stehen bezüglich des 
masses, nach welchem dieselben bestimmte Infinitivformen ent- 

ZHUchrift für vergl. Bprachf. N. F. V. 4. 2S 



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330 Herrn. Brunnhofer, 

weder bevorzugen oder vermeiden. Es lässt sich freilich nicht 
leugnen, dass dem zufall in der Verwendung oder nicht- 
verwendung einer infinitivform bei dieser oder jener sänger- 
familie ein grosser Spielraum eingeräumt werden muss. Es 
kann uns ja gerade derjenige hymnus, diejenige stelle, in 
welchen der und der Infinitiv vielleicht gestanden hat, zufälliger- 
weise nicht überliefert worden sein. Dieser skeptische Stand- 
punkt erweist sich jedoch als unhaltbar, sobald wir die sprach- 
liche eigenthümlichkeit einer sängerfamilie, deren hymnen wie 
die der Bhärgava und Känva über mehrere mandala zerstreut 
sind, durch alle diese mandala hindurch consequent wieder- 
kehren sehen. Da hört der zufall auf und es beginnt die gesetz- 
mässigkeit der erscheinung. Gelingt es aber, derartige regelmässig 
wiederkehrende eigenthümlichkeiten in dem sprachmaterial einer 
sängerfamilie nachzuweisen, so ist damit der anfang gewonnen 
für eine individualisirende Charakteristik, d, h. für die dialek- 
tologie, der vedischen stamme. 

Das ganze material der vedischen infinitive ist zuerst von 
Alfred Ludwig in seiner speciellen abhandlung: »Der infinitv 
im Veda« (Prag, 1871) mit citaten zusammengestellt worden. 
Nach ihm hat Eugen Wilhelm in seiner sprachvergleichenden 
Untersuchung: »De infinitivi linguarum Sanskritae, Bactricae, 
Persicae, Graecae, Oscae, Umbricae, Latinae, Goticae forma et 
usu€ (Isenaci, 1872) — zum zweiten male die vedischen infini- 
tive gesammelt und geordnet. Beide Sammlungen erweisen sich 
jedoch bei näherer prüfung theils als unvollständig, theils als 
ungenau citirt^). Ferner werden in beiden Sammlungen, bei 
Ludwig noch weit mehr als bei Wilhelm, formen als infinitive 
aufgeführt, welche nur nomina actionis, aber desswegen noch 
lange keine infinitive sind, und dann im weitern formen, in 
welchen, was doch zum Infinitiv unumgänglich gehört, gar kein 
verbalbegriflf pulsirt ^). 

*) Vgl. bei Ludwig z. b. die sehr ungenaue und sehr unvollständige 
Sammlung der jivdse-sieUen aufpag. 61. Ebenso unzulänglich istWilhelm\s 
verzeichniss der ßväse-sieWen auf pag. 11 oder vgl. bei diesem auch das 
verzeichniss der sandyc-sieWen auf pag. 19 oder beliebige andere Seiten. 

*) Vgl. bei Ludwig pag. 54 die loc. bttdhi, yudhi »im erwachen, im 
kämpfenc; pag. 61 QrävMe »zum rühm«, oder nun gar auf pag. 58 die 
inteijection haye, Wilhelm nimmt pag. 11 ebenfalls formen wie gdvase^ 
grävaae für gute infinitive; auf pag. 19 figuriren als solche aber auch 
»ünfitäyai, indriyaya, viryä^ya, einfach weil sie im dativ des Zweckes stehen. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 331 

Um nun ein statistisch zuverlässiges material zu bieten, 
habe ich mich ausschliesslich an diejenigen formen gehalten, 
welche allgemein als Infinitive anerkannt werden, und zur er- 
möglichung der controlle jeden Infinitiv mit der angäbe seines 
Standortes versehen. Die rubricirung der infinitive unter die 
dichter und sängerfamilien, von welchen sie gebraucht werden, 
gibt zum ersten male ein gesamratbild von der geschiebte der 
einzejnen infinitive innerhalb des rahmens der zehn mandala. 
In der citation bin ich durchweg der 2. ausgäbe von Aufrecht's 
Rigvedatext und in der angäbe der liederverfasser, welchen die 
verschiedenen infinitive zuzutheilen waren, fast ausschliesslich 
der Anukramanikä gefolgt. Aus rein ästhetischen, d- h. also 
subjektiven gründen die uralten Überlieferungen der Samhitä und 
Anukramanikä zu bekämpfen, um dann auf ein conglomerat von 
Seifenblasen hin das fundament statistkch vergleichender Veden- 
kritik zu stützen, erschiene mir als mangel an ehrfurcht vor 
geisteswerken, deren werth und bedeutung für die raenschheit 
mit jedem Jahrtausend zunehmen wird. Ich verschliesse mich 
zwar keineswegs der einsieht, dass die zukünftige kritik der 
Anukramanikä, welche ein dringendes bedürfniss genannt werden 
darf, noch manchen liederverfasser des Rigveda, welchen die 
gegenwart bis zur stunde für eine reale historische persönlich- 
keit hält, in mythischen nebel auflösen wird. Ebenso wird 
auch in sachen der Zugehörigkeit oder nichtzugehörigkeit dieses 
oder jenes Vedendichters zu dieser oder jener sängerfamilie noch 
manches gegen den ausspruch der Anukramanikä entschieden 
werden, wiewohl nicht zu bezweifeln ist, dass vier fünftel ihrer 
angaben auch jetzt schon für stichhaltig und in folge dessen 
für fähig betrachtet werden dürfen, ein statistisches gebäude zu 
tragen. 

Ludwig hat im 3. band seiner Rigvedaübersetzung den 
ernsten anlauf zu einer kritik der Anukramanikä genommen, 
doch hat er sich meiner ansieht nach viel zu sehr an äusser- 
lichkeiten gehalten, als dass er zu vertrauenswürdigen resultaten 
hätte gelangen können. Ob Agni in einem hymnus Angiras 
genannt werde, scheint mir ein viel leichter wiegender bel^ 
für das Ängirasathum eines dichters zu sein, als dessen unbe- 
kanntschafl mit einer sprachlichen form, welche auch allen 
andern Ängirasa fremd ist. Hätte sich Ludwig mehr, als er 
gethan, an sprachlichen anhaltspunkten orientirt, so hätte er 

22* 



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332 Herrn. Brunnhofer, 

eines nomen actlonis auf tlia: thäya. 33. dativ eines nomen 
nicht auf den absonderlichen einfall gerathen können, den 
Spätling und antiquarischen dichterling Parucchepa zum Zeit- 
genossen solcher erzväter vedischer urpoesie zu machen, wie 
der Bharadväja (s. Ludwig in seiner Rigvedaübersetzung bd. 3, 
pag. 114). Zu ganz positiven ergebnissen wird es die kritik 
der Anukramanikä erst dann bringen, wenn der ganze wort-, 
flexions- und metrenschatz, welcher jeder sängerfamilie zu ge- 
böte steht, in spezialanalysen ausgeschieden, geordnet und im 
einzelnen verglichen sein wird. In folge dieser umfassenden 
kritik wird dann wohl auch manches resultat der vorliegenden 
Untersuchung modificirt werden. 

n. Die Standorte der infinitive des Bigveda. 

Die infiniüvformen, welche der vorliegenden Untersuchung 
zu gründe liegen, sind folgende: 

1. accusativ des wurzelnomens: am. 2. dativ des wurzel- 
nomens: e. 3. genetiv-ablativ des wurzelnomens: cls. 4. locativ 
des wurzelnomens: i. 5. dativ eines compositums auf rfÄa; cßuii. 
6. dativ eines compositums auf cßii: dhyai. 7. accusativ eines 
nomen actionis auf tu: tum. 8. älterer dativ eines nomen 
actlonis auf tu: tavai. 9. jüngerer dativ eines nomen actionis 
auf tu: tave. 10. genetiv-ablativ eines nomen actionis auf tu: 
tos. 11. dativ eines nomen actionis auf cts: ose. 12. dativ 
eines nomen actionis auf us: ushe. 13. dativ einer durch s er- 
weiterten Wurzel: se. 14. locativ eines nomen actionis auf ^an; 
sani. 15. locativ eines nomen actionis auf an: ani. 16. dativ 
eines nomen actionis auf an: ane. 17. dativ eines nomen 
actionis auf van: vane. 18. dativ eines nomen actionis auf 
man: mane. 19. locativ eines nomen actionis auf man: mani. 
20. locativ eines nomen actionis auf man: man, 21. locativ 
eines nomen actionis auf tan: tani. 22. locativ eines nomen 
actionis auf tar: tari. 23. männl. dativ eines nomen actionis 
auf ti: taye. 24. weibl. dativ eines nomen actionis auf ti: 
tyai. 25. männl. dativ eines nomen actionis auf i: aye. 
26. weibl. dativ eines nomen actionis auf i\ yai. 27. dativ 
eines nomen actionis auf ana: anäya. 28. locativ eines nomen 
actionis auf ana: ane. 29. dativ eines nomen actionis auf «wa; 
unaya. 30. männl. dativ eines nomen actionis auf a: äya. 
31. weibl. dativ eines nomen actionis auf a: äyai. 32. dativ 



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Ueber dialektspiiren im ved. gebrauche der infinitivformen. 333 

actionis auf atJui: athäya. 34. dativ eines participium futuri pass. 
auf ayya; ayyäya. 35. dativ eines mit einem subst. componirten 
p. f. p. auf ya: yäya. 36. dativ eines mit einem subst. com- 
ponirten p. f. p. auf tya: tyäya. 

a) Die infinitive der ßhärgava. 

1. accusativ des wurzelnomens auf am. Gritsamada: 
ävigam II, 24, 6. Somähuti ßhärgava: ydmam II, 5, 1. 
Jamadagni ßhärgava: äsddam IX, 62, 16. 

2. dativ eines wurzelnomens auf e. G r i t s a m a d a : abhimrige 
II, 10, 5. vicdkshe II, 27, 10. samdrige II, 13, 5. anmhydde 
II, 13, 2. upasUre II, 31, 5. paribhve II, 16, 3. d-yai II, 18, 3. 
Kavi ßhärgava: drige IX, 48, 4. Jamadagni ßhärgava: 
sampricche VIII, 101, 4. Nema ßhärgava: vishkäbhe VIII, 
100, 12. Vena ßhärgava: drige X, 123, 7. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens auf as. Gritsamada: 
sampricas II, 35, 6. ädhrishas II, 1, 9. samdrigas H, 33, 1. 
avasrdsas II, 17, 5. visrdsas II, 39, 4. 

4. loc. eines wurzelnomens: i. Gritsamada: samdrigi II, 

I, 12. 

5. dativ eines compositums auf dhä: dhai, fehlt. 

6. dativ eines compositums auf dAi; dhyai. Gritsam ad a: 
gayddhyaiW^Vl ^%. Jamadagni ßhärgava: y<^adhyaiX, 110,7. 

7. accus, eines nomen actionis auf suffix tu: tum, fehlt, 
vielleicht deutet auf deren möglichkeit die form bhdiAtvä II, 
24, 5, welche von y bhü gebildet ist wie Jamadagni's hdvttave 
von y hü VIII, 101, 4, vgl. dazu das participium fut. pass. 
*hdvitu in suhdvttu-namne IX, 85, 6. 

8. älterer dativ tavai, fehlt. 

9. jüngerer dativ tavc, Gritsamada: pä^tave II, 16, 5. 
kdrtave II, 22, 1. vdrtave II, 25, 3. nthantave II, 13, 8. Kavi 
ßhärgava: yd'tave IX, 78, 2. Jamadagni ßhärgava: 
yä'tave IX, 62, 17; 18. hdvUave VIII, 101, 4. ßhrigu Väruni 
oder Jamadagni ßhärgava: yatave IX, 65, 16. 

10. gen. abl. tos, Gritsamada: kdrtos II, 38, 4. etos 

II, 15, 5; 38, 3. 

11. dativ ase. Gritsam ada: jivdse II, 28, 7; 39, 6. 
'dvase II, 16, 1; 29, 1; 34, 14. Somähuti ßhärgava: 

dMyase II, 5, 7. Syümara^mi ßhärgava: arMse X, 77, 1. 
gobhdse X, 77, 1. ßhrigu Väruni: vdrcase IX, 65, 18. 



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334 Herrn. Brunn hofer, 

13. dativ ushe. 13. dativ -se. 14. loc. sani, fehlen. 

15. loc. ani. Gritsamada: ishdni II, 2, 9. 

16. dativ ane, fehlt. 

17. dativ vane. Gritsamada: dävdne II, 1, 10; 11, 1; 13. 

18. dativ mane, 19. loc. mani. 20. loc. man. 81. loc. 
tani, fehlen. 

22. loc. tari. G ritsam ada: dhartdri II, 23, 17. Kavi 
Bhärgava: vidhartdri IX, 47, 4*). 

33. männl. dat. taye. Gritsamada: vUdye II, % 6. 
frushtdye II, 38, 2. somapitaye II, 41, 1; 21. ö^rfye II, 32, 8; 
34, 14. svastdye II, 2, 6; 32, 8. vd'jasätaye II, 31, 3. Kavi 
Bhärgava:i)i^yeIX, 78, 4. Jamadagni Bhärgava: 2>^y« 
IX, 62, 8. t?«(fye IX, 62, 23. havyäddtaye "Vlll, 101, 1. Bhrigu 
Väruni: pUdyeY^L, 65, 8. Somähuti Bhärgava: iUdye II, 5, 1. 

24. weibl. dativ tyai, fehlt. 

25. männl. dativ aye. Grits am ada: sandye 11, 31, 3. 
driQdye H, 24, 8. 

26. weibl. dativ yai, fehlt. 

27. dativ andya: Gritsamada: ddnd'ya II, 13, 13. 

28. loc. ane. 29. dat. undya, fehlen. 

30. männl. dat. äya. Gritsamada: tdrdya II, 1 3, 1 2. jdrdya 
II, 34, 10. savd'yaUy 38, 1. Jamadagni Bhärgava: samvddaya 
VIII, 101, 4. 

31. männl. dat. dyai. 32. dat. thaya, fehlen. 

33. dat. athdya. Gritsamada: yajdthäya II, 28, 1. 

34. dat. ayydya, fehlt. 

35. dat yä^a. Gritsamada: vasudey&ya II, 35, 7. 

36. dat. iydya, fehlt. 

b) Die Infinitive der Vaigvämitra. 

1. accus, des wurzelnomens : am. Vi?vämitra: dsddam 
m, 62, 13. Vigvämitra Gäthina: bhüjam III, 2, 9. Ri- 
shabha Vaigvämitra: ete<Wam IX, 71, 1; 6. 

2. dativ eines wurzelnomens: e. Vigvämitra: äsdde III, 
41, 9. nirdje III, 30, 10. äw-ite III, 42, 3. avasai ID, 53, 20. 
pratimai III, 60, 4. Vi^vämitra Gäthina: vrWie III, 3, 8; 



') Meines Wissens ist der erste, der diese form des infinitivs erkannt 
hat, Grassmann in Wörterbuch und Übersetzung des Rigveda, ihm folgt 
Whitney in seiner Sanskritgrammatik, übers, von Zimmer, pag. 337, § 979. 
Das vidhartdH des Puruhanman Angirasa IX, 59, 2 ist kein infinitiv. 



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Ueber dialektspuren im ved. gehrauche der infinitivformen. 335 

6, 10. prafnrishe III, 9, 2. Ku^ika Aishirathi oder Vi^- 
väraitra: gi^ndfhe HI, 31, 13. Prajäpati Vai^v. oder Pr. 
Yacya oder Vi^v. samdrife III, 38, 1. ninäme III, 56, 1*). 
Renu Vai?vämitra: nirnije IX, 70, 1. ishe X, 89, 3- 
prame IX, 70, 4. Ashtaka Vai?vämitra: vitire X, 104, 5. 
3. gen. abl. eines wurzelnomens: as. 4. loc. eines wurzel- 
nomens: i. 5. dat. dhai, fehlen. 

6. dat. dhyai. Vi^vämitra: pibadhyai III, 32, 15. 
Vi^vämitra Gäthina: yäjadhyailll^ 1, 1;4, 3. vandddhyailU^ 
4, 3. Ku(ika Aishirathi oder Vi(väm.:i;r»;ad%ya« 111,31, 17. 

7. accus, tum. Vi^vämitra: ptxibharium HI, 48, 1. 

8. älterer dativ tavai. Vifvämitra: särtavai III, 32, 6. 
pä'tavai III, 46, 5. Pürana Vaigv.: üpagantavai X, 160, 5. 

9. jüngerer dativ tave. Vi?vämitra: völhave III, 29, 4. 
vdrtave IH, 33, 4. cUtave III, 35, 7. Untave IH, 37, 5. Vig- 
vämitra Gäthina: gd'tave III, 3, 1. Madhucchandas 
Vai^vämitra: patave IX, 1, 1. 

10. gen. abl. tos. Vifvämitra: Mntos III, 30, 10. 
QärUos in, 53, 17. Prajäpati Vaifv. oder Pr. Väcya: 
gdntos m, 54, 18. 

11. dativ ose. Vifvämitra; jtvise III, 36, 10; 53, 18. 
javdse IH, 50, 2. dhayase HI, 38, 3; 50, 3. dvase III, 26, 2; 
47, 5; 62, 2. Ku^ika Aishirathi oder Vi^väm.: sdnyase 
III, 31, 19. Rishabha Vai?v.: dvase III, 13, 2. Prajäp. 
Vai?v. (^derPr. Väcya: dvase ITL, 54, 12. Madhucchandas 
Vaifv.: cdkshase I, 7, 3. 

12. dativ ushe, fehlt. 

13. dativ se. Vigvämitra Gäthina: praydkshe III, 7, 1. 
Ku(ika Aishirathi oder Vi(v.: praydkshe III, 31, 3. 

14. loc. sani, fehlt. 

15. loc. ani. Vi?vämitra Gäthina: tardni III, 11, 3. 

16. dativ ane. 17. dativ vane. 18. dativ mane, fehlen. 
19. loc. twani. Vifvämitra Gäthina: wiÄarmawilll, 2, 3'). 

*) Ludwig (der Infinitiv im Veda, pag. 56) und Wilhelm (de infinit., 
pag. 9) accentuiren gegen samhitä- und pada-text, sowie gegen P&nini VI, 
1, 197, niHuune, Nach meiner ansieht ist nindme gar kein compositum, 
sondern reduplicationsbildung und stimmt als solche sehr schön zu Yi^vA- 
mitra^s i^cUhe. 

*) Ich fasse den v. III, 2, 3: 
krdtvd däkshagya^ tdruaho vidharmani, devaso agnim janayanta citübkih \ 
folgendermassen, abweichend von Grassmann und Ludwig: 



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336 Herrn. Brunnhofer, 

20. loc. man. 21. loc. tanu 22. loc. tari, fehlen. 

23. männl. dat. taye, Vi^vamitra: ütdye III, 27, 6; 30, 
22; 37, 8. pitdye III, 42, 4; 8; 9. sätäye III, 36, 1. svastdye III, 
30, lg. sömapUayelU, 41, 1; 42, 3. vajasätaye III, 37, 5. Vi?- 
vämitra Gäthina: ütdyelTL, 9, 1. svastdye III, 10, 8. Ku^ika 
Aishirathi oder Vigväm.: sätdye III, 31, 19. Rishabha 
Vai?väm.: iUdye III, 14, 2. t;J%e III, 13, 4. Prajäp. Vai^v. 
oderVäcya: sdWyelll, 54, 17; 56,6. Madhucchandas Vaigv.^): 
^Ifeiye I, 5, 6. s&inapUaye I, 2, 3; 8, 10. vUdye I, 5, 5. iWrfye 

1, 4, 1;8, 1; 9; 9, 9. svastdye I, 1, 9. Renu Vaigvämitra: 
prdgastaye IX, 70, 6. Ashtaka Vai?vämitra: pitdye X, 104, 6. 

24. weibl. dativ tyai. 25. männl. daL aye. 26. weibl. 
dativ yai, fehlen. 

27. dativ anäya. Vi^vämitra: bhojdndya III, 30, 14. 

28. loc. ane. 29. dat. tmäya. 30. männl. dat. äya, 31. weibl. 
dat. dyai. 32. dat. thdya, fehlen. 

33. dat. athaya. Vi^väm. Gäthina: yajdthaya III, 19, 5. 
Gäthin: yajdthaya III, 4, 1. Kata Vaic^vämitra: yajdthdya 

III, 17, 1. 

34. dat. ayyäya, fehlt. 

35. dat. yäya. Vigvämitra: somapeyaya III, 25, 4; 52, 8. 
Kata VaiQvämitra: Qotaseydya III, 18, 3. 

36. dat. iydya, fehlt. 

c) Die infinitive der Gautama. 

1. accus, eines wurzelnomens: am. Vämadeva: dndmam 

IV, 8, 3. dsddamVf, 9, 1. gubham IV, 51, 6. pramiyam IV, 55, 7. 

2. dativ emes wurzelnomens: e. Vämadeva: v^ridhe IV, 

2, 18; 23, 2. dfige IV, 11, 1. vipfice IV, 13, 3. vicäkshe IV, 
16, 4. ärüje IV, 31, 2. upos^irc IV, 33, 1. pramiye IV, 54, 4. 



Die götter zeugten, zur aufrechthaltung ihrer Überlegenheit, vermöge 
der kraft ilires geistes den Agni vermittelst ihrer erfindungsgabe. 

Nach V. 9 heiligten die götter drei opferscheite des Agni, eines gaben 
sie den menschen, die zwei andern behielten sie aber für sich selbst (um 
eben den menschen überlegen zu sein). 

*) Wenn man auch mit Ludwig (Rigvedaübersetzung, bd. 3, pag. 102) 
die lieder des Madhucchandas (Rigveda 1, 1—10) den Vai<jvämitra ab- und 
den Känva zuspricht, so ändert sich desshalb am Charakter des Vaiqvä- 
mitra-, oder auf der andern seite des Känva-inventars wenig oder gar 
nichts, da nur die infinitive auf tayey und zwar irrelevante, betroffen 
werden. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 337 

avacdkshe IV, 58, 5. Nodhas Gautania: yudhe I, 61, 13. 
vridhc I, 64, 4. gubhe I, 64, 4. mihe I, 64, 6. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as. 4. loc. eines wurzel- 
nomens: i, fehlen. 

5. dai.dhai. Brihaduktha Vämadevya: vayoc?ÄaiX,55, 1. 

6. dat. dhyai, Vamadeva: irayddhyai IV, 2, 1. ^mcddhyai 
IV, 2, 1. mandddhyni IV, 16, 2. syandayddhyai lY, 22, 7. 
pibadhyai IV, 27, 5. mandayddhyai IV, 29, 3. väjayddhyai 
IV, 29, 3. Nodhas Gautama: vävridhädhyai 1,61, 3. carddhyai 
I, 61, 12. kshdradhyai I, 63, 8. vandudhyai I, 61, 5. 

7. acc. ^wm, fehlt. 

8. älterer dativ tavai. Vamadeva: d(Xtavai IV, 21, 9. 
äavai IV, 58, 9. 

9. jüngerer daliv tavc. Vamadeva: srävituve IV, 3, 12. 
pdttave IV, 18, 1. da' tavc IV, 20, 10. dshtave IV, 30, 19. 
yäshtave IV, 37, 7. w7Aat;e IV, 9, 6. 

10. gen. abl. tos. Vamadeva: jänitos IV, 6, 7. 

11. dat. ose. Vamadeva: dvase IV, 2, 13; 3, 1; 20, 1; 
21, 1; 3. tujdse IV, 23, 7. prd'yase IV, 21, 7. 

12. dat. ushe. Vamadeva: vdpushe IV, 23, 9. Nodhas 
Gautama: vdpushe I, 64, 4. Ajamilha Sauhotra: vanüshe 
IV, 44, 3. 

13. dat. se, fehlt. 

14. loc. sani. Vamadeva: tartshdtu IV, 37, 7. VKul- 
malabarhisha ^^'1^^^^ <^der Anhomuc Vämadevya: 
fieshdni X, 126, 3. parshäni X, 126, 3. 

15. loc. ani. 16. dat. am, fehlen. 

17. dat. vane. Vamadeva: dävdne IV, 29, 5. Nodhas 
Gautama: dävdne I, 61, 10; IX, 93, 4. 

18. dat. mane. Vamadeva: dMmuine IV, 53, 3. Mür- 
dhanvat Vämadevya: dhdrmane X, 88, 1. hhdrmane X, 
88, 1. vidmdne X, 88, 18. 

19. loc. niani, Vamadeva: sdvimani IV, 53, 3^). 

20. loc. man. 21. loc. fani. 22. loc. tari, fehlen. 

23. männlicher dat. taye» Vamadeva: pitdye IV, 36, 2; 



*) Als inlinitiv ergiebt sich sdvimani durch vergleichung der parallel- 
slelle VI, 71, 1. Während IV, M, 3 lautet: prd bähu asräk savitä' sävi- 
viani^ so lautet dagegen VI, 71, 1 schon infinitivisch deutlicher: bähü' 
ayämia sdvanäya sukrdtüh (nämlich auch gott Savitar). Ludwig übersetzt; 
»zur belebungc. 



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338 Herrn. Bninnhofer, 

48, 1; 49, 2; 5. somapitaye IV, 46, 7; 47, 1. svastäyeVf, 31, 11. 
prdgastaye IV, 56, 5. E k a d y ü N a u d h a s a : vä'jasdtaye VIII, 80, 2. 

24. weibl. dat. tyaiy fehlt. 

25. männl. dat. aye. Vämadeva: sandye IV, 20, 3. 

26. weibl. dat. yai, 27. dat. andya, fehlen. 

28. loc. ane. Vämadeva: sanicdrane IV, 55, 6. 

29. dat. unäya, Brihaduktha Vämadevya: dhdrunaya 
X, 56, 2. 

30. männl. dat. äya. Vämadeva: bhdräya IV, 21, 7. 
savaya IV, 54, 5. 

31. weibl. dat. äyai, 32. dat. thäya, fehlen. 

33. dat. aihäya. Vämadeva: cardtMya IV, 18, 10; 36, 
3; 51, 5. 

34. dat. ayyäya, fehlt. 

35. dat. yäya. Vämadeva: madhupSyäya IV, 14, 4. 
ratnadheyäya IV, 34, 11. rädhodeyäya IV, 51, 3. 

36. dat. ty^ya, fehlt. 

d) Die infinitive der Ätreya. 

1. acc. eines wurzelnomens: am. QyayäiiYB. 'Ätreya: 
Qubham V, 55, 1. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. ^ Atri Bhauma: risheY, 
41, 16. väseV, 43, 14. upastire V, 85, 1. Avasyu Ätreya: 
ahhicäkshey, 31, 12. Isha Ätreya: äihrishe V, 8, 5. (Evayä- 
marut) Ätreya: ddhrishe V, 87, 2. Arcanäna Ätreya: 
fM6*6V,63,5. GayaÄtreya:md^'V,9,7; 10,7. Pratibhänu 
Ätreya: bhujeY, 48, 4. Pratikshatra Ätreya: äsddeV, 
46, 5. Babhru Ätreya: pravrije V, 30, 15. Paura Ätreya: 
hhuje V, 73, 2. Qyävägva Ätreya: fuftÄe V, 52, 8; 57, 3. 
tvi$h6y,b%\± grutavidÄtreya: a^tt?faAeV, 62, 9. Svasti 
Ätreya: anugäse V, 50, 2. äpriceY, 50, 2. Atri Sämkhya: 
vigdse X, 143, 3. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as, fehlt. 

4. loc. eines wurzelnomens: i. Paura Ätreya: sa/i/ifidrigi 
V,74,6. gyäväQva Ätreya: dn>'V, 52, 12. (Evayämarut) 
Ätreya: samdrigi V, 87, 6. sugdmi V, 87, 9. 

5. dat. dhai, fehlt 

6. dat. dhyai. Atri Bhauma: huvddhyai V, 41, 3; 43, 8. 
vartayädhyai V, 43, 2. Sadäprina Ätreya: huvddhyai Y, 45, 4. 

7. acc. tum. Satyagravas Ätreya: datum V, 79, 10. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinilivforraen., 339 

8. allerer dativ tavai. Atri Bhauma: ätyetavai V, 83, 10. 
Kuraära Ätreya: häntavai V, 2, 10. Avasyu Ätreya: 
hdniavai V, 31, 4. 

9. jüngerer dat tave. Sutambhara Ätreya: völhave 
V, 14,3. QyävägvaÄtreya: viJZÄareV, 56, 6. AtriSämkhya: 
yd'tave X, 143, 1. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat. <ise, Isha Ätreya: dhd'yase (S. vyäptyartham) 
V, 7, 6; 9. Gaya Ätreya: stdvase V, 10, 7. Pratiratha 
Ätreya: cardse V, 47, 4. Qyävä^va Ätreya: griyäse V, 
59, 3. Arcanäna Ätreya: spürdhdse V, 64, 4. vridhdse 
V, 64, 5. Svasti Ätreya: pushydse V, 50, 1. Rätahavya 
Ätreya: prdyase V, 66, 1. ürucakri Ätreya: dMyase 
(S. bhojanäya) V, 70, 2. Atrayah: rdßse IX, 86, 36. 

12. dat. ushe, Paura Ätreya: vdpushe V, 73, 3. 

13. dat se. Kumära Ätreya: viniksheYy 2, 9. Prati- 
ratha Ätreya: upaprakshe V, 47, 6. 

14. Joe. sani. Gaya Ätreya: tairishdni V, 10, 6^). 

15. loc. ani. 16. dat. ane, fehlen. 

17. dat. vanc. Atri Bhauma: dövrfwe V, 39, 2. Qyävägva 
Ätreya: dävdne V, 59, 1; 4. Rätahavya Ätreya: ddvdne 
V, 65, 3. 

18. dativ »wne. PratikshatraÄtreya: ^(Ä'wawe V, 46, 6. 

19. loc. niani. 20. loc. waw. 21. loc. tani. 22. loc. ^ari, fehlen. 
23. männlicher dativ taye. Atri Bhauma: sätdye V, 39, 3. 

prdgcistaye V, 39, 4. Gaya Ätreya: säUye V, 9, 7. rdtdyeY, 
10,6. PauraÄtreya: isÄMye V, 74, 3. PratikshatraÄtreya: 
w^y« V, 46, 3. Saptavadhri Ätreya: ishfdye V, 78, 3. 



*) Da die infinitivform sa^ii für die Ätreya nur aus dieser einen stelle be- 
zeugt wird, diese stelle aber offenbar aus IV, 37, 7 stammt, so muss den 
Ätreya die form sani abgesprochen werden. Besässen die Ätreya auch 
nur 6ine andere «am-form als die in V, 10, 6, so Hesse sich vielleicht 
die fassung der Ätreyastelle für einfacher und älter als die der Gautama 
betrachten, so aber ist wohl kein anderer schluss zulässig, als der obige, 
nach welchem die Ätreya von den Gautama entlehnt haben. Die stelle 
lautet bei Vamadeva: 

vi no väjd ribhukshanah pathdg citana yäshpave \ 

astndbhyam surayah stuta vigvä agäs tarishäni | 
bei Gaya Ätreya: 

»tu no agna utdye sabadhasag ca rdtdye \ 

asmakdsag ca sürdyo vigvd ägäs tariahdm. \ 



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340 Herrn. Bninnhofer, 

Svasti Atieya: vttdjfe V, 51, 5. pttäye V, 51, 1. somapUaye V, 
51, 3. havyäddtaye V, 51, 1; 5. Qyavä?va Ätreya: vUäyeN^ 

59, 8. vajasätaye V, 46, 7. ishtdye (Yyaj) VIII, 38, 4. pitdye VIII, 
35,23; IX, 32, 2. havyäddtaye Ylll, 35, 9. Avasyu Ätreya: 
pUdyeW, 75, 6. Bähüvrikta Ätreya: pttäye V, 71, 3. ishtdye 
V,72,3. Vasu^ruta Ätreya: iWdye V, 5, 3;5. sa^ayeV,5,4. 
Vasüyu Ätreya: vitdye V, 26, 2. havyäddtaye V, 26, 4. 

24. weibl. daliv tyai, fehlt. 

25. mann), dativ aye, Babhru Ätreya: tjudlidye V, 30, 
4; 9. Qyävä?va Ätreya: ^«y^ye V, 46, 7. Satya^ravas 
Ätreya: drigdye V, 80, 5. 

26. weibl. dativ yai, 

27. dativ anäya. Atri Bhauma: bJiojdnäya V, 83, 10. 
28. loc. awe. 29. dat. undya. 30. männl. dat. r^ya. 31. weibl. 
dat. äyai, 32. dat. thdya, fehlen. 

33. dat. athäya. Budha Ätreya: yajäthäya V, 1, 2. 
Sutambhara Ätreya: yajdthäya V, 11, 2. 

34. dat. ayyäya, fehlt. 

35. dat. yäya. Budha Ätreya: havirddydya V, 1, 11. 
Vasugruta Ätreya: havirddydya V, 4, 4. 

36. dat. tyäya, fehlt. 

e) Die Infinitive der Bhäradväja. 

1. acc. eines wurzelnoniens: am, Vasu Bhäradväja: 
dsddam IX, 82, 1. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. Bhäradväja: ghaneV]^ 
26, 8. vridAe VI, 20, 11. muhe VI, 18, 8. ädige VI, 56, 1. 
drigeVl, 29, 3. Bhäradväja Bärhaspatya: isheYl, 13, 2. 
Qunahotra Bhäradväja: vridhe VI, 33, 4. Qamyu Bär- 
haspatya: vridhc VI, 46, 3; 11. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as, fehlt. 

4. loc. eines wurzelnomens: i. Rijigvan Bhäradväja: 
ndhgi VI, 51, 12. 

5. dat. dhai, fehlt. 

6. dat. dhyai Bhäradväja: iyddhyai VI, 20, 8. paritun- 
sayddhyai VI, 22, 7. gayddhyai VI, 62, 3. ähuvädhyai VI, 

60, 13. ishayädhyai VI, 64, 4. hhdradhyai VI, 66, 3; 67, 4. 
prinädhyai VI, 67, 7. mddayddhyai VI, 19, 6; 22, 3; 60, 13. 
vävridhddhyai VI, 67, 1. yäjadhyai VI, 68, 1. Rijiijvan 
Bhäradväja: yäjadhyai VI, 49, 2. isliayädhyai VI, 49, 5. 



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lieber dialeklspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 341 

Bharadväja Bärhaspatya: ydjadhyai VI, 11, 3. sdhadhyai 
VI, 1, 1. ^amyu Bärhaspatya: pibadhyai VI, 44, 14. 

7. acc. tum, fehlt. Dagegen erweist sich diese form als 
möglich durch dmhidrUu VI, 1, 1 (Bharadväja Bärhaspatya). 
Garga Bharadväja's jivatum VI, 47, 10 ist pures subst. 

8. älterer dativ tavaiy fehlt. Denn niemand wird den 
mythischen dichter (Tapurmürdhan Bärhaspatya) von X, 182, 3, 
wo ein häntavai vorkommt, zu den Bharadväja zählen. 

9. jüngerer dativ tave. Bharadväja: patave VI, 57, 2. 
völhave VI, 60, 12. 

10. gen. abl. tos. Bharadväja: yötos VI, 18, 11. 

11. dat. ose. Bharadväja: dvase VI, 38, 5; 40, 5; 61, 2. 
ricdse VI, 39, 5. dohdse VI, 66, 1 ; 5. jivdse VI, 69, 5. Bharad- 
väja Bärhaspatya: dvase VI, 14, 1. pushydse VI, 13, 5. 
Qamyu Bärhaspatya: dvase VI, 46, 6. dohdse VI, 4ö, 7, 

12. dat. ushe. Bharadväja: vdpushe VI, 63, 6. 

13. dat. se. Bharadväja: stushS VI, 62, 1. ^amyu 
Bärhaspatya: jeshe VI, 44, 18. 

14. loc. sani. Bharadväja: grinishdni Yl, 15, 6. ^amyu 
Bärhaspatya: upastrintshdni VI, 44, 6^). 

15. loc. ani, fehlt. 

16. dat. ane. Bharadväja: vibhvdneW^ 61, 13. Qamyu 
Bärhaspatya: turvdne VI, 46, 8. 

17. dat. vane. Bharadväja: ddvdne VI, 71, 2. 

18. dat. mane. 19. loc. mani, fehlen. 

20. loc. man. Bharadväja: hdviman VI, 63, 4«). 

21. loc. tani, fehlt. 

22. loc. tari, fehlt. 

23. männlicher dativ taye. Bharadväja: pitdye VI, 40, 2; 
59, 10; 68, 10. vitdye VI, 16, 10; 44; 53, 10. sätdycYl, 19, 
2; 56, 5; 60, 13. ishtdye (Yyaj) VI, 70, 4. somapitaye VI, 
16, 44. havyddätaye VI, 16, 10. Vitahavya oder Bha- 
radväja: ütdye VI, 45, 18. 

>) Es verdient beachtung, dass die Bharadväja unter allen sänger- 
familien, welche die infinitivform aani gebrauchen, die einzigen sind, welche 
diese form aus dem geschwächten, also jüngeren thema bilden. Vgl. die 
note zu dem entlehnten grintsMni der Känva unten pag. 345. 

*) Ein unbezweifelbarer infinitiv, als welchen ihn auch Grassmann 
und Ludwig fassen. Grassmann übersetzt die stelle: dyukta yö noLsatyä 
hävxman »der euch, die treuen, zu dem anruf lenkte«. Ludwig: »der an- 
gestellt ward zu der Nftsatya anrufung«. 



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342 Herrn. Bninnhofer, < 

24. weiblicher dativ tpai, fehlt. 

25. männlicher dativ aye. Bharadväja: sanäyeWl, 26, 8. 
RijiQvan Bhäradvüja: isMye VI, 52, 15. Bharadväja 
Bärhaspalya: drigdye VI, 9, 5. ^amyu Bärhaspatya: 
drigdye VI, 44, 8. 

26. weiblicher dativ yai, fehlt. . 

27. dativ anäya. Bharadväja: da »aya VI, 53, 3. sava- 
naya VI, 71, 1. hrdmanaya VI, 70, 3. Garga Bharadväja: 
praticdkshanäya VI, 47, 18. 

28. loc. ane. 29. dat. unäya, fehlen. 

30. männK dat. äya. Bharadväja: vdräya VI, 21, 4. 

31. weibl. dat. äyai 32. dat. thdya, fehlen. 

33. dat. affiäya. Bharadväja: (aydthaya VI, 18, 8. 

34. dat. ayyäya, fehlt. 

35. dat. yäya. Bharadväja: qatrutü'ryäya VI, 22, 10. 
vasudeyäya VI, 39, 5. 

36. dat. tyäya. Bharadväja: vrUrahdtyäya VI, 18, 9. 

f) Die Infinitive der Väsishtha. 

1. accus, eines wurzelnomens : am. Väsishtha: gubliam 
VII, 82, 5. vipriccham VII, 86, 3. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. Väsishtha: vridhe VII, 
24, 1. drige VII, 81, 4. ätüje VII, 32, 9. 'vä'he VII, 24, 5. 
samidhe VII, 77, 1. mAe VII, 34, 17. ^bhä VII, 57, 3; 87, 5; 
88, 3. prakhyai VII, 81, 4. parädai VII, 19, 7. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as, 4. loc. eines wurzel- 
nomens: i. 5. dativ dhai, fehlen. 

6. dativ dhyai. Väsishtha: ydjadhyai VII, 2, 7. sdha- 
dhyai VII, 31, 12. dhiyddhyai VII, 34, 24. stavddhyai VII, 37, 
1; 8. ishddhyai VII, 43, 1. jarddhyai VII, 67, 1. 

7. acc. tum, fehlt. Doch wäre die form möglich wegen 
setü duratym VII, 65, 3. 

8. älterer dativ tavai. Väsishtha: srdvitavcd VII, 21, 3. 
mdntavai VII, 4, 8. dnvetavai VII, 44, 5. 

9. jüngerer dativ tave. Väsishtha: vdktave VII, 31, 5. 
dvüave VII, 33, 1. dnvetave VII, 33, 8. ^akti Väsishtha: 
pd^tave IX, 108, 15. 

10. gen. abl. tos. Väsishtha: dd'tos VII, 4, 6. 

11. dativ ose. Väsishtha: dvase Wlly 1, 2; 21, 8; 26, 2. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 343 

pushyäse VII, 57, 5. pvdse VII, G2, 5. fkdse VII, 61, 6- 
cdkdiase VII, 66, 14; 81, 1. dhrmdse VII, 70, 1. 

12. daliv usJie. 13. dativ se. 14. locativ sani. 15. locativ 
ani. 16. dativ an^, fehlen. 

17. dativ vane, fehlt. 

18. dat. mane. 19. loc. mani. 20. loc. twan. 21. loc. tani. 
22. loc. tori, fehlen. 

23. männlicher dativ toye. Vasishtha: pUdyeVll, 32,4; 
59, 5. vUäye VII, 16, 4; 57, 2. s<i%6 VII, 15, 9; 67, 5; 95, 3. 
svastäye VII, 39, 2. sukshitdye VII, 56, 24. i5A%6 (K^^i) 

VII, 92, 3. nripitaye (schützen) VII, 15, 14. 

24. weiblicher dativ: tyai. 

25. männlicher dativ: aye, Vasishtha: drigdye VII, 35, 
5; 88, 2. 

26. weibl. dat. yai, 27. dat. anaya, fehlen. 

28. loc. ane. Vasishtha: sddane VII, 24, 1. 

29. dat. unäya, fehlt. 

30. männl. dat. äya. Vasishtha: ddhhäya VII, 91, 2. 
grdbhdya VII, 4, 8. kshdydya VII, 60, 11. 

31. weibl. dat. äyai. Vasishtha: carä'yai VII, 77, 1. 

32. dat. thäya, fehlt. 

33. dat. athäyc^ Vasistha: yajdthaya VII, 10, 5. 

34. dat. ayyäya. Vasishtha: dakshayydya VII, 97, 8. 
Citramahas Vasishtha: fndhayd'yyäya X, 122, 7. 

35. dat. yäya. Vasishtha: havirddydyaNll^ 11, 5. deva- 
ydjyäya VII, 3, 9. ratnadheyäya VII, 9, 5. somapeydya VII, 
24, 3. 

36. dat. tyäya, fehlt. 

g) Die Infinitive der Känva. 

1. acc. eines wurzelnomens: am. Pragätha Känva: 
äsddam VIII, 1, 8. pratiram VIII, 48, 10. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. Pragätha Känva: gribhe 

VIII, 10, 3. dsdde VIII, 65, 6. vridhe VIII, 63, l6. Närada 
Känva: vide VUI, 13, 1. md»c VIII, 13, 3. Irimbithi 
Känva: smisude VIII, 17, 6. Sobhari Känva: äddbheWUl, 
21, 16. hhuje VIII, 20, 13. Kri?a Känva: samndgeWll, 55, 5. 
Mätarifvan Känva: vridhe VIII, 54, 5. Kurusuti Känva: 
vfidhe Vm, 77, 5! Medhyätithi Känva: santna> VIII, 3, 10. 
vridhe IX, 43, 6. Medhätithi Känva: asdde I, 13, 7. driqe 
I, 23, 21. Praskanva Känva: drige I, 50, 1; 5. Kanva 



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344 Herrn. Brunnhofer, 

Gliaiira: paränüde I, 39, 2. iwatishkdhhe I, 39, 2. ädhrishe 
J, 39, 4. Bharga Pragätha: äsdde VIII, 60, 1. v^ndheYIll, 
60, 10. pratidhrishe VIII, 60, 13; 13. Goshüktin Känvä- 
yana: paränüde VIII, 14, 9. [Näbhäka Känva: samyuje 
VIII, 41, 6]i). 

3. gen. abl. eines wurzelnomens : as. Medhyätithi Känva: 
dMdas VIII, 1, 12. abhiQrishas VIII, 1, 12. Pragätha Känva: 
visrdsas VIII, 48, 5. [Näbhäka Känva: (^i>rfcas VIII, 40, 9] ^). 

4. loc. eines wurzelnomens: i. 5. dat. dkai, fehlen. 

6. dativ dhyai, fehlt. Denn die merkwürdig accentuirte form 
yajddhyai Ylll, 39, 1 gehört Näbhäka, dessen Zugehörigkeit zu 
den Känva gerade schon dadurch zweifelhaft wird, dass er 
eine infinitivform (ohnedies kein seltenes exemplar derselben) ver- 
wendet, welche den Känva sonst durch alle mandala hindurch 
völlig fremd bleibt. Auch Ludwig in seiner Übersetzung des 
Rigveda (bd. III, pag. 107) bestreitet das Känvathum des 
Näbhäka auf das entschiedenste; wenn er ihn aber, gestützt 
auf Rik VIII, 40, 12 zum Ängirasa machen will, so bemerkt 
dagegen Grassmann in seiner Übersetzung des Rigveda (bd. I, 
pag. 561) mit recht, dass die betreffende stelle sich durch ihr 
vcrsmass als »später zugefügter schlussvers« erweise. 

7. acc. tum, fehlt. Denn dje form sötum (cakrire) VIII, 19, 18 
erweist sich als reines Substantiv: Grassmann übersetzt es dess- 
halb mit »somatrunk«. 

8. älterer dativ tavai, fehlt. 

9. jüngerer dativ tave, TriQoka Känva: niretave VIII, 
45, 30. vdrtave VIII, 45, 29. Devätithi Känva:, stotave 
VIII, 4, 17. Punarvatsa Känva: yatave' YUi 7, 8. 
Irimblthi Känva: yötave VIII, 18, 5. Sobhari Känva: 
yatave VIII, 20, 6. Parvata Känva: yatave VIII, 12, 3. 
hdntave VIII, 12, 22. Kuriisuti* Känva: dttavc VUl, 77, 8. 
nikartave VIII, 78, 5. pdrigaktave VIII, 78, 5. Medhätithi 
Känva: yäshtave I, 13, 6. Praskanva Känva: yatave I, 
44, 4. völhave I, 45, 6. gdntave I, 46, 7. etave I, 46, 11. 
vdstave I, 48, 2. Kanva Ghaura: niretave I, 37, 9. yatave 
I, 37, 10. Goshüktin Känväyana: ydntave VIII, 15, 3. 
Haryata Prägutha: stötave VIII, 72, 5. 

10. gen. abl. tos. Kanva Ghaura: nidMtos I, 41, 9. 



*) Vgl. unter 6. 



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lieber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 345 

11. dat. ase. Devätithi Känva: rinjdse VIII, 4, 17. 
Vatsa Känva: jivdse VIII, 6, 33. Irimbithi Känva: jivdse 
VIII, 18, 18; 22. Sobhari Känva: spdrase VIII, 20, 8. 
Närada Känvi: cdkshase VIII, 13, 30. Pragätha Känva: 
jtväse Vm, 48, 4; 63, 9. bhöjase VIII, 65, 3. Kurusuti 
Känva: vrinjdse VIII, 76, 1. Praskanva Känva: dvase I, 
4ö, 5; 47, 10; 48, 14. ßvdse I, 44, 6. cdkshase I, 48, 8. 
radhase VIII, 49, 3. Medhätithi Känva: dvase I, 17, 2. 
sdhase I, 16, 6. Kanva Ghaura: jivdse I, 36. 14. Mäta- 
ri^van Känva: dvase VIII, 54, 7. 

12. dat. usJw, fehlt. 

13. dat. se. Brahmätithi Känva: stiishe VIII, 5, 4. 
Punarvatsa Känva: stushe VIII, 7, 32. 

14. loc. sani. [PParvata Känva: grinishdni VIII, 
12, 19] 1). 

15. loc. am, fehlt. 

16. dat. ane. QeLqsLksLrna, Känva: turvdne VIII, 9, 13. 
Parvata Känva: turvdne VIII, 12, 19. Tri?oka Känva: 
turvdne VIII, 45, 27. 

17. dat. vane. Punarvatsa Känva: dävdne VIII, 7, 27. 
TriQoka Känva: dävdne VIII, 45, 10. Pragätha Känva: 
dävdne VHI, 63, 5. Kusidin Känva: dävdne VIII, 70, 12. 

18. dBi.mane. Punarvatsa Känva:i;icihamian6 VIII, 7,5. 



*) Diese stelle entstammt offenbar nur der reminiscenz an VI, 15, 6. 
Dort lautet der vers scheinbar erweitert so: 

agnim-agnim vdh samidhä äuvasyata 
priydm-priyatn vo ätitkim grintshdni \ 
Der schein trügt: nicht alles, was kürzer ist als seine parallele, ist dess- 
halb ftlter und schöner als diese. Oder ist es etwa unsere stelle VIII, 
12, 19? -: 

devätn-devan^ vö 'vaaa 
indram-indrarn gfinUhdni \ 
Nach Grassmanns wohl richtiger ansieht besteht hymnus VI, 15 aus 
5 liedem an Agni, deren erstes nichts als die nachbildung des zweiten ist, 
in welchem eben unsere stelle mit grintshdni vorkommt. Es läge demnach 
der beweis vor, dass dieses namentlich in strophe 2 (resp. 5) sehr schöne 
opferlied an Agni frühzeitig schon den neid der nachahmer erregte. Wie 
reizend nimmt sich die naive anschaulichkeit und traulichkeit des Originals 
gegenüber der blässe der Imitation aus! Für den gebrauch der infinitiv- 
form sani besitzen wir ohnediess bei den Bhäradväja einen beleg in 
uptisifinishdni VI, 44, 6, während ausser VIII, 12, 19 kein anderes exemplar 
dieses Infinitivs in den liedem der Känva nachzuweisen möglich wäre. 

ZeitiehriA für ▼•rgL Bpnelif. K. F. V. 4. 23 



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346 Herrn. Brunnhofer, 

19. loc. mani. 20. loc. man. 21. loc. tani. 22. loc. tari, 
fehlen. 

23. männl. dat. taye. Kurusuti Eänva: pitdye VIII, 
76, 6. Irimbithi Känva: pUdye VIII, 17,' 15. Nipatithi 
KänYSii pitdye VIII, 34, 10. Tri?oka Känva: sätäye VIII, 
45, 9. Praskanva Känva: pUdye I, 47, 9. sömapUaye I, 
44, 9; 48, 12. \udyel, 45, 4; 48, 14. Sobhari Känva: 
vitdye VIII, 20, 10; 16. Parvata Känva: prdgastaye VIII, 
12, 15. pttdye VIII, 12, 12. söfnapitaye VHI, 13, 27. Par- 
vata und Närada Känva: vUdye IX, 105, 3. Medhätithi 
Känva: pUdye I, 16, 3- 22, 1; 23, 2. VIII, 32, 24. söma- 
pttaye I, 14, 1; 6; 16, 1; 8; 22, 9; 12; 23, 4; 7; 10. vitdye 
I, 13, 2. ütdye I, 22, 5; 23, 3. svastdye I, 22, 12. prdgastaye 
I, 21, 3; 23, 19. devdf>Uaye I, 12, 9. Medhyätithi Känva: 
pUdye VIII, 1, 25; 33, 13; IX, 43, 2. sätdye Vffl, 3, 5, 
Brahmätithi Känva: sätdye Vni, 5, 9. Kanva Ghaura: 
lUdye I, 36," 13. dhttdye I, 41, 5. prdtUaye I, 36, 20. 

24. weibl. dat. tyai. 25. männl. dat. aye, 26. weibl. 
dat. yai, fehlen. 

27. dat. anäya. Praskanva Känva: dänä'ya I, 48, 4. 
Mätari^van Känva: dänd'ya VIII, 54, 5. 

28. loc. ane. 29. dat. unäya, fehlen. 

30. männl. dat. äya, Kusidin Känva: vdräya VIII, 82, 3. 
Irimbithi Känva: odhiväMya VIII, 16, 5. 

31. weibl. dat. äyai. Kanva Ghaura: jar&'yai I, 38, 13. 

32. dat. thäya, Medhätithi Känva: gopUhä'ya I, 19, 1. 

33. dat. athäya. Kanva Ghaura: cardthäya I, 36, 14. 

34. dat. ayyäya, fehlt. 

35. dat. yäya. Medhätithi Känva: mddyä/ya VIII, 2, 25. 
Kanva Ghaura: kshdyäya I, 36, 8. Devätithi Känva: 
rädhodeyäya VIII, 4, 4, Vatsa Känva: sömapeyäya VIII, 
6, 45. Praskanva Känva: sömapeyäya I, 45, 9. 

36. dat. tyäya, fehlt.' 

h) Die Infinitive der Ängirasa. 
1. acc. eines wurzelnomens : am, Ucathya Ängirasa: 
äsddam IX, 50, 4. Bindu Ängirasa: äsddam IX, 30, 4. 
Pavitra Ängirasa: drdbhamlKy 73,3. Krishna Ängirasa: 
druJkam X, 44, 6. Mürdhanvat Ängirasa: upa^jam X, 
88, 18. Kutsa Ängirasa: samidham I, 94, 3. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 347 

2. dat. eines wurzelnomens: e. SavyaÄfigirasa: bhtije 
1,51, 1. drigel^ 52, 8; 51, 4. parindgel^ 54, 1. Hiranyastüpa 
Ängirasa: drdbhel, 34,2. vridhSh 34, 12. Kutsa Äiigirasa: 
nishdde I, 104, 1. abhicdkshe I, 102, 2; 115, 5. abhipracdkshe 
I, 113, 6. vicdkshe I, 113, 5. samidhe I, 113, 9. atikräme I, 
105, 16. änge I, 112, 5. vndhe I, 112, 24. i^addhe I, 102, 2. 
Pavitra Ängirasa: äräbhe IX, 73, 1. Amahiyu Ängirasa: 
dWfe IX, 61, 18. Krishna Ängirasa: i>ridh4 X, 44, 4. 
Mürdhanvat Ängirasa: bhuvi X, 88, 10. Vya^va 
Ängirasa: Qubhe VIII, 26, 13. ? Viijvaraanas Vaiya?va: 
nigrdbhe VIII, 23, 3. Gotama Rähügana^): vridhe I, 79, 
11; 85, 1; 89, 1; 5; 91, 10. Qubhe I, 87, 3; 88, 2. Durmitra 
Kautsa: gubhe X, 105, 3. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as. 4. loc. eines wurzel- 
nomens: i, fehlen. 

5. dat. dAai. [Ayäsya Ängirasa: vayodhai X, 67, U^).] 

6. dat. dhyaL [Gotama Rähügana: pibadhyai I, 88, 4*).] 

7. acc. ttjm. Prabhüvasu Ängirasa: Mtum V, 36, 1. 
Gotama Rähügana: jivä'ttmi I, 91, 6 kann auch als reines 
Substantiv aufgefasst werden. 

8. älterer dativ tavai. Savya Ängirasa: sdrtavai I, 55, 
6; 57, 6. Suditi Ängirasa oder Purumilha Ängirasa: 
yötavai Vffl, 71, 15. T i r a?ci Äiigir asa: hdntami VIII, 96, 5. 

9. jüngerer dativ tave. Kutsa Ängirasa: patave I, 108, 2. 
mdntave I, 112, 2. &ave I, 112, 8. cäritave I, 113, 5. yd^tave 
1,113,16. bhdrtave IX, 97, 50. Hiranyastüpa Ängirasa: 
sdrtave I, 32, 12. j)« tevc IX, 4, 4. Puruhanman Ängirasa: 
dhä'tave VIII, 70, 15. Priyamedha Ängirasa: pä'tave VIII, 



*) Ludwig in seiner Obersetzung des Rigveda, bd. 3, pag. 110 zählt 
diesen dichter unter die Gautama. Trotz seines namens hat er aber mit 
diesen keine gemeinschaft, seine infinitive bilden durchaus einen gegensatz 
zu den eigenthümlichkeiten der Gautama, stimmen aber (bis Buf pibadhyai 
I, 88, 4} mit denen der Ängirasa überein. 

*) Diese, ohnediess ganz uralte form, muss den Ängirasa abgesprochen 
werden, da sich das ganze lied X, 67, worauf schon Grassmann in seiner 
Übersetzung des Rigveda, bd. % pag. 476 aufmerksam macht, gleich in 
seiner ersten strophe als die schon viermalige Überarbeitung »eines Alteren 
liedes erweist, zu welchem strophe 11 und 12 gehört haben mögen«. 

«) Trotz dieser form stehe ich gleichwohl an, den Ängirasa die form 
dhyai zuzulheilen, da es auffallig ist, dass von den 44 unbestrittenen 
Ängirasa kein einziger dieselbe kennt. 

23* 



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348 Herrn. Brunn hofer, 

69, 10. äave VIII, 69, 17. Ucathya Ängirasa: ^towIX, 
51,1. Amahiyu Ängirasa: Ärfn^ave IX, 61, 22. Sukaksha 
Ängirasa: hdntave VIII, 93, 7. Virüpa Ängirasa: dUtave 
VIII, 43, 29. Suditi Ängirasa oder Purumilha Ängirasa: 
d(J7av6VIII, 71, 15. Nabhaprabhedana Vairüpa: hdntave 
X, 112, 1. ? ViQvamanas Vaiy^Qva: pdryetave VIII, 24, 21. 
Gotama Rähügana: kdrtave I, 85, 9. Sindhukshit 
Praiyamedha: yatave X, 75, 2; 6. 

10. gen. ab], tos. Kutsa Ängirasa: kdrtos I, 115, 4. 
Gotama Rähügana: gdntos I, 89, 9. 

11. dat. ose. Savya Ängirasa: dvase I, 52, 1; 12. 
bhdjase I, 55, 3. dyctöe I, 57, 3. Kutsa Ängirasa: dvase 
1,102,10; 112,24; 114,4. dAd'yaseI,94, 12. Hiranyastüpa 
Ängirasa: dvase I, 34, 12; 35, 1. dhayase I, 31, 13. Dha- 
runa Ängirasa: bhdrase V, 15, 4. dhayase V, 15, 4. 
cdkshase V, 15, 4. Prabhüvasu Ängirasa: rä'dhase V, 
35, 4. Priyamedha Ängirasa: r&'dhase VIII, 68, 7. jtvdse 
Vni, 68, 12. Suditi Ängirasa oder Purumilha Ängirasa: 
sadhaseWU^ 71, 12. Vigvamanas Vaiya?va: sdnyase VIII, 
24, 26. rffdhase VIII, 24, 12. Gotama Rähügana: dvase 
I, 89, 5; 100, 8. jtvdse I, 79, 9; 89, 2; 91, 7. *fo6Aasc I, 
84, 10. Qiriydsel, 87, 6. car(fse I, 92, 9. Durmitra Kautsa: 
^incdse X, 105, 10. 

12. dat. ushe, fehlt. 

13. dat. se. Kutsa Ängirasa: jishe I, 111, 4; 112, 12. 
Vigvamanas Vaiyagva: stushe VIII, 24, 1. 

14. loc. sani. 15. loc. an% fehlen. 

lö.dativane. Amahiyu Ängirasa: dhü'rvanelX, 61^30. 

17. dativvawa. PriyamedhaÄngirasa:drft?dwöVni,69, 17. 
Puruhanman Ängirasa: ddvdne VIII, 70, 12. Gopavana 
Ängirasa: ddvdne VIII, 63, 5. Krishna Ängirasa: ddvdne 
X, 44, 7. Vi?vamanas Vaiya?va: ddvdne VIII, 46, 25; 27. 

18. dativ twawe. Sukaksha Ängirasa: dd'mane VIII, 82,8. 

19. loc. mani. 20. loc. man, fehlen. 

21. loc. tem, fehlt. Doch s. unten unter QakapütaNär- 
medha. 

22. loc. tari, fehlt. 

23. männl. dativ taye. Ayäsya Ängirasa: pitdye IX, 
45, 1. devdvUaye IX, 46, 1. Hiranyastüpa Ängirasa: 
ütdye I, 35, 1; 56, 4. Pragätha Ängirasa: pitdye VIII, 65, 3. 



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lieber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 349 

Savya Äiigirasa: pitdye I, 55, 2. ishtdye I, 57, 2. Priya- 
inedha Ängirasa: pUdyeYlll, 68, 7. Krishna Ängirasa: 
pttäye VIII, 85, 1. väsyatshtaye VIII, 86, 's. grutakaksha 
Ängirasa: pttdyeYUI^ 92, 5. Bindu Ängirasa: pitdyeYlll, 
94, 10; IX, 30, 5. Kutsa Ängirasa: üidye I, 104, 2; 105, 
17; 106, 1; 6; 111, 4. sa^ye I, 102, 3; 5; 111, 4. ishfdye 
(Yyaj) 1, 113, 5; 6; 112,^ 1. svastdye I, 35, 1; 97, 8. sdmapUaye 
I, 111, 4. Rahugana Ängirasa: pitdye IX, 37, 1; 38, 2; 6. 
Gotama Rähügana: vttdye I, 74, 4; 6. prdgaMaye I, 74, 6. 
sömapftaye I, 92, 18. svastdye I, 89, 5. 

24. weibl. dat. ^yai. Kutsa Ängirasa: üyai I, 113, 6. 
Durmitra Kautsa: pushtyai X, 106, 4. 

25. männl. dat. ay«. Hiranyastüpa Ängirasa: sandye 
I, 31, 8. gataprabhedana Vairüpa: yudhdye X, 113, 3. 

26. weibl. dat. yai, fehlt. 

27. dat. andya. Savya Ängirasa: dänä'ya I, 55, 7. 
Ni'imedha Ängirasa: danäya VIII, 99, 4. 

28. loc. ane. Savya Ängirasa: samcdrane I, 56, 2^). 

29. dat. unäya, fehlt. 

30. männl. dat. dya. Tira^ci Ängirasa: tdräya VIU, 
96, 1. Pavitra Ängirasa: ddbhäya IX, 73, 8. 

31. weibl. dat. äyai, fehlt. 

32. dat. thäya. Savya Ängirasa: somapUhä'ya l, 51, 7. 

33. dat. dthäya. 34. dat. ayyäya, fehlen. 

35. dat. ydya. Hiranyastüpa Ängirasa: nfishahydya 
I, 33, 14. admasddydya VIII, 43, 19. Savya Ängirasa: 
vasudeydya I, 54, 9. Krishna Ängirasa: fnaghadeydya X, 
42,2. Nabhaprabhedana Vairüpa: somapeydya X, 112^ ± 

36. dat. tyäya. Savya Ängirasa: dasyuhdtydya I, 51, 6. 
Kutsa Ängirasa: dasyuhdtydya l^ 103, 4. Nrimedha und 
Purumedha Ängirasa: vritrahdtyäya Ylll, 89, 5. Vigva- 
manas Vaiya^va oder Vya^va Ängirasa: sadhdstutydya 
Vm, 26, 1. 

i) Die infinitive der Kägyapa. 

1. acc. eines wurzelnomens : am. Asita Kä^yapa: dsddam 
IX, 8, 3. Ka?yapa: äsddatn IX, 64, 22. 

2. dat. eines ^vurzelnomens: e. Ka^yapa: drige IX, 

Wahrscheinlich entlehnung aus dem V&madevaliede IV, 55, 6. 

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350 Herrn. Brunnhofer, 

64, 30. Asita Ka^yapa: ädiselX, 21, 5; 6. ruceJX, 23, 2. 
Avatsära KäQyapa: ädhrishe IX, 53, 3. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as. 4. loc. eines wurzel- 
nomens: i. 5. dat. dhai, fehlen. 

6. dat. (Zftyai. Rebha Kä^yapa: nägayddhyaiW 111,97, 14, 

7. acc. kim, fehlt. 

8. älterer dativ tavai, fehlt. 

9. jüngerer dativ tave. Asita Ka^yapa: patave IX, 
11, 8. Nidhruvi Kägyapa: ytf'tow IX, 63, 8; 9. Avatsära 
Kägyapa: etave V, 44, 11. Bhütancja Kä^yapa: yd'tave X, 
106, 1. Rebhasünü Kä^yapau: patave IX, 100, 5. yatave 
IX, 99, 2. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

U. dat. ose. Avatsära Kä^yapa: rffdhase IX, 60, 4. 
Rebha Kä?yapa: räjdse VIII, 97, 10. 

12. dat. ushe. 13. dat. se. 14. loc. sanL 15. loc. ani. 
16. dat. ome. 17. dat. vcme. 18. dat. nume. 19. loc. mani. 
20. loc. »wn. 21. loc. tani. 22. loc. teri, fehlen. 

23. männl. dat. taye. Asita Kä^yapa oder Devala 
Kä?yapa: pUdye IX, 12, 2; 17, 8. sätdye IX, 7, 9. Rebha 
Kä^yapa: pUdye VIII, 97, 8; 11. Avatsära KäQyapa: 
ishfdye {y yaj) V, 44, 4. Kacjyapa: pUdye IX, 64, 12. 

24. weibL dat. ^yai. Bhutan (aKätyapa:pttöA^yaiX, 106,4. 

25. männl. dativ aye. Ka^yapa: sanäye IX, 92, 1. 
dfigäye EX, 91, 6. 

26. weibl. dativ yai. Bhutän^a Kä^yapa: ttirym X, 
106, 4. bht^jyai X, 106, 4. 

27. dai.anäya. Avatsära Kä^yapa: ddnayaVSJI, 7t, iL 

28. loc. ane. 29. dat. imdya, fehlen. 

30. rnärnil. dat. äya. Avatsära KäQyapa: ddbhäya V,44»2. 

31. weibl. dat. äyai. 32. dat. thäya. 33. dat. athäya. 
34. dat. ayyäya. 35. dat. yäya. 36. dat. tyäya, fehlen. 

k) Die Infinitive der Agastya. 

1. acc. eines wurzelnomens: am. Drilbacyuta Agastya: 
dsddam IX, 25, 6. 

2. dat. eines wurzelnomens : e. Agastya: ärdbhe 1,182,7. 
Qubhe I, 167, 6. Agastyasya svasä: dfige X, 60, 5. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as, fehlt. 

4. lop. eines wurzelnomens: i. Agastya: mridhil, 174, 7. 



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lieber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 351 

5. dat. dhai, fehlt. 

6. dat. dhyai. Agastya: sacddhyail^ 167 , 5. mädayddhyai 
I, 167, 1. parUansayddhyai I, 173, 7. ishayddhym l, 183, 3. 

7. acc. tum und 8. und 9. dat tava% tave, fehlen^). 

10. gen. abl. tos, Agastya: vdstos I, 174, 3. 

11. dat. ose. Agastya: jiväse I, 172, 3. avdse I, 168, 
1; 183, 5; 186, 10. 

12. dat. ushe. 13. dat. se. 14. loc. sani. 15. loc. ani. 
16. dat ane. 17. dat. vane, 18. dat mane. 19. loc. nkini. 
20. loc. man. 21. loc. tani. 22. loc tari, fehlen. 

23. männl. dativ taye. Drilhacyuta Agastya: pUdye 

IX, 25, 1. Agastya: väsyaishtaye I, 176, 1. 

24. dat. tyai. 25. männl. dat aye. 26. weibl. dat. yai. 
27. dat anäya. 28. loc. ane, felilen. 

29. dat unäya. Agastyasya svasä: dhdrunayaX, 60, 8. 

30. männl. dat äya. Agastya: bhdkshäya I, 187, 7. 
abhigrävd^ya I, 185, 10. 

31. dat äyai. 32. dat. thäya. 33. dat. aihdya. 34. dat 
ayyäya. 35. dat. yäya. 36. dat. tyäya, fehlen. 

1) Die Infinitive der Aindra. 

1—6 fehlen. 

7 — 10 fehlen, sind aber möglich durch durdharitu X, 20, 1 
(Vimada). 

11. dat ose. Vimada Aindra: jivdse X, 25, 4; 6. 
i^ivakshase X, 25, 1 — 11«). 

12—22 fehlen. 

23. männl. dativ taye. Vasukra Aindra: pUdye X, 29, 6. 

24. weibl. dativ tyai. Vasukra Aindra: bhfityai X, 29, 4. 

25. männl. dativ aye. Vasukra Aindra: yudhdye X, 27, 2. 
26-36 fehlen. 

m) Die Infinitive der Yämäyana. 
1—8 fehlen. 

9. jüngerer dativ tave. Damana Yämäyana: dttave 

X, 16, 12. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

jiväiame X, 60» 8; 9; 10 ist pures Substantiv. 

') S. Roth in den erlftuterungen zu Yäska's Nirukti, pag. 30: *vivaksha9e 
scheint mir am ehesten ein dativ des infinitiv zu sein, »zum wachsenc also 
der ganze refrain etwa: auf — in deiner lust — aufzugehen.€ 



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352 Herrn. Bruimhofer, 

11. dat ose, Devagravas Yämäyana: rä'dhase X, 
17, 13. Samkasuka Yämäyana: jivdse X, 18, 6. Ürdh- 
vakri^ana Yämäyana: jivdse X, 144, 5. 

12—24 fehlen. 

25. männl. dat aye. Samkasuka Yämäyana: nrüdye 
X, 18, 3. 

26-29 fehlen. 

30. männl. dat. dya. Samkasuka Yämäyana: lidsäya 
X, 18, 3. . 

31—36 fehlen. 

n) Die Infinitive der Gaupäyana. 

1. acc. eines wurzelnomens: am, fehlt. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. dtige X, 57, 4; 60, 5. 

3. gen. abl. eines wurzelnomens: as, fehlt. 

4. loa eines wurzelnomens: i. samdrigi X, 59, 5^). 
5—8 fehlen. 

9. dat. tave: jtvd'tave X, 59, 5; 60, 8; 9; 10. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat. ose: jivdse X, 57, 4; 58, 1. 
12—28 fehlen. 

29. dat unäya: dhärw^ya X, 60, 8. 

30. dat. dya: kshäydya X, 58, 1. 
31 — 36 fehlen. 

o) Die Infinitive der ^äktya. 

I. acc. eines wurzelnomens: am. Parägara Qäktya: 
ydmam I, 73, 10. 

2—7 fehlen. 

8. älterer dativ tavai. Gauriviti ^äktya: sdrtavaiW, 29, 2. 

9. jüngerer dativ tave, Gauriviti ^^J^^ty^- y&'tave V, 
29, 10. Mrtave X, 74, 6, 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

II. dat ase. Gauriviti ^äktya: hhiydse V, 29, 4. 
Parä?ara ^äktya: jivdse 1,72, 7. dMyase I, 72, 9. rä'dhase 
IX, 97, 42. 



') Max Müller in seiner specialedition der Gaupäyanahymnen (Roy. As. 
Soc Dec. 1866, pag. 35) will metri causa lesen: samdjfigike^ was kein ve- 
disches, überhaupt kein Sanskritwort ist. Ich lese präkritisireud: *9u'riyasiya 
samdfigi. 



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üeber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 353 

12—22 fehlen. 

23. männl. dat. toye. ParäfaraQäktya: M^rfyc IX, 97,42. 

24—35 fehlen. 

36. dat. tyäycu Gauriviti ^äktya: vritrahdtyäyaY, 29, 7. 

p) Die Infinitive des Dirghatamas Äucathya. 

1. acc. eines wurzelnomens: am, fehlt. 

2. dat. eines wurzelnomens :e. bhujel, 155^ 3. prayail^ii% 6. 
3—6 fehlen. 

7. acc. tum: prdshfum I, 164, 4. 

8. älterer dativ tavai: ötavai I, 164, 5. md'tavai I, 164, 28. 

9. jüngerer dativ tave: dhd'tave I, 164, 49. yatave 1, 157, 1. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat ose: dvase I, 164, 52. jivdse I, 146, 5; 155, 4. 
dhd'yase I, 141, 6. dohdse I, 141, 2. 

12. dat. ushe: vdpushe I, 141, 1; 148, 1. 

13. dat. se: prahoshe I, 150, 2. 
14—17 fehlen. 

18. dat. mane: vidnyine I, 164, 6. 

19. loc. mani: dhdrmaiii I, 159, 3. 
20 — 29 fehlen, 

'30. dativ äya: vdräya I, 143, 5. jdräya I, 164, 11. 
poshäya I, 142, 10. 
31 und 32 fehlen. 

33. dat. cUhäya: sacdthäya I, 156, 5. 
34—36 fehlen. 

q) Die Infinitive des Kakshivant Dairghatamasa. 

1. acc. eines wurzelnomens: am, bhdram I, 117, 18. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. gubhe I, 117, 5; 119, 3. 
ndnge I, 122, 5. ishe I, 121, 14. drige I, 124, 6. vfidhe I, 
121, 8. vicdkshe I, 116, 14; 16; 117, 17, 

3 und 4 fehlen. 

5. dat. dhai, fehlt. 

6. dat. dhyai: huvddhyai 1, 122, 4; 5. vävridhddhyai 1, 122, 2. 
7 imd 8 fehlen. 

9. jüngerer dativ tave: pä'tave I, 116, 22. sdrtave I, 116, 15. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat. ase: dvase 1, 118, 10. jivdse I, 117, 24; 119, 1. 

12. dat. tishe: vdpushe I, 119, 5. 



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354 Herrn. Brunnhofer, 

13. dat. se: stushe I, 122, 7. 
14—16 fehlen. 

1?. dat. vane: dävdm I, 122, 5. 
18 — 22 fehlen. 

23. männl. dat. taye: pitäye IX, 74, 9. 

24. weibl. dat. tyai: ityai I, 124, 1. 

25. männl. dat. aye: sandye I, 116, 12; 21. 
26 fehlt. 

27. dat. anäya: ddrganäya I, 116, 23. päydnäya I, 116, 9. 

28. loc. ane: turdne I, 121, 5. 
29—36 fehlen. 

r) Die Infinitive des Parucchepa Daivodäsi. 

1. acc. eines wurzelnomens: am, fehlt. 

2. dat. eines \vurzelnoinens : e. (ubhS I, 127, 6. bhuje I, 
127, 8; 11. sanicdkshe I, 127, 11. ädhrishe I, 136, 1. 

3 und 4 fehlen. 

5. dat. dhai, fehlt. 

6. dat. dhyai: rishayddhyai I, 129, 8. gdmadhyai I, 154, 6. 
irddhyai I, 134, 2. 

7 und 8 fehlen. 

9. jüngerer dativ tave: prdvaniave I, 131, 5. hdntave I, 
131, 6. sArtave I, 130, 5. völhave I, 134, 3. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat. ase: dvase I, 127, 4; 128, 8; 129, 10; dMyase 
(Säy. pänäya) I, 130, 2. 

12—14 fehlen. 

15. loc. ani, fehlt. 

16. dat. ane, fehlt. 

17. dat. vane: dävdne I, 134, 12; 139, 6. 
18—20 fehlen. 

21. loc. iani ^ishfäni (Y y€^) I, 127, 6. Zu erschliessen 
aus dem partic. fut. pass. ishidnih (Säy. yashtavyah). Die ety- 
mologie von B.-R. und Gr. (nis -{- stan) entbehrt einer analogie 
des abfalls von n in nis. Vgl. übrigens das part. fut. pass. 
sakshdiM (Säy. sacanlya^a) VIII, 22, 15 mit dem inf. sdkshdm 
(Säy. seväydm) X, 32, 1. 

22. loc. tari, fehlt. 

23. männl. dat. iaye: pUdye I, 137, 2; 3. viidye I, 135, 
3; 4. sätdye I, 138, 4; 130, 6. isJißye I, 129, 4. prdiürtaye 



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lieber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 355 

I, 129, 2. IMrahiUaye I, 129, 2. medhdsätaye I, 129, 1. 
jütdye I, 127, 2. iUäye I, 130, 9; 129, 4. pürvdpUaye I, 134, 
1; 135, 1. sömapUaye I, 137, 3. vä'jasätaye I, 130, 1. 

24—26 fehlen. 

27. dat. andya: dsanäya I, 130, 4. 

28 — 35 fehlen. 

36. dat. tyäya: dhihdtyäya I, 130, 4. 

s) Die Infinitive des Qunah^epa Äjigarti. 

1. acc. eines wurzelnomens: am, fehlt. 

2. dat. eines wurzelnomens: e. bhuje I, 30, 20. ärdbhe 
I, 24, 5. 

3 und 4 fehlen. 

5. dat. dhai, fehlt. 

6. dat. dhyai: vandddhyai I, 27, 1. 

7. acc. tum, fehlt. 

8. älterer dativ tavai: dnvetavai I, 24, 8. ydmitavai I, 28, 4. 

9. jüngerer dativ tave: prdtidhMave I, 24, 8. sotave I, 
28, 1. pd'tave I, 28, 6. 

10. gen. abl. tos, fehlt. 

11. dat. ase: kshddase I, 25, 17. jtvdse I, 25, 21. 
12—22 fehlen. 

23. männl. dativ taye: ütdye I, 30, 6; 7. ishtdye I, 30, 12. 
vdsyaishtaye I, 25, 4. 

24. weibl. dat. tyai, fehlt. 

25. uiännl. dat. aye: sandye I, 30, 16. 
26-36 fehlen. 

t) Die Infinitive der kleineren historischen 
Vedendichter. 

Agniyuta Sthaura: hdntave X, 116, 1. 

Aruna Vaitahavya: nisprige X, 91, 13. 

Upastuta Värshtihavya: ishfdye X, 115, 4. 

Ula Vätäyana: jivä'tave X, 186, 2. jtvdse X, 186, 3. 

Uganas Kavya: sätdye IX, 88, 2. vdräya VIII, 84, 4. 

Kavasha Ailüsha: dävdne X, 32, 5. sakshdni X, 32, 1. 

Gaya Pläta: sätdye X, 63, 9. ütdye X, 63, 11; 64, 8. 
hdvimani X, 64, 4. 

Ghoshä Käkshivati: parishvdje X, 40, 10. cardthäya 
X, 39, 4. 



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356 Herrn. Brunnhof er, 

Jaratkarna Sarpa Airavata: upctöecanaya X, 76, 7. 

Tänva Pärtha: turväne X, 93, 10. gushä'^i X, 93, 1. 
sädanäya X, 93, 5. satdye X, 93, 10. 

Tryaruna und Trasadasyu: tarddhyai IX, 110, 1. 
vidhare IX, 110, 3. vä'jasätaye IX, 110, 1. 

Trifiras Tvashtra oder Sindhudvipa Ambarisha: 
driQe X, 9, 7. pitäye X, 9, 4. 

Duvasyu Vändana: hhuje X, 100, 1. vridhe X, 100, 1. 
sihtäye X, 100, 11. 

Näbhänedishtha Mänava: <?ra&Äaw X, 62, 9. pari^islie 
X, 62, 10. ydjadhyai X, 61, 15. duh(idhyaiX,61, 17. dänaya 
X, 61, 2; 62, 8. jt*r%e X, 61, 15. Mdye X, 61, 27. 

Pratardana Daivodäsi: sandye IX, 96, 20. ä-jttaye 

IX, 96, 4. 

Bhishaj Ätharvana: ^'it;agfn6Ä«5 X, 97, 11. 

Matsya Sämmada: prdsartave VIII, 67, 12. 

Lu?a Dhänäka: jivdse X, 35, 12; 36, 5. vridheX, 35, 11. 
ishfdye X, 36, 6. svastdye X, 36, 12. 

Vamra Vaikhänasa: vdvridhddhyai X, 99, 1. 

Vatsapri Bhälandana: satdye IX, 68, 7. 

Vasukarna Vasukrä: tnahdye X, 65, 3. 

Värshägira: jeshe I, 100, 11. 

Qäryata Mänava: dUave X, 92, 3. hdvimani X, 92, 12. 
isÄ%e X, 92, 13. 

Qakapüta Närmedha: pupütdni X, 132, 6. prdbhü'shani 

X, 132, 1. 

Satyadhriti Väruni: jtvdse X, 185, 3;^ 186, 3. 

Suparna Tärkshyaputra oder ÜrdhvakrjQana 
Yämäyana: jivdse X, 144, 5. 

Sumitra Badhrya^va: sampriccham X, 69, 9. ishtdye 
X, 70, 11. 

Havirdhäna Ängi: yajdfhdya X, 12, 1. 

u) Die infinitive mythischer Vedendichter. 

Agni Saucika oder Agni Vaii^vänara oder Sapti 
Väjambhara: dttave X, 79, 6. A. Tapasa: dd'näya X, 
141, 5; 6. 

Indra: sotos X, 86, 1. 

Indra Mushkavant: dvase X, 38, 4. yudhdye X, 38, 3; 
48, 6. satdye X, 38, 1. bhuje X, 48, 9. eshe X, 48, 9. 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 357 

Indra Vaikuntha: ädhrisJie X, 49, 4. tujdye X, 49, 4. 
ishtdye X, 49, 9. räjdni X, 49, 4. dhdrmane X, 50, 6. ddvdne 
X, 50, 7. 

Urva^i: nisheve X, 95, 8. gopYthyäya X, 95, 11. 

Purüravas: dasyviidtyäya X, 95, 7. gdntavai X, 95, 14. 

Gakshuh Saurya: cdkshusJie X, 158, 4. vikhyai X, 158, 4. 

Juhü Brahmajäyä: prahye X, 109, 3. 

Tapuniiürdhan Bärhaspatya: hdntavai X, 182, 3. 

Trita: prdvolhum X, 2, 3. dnfc IX, 102, G; X, 5, 5. 
yajdthäya X, 7, 1. 

Trita Äptya: avayai VIII, 47, 12. upayai Vffl, 47, 12. 
jtvä'tum VIII, 47, 4 ist kein infinitiv. 

Tvashtri Garbhakartri oder Vishnu Präjäpatya: 
sü'tave X, 184, 3. 

Saramä Deva?uni: atishkddas X, 108, 2. 

Manu Vaivasvata: vridÄa VIII, 27, 4. (ivose VIII, 27, 13. 
bhaktdye VHI, 27, 11. vä'jasätaye VIII, 27, 13. 

Manyu Täpasa: baladeyäya X, 83, 5. yudhdye X, 84, 4. 
vijayaya X, 84, 4. 

Yama Vaivasvata: dpabhärtavai X, 14, 2. jivdse X, 
14, 14. drigdye X, 14, 12. sahageyyäya X, 10, 7. 

Väc Ämbhrini: hdntavai X, 125, 6. 

Qatam Vaikhänasäh: prdyase IX, 66, 23. jzrrfse 
IX, 66, 30.' 

Qyena Ägneya: äsdde X, 188, 1. 

Samvarana Präjäpatya: vdpushe V, 33, 9. hdntave 
V, 34, 2! mwsÄe V, 34, 7. 

Sünu Ärbhava: jivatave X, 176, 4. 



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358 lÄrm. Brunnhofer, 

TU. StatistiBche 

über das vorkommen der infinitive bei den hervor- 

NB. Die uneingeklammerten Ziffern bezeichnen die anzahl der infinitive, die ein- 
pitäyc auch componirte wie vajasätaye, sömapitaye vorkommen, so werden 



Sängerikmilien 




























und 
Dichter. 


i 


« 


OD 


••• 


••» 


* 


1 


1 


i 


00 


OD 




^ 




Bhärgava 


3 


10(11) 


4 

15) 


1 





2 








6(9) 


2(3) 


6(9) 











Vai<2vämitra 


2(4) 


14(15) 











4(5) 


1 


3 


6 


3 


6(12) 





1(2) 





Gautama 


4 


10 (13) 








1 


11 





2 


6 


1 


3(6) 


2(3) 





3 


Ätreya 


1 


15(20) 





2(4) 





2(4) 


1 


2(3) 


2(3) 





10(11) 


1 


2 


(1) 
? 


ßhäradväja 


1 


6(9) 





1 





12 (18) 








2 


1 


5(11) 


1 


2 


2 


Väsishtha 


2 


9(11) 











6(7) 





3 


4 


1 


6(9) 











Känva 


2 


14 (25) 


3 








^5^ 








15(21) 


1 


9(23) 





1(2) 


'5' 


Angirasa 


5(6) 


15(30) 








'l' 


'? 


1 


3(4) 


11(20) 


2 


14(29) 





2(3) 





KäQyapa 


1(2) 


4 











1 








3(7) 





2 











Ägastya 


1 


3 





1 





4 











1 


2(4) 











Aindra 
































2(3) 











Yämäyana 


























1 





2(3) 











Gaupäyana 





1(2) 





1 














1(4) 





1(2) 











gäktya 


1 




















1 


2 





4 











Dlrgh. Aue. 





2 














l 


2 


2 





4(5) 


1(2) 


1 





Kakshiv. D. 


1 


6(9) 











2(3) 








2 





2(3) 


1 


1 





ParncchepaD. 





4(5) 











3 








4 





2(4) 











(^unahqepa 





2 








ö 


1 





2 


3 





2 












Anmerkung. Diese tafel beansprucht nach mehr- 



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üeber dialektspuren im ved. gebraurtie der infinitivformen. 



359 



tafel 

ragendsten sängerfarailien und dichtem des Rigveda. 

geklammerten die anzahl der stellen; wenn neben einfachen infinitiven wie satdye, 
diese composita neben den einfachen formen nur als stellen gezählt. 



* -3 

3 


vane 
mane 


l 






































1 

"ja 


1 
1 


1(3) 

























1 


73 


^i** 




























s 


89 








1(3) 


3(4) 






















) 


78 




> 





1(4) 


1 






















7 


89 





2 


1 

























l 


79 


































3 


62 





1(3) 


1(4) 


1 






















1 


140 





1 


1(5) 


1 


ü 








u 


9(35) 


2 


2 


12 (3) 


1 





2 





1 








5 


m 


20 


157 


























3(7) 


1 


2 


2 


1 








1 
















































2 

















1 


2 
















































1 


1 


1 





































































^ 














1 


































































1 


1 
















































1 






































1 






1 








1 


1 





























3 








1 
























1 

















1 


1 


1(2) 





2 


1 




































1(2) 











•}' 





8(17) 











1 


























1 






























2(4) 





1 








































f acher revision Vollständigkeit und Zuverlässigkeit. 



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360 Herrn. Brumihofer, 



IV. Statistisch vergleichende Übersicht über den gebrauch 

der inflnitivformen bei den vornehmsten 8&nger£)unilien und 

dichtem des Bigveda. 

1. Die Bhärgava, deren hymnen sich über das 2. mandala 
hinaus im 8., 9. und 10. mandala zerstreut finden, zeigen in 
der Verwendung der ihnen geläufigen infinitivformen grosse 
consequenz, Jamadagni wie Nema, Vena und der anonyme 
Kavi Bhärgava weichen im gebrauche der infinitivformen nicht 
von Gritsamada ab, nur dass natürlich dieser, entsprechend 
seinem grösseren hymnenmaterial, auch einige Infinitive auf- 
weist, welche wir in den kleineren Bhärgavadichtern nicht 
trefien. Zunächst ist in der spräche der Bhärgava die ver- 
hältnissmässig grosse anzahl von accusativen des wurzelnomens 
auffällig. Zwar zeigen die Ähgirasa deren auch 5, resp. 6, 
allein diese stehen, wenn man das gewaltig viel grössere hymnen- 
material der Ähgirasa in erwägung zieht, doch in keinem ge- 
wöhnlichen Verhältnisse zu den 3 aw-infinitiven der Bhärgava. 
So verhält es sich auch mit den gen. -abl. -Infinitiven auf as, 
von welchen die Bhärgava auf ihrem kleinen gebiete allein 
mehr formen aufweisen, als selbst die Känva mit ihrem mehr als 
doppelt so grossen hymnenschatz. Wenn man aber diese 4, resp. 5, 
a5-infinitive der Bhärgava gegen die 3 der Känva hält und 
bemerkt, dass alle andern sängerfamilien und hauptsächlichsten 
dichter nicht eine einzige form dieses Infinitivs verwenden, so 
ist man geneigt, die beiden sängerfamilien zu einander in nähere 
beziehung zu bringen. Man wird darin durch die weitere 
beobachtung unterstützt, dass dieselben sich auch in der 
Verwendung der aus suff. tu gebildeten Infinitive begegnen. 
Höchst merkwürdiger weise kennen nämlich weder die Bhär- 
gava, noch die Känva die infinitivformen tum und tavai, wohl 
aber tave und tos. So stimmen diese beiden familien auch 
wieder überein in der unbekanntschaft mit der form -ushe, 
während sie die form -ose reichlich verwerthen. Eine andere 
infinitivform, welche im späteren Sanskrit massenhaft ge- 
braucht wird, ist auch bei den Bhärgava in einem Über- 
schüsse vorhanden, der ausser verhältniss steht zu dem geringen 
umfang ihrer lieder. Während nämlich die grossen, den 
Bhärgava an sprachmaterial doppelt überlegenen hymnen- 



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Üeber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 361 

Sammlungen der Väsishtha der infinitive auf -aya, z. b. tdräya, 
nur 3, die der Känva und der Ängirasa nur je 2 und die der 
Bhäradväja sogar nur 1 exemplar dieses Infinitivs aufweisen, 
zeigt dagegen die winzige liedersammlung der Bhärgava deren 
gar 4. Nicht zum beweise ihrer alterthümlichkeit! Wollte 
man diesem urtheil gegenüber sich für ein höheres alter der 
Bh&rgavalieder etwa auf die 2 infinitive auf dhyai berufen , so 
würde an der sache nicht viel geändert Denn diese 2 ähtfai- 
infinitive der Bhärgava sind ofi*enbar aus älteren liedersamm- 
lungen entlehnt. Die form gayddhyai II, 17, 6 stammt von 
den Bhäradväja VI, 62, 3 und Jamadagni's ydjadhyai X, 110, 7 
wird wohl aus derselben quelle geflossen sein, da es bei den- 
selben Bhäradväja nicht weniger als 6 mal wiederkehrt. Einzig 
in seiner art steht der Bhärgavainfinitiv auf tdri da. • 

2. Die hervorstechende eigenthümlichkeit an der spräche 
der Vai^vämitra, welche diese nur noch mit den Ängirasa 
theilen, ist die Verwendung aller aus dem suffixe tu abgeleiteten 
infinitivarten, sowohl des acc. tum, als der dative tavai, tave 
und des gen. abl. tos. In dieser letztem art, welche die 
Brähma^asprache mit Vorliebe verwendet, übertreffen die Ku^ikas 
alle andern sängerfamilien an der anzahl der gebrauchten 
formen. Eine der ältesten liedersammlungen, als welche ich 
die der Ätreya betrachte, kennt diese infinilivart noch gar 
nicht und die der Gautama sowie die der Bhäradväja und 
Väsishtha kennen nur je 1 exemplar, während die Kugika deren 
3 aufweisen, worin sie sich mit den Bhärgava und den Ängirasa 
begegnen. Mit den Gautama theilen sich merkwürdigerweise 
die Kugika in die bekanntschaft mit dem aus suffix man ge- 
bildeten locativ- Infinitiv, aber, was noch merkwürdiger, die 
Ku(ika sind die einzige grössere sängerfamilie, welche den 
Infinitiv ddvdne nicht kennt. Ein sicheres zeichen des späten 
Ursprungs der Vai^vämitralieder ist die grosse anzahl von In- 
finitiven auf taye, 29 stellen auf nur 6 formen, von denen ohne- 
diess keine einzige den Vai^vämitra eigenthümlich wäre. 

3. Unter allen sängerfamilien weisen die Gautama wohl die 
grösste anzahl der verwendeten infinitivarten auf. Sie werden 
auf den ersten blick zwar übertrofFen durch die Bhäradväja, 
die deren 21 kennen, wahrend den Gautama nur 20 zur Ver- 
fügung stehen. Allein sowie man die 58 sükta des IV. mandala 
gegen die 75 sükta des VI. mandala hält, so lässt es sich wohl 

ZelUcbrlft für Tergl. SprMbf. N. F. V. 4. 24 

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362 Herrn. Brunnhofer, 

begreifen, wie das massenhafter überlieferte hymnenmaterial 
der Bhäradväja 1 infinitivart mehr beherbergen kann als die 
nächst der der Bhärgava liederärmste Sammlung der Gautama. 
Nehmen wir nun zum massstab der alterlhümliehkeit der 
vedischen liedersammlungen deren productive (nicht jedoch 
reproductive oder imitative) Verwendung von formen wie -dhai 
und -dhf/ai, so ergiebt sich folgendes überaus wichtige resultat. 
Wie Max Müller in seinen essays, bd. IV, pag. 428 flf. (der 
deutschen Übersetzung) nachgewiesen hat, besitzen wir in der 
form vayodhai das vollständig entsprechende analogon und Ur- 
bild zu den griechischen Infinitiven auf -c;^«*, wie tpsvdsadat, 
während die form dhyai von dhi für dhä nur in zweiter linie 
mit den griechischen Infinitiven auf ad^ai verglichen werden 
darf. In dieser wahrhaft urzeitlichen form vayodhai, die ohne- 
diess nur an einer stelle als urwüchsig und bodenständig nach- 
gewiesen werden kann, dürfen wir füglich eines jener trüramer 
erblicken, welche sich über die in der Brähmana- und Sütra- 
periode an den alten Sprachdenkmälern vollzogene modernisirung 
in die gegenwart hinüber gerettet haben. Vgl. Aufrecht in der 
vorrede zur 2. aufläge seines Rigveda, bd. 2, pag. XII. Und 
der Standort dieser >reliquie<, wie Max Müller die form vayodhai 
nennt, ist ein Vämadevya! Zu diesem unzweifelhaften beweis 
für die hohe alterthümlichkeit der Gautamalieder tritt nun noch 
ein anderer, nicht minder schwerwiegender beleg. Die form 
dhyai erweist sich schon durch ihre völlige abwesenheit in den 
jüngsten liedersammlungen des Rigveda, in denjenigen der 
Känva und Ängirasa, als alterthümlich und da dieselbe sonst 
nur in den ältesten partien des Avesta wiederkehrt und dort 
sogar häufig vorkommt, so gewinnen wir auf diese weise einen 
festen Standpunkt zur beurtheilung des alters derjenigen lieder- 
sammlungen, in welchen die infinitiv^e auf cfftyai am häufigsten 
begegnen. Unter allen liedersammlungen kehrt nun aber die 
form dhyai am häufigsten bei den Gautama wieder. Die 
Bhäradväjalieder haben freilich 18 dÄyai-stellen, allein erstens 
schmelzen diese 18 stellen auf nur 12 formen zusammen, weil 
2 der letztern sich mehrfach wiederholen und dann kommt der 
überschuss von 1 form über die 11 d%ai-infinitive der Gautama 
eben wieder auf rechnung des uns von den Bhäradväja massen- 
hafter überlieferten hymnenmaterials. Auch ist nicht zu über- 
sehen, dass die Gautama keine einzige ihrer dhyat-tormen 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 363 

repetiren, was sonst bei diesem infmitiv in allen andern grossem 
liedersammlungen des Rigveda der fall ist. S. nachtrag 1 pag. 374. 
Für die hohe allerthümlichkeit der Gautamalieder spricht auch 
deren gänzliche unbekanntschaft mit der schon die Brähmana- 
und Sütraperiode charaklerisirenden infinitivart auf tum. Und 
da das massenhafte vorkommen der Infinitive auf ose in den 
jungem liedersammlungen, wie z. b. in denen der Känva 
und Ängirasa, jedenfalls für die verhältnissmassige Jugendlich- 
keit dieser Infinitive auf ose wenigstens in der Vedensprache 
beweist, so ergiebt sich, wenn ase-formen innerhalb der Gautama- 
lieder nur sehr spärlich auftreten — es sind deren im gründe 
nur die 2 formen und 2 stellen tujdse und prä'yase, wozu dann 
noch 4 stellen des wohl sehr späten und völlig phrasenhaften 
dvase kommen —, wiederum der schluss, dass die Gautama- 
lieder alle andern liedersammlungen an alterthümlichkeit über- 
treffen. Diese findet schliesslich noch weitere bestätigung durch 
das überaus reichliche vorkommen von infinitivformen, welche 
sonst nur im Griechischen und im Zend wiederkehren. So 
finden wir von suffix man 4 formen, resp. 5 stellen, der Infinitiv 
davdne (6ovva$) erscheint 3 mal und 3 formen weist auch das 
aoristische sani auf, welches im Pahlavi zur bildung von 
nominibus actionis und Infinitiven, im Griechischen zur bildung 
des futurischen Infinitivs herangezogen wurde. Alle andern 
liedersammlungen zusammengenommen haben aber nicht mehr 
als 4 sani-formen, von welchen aber wieder nur die 2 der 
Bhäradväja vollgültig, dagegen die je eine form der Ätreya und 
der Känva der entlehnung verdächtig sind, und erreichen selbst 
mit hinzuziehung der lleder des ^akapüta, Tänva Pärtha und 
Kavasha Ailüsha doch nur 5 formen, resp. 6 stellen. 

4. Das resullat, zu welchem eine betrachtung der Infinitive 
der Ätreya führt, ist ein räthsel. Inhaltlich gehören die hymnen 
der Ätreya zum ältesten, was der Veda überhaupt besitzt, und 
sprachlich, d. h. soweit wenigstens die Infinitive in betracht 
kommen, lehnen sich die Atrilieder an die jüngsten liedersamm- 
lungen des Rik an. Vor allem überrascht uns in der spräche 
der Ätreya die armut an Infinitiven auf dhyai, also an formen, 
nach welchen sich, wie wir oben gesehen haben, die höhere 
oder geringere alterthümlichkeit der liedersammlungen am 
sichersten beurtheilen lässt. Die Ätreya haben nur 2 dhyair 
formen, huvddhyai und vartaydcBiyai, und von diesen steht das 

24* 



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364 Herrn. Brunhhofer, 

erstere, welches nicht einmal ausschliesslich den Ätreya ge- 
hört , sondern auch bei den Bhäradväja und Eakshivant Dair- 
ghatamasa begegnet, an drei stellen, während allein vartayddhyai 
sonst nirgends anders wieder vorkommt. Selbst die lieder- 
sammlung der Bhärgava hatte noch 2 infinitive auf dhyai auf- 
zuweisen vermocht, von welchen sich freilich keine einzige als 
unbedingtes eigenthum derselben herausstellte, aber die lieder- 
sammlung der Ätreya mit ihrem, dem der Bhärgava gerade 
doppelt überlegenen material, hätte doch eine stärkere Vertretung 
dieser dhyai-tormen vermuthen lassen. Die Ätreya stehen in 
dieser beziehung unter allen sängerfamilien, denen die dhyai- 
infinitive überhaupt bekannt sind, weitaus am ärmsten da. 
Reicher als alle andern ist dagegen die sippe der Ätreya an 
Infinitiven, welche aus den dativen der wurzelnomina gewonnen 
werden. Auf 20 stellen, an welchen dieser Infinitiv bei den 
Ätreya vorkommt, gehen 15 formen. Allerdings weisen die 
Sammlungen der Eänva und Ängirasa noch mehr stellen auf, 
allein trotz ihres grösseren materials kommen dann doch bei 
den Känva nur 14 formen auf 25 stellen und bei den Ängirasa 
gar auf 30 stellen nur 15 formen. Also auch von dieser form 
her wieder durchaus kein beweis für die alterthümlichkeit der 
Ätreyahymnen. So ergeht es uns auch bei der betrachtung 
der formen auf taye. Bekanntlich grassirt diese in den Bräh- 
mana und auch die denselben sich am meisten nähernden 
liedersammlungen der Eänva und Ängirasa, sowie der Eugika 
und Bhärgava, strotzen von infinitiven auf taye. Verhältniss- 
mässig sind die Ätreya sogar reicher an dieser form als jede 
andere grössere sängerfamilie, denn die Eänva haben zwar auf 
43 stellen 10 formen, die Ängirasa auf 35 stellen 19 formen, 
aber die grössere stellenzahl erklärt sich eben wieder aus der 
grösseren hymnenmasse, während also bei kleinerem material 
die Ätreya doch eben so viele taye-inRnilive aufweisen als die 
ihnen an material überlegenen Eänva und Ängirasa. Alter- 
thumliche formen, wie es scheint, besitzen dagegen die Ätreya 
wiederum an den aus dem locativ des wurzelnomens und den 
aus dem dativ eines nomen auf i gebildeten infinitiven auf -t 
und -aye. Die Ätreya haben solcher locativinfinitive auf i 
(wie z. b. drifi) eine grössere zahl, als alle andern sänger- 
familien zusammen, denn neben den 2 formen der Ätreya, 
welche 4 stellen einnehmen, figuriren nur die Bhärgava, die 

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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 365 

Bhäradväja und die Ägastya mit je 1 exemplar. Von In- 
finitiven auf aye begegnen bei den Atreya 3 formen auf 3 stellen, 
während die Bhäradväja deren 3 auf 4 stellen, die Bhärgava 
S auf 2 stellen, die Gautama 1 auf 1 stelle, die Väsishtha 1 auf 

2 stellen und die Angirasa 2 auf 2 stellen haben. Eine alter- 
thümliche form, welche wieder bei den Ätreya häufiger, als bei 
den andern sängerfamilien vorkommt, ist der infinitiv, welcher 
durch anhängung des dativischen suffixes se an die wurzel, ge- 
bildet wird und den griechischen Infinitiven des aorists auf aai, 
entspricht. Von diesen besitzen die Ätreya an 3 stellen 3 formen, 
während die Angirasa, die deren von allen andern sänger- 
familien am meisten' haben, an 3 stellen doch nur 2 formen 
au&uweisen vermögen. Auch zeigen die Ätreya noch eine an- 
dere höchst alterthümliche erscheinung, nämlich den mangel an 
Infinitiven auf tos. 

5. Die Bhäradväja überragen an absolutem wie relativem 
reichthum an (2%ai-formen alle andern Sängergeschlechter, mit 
einziger ausnähme der Gautama. Sie haben 12 infinitive auf 
dkyaiy welche zusammen an 18 stellen vorkommen. Es ist 
dieses ein unverwerfliches zeugniss für die alterthümlichkeit der 
Bhäradväjahymnen. Aber was soll man sagen, wenn im 
diametralen gegensatz dazu die Bhäradväja zugleich den grössten 
reichthum an einer der offenbar jüngsten infinitivformen, wie 
anäya, entwickebi? Die Gautama und die Väsishtha kennen 
die form gar nicht, die EuQika, Ätreya und Bhärgava besitzen je 
1 exemplar derselben, die Känva haben an 2 stellen 1 form» 
die Angirasa auf 3 stellen schon 2 formen, die Bhäradväja 
aber haben deren volle 4. Sie begegnen sich darin mit dem 
Kakshivant Dairghatamasa, der auf seinem materiell beschränkten 
hymnengebiet doch 2 infinitive auf anäya producirt. Höchst 
merkwürdig ist auch wieder die ungeheure armut der Bhärad- 
väja an Infinitiven aus dem suffibc tu. Sie haben alles in allem 

3 formen, während allein Parucchepa Daivodäsi 4,' die K&^yapa 
3 (aber an 6 stellen) und auch Dirghatamas Aucathya 5 formen 
aus dem suffix tu aufweisen. Die Bh&radv&ja kennen eben 
nicht nur nicht die formen tum und tavai, eine eigenthümlich- 
keit, welche sie mit den Bhärgava und K&nva theilen, sondern 
sie produciren auch von tave, woran sonst, mit einziger aus- 
nähme der Ätreya, alle andern sängerfamilien reich, die Känva 
und Angirasa überreich sind, nur 2 formen, 2 gegen je 15 tav^ 



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366 Herrn. Brunnhofer, 

Infinitive der KAnva auf 21 stellen und gegen 11 solcher bei 
den Ängirasa auf 20 stellen! Dass von tos nur 1 exemplar bei 
den Bhäradväja vorli^t, kann dagegen nicht befremden, wohl 
aber der umstand, dass auch die 2 tot;6- formen, nämlich 
pd'tave und völhave, an zahlreichen stellen anderer liedersamm- 
lungen wiederkehren, so dass man versucht wird, auch diese 
2 tave- formen vom inventar der Bhäradv&ja- Infinitive ab- 
zuziehen — und was yötos VI, 18, 11 betrifft, so Ist vielleicht 
ein hinblick auf die dativform yötave des Irimbithl Kdnva VIII, 
18, 5 nicht ohne Perspektive. Wenn die Bharadväja aus dem 
sufiQx tu nicht eine einzige, ihnen auch wurzelhaft ganz eigene 
form des Infinitivs entwlckebi, so 11^ der gedanke nicht fern, 
dass Ihnen am ende die Infinitive auf tave und tos ursprünglich 
ebensowenig geläufig und bekannt waren, als die auf tum und 
tavai. Mit den Ätreya haben die Bharadväja gemeinsam die 
verhältnissmässig reichliche Verwendung der Infinitive auf aye, 
von welchen beide sängerfamlllen je 3 formen verwenden. Endlich 
ist noch zu bemerken, dass die Bharadväja von allen sänger- 
familien weitaus den grössten reichthum an infinitivarten be- 
sitzen und dass sich dieselben weniger oft wiederholen als dies 
bei Irgend einem andern Sängergeschlecht der fall ist: es kehren 
nämlich 21 arten auf zusammen 79 stellen wieder. 

6. Ganz im gegensatz zu den Bharadväja leiden die 
Väsishtha an einer grossen formenarmut; die Väsishtha sind 
an Infinitiven ärmer als jede andere sängerfamilie, weisen sie 
doch auf dem weiten gebiet ihrer 104 hymnen nur 15 arten 
und zwar an 62 stellen auf. Die Bhärgava haben zwar auch 
nur 17 arten auf 73 stellen, allein was bedeuten ihre 43 hymnen 
gegen die 104 der Väsishtha! Die Infinitive Rutdhyai sind noch 
massig vertreten, 6 formen beg^nen auf 7 stellen, dagegen 
fehlt dann wieder die junge Infinitivform auf tum. Mit den 
Bhärgava stimmen die Väsishtha völlig übercin in der unbekanni- 
schaft mit den alterthümlichen Infinitivformen se, sani und 
mane, mani, man, welche im Graecoltalischen und Zend wieder- 
kehren. Reicher als alle andern sängerfamlllen sind die 
Väsishtha an den allerjüngsten formen: neben 3 Infinitiven auf 
dya haben sie auch 1 exemplar des weiblichen Infinitivs äyai 
und neben den 4 formen des partic. fut. pass. auf yäya auch 
2 anderwärts nicht wiederkehrende monstra von participien futuri 
passiv! wie dakshä'yyaya und — horribile dictu — : mahayayyaya. 



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üeber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 367 

7. Obschonsich die K&n va über das 1., 8., 9. und lO^mandala 
hin zerstreuen, obscbon sie demnach zeitlich weit auseinander 
liegen, so haben sie doch eine ausgesprochene Vorliebe für be- 
stimmte infinitivarten und halten an denselben durch alle 
mandala hindurch mit solcher Zähigkeit fest, dass sie durch 
die massenhafte Verwendung dieser lieblingsinfinitive alle andern 
Sangerfamilien weit hinter sich lassen. Solche lieblingsinfinitive 
der E&nva sind die dative des wurzelnomens auf e (14 formen 
auf 25 stellen), tave 1(15 formen auf 21 stellen), cm (9 formen 
auf 23 stellen, darunter allerdings 7 phrasenhafte dvctse) und 
gar faye, dessen 10 formen an 43 stellen wiederkehren ^). Höchst 
interessant ist gegenüber diesem überfluss der gänzliche mangel 
an formen auf dhyai und tum, tavai. Die weibL form auf 
äyai (jard^yai) theilen die Eiänva mit den V&sishtha und die 
gen. abh infinitive auf as ausschliesslich mit den Bhärgava. 

8. Die Ängirasa stimmen mit den Känva merkwürdiger- 
weise überein in der massenhaften Verwendung der dative des 
wurzelnomens (15 formen auf 30 stellen), der form tave (11 formen 
auf 20 stellen), der form ose (14 formen auf 29 stellen) imd 
der form taye (9 formen auf 35 stellen), der form ddväne 
(5 stellen gegen 4 bei den Eänva). Mit den Gautama gemein 
ist den Ängirasa der häufige gebrauch des accusativs des wurzel- 
nomens, sie haben 5 infinitivformen auf am an 6 stellen gegen 
4 bei den Gautama. Charakteristisch ist für die Ängirasa ferner 
das vollständige fehlen der infinitive auf dhyai, wogegen, was 
sonst nur noch bei den Eu^ika vorkommt, alle infinitivarten 
aus sufßx ^tt. vertreten sind. Auf die Brähmanaperiode weist 
die im Rigveda sonst nur noch bei Eakshivant Dairghatamasa, 
bei den Kägyapa und den Aindra wiederkehrende infinitivart 
tyai hin. Bekanntlich überquellen aber die Br&hmana von 
diesen infinitiven auf tyai. 

9. Die spräche der Eä^yapa bietet in den 35 sükta, die 
sich durch das 5., 8. und 9. mandala hinziehen, mehrere eigen- 
thümlichkeiten von belang. Das 106. sükta des 10. mandala 

1) Sollte sich Ludwig's vermuthuog (RigredaOhersetzuiig, bd. 3, pag. lOS) : 
die Ueder von Rigveda I, 1 — 17 seien den K4nva zuzatheilen, bestätigen, 
so würde desshalb au obigem resoltat gleichwohl kein iota anders, die 
Känva erhielten nur einigen Zuwachs an toi/e-infinitiven (U neue stellen 
zu den schon vorhandenen 43), 2 ase (cdkshaae und sdhase)^ ferner ein 
e: ä8dd€f schliesslich auch ein tave: ydehtavtf Bher nicht eme einzige 
neue ihnen sonst unbekannte infinitivart. 



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368 Herrn. Brunnhofer, 

ist bekanntlich ein wahrer hexenkessel der abenteuerlichsten 
Wörter und formen. Wohl die schwierigste form dieses ent- 
setzlichen machwerkes war bisher der dualis turphdntü v. 6, 
sowie das unmittelbar darauf folgende turpMrt und das vorher- 
gehende jarbhdrt. S&yana sucht hinter turphdritü die angeb- 
liche Wurzel *furph mit dem angeblichen suffix *arUu, Aber 
beides, wurzel und suffix, sind gleich monströs und schwindel- 
haft. Was ist nun aber turphdritü und turphdri? Ich glaube, 
nichts anderes als *dur-hhdrUu, *dur-hhdri, wozu jarbhdrt nur 
die intensivform bildet. S. nachtrag 2 pag. 376. Vgl. dur-dhdritum 
fnitrdm Rigv. X, 20, 2 neben dur-dhdrtavah V, 87, 9. Wie nun aber 
turphdritü und turphdri zu übersetzen wären, weiss ich allerdings 
auch nicht. Man kann sogar alles ernstes die frage erheben, ob 
der autor von Rigv. X, 106 mit diesen, sowie noch andern Wör- 
tern seines raritätenmosaiks überhaupt irgend welchen klaren sinn 
verbunden habe, oder ob nicht am eiide gar die ganze mache 
auf eine schmähliche mystification hinauslaufe? In v. 4 begegnet 
uns zweimal eine feminine dativform yai, während im Rigveda 
sonst nur die masculine form aye vorkommt Diese formen 
bhujyai und turyai finden ihres gleichen nur im Yajurveda und 
der Br&hmanaliteratur. Dasselbe gilt von pushtyai v. 5. Auf 
die späte entstehung der K&^yapahymnen deutet auch das 
massenhafte verwenden der formen auf taye (3 formen an zu- 
sammen 7 stellen). Haben doch selbst die Väsishtha in ihren 
104 hymnen nur 6 Infinitive auf taye mit zusammen 11 stellen. 
Wenn nun in diesen sehr jimgen hymnen auch einmal eine 
sehr alte form wie fhägayddhyai zum Vorschein kommt, so wu-d 
man eben nicht fehlgehen, wenn man sie als aus älterem uns 
verlorenem hymnenmaterial entlehnt betrachtet. 

10. Die sukta der Agastya setzen anfanglich in erstaunen 
durch die unverhältnissmässig grosse anzahl von Infinitiven auf 
dhyai\ in 26 hymnen 4 formen. Haben doch die V&sishtha in 
ihren gerade 4 mal mehr suktas zusammen nur 6 formen an 
7 stellen. Das erstaunen weicht aber sofort, sobald sich heraus- 
stellt, dass von diesen 4 formen 3 den Bharadv&ja entlehnt 
sind, Tikvc^ich parUansayddhyai I, 173, 7 aus VI, 22, 7; iskay- 
ddhyai I, 183, 3 aus VI, 49, 5 oder VI, 64, 4 und mddayddhyai 
I, 167, 1 aus VI, 19, 6 oder VI, 22, 3. Nur sacddhyai I, 167, 5 
scheint den Ägastya eigenthümlich zu sein, wenn es nicht, nach 
analogie der drei andern formen, aus älterem, verlorenem 



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Ueber dialektspuren Im ved. gebrauche der infinitivformen. 369 

sprachgut, vielleicht auch der Bhäradväja, rein mechanisch in 
den Ägastyahymnus aufgenommen und eingefugt worden ist. 
Aehnlich verhält es sich mit den ose-infinitiven der Ägastya. 
Von 4 fallen 3 auf die herrenlose phrase dvase und der andere, 
jivdse, ist nicht minder phrasenhaftes allgemeingut. So verhält 
es sich mit dem einzigen exemplar einer infinitivform auf am: 
äsddam IX, 25, 6; so mit dhdrunäya X, 60, 8, welches den 
Gautama und Gaupäyana gehört; so auch mit den dativ- 
infinitiven auf e wie gubhe I, 167, 6; drige X, 60, 5 und ärdbhe 
I, 182, 7: alles herrenloses, beliebig herumliegendes sprach- 
material. Eigenthümlich scheinen nur die formen vdstos, 
abhigrävä'ya, lihdkshäya und wridhi, von 16 formen nur 4. 

11. Die spräche des Dirghatamas Aucathya zeigt 
ausserordentlich wenig individuell gestaltetes, nicht entlehntes 
infinitivmaterial. Von den dativinfinitiven aus dem wurzelnomen, 
deren er 2 zählt, ist hkuje herrenloses gemeingut, nur prayai 
scheint eigenthümlich. Die ase-formen sind sämmtlich lehngut: 
dhä'yase kommt bei den Ätreya 3 mal, bei den Ängirasa eben- 
falls 3 mal und bei den Eugika 2 mal vor; dohdse begegnet 
3 mal bei den Bharadvaja und jivdse wie dvase sind herren- 
loses gemeingut. Die form väpushe kehrt bei den Bh&radv&ja, 
Ätreya und Gautama wieder, ist also nicht des Dirghatamas, 
wohl aber wieder der inflnitiv prahoshe. Sämmtliche formen 
aus dem suffix tu: prdsktutn, ötavai, matavai sind eigengut, mit 
ausnähme der bei den E&nva und Ängirasa einheimischen in- 
ßnitiven yä'tave und dhd'tave. Die formen aus sufflx man sind 
ebenfalls wieder nicht des Dirghatamas produkt: vidmdne hat 
er von den Gautama, resp. Vämadevya, und dhdrma/ni, nach 
der analogie von sdvimani gebildet, wird er wohl ebenfalls von 
den Gautama haben. Dagegen ist sacdthäya wieder echt. 
Bei dieser form drängt sich einem die frage auf: warum braucht 
hier Dirghatamas nicht die form sacddhyai, die ebensogut ins 
metrum gepasst hätte, oder warum gebraucht umgekehrt nicht 
Agastya die form sacdthäya in I, 167, 5? Aber dem Dirgha- 
tamas ist allerdings die form -ähyai ebenso unbekannt wie dem 
Agastya die Infinitive auf -afhäya. — Alles andere infinitivische 
sprachgut des Dirghatamas ist beutestück: den Infinitiv vdräya 
hat er entweder von den Bh&radväja oder E&nva oder Uganas 
KAvya, die form jdräya von Gritsamada und einzig pöshäya 
scheint eigenlhum, wird aber in Wahrheit ebensowenig wie die 



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370 Herrn. Brunubofer, 

vorhergehenden formen in des Dirghatamas gärtchen gewachsen 
sein. Vollends formen wie vitdye mid sätdye wachsen hinter 
allen hecken. Von 19 Infinitiven nur 6 scheinbares eigenlhum 
des Dirghatamas. 

12. Noch ungunstiger gestaltet sich die bilanz über die 
infinitive des Kakshivant Dairghatamasa. Seine dhyai- 
formen hat er entlehnt: htwddhyai hat er von den Ätreya 
oder Bhäradv4ja und vdvridhädhyai von den Bh&radväja oder 
Nodhas Gautama. Dasselbe gilt von den infinitiven auf tave: 
pä'tave und sdrtave hat er von den Ängirasa oder Grit- 
samada. Die os^formen: jivdse und ävase sind herrenloses 
gemeingut. Dasselbe gilt ungefähr auch von väpushe, davdne, 
Sandy e mA pUdye. Den infinitiv ityai theilt er mit den Ängirasa. 
Von den 6 formen des dativs eines wurzelnomens gehört nur 
ndniie dem Kakshivant, die andern: gubhe, ishe, drigö, vridhd 
streifen nahe ans herrenlos allgemeine und vicdkshe hat der 
dichter von den Ängirasa oder von Gritsamada. Dem Kakshi- 
vant eigen ist der acc. des wurzelnomens bhdram und dann die 
infinitive aus suffix ana: wie dargdnäya, pdydnäya und der loc. 
turdne. Diese infinitivform ist aber, wie schon oben bei ge^ 
legenheit der infinitive der Bhäradväja bemerkt worden, ganz 
junger entstehung. Resultat: von 22 formen nur 5 eigenthümlich 
und darunter 3 von spätem Ursprung^). 

13. Der »gute« Parucchepa Daivod&si, wie ihn, nach 
meiner empfindung mit fug und recht, Aufrecht höhnt (Rigveda^, 
II, pag. XIX), zeigt, wie in seinen langweiligen poetereien, so 
auch in seinen infinitiven wenig individuelles. Von den dativ- 
infinitiven auf e sind bkuje und gt^he halbes allgemeingut, 
ddhrishe kommt von den Atreya oder Käjava und safncdkshe 
gehört den Väsishtha. Von den formen auf ase ist dvase herren- 
loses gemeingut und dhd'yase gehört den Atreya, Ängirasa und 
den KuQika. Von allen tew-formen scheint nur prdvantave 
eigenthümlich zu sein, b^egnet aber auch AtharvaXX, 75, 3; 
die andern: hdntave, völhave, sdrtave kommen mannigfach in 
den grossen liedersammlungen vor. Unter den infinitiven auf 

') Ich möchte mich sehr dagegen verwahren, dass ich aus diesem 
resultat den unberechtigten schluss zöge, Kakshivant Dairghatamasa sei 
desswegen, weil er seine infinitive entlehnt, nun zugleich auch ein poetischer 
Plagiator. Sein lied an die morgenröthe (I, 124) gehört zum herrlichsten, 
was es nicht nur im Yeda, sondern in allen literaturen gibt 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 371 

aye sind nur bhdrdkütaye und prdtärk^e eigenthümllch, die 
andern: ptidye, vitdye, sätdye, ishfdye streifen dicht an den 
Charakter des herrenlosen gemeinguts, gerade wie dävdne. 
Eigenthümllch sind ihm die Infinitive aus den suffixen an und 
ana: bhurvdm und dsanäya. Die form ahihdtyäya gehört zwar 
dem Parucchepa, doch ist sie weiter nichts als eine nachbildung 
des älteren dasytiihdtyaya oder vritrahdtyäya. Frappant wirkt die 
erscheinung der drei anderwärts nicht nachweisbaren infinitive 
auf dhyai: gamddhyai, irddhyai und rishayddhyau Wenn man 
aber beherzigt, was Zimmer in der note zu pag. 207 seines 
reichhaltigen buches über das altindische leben bezuglich der 
mosaikpoeterei des Parucchepa bemerkt, so erklären sich diese 
drei sehr alten formen innerhalb des liederschatzes eines so 
späten meistersängers wie Parucchepa's einfach aus dem be- 
streben, seinen empfindungsarmen machwerken durch aufnähme 
solcher halb vorweltlicher gebilde wie der infinitive auf dhyai 
den anstrich des urwüchsigen zu geben. Daher denn wohl auch 
die Verwendung einer so überaus merkwürdigen infinitivform 
wie Hshtdni, worüber aber weiter unten unter Qakapüta Nar- 
medha. Immerhin bleibt als ergebniss: von 22 Infinitiven des 
Parucchepa lassen sich nur 8 nicht anderwärts nachweisen. 

14. Auch die infinitive des Qunah^epa Ajigarti, unter 
welchem halb mythischen namen der Verfasser der lieder- 
sammlung von Rigveda I, 24 — 30 in der anukramanikä um- 
läuft, bieten wenig selbständiges. Den dhyairinümtiv vandddhyai 
hat er von Nodhas Gautama, bhuje und ärdbhe begegnen häufig 
in den älteren Sammlungen, von den ose-formen ist nur ksJiddase 
echt, jivdse dagegen gemeingut; von den Infinitiven auf tavai 
gehört nur ydmitavai dem ^unahgepa, dnvetavai hat er dagegen 
von den Väsishtha und das einfache etavai haben auch die 
Gautama, die Ängirasa und die Atreya. So ists mit den formen 
auf taye: nur ^tave ist eigenthümlich, doch treffen wir die 
formen 96tum bei den K&nva VIII, 19, 18 (allerdings nicht im 
infinitivischen sinne) und sdtos Rigv. X, 86, 1; dhä'tave find» 
wir auch bei den Ängirasa und pä'tave bei diesen und den 
Bhftrgava. Sämmtliche formen auf taye kommen auch ander- 
wärts vor, vdsyatshfaye speciell bei den Ängirasa und ütd^e wie 
ishfdye sind gemeingut. Dasselbe ist der fall mit sand^fe. Von 
14 Infinitiven bleiben dem Qunah^epa nur 3, sdtave noch ab- 
gezogen, nur 2 eigene formen. 



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372 Herrn. Brunnhofer, 

15. Vor allen kleineren dichtem des Rigveda dürfte sich 
^akapütaN&rmedha bald als der allermerkwürdigste heraus- 
stellen. Er gebraucht einen infinitiv, zu dem sich bis jetzt im 
ganzen Veda keine parallele gezeigt hat: es ist dies die form 
pupüUdni. Grassmann erschien dieselbe in seiner Übersetzung 
des Rigveda (bd. % pag. 498) so fremdartig, dass er des in 
hymnus X, 132 zugleich vorkommenden prabhüshmi wegen 
fragt, ob nicht gw^ *ptipü$häni zu lesen sei? Die frage ist aber 
sehr überflüssig, da alle handschriften pupütdni lesen und die 
form tani überdies durch das von einem infinitiv *ishtdni ab- 
geleitete participium fut. pass. bei Parucchepa Daivod4si I, 127, 6 
bestätigt wird. Vgl. oben unter dem verzeichniss der infinitive 
des Parucchepa. Man hat nun mit dieser locativen infinitiv- 
endung die altpersische infinitivendung tanmy, pazand und 
neupers. tan, dan, itan, idan verglichen (z. b. in ni-pishtanaitf, 
gleichsam: *nirpishfani = pahlavi n^isJUan, neupers. nibishtan, 
schreiben) und wie ich glaube mit recht, aber ohne zu ahnen, 
wohin diese vergleichung führe. Sie lässt aber allerdings die 
zuerst halb phantastisch klingende vermuthung aufdämmern, 
ob es denn am ende nicht möglich wäre, im Veda iranische 
dichter zu finden. So ungeheuerlich zunächst eine derartige 
divination aussieht, so überwältigend mehren sich die belege 
für deren richtigkeit. Schon der älteste indische grammatiker, 
Yäska, spricht indirekt von der nahen Verwandtschaft, wenn 
nicht identität, der spräche der östlichen Iranier und der 
Sanskrit-Arier, und Weber, der schon 1852 in seinen Vorlesungen 
über indische literaturgeschichte, pag. 169 (2. aufl. 1876 pag. 194) 
auf die tragweite der berühmten äusserung Yftska's über den 
gebrauch der wurzel gu bei den Kamboja aufmerksam machte, 
ist inzwischen nicht müde geworden, diese stelle immer von 
neuem wieder der weiteren beachtung zu empfehlen. Nun hat 
er in neuester zeit bei gelegenheit seiner edition und kritik der 
Magavyakti des Erishnad&sa Migra in den monatsberichten der 
Berliner akademie für Juni 1879, s. nachtrag 3 pag. 376, so viel 
neues material über das zusammenleben der Iranier und Inder zur 
Vedenzeit herbeigeschafft, dass die oben ausgesprochene ver- 
muthung, ob nicht geradezu dichtungen iranischer sänger im 
Veda zu wittern seien, hohe Wahrscheinlichkeit gewinnt Zu den 
von ihm entwickelten gründen reihe ich nun noch folgende, zu 
welchen, wie ich mich überzeugt halte, bald noch andere treten 



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Üeber dialektspuren im ved. gebrauche der infinilivformen. 373 

werden. Der Verfasser des liedes X, 132 ist nach v. 5 unzweifel- 
haft Qakapüta. Aber kann die bezeichnung: »vom mist ge- 
reinigt« name eines rishi sein? Es findet sich dazu kein ana- 
logon. Der name hat auch wahrlich nichts mit (dkrü, gökan 
(vgl. QokcHnaya) zu schaflFen, sondern ist prakritische abschleifung 
für ^xka^putra, der ^al^a-sohn! Man würde freilich zunächst: 
gakapuMa erwarten. Sollte es aber vielleicht gestattet sein, in 
der volksetymologischen oder bewusst sarkastischen umdeutung 
dieses prakritischen gakaputta in sanskritisches gaJcapüta die 
niemals gänzlich zum schweigen gekommene abneigung der 
orthodoxen Br&hmanen Hindostans gegen die dvijädhama des 
fernen Westens zu erkennen? Vgl. Weber, Magavyakti, pag. 459. 
Die anukramanik& macht nun diesen ^^kaputra zum Närmedha, 
vielleicht mit anlehnung an v. 7 von X, 132, wo Nrimedha 
erwähnt wird. Nrimedha ist aber ein Ängirasa. Wie prächtig 
stimmt nun das wieder zu der Stellung und bedeutung, welche 
die Angiras in der altindischen literatur einnehmen, wobei nur 
wieder an die von Weber hervorgehobene vedische bezeichnung 
des gürteis als ähgirast erinnert zu werden braucht. Vgl. Weber, 
Magavyakti, pag. 458, insbesondere note 4. Närmedha als söhn 
des Ängirasa Nrimedha bedeutet also im gründe nichts anderes 
als ^aJ^aputra. Er ist noch dazu ein zoroastrischer Verehrer 
des Asura (X, 132, 4), was bedarf es weiter? Es giebt noch 
einen andern iranischen dichter im Rigveda, der möglicher- 
weise mit ^akaputa sogar identisch ist. Es ist dies der, wie 
^akapöta, den Mitra und Varuna verehrende T&nva PÄrtha, 
dessen name, nur in umgekehrter Wortfolge, dasselbe besagt wie 
Qakaputra. Auch kennt er den halbiranischen infinitiv auf 
sani: zu Qakapüta's prabhüshdni (X, 132, 1) stimmt sehr schön 
T&nva Pärtha's güshdni X, 93, 1. Die infinitivform sani kehrt 
aber wieder im Pahlavi und Päzand, wo nomina actionis, 
participia fut. pass. und Infinitive auf ashn, ashni massenhaft 
gebildet werden*): so z. b. wird der zendische inüniliY jaidyäi 
Ya^na XXXII, 14 in der Huzvaresch-übersetzung wiedergegeben 
durch mnashn, von w. zan = zend, jan = skt, han. S. Justi, 
handbuch der Zendsprache, pag. 116 unter w. ^ jL Femer 
West, Sketch of a Pazand Grammar § 67 in seiner edition 
des Mainyo-i-Khard, pag. 248. Ist es nun, nachdem im vorher- 



') Zuerst hat hierauf Weber hingewiesen, Indische Streifen % 459 (1861). 

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374 Herrn. Brunnhofer, 

gehenden die höchste Wahrscheinlichkeit für den iranischen 
Ursprung des dichters Qakapüta gewonnen worden ist, nicht 
wahrhaft sprechend, wenn in seinem hymnus X, 132 die 
2 infinitivformen begegnen, welche für das mittel- und neu- 
persische die einzigen arten geblieben sind? Und sollte nicht 
auch das räthselvoUe metrum von X, 132 iranische, d. h. an- 
klänge an den Yatjna erkennen lassen ? S. nachtrag 4 pag. 376. 
16. Ich erlaube mir nun, zum Schlüsse dieser statistisch 
vergleichenden Untersuchungen über das relative alter der ver- 
schiedenen liedersammlungen des Rigveda, an der band ge- 
wisser infinitivarten, die ich mir gleichsam als leitmuscheln 
die altersschichten zeigen lasse, eine chronologische reihenfolge 
der acht grossen anthologien vedischer dichtung aufzustellen. 
Dazu dienen die formen dhai und ^lyai, um nach dem grade 
ihrer häufigkeit das höhere alter, und die formen e, ose, tum, 
taye, tyai, insbesondere aber taye, tyai, um nach ihrem reich- 
licheren auftreten die spätere entstehung oder Überarbeitung 
der bezüglichen liedersammlungen anzunehmen. Die formen 
dhai und dhyai kennzeichnen die älteste und beste zeit der 
Mantraperiode, während die endlose Wiederkehr der infinitive 
auf taye, tyai, twn *) als erkennungszeichen für die Br&hmana- 
sprache gelten darf. Nach diesem massstabe nun ordnet sich 
mir die reihenfolge der liedersammlungen chronologisch also: 
I. Gautama. V. Vai(jvämitra. 

IL Bhäradväja. VI. Bh&rgava. 

III. Väsishtha. VII. Ängirasa. 

IV. Ätreya. VIII. K&nva. 



Nachträge. 

1. Zu pag. 363 oben. Das verhältniss zwischen den Gautama 
und den Bhäradväja bezüglich ihres reichthums an Infinitiven 
auf -dhyai stellt sich für die Gautama noch weit günstiger, 
wenn man erwägt, dass sich in mandala IV das vorkommen 
der dÄyai-infinitive gänzlich auf die ersten 44 sükta beschränkt, 
während die sükta IV, 45—58 eine eigenthümliche, jedenfalls 

') »Am zahlreichsten sind (im Qatapatha-Brähmana) die Infinitive auf 
(um.« Delbrück (und Windisch) syntaktische forschungen bd. 3 pag. 33. 



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Ueber dialeklspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 375 

jüngere Sammlung bilden, in welcher sich nur die Infinitive auf 
-am, -e, tavai, -mane, -mani, -taye, loc. -awe, -äya, -athäya, -ydya 
vorfinden. Aber mit den alten Gautamalledem stimmt dann 
diese zweite Sammlung wieder überein in ihrer armut, resp. 
vollständigen unbekanntschafl mit den Infinitiven auf -ose, von 
welchen die erste Sammlung der Vämadevahymnen (IV, 1 — 44) 
eine geringere anzahl eigenthümlicher formen besitzt, als jede 
andere liedersammlung des Rigveda. 

Zur alterschärakteristik der d%ai-formen, resp. der sükta, 
in welchen diese vorkommen, dient übrigens auch der merk- 
würdige umstand, dass sämmtliche dAyai-infinitlve der Gautama, 
die des Vämadeva wie die des Nodhas, nur in Indrahymnen 
begegnen, mit einziger ausnähme des hymnus IV, 2, 1, welcher 
den Charakter eines Vifvedevaliedes trägt, da ausser Agni (der 
übrigens v. 4 noch als Asura gepriesen wird) auch Aryaman, 
Mitra, Varuna, Indra, Vishnu, die Marut und A^vinau ange- 
rufen werden. Aufifallenderweise stimmt nun damit wieder, 
dass sämmtliche rfÄyai- formen der Ätreya nur in ViQvedeva- 
hymnen stehen. Letzteres gilt auch von der mehrzahl der 
dAyai-formen der Väsishtha. Die Bhäradväja dagegen haben 
mit den Gautama dann wieder das gemein, dass ihre ähyai- 
infinit ive vorzugsweise in Indrahymnen auftreten. Nun müsste 
man nach der anzahl der c2%yai-formen , deren das lied des 
Nodhas Gautama I, 61 aHein drei enthält (vävridliddhyai, van- 
dddhyai, carddhyai), folgerichtig diesen hymnus auf Indra als 
den ältesten des Veda betrachten und weitere anhaltspunkte 
für das hohe alter von I, 61 ergäben sich auch aus dem mytho- 
logischen material desselben. Ich erinnere nur an den v. 7 
angedeuteten diebstahl des Vishnu, welchen dieser gott, bei den 
trankopfern von Indra's mutter, am Soma begieng (asyed u 
mätüh sdvaneshu sadyö- mahäh pifüm papivd'ü cffrv ännd \ 
mushdydd vishnüh pacatdm). An alterthümlichkeit wetteifert 
aber mit diesem Gautamalied auf Indra der Bhäradväjahymnus 
VI, 67 auf Mitra- Varuna, der ebenfalls nicht weniger denn drei 
ä%2(ai-formen zugleich birgt (vdvridhddhyai, bharddhyai, prindr 
dhyai) und durch noch urwüchsigere rohheit sich auszeichnet 
(v. 7: ta vigrdtn dhaithe jathdram pritiddhyai . . . . »d tnrisJ^ 
yante yuvatdyö 'vätä . .). 

Eine eigenthümliche erscheinung ist es auch, dass von den 
62 dÄyat-formen (resp. stellen) des Rigveda mehr als ^Vn> 



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376 Herin. Brunnbofer, 

nämlich volle 57, nur im Irishtubhmetrum vorkommen. Die 
übrigen, offenbar jüngeren, fünf dhyal-siellen vertheiien sich 
auf folgende metra: Q^nahgepa Ajigarti I, 27, 1 vanddcßhyai 
in gäyatri; Parucchepa Daivodäsi I, 129, 8 rishayddhyai in 
ati(akvari; I, 134, 2 irädhyai in atyashti; Näbhäka Känva 

VIII, 39, 1 yajädhyai in mahäpankti; Tryaruna und Trasadasyu 

IX, 110 tarädkyai in anushtubh pipflikämadhyä. 

2. Nachtrag zu pag. 368. Schon Benfey hat (1879) in 
seiner abhandlung: »Ueber einige Wörter mit dem bindevocal 
t im Rigveda«, pag. 25 eingesehen, dass »in dem sehr dunkeln 
Worte« wenigstens turphär-ttü zu trennen ist, obwohl er das 
wort noch nicht als ein compositum von duÄ erkannte, 

3. Nachtrag zu pag. 372. Auch neuerdings wieder hat 
Weber in der abhandlung »Ueber zwei parteischriften zu gunsten 
der Maga, resp. Qäkadvipiya Brähmana« in den monatsberichten 
der Berliner akademie für Januar 1880 bezügliches materi^al 
zusammengestellt, vgl. z. b. pag. 48. 

4. Nachtrag zu pag. 373. Sollte sich nicht in den qakä 
(makshikoj vgl. Zimmer, altind. leben, pag. 99) des Yajurveda 
vielleicht ebenfalls eine ironische verwerthung des volksnamens 
der 9^ka vermuthen lassen, so dass Qakd, nach analogie 
der alemannischen bezeichnung der schaben als Schwaben, im 
hinblick auf die verhassten ^aka, aus mofoJca, moskito, heraus- 
etymologisirt wäre? — Den iranischen Ursprung ^akapüta's ver- 
räth dann aber aufs unzweideutigste die form dadvä'n v. 3, 
welche, wie das metrum zeigt, als daduvan zu lesen ist. Eine 
Wurzel du giebt es aber nur im Zend, wo sie mehrfach vor- 
kommt (vgl. Justi, handb. der Zendspr., pag. 157). — Femer 
ist für den iranischen Ursprung Qakapüta's ein sprechender 
beweis, dass Säyana den voc. aswra v. 4 ganz im zarathustrischen 
sinne, d. h. also aus uralter tradition heraus, mit tamasah 
kshypaka wiedergiebt, sodass wir demnach im asura den reinen 
Ahura Mazda anzuerkennen hätten, dessen parallele der in dem- 
selben verse gepriesene Varuna wäre (tvdfri vigveshäm varunäsi 
rä'jä). Vers 4 ist überhaupt nur aus iranischen Vorstellungen 
heraus zu begreifen. Ludwig übersetzt die stelle: asd'v anyö 
asura süyata dyaüs tvdm vigveshdm vdrundsi rä'jd »auch jener 
andere Asura ward von Dyaus geboren, du Varuna bist könig 
über alle«. Grassmann: »Auch jener andere, o höchster gott, 



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Ueber dialektspuren im ved. gebrauche der infinitivformen. 377 

wurde geboren vom himmel,« Nun erhebt sich zunächst die 
frage: woher schöpfen Ludwig und Grassmann das recht, den 
klaren nominativ dyaüs als ablativ zu übersetzen? Geschah 
dies im hinblick auf das Zend, wo gar nicht selten der nomi- 
nativ im sinne des gen. abl. steht (vgl. Justi, handbuch der 
Zendspr., pag. 387, §.517)? In diesem falle würde natürlich 
in einem nom. dyaüs für gen. abl. divds ein neuer beleg für 
den iranischen Charakter des ^akapülahymnus gewonnen sein. 
Uebersetzt man aber dyaüs^ was es ist, als nominativ, so lautet 
die stelle so: »(Auch) jener andere, o Asura, wurde als Dyaus 
geboren, (aber) du, o Varuna, bist könig über alles.« Welches 
könnte nun wohl »jener andere« als »himmel« geborene sein, 
wenn nicht der »andere« im sinne der altpersischen keil- 
inschriften nach Oppert's entdeckung, nämlich der (Änra)fnainyu, 
der Widersacher des Ahura Mazda, des Asura Varuna, von 
welchem es, was eben nur im gegensatze zu »jenem andern« 
einen sinn hat, heisst, dass er könig über alles sei? Unsere 
stelle böte in dieser aufifassung den erwünschten beleg für die 
angäbe Herodot's I, 131, die Perser verehrten einen himmels- 
gott : Tov xvxXov navxa xov ovgavov Jia xaXiovrsg. — Mainyu 
und dyaüs entsprächen sich vollständig (vgl. Justi im handb. 
der Zendspr. unter 1 mainyu pag. 220). Und dass auch die in- 
dische tradition unter dem anya von X, 132, 4 den Anra 
Mainyu verstand, ergiebt sich entscheidend aus Säyana's er- 
klänmg des asura als Ahura Mazda, nämlich als tamasah 
kshqMka. 



8ohli288bemerkting. 

Während des druckes dieser drei bogen hat sich mir über den Zu- 
sammenhang der indischen und iranischen Arier während der Vedenzeit 
so viel neues material ergeben, dass ich dasselbe, mit Zugrundelegung der 
hierin bahnbrechenden forschungen meines hochverehrten lehrers Weber, 
demnächst als besondere abhandlung veröfTentlichen werde. 

Aarau, 9. mai 1880. 

Hermann Brunnhofer. 



ZeltachriA fUr yergl. Spnchf. N. F. V. 4. 25 

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378 Karl Geldner, 

Uebersetzungen aus dem Avesta, 

HL Jasht 6. 6; Vend. 18. 

Jasbt 5. An Ardv! ^üra Anähita. ArdTi ist nach meiner 
aufifassung ursprünglich ein grosser ström in der heimat der 
alten Zoroastrier, der im gebirge Hukairja entspringt und in 
den see Vourukasha mündet, vgl. Jt 5, 3. 4. 96 und Visp. 
1, 5. Vd. 2, 22; 7, 16. Diese Ardvi wird aber unter dem namen 
Ardvi Qüra Anähita d. i. die hilfreiche^) lautere oder jung- 
frauliche*) Ardvi zu einem göttlichen wesen erhöht. Durch 
unsichtbare unterirdische canäle, welche von ihrem Strombette 
aus sich über die ganze erde verzweigen, speist sie von ihrem 
vorrath alle flüsse und seen mit wasser § 4. 5. 15. 101; sie 
ist der urquell aller irdischen gewässer. Zugleich aber wird 
Ardvi auch am himmel, jenseits der sonne, wo sie von aller 
irdischen befleckung unberührt bleibt, fliessend gedacht — 90 — 
und von dort sendet sie regen, schnee und nebel auf die erde. 
120. Insofern ist Ardvi die besondere iranische ausprägung des 
vedischen gedankens von dem aus dem reiche des lichtes ohne 
unterlass auf die erde herabrinnenden wasser. Personificirt 
wird Ardvi als eine mit aller pracht und Schönheit ausgestattete 
Jungfrau geschildert. 

Die disposition unseres fast durchgehend metrisch gefassten 
Jasht ist in der ersten hälfte bis § 89 durchsichtig und folge- 
richtig. Der Jasht beginnt mit einer allgemeinen Charakteristik 



^) Das wort güra ist im Zend schwer zu deÜDiren, es deckt sich in 
seinen bedeutungen durchaus nicht ganz mit skr. i^ra; bald bedeutet es 
fest, sicher z. b. in unserem Jt. gürem nmänem 5, 38. 101 ein befestigtes 
haus, schloss, castell; ebenso in gaoQÜra d. i. gavagwra Jt. 17, 8; 24, 9 
vom hause = durch wall und graben befestigt, verschanzt (gixwi = np. ga» 
locus profundus, scrobs, fovea). Andererseits scheint in QÜra die beson- 
dere bedeutung der wz. gu im Zend durchzusehlagen. Nützen, wie man 
gu gewöhnlich definirt, ist viel zu schwach; es bezeichnet das thatkräftige 
helfen, vorwärtsbringen, fördern, med. wachsen, gedeihen, gura scheint 
demnach vielfach »hilfreich« zu bedeuten; ebenso ist Qaoka nicht »nutzen« 
sondern »förderung, wolfahrt«. 

*) Beide bedeutungen scheinen in anähüa zu liegen, vgl. np. nahid 
hedeut. 2) hei Vullers (mannbare Jungfrau). 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 379 

der Ardvi 1 — 6; ihre geburt und erstes auftreten 7 — 15. 
Daran schliesst sich die aufzählung einer langen reihe von 
mythischen huldigungen und bitten an Ardvi, welche sie je 
nach der Würdigkeit des bittenden erhört oder abweist. Ahura 
Mazda selbst wird zuerst unter den bittenden genannt 17. Ihm 
schliesst sich eine anzahl von heroen an, deren aufeinander- 
folge bis § 53, von einigen auslassungen abgesehen, der 
dynastenfolge des Shäh Nämeh parallel geht; nämlich Husheng 
(21), Dschem (25), Dahäk (!29), Fredün (33), Kershasp (37), 
Afräsiäb (41), Kai Käus (45), Kai Khosrav (49), Tüs (53). 
Die entsprechenden namen von Tahmurath, der Jt. 15, 11 
an richtiger stelle steht, von Manoshcihr, Naudar, Zav und 
Kaiqobäd fehlen in dieser reihe. Die von § 57 an aufge- 
zählten namen finden sich* im Shäh Nämeh entweder gar nicht 
oder in abweichender chronologischer folge. — Der schluss der 
ersten hälfte schildert die mission der göttlichen Ardvi auf 
erden 85 — 89. — Von § 90 an lässt sich kein fortlaufender 
Zusammenhang der gedanken in unserem Jasht statuiren. Es 
sind meist fragmente angesammelt: das himmlische flussbett 
der Ardvi und ihre Opfer 90—93. Was von den opfern, die 
ihr andersgläubige menschen weihen, also von dem ausserira- 
nischen cult der Ardvi zu halten sei 94. 95. Die verschiedenen 
Schlösser, welche sie besitzt 101 — 103. Ihre rosse 120. Da- 
zwischen sind wieder die bitten verschiedener beiden der vorzeit 
um irgend eine gnade nach der gewöhnlichen Schablone ein- 
geflochten. Erst gegen ende des Jasht kommen wieder zwei 
grössere in sich zusammenhängende stücke vor, die Schilderung 
von Ardvi's persönlichkeit 123 — 129 und gebet eines fürsten 
an Ardvi 130—132. 

1. Es sprach Ahura Mazda zum ^pitama Zaralhustra: 

»Du sollst, ^pitama [Zarathustra ^)] meine 

jungfräuliche hilfreiche Ardvi anbeten, 

die breitflächige*) heilkräftige 

teufelfeindliche dem Ahura getreue 

den menschen verehrungswürdige 

den menschen preisenswerthe 



*) Die Worte earathustra jäm sind im metrum zu tilgen. 

«) fräka in perethufräka zu frd = ^ pari »Oberfläche, Spiegel eines 
wassere«. Dasselbe epithelon wird Jt. 10, 64 von der daena gesagt: ober 
eine weite fläche verbreitet, weit ausgebreitet. 

25* 



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380 Karl Geldner, 

dem wilde ^) gedeihliche fromme 
den herden gedeihliche fromme 
dem hausstand gedeihliche fromme 
den fluren gedeihliche fromme 
den Stämmen gedeihliche fromme. 

2. Welche allen männern den samen 
und allen frauen 

die leibesfrucht zur geburt zubereitet, 

und [allen frauen] zu glücklicher geburt^) verhilft; 

und allen frauen 

rechtzeitig milch schafft'). 

3. Die gewaltige aus der ferne vernehmbare, 
welche ebenso gross ist 

als alle gewässer, * 

welche auf erden fliessen, 

sie die mit wucht 

vom berge Hukairja 

in den see Vourukasha sich ergiesst. 

4. Es schäumen alle ränder 
[im see Vourukasha*)], 

es schäumt die ganze mitte auf, 

wenn hineinströmt, 

wenn hineinsprudelt 

die jungfräuliche hilfreiche ArdvT. 

Welche*^) tausend rinnsale 

und tausend abflüsse hat, 

und jedes dieser rinnsale 

und jeder dieser abflüsse 

ist vierzig tagereisen lang 

für einen gutberittenen reiter. 

5. Und der ausfluss dieses 

einen •) gewässers verzweigt sich 



^) Es ist aidhjüfrädhana statt ädhüfrädhana zu vermuthen. 

*) hueämito scheint ablat. adv. vom subst. huzämi (Jt. 5, 87) zu sehi, 
vgl. qtxtö = svataa. 

•) Zum metrum vgl. metrik d. j. Av. s. 113. 

*) Verdächtig wegen der fehlerhaften formen. 

») Die masculine form jenhe (ebenso § 13. 15. 120) anstatt jenhäo be- 
weist, dass die betreffenden stellen ursprünglich einem anderen von einem 
männlichen wesen handelnden stücke entlehnt sind. 

*) mi ist zu streichen, ebenso unten jäis und das zweite ha. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 381 

in alle sieben erdtbeile; 

und fliesst^) von diesem einen 

gewässer gleichmässig ab 

sommers und im winter. 

Und sie bereitet mir die wasser, 

sie den samen der männer und der 

weiber leibesfrucht und milchte 

6. »Ich^) Ahura Mazda bringe 

den regen hervor') zum gedeihen 
[des hauses und dorfes, gaues und landes, zum schütz und 
schirme, zur aufsieht und obhut und schirmung]. 

7. Und es ging, o Zarathustra, 

die jungfräuliche hilfreiche Ardvi 

vom Schöpfer Mazda hervor: 

schön waren ihre arme; 

auf rothen rossen stark*) 

und schön, o Qpitama, 

rüstig und kraftarmig erschien sie^) 

also im herzen sinnend: 



^) Subjekt ist apaghshärö. 

*) jdun ist sinnlos, fehlt auch in P 13. 

*) Zu den bei Westergaard aufgezählten Varianten, unter denen der 
berausgeber das dunkle huBva/rma gewählt hat, kommt noch die lesart 
von P 13 hciza vären. Hier ist wenigstens das letzte wort leicht zu ändern 
und leitet auf den ursprünglichen Wortlaut. Als solchen vermuthe ich ug 
varem [us] baire fradathäi, \ Das zweite ug ist wie häufig falsche Wieder- 
holung des ersteren. Zu üz-bar vgl, Vd, 20, 4. Auch sonst ist im wort- 
anlaut bisweilen ein unberechtigtes h geschrieben, z. b. J. 32, 13 hishasat 
für ishasty J. 53, 4 hanhu für anhu (der verstümmelte päda ist etwa so 
zu emendiren numanhd vanhius qi^ivat-ahüm vidus Mazda bestimmte dem 
gerechten »das himmlische leben des frommen der weisec), Vd. % 25 
hathra statt athra (V. 1.), Jt. 14, 20 hishvavoQma (als compositum zu 
schreiben) für ishoava^a d. i. ishuvagman »pfeilflug«. Im letzten beispiele 
haben wir einen neuen fall von misslungenem versuche die laute uv in 
der Schrift auszudrücken. Die nämliche mangelhafte Schreibung erklärt 
Jt 7, 5 vohüäviMem d. i. vohuva^em = skr. vasuvantam. 

*) Die lesart aopö^tac^jehU (vgl. Jt.8, 5) ist anstüssig; wegen des femin. 
lässt es sich nicht mit bägva construiren. Ich vermuthe, dass die Com- 
Positionsglieder falsch verknüpft seien und lese: awruahdgpa ^tacjehi, \ 

■) Auch hier ist der text nicht in Ordnung. Zu frä fehlt das verbum 
und Boosha gibt keinen sinn, wie Spiegels Übersetzung der worte zeigt. 
Es hat vermuthlich ein ursprüngliches prädikat — etwa ein nochmaliges 
MiQa^ oder ein gaoshat (aor. von eu) — verdrängt. 



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382 ^^^^ Geldner, 

8. »»Wer wird mir iobsingen, wer opfern 
[mit opfergaben von haoma und milch, die man richtig zu- 
bereitet und die erforderliche zeit hat stehen lassen^)]? 

Wem soll ich anhängen, 

der mir anhängt und willig*^) 

gehorsam und zugethan ist?«« 



9, Um ihrer macht und hoheit willen 

will ich sie mit lautem spruche, 

mit richtigem spruche verehren 

und mit opfergaben die gerechte 

jungfräuliche hilfreiche Ardvi. 

So sollst du in anrufungen gepriesen, 

so sollst du hochverehrt sein, 

jungfräuliche hilfreiche Ardvi. 
10 = 1 «). 
II, Welche zuvorderst auf dem wagen fährt 

und die zügel des gespanns*) hält 

auf ihrem wagen fahrend, 

während sie sich nach dem menschen sehnt 

also im herzen sinnend: 

»Wer wird mir lobsingen?« (u. s. w. wie in 8). 
13. Welche vier Zugpferde hat 

alle weiss und von gleicher färbe 

von gleicher rasse, grosse, 

die aller feinde 

anfeindungen überwinden 

der teufel und menschen 

der Zauberer und hexen 

der tyrannen Kavi und Karpan*). 
15. Die gewaltige fürstliche hehre schön gewachsene, 

von welcher tag und nacht 

Zu pairi(a)nhar8ta ist zu vergleichen dahmapairüAarsta »was wäh- 
rend der Dahmacerimonie (wie es scheint einer art weihspruch) dagestanden 
hat. Auch pairmharata bedeutet demnach vielleicht kurzweg »geweiht«. 

^) anamana zu ä-nam, fräranha vielleicht zu fra-ar, 

') § 1 wird zu anfang eines jeden grösseren abschnittes wiederholt. 
Im folgenden ist derselbe in der Übersetzung weggelassen. 

*) väaha bezeichnet auch sonst das ganze gespann, z. b. Jt. 10, 68. 

^) Es will noch nicht gelingen aus den Gäthäs genau zu definireD, 
welche bestimmten individuen Kavi imd Karpan bezeichnen. 



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UebersetzuDgen aus dem Avesta, 333 

die wasser abfliessen^), 
nämlich alle die gewässer, 
welche auf erden strömen; 
sie die mit gewalt hervor strömt. 



17. Ihr opferte — der Schöpfer Ahura Mazda 
im arischen heimatland 

an der guten D&itja 

[der 2) mit haoma milch und opfergras 

und mit beredtem spruche 

mit [wort] werk und opfergaben 

und aufrichtigen Worten . . ,] 

18. Und er bat'): »Diese gnade 
gewahre mir liebe hilfreichste 
jungfräuliche helfende Ardvi: 

dass ich den söhn des Pourusha^pa 

den frommen Zarathustra 

gewinnen möge 

an die lehre zu glauben 

sich zu der lehre zu bekennen 

nach der lehre zu handeln, c 

19. Es gewährte ihm diese gnade 
die jungfräuliche hilfreiche Ardvi, 

die dem opferbringenden rechtschafifenen 
beter alsbald gnade erweist*). 

21. Ihr opferte') — Haoshjanha der ersterschaffene 
am fusse der Hara 

[hundert hengste tausend rinder zehntausend stäck kleinvieh ^]. 

22. Und er bat: »Diese gnade 
gewähre mir liebe hilfreichste 
jungfräuliche helfende Ardvi, 

Vgl. metrik d. j. Av. s. 106. 

«) Wenn das relativum j6 richtig ist — und es wird durch das metrum 
gesichert, während es in P 13 fehlt — so ermangelt der satz eines ver- 
bums. Die Worte scheinen ein anderswoher entnommenes bruchstück zu 
sein; vgl. Jt. 3, 18 wo derselbe satz ganz in der luft schwebt. 

*) Mm ist im metrum zu tilgen. 

^) Die Worte avat und gaühjaSUdi fallen heraus. 

*) Vgl. metrik d. j. Av. s. 119. Die tilgung von vier anderen silben, 
hier also von pa/radhdtö geht nicht an wegen § 29. 33. 

*) Spätere prosazuthat. 



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384 Karl Geldner, 

dass ich zur höchsten herrschaft 

über alle länder gelange: 
[über teufel und menschen — zauberer und hexen — tyrannen 
Kavi und Karpan^)]; 

und dass ich zwei dritlheile 

der mazanischen und varenischen 

dämonen erschlage 2)«. 
23. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaflfenen — 
beter alsbald gnade erweist*). 

25. Ihr opferte — der reiche fürst Jima 

vom bei^e Hukairja 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück klein vieh]. 

26. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, — dass ich zur höchsten 
herrschaft — über alle länder gelange — [über teufel und 
menschen — zauberer und hexen — tyrannen Kavi und 
Karpan, — ] 

dass ich vor den dämonen*) 
besitz und wolfahrt 
fruchtbarkeit und herden 
freude und ehre*) rette.« 

27. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche hilf- 
reiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaflfenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

29. Ihr opferte — der dreirachige drache Dahäka 
in der landschaft von Bawrl 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
30. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 
dass ich die menschen vertilge 
in allen sieben erdtheilen«. 



») Unpassender formelhafter zusatz. 

^) druvatäm zu streichen. 

') Bei blossen Wiederholungen ist die verstheiiung durch — - angedeutet 

*) Nach dem metrum sind entweder drei silben ausgefallen oder die 
Worte abzukürzen in jatha uzbarä daevaeibjö. | 

*) pragagti wie skr. pragasti = rühm, ehre; vgl. J. 49, 7 (citirt Jt. 
17, 46) ß iferezenäi vamhim dät froQagttm »der der gemeinde guten ruf 
verschaffe«. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 385 

3L Nicht gewährte ihm diese gnade 

die jungfräuliche hilfreiche Ardvi^). 
33. Ihr opferte — der söhn aus Äthwja's geschlecht 

aus dem heldengeschlechte, Thraetaona 

in dem vierseitigen Varena 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
34. Und er bat sie: »Diese gnade — gewähre mir liebe 
hilfreichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich den drachen Dahäka erlege ^) 

den mit drei rächen, drei schädeln, 

sechs äugen, tausendfach gewandten ^), 

überstarken, einen teuflischen plagegeist, 

den menschen verderblichen, argen, 

den gewaltigsten plagegeist, 

welchen der böse geist geschaffen hatte 

wider die menschheit 

um die leute des gerechten zu verderben; 

und dass ich als sieger 

als helfer und rächer*) die errette'), 

welche zur fortpflanzung •) von körper am schönsten 

und für die menschheit am nützlichsten sind'').« 

Metrisch etwa: noU dathat avat äjaptem \ ardvt u. s. w. 

*) Das metrum ist nicht intakt; ob j(U aiwivanjätn dahäkem |? 

*) Die ursprfingliche bedeutung von jaokhsH scheint mir zu sein »das 
sich — fügen, sich anschmiegen, gewandtheit, beweglichkeitc. Dass jaosti 
J. 38, 2; 68, 21 damit durchaus identisch sei, gilt mir doch nicht fQr ganz 
ausgemacht, ob zu jug? 

*) In ^vakhävaea (nach dem metrum gavanhpäca vgl. die var.) und 
erenaväca sehe ich nominative des singular, von gavanhvan und erenavan, 
zweien secundärbildungen aus gavanh und erena mit sufT. van. Skr. würde 
*gava8V<in entsprechen und entspricht nur mit abweichender bedeutung 
fnavan. 

■) OS wörtlich: forttreiben, ab beute entführen. 

*) Es ist hen zu tilgen und scuäUie dreisilbig zu lesen, also entweder 
gcLMäHje oder, was mir weniger wahrscheinlich dünkt, mit Streichung der 
reduplikation sdiUi. Dieses zazäiti oder eäiti führe ich auf 1 zan zurück. 

^) Nur ein nom. plur. abdötema^ superl. zu abda, ist verständlich. 
Dieses abda stelle ich mit np. abdän aptus, dignus zusammen. Das passt 
auch Jt 19, 10 vortrefflich: pouruea vohuca pouruca Qriraca pouruca 
ahdaca pouruca firashaea »die vielen guten, die vielen schönen, die vielen 
tüchtigen, die vielen folgsamen (geschöpfe)«. Zugleich ist diese zusammen- 



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ggg Karl Geldoer, 

35. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche hilf- 
reiche Ardvi — die dem c^ferbringenden rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

37. Ihr opferte — der muthige Kere^ä^pa 
hinter dem see Pigananh 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 

38. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich über den Gandarewa 
Goldfuss meister werde 



Und dass ich die feste bürg 

des bösewichts in der gepfadeten 

runden fernhinreichenden (erde) erstürme.« 

39. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi — di^ dem opferbringenden rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

41. Ihr opferte — der VCTderbliche Tüirja Frahragjan 

in einer höhle in der erde 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
42. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich die berühmtheit erreiche, 

[welche das hecken des sees 

Vouruka^a trägt], 

welche den arischen stammen 

gebornen und zukünftigen 

und dem gerechten Zarathustra eigen ist.« 

Stellung eine willkommene stütze fflr die früher von mir versuchte glelch- 
stellung von z. abda see, wassermasse (Vd. % 24) mit np. äbdän. — Dahäka 
ist bereits an unserer stelle, wie in der späteren sage, als wirklicher herr- 
scher gedacht. Thraötaona will die würdigsten der xmter seiner herrschaft 
schmachtenden menschen befreien. 

*) Die Worte des textes sind unverständlich; sie sind entweder eine 
sinnlos interpolirte Wiederholung einer früheren stelle; oder aber die re- 
miniscenz jener worte hat bei der bekannten nachiassigkeit der abschreiber 
einen ähnlich klingenden Wortlaut verdrängt. Im letzteren falle wäre etwa 
zu vermuthen: upa j6 gaMa (P 13 jao eanta) karana | grajanhö vowru- 
Jtaahahi »welcher die ufer des sees Vourukasha ver^)errte«. Eine sichere 
entscheidung ist nicht möglich. 



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UebersetzuDgen aus dem Avesta. 3g7 

43. Nicht gewährte ihm die gnade 

die jungfräuliche hilfreiche Ardvi. 
45. Ihr opferte — der reisige kräftige Kavan Us 
vom berge Erezifja 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
46. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir, liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, — dass ich zur höchsten 
herrschaft — über alle länder gelange — [über teufel und 
menschen — zauberer und hexen — tyrannen Kavi und 
Karpan].« 47. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräu- 
liche hilfreiche Ardvi — die dem opferbringenden recht- 
schaffenen — beter alsbald gnade erweist, 

49. Ihr opferte — der herzog und einiger der arischen 
Stämme zu einem reiche, Hugravanh 
hinter dem see Caecasta 
dem tiefen breitflutigen 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stuck kleinvieh]. 

50. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, — dass ich zur höchsten 
herrschaft — über alle länder gelange — [über teufel und 
menschen — zauberer und hexen — tyrannen Kavi und 
Karpan]. 

Dass ich von allen gespannen 
das vorderste zum laufe treibe 
auf der langen rennbahn ^), 
imd nicht das geleis') einschneide, 
wenn der muthige bösewicht*) 
im rosslauf mit mir wettstreitet.« 

51. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

^) Vgl. metrik d. j. Av. s. 105. 

*) reuswra glaube ich im np. rageh »vestigium« wiederzuerkennen. Die 
grundbedeutung von razurfi wäre demnach »radspur, geleisc; dann über- 
tragen: »eingeschnittenes terrain, hohlweg, schlucht, fauces oder grübe«; 
vgl. Vd. 13, 8 vojötaroQca hvö urva \ paräiti paröa^i anuhe \ jatha vehrkö 
Vßjö tuiU I dramne bareeüte razuire \ »noch angstvoller (zu wz. v%) geht 

seine saele ins jenseits, als in einem tiefen hohlweg ein wolf sich 

ängstigt«. 

') fiatrtmando, wie ich vermuthe, kann acy. oder n. pr. (»der geßlhr« 
liehe Nariman«) sein. 



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388 Karl Geldner, 

53. Ihr opferten — - die gewaltigen ritter Tu?*) 
auf dem rücken ihrer pferde 

und baten um raschheit für ihre gespanne 

und um heilen leib, 

und um Wachsamkeit vor angreifem 

um abwehr der feinde 

und um gänzliche Vernichtung ihrer gegner 

Widersacher und angreifer. 

54. Und er bat: »Diese gnade 
gewähre mir, o liebe hilfreichste 
jungfräuliche helfende Ardvi, 
dass ich meister werde 

der reisigen söhne des Vae^ka^) 

im schlösse KhshathröQaoka, 

dem mächtigsten in dem hochgel^enen 

frommen Eanha; 

und dass ich morde * 

in den turanischen ländern 
[zu fünfzig und hundert, zu hundert und tausend, zu tausend 
und zehntausend, zu zehntausend und millionen •)«]. 

55. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

57. Ihr opferten — die reisigen söhne des Va^^ka 

im schloss Ehshathrö^aoka, 

dem mächtigsten in dem hochgelegenen 

frommen Eafiha 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
58. Und sie baten: »Diese gnade — gewähre uns liebe 
hilfreichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass wir meister werden 

über den gewaltigen ritter Tu?, 



^) Es sind überall pluralformen zu corrigiren, also täm jazeüta \ 
takhma tugö (tbema tttg) rathaestärö |. In § 54 erscheint wieder der 
Singular. 

*) Ich vermuthe vaegkahe, wofür die lesart von L 18 zu sprechen 
scheint. Derselbe fehler in urvakhshaja für urväkhshahe Jt. 15, 28. 

') Es sind lauter instrumentale zu vermuthen: pa^a^aghnais gaJU^ 
ghnäisca gataghndis etc. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 389 

dass wir in den arischen 

gauen morden 
[zu fünfzig und hundert, zu hundert und tausend, zu tausend 
und zehntausend, zu zehntausend und millionen«]. 
59. Nicht gewährte ihnen diese gnade 

die jungfräuliche hilfreiche Ardvi. 
61. Ihr opferte — vormals Vafra Naväza^), 

als ihn empor gescheucht hatte 

der gewaltige feindetödter Thraetaona 

in geiersgestalt *). 

So flog er immer weiter 
drei tage und drei nachte 
nach seinem hause zu, 
gelangte aber nicht hinab. 

Als er .um's ende der dritten nacht 

den anbruch des morgens erreicht hatte ^), 

da rief er um's morgenroth 

zur jungfräulichen hilfreichen Ardvi: 

63. »Jungfräuliche hilfreiche Ardvi, 
eile mir doch schnell zu hilfe, 
bringe mir rasch beistand! 

tausend opfergaben 

will ich dir darbringen 
[aus haoma imd milch, die man richtig zubereitet und die er- 
forderliche zeit hat stehen lassen.] 

an dem wasser Ranhä, 

wenn ich lebend gelange 
hinab zur gottgeschaflFenen erde 
und zum eigenen hause.c 

64. Es eilte herbei die hilfreiche Ardvi 
in gestalt einer schönen Jungfrau 



») Oder mit Spiegel (Zt. d. d. m. Ges. 33, 308) Pourva der Vafranaväza? 
«) Vgl. metrik d. j. Av. s. 94. 

•) ^ajäo ist mit Greiger (handbuch s. 131) zu streichen und der 
vorangehende vers zu lesen ihraoaia khshafnd ihrüijaiäo, \ 



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390 Karl Oeldner, 

einer sittsamen schöngewachsenen 

hochgeschürzten schlanken 
aus vornehmem hause geborenen 
[am fusse mit sandalen bekleidet 
mit goldnem reife, strahlend]^), 
65. die fasste ihn am arm; 

und bald gelangte er dahin, wohin er lange 
gestrebt hatte, in raschem laufe ^) 
zur gottgeschaflfnen erde. 

und in sein haus 

gesund heil und wolbehalten 

ganz wie ehedem. 



68. Ihr opferte Dschäraäspa, 

als er von fern eine heerschaar 
von bösen teufelanbetern 
in reih und glied anrücken sah 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück klemvieh]. 

69. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir, liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich so grossen widerstand besitze') 
als alle übrigen Arjer«. 

70. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

72. Ihr opfertwi AshavazdaÄh des Pourudäkhsti [söhn] 
und Ashavazdanh und Thrita [des ^äyuzhdri söhne] 
am Apäm Napät*) 

^) Die beiden verse sind deutlich ein anhängsei, welches die klar zu 
tage tretende strophische gliederung unseres abschnittes in vier- und drei- 
Zeilen stört; in der parallelstelle Jt. 13, 107 fehlen sie ganz. 

«) Ich vermuthe jetzt moshu tat äi;naot dareghem jat | fra-qjatajai 
thtoakhshemnd. \ Unsere stelle hat contaminirend auf Yd. 22, 19 eingewirkt. 
Dort halte ich die worte dareghem — fra^ajat für interpolirt, lese also 
moshu tat ä^naot thwakhshemnö, 

*) Streiche avatha. 

*) Apäm napät scheint hier eine bestimmte lokalität zu bezeichnen; 
die folgenden epitheta passen weder in den Zusammenhang, noch fQgen 
sie sich dem metrum. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 391 

[dem hohen herrn dem mächtigen rossefahrenden gebieter, 
hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh], 

73, Und sie baten: »Diese gnade — gewähre uns liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass wir meister werden 

über die klugen turanischen feinde, 

über den Kara A^abana 

und den Vara A^abana^), 

den raschen von ferne lauernden, 

in den kämpfen um dieses land^)<« 

74. Es gewährte ihnen diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaflfenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

76. Ihr opferte — Vistauru aus dem geschlechte der Naotairja 
am flusse Vltanuhaiti 

mit eideswort 
also schwörend: 

77. »Das ist wahrlich wahrhaft, das ist gewiss, 
jungfräuliche hilfreiche Ardvf 

dass ich ebenso viele [teufelanbeter] erschlagen habe, 
als ich haare auf dem haupte trage. 

Und nun mache du mir eine trockne fürt 
durch die liebe VitaAuhait! frei, 
o hilfreiche [jungfräuliche] Ardvi.c 

78. Es eilte herbei die hilfreiche Ardvi 
in gestalt einer seh&ien Jungfrau 
einer sittsamen schöngewachsenen 

^) Metrisch defekt: etwa karemca Jim agabanem» 

*) In gaeihe sehe ich eine defekte Schreibung für gcteil^'i (locat. von 
gaeihja), welche sich aus einem unvollkommeneren der Pehlevischrift 
ähnlichen älteren aiphabet sehr gut begreifen lässt. Ich kenne sonst kein 
beispiel des locat. sg. eines ja-themas auf je, nur auf j6i z. b. maidhidi. 
gaitha fem. bexeichnet den einsehien hausstand, familie u. s. w. (nahe 
verwandt mit skr. gaja). gaeti^a nentr. ist der collektivbegriff dazu, die 
gesammtheit der familien u. s. f. So ist auch J. 34, 3 gaethi auf^fassen: 
pairi (vi.) gaithe khskmäivaid wüma (vL) masdä gardibis gtütäm »rings im 
lande sind euch, o Mazda, die gebete mit den klftngen der lieder geweihte. 
Die stelle Jt. i% S ist völlig corrupt und dunkel. 



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392 Karl GeMner, 

hochgeschürzten schlanken 
aus vornehmem hause gebornen 
mit goldenen schuhen bekleidet 
in vollem schmucke, strahlend. 

Und sie staute die einen wasser^), 
die anderen liess sie weiterfliessen, 
und Hess ihm so eine trockne fürt frei 
durch die liebe Vitanuhaili ^). 

81. Ihr opferte — Jöista aus dem geschlecht der Frjäna 

auf einer insel') der Ranha 
[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 
82. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir, liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich erlege 

den finsteren übelthäter Akhtja, 

und dass ich seine neun 

und neunzig peinlichen 

räthselfragen beantworten kann, 

welche mir der [finstere] übelthäter Akhtja stellt*). 



84. Du sollst verehren u. s. f. wie v. 1. 

85. Welcher Ahura Mazda 

der kunstreiche kund that*): 
»Mache dich auf, steige hinab, 

jungfräuliche hilfreiche Ardvi, 



*) Vgl. metrik d. j. Av. s. 32. 

<) Auch dieser abschnitt scheint ursprünglich strophisch gegliedert ge- 
wesen zu sein. 

') pS in pMvaipe ist doch wol nur dittographie des vorangehenden 
päüi, also wol dvaepe (dvaepa für dvajapa = skr. dvtpa?) zu lesen. 

*) Schon Spiegel hat darauf aufmerksam gemacht, dass Akhtja eine 
art Sphinx zu sein scheint. Ich glaube darum, dass wir nicht bei 
Westergaard^s lesung stehen bleiben dürfen, sondern für fbaishdirigtanäm 
nach W2 tbaishöparBtanäm emendiren müssen, fbaishoparsta s. v. a. 
vexirfrage, räthselfrage. Bestätigt wird diese vermuthuug durch Vd. 19,4 
(khruzhÖQa tbaishöparstanäm), für welche stelle die obige eine neue auf- 
fassung an die band gibt. — frashna ist im metrum überzählige glosse. 

») Vgl. metrik d. j. Av. s. 100. 



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Uebersetzungen aus dem Ayesta. 393 

von diesen stemen 

zur gotterschaflfnen erde! 

Zu dir sollen beten 

die reisigen gebietenden fürsten 

und die fürstensöhne. 

86. Dich sollen die tapfern mtinner 
um besitz rascher rosse 

und um den Vorrang der ehre bitten. 

Dich sollen die memorirenden priester 
die in drei Ordnungen getheilten priester 
um gedächtniss ^) und heiligkeit*) bitten. 

[und um gottgeschenkten sieg 
und überlegene Übermacht], 

87. Dich werden heiratsfähige fleissige 
mädchen im eiternhause um besitzstand 
und um einen tüchtigen hausherrn bitten. 

Dich werden schwangere frauen 
um leichte geburt bitten; 
und du sollst ihnen das nach deiner 
macht, o hilfreiche Ardvt, gewähren.« 

88. Darauf machte sich auf, o Zarathustra, 
die jungfräuliche hilfreiche Ardvi 

^) Ich kann der vielfach verbreiteten ansieht, dass magti auf wz. mad 
zurückgehe, nicht beistimmen, da eine wz. mad »wissen« im Zend für 
mich unbelegt ist. virnädkanh, vtmädhaj liegen begrifiriich zu weit ab. 
Vielmehr glaube ich, dass maQti zu den im Avesta weitverzweigten compo- 
nirten bildungsweisen aus mcmj manas + dkä, wie mazdäj mazdäüi, maz- 
dathiwa (J. 30, 1), mäQ-dathana, meMäidjäi, mäzdaedüm zu stellen sei und 
aus dem abgekürzten stamm mazd -f- ii gebildet ist. Mit der bedeutung 
gedächtniss (vgl. mazdäiti) kommt man überall aus; leider ist keine der 
stellen signifikant, alle formelhaft, doch vgl. bes. J. 57, ^. 

*) Zu Qpäna erinnere ich, dass auch gpenta »heilig« in den Gäthäs, 
ähnlich wie «yto? im NT., von frommen tugendhaften menschen gebraucht 
wird: J. 43, 3; 47, 3; 51, 21. 

Z«iUehrin mv vergl. Spracbf. N. F. V. 4. S6 



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394 Ka^l Geldner, 

von jenen Sternen 

zur gottersehafifenen erde. 

Und es sprach die hilfreiche Ardvl: 
89. »Wahrhafter gerechter Qpitama, 

dich schuf Ahura Mazda 
zu einem lenker der irdischen wesen; 
mich bestimmte Ahura Mazda 
zur beschirmerin aller wesen. 

Durch meine macht und hoheit 
wandeln herden und zugthiere 
auf der erde und die 
zweibeinigen menschen. 

Ich fürwahr behüte 
alle gottgeschenkten guter 
die herrlichen gerade wie 
ein hirt^) seine herde.« 



90. Es fragte Zarathustra die jungfräuliche hilfreiche Ardvi: 
»Mit welchem opfer soll ich dich ehren, 
mit welchem opfer soll ich dich immerdar ehren, 
dich der^) Mazda eine bahn 
jenseits der sonne gemacht hat 
— keine bahn diesseits derselben^) — 



*) Ich halte trotz Geiger's einwen düngen an meiner früheren emen- 
dation jatha pagum paguväQta fest, weil mir der Zusammenhang und die 
einfache logik zwingend erscheinen. Ardvl als beschützerin der wesen kann 
sich doch nur mit einem fairten vergleichen, dessen amt gerade d^ schütz 
der herde ist. Was soll jatha pa^m paguväQtrem heissen? >Wie die 
Viehweide, der Standplatz des viehs das vieh ?< Wo steckt da das tertium 
comparationis? Oder sollen wir nach Spiegel übersetzen »wie vieh und 
Viehweide«? Dann fehlt gerade die hauptsache, der hirti Uebrigens 
scheint Geiger zu vergessen, dass seine lesart pagteva^em auch nur eine 
correktur ist. DieHss. haJ:)en paQuvagtrem^—vastaremj alles unbrauchbar. Der 
text ist also verdorben und muss emendlrt werden, dann aber auch vernünftig! 

') J(^Q is^ entweder attraktion des relativums an das subjekt des neben- 
Satzes oder =jcU tava da dir. 

«) Die Worte noü taeare atUare nredhetn (meine conjektur für hand- 
schriftliches aretheiHf vgl. Jt. 17, 60. Vd. 5, 19) sind entweder nur glosse 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 395 

damit dich nicht schlangen mit schleim 

und frösche^) mit ihrem laich 

und dem gift des laichs beflecken Pc 

91. Und es antwortete die jmigfräuliche hilfreiche Ardvi: 

»Wahrhafter gerechter Qpitama, 

ehre mich mit diesem opfer 

ehre mich immer mit diesem opfer 

von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang^). 
Du darfst von diesem meinem opfer geniessen [die fragenden 
und respondirender priester, ein gedachtnissstarker, geschickter, 
von der lehre durchdrungener')]. 

92. Aber nicht soll von diesem meinem opfer geniessen 
ein landstreicher, ein kranker*), ein lügner, ein geizhals^), ein 
zwerg, ein weib, ein ungeweihter der die lieder nicht singt 
und nicht ein übermässig grosser •). 93. Nicht erscheine ich 
bei solchen opfern, welche mir zu ehren blinde, taube, ver- 
rückte'), blödsinnige, knicker, schreier und mit solchen malen 
behaftete, die nach aller aussage nicht für gesund gelten, ver- 
zehren. Nicht sollen von diesem meinem opfer essen streit- 
süchtige und lästerer noch verrückte und zahnlose.« 

94. Es fragte Zarathustra die jungfräuliche hilfreiche Ardvi: 
»Jungfräuliche hilfreiche Ardvi, sind das deine opfer, was dir 

oder Inversion. Metrum wie Zusammenhang verlangen, dass gelesen werde 
iacare upairi hvare khshaetem \ noü tacare antarem cvredhem. \ 

*) vatoehakäiaca ist kein wort; die Codices schwanken sehr in der 
lesung; am brauchbarsten ist die lesart von E 1^; darnach vermuthe ich 
vazaghäogca »die frösche«; das passt vortrefTlich zum folgenden. Zu 
varenva ist zu vergleichen verena »leibesfrucht« Vd. 18, 38 und vor »be- 
fruchtenc Vd. 18, 32. 35; Jt. 13, 15. — Lesung und bedeutung von 
arethnäisca ist unsicher. 

<) Eine höchst ungenügende antworti 

') Wol nur Zusatz, auch grammatisch nicht in Ordnung. 

*) Schon Justi hat mä taftb u. s. f. verbessert. Zu tafta vgl. tafnu, 
iafnanh fielierhitze; Vd. 7, 70 jeeica he häni tafnö gagat avi tanuje zöish- 
nuje »und wenn ihr die lieberhitze über den ruhelosen (zitternden) leib 
kommt«, zöishnu zu skr. hi^- 

*) Etwa mä aQocis zu vermuthen; ebenso im folgenden mdadahmö (Hang). 

•) Vgl. Vd. 2, 29. 

^) drvad^a kann inmitten lauter plurale unmöglich nom. sg. von 
drvafU sein; es ist nom. plur. von einem drva^ das ich zu np. darvä ca- 
pitis vertigine affectus, mente perculsus stelle. Dem Zusammenhang nach 
w&re auch die bedeutung »mit fester zunge, stumm« oder »gelähmt« 
möglich. 

26* 



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396 Karl Geldner, 

die bösen leufelanbeler nach Sonnenuntergang bringen ^)?€ 
95. Und es antwortete die jungfräuliche hilfreiche Ardvi: 
»wahrhafter gerechter Zarathustra: einbrechen, Wegelagerer, 
übelthäter, hässliche schreier^) sind bei solchen^) opfern zu- 
gegen. Diejenigen aber, welche in meinem gefolge fahren zu 
sechshundert und tausend, die sind nicht bei den opfern der 
teufelanbeter zugegen*)«. 

96. Ich verehre den berg Hukairja den allgepriesenen 
goldenen, aus welchem die jungfräuliche hilfreiche Ardvi tausend 
klaftern ^) tief hervorbricht. Sie besitzt ebenso viel berühmtheit 
als alle anderen gewässer, welche auf erden strömen; sie die 
mit macht hervorströmt. 



97. Du sollst verehren u. s. w. wie § 1. 

98. Um welche*) im kreise die Mazdagläubigen 
mit Bare^man in der band stehen. 

Sie verehrten die Hvöva, 
sie verehrten die Naotairja; 
um reichthum baten die Hvöva, 
um rasche rosse die Naotairja. 
Bald darauf brachten die Hvöva 
ihren reichthum zu höchster blüthe; 
und bald war der Naotairja'') 



^) Eine deutliche anspielung auf den cultus der AnaTtis bei anders- 
gläubigen Völkern. 

*) Lauter dn, l^y,^ welche sich nur vermuthungsweise etymologisch 
bestimmen lassen: nivajaka zu ni-f>% (die grundbedeutung von vt ist: mit 
ungestüm auf etwas eindringen);' nipa^^ka zu ni-pag (= spag); apagharaka 
zu apa-kar; vgl. skr. apa-kar, apakära, 

*) Ein imdo ist zu streichen. 

*) Statt ja ist td (täo) zu lesen und statt Haiti beide male ohne allen 
zweifei paiti zu ändern (das erste mal hat schon Spiegel das richtige ge- 
troffen): paiti vigenti daevanäm paiti jagna: paiti-vig vgl. die 93 und 95, 
aus denen diese änderung mit evidenz folgt. 

^) vira hier und in hazawrovira (wenn statt dessen nicht hazanrdvairja 
zu lesen) scheint bezeichnung eines masses, der normalen grOsse eines 
mannes, also etwa unserer klafter entsprechend, zu sein. 

•) Ueber Jim statt jäm vgl. note zu § 4. 

') In den casusformen ist hier arge Verwirrung eingerissen, wie sie 
correkte zendgrammatik, die wir för diese metrischen stücke noch voraus- 
setzen dürfen, nicht duldet. Statt hvdvo ist zweimal hvom zu lesen und 



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üebersetzungen aus dem Avesta. 397 

Vistä^pa in unseren stammen 
der schnellste reiter. 



100. Du sollst verehren u. s. w. wie § 1. 

101. Welche tausend rinnsale 
und tausend abflüsse bat; 
und ein jedes dieser rinnsale 
und ein jeder dieser abflüsse 
ist vierzig tagreisen lang 

für einen wolberittenen reiter. 

An einem jeden abfluss 

steht ein schöngebautes haus 

mit hundert fenstern hell, 

mit tausend saulen, schön eingerichtet 

mit zehntausend pfeilern und massiv. 

102. In einem jeden schlösse 
steht ein schön überzogener 
duftender gepolsterter diwan ^). — 
Dorthin strömt, o Zarathustra, 
die jungfräuliche hilfreiche Ardvi 
tausend klaftern tief. 

Sie besitzt ebensoviel berühmtheit 
als alle anderen gewässer, 
welche auf erden strömen ; 
sie die mit macht hervorströmt. 
104. Ihr opferte — der gerechte Zarathustra 
im arischen heimatland 
an der guten Däitja 
[der mit haoma milch und opfergras 
und mit beredtem spruch 



statt des letzten naotaire (in der sechsten verszeile = naotairja nom. plur.) 
naotairjö zu ändern. Oder ist naotaire s. v. a. naotairje in der familie 
der Naotara? 

>) Der text ist in starke Verwirrung gerathen, lässt sich aber, wie ich 
hoffe, mittelst der metrischen form noch ziemlich heilen. Mit beiziehung 
der Varianten vermuthe ich als ursprünglichen Wortlaut: Jcerndt aipi 
fimanem (paiti?) \ gätu gaeU qaitoiQtaretem \ hubaaidhijem barezishvafUem |. 
qaiwigtareta s. y. a. hv-aiwi-gtareta »schön gedeckt, — überzogen«, bare- 
ssishvatUa ist als thema zu denken, wie thamananhafUa Jt. 19, 9 (von 
thamnanh = np. ianmag »robur, potentia«), raocinavatUa Jt. 15, 55. — 
gätu neutr. auch Vd. 16, 5 (Sp.). 



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398 Karl Geldner, 

niil [wort] werk und opfergaben 
und aufrichtigen Worten .... *)]. 

105. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich den söhn des Aurvatagpa 
den tapferen edlen Vistägpa gewinne, 
an die lehre zu glauben 
sich zu der lehre zu bekennen 
nach der lehre zu handeln«. 

106. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringenden rechtschaffenen — 
beler alsbald gnade erweist. 

108. Ihr opferte — der hochgemuthe edle Vistägpa 
hinter dem wasser Frazdänu 

[hundert hengste tausend rinder zehnlausend stück kleinvieh.] 

109. Und er bat : »Diese gnade — gewähre mir, iiebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, — 

dass ich sieger werde 
über den finsteren ungläubigen 
und ober den teufelanbeter Peshana 
und über den argen Aregatagpa 
im kämpfe um dieses lan^«. 

110. Es gewahrte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi, — die dem opferbringendeu rechtschaffenen — 
beter alsbald gnade erweist. 

112. Ihr opferte — der ritter Zairivairi^) 
hinter dem lluss Däitja 

[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 

113. Und er bat: »Diese gnade — gewähre mir, liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich sieger werde 

über den Peshöcanha') Astökäna 

Vgl. § 17. 

*) Beiläufig bemerke ich, dass Zairivairis nicht bloss der Zarir bei 
Firdusi, sondern auch der Zariadres in der hübschen erzählung des Chares 
von Mytilene ist bei Athenaeus XllI, p. 575 (abgedruckt in Arrian ed. Car. 
Müller, unter den fragmenta scriptt. rerum Alex. p. 119). Justi vergleicht nur 
Zartf, Spiegel in der Er. Ak. 1, 666 Anm, weiss, dass Zarir = Zariadres ist, 
erwfihnt aber Zairivairi nicht. Roth hat in den gött. gel. an«. 18528t0ck 13. 
14. 15 schon die Zusammenstellung gemacht, die dort verborgen blieb. 

') FeshöcarÜM ist wol der Pesheng bei Fii^iusi, der valer des Afräsiftb, 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 399 

den listigen teufelanbeter 

und den argen Are^ata^pa 

in den kämpfen um dieses land«. 
114. Es gewährte ihm diese gnade — die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi — die dem opferbringenden rechtschaffnen — 
beter alsbald gnade erweist. 

116. Ihr opferte — der mordlustige*) Are^alagpa 
am see Vourukasha 

[hundert hengste tausend rinder zehntausend stück kleinvieh]. 

1 17. Und er bat : »Diese gnade — gewähre mir liebe hilf- 
reichste — jungfräuliche helfende Ardvi, 

dass ich sieger werde 

über den tapferen edlen Vistä^pa 

[der ritter Zairivairi] 

und dass ich unter den arischen 

Stämmen morde 
[zu fünfzig und zu hundert, zu hundert und zu tausend, zu 
tausend und zu zehntausend, zu zehntausend und zu millionen^)].« 

118. Nicht gewährte ihm diese gnade 
die jungfräuliche hilfreiche Ardvi. 

119. Du sollst verehren u. s. w. wie § 1. 

120. Welche vier hengste hat 

— Ahura Mazda schuf sie — 

wind, regen, wölken und hagel. 

Durch ihr harnen nämlich'), o ^pitania, 

regnen und schneien 

und nebeln^) und hageln diese mir. 

[Welche ebenso viele heerschaaren hat 

neun hundert und tausend]. 

121. Ich verehre den berg Hukairja u. s. f. wie § 96. 

123. Eine goldne tiara tragend 
steht die gute jungfräuliche 

Spiegel Er. Ak. 1, 575; gleichen namen führt auch ein söhn des Afräsiäb, 
1, 646. 

') Ich vermuthe vadaremainia. 

») Vgl. § 54. 

*) Ich trenne mit Spiegel Gomment. z. d. st. d me, 

*) QTcifC ist eigentlich »dampfen«, von speisen Vd. 3, 29, hier ist es 
übertragen auf dünste und nebel. vi-^^acc caus. wasser dampfen d. h. 
kochen machen Yd. 7, ^. 



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400 Karl Geldner, 

hilfreiche Ardvi da; 

von dem priester einen spruch erwünschend ^), 

also im herzen sinnend: 
124. »Wer wird mir lobsingen, wer opfern 
[mit opfergaben von haoma und milch, die man richtig zu- 
bereitet und die erforderliche zeit hat stehen lassen]? - 

Wem soll ich anhängen 

der mir anhängt und willig 

gehorsam und zugethan ist?« 



126. Die jungfräuliche hilfreiche Ardvi, 
welche zu erscheinen^) pflegt 
in gestalt einer schönen Jungfrau 

einer sittsamen schöngewachsnen 

hoch gegürteten schlanken 

aus vornehmem hause gebornen; 

lieblich gekleidet') in ein 
reich genesteltes*) goldenes gewand*); 
(127) mit einem ohrengeschmeide geputzt •) 
einem vierseitigen goldenen. 

Einen edelstein') trägt die edle 



^) paitis ist im metrum zu streichen, zaothra ist nicht mit väcim 
zu einem compositum zu verbinden, sondern instr. von zaotar, »durch den 
priester«; vgl. § 11. 

2} Ich lese mit der mehrzahl der Uss. fravaidhemna von 2 vid-^fra^ 
vgl. skr. vidäna, Rv. 1, 122, 2 uaJiäsänakta purudhä vidäne »nacht und 
morgen sind aller orten erschienen«. 

*) vanhänem muss particip sein; dazu gehört die praepos. fra, die 
zweitfolgende verszeile ist ebenso gebaut. Demnach wäre vanhdna zu 
emendiren, wenn es auf Ardv! Qüra gehen soll, und vanhänetn nur eine 
unberechtigte anpassung an die benachbarten wortausgänge. zaoshem ist 
adverb. accusat. wie goaham im veda, siehe wb. 

*) fpakhsta zu skr. 3 poQy päga, 

*) Die folgenden worte bat — zagta sind entweder sinnlose Inter- 
polation oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. 

•) Auch hier zu trennen fra gaoshavara gigpemna. fra-gpä (nicht gpi!) 
sich putzen mit (instr. oder acc. plur.), dazu fragpät ausputz, teppicfa, 
tapete = np. farasb, farasp, gaoshävara = np. gdshvär, 

^) minu = np. minu, minu, minä (cf. zd. zaranjdmina) : smaragdus, 
crystallum; vgl. Lagarde beitr. 47. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 401 

jungfräuliche hilfreiche Ardvi 
an ihrem schönen halse ^). 

Sie gürtete sich die leibesmitte, 
damit die brüste wolgeformt 
und geschnürt^) seien. 

128r Und oben band die jungfräuliche 
hilfreiche Ardvi e^nen schleier') fest 
mit hundert sternen besetzten, goldenen 

achtfaltigen ^) anmuthigen^) 
wallenden*) prächtigen 
durchwobenen ') kunstvollen. 

*) Für mandthri ergiebl sich die bedeutung aus Vd. 13, 30. Lagarde 
beitr. 46. 

*) Für niväzäna, wie Spiegel doch wo] nach handschriftlicher Über- 
lieferung liest, vermuthe ich nijdzäna zu ni-az, v ^^i^ nicht geschrieben 
werden; und wir hätten, falls ich nicht irre, in nivdzäna eine neue art 
mangelhafter graphischer aushilfe hierfür; vgl. vivaoga Jt. 15, 47, für 
viiaoga trenner, ftivaoz^ für vij<ioz^ Jt. 8, 31. 

*) fm(a=np. hush, paah Vullers: amiculum de fascia capitis demissum, 
also doch wohl schleier. 

*) Zu kaosMa in astakaozhda vergleiche ich np. koZy kozh inflexu 
duplicatus. 

') rathakairja durch »wagenähnlich c zu übersetzen, ist nicht minder 
unrichtig als geschmacklos, kairja heisst in compositis nie Ȋhnliche. 
Ich halte ratha für identisch mit skr. 2 raiha in raihaspatij 2 rathagit 
und manoratha. Zur bildung vergleiche man maodhanokairja »wollust 
bereitend« J. 9, 32 (dat. sg. fem. maodhandkairjäi für tnaodhandkairjajdi), 

*) das suffix vafU hat nicht bloss possessive kraft, sondern es schlägt 
bisweilen die bedeutung des skr. adverb. auf vat vor. So kann drafsha- 
kav€M nach meiner auflfassung nicht »mit fähncben versehene bedeuten, 
sondern nur »fahnenartig, flatternd, wallende Wenn wir Rv. 1, 122, 3 
lesen vd'td apam vfshanvän, so kann das gar nicht mit Grassmann »der 
wind, der regen uns herbeiführte, noch mit Ludwig »der stierkräftige 
[Regner] der wasser« übersetzt werden, sondern nur: »der wind, der die 
art eines vr^han unter den wassern hat, gleichsam der mann der (weib- 
lichen) gewässer istc 

^) amupoükwa^ hier hat nichts mit dem ähnlich klingenden anu- 
poithtoa Jt. 10, 70 als epitheton des ebers, zu schaffen. Letzteres ist eine 
gerundivbildung aus % -\- upa mit dem negativen an, also an-upa'ithwa 
»unnahbar, unangreifbar«. Dagegen scheint mir unser anupoiihwaM mit 
bekanntem Übergang von q \n ih für anu-poig-vaM zu stehen, wz. pig -\- 
anu mit suff. va^ »der länge nach bestickt«. Dass in den wenigen an- 



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402 Karl Geldner, 

129. Biberpelze legte die jungfräuliche 

hilfreiche Ardvi um 

von dreihundert bibern; 
[wenn sie viermal geworfen haben, denn dann ist der biber 
am kostbarsten, weil nämlich der wasserbiber dann die schönste 
färbe >) hat] 

zur bestimmten zeit richtig behandelt^) 
schimmern seine pelze für das äuge 
ganz von sllber und gold. 



130. »Und nun, o liebe hilfreichste^) 
jungfräuliche hilfreiche Ardvi 
um die gnade flehe ich dich an: 

dass ich in Zufriedenheit 

grosse herrschaften besitze, 

wo man die rosszucht pflegt und reichliche guter erwirbt *) 

deren fallen einer bildung mit primärem vaM die wurzel ungesteigeri er- 
scheint, macht mich nicht irre; dergleichen incongruenzen finden sich auch 
bei anderen suffixen z. b. merethwa, aber gtaothtoa, — Der Qbergang von 
g in th ist durchaus nicht so selten, als man gewöhnlich annimmt. Bei- 
läufig noch ein beleg dafür, der bisher entgangen zu sein scheint: Yd. 9, 3 
lauten die werte: ho pereihtoa anhdo gemd wpathtowati wrvaranäm etc. 
Alle erkiärer haben sich bei perethwa mit einer casusform von pereUiu 
»breit« abgefunden, während es doch nur s. vt a. pere^a = skr. pargcä 
»mit der Hippe« (vgl. skr. pargu rippe = zd. percQu) ist. Also: »er rodet 
auf dieser stelle mit einer hippe die pflanzen ab«. 

*) Oder »das schönste haar (feil)«. Ich halte es für sehr wahrschein- 
lich, dass die grundbedeutung von gaona »haar« sei. Dazu bestimmt mich 
einmal die angäbe im Zend Gloss. hugaonem the hair of the body, except 
that of the head vdhugaonem black hair paourushagaonem (vgl. Vd. 7, 58 
glosse); zweitens Jt. 13, 11 wo gaona unter lauter körpertheilen wie o^to 
knochen, deretoda bänder, paidhjäo füsse aufgezahlt wird. Aus »haar« als 
charakteristischem merkmal hat sich dann die gewöhnliche bedeutung 
»art, gattung« entwickelt. Für das zweite gaona »geschenk, ehrengabe« 
sehe ich jetzt das etymon in gu, günaoiti Jt. 10, 16 aish&m gunatdli 
verethraghnem »er schenkt ihnen sieg«. Mit dem spätindischen guna haben 
beide gaona nichts gemein. 

*) jathäkeretem fasse ich als avjajlbhäva wie skr. jathakftam, 

*) Bitte eines fürsten. 

*) Vgl. Jt. 17, 7. Die echtheit der worte aQpcuiina — hübaoidhi an 
unserer stelle ist nicht ausser zweifei, da alle diese epitheta nur auf 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 403 

mit feurigen rossen und klirrenden wagen 
knallenden peitschen, von duftendem 
speisevorralh wolgenährt ^). 

Und dass ich in meinen vorrathskamniern 
einen reichlichen behäbigen schätz besitze 2), 
und den (künftigen) gebieter heranwachsend zurück- 
lasse^). 

131. Und jetzt, o gute Ardvi, 
bitte ich um zwei renner: 
um einen zweifüssigen renner 
und um einen vierfüssigen *) : 

Um einen zweifüssigen renner 



mäiiner nicht aber zu khshathra bezogen passen. In Jt. 17 lassen sie sich 
sehr wol mit tiard construiren, an unserer stelle ist- dergleichen aber nicht 
möglich. Oder sollen wir unter khshathra die unter einer herrschaft woh- 
nenden menschen verstehen? Hart bliebe allerdings die construktion. — 
In oQpacina (nach k 12) steckt sicher a^a^ nicht eine ableitung der wz. 
pac, an die Westergaard denkt. Aber cina macht Schwierigkeit. Gehört 
es zu WZ. can (wie in täthroctna) also rosse liebend, d. h. mit ihrer 
dressur zu wettlauf und krieg sich gern abgebend? Oder ist cina = skr. 
cana quidem (wie in daeväcmä ne daemones quidem J. 30, 6) und oQpacina 
instr. sg. zu ross d. h. im krieg reichlich beute gewinnend? 

») asbaourva stelle ich mit Justi zu skr. bharv; dann entspricht es der 
bedeutung nach genau dem skr. subharva »sich gut nährend«, nidhätopitu 
und hubaaidhi sind instr. von asbaourva abhängig, ni-dfid immer vom 
aufspeichern der vorräthe, vgl. Jt. 10, 3% skr. nicüii u. s. f. 

<) upa fällt aus dem vers. Das metrum giebt femer einen deutlichen 
fingerzeig, dass va/rem adaidhe zu trennen ist = skr. väram ädadfie, skr. 4 
wra schätz. Diese stelle bestätigt auf das evidenteste meine frühere 
emendation von J. 10, 13 (vä^ema cairi in värem acavre) — vigpäm ist 
auf missverständniss beruhende glosse, wie auch das metrum ausweist. 
ku^äiitm ist an unserer stelle nicht subst. sondern adjectiv, bahuvrihi- 
compositum, huffjäiti wovon sich gut, angenehm leben lässt, behaglich. 

*) Der Zusammenhang fordert mit noth wendigkeit statt zazäüi eine 
erste person, also correktur in zaeäni. khahathrem muss wegen urtUhentem 
masculiner accusativ sein. Da sich ein subst. khshatar »herrscher« nicht 
belegen lässt, so schlage ich vor hhshcdhrim zu ändern. — Der fürst 
wünscht bei seinem tode einen erwachsenen leibeserben zu hinterlassen. 

*) Der ganze passus ist stark interpolirt; aus dem metrum sind zu 
weisen ^üra anähiU, das erste jimca und das erste aom. 



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404 Karl Geldner, 

welcher [rasch] flink ^) und wolerfahren 2) 
in weltrennen*) und feldschlachten sei; 

und um einen vierfüssigen renner 

welcher einer langgestreckten heerschaar 

beide flanken 

die linke und rechte 

die rechte und die linke zur umkehr zwingt. 

132. Zu diesen opfem> zu diesen sprächen^) 
zu diesen steige herab 
jungfräuliche hilfreiche Ardvi! 

Von jenen gestirnen 

herab zur gottgeschaffnen erde 

und zum opfernden priester, 

zur vollen überfliessenden schale 

zu hilfe dem rechtschaffnen betenden 

dem bittenden die gnade gewährend, 

dass alle diese beiden 
als Sieger heimkehren*) 
wie die des edlen Vistägpa.« 



anhctt oQus ist glosse. Ich lese mit der Variante uz-garstOy das 
ich zu skr. gardh stelle. 

*) hufraourvaega ist wörtlich: der gut, sicher zu lenken weiss, ge- 
schickt u. s. w. 

') Das feminine väsha muss dem zusammenhange nach coUektiv sein: 
wagenschar, wagenlauf. 

*) Vgl. metrik d. j. Av. s. 75. 

*) Zu paitigag&n ist zu vergleichen J. 57, 12 jd vtgpaeibjd [haca] 
arezaeibjd | vavanväo paUigagaiti \ vjäkhma ameshanäm gpentan&m | 
»welcher aus allen schlachten als sieger heimkehrt in die rathsversamm- 
lung der Amesha ^penta«. Diese parallele hat mich auf die richtige lösuug 
unserer stelle geführt. Darnach ist zazväonha (hesser wäre zazväonho) 
nom. plur. des partic. perf. act. einer wz. zä, welche »siegen« hedeuten 
und zu skr. gi gehören muss. Die indische causativbildung gäpajati (vgl. 
Bopp skr. gr. § 468) weist auch eher auf eine nebenforra gä zurück, während 
das Zend neben zä auch die wurzelform zi kennt {zaema = gajäma wir 
wollen gewinnen J. 41, 4, (i)vizajatkä = vigajatha »ihr gewinnt oder be- 
hauptet« J. 53, 7, femer in zaja siegreich, waffe). Der Superlativ zu diesem 
zojsvanh findet sich Jt. 13, 18 hd äonhäiti zazustemö | khshajo kagcü 
mashjänäm | »der wird der aller siegreichste herrscher unter den menschen 
werden«. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. ^ 405 

Jasht VI. An die Sonne. 

1. Die unsterbliche prächtige rossefahrende sonne*) ver- 
ehren wir. Wenn die helle sonne scheint, wenn die lichte sonne ^) 
scheint, so stellen sich die himmlischen götter zu hundert und 
zu tausend ein und sammeln das licht und senden das licht 
hinab und vertheilen das licht über die gotterschaflfene erde. 
Es segnet den hausstand des gerechten 
und es segnet die person des gerechten*) 
die imsterbliche prächtige sonne. 

2. Und wenn die sonne aufgeht*), 

so bringt sie die gottgeschaflfene erde*) 

und das laufende wasser 

und das cisternenwasser 

und das seewasser 

und das stehende wasser 

und die gerechte Schöpfung in Ordnung, 

welche dem heiligen geist zugehört*). 

3. So aber die sonne nicht aufgeht, 
so verderben die teufel alles'), 
was in den sieben erdtheilen istT 
und die himmlischen götter 

finden bei den menschen keine opfergabe 

noch huldigung*) mehr. 
4. Wer die sonne — verehrt, um die finstemiss zu bekämpfen 
und die aus finsterniss geborenen teufel, diebe und räuber, 
Zauberer und hexen und die verderbliche Irrlehre •), 

^) hvare khshaitem wörUich das herrschende dominirende licht, d. h. 
das Sonnenlicht, khahaita und die anderen ahleitungen wie khshdithni 
bedeuten nie »glänzende, sondern stets mächtig, vornehm, fürsth'ch u. s. f. 

*) Zu hväre raoco vgl. die note zu Vd. % 30. 

*) Das letzte frädhatica ist zu streichen. — tarnte ist jedenfalls fehler. 

*) uZ'Ukhsh heisst geradezu »aufgehen« von den gestimen, ebenso das 
einfache viikhsh, vgl. küvaMuha Sonnenaufgang und avakhshaHt von der 
nacht: wo kein licht aufgeht, stemenlos Jt. 14, 31. 

*) Das erste jaozhdäthrem ist aus metrischen gründen zu streichen, 
ebenso das letzte bvat ; die accusative sind abhängig von dem in jaozh- 
daihra steckenden verbalbegriff. 

*) ashava (neutr. sg.) däma —ja (L. 18> f^ii ist constructio ad sensum. 

') Nach dem metrum ist mit der Variante jaf und at zu lesen. 

*) Vgl. Vd. 3, 31 und meine note dazu. 

•) Ich stelle marshaona zu skr, tnarah^ mfshäy zd. mar8?M u. s. f. und 



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406 Karl Geldner, 

der verehrt den Ahora Mazda, 
verehrt die unsterblicheh heiligen, 
verehrt seine eigene seele; 
es versöhnt alle himmlischen 
und irdischen götter *), 
wer die sonne, die unsterbliche, 
prächtige,, rossefahrende verehrt, 
5. -Ich verehre den Mithra, den flurenreichen, tausend- 
ohrigen, zehntausendäugigen. 

Ich verehre seine keule, die er wol zielt 
auf den schadet der teufel, 
er der flurenreiche Mithra. 
Ich verehre den bund, welcher 
der beste aller bände ist, nämlich 
zwischen dem mond und der sonne. 
6. Um ihrer macht und hoheit willen 
verehre ich mit lautem spruche 
die unsterbliche, prächtige, 
rossefahrende sonne und mit opfergaben. 
Wir verehren die unsterbliche, prächtige, 
rossefahrende sonne. 



Vend. 18. Die hunde. 

1. »Welches ist dasjenige geschöpf [des heiligen geistes*)] 
unter den geschöpfen, die ') zu der Schöpfung des heiligen geistes 
gehören, das stets*) ums morgenroth bis zu Sonnenaufgang 

vermuthe die bedeutung ketzerei, sei es irrlehre, sei es abfall (vergessen) 
von der rechten lehre. Die angenommene bedeutung passt vortrefnich 
Vd. 18, 8 (hier concret: irrlehrer, ketzer, apostat). 

^) Wenn die worte, wie es den anschein hat, ursprünglich metrisch 
gefasst waren, so ist die Wortfolge stark gestört; etwa so zu vermuthen: 
kfishnävajeüi mair^avaca \ vtQpe jazata gaeti^äca (so zu lesen) | jo jazaiU 
jat ameshem | hvare raem aurvatagpem |. 

*) gpentömainjava, wofür Westergaard gpentomainju vermuthet, ist 
wegen der taulologie als glosse zu betrachten. 

') jöi constructio ad sensum. 

*) vigpem adverbial wie Jt. 19, 7. — Statt anro tnaif^us ist wro- 
mainjeus zu lesen. 



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(Tebersetzungen ans dem Avesta. 407 

auszieht um dem bösen geiste tausende zu vertilgen?« 2. Da 
sprach ^) Ahura Mazda : »Das scheue flüchtige ^) thier Va n h ä p a ra , 
das die menschen in gemeiner rede Duzhaka ^) nennen ; das ist 
dasjenige geschöpf [des heiligen geistes] unter den geschöpfen, 
die zu der schöpfung des heiligen geistes gehören, welches stets 
ums morgenroth bis Sonnenaufgang auszieht, um dem bösen 
geiste tausende zu vertilgen. 3. Und wer, o ^pitama Zara- 
thustra, das scheue flüchtige thier Vanhäpara, das die menschen 
in gemeiner rede Duzhaka nennen, erschlägt, der richtet seine 
seele zu gründe bis ins neunte glied*), [die richterbrücke ist 
für sie unerreichbar], wenn er nicht bei lebzeiten busse ab- 
leistet.« 

4. »Schöpfer! Wenn jemand das scheue flüchtige thier 
Vanhäpara, das die menschen in gemeiner rede Duzhaka nennen, 
erschlägt, was ist die busse dafür?« Und es antwOTtete Ahura 
Mazda: »Man gebe ihm tausend schlage mit der peitsche, 
tausend schlage mit der rutbe.« 

5. »Welches ist dasjenige geschöpf [des bösen geistes] unter 
den geschöpfen, die zu der schöpfung des bösen geistes gehören, 
das stets ums morgenroth bis Sonnenaufgang auszieht um 
tausende des heiligen geistes ^) zu vertilgen ?« 6. Darauf sprach 
Ahura Mazda: »Der satanische Zairimjanura®), o ^pitama 



^) WörUich: da nannte Mazda das . . . thier. 

<) Dass Qtehdra »stach! i cht c bedeute, ist eine willkürliche annähme, 
welche Jt. 8, 36 nicht stich hält. Dort ist ^hdhra deutlich der gegensatz 
zu awnma »wild« (= rena Jt. 14, 25 und zu skr. ar<vnja), gizhdra ist 
«djectiv von der im Avesta geläufigen wurzel ^azd^ gtzhd und bedeutet 
»scheu, furchtsam«. »Auch hinsichtlich urvigara kann ich den bisherigen 
auslegungen nicht beipflichten. Ich bezweifle, ob wvi je in compositis 
gleich uru sei, ausser in urvjdpaj wo j graphische gründe hat (Roth 
JaQna 31 s. 16); urvikhaodha, urviverethra Jt. 9, 30 ist doch viel besser: mit 
dichtem, schützendem heim, — panzer, urvi zu 1 var. Unser wvt(fara ist 
nach meiner ansieht ableitung von urvig^ wie bereits Spiegel angedeutet, 
und gebildet wie gizhdra von gizhd; urvig bedeutet ganz besonders »sich 
zur flucht wenden«. — Wer je einen igel gesehen hat, weiss, dass derselbe 
nichts weniger als »dickköpfig« ist. 

') Die tradition deutet auf den igel, was sehr wahrscheinlich ist. 

♦) D. h. für alle diese generationen. 

*) Lies gperUomainßus, wie die Haug'sche Vendidädhandschrift in §6 
richtig hat. 

*) zairimjanura deutet Hang (Essay on Pahlavi s. 22) nach Vorgang 
der Parsen auf die Schildkröte, mir ganz unwahi'scheinlich. In beiden worten 



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408 Karl Geldner, 

Zarathustra, welchen die menschen in gemeiner rede Zairimjäka 
nennen. Das ist dasjenige geschöpf [des bösen geistes] unter 
den geschöpfen, die zu der schöpfung des bösen geistes gehören, 
welches stets ums morgenroth bis Sonnenaufgang auszieht um 
tausende des heiligen geistes zu vertilgen. 7. Und wer, o ^pi- 
tama Zarathustra, den satanischen Zairimjanura, welchen die 
menschen in gemeiner rede Zairimjäka nennen, tödtet, dem ist 
erlassen jeder (böse) gedanke, erlassen jedes (böse) wort, er- 
lassen jede (böse) that; der hat gesühnt jeden (bösen) gedanken, 
gesühnt jedes (böse) wort, gesühnt jede (böse) that^).« 



8. Wer einen der hunde herdenwächter, hauswächter, 
bluthund abgerichteten hund tödtet, 
dessen seele fahrt 
noch jammervoller 
und angstvoller*) hinüber 
als der wolf, der auf der treibjagd 
sich in tiefster grübe gefangen hat'). 



zairin^anura, zairimjäka steckt zairiniQa = s\iT, karmja^ das vorrathshaus, 
stall, Scheune u. dergl. bedeutet. § 46* unseres kapitels scheint diese be- 
deutung für zairimja zu bestätigen. Gemeint ist entweder ein thier das 
vorzugsweise in den vorrathshäusern schaden anrichtet, oder ein solches, 
das vorrathshäuser anlegt und wegen dieses diebstahls desto mehr als 
ahrimanisch gilt, also ratte oder hamster oder dergl. 

») Vgl. diese Zeitschrift XXIV, 141. 

*) Es ist k?iraoQJdtaraQca und vcjotaraQca zu verbessern, vqja zu vi. 
Das einige male in den Jasht vorkommende ävoja wird bisher falsch er- 
klärt; es hat mit unserem voja nichts zu thun. Man beachte Jt. 19, 63 
den Wechsel itha i^a, avatha itha^ ävdja iiha: ävoja ist demnach 
wie itha und avatha ortsadverbium = dort, und zwar fem. instr. des pron. 
ava^ über d vgl. havoja = havja. Auch ojd, V. 1. aqjä d. i. avjä J. 47, 2 
ist instr. von ava: avjä ctgtt »mit diesem gedankenc. Die länge des ä in 
ävoja ist wol unursprünglich. 

•) dramne ist, wie ich vermuthe, durch die umstehenden formen aus 
dramnd entstellt; dratnna part. med. von dar = skr. dhar. Ueber razura 
siehe die note zu Jt. 5, 50. Für vajdtuiti habe ich nur schwache ver- 
muthungen: vajdtuiti V. 1. ist vielleicht locat. eines vajotüt und dies ab- 
slract. von v(ya: vaja »gehetzt, in angst«, vajdtut »hetze, treibjagd«. 
Vgl. gadhotu Jt. 11, 6 räuberei oder räuberbande zu gadha. Suff, tvii 
lat. tuU=^tat: täti. Am liebsten sähe man freilich an stelle von vajoiuiU 
ein verbum, das sonst zu suppliren ist: angstvoller, als der wolf heult 
und quäl erleidet in u. s. w. 



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Uebersetzong^n aus dem Avesta. 409 

9. Und keine andere seele hilft ^) seiner seele nach dem 
tode in ihrem Jammer und ihrer angst zu der (anderen) weit. 
[Auch nicht die beiden hunde, die bruckenwächter, helfen ihr 
nach dem tode in ihrem Jammer und ihrer angst zu der 
(anderen) weit (von denen der eine der gerechte Rashnu ist*).] 



10. Wenn jemand dem herdenwächter eine wunde 
schlägt oder ihm das ohr abschneidet oder ein bein abhackt, 
und wenn dann ein dieb oder wolf unbemerkt zu den bürden 
(schleicht)') und aus den bürden etwas stiehlt, so soll er zehn 
für den raub*) büssen und die Verletzung des hundes mit der 
strafe des Baodhövarsta büssen. 

11. Wenn jemand dem hauswächter eine wunde schlägt 
oder ihm das ohr abschneidet oder ein bein abhackt, und 
wenn dann ein dieb oder wolf unbemerkt zu dem hause 
(schleicht) und aus dem hause etwas stiehlt, so soll er zehn 
für den raub büssen und die Verletzung des hundes mit der 
strafe des Baodhövarsta büssen. 

12. »Gerechter Schöpfer der irdischen wesen! Wenn jemand 
dem herdenwächter einen das leben raubenden^) den leib 
entstellenden schlag versetzt % was für eine strafe steht darauf ?c 
Und es antwortete Ahura Mazda: »Man gebe ihm achthundert 
hiebe mit der peitsche, achthundert hiebe mit der ruthe.€ 

13. »Schöpfer! Wenn jemand dem hauswächter einen 
das leben raubenden den leib entstellenden schlag versetzt, 
was für eine strafe steht darauf?€ Und es antwortete Ahura 
Mazda: »Man gebe ihm siebenhundert hiebe mit der peitsche, 
siebenhundert mit der ruthe.c 



«) baz = debäz der GäthAs. 

*) Ist glosse zur glosse» wegen zweier anderer brflckenwächler (Rashnu 
und (raosha?) eingeschaltet. 

*) Ein verbum scheint ausgefallen zu sein. 

*) afsi locat. von afsa, das ich zu np. avsah = raptus stelle. Dadurch 
kommt das zahl wort daga zu seinem rechte. Worin die summe bestand, 
ist nicht gesagt, sondern wird als bekannt vorausgesetzt. Es sind wol 
Stacke vieh, die das Strafgeld bildeten, gemeint. 

•) Hier ist nicht mehr von einer wunde, sondern vom todtschlagen 
die rede; das liegt sowol in den worten, als es auffallend wäre, wenn die 
tOdtung gar nicht erwähnt würde. 

*) gan mit doppeltem accus, auch J. 9, 24. Jt. 19, 44. 
ZeltMhrift mr vergL 8pr«chf. N. F. V. 4. 27 



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410 Karl Geldner, 

14. »Schöpfer! Wenn jemand dem bluthund einen das 
leben raubenden den leib entstellenden schlag versetrt, was für 
eine strafe steht darauf ?c Und es antwortete Ahura Mazda: 
»Man gebe ihm sech^undert hiebe mit der peitsche, sechs- 
hundert mit der ruthe*« 

15. »Schöpfer! Wenn jemand dem Jagdhund einen das 
leben raubenden den leib entstellenden sdilag versetzt, was für 
euie strafe steht darauf?« Und es antwortete Ahura Mazda: 
»Man gebe ihm fünfhundert hiebe mit der peitsche, fünfhundert 
mit der ruthe. 16. Dieselbe busse beim dschazhu, beim igel, 
beim Stachelschwein, beim füchs mit scharfen zahnen und bei 
dem fuchs, der in einem bau wohnt und bei allen hundearten 
des heiligen geistes ausser bei der seeotter *■).€ 

^) Die zu Yd. 5, 30 ff. gegebene deutung der thiernamen ist theilweise 
nach de Lagarde, dessen bemerkungen A. S. 8 mir leider entgangen waren, 
zu berichtigen, iawnma ist nach de Lagarde np. torahf tolah also Jagd- 
hund; vgl. phl. iarok» ^kurena hat schon de Lagarde mit np. Buguir, 
uagur (ich mit sugumah) zusammengestellt. — gazhus vergleicht de Lagarde 
mit np. gaighueh (ich finde bei Vullers nur gizu)y wobei allerdings die ein- 
stimmig überlieferte lesart Schwierigkeiten macht; vielmehr scheint mir 
^zu unser fjtzu zu sein. Gesetzt diese vergleichung sei richtig, so kann, 
wenn gukurena Stachelschwein ist, tHzu nicht dasselbe bedeuten. Die ein- 
heimischen lexica deuten ^zu als »grossen igel«. Igel würde nicht recht 
passen, wenn in der that schon im eingang des capitels von ihm die rede 
war; andererseits vermisst man dieses nützliche thier ungern in der thier- 
gesellschaft des fünften capitels. Wahrscheinlich bezeichnet ^zu eine abart 
des Igels, jedenfalls ein stachelthier. Ob der ameisenigel (Echidna hystrix) in 
Persien heimisch ist, weiss ich nicht. — Auch vermag ich de Lagarde nicht 
beizupflichten, wenn er raopdia Westergaard^s in ^raozha* (d. h. also faozhahSf 
denn ein raozhi gibt es nicht?) herstellen wilL Aber auch Westergaard^s 
lesart ist nicht haltbar. Die Verschiedenheit von mrupis und racpis ist folge 
einer verschreibung des namens für ein und dasselbe thier: die beigegebenen 
attribute charakterisiren zwei spedes desselben; ähnlich Yd. 14, 5 azhi 
udardthrusta — azhi Qpäka; vazagha dddhmainja — vazagha upäpa; 
maoiri dändkarsha — maoiri araeka. Nach meiner meinung ist 
zweimal urupais zu lesen. Dass urupi gleichbedeutend mit urupa (in 
urupazinavaiU »fuchsfell tragend« Jt. 15, 11) ist und beide zu np. rübah, 
rübdh gehören, also »fuchs« bedeuten, unterliegt keinem Zweifel. — Hit 
der lesart jaonS^(Uahe weiss ich nichts anzufangen, dagegen gibt die Variante 
jaondkhätahi einen guten sinn: jaona s. v. a. wohnung, khäta (besser 
khcUä) part. von kan, also höhle, wörtlich »eine zur wohnung dienende 
höhle habend«. Wegen kh statt k vergleiche man taJehairi fem. zu taWm 
von WZ. UiC Yd. 8, 93 und th in ishus qäthakhtd Yd. 9, 46, Jt. 13, 72, was 
nur bedeuten kann »der pfeil, der in seinem laufe, im fluge ist«, also zu tae 
und nicht zu tha9S^ (ziehen, anziehen, bespannen) ; anders huthäkMa Jt. 10, 39. 



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tlebersetzungen aus dem Avesta. 411 

17. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wo hat der 
herden wacht er seinen rechten platz?«c Und es antwortete 
Ahura Mazda: »Wenn er eine Ju^'a^ti weit von den hürden 
streift um diebe oder den wolf anzufallen ^).« 

18. »Schöpfer! Wo hat der hauswächter seinen rechten 
platz?« Und es antwortete Ahura Mazda: »Wenn er ein 
häthra weges weit von den häusem streift um diebe und den 
wolf anzufallen.« 

19. »Schöpfer! Wo hat der bluthund seinen rechten 
platz?« Und es antwortete Ahura Mazda: »Bei dem, welcher 
keine kanststucke, sondern Sicherheit für sein leben haben will.« 

20. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wenn jemand 
dem herdenw ächter die nahrung entzieht*), wie gross ist 
die sihide, deren er sich schuldig macht?« Und es antwortete 
Ahura Mazda: »Als ob er in dieser weit dem herrn eines vor- 
nehmen hauses die nahrung entzöge*), also versündigt er sich«. 

21. »Schöpfer! Wenn jemand dem hauswächter die 
nahrung entzieht, wie gross ist die sönde, deren er sich schuldig 
macht?« Und es antwortete Ahura Mazda: »Als ob er auf 
erden dem herrn eines mittleren hauses die nahrung entzöge, 
also versündigt er sich.« 

22. »Schöpfer! Wenn jemand dem bluthunde die nah- 
rung entzieht, wie gross ist die sfinde, deren er sich schuldig 
macht?« Und es antwortete Ahura Mazda: 

»Als ob*) er einem frommen 
manne, der in sein haus kommt 

*) ^aUhemno scheint nicht zu passen; besser mit V. 1. graoshemnd, 
^aoshimnd zu fru = skr. 2 QrUf sru, siehe diese ztschr. XXIV, 154. 

*) tar^ihwa adject.; »einer dem die nahrung entzogen ist«, dagte 
(oder äagti) demnaeh = skr. dhatte, 

*) paiti hier und in den folgenden paragraphen ist flberflilssig; im 
ersten salz ist es weggelassen. Es schehit aus g 23 skjaothnem paiti 
»um der sfinde willen« entlehnt zu sein. 

*) Der text ist corrupt; ich vermuthe narefnjadhdit anhavanem \ gagefUem 
ahrnja nmäni \. Zu jadhSit vergleiche ich Vd. 16, 17, wo gleichfalls ur- 
sprOnglich verse: jaäMit pttfhrahi hväzätähi | ftä na^em nagüm pacäf | 
pitiii ätkriiOhem barät \ Das erkläre ich: (der thnt kein besseres werk) als 
wenn er aus dem leichnam seines leiblichen sohnes das fett auskochte 
und als sehmalz ins feuer brächte, pra-pae mit doppeltem accus, naitd 
s=9kr. meha. Beilfluflg: es gibt im Zend ein dreifaches tmiza: 1) spitze 
(der natiel, Jt 14, 35) =^ np. niziO^; 2) schnee (zu Qfiizh), ganz deutlich 
Vd. 7, 58 und Jt. 13, 131 neben ^acH und 3) fett = skr. miha, Vd. 16, 17. 

27* 



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412 Karl Geldner, 

mit den abzeichen eines priesters, 
die nahrung verweigerte, 
also versündigt er sich.c 

23. »Schöpfer! Wenn jemand dem Jagdhunde die nah- 
rung entzieht, wie gross ist die sündc, deren er sich schuldig 
macht?« Und es antwortete Ahura Mazda: >Als ob er in 
dieser weit einen braven knaben zum sunder machte und ihm um 
der Sünde willen die nahrung entzöge *), also versündigt er sich.« 

24. »Schöpfer! Wenn jemand dem herdenwächter die 
nahrung entzieht, was für eine strafe steht darauf?« Und es 
antwortete Ahura Mazda: »Für dieses verbrechen gebe man 
ihm zweihundert schlage mit der peitsche, zweihundert mit 
der ruthe.« 

25. »Schöpfer! Wenn jemand dem hauswächter die 
nahrung entzieht, was für eine strafe steht darauf?« Und es 
antwortete Ahura Mazda: »Man gebe ihm neunzig schlage mit 
der peitsche, neunzig mit der ruthe.« 

26. »Schöpfer! Wenn jemand dem bluthund die nahrung 
entzieht, was für eine strafe steht darauf?« Und es antwortete 
Ahura Mazda: »Man gebe ihm siebenzig schlage mit der peitsche, 
siebenzig mit der ruthe.« 

27. »Schöpfer! Wenn jemand dem Jagdhund die nahning 
entzieht, was für eine strafe steht darauf?« Und es antwortete 
Ahura Mazda: »Man gebe ihm fünfzig schlage mit der peitsche, 
fünfzig mit der ruthe. 

28. Denn unter allen geschöpfen des heiligen geistes auf 
erden, o ^pitama Zarathustra, altert der hund am raschesten, 

welcher beim essenden steht ^) 

^) Die Worte siijaothnem paiH tardpühtoem daUf^'äf scheinen ein nicht 
hierher gehöriger zusatz zu sein. 

*) Von j8i an lassen sich wiederum alte Terse ausschälen. Die gliede- 
rung des textes ergibt sich aus der Übersetzung. Aus . dem metrum sind 
zu streichen aqarOf günahi und jot, welches zusatz des Überarbeiters ist. 
Fraglich kann nur sein, ob durchgehend die Singular- oder die pluralform 
herzustellen sei; denn nur ein einheitlicher numerus ist statthaft Für 
den Singular spricht evindand und das folgende hS. In der zweiten Yen- 
zeile lässt sich der überschuss Ton einer silbe nur durch änderung von 
Qpctgänd in fp<igä, nominatiT eines themas Qpcigan beseitigen. AhohistaiU 
upa qaremem | u. s. f. Vgl. Yd. 3, 29 und zur sache RY. 10, 117, 8 
sampaQJan panktir upaüahthamänah zuschauend steht er (der hund) bei 
der gesellschaft. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 413 

abseits zuschauend und nichts bekommend, 
ohne trank und speise; 

man soll ihm vom essen und milch dazu bringen, 
denn ^) das ist seine richtige koste 



29. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen ! Wenn in dem 
hause eines Mazdagläubigen ein hund stumm wird und nicht 
gut bei sinnen ist ^), was sollen dann die Mazdagläubigen thun?« 
30. Und es antwortete Ahura Mazda: »Man soll ihm ein zu- 
geschnittenes holzstück am halse anbringen und seine schnauze 
hineinzwängen [glosse : so gross wie ein backslein von hartem, 
doppelt so gross von weichem holze*)]; (31) und sie sollen ihm 
(das holzstück) auf beiden selten festmachen *) und ihn anbinden 
[auf beiden selten], damit der stumme und irre hund nicht 
thier oder mensch verwunde, c [Die wunde eines verwundeten 
soll man mit der strafe Baodhövarsta büssen*).] 



[32. Wenn*) er das erste mal ein thier anfallt, das erste 
mal einen menschen verwundet, so soll man ihm das rechte 



^) Ich trenne aeva he statt aevahe; so fügt sich die struktur des satzes 
auf das schönste. Die entstellung kam aus § 44, ebendaher die inter- 
polation von fünahS. 

*) Dass der folgende passus auf die eigentliche tollheit des hundes 
abziele, folgt nicht zwingend aus den Worten und ist in der sache unwahr- 
scheinlich. So viel einsieht darf man den praktischen Eraniern doch zu- 
trauen, dass sie aller priesterlichen superstition zum trotze dem geböte der 
nothwendigkeit folgend den tollen hund durch tödtung sofort unschädlich 
machten. Und eine lange erfahrung muss sie von der Unmöglichkeit den 
toUen hund zu kurieren überzeugt haben. Meines erachtens ist im fol- 
genden nur der fall vorgesehen, dass der hund nicht mehr wachsam ist 
(29—90) oder auf seinen herrn nicht mehr hört (35—38), überhaupt bissig 
und störrig wird. — Uebrigens scheint die hundswuth im Orient überhaupt 
nicht vorzukommen. 

*) Die glosse gehört natürlich zu däuru. 

*) In den einschnitt eines holzstückes soll man seine schnauze stecken 
und diesen primitiven maulkorb so fest machen, dass er die schnauze nicht 
lockern kann. Mehr kann ich nicht in den worten des textes sehen. Die 
worte uvaübja naetnaeitja scheinen von späterer band, vgL § 37, wo sie 
fehlen. 

») Aus Vd. 15, 16. Was soll aber para? Das deutet darauf, dass es 
irithauö sUtt irishmd heissen sollte. Vd. 15, 16 würde das passen. 

*) Dass der ganze abschnitt § 32—34 eine gedankenlose Interpolation 



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^14 ^^^ Geldoer, 

ohr abschneiden; wenn er das zweite mal ein thier anfällt, das 
zweite mal einen menschen verwundet, so soll man ihm das 
linke ohr abschneiden. 33. Wenn er zum dritten mal ein thier 
anfallt, zum dritten mal einen menschen verwundet, so soll 
man ihm das rechte bein abschneiden. Wenn er das vierte 
mal ein thier anfällt, das vierte mal einen menschen verwundet, 
so soll man ihm das linke bein abschneiden. 34. Wenn er 
zum fdnften male ein thier anfallt, zum fünften male einen 
menschen verwundet, so soll man ihm den schwänz abschneiden; 
und sie sollen ihm (den maulkorb) auf beiden selten fest- 
binden und ihn auf beiden selten recht fest machen u. s. f. 
wie §31.] 

35. »Schöpfer! Wenn in dem hause eines Mazdagläubigen 
ein hund taub und nicht gut bei sinnen ist, was haben dann 
die Mazdagläubigen zu thun?c Und es antwortete Ahura 
Mazda: »so sollen sie ein heilmittel für ihn suchen, wie für 
jeden frommen manne 

36. »Schöpfer! Wenn sie trotz suchens keines finden, was 
haben sie dann zu thunPc 87. Und es antwortete Ahura 
Mazda: »Man soll ihm ein zugeschnittenes holzstück am halse 
anbringen und seine schnauze hineinzwängen [so gross wie ein 
backstein von hartem, doppelt so gross von weichem holze]; 
und sie sollen es ihm festmachen und ihn anbinden, (38) damit 
der taube hund nicht in eine grübe oder cisterne oder falle 
oder fllusa oder tiefen ström falle und dadurch umkomme.« 
[Wenn er in folge davon umkommt, so wird man zum sünder 
und verdient den tod,] 

39. »Den hund schuf ich, o Zarathustra, 
ich Ahura Mazda, 
mit eigenen kleidern und schuhen 
mit scharfen sinnen und spitzen zahnen, 



ist, welche die eben gegebenen Vorschriften geradezu aufhebt, sollte ein« 
leuchten. Statt den bissigen hund durch aniegung des maulkorbes sofort 
unschädlich zu machen, soll man jetzt abwarten, bis er fünf mal schaden 
angerichtet hat, dafür aber ein ebenso unmenschliches wie einfältiges und 
schablonenmässiges heil- oder Strafverfahren an dem thiere ausfiben. Die 
letzten worte des abschnittes schleppen ganz zusamme9hangaik)s nach. 



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UebersetzuDgeu aus d^m Avesta. 415 

ein besitzthum des mannes bild^»!^), zum schütz der höfe. 

Dazu habe ich Ahura Mazda den hund geschaffen, dass du ihm 

den Turanier auf den leib hetzest^). 

So lange er bei rechtem verstände ist'), 
ist er (ein Avächter) für die menschen^). 
40. Und wenn der hund, o ^pitama Zarathuslra, mit 

bellen*) wachsam ist, so (schleichen sich*) weder dieb noch 

wolf unbemerkt in die häuser und stehlen aus dem hause.« 



[Erl^, unschädlich gemacht, verjagt sollen die geifernden 
Wölfe werden').] 

41. »Schöpfer! Welche voh beiden wolfsarten soll man 
eher umbringen, gerechter Ahura Mazda; die welche ein hund 
mit einer wöIfin oder welche ein wolf mit einer hOndin erzeugt?« 
Und es antwortete Ahura Mazda: >Die von beiden wolfsarten, 
o gerechter Zarathustra, verdient mehr den tod, welche der 
hund mit der wölfin, als die welche der wolf mit der händin«) 

^) Auch hier besUtigt sich, dass draotuiM durchaus mit skr. äratinaa 
identisch ist; vgl. § 45 unseres capitels. 

*) Ich halte nuufoos für corrupt, eine Variante bei Spiegel gibt tnagaaig; 
ich vermuthe, dass m dittographie ist — vorher geht dimy eine andere 
Variante hat das tn nidit ^ und lese atfotB, optat. von as. kehrpd davon 
abhängig als genit. des ziels. 

*) Spiegel hat den richtigen texi: jegi agti asfu» khrathwaj skr. fienahraivd. 

*) Diese versseile, die den nachsatz bildet, ist offenbar verderbt; die 
falsche Wiederholung von jezi hat ein Substantiv — thräta oder hareia — 
verdrängt. 

•) Wörtlich: bei, mit stimme. 

•) Vgl note zu § 10. 

^) Der ganze abschnitt ist sehr fragmentarisch« Die deutung der letzten 
Worte macht Schwierigkeiten. ^9thwa zu skr. (X^ctm, im skr. allerduigs 
an, iUy., doch scheint die Obersetzung »unschädlich, unwirksam maehenc 
das richtige zu treffen. Statt pHthma vermuthe ich ^oitAtoa, gerundiv der 
WZ. ^ in ^Mh-d, QJOBdf ^idAi, g^idhü (J. 58, 1 »verscheuchung« neben 
verMra »abwehr«) steckend. Ueber den ausfall eines Spiranten verweise 
ich auf aühra von H gäihrageü genit von gdgiar, neben ^dciarg. [Besser 
scheint mir jetzt updüktoa »aggrediendi« zu sein. Gorrect n.] — Die rich- 
tige bedeutung von fnaezhana folgt aus | 48. 

•) Die grammatik — im ganzen capitel nicht sonderlich bestellt — 
sieht hier schauderhaft ans; trotzdem glaube ich nicht, dass auch der 
schlechteste Verfasser jemals joiUki jat vehrkd gpd gesagt habe. 



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416 Karl Geldaer, 

erzeugt^). 42. Im einen falle kommen hunde zur weit — zur 
rasse der herdenwächter, hauswächter, bluthunde, dressurhunde 
gehörig — welche den menschen gefährlich sind'^), das heisst 
solche, welche wilder unnahbarer sind und den menschen 
häufiger anfallen als die anderen hunde. 43. Im anderen falle 
kommen wölfe zur weit, die den menschen gefahrlich sind, das 
heisst solche, welche wilder unnahbarer sind und den menschen 
häufiger anfallen als die anderen wölfec. 



44. Der eine hund hat acht vergleiche*): den*) mit 
dem priester, den mit dem krieger, den mit dem feldbauern, 
den mit dem knecht, den mit dem dieb, den mit dem raub- 
thier, den mit der hure, den mit dem kleinen kind. 45. Er 
isst zu gast wie der priester; er ist genügsam wie der priester; 
er ist leicht zurechtzuweisen*) wie der priester; er hat geringe 
habe wie der priester. Das ist der mit dem priester. — Er 
eilt*) den vordersten voran, wie der krieger; er läuft hinter dem 
nützlichen vieh her') wie der krieger; er ist bald vor, bald 



^) Für kerenaoüi vermuthe ich verenaaüi; var ist hier ganz am platz; 
es bedeutet »belegen« und wird mit locat. (besser die Variante vehrki statt 
vehrkahe) oder accus, construirt, vgl. Yd. 18, 32 und skr. 1 var mit abM* 
Wörtlich wäre: wenn der hund den wolf belegt u. s. w. 

') jathaghr^o ist unverständlich; ich verbinde das erste mal jaüuight^d 
von ^ghni {= skr. ^ghnt)^ je, jeder einzeln schadend und vermuthe das 
zweite Mal jdo gaghnjo; jäo auch im folgenden relativum. gaghni = sk. 
gagkni und positiv zu gaghnista Jt. 11, 3. 12, 8. Ebenso im folgenden 
Paragraph. 

*) hifra muss nach dem Zusammenhang s. v. a. parallele, vergleich 
bedeuten; lautlich ist es mit \2X,duplu8 identisch. Zum bedeutungswechsel 
verweise ich auf mhd. gunspü, das beides »das doppelte, doppelt« und 
»gleichniss« bedeutet, siehe Lexer s. v. 

«) Statt fuiem ist überall mit der variaiite dem zu lesen, sc bifrö. 

*) Schon Spiegel hat zu hväzära das np. äzar verglichen. 

') Die handschriften schwanken stark in der lesung. Jedenfalls zielen 
die beiden sätzchen auf einen gegensatz; rapid ist darum ebenso un- 
brauchbar wie japto, jatö, lauter verstQmmelte wortreste. Es ist ent- 
weder fragaid als gegensatz zu aipi-gato zu emendiren oder aus dem 
gleichen Zusammenhang im § 48 die lesart pairi'takhto heraufzunehmen. 
pawrvaeibja dual im sinne des plural. 

^) Ich bin jetzt geneigt aipi-gatö als particip von aipi-gam anzusehen, 
da der Zusammenhang diese bedeutung erheischt Der palatal in goto 
ist den praesensformen entlehnt. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 417 

hinter dem hause wie der krieger^). Das ist der mit dem 
krieger. 

46. Aus Wachsamkeit schläft er nicht die ganze nacht wie 
der bauer; er ist bald vor, bald hinter dem hause wie der 
bauer; er ist bald hinter, bald vor dem hause wie der bauer ^). 
Das ist der mit dem bauern. — Er grüsst gern*) wie der 
knecht; [er zerrt, was ihm zu nahe kommt, wie der knecht^)]; 
er muss im hinterhause essen*) [nur dreimal (im tag)]. Das 
ist der mit dem knecht. 

47. Er liebt das dunkel wie der dieb; er streift in der 
nacht wie der dieb; er schlingt ungenügend gekaut wie der 
dieb*); er ist schwer zu verwahren'') wie der dieb. Das 
ist der mit dem dieb. — Er liebt das dunkel wie das raub- 
thier; er streift in der nacht wie das raubthier; er frisst un- 
genügend gekaut wie das raubthier; er ist ebenso schwer zu 
verwahren wie das raubthier. Das ist der mit dem raubthier. 

48. Er grüsst gern wie die hure; er zupft was ihm zu 
nahe kommt *) wie die hure; er treibt sich auf der Strasse um •) 



*) Wenn der krieger wache hält. 

>) Diese variirung ist doch gar zu einf&ltig und schwerlich ursprünglich 
und kommt theil weise schon in 45 vor. Der ganze passus zeigt mehrfache 
vermengungen. 

*) qafidrakara s. v. a. hvaMrakara und dies nach bekannter graphischer 
eigenheit = hu-vatidra-iara, wz. vaM; ebenso qä^^a = huväftra »weide- 
reich«, vgl. besonders Jt. 19, 67. 

*) Will an dieser stelle nicht recht passen, vgl. unten § 48. 

») Die lOsung ist problematisch. — Ich lese mit einer reihe von hand- 
schriflen, unter denen sich auch die Haug*sche befindet, $avrimjagma, d.i. 
zaifimja (siehe oben § 6) + agman »mahlzeit«. thrjoQma, wie vorauszusetzen 
ist, wäre glosse dazu. Ein scbreiber verschrieb aber irregeleitet durch die 
reminiscenz an J. 19, 16 thrjafgnui. Gemeint wäre, dass hund und gesinde 
im nebenhaus, nicht im herrengebäude assen. Zu § 48 will diese be- 
deutung nicht recht passen, dort ist der satz vielleicht interpolirt. Möglich 
auch, dass gelegentlich einmal der nmändpaitis eine gahikäm im zairimja 
verktetigie. 

*) Wörtlich: ohne Zerkleinerung, wie der dieb die gestohlenen ess- 
waaren hastig verschluckt, wz. puh. apithma in Jt. 10, 105 werde ich seiner 
zeit zu erklären versuchen. 

^) duihmdhaia b: skr. dwrnihüa^ dessen bedeutung aus dem Skr. wb. 
zu lernen war. Dieb und hund entwischen leicht. 

*) Ich lese mit guten handschriften ofnae-raSio statt ^raeshö; raiga 
zu wz. rig »zupfen, zerren«. 

*) airUd ist particip von or. 



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4,18 Karl Geldoer, 

wie die. hure; er muss im hinterhause essen [dreimal essen] 
wie die hure. Das ist der mit der hure. 

Er schläft gern wie das kleine kind; er geifert wie das 
kleine kind; er streckt die zunge heraus wie das kleine kind; 
er läuft den vordersten voraus wie das kleine kind. Das ist 
der mit dem kleinen kind. 



49. »Zweien sollst du nicht wehren, wenn sie zu meinen 
häuisern kommen: dem herdenwächter und dem hauswächter; 
denn nicht würden meine häuser sicher stehen auf der gott- 
geschaffenen erde, wenn der herdenwächter und der hauswächter 
nicht da wären.« 

50. »Gerechter schöpfer der irdischen wesen! Wenn ein 
fortpflanzungsunfähiger zeugungsschwacher hund ^) stirbt, wohin 
gelangt seine seele?« 51. Und es antwortete Ahura Mazda: 
»in die teiche geht sie ein, o ^pitama Zarathustra; dort ge- 
sellen sich ihnen die beiden seeottern und zu tausenden hunde 
weiblichen und männlichen geschlechtes, paarweise je ein 
männchen und ein Aveibchen.« 



[»Wer eine otter erschlägt, verursacht dürre mit miss- 
wachs. 52. und") fortan schwinden aus jener gegend und 
landschaft, o ^pitama Zarathustra, trank und speise, gesund- 
heit und arznei, gedeihen und zunähme und wachsthum und 
ertrag an getreide und futter.« 

53. »Schöpfer! Wann werden uns in jene gegend und 
landschaft •) trank und speise, gesundheit und arzenei, wann ge- 
deihen und zunähme und wachsthum und ertrag an getreide 
mid futter zurückkehren?« 

54. Und es antwortete Ahura Mazda: »Nicht eher^ o Qpi- 
tama Zarathustra, werden in diese gegend und landschaft trank 
und speise, gesundheit und arzenei, gedeihen und zunähme 

>) Im text ist die femininform gebraucht; die beiden adjectiva sollen 
flberhaupt nur das alter charakterisieren und zwar nastdeemana bei der 
hündin, pairiatdkhshudra beim hunde. 

•) Repetition von Vd. 9, 53, vgl. Spiegels Bemerkung. 

*) Die Variante in Vd. 9, 55 hat das correkte skoühräiea; shdUhtaeca 
ist falsche angleichung der endung. 



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Uebersetzungen aus dem Avesta. 419 

und wacbsthum und ertrag an getreide und fatter zuräckkebren, 
(55) als bis der mörder der otter todtgeschlagen wird und 
man für die heilige seele jener otter drei nachte und drei tage 
lang gebete spricht bei flammendem feuer und gestreutem 
opfergras und einer baomadarbringung. 56. Alsdann wird in 
diese gegend und landschaft zurückkehren trank und speise, 
gesundheit und arzenei, alsdann gedeihen und zunähme und 
wacbsthum und ertrag an getreide und futter.cj 

Tübingen, Im februar 1880. 

Karl Geldner. 



Tennis nnd media. 

Durch die »grundzüge der lautphysiologie« von £. Sievers 
ist die alte, vielfach debattirte frage über den physiologischen 
unterschied zwischen tenuis und media in ein neues Stadium 
Sretreten. Wie das ganze buch enthalt auch der betreffende 
abschnitt viele neue und anregende gedanken, und ich gestehe 
äffen ein, dass ich erst durch denselben zu genauerem nach- 
denken über die streitige frage geführt worden bin. Indäm 
ich dies unumwunden einräume, hoffe ich andererseits, dass 
der geehrte Verfasser der »grundzü